Gerald Hüther: Menschen sich selbst ändern lassen – Folge 042 | GedankenGut Podcast SPECIAL

Podcast episode (German) from the Gedankengut Podcast featuring neuroscientist Gerald Hüther with hosts Wolfgang Gutballett and Adrian Metzger. The conversation critiques attempts to change others (metaphor: 'Spalierobst' — espalier fruit trees), arguing that molding people into objects damages their potential; instead, one should create conditions that allow people to self-change and encounter others as subjects. Applied to families, schools, and organizations, the speakers discuss leadership that enables self-transformation, the role of dialogue, and practical approaches (humor, role-playing, creating attractive alternatives).
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Dass wir die jetzigen Beziehungen, das sind im Wesentlichen Objektbeziehungen, wo einer den anderen zum Objekt seiner Absichten und Ziele macht, verwandeln in etwas. Das heißt dann eigentlich nicht mehr richtig Beziehung, das ist eine Begegnung. Wenn zwei Menschen einander als Subjekte begegnen, dann fängt das andere an und dann hat jeder von beiden auch plötzlich wieder Zugang zu sich selbst. Solange ich als Objekt wie Spalierobst von anderen behandelt werde, Ich kann ja gar nicht wissen, was ich bin, kann mich ja gar nicht ausprobieren. Ich habe ständig damit zu tun, dass ich am Leben bleibe in dieser Spellje Obstreihe und so funktioniere, wie das von mir verlangt wird.
Herzlich willkommen beim Gedankengut Podcast mit Wolfgang Gutballett und Adrian Metzger im Dialog zu Fragen und Impulsen unserer Zeit. Schön, dass du dabei bist. Herzlich willkommen zu dieser Folge, in der wir uns dem Thema widmen wollen, wie wir eigentlich die Menschen ändern können, die uns nicht so ganz in den Kram passen. Und dafür haben wir uns einen Experten eingeladen, und zwar den bekannten Hirnforscher und Vorstand der Akademie für Potenzialentfaltung Gerald Hüther. Gemeinsam mit Wolfgang haben wir ihn hier im Gespräch und wollen mal wissen, wie kriegen wir unser Leben vielleicht ein wenig leichter hin, mit ein bisschen weniger Ärgernis und ob da es ein gelungener Ansatz ist, die Menschen in unserer Umgebung vielleicht auf die eine oder andere Art so zu beeinflussen, dass sie uns mehr in den Kram passen. Gerald, gib uns doch mal eine Perspektive. Wie funktioniert das vielleicht auch aus Hirnforscher Perspektive, Menschen so zu verändern, dass sie uns und vielleicht sich selbst auch ein Stück weit dienlicher sind.
Also ich freue mich erstmal, dass ich wieder mit dabei sein darf und ich versuche es mal an einer Metapher zu beschreiben, an so einem Bild, damit wir ein bisschen schneller reinkommen. Also es gibt ja so Obstbauern und die wollen möglichst viel Ertrag haben ihren Äpfelbäumen. Und dann hat man auch schon mal gesehen, wie die das neuerdings machen. Dann haben die so Drähte gespannt und dann wird da jeder Ast dran gebunden. Das nennt man dann Spalierobst. Und am Ende haben sie auch ziemlich viele Äpfel. Aber jetzt ist die Was haben sie denn da eigentlich gemacht? Und sie haben den Baum in einer Weise verändert, damit der Baum etwas leistet, was sie von dem Baum haben. Wollen. Es ist dann die Frage, ob das das ist, was wir wirklich wollen. Will ich dich so verändern, dass du endlich das machst, was ich haben will? Oder will ich lieber, dass du der freie, auf einer Wiese wachsende Apfelbaum wirst, der sich in jeder Hinsicht entfalten kann, der vom Wind angeblasen wird und der mal Äpfel produziert, wenn es passt und der eben dann auch vielleicht mal keine Äpfel kriegt, wenn schlechtes Wetter ist. Will ich, dass du frei bist? Oder will ich dich zu meinem Produkt machen? Und wenn ich die Frage so rum stelle, dann wird schon relativ Das macht nicht so sehr viel Spaß, andere Leute so formen zu wollen, dass die endlich so sind, wie man sich das vorstellt. Ich mache die ja zum Objekt meiner Bemühungen. Ich benutze die wie die Apfelbäume beim Spalierobst. Und deshalb glaube ich, es täte uns allen unendlich gut in dieser Gesellschaft, wenn wir uns alle gleichermaßen von der Vorstellung verabschieden würden, dass man einen anderen Menschen verändern kann. Man kann ihn zurichten, man kann ihn abrichten, man kann ihn dressieren, man kann ihn zu bestimmten Leistungen bringen, aber man kann ihn nicht dazu bringen, dass er das, was in ihm an Potenzialen angelegt ist, so wie in diesem Spalierobst, bevor es zum Spalierobst wird, dass er dieses in ihm angelegte Potenzial und damit seine Talente und Begabung auch wirklich entfalten kann. Und deshalb bitte hört auf, andere Leute nach euren Vorstellungen zurechtstutzen zu wollen. Das ist hirntechnisch eine Katastrophe, weil der Zurechtgestutzte leidet und der muss in sich selbst, damit er deinen Vorstellungen entspricht. Also das Kind will den Vorstellungen der Eltern entsprechen, es will dann auch als Schüler in der Schule den Vorstellungen und Anforderungen der Schule genügen. Es will als Mitglied der Peergroup den anderen sozusagen recht sein, damit es dazugehören kann. Und da zwingen wir auf diese Art und Weise das Kind oder den Heranwachsenden dazu, dass er lebendige Bedürfnisse in sich, die er auch noch hat, unterdrücken muss, damit er endlich in solche Gemeinschaften reinkommt, Damit die Mama und Papi ihn richtig lieb haben. Strengt er sich in der Schule an, damit er in die Peergroup rein kann, lässt er sich ein Tattoo stechen. Das ist alles alles keine freien Entscheidungen, das ist alles Spalierobst. Und deshalb würde ich hören, wir auf andere verändern zu wollen und wenn wir uns angucken wollen, was dabei rauskommt, im Zirkus wird es ja vorgeführt, aber selbst im Zirkus sind die inzwischen so weit, dass die, wir wollen nicht mehr solche dressierten Tiger und Löwen sehen. Das ist auch unangenehm, wenn man sieht, wie ein Tier sich plötzlich so ab, wenn das so abgerichtet ist, dass man merkt, das ist ja gar kein lebendiges Pferd und kein lebendiger Löwe mehr, sondern ist ja wie ein Werkzeug in den Händen des Dompteurs. Also ich würde mich auch schämen, einen anderen Menschen nach meinen Vorstellungen umgestalten zu wollen. Das ist unwürdig.
Jetzt ist das deine Perspektive als Hirnforscher, Wolfgang. Wie ist deine Perspektive als Unternehmer, wenn man jetzt mehrere tausend Mitarbeiter hat und das dann so auffasst, wie Gerald das jetzt hier rüberbringt, Wie schafft man es dann in einer Organisation, das in die Umsetzung zu bekommen, dass man die Menschen nicht verändern möchte, aber ja doch irgendwie was verändern möchte.
Also ich setze mal an diesem wunderschönen Beispiel mit dem Spalierobst. Ich habe mich ja jahrelang um die Frage von Lebensmittelqualität gekümmert und dabei ist das Wort Bio dann zum Begriff dafür geworden. Und was steckt in diesem Wort drin, dass ich mich bemühe, der Pflanze, dem Tier, dem Boden das zu geben, was der Boden braucht oder das Tier oder die Pflanze, Dann kann die Pflanze mir das geben, was ich brauche. Das ist eine andere Haltung. Und bei den Mitarbeitern ist es genauso. Ich muss sehen, dass es den Kunden gut geht und aus diesem gemeinsamen Verständnis heraus die Mitarbeiter gewinnen, dass sie sich so verhalten, dass es dem Kunden gut geht. Und dann muss ich auch sehen, dass es ihnen gut geht im Verhältnis zum Gesamtunternehmen oder zu den Vorgesetzten. Das heißt, ich will sie nicht verändern in dem Sinne, dass ich sie einzwänge, sondern dass ich ihnen eine Möglichkeit gebe, dass sie sich entfalten können in einer Weise, dass sie auch das Feedback von der Welt bekommen, dass sie auch suchen dabei. Also dass sie merken, sie sind wichtig, sie sind gebraucht, sie sehen, dass sie anderen helfen können. Das ist eigentlich die Kraft, aus der sie dann heraus leben können und sich verändern können. Also die kommt sozusagen von der anderen Seite, die Kraft. Sie kommt nicht von der Seite, dass ich jetzt sie hinschiebe irgendwo, sondern dass sie sagen, Wenn du das so und so machst, dann kommt dir was entgegen. Und das spüren Mitarbeiter natürlich von allen Seiten. Und ich glaube, das müssen wir verstärken. Also da kommen wir sozusagen zum Anziehenden, anstatt sie irgendwo hinzuschieben. Es ist nicht so, dass nicht bestimmte Verhaltensweisen gebraucht würden, die man irgendwie erreichen muss. Die Wie erreiche ich sie? Wie gehe ich da vor?
Und es ist ja so, dass in modernen Unternehmen es sowieso nicht mehr darauf ankommt, dass jeder wie eine Maschine funktioniert. Das ist eine Vorstellung aus Maschinenzeitalter. Das sollte jeder auf keinen Fall nachdenken, aber den ganzen Tag das machen, was diese maschinellen Abläufe da erforderlich gemacht haben. Am Fließband aus der Welt sind wir raus. Moderne Unternehmen wünschen sich jetzt Leute, Mitarbeiter, die Freude an dem haben, was sie tun, die das gerne machen, die mitdenken, die kreativ sind, die gemeinsam mit ihren Kollegen nach neuen Lösungen suchen, die auch wenn sie im Dienstleistungsgewerbe sind, freundlich sind, eine gute Beziehung zu den Lieferanten, aber auch zu den Kunden haben. Das ist ja alles etwas, was ein Mitarbeiter dem Unternehmen nur dann schenkt, wenn es ihm in dem Unternehmen gut geht. Das kann man nicht für Geld kriegen. Und damit sind wir plötzlich auf einer ganz anderen Ebene angekommen. Und dieser Veränderungsprozess von Mitarbeitern, den kann man nicht dadurch machen, dass man den Mitarbeitern in Schulungen schickt, wo er freundliches Verhalten lernt. Das ist Abrichtung, sondern der ist automatisch freundlich, wenn es ihm dort gut geht und wenn der sich von seinem Chef oder seinem Vorgesetzten gesehen fühlt und wenn der mit den Kollegen im Team merkt, dass die alle an einem Strick ziehen. Das heißt, was wir machen können, ist, wir können Menschen nicht verändern Oder jedenfalls, ich sag mal, dass dieses Spalierobst, das sieht zwar aus, als hätten wir das verändert, aber eigentlich haben wir es kaputt gemacht. Also wir können Menschen nicht verändern, ohne sie kaputt zu machen, Aber wir können Menschen helfen, sich selbst verändern zu wollen. Und jetzt sind wir in diesen modernen Unternehmen. Man kann Bedingungen in einem Unternehmen schaffen, wo die Mitarbeiter plötzlich das Bedürfnis haben, es auszuprobieren, wie es ist, wenn ich freundlich bin an der Kasse beispielsweise. Und dann merkt man, das geht. Und dann ist das so eine ganz verklemmte Mitarbeiterin, die in der Schule dauernd nur gesagt bekommen hat, wie hässlich sie ist und dass sie nichts drauf hat und auf einmal fängt die an der Kasse an zu lächeln und dann passiert das Wunder und dann lächelt der Kunde zurück. Die kommen vielleicht sogar in Austausch. Der Kunde kommt gerne wieder und das Unternehmen macht mehr Profit. Das ist doch eine ganz andere Haltung. Und da merkt man jetzt, wenn wir das endlich mal los würden, dass wir andere Menschen verändern können, wäre ein Riesengewinn. Was wir aber können, ist, wir können in der Schule, zu Hause, im Unternehmen, überall, auch in der Stadt, in der Kommune, Bedingungen schaffen, wo die Leute spüren, dass es anders gehen könnte und wo die Lust kriegen, es anders zu machen. Das heißt dann aber, dann heißt die Schlussfolgerung, wir können Menschen nicht verändern, aber Menschen können sich selbst verändern. Aber es wird sich kein Mensch verändern, wenn er das nicht selber will. Das heißt, das, was der Einzelne dann sozusagen vor sich sieht als Ergebnis seiner Veränderung, also zum Beispiel, wenn er lächelt und freundlich ist, das muss ihm hoch attraktiv erscheinen und das muss man ihn ausprobieren lassen, damit er es erleben kann. Dann merkt oh, das geht ja. Und dann ändert sich dieser Mensch von ganz allein. Und das ist das, was die Neurobiologie jetzt auf einmal so wunderbar herausgefunden hat, dass das menschliche Hirn das ganze Leben lang veränderbar ist, dass das sich jederzeit neu umbauen kann. Nur wenn man einmal in solchen Zwangsmustern wie das Spalierohr hängen geblieben ist, kommt man da nicht wieder raus.
Ja, vielleicht mit Humor manchmal. Also wir haben zum Beispiel dann so gemacht, dass wir ein Theaterstück entwickelt haben und dann bestimmte stereotype Verhaltensweisen, die den Mitarbeitern ja gesagt werden, Du musst grüsen und so und dann die Ab wann musst du grüßen? Wie dicht muss der Kunde da sein? Oder ab wann musst du grüßen? 5 Meter, 3 Meter, 10 Meter. Und das haben wir so gespielt und die Mitarbeiter waren selbst erschrocken, wie solche stereotypen Dinge dann wirken. Das ist die eine Seite. Also man muss das einfach auch mit Humor manchmal die Alternativen angehen. Die andere Seite ist, dass ein Kunde mal zu mir gesagt In Ihren Läden ist das irgendwie anders, habe ich Sagen Sie mir, was anders ist. Ja, wissen Sie, in den meisten Läden, wenn man reinkommt, dann laufen die Mitarbeiter weg. Bei Ihnen kommen die Mitarbeiter auf mich zu. Das ist aber dann ein Ergebnis einer langen Arbeit an so einer Frage, dass die Mitarbeiter das dann freiwillig machen und ich suche den Kunden und ich habe ihn im Bewusstsein, ich brauche nicht zu Was kann ich für sie tun? Das erschrickt uns ja schon am Telefon, weil wir genau wissen, nachdem das jemand gesagt hat, sind wir eigentlich an der Station, dass wir vermittelt werden, anstatt dass was passiert.
Das macht jetzt auch schön deutlich, dass diejenigen, die anderen Menschen helfen können, sich selbst verändern zu wollen. Das können Führungskräfte sein. Also ich kann ja nur Rahmenbedingungen für andere schaffen, damit die sich entfalten, wenn ich da eine gewisse Macht habe und wenn ich auch bei mir bin und wenn ich selbst stark bin. Ich kann anderen Menschen nicht helfen, stark zu werden, wenn ich selber schwach bin. Das heißt, so eine bedürftige Führungskraft, die dauernd die Anerkennung seiner Mitarbeiter Mitarbeiter braucht, die kann das ja gar nicht, Die muss die in Abhängigkeit halten. Und das machen sie dann üblicherweise mit Zuckerbrot und Peitsche, wie im letzten Jahrhundert. Interessant finde ich aber auch den Aspekt, dass auch Mitarbeiter in der Lage sind, Einfluss auf die innere Einstellung ihrer Vorgesetzten zu nehmen. Und da sind wir jetzt an so einer Frage, die vor allen Dingen diese jungen Leute interessiert. Wie ändere ich meinen Papa, wenn der mir dauernd auf den Nerv geht mit seinen ganzen Ratschlägen? Oder wie verändere ich einen Lehrer, der dauernd denkt, er müsse mich kontrollieren und mir alles Mögliche verbietet? Und das ist eine spannende Wie kann ich Rahmenbedingungen schaffen, dass einer, der mich benutzt, plötzlich aufhört, mich benutzen zu wollen und anfängt darüber nachzudenken, nicht was ich seiner Meinung nach alles noch machen kann soll und wie er mich verändern will, sondern dass der anfängt darüber nachzudenken, der junge Mensch, darüber nachzudenken, wie er den Erwachsenen aus dieser Nummer rausführt. Dass der Erwachsene plötzlich aufhört, seinen eigenen Sohn oder seinen Schüler nach seinen Vorstellungen wie Spalierobst formen zu wollen. Das geht, indem man mit diesen Erwachsenen in ein Gespräch geht und einfach mal so eine banale Frage stellt und die heiß Warum machst du das? Warum willst du das? Und dann sagen die dann immer weil ich dein Bestes will. Und so muss man weiter fragen warum? Warum? Es ist doch nicht mein Bestes, wenn du mich wie so ein Spalierobst nach deinen Vorstellungen zurechtstutzen willst. Damit tust du doch mir keinen gefallen und du dir selber auch nicht. Und dann kommt man in einen Dialog. Dann muss der bekennen, dass er Angst hat, dass aus dir nichts wird oder dass er ein Pflichterfüller ist. Der meint, er müsse das alles machen, damit seine vorgesetzte Behörde mit ihm zufrieden ist. Und dann geht es ans Eingemachte. Dann zeigen sich zwei Menschen in einem Dialog und dann plötzlich kann der Erwachsene, der Vorgesetzte unter Umständen zu so einer Erkenntnis kommen, wo der Hallo, was mache ich denn hier überhaupt? Und das ist eine Selbsterkenntnis. Und dann könnte es passieren, dass er so einer will ich nicht mehr sein. Ich weiß gar nicht, wie ich da reingekommen bin in die Nummer, aber das mache ich jetzt nicht mehr, Dass ich meine Schüler hier immer nach meiner Pfeife tanzen lasse und als Vater meinem Sohn da ständig sage, was er zu tun und zu lassen hat. Ich muss das anders machen. Und dann fangen die an zu überlegen, wie das anders geht. Und dann verwandeln sich Menschen. Das heißt, das, was da passiert, das ist eine richtige Verwandlung, finde ich unglaublich spannend, weil das ist wirklich ein tolles Thema. Wir kennen ja aus der Bibel diese Geschichte von dem Saulus, der zum Paulus geworden ist. Und da sieht man, was da passiert ist. Der ist ein ziemliches, das Wort mit A will ich jetzt nicht sagen, ein ziemlich blöder Kerl gewesen, der dauernd unterwegs war und andere Leute ausgenutzt hat und nach seiner Pfeife hat tanzen lassen. Und dann ist er in die Wüste gegangen und da hat es ihn irgendwie erwischt. Also er hat gesagt, er hat vom lieben Gott eine Eingebung gekriegt. Ich würde sagen, der ist irgendwie in der Wüste, in dieser Einsamkeit endlich mal mit sich selber in Kontakt gekommen und hat gespürt, dass das, was er da macht, eigentlich Mist ist und dass das gar nicht seinem inneren Wesen entspricht und dass er so gar nicht leben will und dass er so einer auch nicht sein will. Und dann hat er sich in der Wüste OK, Schluss damit, ich bin ein Anderer. Und dann ist er aus der Wüste rausgekommen und war ein anderer Paulus. Und man kann Menschen helfen, dass die wieder mit sich selbst und dem, was sie selbst sind und was sie sein wollen, in Berührung kommen. Und dann vollzieht sich keine Veränderung, sondern das ist so tiefgreifend, Das ist eine Verwandlung. Man erkennt dann seinen Papa gar nicht mehr wieder oder die Lehrerin. Es kann auch sein, dass die Lehrerin sich dann in dem Schulsystem nicht mehr gut wohlfühlt und dann verlässt sich es eben, macht was anderes. Aber es ist immer noch besser, als weiter als Spalierobstbauer unterwegs zu sein.
Das heißt, man soll die Menschen in seiner Umgebung in die Wüste schicken.
In.
Einer gewissen Weise in ihr Innerstes?
In einer gewissen Weise schon. Also in einer gewissen Weise einfach innezuhalten, still zu werden, hinzuschauen und zu warten, was da kommt. Saulus ist ja mit Blindheit geschlagen worden, glaube ich, dann ist blind gewesen oder ist danach jedenfalls blind gewesen. Jedenfalls hat es so durchgeschüttelt, dass er irgendwie seine Stärke, die er auf der einen Seite hatte, in eine Stärke auf der anderen Seite entwickeln konnte. Also die Verwandlung hängt natürlich insgesamt mit der Stärke zusammen. Also jemand, der sehr böse ist, kann auch sehr gut werden. Jemand, der weder böse noch gut war in seinem Leben. Das ist viel schwieriger, da eine Verwandlung festzustellen.
Ja, der hat sich nie entschieden, hat sich nie entschieden.
Für was.
Ist es dann trotzdem noch die gleiche, also ist es dann trotzdem noch die gleiche Zielsetzung? Gerald du hast jetzt davon gesprochen, die Rahmenbedingungen zu verändern, in der die Person dann sich selbst verändern kann oder mit ihr in Gespräche zu gehen. Habe ich dann trotzdem noch die Zielsetzung, den anderen Menschen zu verändern und dann einfach nur auf eine andere Art und Weise das Herangehen zu wählen? Also einfach, ich sag mal, ein neues Management Tool, um dann sozusagen die Mitarbeiter dazu zu bringen, werden wir dadurch menschlicher oder schaffen wir es einfach nur besser zu trainieren und dann aus einer tieferen Überzeugung des anderen heraus, dass der sich selbst verändert, aber dann doch irgendwie sich nach den Vorstellungen verändert, die wir wollen? Oder inwieweit müssen wir akzeptieren, dass wenn wir dann bei der Veränderung, die wir vielleicht angestoßen haben, durch die Rahmenbedingungen, die wir geändert haben, dann vielleicht auch derjenige einen Weg einschlägt, der uns jetzt noch weniger passt als das, wie es vorher gewesen ist.
Das ist jetzt ein ganz wunder Punkt, den du da ansprichst, weil die Psychologie inzwischen so weit ist, dass die Lehrgänge anbieten, wo Führungskräfte lernen, wie sie bei dem anderen Gefühle erzeugen, bei den Mitarbeitern Gefühle erzeugen können. Durch ganz bewusste Mimik und Gestik und dann üben die das alles ein und das sieht aus wie Zuwendung. In Wirklichkeit ist das nur eine ganz geschickte Spalierobst Zurechtschneiderei. Deshalb ist diese Frage nur mit einem einzigen Begriff zu beantworten. Entweder es geht dir darum, andere zu benutzen, dann bleibst du ein Spalierobstbauer, auch wenn du bessere Scheren und bessere Werkzeuge hast. Oder es geht dir darum, dass dir der andere am Herzen liegt und dass er die in ihm innewohnenden Potenziale entfaltet. Und dann nimmst du diese Werkzeuge und die brauchst du auch gar nicht. Dann nimmst du die nicht und brauchst sie auch nicht. Und deshalb reduziert sich das dann fast auf sowas Einfaches, dass ich sage, dass man als Führungskraft, als Eltern, als Schüler, als Unternehmer seine geführten, die man ja aber dann nicht mehr führt, Die wichtigste Intention, die man da haben sollte, wäre ja die, dass man sich selbst als Führungskraft unnötig macht und dass man denen hilft, in ihre eigenen Potenziale zu kommen. Dann können die selber Verantwortung übernehmen und die entsprechenden entsprechenden Fähigkeiten herausbilden. Und dazu muss man die Leute mögen. Das ist jetzt kommt, man merkt richtig, wie es stockt. Man muss, glaube ich, einen anderen Menschen mögen, damit man ihm helfen kann, einen eigenen Veränderungsprozess zu durchlaufen. Bei Paulus war das, von dem er sich geliebt wusste, der hat es gemacht. Und in unserer heutigen Zeit ist es vielleicht so, dass wir auch noch mal gucken müssen, ob wir unsere Art und Weise des Umgangs miteinander mal aus dieser Art von wechselseitiger Benutzung herausgehen, herausnehmen können und dann gucken können, ob es nicht irgendwas gibt an dem anderen, was man mag. Man muss ja nicht den ganzen Menschen mögen, aber irgendwas ist an jedem Menschen dran, was man mag. Und dann spricht man eben diesen Anteil an. Plötzlich kommt dann der ganze Mensch hinterher, weil er ja da dran hängt.
Früher haben wir dieses Sprichwort gehabt, wie es in den Wald rein hallt, so schall zurück. Das konnte man dann immer ausprobieren, wenn das Echo zurückgekommen ist, so als Kinder. Und das hat Gandhi viel höher auf einer ganz anderen Ebene ausgedrückt. Aber ich ändere mich, ich schicke ein anderes Signal, nä ich möchte, dass es dem anderen gut geht. Und wenn ich das mit einer gewissen Ernsthaftigkeit im Auge habe, dann werde ich auch einen Weg finden, dass er das irgendwie merkt und dass er dann Ja, ich möchte auch, dass es dem gut geht. Und dann geht der Prozess auf einmal andersherum. Und das rumzudrehen, das ist gar nicht so einfach. Manchmal gehört ein bisschen Humor dazu, dass man über diese Schwelle wegkommt. Humor ist wie ein Tänzchen machen mit dem anderen, sage ich immer. Das heißt, ich wechsel mal die Position und ich Wenn es mir gut gehen soll, möchte ich, dass es ihm gut geht. Dann wird es auch mir gut gehen. Und wenn ich das mache, wenn ich sozusagen diese Perspektive wechsle, dann komme ich manchmal über einen Punkt, wo ich Da kann ich mich eigentlich nur noch ärgern, dass man über diesen Punkt dann wegkommt.
Also es geht eigentlich darum, dass wir die jetzigen Beziehungen, das sind im Wesentlichen Objektbeziehungen, wo einer den anderen zum Objekt seiner Absichten und Ziele macht, verwandeln in etwas. Das heißt dann eigentlich nicht mehr richtig Beziehung. Das ist eine Begegnung. Wenn zwei Menschen einander als Subjekte begegnen, dann fängt das andere an und dann hat jeder von beiden auch plötzlich wieder Zugang zu sich selbst. Solange ich als Objekt wie Spalierobst von anderen behandelt werde. Ich kann ja gar nicht wissen, was ich bin, kann mich ja gar nicht ausprobieren. Ich habe ständig damit zu tun, dass ich am Leben bleibe in dieser Spalierobstreihe und so funktioniere, wie das von mir verlangt wird.
Deshalb begegnen, schönes Bild mit dem Spalierobst.
Aber manchmal man braucht solche Bilder, damit man sich gut vorstellen kann. Danke.
Vielen Dank euch beiden für diese Impulse. Danke, Gerald, dass du uns hier besuchen gekommen bist im Gedankengut Podcast. Vielen Dank dir als Zuhörer, Zuschauer. Ich hoffe, du konntest das eine oder andere für dich mitnehmen. Ich konnte auf jeden Fall einiges für mich mitnehmen und vor allem diesen Schluss mit der Begegnung. Begegnung ist, glaube ich, was, was wir uns so ein bisschen hinter die Ohren schreiben können und uns überlegen können, welche Beziehungen wir in Zukunft als Begegnungen ausleben wollen. Vielen Dank auch an dich als Zuschauer, als Zuhörer. Wenn du beim nächsten Mal wieder dabei sein willst, schau gerne auf YouTube in den Gedankengut Podcast oder ansonsten auf der Podcast Plattform deines Vertrauens. Wir freuen uns, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei.
Bis.










