Gerald Hüther: Potentialentfaltung – Was wir sind oder was wir sein könnten

This content was created by Daniel Borschel. This content was uploaded by Daniel Borschel. This is a YouTube video titled "Gerald Hüther: Potentialentfaltung – Was wir sind oder was wir sein könnten" created on October 15, 2018, discussing the concept of potential development and exploring what we are versus what we could be.
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Ja, meine Damen und Herren, ich komme jetzt gerade aus Göttingen und bin da mehrere Stunden, also viele Stunden mit dem Zug gefahren. Ich muss erst mal langsam wach werden und in diese Stimmung kommen. Was mich sehr glücklich macht, ist, dass ich heute hier sein darf. Was mich noch glücklicher macht, ist, dass so viele gekommen sind. Und was ich mir jetzt wünsche, ist, dass sie nach dieser Veranstaltung einfach ganz viel nachzudenken haben und miteinander zu reden haben und vielleicht auch der eine oder andere sich auf den Weg macht, weil Lernprozesse sind ja nicht dazu da, dass man was lernt, sondern dass man das, was man da gelernt hat, dann hinten im Leben auch einsetzt. Und nun bin ich Biologe und deshalb macht es mir natürlich immer eine Riesenfreude, wenn ich dann wieder mal irgendwo so einen Befund finde, der überhaupt nicht in unser gegenwärtiges Lernkonzept passt. Und den schönsten, den ich gefunden habe, ist über die Blatterbsen, also Pflanzen. Deshalb habe ich mich auch über das Bild mit der Blume hier gefreut. Also wenn man Blatterbsen mit einem Gebläse von einer Seite anbläst und von dieser Seite auch immer das Licht auf die Blatterbse schickt mit einer Lampe und man macht das immer regelmäßig, Lampe an, immer Gebläse an, dann kann man am Ende die, dann sieht man ja, dass die Blatterbse zum Licht wächst. Wenn man dann das Licht ausmacht und nur noch das Gebläse anmacht, dann wächst die auch weiter. Er hat gelernt, wie bei Pavlov, das ist sozusagen ein reiner Konditionierungsprozess, dass man dorthin wächst, wo das jetzt bläst, weil da normalerweise immer das Licht kam. Auch wenn es nicht kommt, wächst sie trotzdem dahin. Das heißt, das sind eigentlich ganz banale Prozesse, die eigentlich überall in der Natur stattfinden. Also wenn wir etwas tiefer reingehen in diese gesamte Lernproblematik, dann stellen wir fest, dass Lernen offenbar eine Grundeigenschaft des Lebendigen ist. Deshalb ist das so bedeutend, was sie machen. Also man lernt als Blatterbse offenbar auch ohne Hirn. Man braucht für solche Lernprozesse gar kein Hirn. Sogar Einzeller können lernen. Und wenn man ein Hirn hat, geht es vielleicht noch ein bisschen besser. Aber noch interessanter wird es ja, das wissen Sie ja auch alle, dass wir auch in Gemeinschaften, also zum Beispiel als Familie was lernen können oder als pädagogische Hochschule oder als Unternehmen, auch als Kulturkreis kann man was lernen. Da ist dann auf einmal die Wo ist denn jetzt das Hirn von der Familie, wo das verankert wird. Und da merken Sie schon, dass wir da ganz grundsätzlich noch mal über so ein paar Dinge nachdenken müssen, wenn wir über Lernen reden. Das zweite Problem, was wir haben, ist, dass wir denken, dass das Lernen der Aneignung von Wissen dient. Es mag auch in der Vergangenheit sehr vorteilhaft gewesen sein, dass man das so gesehen hat, aber Sie ahnen schon, dass wir in eine Welt hineinwachsen, in der Wissen per se eigentlich nicht mehr diese Riesenbedeutung haben wird. Darauf gehe ich gleich noch ein bisschen näher ein, sondern einfach deshalb, weil man sich Wissen überall herholen kann. Wissen kann ich von irgendjemandem gehört haben, dass ich weiß, wie lang der Amazonas ist. Ist nett, wenn ich in so einem Ratespiel mitmachen will im Fernsehen, aber ansonsten hilft mir das für meine Lebensbewältigung nicht so unbedingt weiter. Und solches Wissen hat auch die Eigenschaft, dass es, wenn es nicht bedeutungsvoll für mich wird, ich es auch gleich wieder vergesse. Und das sind natürlich beängstigende Zahlen. Ich weiß nicht, man hört das nicht so gerne und man will es auch nicht so gerne wahrhab. Aber es ist ja offenbar so, dass die Kinder und Jugendlichen, die wir da 10 oder 12 oder 13 Jahre in der Schule haben, dass von all dem, was da an Wissen vermittelt wird, zwei Jahre später fast nichts mehr da ist. Und dann muss man sich schon fragen, ob das mit dieser Fokussierung auf die Wissensvermittlung tatsächlich das ist, was man braucht. Dann wird immer gesagt, man braucht Bildung. Ja, das stimmt. Aber wenn es Menschen gibt, die ihr Leben lang Dinge tun, also zum Beispiel als Investmentbanker oder als Hersteller von neuen Technologien in der Landwirtschaft, die dazu führen, dass dort die ganzen Pflanzen, die Blütenpflanzen nicht mehr da sind und die Bienen sterben. Oder wenn das Menschen sind, die in den Fabriken arbeiten, in denen dann Waffen hergestellt werden, die dann wieder irgendwo in die Welt hin verschifft werden. Diese Menschen, die dafür Verantwortung tragen, haben die beste Bildung genossen, die wir uns vorstellen können. Die waren auf den besten Schulen, die waren auf den tollsten Universitäten. Deshalb ist Bildung allein wahrscheinlich. Also wenn es so eine Bildung ist, ist dann allein eben auch wieder nicht genug. Und man müsste eigentlich eine Bildung erwarten, die dann auch in den Bildungseinrichtungen vermittelt wird, die nicht so benutzt werden kann, dass man sich dort das Wissen aneignet, was man gerne haben möchte, um dann am Ende diese gesamte Bildung zu verwenden, um seine eigenen Ziele und Absichten im Leben auf Kosten von anderen durchzusetzen. Das ist alles interessant. Wir sind im Augenblick in einer riesigen Transformationsphase. Davon spüren Sie natürlich in Ihrer täglichen Arbeit oder wenn Sie dann als Studierende fertig sind, das werden Sie dann noch immer deutlicher spüren, dass da irgendetwas in Bewegung kommen will und wir wissen noch nicht so genau, wo es hingeht. Deshalb ist es vielleicht ganz hilfreich, wenn wir uns nochmal vor Augen führen, dass das was schöner wäre als nur Wissen. Da ist die deutsche Sprache einfach auch so angenehm. Es wäre schöner, wenn man etwas erkennen könnte, also wenn man es erkannt hätte, anstatt dass man es weiß. Weil jeder Prozess, wo ein Lernender dazu kommt, dass er es selbst erkennen darf, dieser Prozess ist immer ein von dem Lernenden selbst vollzogener Prozess. Das heißt, der Lernende konstruiert sich dieses Wissen und diese Erkenntnis selbst. Damit sind wir schon an einem ganz wesentlichen Punkt dafür, dass dann Lernprozesse auch nachhaltig werden. Nur wenn ich mir das Wissen selbst als Erkenntnisprozess angeeignet habe, ist es auch wirklich so tief in meinem Hirn verankert, weil es sich dann auch mit mir verbindet. Erkennen ist toll, aber Erkennen, das ahnen Sie schon, ist eben auch ein ziemlich kortikaler Prozess. Also der ist ganz oben angesiedelt, wo die eher kognitiven Netzwerke liegen. Und deshalb ist es schön, dass wir im Deutschen dann noch einen Begriff haben, der noch ein Stück tiefer geht. Nennen wir dann begreifen. Begreifen ist schon schön, jetzt kommt der Körper mit ins Spiel, Dass man also plötzlich merkt, das ist nicht nur was, was hier oben ist, sondern das kann auch mit den Händen noch begriffen werden. Und der schönste Begriff, über den ich heute am liebsten rede, wenn ich über Lernprozesse reden soll, das ist das Verstehen. Das ist nun wirklich ein ganz toller Begriff, weil Verstehen bedeutet, dass es mich von Kopf bis Fuß erfasst hat. Das ist offenbar so, dass man kulturell in so einer Sprache in der Lage ist, so etwas zu verstehen, dass Lernprozesse sozusagen tiefer gehen können. Und wenn wir sagen können, ich habe etwas verstanden, dann hat es mich sozusagen bis in die Füße, bis zum Stehen hinein erfasst und das werde ich nicht wieder los. Menschen, die wirklich etwas erkannt haben, können nicht mehr so weitermachen wie bisher und Deshalb käme es so sehr darauf an, dass wir uns gegenseitig helfen, nicht zu wissen, vielleicht zu erkennen, aber vor allen Dingen auch ein bisschen zu verstehen, damit wir diese Welt dann auch aus diesem Verständnis heraus, was man verstanden hat, kann man auch gestalten. Wenn man es nicht verstanden hat, nützt es einem auch nichts, dass man weiß, wie es ist. Also wenn Sie sich ändern wollen oder wenn Sie eine Veränderung anstreben, dann nützt das nichts, dass Sie das wissen, dann müssten Sie es verstanden haben, dann können Sie es auch verändern. Das, was uns im Augenblick beschäftigt und was natürlich nicht so gerne in die öffentliche Wahrnehmung geht, ist ein dramatischer Transformationsprozess, der sich aus der Wirtschaft kommend in alle Bereiche dieser Gesellschaft ausbreitet. Und der läuft dort unter dem Begriff Industrie und heißt nichts anderes, als dass wir in den nächsten Jahren Zeugen werden einer Entwicklung, in der alles das, was es an menschlichen Tätigkeiten und Fähigkeiten gibt, die wir bisher für menschlich gehalten haben und wo wir gedacht haben, wir seien die einzigen, die das kann, all diese Fähigkeiten, wenn sie denn in irgendeiner Art und Weise algorithmisierbar sind, werden die auch in Algorithmen ausgedrückt und werden dann von Computern, von Automaten, von Robotern übernommen. Und ich hätte selbst nicht für möglich gehalten vor 5 Jahren, als ich die ersten Berichte darüber gehört habe, dass jemand anders als ein lebendiger Mensch in der Lage ist, Auto zu fahren, also dass eine Maschine Auto fahren kann. Es gibt jetzt, wie Sie wissen, auch Pflegeroboter, es gibt auch Rechner, die so gut Schach spielen können, dass die die Schachweltmeister alle besiegen, dass mein Smartphone, was ich jetzt Gott sei Dank weggetan habe, mehr weiß als ich. Und wenn ich irgendwas nicht weiß, ich das da nur abrufen kann, dass ich auch dieses Gerät benutzen kann, um mich im Raum, also in Linz und Umgebung weltweit zu orientieren. Das waren alles mal menschliche Fähigkeiten, auf die wir stolz waren, dass wir das konnten. Das geht jetzt alles in die Maschinen über. Wir können einfach getrost davon ausgehen, dass in spätestens 20 Jahren sämtliche menschlichen Tätigkeiten, die beschreibbar sind, so dass man sie so aufschreiben kann, was da alles getan werden muss tagsüber von jemandem, der einen bestimmten Beruf ausübt. Wenn das also aufschreibbar ist, dann ist es auch von Maschinen, ist es programmierbar und dann kann es auch von Maschinen ausgeführt werden. Das heißt dass all diejenigen Menschen, die in die heute durch unsere Bildungssysteme, Kindergarten und Schule, dass die in absehbarer Zeit in eine Situation kommen, wo sie nicht mehr gebraucht werden, wenn sie nur etwas ausführen, weil es getan werden muss nach Vorschrift. Also das heißt, dass all diejenigen Menschen, die nur deshalb arbeiten, um Geld zu verdienen und die deshalb das tun, was man ihnen sozusagen aufschreibt, was sie jeden Tag tun sollen, damit sie Geld verdienen, dass diese Personen keine Arbeit mehr finden werden. Das gilt jetzt nicht für niedere Berufe, wie man das so gerne denkt, sondern das gilt auch für Juristen, die einfach das tun, was da getan werden muss. Es gilt eigentlich für jeden, der durch eine Arbeitsplatzbeschreibung durch eine andere Person austauschbar ist, Also natürlich auch für Hochschullehrer, die nichts anderes machen als das, was ihnen vorgegeben ist. Das gilt auch für Ärzte, diese Computer und diese Rechner und diese Automaten und Roboter sind, deshalb werden sie eingeführt, nicht weil die billiger sind oder weil die Kosten sparen, sondern die sind zuverlässiger und die schaffen auch mehr. Die haben keinen Urlaub, die haben keine schlechte Laune, die sind immer ausgeschlafen können rund um die Uhr. Und das ist so ein Riesenvorteil, dass wir einfach mal ehrlich uns gegenüber eingestehen können, dass wir demnächst, dass demnächst sehr, sehr viele Menschen, nicht nur in Österreich, sondern weltweit übrig sein werden. Und übrig sein werden sie nicht alle, sondern diejenigen, die eben mehr oder weniger etwas nur abarbeiten, um damit Geld zu verdienen. Also um es mal konkret zu machen, ein Gärtner, der seine Blumen liebt, den können sie nie durch einen Automaten ersetzen. Aber ein Gärtner, der mit seinem Laubbläser da Dienst nach Vorschrift macht und alles so weg macht, da können sie auch den Gärtner noch durch Automaten ersetzen. Das heißt, es wird in Zukunft so sein, dass all diejenigen, die keine Freude an dem haben, was sie tun, keine Arbeit mehr haben. Da können wir jetzt ein bisschen darüber nachdenken, was dann wird. Das will ich aber jetzt nicht in aller Tiefe mit Ihnen besprechen. Aber die Tatsache, dass die Leute aus Silicon Valley und auch in Deutschland beispielsweise von Siemens schon davon ausgehen, dass wir demnächst so etwas, wie immer man es nennt, bedingungsloses Grundeinkommen auszahlen müssen, ist eigentlich die Antwort auf diese ganze Entwicklung. Und nun wollen wir nicht weiter darüber nachdenken, was die Leute dann mit diesen Geld machen, was sie dann bekommen, wenn sie plötzlich nicht mehr arbeiten müssen. Die Vorstellung, dass die dann, weil sie nicht mehr Geld verdienen müssen, losgehen und sich was Schönes suchen, was sie gerne machen, ist zwar eine nette Vorstellung, aber da ist, glaube ich, wenig Hoffnung, dass die Realität wird. Denn wenn einer die Freude am Tätigsein einmal verloren hat, dann kommt die nicht von dadurch wieder, dass man ihm plötzlich Geld gibt, ohne dass er tätig ist. Und deshalb ist das eigentlich das entscheidende Problem, was ich gerne heute mit Ihnen ein bisschen besprechen möchte. Denn es heißt nichts anderes, als dass wir uns fragen müssen, wie kommt denn das, dass es so viele Menschen gibt, die das, was sie tun, nicht gerne tun? Wieso gibt es so viele Menschen, die ihre, nennen wir es jetzt mal noch ein bisschen deutlicher, ihre angeborene Entdeckerfreude und ihre Gestaltungslust verloren haben? Sie wissen jetzt, wo ich hin will. Der Ort, wo das am häufigsten passiert, ist leider der Ort, an dem die meisten von Ihnen ja dann auch tätig sind. Deshalb gibt es eine Grundforderung, die wir und das wünsche ich mir für Ihre Hochschule, ist doch eine Hochschule, oder? Das wünsche ich mir für Ihre Hochschule, dass Sie anfangen darüber zu reden, wie Sie das hinbekommen, dass kein einziges Kind, was da irgendwo noch in der Schule hier in der Gegend tut, unterrichtet wird, seine angeborene Freude am Lernen verliert. Das wär's. Wenn uns das gelänge, dass Kinder aus der Schule kommen oder von Jahrgang zu Jahrgang heranwachsen und diese Freude noch in sich tragen, die sie mal hatten, als sie noch nicht in der Schule waren, dann können wir eigentlich sicher sein, dass diese Kinder mit dieser un ungeheuren Freude am Lernen sich alles aneignen, was die brauchen. Wenn wir aber Situationen schaffen, wo Kinder ihre Freude am Lernen verloren haben, wird das ein sehr, sehr kräftezehrender Aufwand, den wir dann betreiben müssen, um ihnen das beizubringen, wo wir glauben, dass das für ihr Leben wichtig sein könnte. Deshalb ist die Frage so Wie kann das passieren, dass die Freude am Lernen verloren geht? Und ich kann Ihnen das ja nur als Hirnforscher erklären und die Antwort heiß Das ist kein Naturgesetz und es liegt auch nicht am Hirn. Es geht sogar noch weiter, wenn Sie sich selbst fragen, weil Sie vielleicht zu denen gehören, denen das alles nicht mehr so sehr viel Freude macht mit dem Lernen und mit dem eigenen Entdecken und dem gestalten, dann können sie sich selbst fragen, wo das ihnen abhandengekommen ist. Und ich bin ziemlich sicher, weil ich frage ja sehr viele Menschen und diejenigen, die ich dann ernsthaft frage und die auch ernsthaft anfangen, darüber nachzudenken, die können das sogar festmachen, nicht mal nur an einer Einrichtung, sondern meist an einer Person. Es ist ihnen irgendjemand in ihrer Entwicklungszeit gegenüber getreten, der ihnen diese Freude verdorben hat. Das passiert offenbar häufiger, als wir denken. Und wenn ich Schüler frage, die aus der Schule kommen, warum sie in die Schule gehen, und das ist in Deutschland immer wieder so, dass ich dieselbe Antwort bekomme, dann sage die weil ich muss. Das ist das größte Armutszeugnis und die größte Bankrotterklärung, die eine Gesellschaft sich selbst ausstellen kann, dass die Einrichtungen, in denen die nachwachsende Generation sozusagen Gelegenheit bekommen soll, sich alles anzueignen, was sie im Leben brauchen, zwangsweise besucht werden muss, weil sie hin müssen. Und deshalb ist es so spannend als Neurobiologe, diese Diskrepanz zu beobachten zwischen dem, was da im Augenblick ist und zwischen dem, was da eigentlich sein sollte. Und das, was wir in den letzten Jahren, eigentlich schon in den letzten 20 Jahren so alles zutage gefördert haben an neuen Erkenntnissen, ist ja im Prinzip total banal. Das ist ja nicht wirklich etwas, was einen umhaut. Die wichtigste Erkenntnis heißt, dass wir uns wohl im vorigen Jahrhundert ein bisschen geirrt haben mit der Vorstellung, dass genetische Programme dafür verantwortlich sein könnten, dass diese Milliarden von Verknüpfungen im Hirn durch irgendwelche genetischen Programme gesteuert werden könnten. Das geht einfach gar nicht. Das haben auch die Genetiker eingesehen und es wäre auch regelrecht unsinnig, weil ja zum Zeitpunkt der Geburt das genetische Programm noch gar nicht wissen kann, wo der Betreffende dann oder die Betreffende hineinwächst und was die dann für ein Hirn braucht. Und deshalb sind diese genetischen Programme beim Menschen ganz extrem so ausgeformt worden, dass die genetischen Programme dazu führen, dass Überschüsse hergestellt werden, viel zu viele Nervenzellen. Das ist alles häufig schon vor der Geburt passiert. Aber Tatsache ist, dass wir mal in unserem zentralen Nervensystem ein Drittel zu viel Nervenzellen hatten, die sind ein Drittel übrig, hat die Natur uns oder die genetischen Programme haben uns damit viel mehr ausgestattet, als wir tatsächlich brauchen. Und so wie das mit den Nervenzellen schon aufgebaut wird, so ist es dann eben auch mit den Vernetzungen. Es werden viel mehr Vernetzungen bereitgestellt und dann wartet das System darauf, dass irgendwas passiert. Das können Sie sich regelrecht so vorstellen, dass da beispielsweise bei so einem dreimonatigen Embryo dann im Hirn schon die ersten Vernetzungen da sind und dann haben sich die Extremitäten schon ein bisschen entwickelt und es sind auch schon die ersten Muskeln entstanden. Und dann gibt es auch die ersten Verknüpfungen zu den Bereichen im Hirn, die dann später für die Regulation meinetwegen der Armbewegungen zuständig sind. Und dann fängt es da an zu zucken, weil die Muskulatur halt ab und zu mal zuckt. Und dieses Signal von dieser Bewegung wird nach oben geleitet, erzeugt dort eine Irritation, also eine Art Irritation, Inkohärenz. Und das System im Hirn versucht jetzt diese Inkohärenz auszugleichen, indem es eine Lösung findet, die dazu führt, dass das wieder zurückgeht. Und dann wird das auf einmal eine Bewegung, die geht so. Und am Ende der Schwangerschaft kann man dann beobachten, wie das ungeborene Kind, wenn es Lust drauf hat, einfach mal so den Daumen in den Mund steckt. Und das Besondere ist, es hat es gelernt. Es ist zwar angeboren, aber es hat es gelernt. Es hat es gelernt anhand der eigenen körperlichen Beschaffenheit, weil der Arm nur so zu knicken geht und der Daumen nur so, kann das Hirn auch nichts anderes lernen, als dass es so gehandhabt wird. Wenn der Arm doppelt so lang wäre und hinten rumginge und auch noch ein bisschen verschlungen, dann könnte das Hirn hätte genug Kapazität, um auch das zu lernen, dass man den Daumen hintenrum reinsteckt. Das ist vielleicht ganz hilfreich, wenn man das erstmal versteht, dass jedes Kind in den verschiedenen Bereichen des Hirns Überschüsse bereitstellt oder dass die bereitgestellt werden und dass dann sich entscheidet, was davon stehen bleibt und was wieder abgebaut wird. Und so kann man dann sagen, dass die, dass die ersten strukturierenden Kräfte auf diese Vernetzungsmuster im Hirn aus dem eigenen Körper kommen. Es sind die aus dem eigenen Körper kommenden Signalmuster, anhand derer sich die neuronalen Vernetzungen im Hirn stabilisieren. Und deshalb ist zwangsläufig, es geht ja nicht nur um Arme, es geht ja um alle Signale die aus dem Körper, aus den verschiedenen Körperorganen und Bereichen kommen. Und weil jedes Kind einen anderen Körper hat, kommt auch jedes Kind mit einem anderen Hirn zur Welt. Jedes Hirn hat gelernt genau diesen Körper. Es hat sich sozusagen anhand dieses spezifischen Körpers optimiert, hat seine Vernetzung aufgebaut und das Ergebnis heiß Wenn ein Kind zur Welt kommt, hat es ein Hirn, was total perfekt zu seinem eigenen Körper passt. Deshalb ist jedes Kind in Ordnung, so wie es auf die Welt kommt. Besser ging es nicht. So wie sich das Hirn zunächst anhand der aus dem eigenen Körper kommenden, nennen wir es jetzt mal Beziehungsmuster oder Signalmuster strukturiert, so strukturiert es sich dann im weiteren Verlauf anhand der mit den Personen im näheren Umfeld gemachten Erfahrung Da gibt es wieder Familien, in denen es auf das besonders ankommt, und in anderen Familien kommt es auf etwas anderes besonders an. Und jedes Kind lernt diese Vernetzung in seinem Hirn so aufzubauen, dass es in diese Familie oder in diesen Kulturkreis oder wo es da aufwächst, also auch optimal hineinpasst. Dann heißt das im Grunde genommen, bezogen auf den Titel dieses Vortrages, was wir sind und was wir sein könnten, heißt es Wir alle, wo immer wir als Menschen leben und auf die Welt kommen und unsere Kinder großziehen, sind Suchende. Keiner weiß, wie es geht. Wir haben keine genetischen Programme, die uns helfen, ein Mensch zu werden. Also wir müssen herausfinden, wie es geht. Dabei können wir uns auch irren, können vorübergehend auch Ideen entwickeln, wie es gehen könnte, die sich dann später als Irrwege erweisen. Wenn ich das so ganz ehrlich sagen darf, glaube ich, dass wir im Augenblick auf so einem Weg sind, weil das, was im Augenblick abläuft, Entwicklungen sind, die nicht dazu führen, dass wir auf diesem Planeten als Spezies überleben werden. Also ich kann das jetzt vielleicht auch noch ein bisschen deutlicher sagen. Ich habe mich selbst ja oft genug gefragt, warum ich das alles auf mich nehme, warum ich da Vorträge halte und Bücher schreibe und versuche irgendwie aufklärerisch wirksam zu werden und über andere Menschen Verständnis zu wecken für das, was in ihnen selbst und in der Welt, in der sie leben, abläuft. Das wirkliche Motiv dafür ist, dass ich als Biologe mich als kleiner Junge verliebt habe in die Vielfalt des Lebendigen, die vielen Pflanzen und die Tiere und wie das alles zusammenhängt. Deshalb habe ich Biologie studiert und Ich kann es einfach nicht ertragen, dass eine vorübergehend irregeleitete Spezies dabei ist, das in kürzester Zeit alles kaputt zu machen. Das ist der Grund, weshalb ich hier bin. Und deshalb finde ich, dass das finde ich, dass ich versuchen sollte, es Ihnen, weil sie ja dann die Kinder und Jugendlichen weiter begleiten, dass ich versuchen sollte, in ihnen ein Verständnis dafür zu wecken, was das für eine wahnsinnig tolle Aufgabe ist, die sie da haben. Das bedeutet aber, dass wenn man diese Aufgabe ernst nimmt, dass man sich von einigen Vorstellungen, die man vielleicht bisher verfolgt hat, auch ein bisschen verabschieden müsste. Deshalb würde ich gerne mit Ihnen durch drei Bereiche gehen, die ich für die Zukunft der Schule für ganz entscheidend halte und wo ich Sie einfach einladen, ermutigen und inspirieren möchte, das mit mir gemeinsam zu besprechen, zu durchdenken und dann vielleicht so gut es geht umzusetzen. Das erste hatte ich schon genannt, das ist diese Lernlust. Es muss möglich sein, dass eine Hochschule ihre Studierenden so begleitet, dass ein zentrales Anliegen dieser gesamten Begleitung darin besteht, dass diese Studierenden, die dann später in die Schulen gehen, dieses tiefe innere Anliegen in sich spüren, dass unter ihrer Begleitung kein einziges Kind seine Freude am Lernen verlieren darf. Dazu muss man natürlich eine Idee davon haben, wodurch das kommt. Ich hatte bisher nur gesagt, dass es kein Naturgesetz ist. Und die Antwort auf diese Frage, wie wie ein Kind dazu kommt, seine eigene Freude am Lernen zu verlieren, ist relativ einfach. Das macht ein Kind nur dann, wenn es dazu gezwungen wird, wenn es für das Kind nicht mehr anders geht. Und das, was es dann tut, ist auch nicht, dass es das einfach entwickelt, sondern es lernt regelrecht, dass seine Lernfreude etwas ist, mit dem es sich in dieser Welt nicht richtig durchsetzen kann. Das macht ein Kind deshalb, weil es irgendwann in eine Situation gerät, wo es erleben muss, dass es nicht mehr der Gestalter seines eigenen Lernprozesses sein darf. Das ist relativ einfach. Das wissen wir ja alle, dass in dieser ersten Zeit, also diese vorgeburtliche Zeit sowieso, aber auch dann in den ersten Lebensjahren, lernen ja Kinder so viel, wie man wahrscheinlich das ganze Leben lang nicht wieder lernen kann. Auch das ist uns nicht so richtig klar, was das bedeutet, aus dem Nichts heraus innerhalb von einem Jahr zu lernen, auf zwei Beinen zu laufen. Das ist kein Jux, Also ein Jahr und die können dann auf einmal auf zwei Beinen, was Das bedeutet, diese ganzen körpermotorischen Leistungen so zu verankern, dass das dann auch sicher funktioniert, ist einfach ein unglaublicher Lernprozess. Und dann kommt der andere, der ist ja noch atemberaubender, dass ein Kind aus dem Nichts heraus eine Sprache, eine Muttersprache erlernt. Ungeheuerlich, wo es am Anfang noch nicht mal weiß, wie laut geformt wird, wo die dann mit der Zunge versuchen müssen, den allerersten Laut rauszukriegen. Und dann können die in einem Jahr auf einmal sprechen. Also genau wie ihre Vorbilder, die da so sprechen. Und das ist dann keine Kunst mehr, wenn man schon eine Muttersprache verankert hat, dass man dann noch irgendeine andere Fremdsprache lernt. Das ist ja banal. Aber erstmal, dass man überhaupt erstmal weiß, dass Töne mit Bedeutung aufgeladen sein könnten und dass man das auch selbst hervorbringen kann, diesen Laut, und dass andere das auch noch verstehen, was man da gesagt hat. Das sind ganz unglaubliche, faszinierende Lernprozesse. Und die gehen alle deshalb, weil das Kind es alleine macht, und die funktionieren deshalb, weil das Kind das will. Das können Sie nicht unterrichten. Und das heißt mit anderen Solange das Kind als Subjekt unterwegs ist und selbst der Gestalter seines Lernprozesses sein darf, lernt es wie verrückt. Und jetzt kommt der Punkt, wo Sie ahnen, wo es umkippt. Das ist der Augenblick, wo das Kind zum Objekt gemacht wird, wo es sozusagen aus diesem Zustand, in dem es sich selbst als Gestalter seines eigenen Lernprozesses erlebt hat, plötzlich erleben muss, zum Objekt gemacht wird. Das ist also zum Objekt von Erwartungen und Absichten, von Belehrungen und Bewertungen, Maßnahmen und Anordnungen gemacht wird. Dann können wir das so kognitiv können wir das alle nachvollziehen, dass das eigentlich schon ein bisschen blöd, Aber wir können uns nicht mehr daran erinnern, wie das wehgetan hat. Wenn man jetzt so ein bisschen in diese Situation hineingeht und das Wissen, was da verfügbar geworden ist, zusammenführt, dann wissen wir, dass das eine extrem schmerzhafte Erfahrung ist, wenn man plötzlich nicht mehr Subjekt und damit Gestarter seines eigenen Lernprozesses sein darf, sondern etwas lernen soll, was andere einem vorschreiben, wenn man etwas machen soll, was andere einem vorgeben, wenn man Erwartungen erfüllen soll, die andere haben. Und wenn man zum Objekt von Bewertungen gemacht wird, die andere einem überstülpen. Und dass das so schmerzvoll ist, hängt damit zusammen, dass die ganze Zeit, bis das noch nicht passiert, das Kind auch vorgeburtlich in einem Zustand ist, wo es zwei Grunderfahrungen die ganze Zeit macht. Und das sind die beiden Grunderfahrungen auf der einen Seite von Verbundenheit und Geborgenheit. Also selbst Kinder, die das nach der Geburt nicht mehr erleben, haben das vor der Geburt ja mal gehabt, sonst wären sie gar nicht auf die Welt gekommen. Und in dieser Verbundenheit hat das Kind aber gleichzeitig auch erlebt, dass es täglich ein kleines Stück über sich hinauswächst, dass es immer was Neues lernt, dass es immer mehr Kompetenzen erwirbt und eigentlich könnte man sagen, das ist auch immer autonomer und wir würden heute sagen, freier wird. Das heißt, es gibt zwei Grunderfahrungen. Die eine ist die von Verbundenheit und die andere ist die von Autonomie. Und solange die beide gestillt sind, bleibt ein Kind in seiner, bleibt ein Mensch bis ins hohe Alter in dieser Entdeckerfreude und Gestaltungsschluss. Es kann gar nicht aufhören. In dem Augenblick, wo eine Person also als Kind möglicherweise schon oder später zum Objekt gemacht wird, werden diese beiden Grunderfahrungen gleichzeitig verletzt. Das ist das Bittere daran, dass wenn sie bewertet werden von jemand, dieses Gefühl der Verbundenheit weg ist, geht kaputt, führt im Hirn zu einer Inkohärenz, die man dann auch erlebt, das nicht so ist, wie man das erwartet. Und wenn sie von jemandem zum Objekt gemacht werden, verlieren sie auch das Gefühl, dass sie autonom sind, dass sie selbst was können, dass sie eigene Entscheidungen treffen können, dass sie Verantwortung für sich selbst übernehmen können. Auch das wird dann gleichzeitig verletzt. Inzwischen können wir ja sogar mit dem bildgebenden Verfahren zeigen, dass sogar erwachsene Männer noch in einer solchen Situation, wo sie nicht zeigen können, was sie drauf haben, und wenn sie aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen werden, dass dann in diesen funktionellen kernspintomografischen Untersuchungen deutlich wird, dass da im Hirn die gleichen Regionen aktiviert werden, die auch bei körperlichen Schmerzen aktiviert werden. Das heißt, das Hirn benutzt für die Signalisierung einer gestörten Beziehung im eigenen Körper oder im Sozialen, im Umgang mit den anderen, benutzt es die gleichen Mechanismen und Netzwerke, die es auch nutzt, um eine Beziehungsstörung im eigenen Körper zu signalisieren. Und deshalb ist es auch alles richtig, was wir da im Volksmund sagen, dass das weh tut. Wenn man nicht gesehen wird, wenn man ausgeschlossen wird, wenn man behandelt wird und bewertet wird. Und an der Stelle ist es, wenn man das erstmal so nochmal zulässt, diese Idee und diesen Gedanken, dann ist klar, weshalb ein Kind, dem das passiert, oder ein Mensch, dem das passiert, weshalb der keine Potenziale mehr entfalten kann, der hat jetzt ein Problem. Und die meisten Menschen verbringen in unserem Kulturkreis den Rest ihres Lebens damit, dieses Problem zu lösen. Das heißt, die sind entweder Getriebene oder Gezogene. Auf alle Fälle sind sie keine freien Menschen mehr, die sich mit dem wie ein Kind spielerisch befassen können, was sie interessiert, und die sich dabei das Wissen und das Können aneignen, was sie brauchen, um sich in der Welt zurechtzufinden. Gibt dann natürlich, das wissen Sie ja auch, Lösungen. Es muss eine Lösung gefunden werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wenn ein Kind dafür keine Lösung findet fände, dann wird es sterben am Stress und an dieser Belastung. Und deshalb finden diese Kinder auch alle eine Lösung wieder. Nicht, weil wir ihnen das sagen, wie die Lösung geht, sondern wir machen es ihnen vor. Und die eine Lösung, wenn man zum Objekt gemacht wird, besteht darin, dass ich den anderen auch zum Objekt mache. Also blöder Lehrer oder so blöde Mama. Das sind dann die Strategien, mit denen man lernt, erstmal in der Bewertung andere zum Objekt zu machen. Und das kann man dann ja noch viel besser lernen, wenn man auch im Kindergarten noch die anderen vor seinen Karren spannt und für seine Absichten und Ziele immer besser einsetzen kann. Und diejenigen, die das am besten gelernt haben, das werden dann die Führungskräfte in unserer Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, Menschen, die besonders gut andere Menschen für ihre Zwecke als Objekte benutzen können. Und dann gibt es eine Gruppe von Kindern, die offenbar nicht in der Lage sind, der eigenen Mama oder dem Gegenüber so entgegenzutreten, dass sie die zum Objekt machen. Die machen sich dann selber zum Objekt und die sagen ich bin blöd, ich kann kein Mathe, ich bin zu hässlich, ich bin nicht schön genug, ich bin nicht liebenswert. Das ist auch eine blöde Strategie. Und manche Menschen verbringen den Rest ihres Lebens damit, diese Strategie auszupeilen. Das heißt, wenn man einem solchen Kind, was jetzt in der Schule ist, oder einem Studenten, der jetzt an der Universität ist, helfen möchte, seine Potenziale zu entfalten, gibt es eigentlich nur eines, nämlich man muss ihn als Subjekt wiedererwecken. Man müsste ihm Gelegenheit geben, dass er spürt dass er dazugehört, ernst genommen wird, nicht einfach nur mitbestimmen kann, sondern Gestalter dieses ganzen Geschehens ist, so wie alle anderen auch. Und das sind völlig neue Gemeinschaften. Wir haben ehrlich gesagt keine Ahnung, wie diese Gemeinschaften eigentlich aufgebaut werden sollen, weil wir nur die anderen Gemeinschaft kennen. Und das hängt damit zusammen, dass diese bisherige Entwicklung, die wir als Menschen durchlaufen haben, es ja irgendwann mal erforderlich gemacht hat, dass Menschen irgendeine Art von Ordnungsstruktur aufbauen, wie sie ihr Zusammenleben regeln. Das hatte ich ja schon ein bisschen angedeutet. Wir sind Suchende, wir wissen nicht, wie es geht. Wir können aber nur mit anderen gemeinsam leben, weil alles das, was wir im Laufe unseres Lebens lernen, was wir in unserem Hirn an Fähigkeiten und Fertigkeiten verankern, haben wir ja von anderen bekommen. Das heißt, die Vorstellung, dass wir Einzelwesen seien, die ist ein bisschen absurd. Wir können nur mit anderen leben. Aber auch das habe ich vorhin versucht deutlich zu machen, Wir sind derartig verschieden, weil jeder andere Erfahrungen gemacht hat. Das kann eigentlich keine zwei zusammenpassen. Und jetzt soll man eine Gemeinschaft bilden, in der das Zusammenleben einigermaßen fruchtbar wird. Und da ahnen Sie schon, da braucht man irgendeine Ordnungsstruktur, damit das funktioniert. Und die Ordnungsstruktur, die wir gefunden haben vor ungefähr Jahren mit der Sesshaftwerdung und mit der Aneignung von Besitz, heißt Hierarchie. Eine hierarchische Ordnung ist was Wunderbares. Da gibt es dann irgendjemand, der sagt, wie es geht und die anderen machen das und dann kann man die hierarchische Pyramide immer weiter ausfeilen. Und diese Ordnungsstruktur hat sich extrem bewährt in unserer Gesellschaft und die hat sich in alle Bereiche unseres Lebens ausgebreitet. Also nicht nur beim Militär, sondern in die Unternehmen, die Wirtschaft, sogar in die Kirche, in die Familien. Überall haben wir diese hierarchischen Ordnungsstrukturen aufgebaut, weil sie ja auch einen Vorteil hatten. Die hatten nicht nur den Vorteil, dass sie das Zusammenleben jetzt einigermaßen regeln konnten, sondern der eigentliche Vorteil war, dass da immer Menschen unten, weil das ja nicht so schön ist. Je weiter unten man ist, desto mehr wird man zum Objekt gemacht. Und dann wollten die hoch und haben sich deshalb furchtbar angestrengt. Das heißt, die hierarchische Ordnungsstruktur liefert auch den Treibstoff dafür, dass Menschen sich anstrengen um aus dieser Objektrolle rauszukommen und in eine höhere Stufe dieser hierarchischen Ordnung zu kommen. Auf diese Weise haben Menschen seit Jahren durch solche Anstrengungen unglaublich viel entdeckt, erfunden, neue Technologien entwickelt und immer wenn jemand was Tolles gefunden hatte, ist er nicht nur aufgestiegen, sondern das, was er gefunden hat, hat sich auch entsprechend ausgebreitet mit dem Ergebnis, dass die Welt immer komplexer geworden ist. Heute leben wir in einer Welt, die nun so komplex geworden ist, dass sie mit einer hierarchischen Ordnungsstruktur nicht mehr zu lenken ist. Das ist das, was diesen großen Transformationsprozess kennzeichnet. Und jetzt müssten wir, jetzt müssten wir versuchen, Wege zu finden, wie wir unser Zusammenleben, wie wir Lernprozesse, wie wir gemeinsames Wirken so organisieren, dass wir keine hierarchische Ordnungsstruktur mehr brauchen. Der Prozess ist im Augenblick im vollen Gange. Sie sehen ihn in der Wirtschaft, die suchen flache Hierarchien. Familien haben sowieso schon diese Hierarchien aufgegeben. Das hat sich weitgehend aufgelöst. Die Hierarchie zwischen Mann und Frau, die man Patriarchat nennt, ist schon ziemlich weit zurückgegangen, sodass wir im Augenblick in dieser Entwicklung voll drin sind, wo diese Hierarchien abgebaut werden. Und wir bräuchten jetzt eine nachwachsende Generation, die in der Lage ist, ihr Zusammenleben auf eine andere Weise zu regeln, als dass sie hierarchischen Ordnungsprinzipien folgt. Und deshalb heißt die zweite Forderung für die Zukunft der Schule. Schüler müssen in der Schule Gelegenheit bekommen, die Erfahrung zu machen, dass sie so etwas wie Würde besitzen, dass sie wertvoll sind, dass sie wichtig sind, dass sie anerkannt sind, dass sie eine Möglichkeit bekommen, eine Vorstellung und ein Bewusstsein ihrer eigenen Würde zu entwickeln. Denn wenn jemand eine Vorstellung seiner eigenen Würde hat, ist er nicht mehr als Objekt zu gebrauchen. Der lässt es nicht mehr zu, der bietet sich nicht mehr als Objekt an, zum Beispiel für Werbestrategen. Und er macht auch nicht mehr andere zum Objekt. Und diese Würde, die ein Mensch besitzt, wäre dann der innere Kompass, der ihm hilft, sein Zusammenleben mit den anderen so zu gestalten, dass es keine hierarchischen Ordnungen mehr braucht. Im Augenblick leben wir in der Umbruchszeit, die würde es noch nicht entwickeln. Die hierarchischen Strukturen funktionieren nicht. Und deshalb ist überall auf der Welt ein ziemliches Durcheinander. Und das, was den Menschen einfällt, wenn sie so ein Durcheinander erleben, ist, dass sie erstmal wieder nach einer hierarchischen Ordnungsstruktur rufen, die Ihnen die alte Ordnung wiedergibt. Das sind dann die sogenannten rechtspopulistischen Strömungen, die Sie auch hier in Österreich haben. Und um das jetzt noch abzuschließen, ich hatte Ihnen ja tragen Dinge versprochen. Das Dritte wäre, dass wir in unseren Schulen dringend dafür Sorge tragen müssten, dass Kinder und Heranwachsende die Gelegenheit bekommen, sich mit dem, was uns wichtig ist, verbunden fühlen. Also ein Kind, was noch nie im Wald war, was noch nie in einem Museum war, was noch nie erlebt hat und was auch menschliche Nähe noch nicht erlebt hat. Ein Kind, was das alles nicht erlebt hat, das kann sich mit dem auch nicht verbunden fühlen. Und jetzt kommt der entscheidende Das, womit man sich nicht verbunden fühlt, kann man auch nicht beschützen. Deshalb funktioniert unser ganzer Naturschutz und unsere Versuche, Klimawandel und ähnliches Nachhaltigkeit herbeizuführen, nicht, weil die Menschen mit dem Herzen, eigentlich mit der lebendigen Welt nicht so verbunden sind. Und aus diesem Grunde sehen wir im Augenblick zu, wie Entwicklungen stattfinden, von denen wir alle wissen, dass sie alles andere sind als etwas, was uns in unsere eigene Kraft bringt und was uns die Möglichkeit bietet, die in uns angelegten Potenziale zu entfalten. Deshalb zum Schluss mein Aufruf, meine Hoffnung, mein Wunsch. Versuchen Sie miteinander, dieses wichtigste Problem erstmal anzufassen und versuchen Sie, sich gegenseitig zu fragen, wie Sie es schaffen, eine Art von Pädagogik zu entwickeln, die nie wieder irgendein Kind zum Objekt macht, nicht zum Objekt ihrer Bewertungen, nicht zum Objekt ihrer Belehrungen, nicht zum Objekt ihrer Erwartungen und ihre Absichten und Maßnahmen umziehen. Das würde dazu führen, dass Kinder ihre angeborene Freude am Lernen dann nicht verlieren müssten. Die würden ihre Offenheit behalten und dann könnten Lernprozesse sozusagen sich selbst organisiert entstehen. Wobei wir als Erwachsene nicht mehr diejenigen sind, die den Kindern sagen, was sie lernen müssen, sondern die den Kindern helfen, sich auf ihre Suche nicht zu verirren. Und das ist eine wunderbare pädagogische Aufgabe, dass man den Kindern hilft, das zu erkennen, was ihnen wirklich wichtig ist. Ich mache das noch konkret, weil es geht dann immer am schönsten, wenn man noch ein kleines Beispiel mit nach Hause nehmen kann. Ich kriegte kürzlich ein Schreiben von einer Mutter, die sich heftig bei mir bedankt hat, für das würde, was ich geschrieben hätte, das hätte ihr die Augen geöffnet und deshalb möchte sie mir kurz diese Geschichte erzählen. Sie hätte zwei Jungs, der eine sei zehn, der andere zwölf. Und dann hätte der Kleinere sich ein Glas Saft eingegossen, hätte die Hälfte getrunken und dann hätte er dieses Saftglas so ein bisschen an den Rand gestellt, also versteckt, damit er dann später davon noch trinken konnte. Und es hat 10 Minuten gedauert, dann hat der Ältere das leer getrunken. Das ist die übliche Situation, die man immer kennt. Und dann hat die Mutter Und dann habe ich mich daran erinnert, dass man ein Kind nicht zum Objekt machen soll und habe den Großen gefragt, was er denen glaubt. Also Fritzchen, was glaubst du, was dein Bruder jetzt von dir denkt? Und die Antwort hieß er wird denken, dass er mir nicht trauen kann. Und dann hat sie weiter gefragt und hat sie gefragt möchtest du denn jemand werden, der später im Leben so leben muss, dass ihm keiner traut? Und dann hat er Nein. Das heißt, hier gibt man den Prozess für die Bildung an das Kind zurück, indem man es selbst in seine eigene Verantwortung führt und es vom Objekt zum Subjekt hebt und ihm die Möglichkeit gibt, selbst Entscheidungen zu treffen. Und das geht sogar in solchen Situationen. Und da kommt was völlig anderes raus, weil seit dieser Zeit redet diese Familie darüber, wie sie sich gegenseitig helfen können, Situationen so zu meistern, dass sie tatsächlich spüren, dass sie in dieser Einzigartigkeit und Subjekthaftigkeit in der Lage sind, miteinander in eine enge Verbundenheit zu kommen. Ja, das ist jetzt alles ein bisschen kurz und ich habe mich auch versucht zu beeilen und trotzdem hoffe ich, dass ich ein bisschen so ein Vortrag kann eigentlich immer nur eine Anregung sein, dass es mir gelungen ist, sie ein bisschen anzuregen, nochmal ein paar Themen miteinander zu besprechen. Und wenn ich nochmal irgendwann wiederkomme oder wenn ich vielleicht auch in der Zeitung, dass von Linz der Hochschule ein Impuls ausgegangen ist, der eine Bewegung in Gang gesetzt hat, die dazu führt, dass Eltern und Pädagogen, Kindergärtnerinnen und Berufsschullehrer alle auf einmal dieses eine Anliegen in den Mittelpunkt ihrer pädagogischen Bemühungen stellen, nämlich dass kein Kind und kein Heranwachsender, dass seine angeborene Freude am eigenen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten verlieren darf, dann wäre ich natürlich unendlich glücklich und dann könnte ich mich auch beruhigt zurücklehnen. Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit. Vielen Dank. Aber weil das ja auch wahrscheinlich schon ein bisschen provozierend ist, was ich hier gemacht habe mit Absicht. Ich habe nicht so ganz viel Zeit, aber vielleicht, dass wenigstens diejenigen, die überhaupt der Meinung sind, dass das alles Käse ist, was ich erzähle, dass Sie das vielleicht doch noch mal kurz vortragen, damit wir das wenigstens klären können und ich hier nicht weg muss mit dem Gefühl, es sei gar nicht angekommen oder es würde wieder so mit so einer Handbewegung vom Tisch gewischt. Also ich würde mich freuen, wenn Sie sich vielleicht noch einen Augenblick mit mir unterhalten wollten, um vor allen Dingen Ihre Bedenken und Einwände gegen das, was ich hier vorgetragen habe, nochmal deutlich zu machen. Gibt es jemanden, der sich in dieser Weise noch mal zu Wort melden möchte? Das ist nicht der Fall. Das ist doch das schönste Zeichen, was es gibt. Gibt es jemanden, der einen Vorschlag hat, wie man das hier an der Hochschule so umsetzen kann, dass ich in einem Jahr, wenn ich wiederkomme, auch sehen kann, was daraus geworden ist? Auch nicht. Okay, dann ist die Verwirrung perfekt. Doch, ich möchte doch auf die erste Frage noch eingehen, keine Kritik, sondern eine Frage, ob Sie dazu noch etwas sagen könnten. Sie haben dafür gesprochen, dass der Ruf nach Hierarchien, nach autoritären Führern so was wie ein Zeichen der Überforderung ist in einer Zeit des Umbruchs. Denken Sie auch, dass der Ruf in der Erziehung Kinder brauchen Grenzen, Kinder brauchen Struktur, dass das auch in diese Richtung geht, dass das damit zu tun hat. Könnten Sie dazu noch etwas sagen? Ja, gerne. Das finde ich sehr. Und ich glaube, dass da sehr viele Missverständnisse auftauchen, weil die einzige Zeit, an die sich die meisten Leute erinnern können, wenn sie Wir wollen unsere Kinder frei lernen lassen, sind die er mit ihren Kinderläden. Und das war keine Begleitung eines Kindes auf seiner Suche nach Erkenntnis, sondern das war wahrscheinlich eher eine organisierte Verantwortungslosigkeit. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir uns klar machen, dass pädagogische Kunst nicht darin besteht, die Kinder machen zu lassen, was sie wollen, sondern sie einzuladen, zu ermutigen und zu inspirieren, also einen Raum zu schaffen, in dem ihr Interesse geweckt wird. Also ich kann es ja noch mal so ganz kurz sagen, Lernprozesse gelingen nur dann nachhaltig, wenn sie emotional aufgeladen sind. Sie müssen die emotionalen Zentren im Hirn mit anwerfen, sonst bleibt da nichts hängen. Und die einfachste Form, wie das geschieht, ist, wenn das Kind selbst der Gestalter seines eigenen Lernprozesses ist. Also würden Sie sagen interessengeleitet, aber Sie haben natürlich als Pädagoge die Möglichkeit, dieses Interesse zu lenken. Das Kind weiß ja gar nicht, was es alles auf der Welt gibt zu entdecken und was es da zu gestalten gibt, vor allen Dingen auch noch gemeinsam mit anderen. Also braucht das Kind eine Führung, die ihm hilft zu erkennen, was ihm eigentlich liegt. Und das wäre dann emotional von alleine aufgeladen, weil das Kind dann Dinge tut, die es macht. Wenn das in Teams funktioniert, also auch schon in der Grundschule gibt es solche Ansätze, wo gemeinsam in Gruppen bestimmte Themen bearbeitet werden, dann ist es sogar so, dass jedes Kind seine besonderen Fähigkeiten und Talente in so einen Prozess mit einbringen kann. Das ist dann häufig auch altersübergreifend. Das sind ganz neue Formen, die dazu aber führen, dass man sich verbunden fühlt und auch das Gefühl hat, dass man da was einbringen kann. Also individualisierte Gemeinschaften heißt dieser Fachbegriff dafür, dann würde das schon gehen. Aber das muss von jemand organisiert werden, der das verstanden hat und der den Kindern tatsächlich hilft. Und das darf man nicht dem Selbstlauf überlassen. Dann könnte emotional sozusagen das Lernen so natürlich aufgeladen werden, wie es das normalerweise auch sein sollte. Die beiden ungünstigen Varianten heiß Das Kind lernt deshalb etwas, weil es die Lehrerin mag, gibt es auch, funktioniert auch. Dann lernen die Mathe, weil sie diese Grundschullehrerin oder so die Lehrerin toll finden. Aber da merken Sie schon, der lernt in Wirklichkeit das Kind nicht Mathe, sondern was man tun muss, um einer Person zu gefallen. Das muss man sich dann klar machen, damit man da nicht reinfällt. Und das Dritte ist, dass man den Lernstoff auch aufladen kann mit dem Versprechen von Belohnungen oder der Androhung von Strafe, also der Vergabe von Bewertungen, Zensuren. Und dann ist der Lernstoff auch emotional aufgeladen, weil die wollen ja entweder die Belohnung oder die Bestrafung nicht. Und das führt aber eben leider dazu, dass die nicht Mathe lernen, sondern wie man Belohnungen kriegt oder wie man Bestrafungen vermeidet, das muss man sich auch klar machen. Also wenn man am Ende lauter Kinder haben will, die besonders gut gelernt haben, Belohnungen zu bekommen und Bestrafung zu vermeiden, dann muss man diesen Weg geben. Generell habe ich natürlich jetzt nicht gesagt, dass ich davon ausgehe, dass Schule auch nicht die Aufgabe hat, bisher noch nie die Aufgabe gehabt hat, die Potenziale der Kinder zur Entfaltung zu bringen, sondern Schule hat primär die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass eine nachwachsende Generation entsteht, die das jeweilige gesellschaftliche System stabilisiert. Deshalb haben wir in der Kaiserzeit andere Schulen gehabt als in dem Nationalsozialismus. Und ich kann sogar die Erfahrung berichten aus dem sozialistischen Bereich, da gab es auch Schulen und die sind alle eigentlich so eingerichtet gewesen, dass das jeweilige System dadurch stabilisiert werden sollte, was die Kinder dort durchgemacht haben oder erlebt haben. Und es ist natürlich jetzt ein bisschen absurd zu glauben, dass unser gegenwärtiges Schulsystem frei ist von so einer Zweckbindung. Die ist uns natürlich nicht bewusst. Aber wir können es ja einfach mit einem Satz Wenn aus unseren Schulen lauter Kinder rauskämen, die wüssten, was sie wollen, die gestandene Persönlichkeiten sind, die sich ihrer eigenen Würde bewusst sind, die diese Verbundenheit haben und diese Lernlust, dann wäre unser Konsumsystem von heute auf morgen nicht mehr haltbar. Wir brauchen ja das gar nicht, was da alles angeboten wird. Also Kinder, denen es gut geht, die brauchen ganz wenig. Also je schlechter es einem geht, desto besser eignet man sich als Konsument. Das muss man sich auch überlegen, wenn man Lehrer wird, ob man dazu beitragen will. Bitte. Ach, sagen Sie es. Ich sag's dann einfach nochmal laut. Sie haben ja gesagt, Kindern geht die Lernfreude verloren, wenn es muss und das Kind wird zum Objekt. Wenn man es bewertet, belehrt, Absichten da sind und Erwartungen da sind, würde das dann im Umkehrschluss bedeuten, dass Sie dazu raten, davon abzugehen von diesen Lehrplänen, die da sagen, am Ende der Schulstufe muss das einmal eins sitzen, muss die Rechtschreibung sitzen, muss man Hauptstädte der Länder kennen, weil das Kind das ja muss. Ja, Sie haben den Anfang gehört, der Rest war ja schon genug. Also die muss das alles sein. Deshalb habe ich das ja gesagt. Wenn Sie zum zentralen Anliegen jeder pädagogischen Arbeit es machen, dass das Kind auf keinen Fall seine Freude am Lernen, also am Entdecken und Gestalten verlieren soll, dann dürfen Sie keine Lehrpläne einsetzen und auch keine Prüfung. Das sage ich jetzt auch noch mal, dann sehen Sie, dass Sie in Wirklichkeit als Pädagogen missbraucht werden, weil Sie nämlich nicht nur pädagogisch arbeiten, sondern Sie sind auch Selektoren. Sie haben dafür zu sorgen, dass die Spreu vom Weizen getragen wird und dass Sie Gute und Schlechte voneinander trennen. Und wenn ich lehre, also ich kann Sie nur ermutigen, diesen Missbrauch, den Sie da ausgesetzt sind, zu beenden. Weigern Sie sich einfach, Zensuren zu verteilen und Bewertungen abzugeben. Machen Sie es so oder schlagen Sie das so vor, wie das in der Fahrschule geht. Der dümmste, der dümmste Schüler, den Sie jemals in Ihrer Klasse gehabt haben, hat keine Probleme gehabt, die Autofahrschulprüfung zu bestehen. Und warum geht das schon? Weil er will natürlich, aber weil der Fahrschullehrer nicht auch noch gleichzeitig der ist, der prüft. Sie machen alle Ihre pädagogischen Bemühungen kaputt, weil in Ihrer pädagogischen Arbeit gehen Sie auf das Kind zu, gaukeln ihm vor, Sie wären jemand, der an ihm interessiert ist und im nächsten Augenblick sagen bitte Zensur. Und da muss man einfach langsam mal Das machen wir nicht mehr als Lehrer. Das ist heute ja keine Kunst mehr. Es müsste doch möglich sein, dass man am Ende des Schuljahres Instrumente findet, wie man einfach testen kann, ob die Kinder dort angekommen sind, wo man sie hin haben wollte. Also fünfte Klasse kann der Schüler am Ende Biologieunterricht sich irgendwo einloggen und kann so einen Fragenkatalog aufrufen, der stochastisch ihm zehn Fragen aus der Biologie, die da in diesem Jahr dran sind, vorwirft und dann kann er die beantworten und anschließend kriegt er ein Zertifikat, dass er das bestanden hat. Und dann geht er zu seinem Biologielehrer und Guck mal, ich habe es geschafft. Und dann freuen die sich bei der Wissen Sie, was das für eine andere pädagogische Arbeit ist? Also da ist einiges an kreativen Möglichkeiten, die wir einfach alle nicht nutzen. Und ich glaube, wir nutzen sie deshalb nicht, weil wir uns des Ernstes der Lage nicht bewusst sind. Wir halten uns mit Lächerlichkeiten auf, Ob die jetzt 12 oder 13 Jahre in die Schule gehen sollen oder ob sie nach diesem oder jenem Leseprogramm lernen sollen. Und an die eigentlichen Wirklichkeit brennenden Themen gehen wir nicht ran. Und da kann ich Sie nur ermutigen, da endlich aufzuwachen. Jetzt muss ich leider los. Ich bedanke mich bei Ihnen und wünsche Ihnen alles Gute.










