The Future Belongs to the Ones Who Try | Fynn Kliemann on Courage, AI & Creating Without Permission
20 Feb 2026 · 62 min
Fynn Kliemann talks about building things without permission, why AI accelerates rather than replaces making, and his vision for spaces where people rediscover themselves through hands-on work. He built a speaking robot from scrap and runs Kliemannsland, a hybrid maker-space and workshop hub.
Chapters
Die meisten Menschen fragen sich vielleicht, was wird die Zukunft bringen? Heute möchte ich etwas anderes fragen. Welche Zukunft baust du dir gerade? Denn Zukunft entsteht erst im Kopf, dann im Herz und dann in Garagen, Werkstätten und in den mutigen ersten Versuchen. Mein heutiger Gast ist jemand, der genau dort zu Hause ist. Jemand, der Do-it-yourself in Deutschland groß gemacht hat. Und der selbst genau dadurch groß und bekannt geworden ist. Jemand, der nie gewartet hat, bis etwas fertig gedacht oder perfekt geplant war, sondern jemand, der angefangen hat und unterwegs gelernt hat. Musiker, Unternehmer, Bastler, Möglichmacher, aber vor allem jemand mit Haltung. Fynn, schön, dass du da bist und herzlich willkommen.
Vielen Dank, schöne Worte. Es ist immer schön, wenn jemand anders das mal sagt. Wenn man das nicht immer selber im Internet breittreten muss und sagen: Komm Leute, wir schaffen das und so. Das ist alles voll cool. Sondern wenn jemand mal sagt: Ey, guck mal hier. Und das so ähnlich sieht und so. Finde ich schön.
Klasse.
Ja, also voll spannend. Ich glaube auch, du hast schon so viele kluge Sachen da drin gesagt. Wenn man das so einmal gespiegelt bekommt, ist es total toll, weil das sind ja Ziele eigentlich. Wenn du sagst: Okay, was möchte ich in Leuten irgendwie anregen? Das ist voll geil, wenn jemand wie du jetzt so von außen das betrachtet und sagt: Guck mal, das ist es für mich so und das hast du gemacht oder so. Und diese Wirkung ist mir jetzt in den letzten anderthalb Jahren noch mal bewusster geworden, ist eigentlich mein eigentliches Ziel am Ende. Es war zwar immer so aus dem Ego und Interesse und Neugierde und Naivität und so getrieben, aber am Schluss ist so das Ziel nach außen natürlich, wenn du irgendwen inspirierst und da irgendwie anheizt, irgendwas zu tun, ist es geil. Und offensichtlich Hast du so wahrgenommen, von daher schön. Absolut.
Ich glaube, sehr viele Menschen haben dich so wahrgenommen, Fynn. Und du hast mir ganz kurz gerade schon erklärt, du bist gar nicht zu Hause. Wo bist du denn?
Ich bin bei meiner Oma. Die hat so eine Art— wohnt in so einer alten Schule hier auf dem Dorf, ein großes altes Gebäude, und da ist so ein Anbau dran. Und meine Oma ist alt und süß, und ich versuche, die oft zu besuchen. Und jetzt bin ich in ihrer Ferienwohnung für 1, 2 Tage, habe mir bisschen Muckekram mitgenommen und wir essen mittags zusammen und ich gucke ihr morgens zu, wie sie mit ihrem Dackel aus dem Haus geht.
Klasse, super. Ich glaube, wir müssen alle mehr unsere Omas und Opas besuchen. Absolut. Das ist schön, dass du das machst. Genau.
Ja, es gibt so viel, was ich über die nicht weiß, was mir jetzt auch— das auch. Ich war beim Kumpel gerade, der hat mir gesagt, so in meinem Leben verändert sich gerade super viel. Und dann war ich bei ihm und er hat gesagt, als es bei ihm mal so einen Umbruch gab, da war so eine der krassesten Sachen, die er gemacht hat, der Jakobsweg mit seinem Vater zu gehen und halt so mit seinem Vater noch mal zu connecten und solche Sachen zu machen. Und er meinte so: Ey, mach das mit deiner Mutter. So, und dann war ich so: Ja, weiß nicht, Jakobsweg, diese ganzen ätzenden Hostels da und es stinkt überall nach Fuß und da sind 18 Leute in einem Zimmer und die schnarchen die ganze Nacht und den ganzen Tag sind überall nur Leute vor dir, hinter dir, neben dir. Das ist nichts für mich und so. Aber ich habe gedacht, ich habe so eine Route jetzt in Portugal rausgesucht und mache mit meiner Mutter in einem Monat so zweieinhalb Wochen oder so da latschen, jeden Tag 20 Kilometer und jetzt mit meiner Oma so mal zusammenwohnen und so. Ich finde das cool. Ich gehe gerade durch so eine Phase, wo ich meine eigene Familie kennenlerne, so mit Ende 30. Das ist irgendwie spannend.
Super spannend. Genau. Was erhoffst du dir denn von den 20 Kilometern, die ihr jeden Tag zusammen hinter euch lasst. Und genau, was sind so die Hoffnungen, wenn du mit deiner Mutter auf so eine Reise gehst?
Ich weiß nicht, ich glaube erstmal, man kennt sie ja das ganze Leben, ne. Man kennt voll viele Leute schon ganz, ganz lange und weiß über die ganz wenig. Und bei der eigenen Familie ist das natürlich auch so, ne. Dass ich denke, so, ich bin der schon sehr nah, aber ich habe das Gefühl, die ist super smart und ich kann von der richtig viel lernen. Und die hat auch noch mal, also ich habe das Gefühl, so seit vielleicht so 2, 3 Jahren kann ich das erste Mal, höre ich wirklich, was Leute mir sagen, auch als Empfehlung und so. Das ist das erste Mal. Mir haben schon immer Leute irgendwas empfohlen und gesagt und von außen irgendwas gespiegelt und ich habe das noch nie verstanden. Und jetzt so langsam entwickle ich so Antennen dafür, so Dinge zu verstehen, was die mir sagen wollen. Und in meiner Mutter steckt sehr viel Weisheit und die jetzt noch mal aussaugen zu können, solange sie die noch geben kann, so ungefähr, finde ich super smart. Und die andere Richtung genau das Gleiche. Ich habe das Gefühl, ich kann so ein Abenteuer, ansteckendes Abenteuer sein für viele Leute. Und meine eigene Familie hat davon bis jetzt am wenigsten profitiert. Und zu sagen, Mama, pass mal auf, ich habe alles gebucht, wir fahren jetzt los, ich habe hier eine Route, Komoot, let's go. Das ist so, das würde sie sonst— es gibt keinen in ihrem Leben, der das sonst mit ihr macht.
Super, eine absolut bewundernswerte Mission, Menschen besser kennenzulernen, die wir vielleicht gut kennen in unserem Leben, wie Familie, Freunde und Freundinnen, aber die wir vielleicht auch besser kennenlernen. Fynn, wie gut kennst du dich denn selber?
Weiß ich auch nicht so genau. Also ich glaube, man lernt sich immer näher kennen, aber das ist auch nie so ausgelernt, glaube ich. Die Reise ist echt lang und da gibt es richtig viel rauszufinden und so. Nicht so gut, glaube ich.
Wie könntest du dich besser kennenlernen?
Na Mann, also guck mal, es ist ja z.B. so, man verbringt, also ich zumindest verbringe sehr, sehr, sehr wenig Zeit alleine. Es ist immer irgendwer um mich herum. Es gibt's eigentlich fast nicht, dass ich irgendwo alleine bin. Sowohl im Büro als irgendwie zu Hause, Familie, Freundinnen und so. Man ist eigentlich immer mit mehreren Leuten irgendwo. Ich habe das Gefühl, dieses Alleinsein Macht schon voll Sinn, weil das sind so Momente, gerade auch so immer in den Phasen, wo es einem schlecht geht, lernt man sich kennen. Weil in den erfolgreichen Phasen ist man umgeben von vielen Menschen und so, und da lernt man eigentlich gar nichts über sich, sondern immer in den Phasen, wo es gerade nicht so geil ist, lernt man ziemlich viel. Und aus Konflikten eigentlich immer, in irgendeiner Negativität, in irgendeiner Form, wo man so struggelt, so ist es bei mir zumindest, ne. Wie reagiere ich auf Sachen? Und dann Ach, das kann alles sein. Heute, ich komme gerade vom Schwimmen und dann so sich so Ziele zu setzen und dann auch zu merken: Habe ich gerade aufgegeben oder was? Warum bin ich denn nicht? Warum habe ich mein Ziel nicht erreicht? Weißt du, jetzt hätte ich doch schon noch schaffen können und so krass. Gebe ich immer auf und so, weißt du, dass man solche Fragen dann stellt. Und das ist immer dann, wenn man so alleine ist, habe ich das Gefühl.
Spannend. Genau. Ich habe mich auch mal aufs Alleinsein eingelassen. Ich habe mich 10 Tage in der Wüste auf ein kleines Kissen gesetzt und dort haben wir dann mit 49 anderen Menschen, die wir aber nicht anschauen durften, mit denen ich sprechen konnte, ohne Handy, ohne alles, 10 Tage lang, genau 12 bis 14 Stunden meditiert am Tag. Und das war ein intensives Kennenlernen mit mir selber. Und wie du schon beschreibst, da musst du noch ein bisschen tiefer rein.
Das musst du mir noch mal kurz ein bisschen mehr erklären. Also ihr wart da alle, saßt in so einem Kreis, durftet euch aber nicht angucken, oder wie wart ihr verteilt?
Nicht in einem Kreis, genau. Wir haben sozusagen die Wand angeschaut und die Augen geschlossen. Genau. Und das ist etwas, was dich sehr, sehr schnell zu dir und zu deinem innersten Selbst auch bringt, um zu verstehen, wie du schon beschrieben hast, wie reagierst du denn in einer Stresssituation? Und dort hast du keinerlei äußerlichen Einflüsse, sondern die Stresssituation wird von innen kreiert. Die stellst du dir ja nur vor. Gestresst zu sein, zu sagen: Ja, ich muss eigentlich nach Hause, ich habe ja Verantwortung, ich muss das hier noch machen oder so weiter. Das sind alles Gedanken, die dann einem hochkommen. Und es ist unglaublich spannend. Oder wie du schwimmen gehen, wo man dann selber feststellt, man gibt auf. Ja, und ja, oder spannend.
Es gibt super. Aber das bei dir ist jetzt ja schon mal, das ist ja das Geilste. Das habe ich noch nie gehört, dass man so was macht. Und das ist jetzt so eine Reise mit dem Ziel, genau das, was du gesagt hast, sich selbst kennenzulernen. Also einfach komplett quasi wie in der Isolation, aber eben nicht ganz. Da maximal viel Zeit in der Meditation und mit dir selbst zu verbringen. Ist das die Aufgabe?
Genau richtig, ja. Weil alles andere ist ja nur Ablenkung, ne? Wie du schon beschrieben hast, schön, wenn wir Erfolg haben oder wenn tolle Dinge passieren, dann lenken wir uns meistens ab, ne? Dann haben wir diese äußeren Einflüsse. Aber sich mal komplett auf sich selber zu reduzieren und auch mal zu verstehen, wie sich Gedanken und Gefühle auch ändern, ne, Tag für Tag, von Euphorie hin zu Angst hin zu Neid hin zu was auch immer passiert da jeden Tag, ne. Und damit auch umgehen zu lernen, unglaublich spannend. Wow, Finn, ich möchte dir noch eine Frage stellen. Genau, wenn, wenn sich Finn jetzt mal das Jahr 2035 vorstellt und jemand den Lebenslauf oder was auch immer über Finn dann dort beschrieben steht, liest, was lernt er dann über dich als Mensch?
Ich glaube, dass ich fast unabhängig von äußeren Einflüssen getrieben war und bin und sein werde. Also nicht aus dem Zwang heraus, irgendwas zu tun, und daraus hoffentlich maximal viele außergewöhnliche und vielleicht auch fragwürdige Dinge erschaffen habe, bei der man nicht so richtig durchblicken kann, warum sie eigentlich existieren. Und aber dennoch in der Gesamtheit irgendwann, glaube ich, je tiefer man reinguckt, 35 hast du gesagt, ist ja noch eine Weile hin. So langsam erkennt man, warum das, dann das und auch dieser komische Auswuchs das Licht der Welt erblicken mussten, so ungefähr, um das Ganze sozusagen nachher erkennbar werden zu lassen. Und ich glaube, dann 2035 sollte es so sein, dass man so die Gesamtmission so langsam erkennt, vielleicht mit all diesen verschiedenen Inspirationsquellen, Möglichkeiten und infrastrukturellen Hinterlassenschaften sozusagen, die es anderen Leuten ermöglichen sollen, leichter das zu machen, was ich jetzt machen konnte, so ungefähr. Und ja, ich hoffe, in der Gesamtheit wird es darstellen, dass es ein kreativer, netter Mensch mit bisschen verdrehten Hinwendungen war oder ist.
Klasse. Was ist denn so das fragwürdigste Projekt, an dem du gerade arbeitest?
Es gibt sehr viele Dinge, glaube ich, die— nehmen wir mal das Kliemannsland zum Beispiel. Ich verstehe das eher so als eine gesamtheitliche Galerie, die man so begehen kann. Du kannst da reingehen und da gibt es viele Möglichkeiten, die dich eigentlich anheizen sollen, selber auch dich verwirklichen zu wollen. Und auf dem Weg kriegst du so das Toolkit mitgeschickt, warum man oder was kann man eigentlich alles machen. Das sind auch handwerkliche Fähigkeiten und eben so eigentlich niedrigschwellige Angebote, sodass man versteht, die meisten Sachen sind eigentlich ganz einfach. Die sind nicht so kompliziert, wie man immer denkt. Ja, du kannst einfach anfangen. Und dann ist das einzige Ziel eigentlich, sich ganzheitlich zu befreien von jedem Druck oder Irrglauben, den man so hat. Dann stärker zu werden in seiner eigenen Entscheidungsmacht. Weil das Einzige, was Kunst am Ende ist, ist eine Entscheidung. So, und die mit Klarheit treffen zu können und zu sagen, nee, absolut korrekt ist diese eine Bewegung, oder das, was ich jetzt tue, ist genau das, was es braucht, und diesen Mut sozusagen zu entwickeln, das ist es, was ich da ja mache. Ja, aber das gibt's manchmal in so einem Ausflugs Das meine ich gerade. Und in dem Ergebnis, das kann dich halt umbringen oder so. Also das sind dann so Dinge, die stehen dann da und sehen aus wie eine Foltermaschine oder was auch immer. Das sind dann so Dinge, wo man sagt: Okay, warum existiert das? Und davon gibt es so ein paar, ich sag mal so tonnenschwere Blöcke und Epoxidharz eingegossene Kreuz-Installationen und so, wo Leute davorstehen und sagen: Alter, das ist widerlich. Oder warum? Warum? So, und das finde ich aber gut, weil jedes Mal, je nachdem, auf was du da guckst, sind das Dinge, die genau das in dir hervorrufen sollen. Im Grunde halt nur irgendeine emotionale Reaktion, weil die wiederum dich befreit aus deinem Tonus. Graue Welt, ich sehe gar nichts. Also diese Bewegung in deinem Kopf, das ist das, was ich erzeugen möchte. Ja, aber manchmal sind sie eben so, dass Leute drauf gucken und sagen: Ich verstehe das nicht, der Typ ist komisch. Und das finde ich auch wiederum sehr spannend.
Das erinnert mich so an den Charakter aus dem Film Momo, wo die rauchenden Männer sozusagen die Welt darstellen und Momo in einer ganz anderen Zeit auch und auch in einem Zeitverständnis auch lebt und ihre Kreativität auch auslebt und sich freut. Fühlst du dich so ein bisschen wie Momo?
Ich weiß nicht, ich habe immer das Gefühl, so, ich sehe das sehr pragmatisch, es kommt total drauf an, aus welcher Richtung du kommst. Wenn ich aus so einer Berliner Künstler- Künstlerfamilie stammen würde, die primär so braschmäßig Theaterstücke entwickelt hätten, ihre ganze Familiengeschichte, dann würde man sagen, ja, das ist alles so künstlerisch, expressionistischer, junge Künstler, was auch immer. Aber ich komme halt aus einem handwerklichen Umfeld. Das heißt, bei mir wird das einfach so betrachtet, dass halt ein Typ, der schweißt, die handwerkliche Tätigkeit steht sozusagen im kommunikativen Fokus und nicht der künstlerische Output. Das heißt, es kommt immer nur darauf an, wie betrachtest du das alles? Ich war bei Anselme Kieffer vor anderthalb Jahren oder so in Frankreich und da war das auch so interessant, dass du auf den Hof gekommen bist und da waren so ein paar deutsche Kunststudentinnen, die dich da über den Hof führen und so eine Führung geben. Und die und diese gesamte Aura auf dem Hof haben sozusagen so dir eingebläut: Jetzt betrittst du einen bedeutsamen Ort. Und oben drüber stand so eine fette dicke Schrift Kunst. Achtung, alles, was Sie jetzt sehen, ist ein Kunstwerk. Und da gab es eben so ein paar krasse Situationen, wo Leute vor Müllhaufen standen, die tatsächlich einfach Abfall waren, aber sich darüber ausgetauscht haben, was das denn bedeutet. Und dann kam die eine, die die Führung gegeben hat, und hat gesagt: Das da vorne ist tatsächlich jetzt einfach der Müllhaufen. Wenn Sie sich nach links drehen, da sind die Kunstwerke. Und ich glaube, es kommt immer darauf an, wie ist das, was man sieht, tituliert? In welchem Rahmen ist das irgendwie geboren und wo steht das? Das meine ich mit woher kommst du auch selbst, um den Output irgendwie zu betiteln. Und das ist bei mir genau das Gleiche. Ich glaube, viele Leute sehen mein Zeug eher als Bauprojekt anstelle eines Kunstwerkes oder so. Und wenn jemand aber meinen handwerklichen Background nicht kennt oder irgendwie YouTube oder all diese Welten, dann sieht man das eher als Kunstwerk und weniger als Bauwerk oder als Heimwerkerprojekt oder was auch immer.
Ja, als ich dich das erste Mal kennenlernen durfte, habe ich im Kliemannsland eine unglaubliche Energie gespürt an diesem Ort, wo wirklich alles erlaubt ist, wo man auch seinen eigenen Mut so ein bisschen wiederentdecken kann. Also gehe ich daran oder probiere ich das aus oder darf ich das in die Hand nehmen oder kaputt machen, was auch immer. Und diese Energie fand ich unglaublich ansteckend. Genau. Und du beschreibst gerade das Kliemannsland auch als einen Ort, wo sich Menschen finden, die etwas bewegen wollen, die etwas erstellen wollen, die aber auch was lernen wollen. Und für mich jetzt die Frage: Als wir uns das letzte Mal dort getroffen haben, hattest du eine Idee, an der du gerade ziemlich viel Leidenschaft, glaube ich, verloren hattest. Du wolltest das Kliemannsland erweitern, du wolltest es weiterentwickeln, du wolltest in Richtung Hotel, und dass Menschen auch länger sozusagen im Kliemannsland bleiben dürfen. Was mich wirklich daran fasziniert hat, war, dass es kein fertiger Plan war. Wir haben uns darüber unterhalten, und da war einfach ein Gedanke von dir und so eine Leidenschaft zu sagen, ja, das mache ich jetzt einfach. Egal ob da Gegenwind herrscht, egal ob die Leute das cool finden oder nicht. Ich habe da echt Bock drauf. Was passiert bei dir zwischen der ersten Idee und dem Moment, in dem du sagst: Okay, das probiere ich jetzt einfach?
Gar nicht so viel, ehrlich gesagt. Das geht nahtlos ineinander über. Also das ist super. Ja, es ist super. Und es ist auch ganz oft natürlich hinten raus dann immer große, große Probleme, die ich aber auch wiederum spannend finde. Also es gibt ja, es gibt ja alle möglichen Phasen. Ich hatte auch schon alles durch. So in der Form kennst du ja auch, du hast manchmal eine Idee, die nahtlos in die Umsetzungsphase übergeht, und damit bist du auf dem goldrichtigen Weg und hast einfach 2 Jahre Planung gespart. Und es gibt andere Bereiche, dazu gehört der jetzt auch ein bisschen, muss man sagen, dieser Expansionsplan mit Hotelbau, Flächen kaufen und so, weil dieser B-Plan, den haben wir ja lose gestellt, ja, und genau aus der gleichen Historie sozusagen und naivem Startpunkt Ich habe die Idee, ich möchte es gerne machen. Let's go, Alter, lass mal hier jetzt irgendwie irgendwas aufstellen. Wir machen jetzt einen B-Plan und dann gehen wir los. Und das mache ich jetzt seit 5 Jahren. Also seit 5 Jahren läuft dieser Plan, weil ich den nämlich initial genauso locker dargestellt habe, wie wir beide gesprochen haben. Und dann hat er sich wieder verändert. Und dann habe ich gesagt, jetzt soll da aber ein Hotel hin. Und dann haben die gesagt, wie? Das geht nicht, das ist ein ganz anderer Nutzungsbereich. Ja, aber was soll ich machen? Jetzt muss da halt ein Hotel hin, weil das brauchen wir jetzt ja. Ja, und hinten, da sollten doch die Tiny Häuser sein. Ich so: Ach so, nee, da kommt eine Motocrossstrecke hin. Ja, also da müssen wir den ganzen Plan neu machen. Ich so: Ja, das geht ja nicht anders, wir brauchen das jetzt ja so. So, und dann haben wir das wieder angepasst und noch mal angepasst und noch mal angepasst. So, und das will ich nämlich gerade damit sagen, wenn diese, wenn ich ja niemanden dafür bräuchte, in diesem Fall bräuchte diese Scheißgenehmigung, und damit bin ich am Nabel, in dem Fall vom Bauamt und Katasteramt und wie sie alle heißen. Und von denen bin ich abhängig und deren Energie und meine Energie, die sind extrem konträr. So, und dann habe ich halt hier und da, ist mir dann immer schon mal so der Arsch geplatzt. Dann habe ich einfach angefangen und habe was gebaut und habe halt dann in 2 Tagen irgendwas da umgebaut oder Küche angebaut oder so und habe richtig Ärger gekriegt. Also das war teuer und es gab echt Stress. Ich bin dann nachher mit dem Blumenstrauß zum Bauamt, habe mich bei allen entschuldigt und so und dann auch meine Fehler eingesehen, weil sonst wäre es da gar nicht weitergegangen. Also Man muss dann einlenken und jetzt bin ich so, das nervt halt, ne, aber dieser Plan, bis der Plan steht, muss ich nach deren Geschwindigkeit arbeiten. Das ist, als wenn ich mir Betonschuhe gieße und dann ganz mit voller Kraft weiterlaufe. Also einfach dann ganz langsam. Und alles, was dann außerhalb deren Bereich ist, kann ich dann wieder selber machen. So jetzt zum Beispiel haben wir überlegt, wir wollen unsere Werkstätten umbauen und das haben wir halt gestern überlegt. Und ja, und heute ist es halbfertig. So, wir haben dann einfach die ganzen Wände runtergerissen, wir haben direkt gestrichen, wir haben irgendwie das Farbkonzept festgenagelt. Heute Vormittag Tische umgebaut und so. Alles, was ich selber kann, wofür ich niemanden brauche, der mir eine Erlaubnis gibt, läuft halt in Lichtgeschwindigkeit. Ich kenne niemanden wirklich in meinem Umfeld, der das dann schneller hinbekommt, weil das halt so nahtlos ist. So, und das ist einfach damit gewinnen wir so ein, ist ein so ein Wettbewerbsvorteil bei allem, weil wir einfach in die Garage gehen und bauen. So, und es ist sehr empfehlenswert, außer du bist, hast irgendein Deal mit dem Bauamt.
Klasse. Funktioniert so Zukunft, Finn? Also bringst du beispielsweise genau Menschen bei, wie man mit Zukunft umgehen muss, ne? Dass man nicht lang planen muss, dass man nicht lang warten soll, sondern dass man in die Garage, in seine eigene sozusagen Werkstatt, ob das die Gedankenwerkstatt ist oder eine physische Werkstatt, gehen soll und dann einfach mal loslegen.
Ja, ich glaube auf jeden Fall. Also guck mal, es hat sich ja auch super viel verändert. Also wenn du jetzt in die Zukunft denkst, dann denkst du ja auch mit dem gesamten Wissen dieser Welt, allen technischen Möglichkeiten, die uns geboten werden. Also damit meine ich jetzt nicht nur rein handwerklich irgendwie so was wie einen 3D-Drucker oder solche Sachen, Sachen. Ja, damit meine ich halt ganzheitlich all diese tollen neuen Technologien, Ideen, KI. Es gibt so viele Booster sozusagen, das sind ja alles kleine Raketen an deinem Schuh, und die sitzen da ja so. Und wenn du die alle nicht nutzt, also wir gehen jetzt mal davon aus, du nutzt die alle, dann bist du ja sowieso schon mal hundertfach schneller, Faktor 1000 schneller als früher. Und wenn du jetzt noch aufhörst, die einzige Bremse sozusagen immer wieder zu ziehen, und die ist ja Überdenken und Angst davor haben und was kann alles schiefgehen und so, dann hast du glaube ich einen absoluten Geschwindigkeitsbringer irgendwie gefunden. So, dann hast du auch, ich denke halt, weißt du, ich glaube ganz stark an Veränderung und Zukunft im Sinne der Innovation als ich baue was auseinander und guck mir die Einzelteile an und schau, wie Sachen funktionieren. Also ich meine damit wirklich auch Verständnis in der Tiefe, und ich glaube, das ist eine Sache, Sache, die total wichtig ist für eine Zukunft. Und was du gerade gefragt hast, so wie sieht die aus? Und ich glaube, die ist nicht generell blind, alles einfach nur zu verwenden und Gas zu geben. Das ist ein Teil, aber ein Teil wird eben auch sein, der jetzt wichtiger wird, glaube ich, die Bestandteile von dem, was sich so ergibt, zu verstehen. Es hat sich ja so viel verändert. Also früher war das so, du hast einen Ingenieur gefragt, wie funktioniert das, der hat dir das erklärt. Und heute ist der Ingenieur, der Large Language Model baut, Also das Produkt der Zukunft sozusagen kann ja auch nicht mehr ganz genau erklären, wie das funktioniert. Selbst der Ingenieur weiß nicht mehr, wie im Detail Sachen davon funktionieren und so. Und ich glaube, das wird ein riesen interessantes Gebiet sein, Sachen noch zu verstehen. Wer das Verständnis im Detail für Dinge nicht mehr hat, glaube ich, kann schlecht innovieren. Und das wird eine riesen Aufgabe sein. Und dann, wenn du das verstanden hast, dann musst du wieder die Birne bisschen ausmachen. Also es geht darum, gezielt Kopf an und Kopf auszuschalten, glaube ich, um da Geschwindigkeit drauf zu kriegen. Aber auf jeden Fall machen, anstatt irgendwie da zu planen und zu denken. Es gibt einfach so viele Sachen, die das für dich übernehmen können. Und am Ende ist bei den Sachen, die ich mache, auch wirklich, was soll da schiefgehen? Das ist was anderes, als wenn ich jetzt versuche, an die ISS anzudocken oder so. Da sollte man noch einmal durchrechnen. Aber bei uns, es geht um ein bisschen andere Sachen.
Was ich von dir höre, ist, dass Selbermachen so eine Zukunftskompetenz ist, dass man Dinge auseinandernimmt und dann aber auch selber wieder zusammenbaut und dann einfach mal loslegt.
Ja, denk mal voll. Also ich guck mal, denk mal dran, wenn du jetzt danach gehst, wie sieht die Zukunft potenziell aus? KI übernimmt die Welt, Roboter machen meinen Job. Was bleibt dann eigentlich übrig? So was, was? So, dann glaube ich, ist das Kliemannsland zum Beispiel ein interessanter Ort, weil du da wirklich Basiswissen über standardisierte handwerkliche Tätigkeiten bekommst. Das heißt, was will ich denn machen? Am Ende ist das ja die Frage, was möchte ich eigentlich tun? Und die Antwort darauf bei mir ist halt alles verstehen, was es so gibt, und ganz spezielle Dinge selber machen. So, und dieses Wissen vermitteln wir bei uns. Also ich möchte mir die Sachen rauspicken, die ich interessant finde, darin schauen, gibt es da nicht noch irgendwas, was mich nervt, was man verbessern kann? Das findet man übrigens automatisch, wenn du dich mit einer Sache viel beschäftigst. So, und das, genau, das ist ja Innovation. Am Ende gehst du da rein und beim Verständnis für die Sache baust du auseinander, und beim Wiederzusammenbauen ist wie so ein IKEA-Regal, findest du 5 Teile, die es eigentlich nie gebraucht hat. Das geht auch ohne, du baust die zusammen, sagst, hä, warum geht das? Die 4 Teile brauchte ich nicht, also habe ich mal eben irgendwie 20% gespart und potenziell eine Revolution für irgendein Produkt erfunden, ja. Und das ist das für mich Innovation, das für mich Zukunft, dass Leute wieder Spaß an vielen kleinen und großen Sachen haben und zu verstehen, wie etwas funktioniert, wird bei uns vermittelt. Und damit kannst du dann rausfinden, was dir wirklich Freude bringt und worin du gut bist, weil du kannst dann ja eh in deiner Freizeit selbst entscheiden, was möchtest du eigentlich machen. Du musst dann ja nicht mehr zwangsweise was machen. Ich glaube, das wird eine interessante Zukunft.
Spannend zu hören, dass du dich jetzt auf eine Reise mit deiner Mutter begibst, um von ihr zu lernen, aber um auch dich selber besser kennenzulernen. Ich wünsche mir jetzt eigentlich, zu Fynn Kliemann zu gehen, ins Kliemannsland, mit meiner Mutter und mit meinem Vater, mit meinen Freundinnen und Freunden, mit meinem Team, mit was auch immer, weil ich da von anderen lernen kann und vielleicht auch selber wieder lernen kann, Was mir was bedeutet und wie viel es mir bedeutet und dort auch wieder Mut entdecken kann, wieder Neugierde leben kann, Experimentierfreude, Dinge ausprobieren, alle diese Dinge, die eigentlich heute ja in der ganzen Welt wieder mehr und mehr nachgefragt werden. Wenn man sich so in Deutschland umhört, was sind denn die Eigenschaften, die die Menschen haben sollten? Dann kommen genau diese Begriffe, die du gerade erwähnst. Das sind Mut, Neugier, Interesse, Lust am Ausprobieren, Dinge auseinanderzunehmen, dann aber auch wieder selber zu machen. Auch lernen, was bedeutet es denn auch selber zu machen? Weil es schließlich und endlich dahinführt, dass wir Selbstbewusstsein ein Stück weit wieder auch lernen. Wenn ich also mit meiner Mutter, mit meinen Freundinnen und Freunden mit meinem Team zu dir, Fynn, ins Kliemannsland kommen. Wie würde dann ein Programm aussehen und was würdest du mit uns machen?
Es gibt ja genau dafür schon auch so echt gezielte Angebote, die wir erschaffen haben. Das sind wirklich super niedrigschwellige Sachen von, keine Ahnung, Leute, die ganz gezielt etwas machen wollen. Wir machen zum Beispiel Schweißkurse. Schweißen ist so eine total schöne exemplarische Arbeit, weil sie so viele im Grunde unmögliche handwerkliche Bewegungen sozusagen verinnerlicht oder vereint, die alle in der Gesamtheit mega einfach sind. Also Flexen zum Beispiel ist super eindrucksvoll. Da gibt es diese ganz vielen Funken und so, ne? Davor haben alle richtig Angst. Aber das ist so, eigentlich ist es wie Brot schneiden, total einfach. Wenn du schweißt, werden halt Metalle miteinander verschmolzen. Da gibt es Tausende von Grad und dann hast du Funken und es blitzelt und es ist super hell. Und wenn du das anfässt, kannst du dich verbrennen und so. Also Nach außen kannst du sozusagen 1000 negative Punkte aufzählen und dann denkt man, wenn man das sieht, denkt man okay, das ist wirklich kompliziert. Aber MAG-Schweißverfahren, wenn du das anguckst, wirklich im Detail, dann hältst du so ein, sieht aus wie so eine kleine Pistole da dran und drückst ab und das brutzelt für eine Sekunde und danach hält dieser Schweißpunkt eine Tonne zusammen. Du kannst ein Auto dranhängen. So, es ist so einfach. Es ist wirklich wie mit Pistole auf so einen Knopf zu drücken und du machst fast gar nichts. Das kann jeder. Ich habe das noch, Es gibt keinen Menschen, dem ich das nicht in 10 Sekunden beibringen konnte. So, und das sind genau diese Erfolgsfaktoren, weil das steht ja stellvertretend für sehr viele Dinge, dass es eigentlich einfacher ist, als man denkt. Und dieses kleine Erfolgserlebnis, das macht, dass du Mut bekommst, auch mehr zu tun. Und das ist genau, was du gerade gesagt hast, am Ende ist es Selbstbewusstsein und Kunst, ja, und all diese Themen, die ich glaube auch, die zukünftig wichtiger werden in einer Welt, wo sehr viel mit potenziellem Grundeinkommen und Roboter übernehmen unseren Job, dann überlegt man sich, was ist denn da jetzt noch, was möchte ich jetzt tun? Und Kunst zum Beispiel ist ein sehr spannendes Feld, finde ich, weil das halt Menschen auf einer emotionalen Ebene ganz anders berühren kann. Und Kunst ist nichts anderes als Selbstbewusstsein, weil das die selbstbewusste Entscheidung, etwas zu tun oder etwas so und so machen zu wollen. Und dafür gibt es jetzt tausend Auswüchse, ja, also nicht nur ein Bild, sondern eine Installation, eine Skulptur und so. Die basiert übrigens in der Basis immer auf diesen Sachen, zum Beispiel das Schweißverfahren, was ich gerade gesagt habe. Wenn ich dir das beibringe, kannst du jede verschissene Skulptur dieser Welt bauen. Und das ist so geil, weil du lernst halt auf einmal, ist dein Horizont wirklich 5 Kilometer weiter. Das ist ein Riesenschritt. Ein kleines Kursangebot im Klimasand wahrnehmen und du kannst dein Leben verändern. Wirklich. Also bei mir ist das so, für mich hat das mein Leben verändert, diesen kleinen Schweißpunkt zu setzen. Und davon haben wir viele Sachen. Also du kannst bei uns eben wirklich, wie du es schon gesagt hast, relativ hemmungslos auf irgendwas rumhauen und Dinge so ausprobieren. Und da gibt es halt viele Sachen, die wir jetzt erweitern, also Pizza machen, Brot machen, irgendwie Keramik, viel so Kurse. Es gibt dann Yoga etc., so viel Programme drumherum, aber eben auch super viele nicht geführte Dinge. Also einfach der Hof hört einfach auf, gibt es dann Achterbahn und ein Skatepark und hinten kommt so eine Motocross-Strecke hin. Kannst du so E-Motorräder ausprobieren und so, also ist einfach super frei. Und da steht auch, ich sag mal, ja, Müll rum, viel im Kliemannsland, fast alles ist ja recycelt. Das ist ein großer Schrottplatz, also du kannst da einfach hingehen. Und wenn du was siehst, das soll der Hof tun, dich inspirieren, etwas zu sehen in alten Gegenständen. Das heißt, du läufst da rum und wir geben viele Beispiele, weil das macht mit den Leuten immer so was Inspirierendes. Und dann sehen die halt auf unserem Schrottplatz irgendwelche Teile und sehen sofort im Kopf, irgendwie einen kleinen Roboter oder eine Figur oder so wie als kleiner Junge, wenn du in den Himmel geguckt hast und da ist so eine Wolke vorbeigezogen und du hast da irgendwas drin gesehen. So soll der Hof sein, dass du angeregt wirst, in der Welt wieder mehr solche figürlichen Dinge und Bilder zu sehen. Und ich glaube, das macht er. Wenn du da rüberläufst und dann weggehst, dann hast du so eine Inspiration gefunden. Und deswegen brauchst du nicht mal zwangsweise Kurs, musst einfach nur vorbeikommen, dir ein bisschen Zeit nehmen. Also ich will dir auch nichts verkaufen. Du kannst da einfach nur Zeit verbringen. Ich bin happy, wenn du nachher ein Stück Kuchen gegessen hast und dann wieder nach Hause fährst und denkst, wow, ich habe wieder Bock, in den Himmel zu gucken. Das ist eigentlich ein gutes Ziel.
Absolut, ja. Und ich glaube dir, dass ihr Menschen nichts verkaufen wollt, weil ihr wollt Menschen was schenken, ne? Und zwar wollt ihr Menschen ein Gefühl schenken, ein Gefühl von, hey, ich kann was hier aus Schrott entwickeln, ne? Ich kann mir was vorstellen, was aus diesem Abfall, den andere Menschen vielleicht weg wegwerfen, was daraus entstehen kann, ne? Oder dieses Gefühl von geil, ich habe es mal ausprobiert, ne? Wie du das schön gerade beschrieben hast, ne? Geil, ich habe mal geschweißt, ne? Frag mal Menschen, oder du hast bestimmt Zahlen dazu, wie viele wirklich schon mal geschweißt haben, ne? Und da spreche ich nicht davon, ich weiß, wie Schweißen geht, sondern ich weiß, wie Schweißen sich anfühlt, ne? Also dieser Moment, der funkt, der blitzt, der aber auch eine gewisse Gefahr in sich birgt, ne? Weil es heiß ist, weil man sich verbrennen kann, wenn man blinden kann und so weiter. Und das dann eben mal zu erleben, ist unglaublich spannend. Und das macht eben was mit Menschen. Von dem her danke dir, dass ihr das Menschen schenkt, dieses Gefühl von: Ich kann mal etwas möglich machen, ich kann mal was ausprobieren.
Am Ende ist es so, ich glaube, die, was ich wirklich jetzt so, das ist auch nicht lange, ich weiß das noch nicht lange über mich, aber ich habe mir mit vielen sehr erfolgreichen Freunden von mir, die also, würde ich sagen, sehr viel monetäre Interessen in ihrem Leben immer verfolgt haben. Und das sind viele Kumpels von mir, die kommen aus der Startup-Branche, die kommen aus Bereichen Private Equity, was auch immer, ja, die machen so Sachen. Und das sind halt Freunde von mir und wir unterhalten uns viel und ich komme aus deren Nest sozusagen, ich bin deren Breed. Und als ich dann so die letzten Jahre beobachtet habe, was ich tue, habe ich das Gefühl gehabt, ich Ich spiele eigentlich in dem gleichen Feld, also ich habe irgendwie die gleiche Sprache wie die, ich spiele nach den gleichen Spielregeln wie die, und das am Ende das Spiel des Kapitalismus, wenn du so möchtest. Aber das Ergebnis dieses Spiels macht sie glücklich und mich nicht so. Und ich habe voll deutlich gemerkt, dass das also am Ende, ja, es ist das, was uns erwartet, wenn wir das alles genau nach den gleichen Spielregeln machen, in deren Feld und in meinem Feld komplett unterschiedliche Outcome. Ich bin unglücklich und sie sind sehr glücklich. Dann habe ich mich gefragt, warum ist das eigentlich so? Also was will ich denn dann eigentlich? Und dann habe ich rausgefunden, dass das, was mich wirklich interessiert, ist inspiriert werden von Menschen und gleichzeitig Menschen zu inspirieren. Also das ist meine Währung und das ist mein größtes Ziel und das ist auch meine Also das ist auch meine Bezahlung, dass man in dieser Art mit dem, was ich tue, zum Glück mit sehr vielen richtig coolen Menschen, du gehörst ja auch dazu, in Verbindung kommt, die einen Satz sagen, und das kann ein 2-Stunden-Gespräch sein, wo ein krasser Satz drin ist, der auf mich einen Riesen-Impact hat und irgendwas bei mir verändert. Bei dir war das zum Beispiel, du hast mir gesagt, dass man seinen Kindern immer austreibt, wenn die jung sind, sagt man immer: Stell nicht so viel Fragen, sei nicht so neugierig. Und ich so: Boah, das kann nicht wahr sein. Stimmt. Oh mein Gott, wir müssen es drehen. Es kann nicht wahr sein. Und das hat mich so beschäftigt. Das habe ich richtig mitgenommen. Das habe ich schon auf 5 Konferenzen erzählt, dass du mir das gesagt hast und so, weil das sind einfach wichtige Inspirationen und manchmal sind das anstoßende Sätze und so. Und ich habe das Gefühl, das ist der Inbegriff meines Lebens und mein Ziel. Ich möchte Leute inspirieren mit irgendwas Kleinem, der das, was andere Leute auf mich haben, so bei denen macht. Am Ende sind wir nur ein Ergebnis und ein Produkt all der verschiedenen Inspirationsquellen um uns herum. Und ich finde es schön, wenn ich eine sein kann für andere. Und darauf muss man sich irgendwie fokussieren. Und das ist meine Bezahlung am Ende. Das ist meine Belohnung. Und die gibt mir halt auch was.
Wann hast du das für dich so reflektiert bzw. rausgefunden? Wann war das? Ein Moment vor einem halben Jahr?
Ja, ungefähr. Was war der Auslöser? Ich habe, ich saß irgendwann mit Robert Dahl, das ist ein sehr erfolgreicher Unternehmer aus Deutschland, der macht Karls Erdbeerhof, Viertelmilliarde Umsatz oder so, und Wachstum, Wachstum, Wachstum. Und wir beide saßen zusammen an so einem, an so einem Kamin abends, und haben uns einfach unterhalten und haben darüber geredet. Ich meine so, warum machst du, was du machst? Warum? Er so, ja, gibt viele Gründe, blablabla und so. Und dann hin und her und haben wir echt lange, lange, lange hin und her überlegt, bis irgendwann dieses, weißt du, was eigentlich das Geilste ist? Wenn mal irgendwer da ist, der dich mal so inspiriert. Weißt du, wer mich inspiriert? Und dann haben wir so eine Liste gehabt. Ich meine so, boah, was der gesagt hat und daher und das. Und wir sind eigentlich wie so ein Puzzle. Und da sind so kleine Puzzleteilchen bei und das sind eigentlich immer Inspirationen. Also was bist du denn? Du bist Nacheifern nach bestimmten Dingen, Sachen, die du toll fandest an anderen, und du bist das Produkt aus Inspiration anderer. Und ich finde das voll krass. Also für diesen Kreislauf des Lebens musst du das weitergeben. Wenn du das nicht machst, dann hältst du das ja auf. Und das haben wir da irgendwie festgestellt, mehr oder weniger für uns beide. Und da habe ich mir das aufgeschrieben und da war so ein Satz: inspirieren, nicht imponieren. So, dass sie gesagt haben, so mit seinem Erfolg auch, ich meine, er verdient sehr viel Geld, ist total wichtig, dabei irgendwie humble zu sein, jetzt auch nicht das runterzuspielen, aber zu sagen, der Erfolg kann Ansporn für Leute sein, der kann aber auch einschüchtern und so. Und es geht eigentlich immer darum, das so zu portionieren, dass Leute immer angespornt sind und nicht das Gefühl haben, boah, das schaffe ich eh nie, oder dieser Arsch, was will der mir sagen, dass er besser ist als ich oder so. Inspirieren, nicht imponieren. Ganz wichtig.
Und das ist so ein bisschen mein Leitsatz geworden. Inspirieren, nicht imponieren. Toller Leitsatz, den ich heute von dir lernen durfte. Finn, wie hilfst du den anderen Menschen, das auch in sich zu entdecken, was sie wirklich wollen in ihrem Leben? Also hast du da schon Vorstellungen, Ideen? Wie möchtest du andere inspirieren, sich Zeit zu nehmen, genau über diese Frage mal nachzudenken? Warum mache ich denn das Ganze?
Ja, ich glaube, so richtig, also die zu überzeugen davon, sich Zeit zu nehmen, ist der einzige Weg, finde ich, ist etwas zu bieten, was Freude bringt. Richtig wichtig, das ist so wichtig und das ist mir auch ganz toll aufgefallen im Internet. Ja, Instagram als Beispiel, da gibt es sehr, also eigentlich ist der große Weg von Influencern und Menschen, die dich bekehren wollen, ist zu sagen: Du, du, du, und das machen wir alle verkehrt, und guck dich an, und Leute, wir müssen reden über XY und so, ne, und das darf man nicht, und das darf man nicht. So, und das hat noch nie jemanden irgendwie positiv überzeugt, sondern die sind alle angepisst von so einer Ansage, ja. Und mein Ansatz war schon immer zu sagen: Weißt du, was Bock macht? Elektromobilität, weil fährt viel schneller und so, ne. Und da gibt's sehr viele Beispiele von, die sagen, du musst das Positive in einer Sache finden, weil dann springt der Funke über. Und das muss halt Spaß machen. Und dann kann irgendwie, ja, also ein vernünftiger CO2-Fußabdruck etc., es gibt so viele Bereiche, wo man sagt, nein, du musst den Weg finden, der irgendwie Freude bringt, der dir ein gutes Gefühl gibt und kein schlechtes. Weil schlechtes Gefühl ist immer, ich muss und ich habe keinen Bock und so. Und gutes Gefühl ist, ich will. Und ich möchte gerne. Und das ist so der Ansatz, dass ich sage, also das, was wir bei uns tun, das muss halt Bock machen. Und dafür sind es halt auch manchmal grenzwertige Erfahrungen. Also irgendwas, womit du schnell fährst, damit du diesen Thrill— du musst das halt spüren. Warum ist Elektromobilität geil? Weil der Elektromotor halt richtig schnell Drehzahl bringt und du halt schnell beschleunigst. Und auf einmal hast du ein Grinsen auf dem Gesicht, du kannst nicht anders. So, und dann bist du eher von dem E-Motor überzeugt als von einem Verbrenner. Einfaches Beispiel, aber du weißt, was ich meine.
Kann auch ein Mittagessen mit der Oma Freude bringen?
Auf jeden Fall, klar, wenn die da sitzt mit ihrem Rauhardackel auf dem Schoß. Und na klar, auch das, also Inspiration ist sozusagen das Ziel und der Weg dazwischen auch eine Erkenntnis. Auch noch nicht lange her, über Silvester war ich wandern irgendwie für ein paar Tage da im Harz, einfach alleine, und da habe ich einfach gemerkt, so wirklich, es geht jeden Tag darum, irgendwie möglichst viel Freude zu haben. Also wirklich am Ende relativ einfach. Das Leben ist voll einfach. Dabei halt zu sagen, es muss irgendwie Spaß machen. Und wenn du dabei inspiriert wirst und andere Leute inspirierst, dann hast du alles geschafft. So, und das klingt total blöde. Und hätte mein Vater mir das vor 15 Jahren gesagt, hätte ich gesagt: Ja, Alter, ist gut. So, aber wenn du das für dich selbst gefunden hast, dann ist es auf einmal schön irgendwie. Und dann ist es auch einmal total einfach, weil alles genau, was du vorhin gesagt hast, so, Diesen Stress macht man sich selber so in deinem Kopf. Ich muss nach Hause und so. Ich wollte für mich selber finden, so eine Art wie Lehrer Schularbeiten kontrollieren, weißt du, so ein transparentes Blatt, was du so drüberlegen kannst, um zu gucken, ob du richtig oder falsch bist. Und ich habe das immer so in einem Bild so verstanden, dass ich meine Situation gerade angucke und sag, ist die, keine Ahnung, die sollte grün sein, ist sie rot, dann ist es falsch. Also welche Farbe habe ich gerade? Dann kann ich das dagegenhalten und sagen, was wollte ich eigentlich? Ach, ich wollte die Grünen. Scheiße, ist falsch, was ich hier gerade mache. Weil sehr viel impulsives Verhalten in meinem Leben dabei ist und ich ganz oft nicht kontrollieren kann, bin ich auf der richtigen Spur oder nicht. Und das zu kontrollieren ist so einfach mit: Ist das gerade cool? Macht mir das Spaß? Bereitet mir das Freude oder nicht? Und wenn es nicht ist, dann ist das irgendwie verkehrt.
Wenn du Musik kreierst, komponierst, schreibst, wann bringt es dir Freude? Ist es der Moment, wo du sagst, ich setze mich hin ans Klavier und Spielt einfach mal los, oder ist es der Moment, wo der Song dann bei Millionen von Menschen in den Ohren ankommt?
Nee, es ist immer die kleine komische Session mit einem Kumpel oder alleine oder so. Das ist der Spaß. Der Spaß ist halt den kleinen Beat bauen, diese merkwürdigen Geräusche aufnehmen, diese eine Idee für irgendwas oder so. Und ab dann muss man auch ehrlich sagen, macht es eigentlich überhaupt keinen Spaß. Also dieses Ausproduzieren macht keinen Spaß. Das Vermarkten macht überhaupt keinen Spaß. Dann irgendwie Distribution und den Verkauf an Leute, dass das halt so viele wie möglich bekommen und hören, macht auch alles keinen Spaß. Das ist für mich aber so eine Notwendigkeit für die Kompletierung dieser Reise. Also wenn dein Werk in irgendeiner Form nicht gehört oder gesehen werden kann, also wenn ein Bild sich keiner anguckt oder eine Musik keiner hört, dann ist es nicht fertig. Das heißt, Ohne Rezipient existiert das nicht. Das bedeutet, man muss diese Reise zu Ende gehen und man muss bis zum Schluss da durch und den Kram vermarkten, damit es abgeschlossen ist. Und erst dann kann man irgendwas Neues machen. So fühlt sich das zumindest bei Musik für mich an. Das ist auch noch nicht die optimale Reise, muss man sagen, weil da ist sehr viel Struggle dabei und auch richtig viel Kram, der mir überhaupt nicht schmeckt. 6 Monate lethargisch aus dem Fenster gucke, ob das jetzt wirklich fertig und gut ist oder nicht. Aber es gibt auf jeden Fall spaßige Momente ganz am Anfang. Mal gucken, ob ich mit meinen neuen Erkenntnissen für die nächste Platte irgendwie besser durchkomme. Weiß ich noch nicht.
Super, da wünschen wir dir auf jeden Fall sehr viel Erfolg. Genau, und sehr viel Freude und auch Spaß daran. Genau dieses Kreieren.
Hast du denn für so was, wenn du sagst, wie misst du ob du jetzt richtig oder falsch unterwegs bist mit den Sachen, die du gerade tust.
Genau, da höre ich immer auf mein Gefühl. Und wenn es sich gut anfühlt, und das ist ja gar nicht so einfach, das festzustellen, wenn sich das gut anfühlt, wenn es mir Selbstbewusstsein gibt, wenn es andere bewegt, wenn es uns alle nach vorne bringt, Na, das ist für mich so ein Gefühl, das sich dann gut anfühlt. Dann merke ich, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Und das habe ich gelernt von Kindern, die aus ihrem Land fliehen mussten. Und zwar haben wir vor einiger Zeit, meine Frau insbesondere hat eine Initiative gegründet, das nennt sich Tüftelei, wo Kinder hinkommen konnten, nachmittags, morgens, wann immer sie Lust hatten, und konnten dort aus alten Materialien sozusagen Neues kreieren. Und das Ziel war nie irgendwie, dass man Müll wiederverwertet, sondern das Ziel war immer, den Kids Selbstvertrauen beizubringen und dieses Selbstvertrauen zu wecken. Weil die Kids konnten die Sprache nicht sprechen, wenn sie nach Deutschland kamen. Sie waren völlig eingeschüchtert natürlich von dem, was sie erlebt haben, und saßen tatsächlich unterm Tisch die meiste Zeit. Weil sie einfach nur Angst hatten. Und sobald man ihnen dann ein bisschen geholfen hat, sozusagen diese, das waren dann Klopapierrollen oder es waren Eierkartons oder Metallabfall, was auch immer, sobald sie dann angefangen haben, das in die Hand zu nehmen und daraus was zu kreieren, hat man gemerkt, dass sie tatsächlich sich dann an den Tisch gesetzt haben. Und am Schluss, als sie fertig waren, standen sie auf dem Tisch. Und das war für mich so ein Bild, wo man wirklich sehen konnte, wie dieses Selbstbewusstsein über dieses Kreieren, das Herstellen, ich mache was und ich kann was, wo dieses Selbstbewusstsein unglaublich gewachsen ist. Und das hat mir immer wieder gezeigt, dass es auch in anderen Kontexten, wenn man in Unternehmen geht, wenn man mit Menschen arbeitet, dass man immer erst mal die Menschen unter dem Tisch findet, weil sie Angst haben vor dem Neuen. Angst, was da passieren könnte. Und dann sieht man sie an den Tisch sitzen und irgendwann mal auf dem Tisch stehen und das auch zu zelebrieren. Und ich glaube, dieses Kreieren, dieses Ich-gestalte-was, Ich-nehme-was-in-die-Hand, wie du es schön vorher mit dem Schweißen auch gezeigt hast, da fliegen die Funken, dann kommt dieser Spark, dann sind diese Momente, wo man Mut fasst und dann eben auch was in der Hand hält, auf das man stolz ist. Und du kreierst Songs, auf die du sehr stolz sein kannst. Du kreierst Umgebungen, wo Menschen ihren eigenen Mut wiederfinden können, am Ausprobieren eine Leidenschaft auch wiederfinden, und das ist unglaublich inspirierend. Von dem her vielen, vielen Dank, Finn.
Sehr gerne. Kannst du mir noch einmal bitte, einmal, weil das interessiert mich noch, einmal deine Zukunftsvision— wenn ich sage, ich habe das Gefühl, Orte, in denen Menschen zusammenfinden untereinander und Dinge lernen, die, sagen wir mal, historische Handwerke sind, als eines von vielen Beispielen, um diese Beflügelung der Zukunft in einer Welt, in der potenziell eigentlich keiner mehr so richtig arbeiten muss. Ja, teilst du diese Zukunftsvision, oder wie siehst du, was, worauf kommt es an, und was machen wir zukünftig?
Genau, ich würde glauben, komplementär zu deiner Zukunftsvision würde ich sagen, wir schaffen Orte, wo sich Menschen selber entdecken, wo sie wirklich, in ihrem Geist, in ihrem Herz, in ihrem Gefühl etwas wiederfinden, wo sie sagen, das bin ich, ne, dafür stehe ich, das ist meine Haltung, Und das bereitet mir Freude, dieses Happiness, diese Erfüllung, diese Leichtigkeit, was auch immer der Begriff dafür ist. Und diese Orte dafür zu schaffen, wo sich Menschen wieder auch die Zeit nehmen, sich selber zu finden, ja, das wäre so meine Zukunftsvision, wo wir, glaube ich, schon auf dem richtigen Weg sind. Und da kann eine große Rolle spielen, da kann Schweißen eine große Rolle spielen, da kann Was auch immer eine große Rolle spielen, aber dieses Spielen, aber ich glaube, dieses selber sich wiederfinden, das ist sehr wichtig für Menschen, gerade in einer Welt, die einfach keine Orientierung mehr gibt. Viele Menschen suchen nach Halt, sie suchen nach Orientierung, und die einzige Orientierung, die es eigentlich gibt, ist in den Menschen, ist in dir selber. Und diese zu finden, das ist die große Aufgabe. Und ich glaube, da brauchen wir gar nicht auf den großen Jakobsweg gehen, da brauchen wir gar nicht irgendwo ans andere Ende der Welt reisen, sondern wir müssen uns auf diese innere Reise machen, zu sagen: Okay, ich lerne einfach mal, mich besser zu verstehen und was mir Freude bereitet. Und wenn ich das verstanden habe, dann ist, um dich zu zitieren, dann ist alles einfach.
Dann ist, dann ist sozusagen das, denn ist der effektivste Weg, um das rauszufinden, maximal viel zu tun? Oder hast du irgendwas— du hast ja schon super viel ausprobiert, von Meditation in der Wüste über jegliche handwerkliche Tätigkeiten oder so. Bringt es mehr, da still zu sitzen und darüber nachzudenken, was ich mag? Oder ist mein Weg zu sagen, ich muss es eigentlich alles einmal gemacht haben, um zu gucken, was mir Freude bringt? Was ist, was ist der effektivste Weg, um das rauszufinden?
Ich glaube beides. Ich glaube, es ist wirklich diese Kombination, und das sage ich jetzt nicht nur, weil ich unglaublich viel Inspiration in dir auch sehe, sondern ich glaube wirklich, es ist die Kombination. Man muss Menschen in diese abenteuerlichen Situationen auch reinwerfen, ne, man muss sie sozusagen auch an Grenzen bringen, und die müssen nicht super gefährlich sein. Einen Lötkolben oder ein Schweißgerät in die Hand zu nehmen, ist für viele schon ein Riesenschritt. Und ich glaube, sie auch mal einzuladen, in eine Umgebung zu kommen wie das Kliemannsland, oder ich gehe mal sehr gerne zu Burning Man, oder bei Google habe ich eine Garage gegründet, wo auch sehr viel Ausprobieren an der Tagesordnung lag. Ich glaube, das ist sehr, sehr wichtig. Und dann gleichzeitig eben auch das andere Extrem, also sich auf eine innere Reise zu begeben und dann einfach mal 10 Tage die Klappe halten, sich auf ein kleines Kissen zu setzen und einfach mal auch diese Humbleness zu erfahren, zu sagen: Oh wow, da ist etwas viel Größeres, das ich jetzt hier erlebe, und da brauche ich gar keinen Input von außen, sondern das passiert in mir selber. Ich glaube, diese Kombination ist eine ist eine unglaublich starke Kraft, die wir hoffentlich in mehr und mehr Menschen jetzt freisetzen können, um sich selber zu finden, um auch wieder Mut zu finden, Orientierung und auch vielleicht ein bisschen Leichtigkeit. Ich meine, es gibt so viele Dinge, ob das das Mittagessen mit der Oma, mit Freunden Zeit zu verbringen, ob das auf den Weg zu gehen und einfach mal wandern in der Natur. Das sind so einfache Dinge.
Ja, das sind immer die geilsten Sachen. Unglaublich viel. Wirklich voll, sind die einfachsten. Das ist ja der Witz. Also das merkst du, wenn du irgendwann super erfolgreich bist und dir alles Mögliche leisten kannst und für viele Dinge sehr viel Geld ausgibst und so, merkst du die geilsten, also die Orte und die Erinnerungen. Ich habe das mit dem Kollegen am Feuer mit vielen Leuten gemacht. Was inspiriert dich? Warum machst du das? Und so. Und meine Frage war immer: Nenn mir mal die 3 geilsten Momente der letzten 5 Jahre. Sag mir mal einfach die Sachen, die jetzt in den Sinn kommen. Nicht 20 Minuten überlegen und so, sondern was sind die 3, muss nicht mal das Allerbeste sein, sondern was sind die Sachen, die dir jetzt sofort in den Kopf kommen? Und bei mir war das halt mit meinen Brüdern Staudamm bauen, mit dem Hund auf dem Acker liegen bei uns hinten, denn weiß ich ganz genau, wie die Wolken aussahen und wie die Sonne durch das Gras gefallen ist und so. Und ein Spaziergang durchs große Holz bei mir um die Ecke. Also wirklich so weniger geht nicht. Dafür braucht man genau 0 €. Das war so ganz, ganz einfach und so. Das waren die schönsten Momente. Meiner letzten Jahre. Das sagt ja sehr viel darüber. Aber ja, sag mir mal bitte eine Sache, weil ich kann nicht aufhören, Sachen zu deinem Kissenwüstendebakel zu fragen. Kannst du noch einmal sagen, gab es in diesen 10 Tagen einen Moment, wo es bei dir so richtig, also super happy war oder super dark oder super, oh, ich habe den Durchbruch, jetzt weiß ich es oder so?
Gab es da solche Momente? Unzählige. Genau. Aber bevor ich dir da komplett die Geschichte erzähle, würde ich dich einladen, einfach mal das selber auszuprobieren. Es ist unglaublich erfüllend, sich einfach mal auf diese Reise ins Nichts zu begeben, die ja einfach nach nichts erst mal aussieht. Ohne Handy, ohne was aufzuschreiben, ohne Blickkontakt, ohne zu reden und so weiter. Es fühlt sich für viele irgendwie so leer an. Aber diese Reise ist unglaublich tief gefüllt. Und ich glaube, zwei Momente, die ich immer noch in Erinnerung habe und immer noch mal lachen muss drüber, weil sie mir im Nachhinein so viel gelehrt haben, war der erste Moment, war, als ich am vierten Tag hinter mir jemand ein Ricola, wie nennen die sich, Ricola-Bonbon Mehr Bonbons. Genau, in den Mund gesteckt hat. Genau. Und auf dem Bonbon wirklich sehr, sehr laut rumgelutscht hat. Und das stört dann einfach einen und dann denkt man so: Oh wow, wann hört das endlich auf? Und das Faszinierende war, es hat nicht aufgehört, weil er immer wieder ein neues Bonbon sich reingeschoben hat, sozusagen. Und dann wird man unglaublich ungeduldig. Dann überlegt man sich Strategien. Wie kann ich jetzt dem Typ einfach das Bonbon abnehmen? Gehe ich jetzt hin und sagt ganz freundlich: Könntest du aufhören? Was ja nicht erlaubt war, darfst du auch mit niemandem reden. Oder es ging dann so weit, dass man sich überlegt hat: Ich sage das jetzt ihm nicht mehr, sondern ich nehme ihm das Bonbon einfach aus dem Mund. Man ist dann sozusagen so frustriert, und da kommen dann die ganzen sozusagen Gedanken, wie man das beenden kann. Und am Tag später habe ich mich natürlich darauf vorbereitet. Geistig war ich schon darauf vorbereitet und dachte mir, ja, der hat bestimmt wieder ein Bonbon im Mund. Hat er auch tatsächlich, hat wieder drauf rumgelutscht. Aber ich habe meine Einstellung dazu geändert. Jetzt habe ich keinen Hass, keine Ablehnung mehr gespürt, sondern ich habe jetzt gespürt, was ich vielleicht in die Kategorie Empathie einordnen lässt. Weil jetzt habe ich es verstanden, der macht es ja, um im Endeffekt nicht zu husten, was ja das Netteste ist, das uns allen ja hilft, irgendwie nicht ständig abgelenkt zu werden. Und es liegt ja an mir, ob ich frustriert bin oder nicht. Es liegt ja nicht an jemand anderem, der ein Bonbon isst, dass ich frustriert bin, sondern ich kann entscheiden: Bin ich frustriert oder finde ich das gut oder finde ich das schlecht? Und ich kann auch meine Aktion sozusagen kontrollieren. Und das hat mir bis heute wirklich, würde ich nicht sagen, das Leben gerettet, aber das Leben einfacher gemacht, weil man ab jetzt in keiner Situation mehr frustriert ist. Wenn jemand laut am Telefon ist, wenn jemand am Tisch schmatzt, wenn jemand vor dir hupt oder hinter dir hupt, wenn also alle diese Situationen, die tagtäglich eintreten, bin ich wie befreit und sag einfach: Ja, es liegt an mir, ob ich jetzt frustriert bin oder nicht. Und mit einem einfachen Lächeln kann man sich in die Person hineinversetzen und dann einfach sagen: Ja klar, go for it, red noch lauter am Telefon. Genau. Oder hupt noch mal. Ist absolut, absolut cool. Genau. Und das ist für mich was, was man nur in solchen Situationen auch erleben kann, weil man dann noch 6 Tage lang hat, um darüber nachzudenken.
Oh Gott, ich verstehe es aber. Ich kriege schon den Ekel, wenn ich das nur höre, ne? Wenn ich schon ein bisschen— aber ja, ich weiß, ist gut wertvoll.
Ja, stimmt, geil. Genau, ja. Und man muss auch sagen, nicht alle halten die 10 Tage durch, ja. Also es gibt sehr, sehr viele, die nach dem zweiten, dritten Tag aufstehen, Und manche sind rausgerannt, manche sind langsam rausgeschlichen, aber es haben nicht viele sozusagen den 10. Tag dort erlebt. Ja, was dir zeigt, dass es, was eigentlich in dir abgeht, also was in deinen Gedanken, deinen Gefühlen tagtäglich abgeht und wir uns eigentlich immer nur ständig ablenken und es niemals konfrontieren wollen. Jetzt habe ich aber noch Fragen für dich. Bitte. Und zwar, genau, habe ich jetzt noch ein paar Fragen, die vielleicht ein bisschen Rapid Fire, eher kurz und direkt sind. Das heißt eher so aus dem Bauchgefühl zu antworten. Also nicht zu lange nachdenken, was du wahrscheinlich eh nicht machst, was eine tolle Charaktereigenschaft ist. An was arbeitest du gerade oder was baust du gerade, das noch niemand sehen darf?
Voll geil, dass ich dir das jetzt erzähle, aber es ist so ein sprechender Roboter, den man, wenn man zu ihm geht, erzählt er dir ein bisschen was über das Kliemannsland, kann seine Arme bewegen und so, ist komplett aus Schrott gebaut. Das Schöne ist, der hat so RFID-Chips da drin und dann kommst du auf Google Maps Bewertungen, damit kannst du so Bewertungen einsammeln und so. Es ist ein kleines Produkt, was wir potenziell verkaufen können, um den ganzen Rest zu finanzieren.
So ist gerade die Idee. Super cool. Danke dir. Womit hast du zuletzt aufgehört, obwohl es gut lief?
Rauchen. Es lief super für mich. Also ich konnte so viel rauchen, wie ich wollte. Aber jetzt seit, ich weiß nicht, 4 Monaten oder so rauche ich nicht mehr. Tut mir ehrlich gesagt ganz gut. Und Fingernägel kauen versuche ich. Ich habe die knabbern, seitdem ich 12 bin oder so. Ist auch so ein nervöses Ticken. Die beiden Sachen versuche ich gerade ein bisschen zu kontrollieren. Lief beides hervorragend. Ich war sehr gut in beiden. Danke dir.
Was war das größte Kompliment, das du je bekommen hast?
Das kommt zum Glück irgendwie häufiger, aber das sind wirklich diese Sachen, dass man sagt: Ey, wegen dir habe ich— und jetzt setz irgendwas ein, was du möchtest— also meinen Traumjob gefunden, bin umgezogen, habe irgendwie wirklich das gemacht, was ich immer machen wollte. Vor ungefähr so einem halben Jahr war ich auf so einem Startup Summit in Bremen und da war jemand, der baut so Defense-Drohnen, die halt irgendwie Tellerbomben entschärfen. Und der hat damals immer meine Heimwerker-Videos geguckt und hat wegen mir angefangen, sich so mit Elektrotechnik zu beschäftigen, weil ich damals so mit Solarpanels so einen Eier-Verschenkstand gebaut habe, der mit so Tastern so Sachen ausliest und so. Und das hat er damals gesehen und fand das cool. Habe ich mit so Sprachsteuerung Arme bewegt für so einen behinderten Jungen, der sein Handy nicht mehr in der Hand halten konnte und so. Das hat er damals gesehen und fand das halt alles super geil und hat gesagt: Ich muss damit auch mal anfangen, hat rumgetüdelt. Jetzt hat er so ein Millionen-Startup darauf gebaut, aber er sitzt glücklicherweise nur in der Entwicklungsabteilung und so. Und wenn jemand das erzählt und sagt: Danke dir, weil ich habe das wirklich nur gemacht, weil du deinen Scheiß da gemacht hast. Und wenn so ein Eierkopf wie du das hinkriegt, kann ich das wohl auch, weil das ist genau das, was ich immer sagen wollte. Dann ist das ein Riesenkompliment.
Welche Fähigkeit unterschätzen wir komplett für die Zukunft?
Tatsächlich diese ganzen ganz, ganz einfachen niederen Arbeiten, wenn du so möchtest. Also dieses eine Steckdose anbauen, ja, ein Lichtschalter irgendwie anbauen. Also ich meine damit, ich beziehe das immer aufs Handwerk, weil das ist allgegenwärtig und überall um uns herum, weil vieles davon erklärt dir eben Wie funktioniert die Welt so? Und ich glaube, es gibt zwei interessante Wege, auf die Welt zu gucken. Das ist einmal Technik in irgendeiner Form, es kann alles sein, wie funktioniert Strom, dein Computer, ein Satellit und so weiter. Und das andere ist, wie funktioniert Geld so? Warum ist der Fluss des Geldes, wie er ist? Wenn du den verfolgst, verstehst du die Interessen der Menschen. Wenn du diese zwei Sachen gemeistert hast, hast du die Welt eigentlich verstanden.
Und was sollten wir öfter selber machen, statt es abzugeben? Du hast gerade schon ein paar Beispiele genannt, aber Was können wir noch häufiger selber machen?
Ich finde wirklich fast alles im Haushalt. Also jeder wohnt irgendwo und da sind immer irgendwelche Dinge und die sind ganz oft kaputt und dafür ruft man in 90% der Fälle jemanden an. Und das ist bei manchen super niedrig, halt ein Regal, und bei jemand anders ist es, wie gesagt, irgendwie die Heizung entlüften oder irgendwie so ganz einfache Sachen. Nicht nur, dass du Geld sparst, sondern du verstehst diesen Scheiß dann halt endlich.. Das heißt, wirklich beginnt bei diesen einfachen Sachen. Das nächste Mal, wenn irgendwas ist, wo ihr sagt, oh Gott, das ist kaputt, einfach aufschrauben, reingucken. So, und dann wirst du das finden. Selbst wenn dein Keyboard kaputt ist oder sowas, ja, Computer ist ein bisschen komplexer, aber bei so alten Sachen, da kannst du wirklich reingucken, du siehst, da ist ein Transistor abgerissen oder irgendwie so ein Poti sitzt nicht mehr richtig drauf. Das kann man alles erkennen. Und wenn du das gelötet hast, dann fühlst du dich Wie fucking Tony Stark.
Gutes Gefühl.
Wirklich.
Wenn Menschen dir zuhören und eine Sache von dir lernen sollen, nicht als Methode, sondern als Haltung, was wäre das?
Ich glaube, so dieses naive, mutige kleine Kind irgendwie in sich noch mal wiederzufinden, weil das gibt es ja in jedem von uns. Das darf man nicht immer rausholen. Es gibt wirklich Dinge, wo man verantwortlich ist für viele Sachen, und da muss man auch drüber nachdenken und so. Also ich glaube, aber den Zugang dazu zu finden, um da gezielt reingehen zu können, wenn man es braucht, ist super wertvoll.
Danke dir, Fynn. Danke, dass du heute inspiriert hast und gleichzeitig auch imponiert. Ich glaube, ich bin immer wieder beeindruckt, wie du diese Haltung auch lebst. Die du gerade beschrieben hast. Dieses innere Kind, das immer mutig nach vorne schaut, das Dinge ausprobiert, das seine eigene Zukunft auch in die eigene Hand nimmt. Und vielleicht gehört genau die Zukunft nicht denen, die alles planen oder alles perfekt haben wollen. Vielleicht gehört sie denen, die anfangen, die scheitern, die neu bauen und dabei vieles lernen. Danke dir, Finn, für deine Haltung, das Handwerk, für das du stehst, und dein Herz.
Oh, voll lieb, vielen Dank! Danke für deine Zeit, hat sehr viel Spaß gemacht.
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