How Money Trains Us Every Day. Greed, Desire, Fear, Love and the Future of Wealth | Markus Koch
6 Feb 2026 · 59 min
Markus Koch, Wall Street's longtime German voice, talks about money as an energy that empowers or imprisons depending on your mindset. He grew up in Liberia, traded on the New York floor, and now believes true satisfaction comes from balance, not gains. AI is reshaping finance, but curiosity and the willingness to start over matter more than wealth.
Chapters
Markus, herzlich willkommen in unserem Studio hier in New York. Es ist heute eine Weltpremiere, dass The Future Is How nicht in Santa Cruz in unserem Dom stattfindet, sondern hier in New York, sozusagen in deinem Zuhause fast.
Ja, wunderbar.
Und für alle die, die Markus Koch nicht kennen, und es sind wenige, muss ich sagen, also allen, mit denen ich gesprochen habe, bist du ein Begriff, weil du bist das Gesicht der Wall Street in Deutschland seit über 30 Jahren. Ja.
Genau.
Und hast auch in den letzten 30 Jahren wirklich eine Community aufgebaut, eine sehr, sehr große Community, die dir immer wieder vertraut. Und du bekommst immer eine schöne Frage gestellt. Ich glaube, täglich bekommst du diese Frage wahrscheinlich mehrfach gestellt, und das ist: Markus, wohin geht der Markt? Ja, ich möchte heute beginnen mit einer anderen Frage.
Sehr schön.
Und zwar eine Frage, die vielleicht alle Menschen beschäftigt und die so ein bisschen größer ist als wohin der Markt geht. Und ich möchte mal mit der Frage beginnen: Wohin geht unsere Zukunft? Und noch mal herzlich willkommen, schön, dass du da bist, und ich freue mich auf unser Gespräch.
Frederik, ja, danke für die Einladung. Ja, Wohin geht die Zukunft dann? Das ist eine gute Frage. Wohin geht die Zukunft? Ja, also ich muss sagen, darüber muss ich tatsächlich erstmal ein bisschen nachdenken.
Genau, und ich glaube, es geht vielen Menschen so. Mir geht's auch jedes Mal so, weil es gibt keine einfache Antwort. Und ich glaube, wenn wir uns Zukunft als etwas vorstellen, das nicht nur einfach passiert, sondern dass wir sozusagen gestalten können, dass wir über unsere Entscheidungen jeden Tag in eine gewisse Richtung auch lenken können, dann ist es vielleicht erstmal die Frage: Was für eine Zukunft wünschst du dir denn? Und vielleicht ist es eine einfache Frage mal zu Beginn. Und wenn wir uns mal nach einem Zeithorizont orientieren, der 5 Jahre in der Zukunft liegt, wer ist dann Markus Koch und was macht dann Markus Koch?
Das ist natürlich in der Anlagewelt immer eine spannende Frage, denn wir kennen unsere zukünftige Person natürlich nicht. Wir kennen die Zukunft, die wir einmal, die Vergangenheit und die Person, die wir in der Vergangenheit einmal waren. Aber sich um den zukünftigen Markus Koch auch zu kümmern, das haben, das, ich glaube, damit haben viele Menschen Schwierigkeiten, quasi sich selbst in der Zukunft zu porträtieren. Ich fange mal ganz bewusst aber mit dem Jetzt und Heute an, denn ich bin mit dem Jetzt und Heute sehr zufrieden. Und ich finde, dass mit dem Blick nach vorne vor allen Dingen die Bereitschaft zu improvisieren da sein muss, die Neugier nicht zu verlieren, wenn man gerade auch etwas älter ist, mit 54, und Fehler zu machen. Ich mache den Job jetzt seit 30 Jahren und bin in dem, was ich mache, auch gut, aber möchte auch Dinge anfangen, in denen ich schlecht bin.
Was wäre da so ein Beispiel?
Na ja, also das Thema AI neu zu leben und die Firma darauf auszurichten und die Menschen, mit denen ich arbeite, auch zu ermutigen, sich damit auseinanderzusetzen. Das Scheitern, das damit auch einhergeht, nicht als Scheitern zu sehen, sondern als Opportunität, darauf aufzubauen, dann eben andere Wege zu gehen. Und so würde ich dann mal den Blick in die Zukunft wagen, dass ich keine Ahnung habe, wo ich in 5 Jahren stehen werde, aber ich bringe die Flexibilität mit und den Optimismus und die Offenheit, um hoffentlich einer guten Zukunft entgegenzuschauen.
Woher kommt die Zufriedenheit genau in der Gegenwart? Also, du bist heute Morgen aufgestanden, hast dich wahrscheinlich in die Subway hier gesetzt und bist an die Wall Street gegangen, warst heute schon auch mehrfach auf Sendung. Woher kommt die Zufriedenheit? Kommt die aus der Arbeit, aus den Menschen, die du tagtäglich mit Informationen, mit aktuellen News, wie sich der Markt auch bewegt, versorgst? Kommt der aus— kommt diese Zufriedenheit aus etwas anderem?
Ich glaube, die Zufriedenheit, gerade bezogen auf den Job— ich habe ja nun jeden Tag mit Geld zu tun und mit Trading zu tun und mit steigenden Kursen, mit sinkenden Kursen. Ich glaube, dass man damit wesentlich besser umgehen kann, wenn man mit einer Kernzufriedenheit an diese Themen geht. Wir haben es ja auch mit Zukunft zu tun, und die Zukunft ist eine ungewisse. Mir geht's also jetzt nicht darum, das Glück in einem Aktienkursgewinn zu finden oder unglücklich zu sein, wenn mal irgendetwas nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Ich glaube, wenn du vom Kern her zufrieden bist, dann kannst du beide Momente viel besser navigieren. Du kannst den Moment der Freude genießen und den Moment, in dem etwas nicht funktioniert, weil das gehört einfach mit dazu, ja, und ist auch ein vorübergehendes Ereignis sozusagen. Und für mich ist Zufriedenheit dieses Äquilibrium, um den sich im Prinzip alles bewegt. Und guck mal, wenn du im kurzfristigen Bereich tradest, ist es glaube ich immer sehr wichtig, auch sehr schnell wieder loslassen zu können.
Was bedeutet das?
Also, du darfst nicht gefangen sein in dem, was war. Du darfst nicht gefangen sein in dem, was falsch gelaufen ist, sondern du kannst dir natürlich die Frage stellen: Ist das, was du dir gedacht hast, aufgegangen oder nicht? Und wenn es nicht aufgegangen ist, warum ist es nicht aufgegangen? Um Orientierung zu bekommen, aber sofort in der Lage zu sein, zu sagen: Okay, that's it, ich habe jetzt entweder Verluste nicht laufen lassen, ich habe meine Fehler erkannt, Und danach besteht jeder Moment mit dem Blick nach vorne ja aus einer Unmenge an Opportunitäten, an Chancen, die man nutzen kann. Es gibt keine verpasste Chance. Eine verpasste Chance gibt es für mich eigentlich nur dann, wenn es in Zukunft gar keine Chance mehr gibt. Und das ist schlichtweg falsch. Jeden Tag hast du eine neue Chance.
Was macht denn Geld mit uns Menschen? Du hast es jetzt 30 Jahre beobachtet. Verschiedene extreme Situationen bestimmt auch mitbekommen, darüber auch als Journalist berichtet. Was macht denn das Geld mit uns Menschen?
Das kommt drauf an, was du zulässt. Geld kann etwas Wunderbares sein. Ich sehe Geld eher als eine Art Energie. Eine positive Energie oder eben auch eine negative, je nachdem welche Perspektive du hast. Geld macht mit dir gar nichts. Die Frage ist, was machst du mit dem Geld?
Schön.
Und wenn du Abstand hast zu dem, wie viele Menschen Geld einordnen— Geld hat ja unglaublich viel mit Ängsten auch zu tun, in Deutschland vielleicht noch sogar ein bisschen mehr als bei uns hier in den Vereinigten Staaten. Dass wenn du nicht mehr gefangen bist durch diesen Gedanken des Geldes an sich, dann kannst du viel freier agieren. Und dann wird Geld auf einmal etwas, ein Energiefluss, den du nutzen kannst und auf den du aufbauen kannst, der befähigt. Deshalb ist in der Tat die Frage, was passiert als Nächstes, auch nicht die relevante Frage. Die relevante Frage ist: Wer bin ich eigentlich und was erlaube ich, was Geld mit mir tut? Also, und das ist, also es geht eigentlich viel mehr um Befähigung als letztendlich gesehen um Befangenheit.
Ein sehr spannender Perspektivwechsel, weg von was macht Geld mit mir hin zu was kann ich mit Geld tun und was erlaubt es mir auch zu fühlen. Spannende Studie hat mal herausgefunden, je nachdem wie der Umgang mit Geld ist, wir glücklicher oder unglücklicher sind. Und was sie getan haben, ist, sie haben Menschen $5 gegeben und einer Testgruppe $20 und haben ihn freigestellt, was sie am Ende der Woche, also sie hatten 7 Tage Zeit, mit diesen $5 oder $20 tun können. Also entweder für sich selber ausgeben, was Schönes kaufen oder spenden. Also dieses Geld nehmen und anderen Menschen was Gutes tun. Was sie dann herausgefunden haben, ist, dass die Gruppe, die das Geld nicht für sich selber ausgegeben hat, sondern für andere Menschen, glücklicher war. Und da kam es nicht drauf an, ob das dann die 5 Dollar waren oder die 20 Dollar. Das hat keinen Unterschied gemacht. Der Amount sozusagen, der die Quantität war, nicht relevant, sondern einfach dieser Akt sozusagen, Geld anderen Menschen auch zugänglich zu machen und dieses als Spende zu sehen, hat Menschen tatsächlich glücklicher gemacht. Für mich ist das so ein bisschen im Kontra zu dem, was wir immer hören, dass man immer mehr Geld natürlich anhäufen will, dass man erfolgreich sein will und das auch immer wieder mit Geld in Verbindung Verbindung bringt. Was hältst du davon?
Also, ich glaube, dass das natürlich mit Spenden ein schönes Beispiel ist, aber man kann es viel näher auch betrachten, also schon in der eigenen Firma und mit den Menschen, mit denen man arbeitet, und den gemeinsamen Erfolg, den man durch auch einen finanziellen Erfolg in einer Firma generieren kann, auch mitzuteilen. Also nicht dieser Gedanke, etwas aufzubauen, mit dem Ziel, dass zum Schluss nur noch eine Marge da ist und Gewinn ausgeschüttet wird. Und dann zu guter Letzt klarzumachen, dass dieser Erfolg, den man gemeinsam erreicht hat, sich dann eben auch durch Geld manifestiert und dann dieses Geld wieder genutzt werden kann, um wieder neue Wege zu gehen mit den Kollegen, um darauf wieder aufzubauen, neue Wachstumsmöglichkeiten zu schaffen, auch zu experimentieren mit Dingen, die vielleicht nicht funktionieren könnten. Also dieses Teilhaben eigentlich, ich finde, da fängt es eigentlich auch schon an. Das genieße ich auch an der Selbstständigkeit, dass du dir ein Stück weit aussuchen kannst, mit wem willst du arbeiten, mit wem nicht, wer möchtest du sein. Und erlaubst du den Freiraum, den dir die Selbstständigkeit gibt, auch mit den Menschen zu teilen, die in deinem Universum arbeiten? Das ist für mich auch eine Art von Teilen und auch eine Art des Teilens des finanziellen Erfolgs einer Firma letztendlich.
Jetzt bist du in Afrika aufgewachsen und hast dann den Weg nach Amerika angetreten. Wie war dieser Weg?
Anders. Ich bin in— meine Mutter hatte geheiratet zum zweiten Mal, und die Ehe wurde in Liberia geschlossen. Mein Stiefvater war Liberianer und damals Arzt vom Präsidenten dort, der dann umgebracht wurde. Mein Stiefvater wurde in Liberia schwerer Alkoholiker und meine Mutter und ich sind letztendlich gesehen dann mit Hilfe der deutschen Botschaft aus Liberia geflohen. Und ich fange mit dem Beispiel mal an, weil ich glaube, viele Menschen, vielleicht du auch, Ereignisse im Leben haben, die prägen. Und ein Moment, der mich sehr geprägt hat, war diese Rückkehr nach Deutschland und in die evangelische Kirche zu gehen und dort meine Klamotten von einem Riesensammeltisch an Klamotten auszusuchen. Und das war für mich ein Punkt, an dem ich gesagt habe, also da will ich nicht mehr hin. Und Geld aufbauen, Vermögen aufbauen hat für mich damals Freiheit bedeutet, der Weg nach vorne. Und ich habe in jungen Jahren in der Schule dann mit der Börse angefangen, mit dem Planspiel Börse der Sparkassen, und Und ich mache die lange Geschichte kurz: Ich habe damals mit Wertpapierkrediten spekuliert, das ging in die Hose, dann musste ich den Wertpapierkredit zurückzahlen, dann stand die Bundeswehr vor der Tür, und ich habe die Flucht nach vorne im Prinzip angetreten, bin dann nach New York gegangen, und auch mit dem Journalistenvisum, und habe dann hier mein Glück gesucht. Und Wertpapierkredit natürlich abbezahlt, wie sich das gehört, ja. Und in New York hat natürlich niemand auf mich gewartet. War ein harter Start, aber auch ein Moment, den man nicht vergisst. Ist mein American Dream gewesen, den ich hier gelebt habe. Im Office geschlafen, bei meinem Chef auf der Couch, der natürlich nichts davon wusste. Immer rechtzeitig aufgestanden, weil ich wusste, wann die Putzfrauen kamen. Habe in der Poststelle eines Fonds angefangen, und bin dann letztendlich so etwa ein halbes, dreiviertel Jahr später zu einem Brokerhaus rübergegangen, zu Bear Stearns, und habe mich da dann hochgearbeitet, bevor ich mich '94 selbstständig gemacht habe. War ein harter Weg, es war ein unglaublich schöner Weg auch, vor allen Dingen jetzt rückblickend natürlich, zu wissen, das hast du geschafft, und letztendlich gesehen hat ja alles auch ganz gut funktioniert.
Genau, du wirkst sehr zufrieden, sehr in dich geruht. Woher nimmst du diese Kraft und diese Energie?
Du, weil alles relativ ist. Meine Frau hat neulich mal Bilder ausgekramt von dem Haus, das wir gekauft haben, von den Erstbesitzern. Und ich schaue mir die Bilder an und denke, und habe meiner Frau gesagt: Na ja, also wir sind nur zur Miete hier, die Leute waren auch nur zur Miete da, jetzt sind wir da, und irgendwann wird jemand anders da sein. Also für mich Gerade weil ich an der Wall Street arbeite, geht es eben nicht darum, ein noch größeres Haus, ein noch größeres Auto zu haben, sondern eine gesunde Balance zu finden zwischen dem anspruchsvollen Arbeitsleben und dem Glück, dass ich das überhaupt machen kann. Also diese Humbleness zu sagen: Mensch, wie geil ist das, dass ich hier meinen Laden so lange schon betrieben habe, mich immer wieder neu erfunden habe, mich jetzt wieder neu erfinde. Und gleichzeitig eben auch eine Familie habe, die mich sehr erdet. Meine Tochter geht über alles, und ich mache ihr morgens Frühstück, ich fahre sie zur Schule und habe da, glaube ich, eine ganz gute Balance gefunden zwischen beiden. Was sich für mich sehr verändert hat, war das Thema Geld und Motor. Damals in der evangelischen Kirche war für mich Geld die Befreiung. Als ich dann nach der Jahrtausendwende meine Firma in Teilen verkauft habe an das Handelsblatt und ich meine finanziellen Ziele eigentlich erreicht habe, kam dieser Moment: Ja, was treibt mich jetzt eigentlich an? Und dann kamen die Terroranschläge vom 11. September, die uns finanziell sehr getroffen haben als Firma. Wir hatten einen 10-Jahres-Mietvertrag, langen Rechtsstreit, und in diesem Raum des Rechtsstreits zu sein, in dem ich eigentlich nicht wusste, bin ich jetzt pleite, wenn ich den verliere, oder nicht? Oder ist das mein Geld? Oder muss ich wieder von null anfangen? Und ich finde, gerade dieses eine Fenster des Nicht-Wissens, was passiert denn jetzt eigentlich, musst du Werte anders definieren. In einem solchen Moment kann Geld nicht mehr der Motor von allem sein. Und das hat mich, glaube ich, sehr geprägt, die Phase nach dem 11. September. Und diese Erkenntnis, dass das, was mir wirklich Spaß macht an dem Job, nicht unbedingt das Geld mehr ist, sondern was für neue Ideen gibt es, was für tolle Menschen kann ich kennenlernen. Wir sitzen jetzt hier, ja. Und durch die Reichweite, die ich mittlerweile habe, auch an Persönlichkeiten ranzukommen, an die ich vorher nicht herankommen konnte. Und das sehe ich als ein unglaubliches Geschenk an.
Deine Tochter ist jetzt 13.
Eigentlich 18 im Kopf.
Okay. Wie erlebt sie den Papa zu Hause? Also, was erzählst du von der Arbeit? Was bewegt dich? Was gibst du ihr auch mit auf diesen Weg? In die Zukunft? Genau, du hast ja viel erlebt und viel beobachtet, hast viel mit Menschen zu tun und auch ziemlich viel mit dieser Verbindung von Geld und Glück, die wir immer wieder suchen. Wir versuchen immer, diese Verbindung auch besser zu verstehen. Genau, was gibst du deiner 13-jährigen Tochter mit? Und wie erlebt sie Markus Koch als Vater zu Hause?
Wenn ich meine Tochter anschaue und sehe, wie viel Empathie sie mitbringt, und dass ein kleines Mädchen weiß, was sie will, und sie sich auch mit mir anlegt und reibt und anderer Meinung ist, das sind die Punkte, die ich liebe. Ich glaube, bei Erziehung Du kannst Kinder nur bis zu einem gewissen Maß nudgen, also in eine Richtung bewegen. Zu guter Letzt sind das Persönlichkeiten für sich selber. Und ihr den Freiraum zu schenken, sich frei zu entwickeln, Dinge auszuprobieren— meine Tochter reitet gerne— und ihr den Raum zu geben, auch wenn sie scheitert in etwas, zu lernen, dass es eben auch dazu gehört, auch aufzustehen und ihren eigenen Weg zu gehen. Das genieße ich an ihr. Und zu Hause bin ich der Papa, und ich finde, dass die Art und Weise, wie man heute Kinder erzieht, ganz anders natürlich ist als damals in meinen jungen Jahren. Also das Zuhören ist, glaube ich, sehr wichtig, und sie sieht natürlich, was ich mache im Job, Aber zu guter Letzt, so viel hat sie damit natürlich nicht zu tun.
Jetzt, ich möchte noch mal auf diese Verbindung eingehen zwischen Geld und Glück. Wie erlebst du das mit Menschen, die tagtäglich an der Börse Geld bewegen? Finden die irgendwann ihr Glück? Oder kommt das Glück oder diese Zufriedenheit woanders her?
Also, es gibt natürlich sehr viele, insbesondere diejenigen, die das Thema Börse nicht wirklich im Detail verstehen, die in einem Gewinn, in Performance Glück suchen. Und man sagt in der Psychologie, dass die Börse eigentlich so ein bisschen die Rolle des Vaters einnimmt. Also du machst deine Hausaufgaben, du bereitest dich vor, der eine nimmt Statistiken, der andere nimmt Fundamentals, und du glaubst dann danach belohnt werden zu müssen. Also im Prinzip der Aktienmarkt wie eine Art Elternteil. Aber der Aktienmarkt ist kein Elternteil, weil du kannst dich natürlich vorbereiten ohne Ende und trotzdem wirst du eben abbestraft und nicht belohnt. Und deshalb ist es, glaube ich, wirklich wichtig, Geld und Glück nicht unbedingt in noch mehr Performance und noch mehr Kursgewinnen zu definieren, sondern du musst loslassen können. Natürlich musst du deine Hausaufgaben machen, aber psychologisch die Einordnung von Geld ist extrem wichtig, also das Loslassen können. Und ich glaube auch, dass man das lernen kann. Ungeübte Anleger, viele Privatanleger, glaube ich, haben die falsche Einstellung dazu. Weißt du noch, die Deutsche Telekom damals, und das ging alles in die Hose. Finde ich eigentlich ein schönes Beispiel, denn auch da ist immer die Frage, welche Perspektive du einnimmst. Und die Amerikaner sind ja damals einen sehr anderen Weg gegangen. Als die Dotcom-Bubble platzte, haben die Deutschen gesagt, bloß nicht weitermachen, der Schmerz muss aufhören. Die Amerikaner haben sich hingesetzt und haben gesagt: Die Dotcom-Blase ist geplatzt, aber das Internet bleibt ja. Es sind nur die Kurse, die korrigiert haben. Jetzt ist die Technologie da. Wir machen weiter durch diesen Schmerz durch und nutzen die Basis, die dafür geschaffen wurde. Und dann ändert sich die Perspektive eben doch sehr stark. Dann wird auf einmal aus einem Desaster eine Opportunität, eine Chance, auf die man aufbauen kann. Und das hat man in Amerika, glaube ich, sehr gut gemacht. Und in Deutschland muss man das noch ein bisschen lernen, aber ich bin da recht zuversichtlich, dass vor allem die junge Generation da mittlerweile einen sehr anderen Weg geht.
Was gibst du da Menschen mit? Genau, wie können wir lernen, mit Geld anders umzugehen und die Beziehung zu Geld auch anders zu verstehen? Du hast gerade von Loslassen gesprochen. Wie kann man das lernen?
Wahrscheinlich durch die Fehler. Also, wenn du— ist übrigens etwas, was man oft, wenn man Leute interviewt, die mit Geld zu tun haben, auch Hedgefondsmanager, hörst du oft, wenn du die Frage stellst, was ist die wichtigste Lehre für dich, dann ist es, humble zu sein, also geerdet zu bleiben. Weil einen ansonsten die Börse abstraft. Und wie kann man das lernen, zu Geld die richtige Haltung zu haben? Tja, das ist wahrscheinlich wirklich, durch den Schmerz auch mal durchzugehen, vielleicht auch öfter mal durchzugehen, trotzdem nicht aufzugeben und sich die Frage zu stellen: Warum mache ich das mit? Was spüre ich dabei eigentlich? Viele denken, man müsse Emotionen verdrängen an der Börse. Ist eigentlich genau das Gegenteil. Du musst eine Emotion quantifizieren und du musst dir die Frage stellen: Warum fühlst du das eigentlich jetzt? Und ist dieses Gefühl eine berechtigte Gefahr oder eben nicht? Und in dem Moment, in dem du es quantifizierst, kannst du auch deine Haltung dazu ändern. Und dieser eine Schritt fehlt, glaube ich, bei vielen. Also man spürt Angst, ja, aber man stellt sich nicht die Frage: Warum spüre ich diese Angst eigentlich? Und wie ordne ich diese Angst genau ein, um zwischen einer echten Gefahr und einer Emotion zu unterscheiden? Und das ist, glaube ich, ein ganz, ganz wichtiger Schritt, auch das Thema Geld im Kopf neu einzuordnen. Denn es geht ja nicht nur um die Frage, wohin geht jetzt die Börse, es geht vor allen Dingen um die Frage, wie viel Angst und Schmerz kann ich vertragen? Und dann ist es eben nicht relevant, ob die Börse jetzt steigt oder sinkt, sondern relevant ist, na ja, also wenn du, was weiß ich, 10.000 € hast, hältst du vielleicht 100 € in Aktien aus oder tatsächlich 10.000 oder vielleicht sogar mit Leverage? Das ist eine Frage der persönlichen Definierung. Aber nur mal anzufangen, und ich glaube, dieser Anfang ist wichtig, und diese Experience zu machen, wie fühlt sich das eigentlich an? Dann ist Börse auch nicht gefährlich, weil, na ja, wenn du 100 € verloren hast, dann ist es halt so. Aber es zu erleben, dabei zu sein, ein Teil dessen zu sein, auch zu realisieren, dass wenn du mit dabei bist, bekommst du auf die Welt auch eine ganz andere Perspektive. Denn gerade weil es an der Börse ja um Zukunft geht, du bekommst Dinge mit, die viele erst Monate später, vielleicht sogar ein, zwei Jahre später mitbekommen. Gerade jetzt auch in der Ära Donald Trump, die Börse ist damit ganz anders umgegangen als letztendlich viele, die jetzt nur die Medien gelesen haben.
Was ist so die größte Angst der Menschen?
Das ist eine große Frage. Also in meinem Universum: nichts zu haben, alles zu verlieren. Ich glaube, ja, das summiert es eigentlich bei mir in meinem Business. Jetzt hast du eine Frage, weißt du, die Frage ist natürlich, meine, du kannst Zukunftsängste natürlich auch mitnehmen, ne, das Thema künstliche Intelligenz, welche Branchen entstehen dadurch, welche Branchen werden vernichtet, wo entstehen Volatilitäten. Das ist, diese Ängste und diese Opportunitäten, beides spiegelt sich an der Börse letztendlich auch wider.
Jetzt durfte ich heute mit dir übers Parkett laufen an der Wall Street und einfach mal zu spüren, wie diese Energie, die da im Raum wirklich liegt, mal zu verstehen, wie nimmst du tagtäglich diese Energie wahr? Von es passiert eine Veränderung in der Welt, ne, es passiert eine politische Veränderung, ist was von Terroranschlägen gesprochen, es passieren sehr, sehr viele Dinge in sehr, sehr kurzer Zeit, ne. Und das wird alles als gebündelte Energie, so habe ich es zumindest wahrgenommen, auf diesem Parkett erstmal verarbeitet. Das sieht man dann eben auch in den Zahlen, das sieht man, wie sich dann auch Geld bewegt. Wie nimmst du diese Energie wahr und wie verarbeitest du auch diese Energie?
Also auf dem Parkett merkst du natürlich nicht mehr allzu viel von Energie, weil das Parkett insgesamt mittlerweile relativ leer ist. Als ich da '96 angefangen habe und wir waren noch fast 5.000 Menschen dort unten, da konnte man wirklich anhand der Stimmung auch sehen, was passiert da gerade am Markt. Und wenn schlechte Nachrichten kamen, Kurseinbrüche, ist die Gruppe, ist die Crowd der Trader laut oder leise? Das waren die alten Zeiten. Jetzt spiegelt sich das alles in den unterschiedlichen Kursbewegungen wider. Und du hast an der Börse immer wieder unterschiedliche psychologische Phasen. Du hast Phasen, in denen schlechte Nachrichten gar nicht interessieren. Du hast Phasen, in denen gute Nachrichten nicht interessieren, weil wir in Abverkäufen sind. Du hast Phasen, da hast du gute Nachrichten, du siehst trotzdem Abverkäufe. Und diese Nuancen, also ich vergleiche das oft in meinen Vorträgen mit einem guten Thriller. Also wenn du einen Thriller liest, das Schöne ist, ein guter Thriller macht ja auch Spaß. Also dieses, ich will jetzt herausfinden, wer ist eigentlich jetzt der Täter gewesen? Und an der Börse bist du eigentlich alles zusammen. Du bist der Protagonist, Du kannst dir auch die Frage stellen, welche Rolle du eigentlich in diesem Spiel spielen willst. Bist du der Bösewicht? Bist du der Gute? Auch das liegt ein Stück weit bei dir. Und in einem guten Thriller weißt du vor allen Dingen nie nach den ersten Kapiteln, wer nun wirklich, wer hat's getan, weil du immer wieder neue, ein neues Chapter aufschlägst und ein neues Kapitel aufschlägst. Und ich denke Börse sehr gerne in Bildern. Wie in jedem Lebensabschnitt gibt es immer Themen, die einmal dominieren, die im nächsten Kapitel eigentlich schon wieder irrelevant sind. Und Börse und diese tagtäglichen Meldungen, der Minutentakt der Meldungen, lehrt dir Flexibilität. Du musst flexibel sein, weil sich die Gegebenheiten und die Reaktion darauf permanent verändern. Und vor allen Dingen lehrt es einem auch, andere Perspektiven einzunehmen. Dass in Sachen Grönland zum Beispiel und Trump und Grönland, warum empört sein? Wir hätten ja auch bluffen können. Wir hätten ein Angebot machen können: Du willst Grönland? Let's do a deal. 10 Billionen Dollar, it's yours. Also Auch das ist eine persönliche Entscheidung, wie man damit letztendlich umgehen will. Und die Börse trainiert das sehr gut. Und diese Energie empfinde ich persönlich als etwas sehr Positives. Ich bin eigentlich seit 30 Jahren auf einer Journey, die sich permanent verändert und die permanent neue Herausforderungen bringt und Perspektive eben verändert.
Und es macht wahnsinnig viel Spaß. Jetzt hast du sehr viel von Training gesprochen.
Training.
Ich habe es als Training sozusagen verstanden. Fast das Gleiche. Genau, das ist ein Training Ground. Also wie man ins Fitnessstudio sozusagen geht, um zu lernen, wie man mit einem äußeren Markt, der sich ständig verändert, umgehen kann und sozusagen den inneren Markt trainiert. Ja, also die Flexibilität, die Offenheit, die Neugier, auch die, das Risiko, dass man eingehen mag. Jetzt stelle ich mir die Frage, ist es irgendwann mal auch genug? Also gibt es einen Zeitpunkt im Leben, wo man sagen kann Now it's enough. Genug im finanziellen Sinne. Genau, weil in Konversationen hört man immer wieder häufig, ja, es ist dann irgendwann mal genug, wenn ich das Haus abbezahlt habe, wenn ich einen gewissen Betrag irgendwann mal verdient habe, wenn ich sozusagen in ein Rentenalter komme. Also, man macht es entweder an einem an einem Zeitpunkt fest, man macht es an einem Betrag fest, oder man macht es an einer anderen Variable fest und sagt dann, dann ist es genug. Gibt es diesen Moment tatsächlich, wo man sagen kann, now it's enough?
Ja, ich glaube, dass der Ausgangspunkt falsch ist. Es geht nicht um die Frage, wo ist genug. Das würde ja voraussetzen, das glaube ich auch, ein großer Irrglaube, dass es an der Börse in erster Linie darum geht, noch mehr Geld zu machen. Und darum geht es natürlich, will man mehr Geld machen, ja, aber im Kern geht es eher um die Frage, was von dem, was du dir vorgestellt hast, was du geplant hast, was du getradet hast, wo du investiert hast, was hat funktioniert, Und was hat nicht funktioniert? Das ist also schon ein anderes Framing, denn wenn es jetzt darum geht, wie viel Geld im Sinne des Geldes ich gemacht habe, dann sind das andere Ziele, die verfolgt werden. Hier geht's in erster Linie darum: Habe ich das sauber aufgesetzt? War mein Gedankengang richtig? War die Positionsgröße korrekt? Und ist es aufgegangen? Und wenn es nicht aufgegangen ist, Clean Sheet, was lernen wir daraus? Und wie stellen wir uns jetzt auf, um die nächste Opportunität zu nutzen, um vielleicht dann richtig zu liegen? Also, es ist, glaube ich, ein großer Unterschied, ob man das runterbricht nur auf den Gedanken des Geldes oder die Funktionalität des Richtigliegens. Ich glaube, das ist viel entscheidender. Will noch einen Punkt aufgreifen, weil ich glaube, dass der wirklich wichtig ist. Zufriedenheit an der Börse und Befähigung bekommst du nicht dadurch, dich rein auf die Frage zu konzentrieren, was als Nächstes passiert, weil es unberechenbar ist. Es kann aufgehen, es kann nicht aufgehen. Und ich glaube, dass sich sehr viele Menschen dass das beängstigend wirkt. You are out of control. Ich kann nicht kontrollieren, was Trump macht. Ich kann auch nicht kontrollieren, wie die Politik in Berlin läuft. Und ich finde, in Deutschland merkst du sehr stark diesen Fokus auf, um Gottes Willen, die Politik und dieser Streit, und es geht nicht voran. Es ist eine gewisse Hilflosigkeit, die man in dem Zusammenhang spürt. Aber wenn du den Spieß umdrehst, Und dir klar wird, dass, wenn du dich auf dich selber fokussierst, also was kann ich eigentlich machen, um die Welt zu verändern? Was kann ich machen, um innere Zufriedenheit zu bekommen? Welchen Weg, welcher Weg ist für mich der richtige, um mein Geld zu investieren? Du musst ja keine Aktien kaufen. Wenn du nicht dabei sein willst, ist das deine persönliche Entscheidung. Ich glaube, dass selbst bei Veranstaltungen, in denen die Stimmung komplett am Boden liegt, wenn die Menschen danach nach Hause gehen, wird keiner sagen, wir lassen das jetzt alles sein, machen gar nichts mehr. The ball is in your court. Und dann wird aus dieser Frage, was passiert als Nächstes, auf einmal Klarheit, und es kehrt eine wirkliche Ruhe in dir ein. Und sich darüber im Klaren zu sein, dass die ultimative Entscheidung immer deine eigene Entscheidung ist, und dann, ich finde, da, also für mich persönlich, kommt da unglaublich viel Zufriedenheit her.
Schön, ja. Unglaublich starker Perspektivwechsel. Genau, weg vom: Was passiert als Nächstes? Was ja so eine passive Haltung auslöst. Man wartet, man lehnt sich zurück, man verschränkt die Arme, man beobachtet, man schiebt es dann auch anderen zu, wenn dann irgendwas passiert, was einem nicht so gefällt. Hin zu: Was ist mein nächster Schritt?
Und in welche Richtung möchte ich gehen? Und ein Schritt nicht aus der Angst hinaus, sondern aus der Opportunität heraus. Also diese Chance, das ist your choice. Du kannst diesen Weg gehen, du kannst experimentieren. Ich glaube, dass gerade wenn man älter wird und man etwas sehr lange schon gemacht hat und auch gut ist in dem, was man dann seit Jahrzehnten gemacht hat, Dass es extrem wichtig ist, Dinge anzufangen, indem du wirklich schlecht bist. Ich habe mit Jazz angefangen, als ich nach New York gegangen bin, weil für mich Jazzmusik die amerikanische Kultur darstellt. Also es gibt keine Fehler im Jazz. Du stehst auf und du machst weiter. Und wenn ein Chord schlecht klingt, dann spielst du die nächste Note und es wird Musik. Diesen Mut, etwas Neues zu machen, und auch den Anspruch an dich. Also, man will von dir auch immer etwas Neues hören, was dann zum Nachdenken bringt. Da war ein schöner Twist drin. Ich finde, das ist wirklich wichtig, um auch geerdet zu bleiben, immer wieder Dinge anzufangen, in denen man schlecht ist. Für mich ist es persönlich im Berufsleben auch das Thema AI. Lineare Produktion, Fernsehkamera, alright, dann Streaming, aber ist immer noch linear. Haben wir mit Cisco eine Hologramm-Serie gemacht, auch das war linear. Und dann kommt auf einmal AI, Prompting, und der Produktionsprozess verändert sich komplett.. Und das war für mich am Anfang vor gut 1, 2 Jahren noch eine ganz schöne Herausforderung, auch diese Offenheit mitzubringen, zu sagen: Holy cow, wie fange ich an? Wie mache ich weiter? Was lerne ich daraus? Wie bleibe ich am Ball? Und das war am Anfang sicherlich nicht einfach, aber die Tatsache, dass man bei dieser Journey dabei ist und reinspringt einfach mitmacht.
Ich glaube, das ist hier essenziell. Absolut, ja. Und das erinnert mich wieder an eine Situation heute auf dem Trading Floor an der Wall Street, als wir mit dem sehr, sehr netten Menschen reden durften und er immer wieder über the good old times berichtet hat und wirklich also ins Schwärmen kam, wie damals doch alles besser war. Als ich ihm dann die Frage gestellt habe, wie denn die Zukunft aussieht und wie er sich die auch wünscht, da kam eine ziemlich negative Antwort, weil er gesagt hat: I will not be here anymore and probably most of my colleagues, AI will take over. Man hat ihm angesehen, das hat bei ihm kein gutes Gefühl ausgelöst. Und dann hat er aber auch gleichzeitig wieder 10 Meter über den Tradingfloor gezeigt, an eine andere Station, an eine andere Booth, an einen anderen Table, wo andere schon mit der Zukunft arbeiten, die sozusagen AI nutzen und andere Tools und Technologien. Und dann hat man gemerkt, da kam so ein bisschen Neid auf. Zu sagen: Hier, that's the other guys, they're doing it right, they're doing it how the future will look like. Und ich habe mich dann lange, lange gewundert danach, warum er nicht diese 10 Schritte gehen möchte im übertragenen Sinne und sagen: Okay, if that's not working anymore, why don't I move? Also warum gehe ich nicht den nächsten Schritt Oder diese 10 Schritte in die neue Richtung. Jeder Schritt, man kennt ja diesen Spruch: Jeder Schritt ist Fortschritt. Aber man muss diesen Schritt eben auch gehen. Und warum hat dieser Person vielleicht ein bisschen der Mut gefehlt? Oder vielleicht auch die Bereitschaft, die Offenheit, genau diesen Fortschritt auch zu gehen?
Ich glaube, dass damit sehr, sehr viele Ängste einhergehen. Du bewegst dich in einem Umfeld, in dem du groß geworden bist, in einem Umfeld, in dem du sehr lange Zeit sehr, sehr viel Geld verdient hast. Wahrscheinlich verdient er auch heute noch gutes Geld. Und ich glaube, loszulassen von dem, an das man sich gewöhnt hat, und in diese Ungewissheit zu springen— kannst du das überhaupt? Schaffst du diese Schwelle überhaupt? Das ist für viele sicher, also glaube ich, sehr, sehr herausfordernd.
Spannend. Ja, genau. Und Studien zeigen immer wieder genau dieses Phänomen, dass Menschen in einer Situation verweilen, die nicht optimal ist, die sich durch einen schlechten Job bezeichnet oder eine schlechte Partnerschaft oder was auch immer, und sie sich nicht trauen, sich aus dieser Situation herauszulösen und ins Ungewisse zu gehen, obwohl die Situation dort drüben, ob das dann ein neuer Job oder eine neue Partnerschaft, was auch immer wäre, eine bessere Situation wäre. Aber diese Ungewissheit hält sie zurück. Sie wollen sich also in diesem gewohnten Umfeld eher aufhalten, weil sie Angst vor dieser Unsicherheit haben. Man weiß nicht, was kommt. Genau. Und es ist unglaublich spannend, genau.
Und das löst so auch eine Unzufriedenheit, glaube ich, aus. Ja, und das Parkett ist ein sicherlich gutes Beispiel dafür. Wir waren vor 10 Jahren dort etliche tausend Händler, die gutes Geld verdient haben. Das Parkett ist heute leer. Und du hast eben zwei Lager: diejenigen, die sich genügend Geld zur Seite geschafft haben, diejenigen, die müssen und jetzt das Problem haben: The music stopped. Ich glaube schon, dass es sehr schwer ist für viele der alten Haudegen dort unten, die in einem ganz anderen Umfeld Börse gemacht haben. Das Lautsein, das Drängen, das Schreien, die Ausführung einer Order. Und Börse, das Parkett, ist letztendlich ein ausführendes Business, also Execution Business. Dafür musst du jetzt nicht unbedingt Raketenwissenschaftler sein. Und ja, für die ist es sicherlich sehr schwer, sieht man ja auf dem Parkett, ja fast alle weg, sich weiterzuentwickeln, weil die Datenwissenschaftler und die Quants und die AIler eben woanders sitzen mittlerweile und von da aus den Handel betreiben. Das war ja auch das, was der Händler meinte: Guck mal, da drüben sitzt, da steht keiner mehr. Und trotzdem hat er 300 Aktien auf den Screens, die alle automatisch gehandelt werden.
Da ist die Zukunft. Und trifft das denn auch für andere Situationen oder für andere Lebensbereiche zu?
Ich glaube, das permanent. Ja, mein, das fing bei mir in meinem Business an mit der Entscheidung, das Internet aufzugreifen, Facebook-Streaming anzufangen. Wir hatten das erste Streamingstudio an der Wall Street gebaut. Schon vor 10 Jahren etwa, und weil mir klar war, dass Following und Social Media und auch da wieder die Möglichkeit zu haben, Gesichter, mit den Gesichtern hinter der Kamera in Kontakt zu sein, also es nicht als Bedrohung zu sehen. Fernsehmoderator, heute ist das und das passiert, ich habe keine Ahnung, wer zuschaut, ich habe keine Ahnung, was die Leute denken, ich habe keine Community in dem Moment. Und das Internet zu nutzen und zu sagen: Mensch, wer sind diese Menschen eigentlich? Ich kann jetzt kommunizieren auf gleicher Augenhöhe. Menschen, mit denen man gemeinsam auch Gewinne und Verluste generieren kann, also einen Leidensweg und einen Weg der Freude auch gemeinsam beschreiten kann. Das habe ich Gott sei Dank in der Firma früh erkannt, und bei AI ist es letztendlich gesehen nichts anderes. Auch da ist es ein Business, das wird die Welt verändern, davon bin ich auch vollends überzeugt. Man muss aber vor allen Dingen reinspringen und loslegen und sich damit auseinandersetzen. Und heute habe ich ein kleines Team von Leuten, auch von jüngeren Leuten, die einfach machen. Und für mich ändert die Perspektive in der Produktion. Früher ging es für mich, also früher vor einem Jahr, ging es darum, den Output anzupassen. Jetzt geht es mittlerweile darum, den Input anzupassen.
Das ist eine eine ganz andere Betrachtungsweise des Ganzen. Reinspringen, losschwimmen, genau, einfach machen. Bereiten wir uns so auf die Zukunft vor?
Also, ich werde mich so auf die Zukunft vorbereiten, denn die Kunst zu improvisieren und die Offenheit zu haben, Fehler zu machen, und ich glaube, das ist wichtiger denn je geworden. Du bewegst dich in diesem Tech-Universum, Ich finde, Zuckerberg war es, glaube ich, der vor vielen, vielen Jahren mal diese Analogie machte: Wenn du die Erde aus dem Weltall betrachtest, dann verschwimmen Grenzen miteinander. Und wir sind jetzt in einem Universum, in dem die Grenze zwischen das ist Tech und das ist Finanz, das ist Tech und das ist Pharma, das ist Tech, alles miteinander verschwimmt, alles wird Technology. Stückweit und mit dementsprechend großen Chancen und sicherlich auch Industrien, die es nicht mehr geben wird down the road. Und da ist eben Improvisieren und am Ball bleiben, glaube ich, wichtig, aber aus Freude und nicht aus Angst.
Ich glaube, das ist die große Kunst. Genau, die Freude an der Zukunft. Genau. Also diese Begeisterung, auch wieder was Neues auszuprobieren. Ein ehemaliger Student von mir hat einmal einen Spruch von mir aufgegriffen und erweitert und hat mir dann auch ein paar Socken sozusagen geschenkt mit diesem Spruch drauf. Und da stand drauf: Machen, einfach machen. Und diese Doppeldeutigkeit, dass man es nicht nur macht, also diesen Schritt geht, sondern es auch einfach macht. Und diese Einfachheit zu sagen: Okay, ich muss jetzt nicht irgendwie einen großen Plan aufstellen erst mal und jahrelang dafür studieren oder mir alles Wissen aneignen, sondern ich lege jetzt mal los und lege mit dem einfachsten Schritt auch los.
Was, glaube ich, sehr amerikanisch ist. Hast du gesagt, genau. Ja, also ich weiß nicht, ob du die Meinung teilst. Also ich glaube schon, weil ich glaube, dass die Amerikaner einen anderen Umgang mit Risiken auch haben. Also erstmal glaube ich, dass man in Amerika den Underdog sehr mag. Man will, dass der Underdog erfolgreich ist. Ich glaube, dass das Scheitern eine Grundvoraussetzung ist, Weil jedem klar ist, dass du die größten Lehren nicht aus Erfolg hast, die größten Lehren ziehst du aus dem Scheitern. Und das Entscheidende ist weitermachen. Aufgeben ist keine Option. Und dann macht es auch Spaß. Also im Prinzip übrigens wie beim Trading auch immer zu realisieren, dass du bist derjenige, der im Boxring steht. Du bist derjenige, der entscheiden muss, wann bist du defensiv und wann bist du offensiv. Und ich glaube, dass das sehr, sehr in den Adern der Amerikaner fließt. Die Art of Improvisation. Und noch mal, um zu Jazz zurückzukommen: Schau dir die klassische Musik an und schau dir Jazzmusik an. Sicherlich hast du in der klassischen Musik aus Europa auch Flexibilität, um dich in einem gewissen Rahmen zu bewegen, aber Jazz fordert von dir permanente Improvisierung. Du musst die Basics verstehen, du musst wissen, wie Chord Structures funktionieren. Also you have to know the name of the game. Aber wohin du das spielst und was für Experimente du damit machst, das ist deine Entscheidung. Miles Davis hat ja mal gesagt: No mistakes in Jazz.
Und da hat er vollkommen recht damit. Welche größte Lehre hast du aus deinen Fehlern mitgenommen?
I have no regrets. Also ich habe keine— ich bereue nichts. Keine Schritte. Ich glaube, ich wäre heute nicht da, wo ich bin, ohne Fehler gemacht zu haben und Ruhe insofern also auch in mir zu bewahren. Also muss ich mal so ein bisschen schmunzeln, weil wir in einer Zeit leben, wo die Leute immer fragen, ja, was ist größer, schneller und größeres Unternehmen, mehr Leute und was sind die nächsten Ziele und so. Und warum nicht einfach den Organismus genießen, der geschaffen ist? Also ich muss jetzt nicht noch größer sein und Investoren reinnehmen. Und der Organismus, so wie ich ihn habe, macht mich sehr zufrieden. Was nicht heißt, dass ich mich auf die Zukunft nicht einstelle, aber ich habe für mich ein Universum geschaffen, in dem ich mit Menschen arbeite, die mir wirklich Freude bereiten. Ich habe in meinem kleinen Umfeld Menschen, die auf mich zählen und sich auf mich verlassen. Aber auf die ich mich auch verlassen kann. Und habe eine Familie, die fantastisch ist, und darf in meinem Leben in einem Job arbeiten, der mich sehr erfüllt, auch weil er sich andauernd weiterentwickelt. Was will ich mehr? Und das Mehr kommt automatisch, glaube ich, wenn du in so einem Umfeld arbeitest. Spannend. Ja, wir sitzen heute hier in New York, Wir haben uns in Deutschland kennengelernt. Vorher, vor ein paar Monaten kannten wir uns noch nicht. Tolle, tolle Sache und tolle Gelegenheit, auch auszutauschen und auch zu wachsen.
Das genieße ich. Genau, das bringt auch so eine gewisse Dankbarkeit mit, die man wieder vielleicht üben sollte. Also auch Dankbarkeit für das, was man geschaffen hat, beziehungsweise was man erleben darf. Für die Menschen, mit denen man arbeiten darf. Und ich habe für mich so ein Ritual: Immer wenn ich unterwegs bin, schreibe ich genau 3 Dinge mit meiner Tochter Josefina, die ist 10 jetzt, und wir unterhalten uns dann abends über die 3 Dinge, über die wir dankbar sind. Und da bist du sicherlich eine der Dinge heute, dankbar für deine Zeit, aber auch dankbar dafür, dass ich mit dir diese Energie mal auf dem Parkett erleben durfte und auch mit Menschen mich austauschen durfte. Jetzt habe ich noch zwei Fragen an dich. Eine Frage wäre: Du hast eine unglaublich große Community geschaffen, Menschen, die dir vertrauen, Jeden Tag aufs Neue. Wie gehst du mit diesem Geschenk Vertrauen um?
Du hast es eigentlich schon gesagt, mit diesem Geschenk Vertrauen. Geld und Liebe sind zwei der für viele Menschen wichtigsten Sachen. Und für mich, über Geld reden zu dürfen, mit Menschen sich darüber austauschen zu dürfen, über ein Thema, das für viele Menschen so wichtig ist, hat für mich sehr viel mit Respekt und Dankbarkeit zu tun. Und auch Verantwortung natürlich, den Menschen vielleicht auch eine gewisse Guidance zu geben. Aber nicht, weil ich es besser weiß. Weißt du, es gibt in Social Media und mit großen Followern sehr viele Menschen, die sagen: Schaut her, wie ich es mache, macht es mir nach. Dieses Leuchtturmphänomen. Und für mich ist das kein Leuchtturmphänomen. Für mich ist es ein Austauschen, Ich zeige euch mal, wie ich damit umgehe. Wie gehst du eigentlich damit um? Was kann ich von dir eigentlich lernen? Was beschäftigt dich eigentlich, Zuschauer oder Community-Mitglied? Was bewegt dich? Für mich ist eigentlich jeder Experte. Das muss kein Finanzexperte sein, aber wir alle sind in irgendwelchen Dingen, die wir machen in unserem Leben, Experten. Und wenn man das so betrachtet, sind wir eben alle auch auf einer Augenhöhe, und es ist ein Miteinander. Übrigens etwas, was an der Börse wirklich auch vereint. Hier ist etwas, was für die Wirtschaft auch so wichtig ist, indem man sich gemeinsam tummelt, gemeinsam versucht, Sachen und Orientierung zu finden. Das schafft eine unglaubliche Verbundenheit. Und weißt du, gerade bei einer Community ist immer die Frage, Was baust du dir denn da auf? Machst du Clickbait? Willst du möglichst schnell wachsen? Baue ich mir dann die Richtigen auf? Sind die richtigen Menschen in meinem Universum? Und es gibt in Englisch ja diesen schönen Spruch: Shit rolls down the hill. Es ist auch da deine persönliche eigene Entscheidung, was für ein Umfeld du eigentlich haben möchtest. Das fängt bei mir in Social Media auch an. Also, wir machen keinen Clickbait. Bei uns wird man auch nicht reich über Nacht. Du wirst auch nicht arm über Nacht. Aber wir sprechen miteinander und wir tauschen uns aus. Und ja, das ist eigentlich für mich heute mein Job auch und gibt mir die Zufriedenheit natürlich, weil dieser Druck nicht da ist.
Wir reden miteinander mit viel Respekt. Du hilfst also Menschen, ihre Beziehung zu Geld, zu Finanzen ein Stück weit neu zu sehen.
Ja, übrigens bin ich fest davon überzeugt, dass das durch AI und auch Geldanlage der Zukunft noch viel, viel wichtiger wird. Denn die AI wird und ist ja auch schon teils wesentlich besser bei Geldanlagefragen Weil keine Emotionen? Sind keine Emotionen mit dabei. Also, und natürlich können auch wesentlich mehr Daten schneller analysiert werden. Weißt du, in einer Redaktion, in einer Redaktionskonferenz zu entscheiden, alright, also was ist das Thema heute? Ach, lass uns über IBM reden, die haben Zahlen gemeldet. Aber eventuell ist das ja gar nicht das Thema, weil wir die anderen Daten gar nicht analysiert haben. Also, was ist die wirkliche underlying story? Und damit verändert sich eben auch die Art und Weise, wie man berichtet, wie man Geld anlegt. Ich glaube, AI wird Geld besser anlegen als die meisten. Es gibt sicherlich Asset Manager, die in Zukunft das auch gut machen können, die performen, aber die Transparenz, die AI mitbringt, wird das sehr stark verändern. Und dann geht's eigentlich eben nicht mehr so sehr um die Frage, was passiert als als Nächstes? Denn der Konsens liegt ja meistens daneben. Auch Inflation wird das machen, und das Bruttoinlandsprodukt wird das machen. Und wenn die Trump-Zölle kommen, dann, oh, dann werden die Gewinne alle einbrechen. Ist ja nicht passiert bisher, Börse ging sogar hoch dann danach. Dieses ganze Gedöns, dieses Entertainment, das im Prinzip darum geschaffen wird, was passiert als Nächstes, welches Kapitel wird jetzt aufgeschlagen, schau mal, hier hast du das gesehen, das ist jetzt passiert. Mexikanische Telenovela, schalten Sie morgen wieder ein, wenn Sie wissen wollen, wie es weitergeht. Ich glaube, das wird weniger wichtig. Ich glaube, dass vielmehr der Aspekt: Wer bin ich? Warum sollte ich dabei bleiben? Wie bleibe ich dabei? Welche Ziele habe ich eigentlich? Kenne ich meine Ziele überhaupt? Habe ich die Flexibilität, um meine Ziele vielleicht auch zu verändern? Ich glaube, dass diese Aspekte durch Technologie viel wichtiger werden. Also der zwischenmenschliche Kontakt, auch eine ganz neue Definition bekommt. Und für mich, in der Berichterstattung bei der Börse, freue ich mich drauf. Es ist eine andere Perspektive, und ich glaube, eine Perspektive, die auch eine andere Tiefe mitbringt.
Kann man dann sagen, Geld wird weniger wichtig in Zukunft?
Die Einordnung von Geld wird wichtiger. Das würde ich sagen. Und ja, ich glaube, die Befähigung und die Erkenntnis, wer bin ich eigentlich, und ich finde, allein wenn du das schon aussprichst, wer bin ich eigentlich, diese Ruhe, die damit einhergeht, ich glaube, dass wir, dass das die Perspektive von Geld eben sehr stark verändern wird.
Was wünscht sich Markus Koch für die Zukunft?
Was wünsche ich Markus Koch für die Zukunft? Dass ich weiter neugierig bleibe wie ein Kind im Candy Store. Und wenn alles in meinem privaten Umfeld so bleibt wie jetzt und im beruflichen Umfeld ich weiter naschen darf, bin ich happy und zufrieden.
Schön, danke dir, Markus. Dass wir uns kennenlernen durften. Danke für deine Zeit, deine Einblicke, und danke für eine ganz neue Perspektive auf die Zukunft, auf Geld und welche Rolle wir Menschen in der Zukunft auch spielen. Und mir auch eine ganz neue Perspektive eröffnet hast, dass es nicht um mehr Geld geht, sondern dass es darum geht, geht, wie wir unsere Beziehung zum Geld und zur Zukunft auch neu sehen können.
Danke dir, und that's the future is how. Danke, Friedrich, große Freude mit dir.
Gute Zeit noch.
Danke dir.
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