Mit vier Pfoten zur Heilung: Therapie mit Hund Paul

YouTube video (Dec 14, 2023) showing how a therapy dog named Paul supports psychosomatic therapy and care for children. Speakers (therapist, patient, caregiver, trainer) describe Paul’s calm temperament and concrete clinical uses: aiding exposure exercises for anxiety, calming physiological responses (heart rate/pulse), and enabling nonverbal interaction with children at Kinderhaus Atemreich. The transcript also covers selection and training criteria for therapy dogs and personal anecdotes about Paul’s life.
Chapters
Hunde haben einen ganz anderen Zugang zum Menschen als der Mensch zum Mensch. Ich spreche hier von emotionalen Ebene, von Ebenen, die eben nicht nur durch den Verstand geregelt werden. Was den Paul als Hund speziell auszeichnet, ist, dass er wahnsinnig gutmütig ist, dass er sehr offen ist, aber gleichzeitig nicht penetrant. Er kann grinsen, er ist sehr ausgeglichen und sehr sensibel in seinem Umfeld. Pauls Arbeit in der Praxis betrifft vor allem den psychosomatischen Bereich. Er schafft es beispielsweise traumatisierte Leute aus Zuständen rauszubringen auf eine lockere Art und Weise. Er macht es sogar besser als ich, einfach weil die Leute durch den Paul Sicherheit spüren. Paul ist da mein Co Therapeut.
Ich bin nun seit zwei Jahren in Therapie wegen meiner Angststörung und werde da regelmäßig von Paul unterstützt. Angststörungen sind sehr vielfältig und bei mir ist es ganz klar der medizinische Bereich. Wenn ich weiß, dass ich morgen zum Arzt muss zum Blut abnehmen, dann geht mein Blutdruck gleich auf 200 selbst das ertönen. Von einem Martinshorn versetzt mich in Angst.
Gut, dann würde ich vorschlagen, dass wir unsere Horrorinstrumente holen. Wenn Sie jetzt die Tüte sehen, was passiert, merke ich so noch mehr Anspannung. Der Patient wird mit dem angstauslösenden Reiz konfrontiert. Paul hilft die Situation auszuhalten. Wir wissen, dass das Gehirn irgendwann aufhört zu feuern und die Angst danach lässt. Hierfür ist Paul sehr gut geeignet, weil er den Fokus in der Situation hält und gleichzeitig Paul mit dieser Angstsituation im Gehirn abgespeichert wird. OK, sehr gut. Okay, jetzt haben Sie ein bisschen was zu tun, weil Sie müssen den Paul koordinieren und gleichzeitig Ihre Angst bewältigen. Dann gehen wir gleich mal in so eine tiefere Atmung rein, Bricht die Nase ein und durch den Mund aus. Genau. Und Sie wissen, dass das, was jetzt kommt, eine abgespeicherte Reaktion von damals und dort ist. Im Hier und Jetzt besteht keine Gefahr. Sie machen das super. OK. Wie hoch ist Ihre Anspannung jetzt? Also ich würde am liebsten auf Stillung gehen. OK, atmen nicht vergessen. Sehr gut.
Es ist die ruhige Atmung, die er einfach auch hat. Er weiß nicht, was dahinter steckt und ist da natürlich total offen dem Ganzen, während ich mich schon verkrampfe. Wenn ich dann Kontakt zu ihm aufnehmen kann, durch Streicheln zum Beispiel, beruhigt sich auch mein Puls. Diese Spritze, die treibt meinen Puls nach oben.
Sehen Sie am Paul irgendein Alarmiertheitszeichen?
Gar nicht.
Erkennen Sie irgendeine Figur an Pauls Punkten da oben? Schauen Sie zur Spritze.
Der Paul hat mein Leben um 100 Prozent verändert. Wenn ich im Stau stehe und es fährt ein Rettungswagen an mir vorbei, bin ich jetzt ruhig. Ich denke dann immer gern an Paul. Lass mir noch mal durch den Kopf gehen, was wir uns erarbeitet haben. Damit kann ich solche Situationen meistern und das ist ein ganz neues Lebensgefühl.
Ich habe den Paul privat natürlich sehr viel auch dabei und ich versuche ihn in der Freizeit nicht so stark zu reglementieren. Tiergestützte Arbeit bedeutet für Paul eine Anstrengung und ich hatte da am Anfang echt viel Angst davor, dass ich irgendwas falsch machen könnte. Wir haben dann Schritt für Schritt gelernt, wie wir arbeiten können.
Die Therapie und Ausbildung zielt vor allem darauf ab, dass die Menschen lernen, ihren Hund zu lesen, weil den muss sich in der Arbeit schützen. Das heißt, wenn der Hund Stress kriegt in der Situation, muss ich natürlich sofort dafür sorgen, dass er da raus kann, dass er Entspannung kriegt. Wir machen jetzt eine kleine Ü Was mag der Paul lieber? Spielzeug oder Futter? Warum frage ich eigentlich? Mensch und Hund müssen geeignet sein. Ein Hund ist dann als Therapiehund geeignet, wenn er Interesse an Menschen hat.
Es soll nicht der Alpha sein, der auf jeden zurennt und es soll auch nicht der Schüchterne sein, der in der Ecke sitzt.
Grundsätzlich sollte er keinen Stress haben mit fremden Umgebungen, fremden Menschen offen sein. Und da ist es viel, viel Was bringt der Hund mit und nicht welche Rasse ist er? Bei Paul hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert, dass er in der Lage ist, total situativ zu reagieren und auch sehr sanft zu sein. Und während der Ausbildung hat er auch die Einsätze großartig gemeistert. Die beiden hatten einen Plan und der ist aufgegangen.
Ich erinnere mich noch sehr gut, als wir mit Paul zu Hause angekommen sind. Ich fand ihn natürlich mega süß, aber da habe ich dann gemerkt, was ich jetzt für eine Verantwortung habe für ein Lebewesen. Ich muss auch gestehen, dass das eine Zeit lang gedauert hat, bis wir uns eingespielt haben. Und ich glaube, jeder von uns musste da ganz viel vom anderen lernen. Plus der Paul ja mal die komplette Entwicklung ins Erwachsenenleben, als der Paul noch ein Baby war, da hat der einen ganz schmalen Kopf im Vergleich zu seinem heutigen Dickschädel im wahrsten Sinne des Wortes. Heute kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Der ist einfach dabei und es fällt mir gar nicht mehr auf. Es fällt mir nur auf, wenn er nicht dabei ist, wenn ich durch die Wohnung gehe. Es sind diese Bewegungen, es sind diese Geräusche, wenn er sich zum Beispiel schüttelt und die Ohren machen dann so ein Geräusch. Er gehört einfach zu meinem Leben mit dazu und er bereichert mich unglaublich und er sorgt natürlich auch für ganz viel Freude und Leichtigkeit.
Das Kinderhaus Atemreich ist ein Ort für Kinder, die von Beatmung bedroht sind oder beatmet werden. Mit Paul haben unsere Kinder die Möglichkeit, in Interaktion zu treten, ohne reden zu müssen. Denn Paul spricht auch eine andere Sprache, genauso wie viele unserer Kinder. Und wenn Paul kommt, dann ändert sich was.
Ja toll, den benutze ich ja auch als Kissen.
Lena wurde mit einem relativ seltenen Syndrom geboren. Lena kann nicht eigenständig sitzen, stehen oder laufen, ist auch nonverbal, das heißt, sie hat keine aktive Sprache. Das war ganz ersichtlich bei den allerersten Sitzungen, dass Lena sehr interessiert, aber schon noch etwas distanzierter. Inzwischen ist es aber so, dass Lena bereits auf Paul reagiert, ohne ihn sehen zu müssen.
Was das Besondere mit Lena ist, dass man hier so schön sehen kann, dass der Hund nicht automatisch Tricks vorführen können muss, sondern dass es darum geht, dass er einfach da ist, dass er weich ist, dass er Ruhe ausstrahlt, dass er einfach Sicherheit schafft. Das kitzelt aus der Lena eine Neugierde raus zu entdecken und hat Effekte, ohne dass wir so viel tun müssen.
Wir haben das Gefühl, dass Lena schon sehr gut auf Paul reagiert, auch viel aktiver ist, dass das einfach eine wahnsinnig schöne Kombination geworden ist.
Paul hat ganz, ganz viel Leichtigkeit. Er hat Kontakt zu drei Dalmatinern regelmäßig. Das sind wirklich beste Freunde. Er hat sehr, sehr viel Auslauf. Wir sind viel in den Bergen. Mir ist wichtig, dass er seine eigene Identität wahren kann und seine Persönlichkeit auch ausleben darf. Paul ist schon ein sehr autonomer Hund und das habe ich auch gelernt zu respektieren. Ja, ich würde den Paul schon als meine bessere Hälfte bezeichnen. Der Paul ist einfach mein Buddha.










