Viktor Frankl - Im Anfang war der Sinn (Portrait 2001)

Portrait of Viktor Frankl covering his life, ideas, and Holocaust experience. Explores Logotherapy, his theory of the will to meaning, and how his wartime survival shaped his work. Includes interviews, archival footage, and Frankl's own lectures, plus controversies about his wartime role.
Chapters
Der Mensch braucht einen Sinn, aber er braucht auch Vorbilder. Das Vorbild von Menschen, von anderen Menschen, die für ihre Person den Sinn ihres Lebens entweder erfüllt haben oder auf dem Wege sind, ihn zu erfüllen.
Seine Botschaft war der unbedingte Wille zum Sinn und zum Sein, Dem Sinnlosigkeitsgefühl einer ganzen Generation hat er den Kampf angesagt, und Sinnerfüllung forderte er selbst in scheinbar schwierigsten und ausweglosen Situationen und von jedem Einzelnen. Frankl war ein Moralist mit holistischer Weltsicht. Nicht nur die Krankheit gilt es zu behandeln, sondern Körper, Seele, Geist, den ganzen Menschen. Frankl starb vor 5 Jahren in Wien. Und er war bis zuletzt ein überzeugter Wiener. Ich habe das Glück gehabt, mit ihm kurz vor seinem Tod noch einen Film zu drehen. Unveröffentlichtes Material von damals sehen Sie jetzt und einen Blick nach Amerika, nach Japan und nach Österreich. In Erinnerung an Viktor Frankl. Don Klingberg, Frankl Biograf, dessen Buch im Herbst 2001 bei Doubleday, New York, erschienen ist, und Alexander Wesseli, Enkel von Viktor Franklin, auf dem Jüdischen Friedhof in Wien. Letzte Ruhestätte des berühmten Seelenarztes, der mit 92 Jahren starb.
Ich hatte Viktor Frankl in Amerika für mich entdeckt und kam 1962 als Psychologiestudent nach. Wien, um ein Jahr bei ihm zu studieren. Was mich seit damals am tiefsten beeindruckte, war seine unbeirrbare Konzentration und ziemlich Zielstrebigkeit in Verbindung mit einer ungeheuren Wärme und tiefem Empfinden für leidende Menschen.
Nach einem Stunden Flug nonstop und mit japanischer Höflichkeit, elegant umsorgt, landen wir in Tokio zum großen Logotherapeutenkongress 2001. Japan hat schon bessere Tage gesehen, die Wirtschaft steht im Regen und die Selbstmordrate ist die höchste seit dem Zweiten Weltkrieg. In den letzten Jahrzehnten haben die Japaner Frankls Logotherapie für sich entdeckt. Frankls gesammelte Werke sind in Luxusausgaben erschienen und sein Ansatz, das Leben als Provisorium anzusehen und aus jedem Augenblick das Bestmögliche an Lebenserfüllung zu machen, dieser Ansatz ist manchem Japaner aus dem Zen Buddhismus durchaus ver Der Kongress Ärzte, Psychiater, Psychologen tauschen Erfahrungen im Umgang mit Patienten und Logotherapie.
Ich danke Ihnen für Ihr Kommen. Die Logotherapie hat sich auf der ganzen Welt verbreitet und Ich darf Ihnen zwei führende Vertreter vorstellen.
1926 hielt mein Großvater auf einem Psychologenkongress seinen ersten Vortrag über Logotherapie. Zu Lebzeiten wurde er von anderen Psychotherapeuten oft ignoriert oder verlacht, aber wenn er heute Sie alle hier sehen könnte, würde er sich sehr freuen.
Ehrengäste, die Familie Frankl und Wesseli. Angestrebt ist ein Ost West Dialog lernen interkulturell, denn die Weltkulturen, sie stehen alle vor den gleichen Problemen.
Dr. Frankl, was bedeutet Logotherapie?
Therapie bedeutet Heilung und Logos heißt Sinn. Logotherapie bedeutet also stark vereinfacht gesagt, Heilung durch Sinn. Die Neurose ist das Leiden einer Seele, die ihren Sinn nicht gefunden hat. Den Sinn kann man überall finden in der kleinsten Hütte. Und andererseits gibt es Millionäre und Milliardäre, die im Leben keinen Sinn sehen.
Wie haben Sie denn Frankl erlebt?
Er hatte ungeheure Lebensfreude und kostete jede Minute aus. Im Gespräch war er ein aufmerksamer Zuhörer, der ganz auf die anderen einging und seine Antworten waren voller Einsicht und Aussagekraft.
Manchmal, wenn ich zur Selbsterkenntnis gelange, bin ich nicht nur enttäuscht von mir, sondern so böse auf mich, dass ich tagelang nicht mit mir rede.
Ich hatte volle Hörsäle an der Universität, aber ich war von allem irgendwie enttäuscht und zog mich vom Lehrbetrieb zurück. Ich wusste nicht, sollte ich bei der Medizin bleiben, sollte ich sein lassen. Damals las ich ein Buch von Viktor Frankl und wollte mich unbedingt an ihn wenden. Also rief ich ihn an und er sagte zu Gut, kommen Sie nach Wien.
Very, very eager to see him. So I called him up and Victor Franco told me.
Ich flog also nach Wien und wartete im Hotel bei der Staatsoper auf seinen Rückruf. Er rief mich an und bat mich, zu ihm in die Marianengasse zu kommen.
He called me up and he told me, Doctor Nangata, you come to Mariana Gaze.
1.
Viktor Frankl, 1905 in Wien geboren, hat bis zu seinem Tod 52 Jahre lang in der Marianengasse gelebt. Patienten, Studenten, Ärzte, Filmemacher und Prominenz aus aller Welt sind hierher ins Mekka der Logotherapie gekommen. Die Wohnung ist übrigens so geblieben wie zu Frankls Lebzeiten, als er Professor für Neurologie, Psychiatrie und Logotherapie an den Universitäten Wien, San Diego, Pittsburgh, Dallas Und Harvard war 32 Bücher hat er geschrieben, übersetzt in 28 Sprachen.
Hier ist alles voll mit mit Orden und Auszeichnungen und Erddoktorate. Darf ich eines erwähnen? All das hat ihn natürlich gefreut. Worauf er aber stolz war, war eigentlich nur das hier, Soloflight.
In Kalifornien.
Auf das war er sehr stolz. Was ist hier noch zu sehen? Hier auf dieser Seite sind die Dissertationen. Bis jetzt, was ich weiß, sind ungefähr 300 Dissertationen überfrank.
Also im Archiv sind weit über 1000 Titel, sind Audiokassetten, sind Videokassetten, teilweise aus Urzeiten der Videotechnik, ganz dicke, große, schwere Videoformate, die es inzwischen gar nicht mehr gibt. Und er hat diese Dinge gesammelt in einem Zimmer, das Archivzimmer, teilweise geordnet, teilweise auch wieder sehr chaotisch. Und ich habe es als meine Aufgabe gesehen, da Ordnung reinzubringen.
Hat Ihnen Ihr Großvater irgendeinen, ich sage jetzt einmal, einen Kernsatz für Ihre Ausbildung und für Ihre Arbeit zur Verfügung gestellt?
Eigentlich nicht. Eigentlich nicht. Also ich werde oft hat er irgendwas gesagt, irgendein Motto, ein Lebensmotto dir gegeben, das hat er nicht getan, so war er nicht. Auch in der Logotherapie sieht man das. Es gibt keine fertige Antwort, die man jemandem aufdrückt, sondern ich glaube sein Motto so zu leben, dass er ein Vorbild war.
Wir leben heute, wie ich Ihnen schon am Anfang auseinandergesetzt habe, in einer Zeit einer pervasiven, einer weltumspannenden, in der ganzen Welt zu beobachtenden Sinnlosigkeitsgefühl, Also ein Mangel an Defizit von Sinnbewusstsein, könnte man sagen. Und dieses Sinn Defizit führt die Menschen oder verführt die Menschen dazu, dass sie anstelle den Sinn anzustreben, der sich nicht darbietet. Sie finden keinen Sinn. Es ist kein Sinn in Sicht für die meisten Menschen, kann man ruhig sagen. Daraufhin resignieren sie. Und ich habe Ihnen schon in einer anderen Vorlesung erklärt, Sie werden sicher daran erinnern, dass Lust nicht angepeilt, nicht angestrebt, nicht direkt intendiert werden kann, dass die ganze Sexualpathologie dies beweist. Es ist mit anderen Worten, die direkte Intention der Lust ist kontraproduktiv. Nun, wo ist hier in diesem Schema die Macht nun zu lokalisieren? Ich würde sagen, hier auf dem Wege zum Sinn, zur Sinnrealisierung ist eine gewisse Macht eine Voraussetzung insofern, als sie ein Mittel zum Zweck ist der Wille zur Lust und der Wille zur Macht sind nur Projektionen des Ursprünglichen in der humanen Dimension, in der Dimension der spezifisch humanen Phänomene zu lokalisierenden und dort beheimateten Willens zum Sinn. Der Wille zum Sinn ist also das Ursprüngliche. Und diese Projektionen, die sind nur Abkömmlinge. Martin Heidegger würde sagen, Derivate des ursprünglichen Anliegens eines Menschen, nämlich den Willen zum Sinn.
Während der gesamten Menschheitsgeschichte haben Schamanen, Priester, Mystiker, Psychiater und Psychologen Versuch zu erklären, wie man Leben und Leiden am besten lebt und wie man darüber hinausgehen kann. Frankl hat zu diesem Thema in seiner Logotherapie das Bekenntnis zum unbedingten Menschen abgelegt, zu einem trotzdem, ja in jeder Lebenssituation mag sie noch so ausweglos erscheinen. Er nannte das gern auch seine Höhenpsychologie.
Ich war ja eine Zeit lang Kletterführer. Das das Klettern ein Sport ist, bei dem es keine Rivalen gibt, außer man selbst. Man rivalisiert nur mit sich selbst. Man will wissen, wer stärker ist. Man selbst in einer früheren oder späteren Phase. Man konkurriert mit sich selbst. Wenn Sie mich aber fragen, wie ich überhaupt zum Klettern gekommen bin, dann kann ich Ihnen das sehr leicht erklären, ohne mich selber viel auf die Couch legen zu müssen. Der Grund war der, dass ich Angst gehabt hab vor dem Klettern und ich stehe nun auf dem Standpunkt, und diesen Standpunkt erkläre ich oft meinen Patienten, dass man sich ja nicht alles von sich selber gefallen lassen muss. Man kann ja der Angst auch trotzen. Wo steht geschrieben, dass man nur ohne Angst etwas tun soll? Wer sagt einem denn, dass man nicht mit der Angst, dass man nicht trotz der Angst etwas tun kann und vielleicht auch tun soll? Das ist das Wesentliche. Ich nenne das die Trotzmacht des Geistes, Dir Frankls Hausberg.
Bis in die letzten Jahre hat er hier an Büchern und Vorträgen gearbeitet. Wie steht es denn mit der Rolle der Nachfolger?
Ja, es gibt in aller Welt Nachfolger in dem Sinne, dass sie die Logotherapie im wahren Geiste der Logotherapie vertreten und verbreiten. Und das ist der Fall in allen fünf Erdteilen. Da gibt es Logotherapy Institutes, da gibt es Viktor Frankl Foundations oder wie immer die sich nennen. Und auf das kann ich mich verlassen. Die tragen die Fackel weiter, wenn ich das pathetisch ausdrücken darf.
Mit 65 fragt er sich, wovor er noch Angst haben könnte und er macht den Flugschein.
Getting oneself eyes are self transcendent as well itself, except for a mirroring process or anything within himself.
In den ersten Jahrzehnten war die Logotherapie zweifellos in Wien und überhaupt in Österreich nicht durchgehend willkommen. Es ist wohl für die etablierten Schulen nicht so ganz leicht, eine neue, dritte große tiefenpsychologische Strömung als gleichwertigen Partner zu akzeptieren. Nun wird sie sehr stark gefördert. Prof. Kaspar an der Psychiatrie hält Lehrveranstaltungen über Logotherapie, aber der eigentliche Wunsch einen Lehrstuhl, ein Institut, das universitär schwerpunktmäßig im authentischen Sinn diese Gedanken verfolgt und auch weiterentwickelt. Auf das warten wir eigentlich noch immer.
Nun ist die Logotherapie in Amerika und in Asien, vor allem in Japan, ganz groß da. Nun, das ist eine alte Geschichte. Man importiert gern oder reimportiert gerne in Europa die Dinge aus Amerika. Er ist auch in Südamerika zum Beispiel ganz bekannt, also in Südamerika schon vor Jahren war die Logotherapie Pflichtfach an den katholischen Universitäten, in Argentinien, in Brasilien für Ärzte an der medizinischen Fakultät. Pflichtfach könnte man sich hier noch gar nicht vorstellen.
Ich denke, gerade das ist die Chance, die die Logotherapie hier beinhaltet, dass sie eben aufzeigt, dass die Sinnsuche etwas ist, das der Mensch immer stärker auch selbst in Angriff nehmen mus Die Welt selber wird keine so vorgegebenen Sinnstrukturen mehr anbieten, wie es vielleicht die früheren Kulturen oder auch Gesellschaften getan haben.
Im Jahr 2000 schwere Anschuldigungen eines Historikers aus den USA, der dem Arzt Frankl vorwirft, er habe Selbstmörder gegen ihren Willen ins Leben zurückgeholt, gewissermaßen gerettet für das spätere KZ. Frankl war zu dieser Zeit von 1940 bis 42 Chef der Neurologie am Wiener jüdischen Rothschild Spital und stand unter Deportationsschutz. Dazu zwei erste vorläufige Stellungnahmen.
Wenn dieser Mann sich als Wissenschaftler ausgibt, würde man annehmen, dass er einen Brief geschrieben hätte, angefragt hätte wie war das, Herr Frankl, was haben Sie getan? Das war nicht die Polyklinik, sondern das war im Rothschild Spital. Aber das ist nie gekommen. Und ich habe auch gehört, dass dieser Herr in Wien war, als Viktor Frankl noch gelebt hat, als er noch gelebt hat. Aber ich hab nie ein Wort von ihm gehört und kaum war mein Mann tot, ist er mit diesen Anschuldigungen herausgekommen. Ich will darauf gar nicht reagieren, wenn ich reagiere. Nicht, dass ich mich so wichtig fühle, aber ich mache irgendwie Propaganda für diesen Mann und das ist er mir irgendwie nicht wert. Aber viele Freunde, viele Psychologen, Psychiater haben darauf reagiert, und zwar blendend reagiert, und das genügt mir eigentlich.
Ich war konsterniert, als ich vor einer Weile zum ersten Mal die Publikationen von Bütel zu Gesicht bekam und habe mich vor allem Warum richtet er diese Fragen an uns und hat nicht die Möglichkeit genützt, Viktor Frankl selbst zu fragen? Es ist bei näherer Durchsicht nicht zu verkennen, dass sehr viel Emotion in all diesen Arbeiten steckt. Und ich denke, dass Bütel zu der gar nicht kleinen Zahl von Personen zu zählen ist, die Viktor Frankl übel genommen haben, dass er die Kollektivschuld in Abrede gestellt hat. Für uns ist gerade diese Haltung folgerichtig und konsequent.
Ein Auszug aus der viel diskutierten Rede Am Wiener Rathausplatz 1988 Es spricht nun Prof. Dr. Viktor Emil Frankl, Begründer der Logotherapie und der Existenzanalyse, Autor von mehr als 30 wissenschaftlichen Büchern, die in vielen Sprachen in mehr als 20 Millionen Exemplaren auf der ganzen Welt verbreitet sind.
Ich hoffe auf Ihr Verständnis. Wenn ich Sie jetzt bitten muss, zu dieser Stunde des Gedenkens gemeinsam mit mir zu gedenken, meines Vaters, der im Lager Theresienstadt zugrunde gegangen ist, meines Bruders, der im Lager Auschwitz umgekommen ist, meiner Mutter, die im selben Lager in der Gaskammer ums Leben gekommen ist, und meiner ersten Frau, die im Lager Bergen-Belsen ihr junges Leben. Hat lassen muss. Ich bitte Sie aber darum, von mir nicht zu erwarten, auch nur ein einziges Wort des Hasses. Wen sollte ich auch hassen? Ich kannte ja nur die Opfer, aber ich kenne nicht die Täter. Zumindest kenne ich die Täter nicht persönlich. Und jemanden nicht persönlich, sondern kollektiv schuldig zu sprechen, lehne ich strikte ab. Es gibt keine Kollektivschuld. Und glauben Sie mir, ich sage das nicht erst heute, sondern ich habe das vom ersten Tag an gesagt, an dem ich aus meinem letzten Konzentrationslager befreit wurde.
Wieder in Japan. An der Universität in Hammermatsu geht der Logotherapiekongress weiter mit Studenten, Ärzten, und Krankenhauspersonal. Frankls Logotherapie wird hier besonders, wie auch in Amerika, begleitend bei Krebspatienten eingesetzt.
Wenn Sie also bei einem jungen Mann nicht erkennen, dass er den Willen zum Sinn hat, dann verschlimmern sie seinen Zustand und steigern seine Frustration. Und wie ist es mit der Selbstverwirklichung? Sicherlich eine sehr gute Sache. Letztendlich aber gibt es sie nur durch Selbsttranszendenz. Die Anständigen sind und bleiben eine Minderheit in unserer Gesellschaft. Aber ist das nicht genau die Herausforderung für jeden von uns, dieser Minderheit anzugehören und unser Bestes zu geben.
Die Immunlage eines Menschen, das heißt die Fähigkeit Widerstand zu leisten gegenüber einer Infektion, ist abhängig in weitestem Maße von der Affektlage, das heißt von seinem Gemütszustand. Und der Gemütszustand wiederum ist in weitestem Maße abhängig von der Motivation. Und die Motivation ist die optimale, wenn dieser Mensch eine Beziehung hat zu einem Sinn, zu einer Aufgabe, die er in der Zukunft zu erfüllen hat.
Die Patienten haben viele Probleme, biologische, psychologische, soziale, vor allem aber ein existenzielles Problem. Deshalb arbeite ich mit Logotherapie. Die Patienten sind oft physisch stark geschwächt und brauchen eine unterstützende Behandlung. Leider bietet die moderne westliche Medizin nicht sehr viel, um die Konstitution solcher Patienten zu stärken. In unserer orientalischen Medizin haben wir dagegen sehr viele Möglichkeiten. Wir verwenden deshalb unsere traditionelle Medizin wie etwa Akupunktur, Massage und Heilbäder als Basis und arbeiten mit Logotherapie.
Frankls Vermächtnis noch einmal und in einfachen Der Mensch muss wieder Hingabe lernen an sinnvolle Aufgaben des Lebens, Hingabe und Liebe für andere. Und selbst im Leiden muss er lernen, sich selbst zu vergessen, das Ego zu transzendieren.
By the Nineteen Seventies. The nineteen Eighties.
In den Er und Er Jahren wurde den Japanern nicht mehr alles vom Kaiser oder vom Konzern diktiert, und sie standen vor der Frage nach dem Sinn. Wo aber findet man den Sinn? In sich selbst, in der Religion, in der Tradition? In den letzten 10 20 Jahren sind die Japaner sehr bemüht, den Sinn des Lebens für sich zu begreifen.
Sonntag für Sonntag. In Tokio das gleiche kostümierte Jugendliche im Protest gegen die immer noch streng hierarchischen Lebensregeln und im Protest gegen einen Konsum waren, der trotz massiver Rezession für viele zum einzigen Lebenssinn geworden ist.
1993 kamen Dr. Viktor Frankl und Eli Frankl nach Japan und hielten einen Vortrag vor den Ärzten unserer Gesellschaft für Logotherapie. Es war eine sehr eindrucksvolle Veranstaltung, weil über 1000 Mediziner dafür zusammenkamen. Und ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie sehr alle von Prof. Frankls Vortrag beeindruckt und mitgerissen waren.
Jetzt tragische Trias besteht aus, also die Leidensmöglichkeiten besteht aus Leid im engeren Wortsinn, zweitens Tod und drittens Schuld. Es gibt keine Menschen, dem Leid erspart wird, früher oder später. Es gibt keinen Menschen, der unsterblich ist, der nicht mit dem Tod begegnet. Und es gibt keinen Menschen, der es vermeiden kann, irgendwann einmal oder immer wieder schuldig zu werden.
So oder so Frankl, der Arzt und Philosoph, überlebt vier Konzentrationslager und wird schließlich in der Nähe von München befreit. Die Leiden, die er erfahren hat, setzen den Schwerpunkt in seiner Logotherapie. Sinnfindung und Sinnerfüllung sind selbst in schwerstem Leid noch möglich.
Hier ist die Stelle, kann man ruhig sagen, wo ich im Jahr 1945 eine Stunde Null erlebt habe. Ich war am 27. April 1945 aus meinem letzten Konzentrationslager in Kaufering, etwa 40 Kilometer entfernt, fern von München, befreit worden von texanischen Truppen und habe dann hier in München ein paar Wochen warten müssen, bis ich auf halbwegs legalem Wege nach Wien zurückkehren konnte. Und ich erinnere mich, dass ich das Gefühl hatte, jetzt ist ein großes Ende qualvoller Jahre, aber zugleich ein großer Anfang von etwas, das kaum vorhersehbar war. Denn wenn ich daran gedacht habe, was mich in Wien, sobald ich zurückkommen kann, erwartet, hat mich natürlich eine gewisse Beklemmung erfasst. Ich wusste ja nicht, wer überhaupt auf mich noch warten wird. Und es hat tatsächlich niemand auf mich gewartet. Und ich habe ein Gefühl gehabt, entweder angesichts dieser Umstände geht man hin und nimmt einen Strick und hängt sich auf, oder aber es gibt irgendwelche Ressourcen in einem, die einen davon abhalten. Und das war mein bedingungsloser Glaube an einen letzten Sinn, der uns zwar verborgen sein mag, aber Er ist da.
1946 diktiert er in neun Tagen sein KZ Buch trotzdem ja zum Leben sagen Ein Buch mit wechselvollem Schicksal. Dieses Buch ist ein Bestseller par excellence inzwischen. Sie haben eine Auflagenhöhe von 9 Millionen Exemplaren allein in Amerika. Wie fühlt man sich als Bestsellerautor?
Mein Gott, zumindest im Sinne einer Kontrastwirkung fühlt man sich da sehr wohl, aber man denkt halt daran, wie es einmal früher war. Sie dürfen nicht vergessen, dass dieses Buch eine Zweitauflage erlebt hat im Jahre 1946 und die ist liegen geblieben.
Das war hier in Wien.
Das war hier in Wien beim Verlag Judentum Volk ist sie liegen. Geblieben. Und dann hat der Verlag angefragt, ob ich vielleicht selber kaufen möchte zu einem ermäßigten Preis ein paar Exemplare. Ich hab gesagt, gut, Geben Sie mal 100 Exemplare, ich habe die bezahlt und dann ist das Buch eingestampft worden, die ganze Auflage eingestampft worden.
Wissen Sie noch ungefähr, wie hoch diese Auflage war damals?
Die auflage war damals 3000 im allgemeinen ist eingestampft worden, aber später hat sich eben alles geändert.
Heute mit einer Auflage von 9 Millionen zählt es laut Library of Congress in Washington zu den zehn einflussreichsten Büchern in Amerika.
Für meine Studenten, die die Einführung in die Psychologie machen, ist das Buch Pflichtlektüre und ich lasse immer Arbeiten darüber schreiben. In praktisch allen Aufsätzen heißt es, so etwas habe ich noch nie gelesen. Jetzt hinterfrage ich meine Werte und meine Lebensanschauung. Ich will nicht, dass mein Leben nutzlos ist. Ich will, dass mein Leben einen Wert hat, auch für andere Menschen.
Die Poliklinik in Wien, seit Jahren steht sie leer, nun soll sie verkauft werden. Von 1946 25 Jahre lang war Frankl Vorstand der Neurologie und mit seinen Vorlesungen hat er von hier aus der Logotherapie Weltgeltung verschafft.
In den USA gibt es eine sehr große Bewegung, den Menschen wieder als spirituelles, eigenverantwortliches Wesen zu begreifen. An den medizinischen Fakultäten werden mehr als je zuvor sie Seminare über Spiritualität und Heilung veranstaltet. Darüber hat Viktor Frankl bereits vor Jahrzehnten geschrieben. Jetzt, wo sich viele Gesellschaften auf der Welt mit dem Sinn des Menschseins auseinandersetzen, ist offenbar die Zeit reif für die Logotherapie. Das ist der Hörsaal in der Wiener Poliklinik, wo Viktor Frankl 25 Jahre lang zweimal. In der Woche Vorlesungen hielt, einmal auf Deutsch und dann auch auf Englisch für internationales Publikum. Es war eine Einführung in die Geschichte der Psychotherapie und mündete in die Logotherapie.
Eli Frankl arbeitete 1946 im Zahnambulatorium.
Es war wirklich ein Zufall, dass ich ihn kennengelernt habe. Ich hab absolut nichts gewusst von ihm. Wir haben einen frisch operierten Patienten gehabt und kein Bett für diesen Patienten. Und da hat es geheißen, der Frankl hat möglicherweise ein freies Bett. Irgendeine Schwester oder eine Angststätte soll zu ihm gehen und ihn bitten um ein Bett. Aber er hat einen nicht guten Ruf gehabt im Hergeben von Betten. Und ich habe ihn nicht gekannt, dachte versuch's, mein Gott, was kann passieren? Und geh hinunter. Und er hat gerade die Visite gemacht, Ich stopp ihn und seinen Assistenten und so weiter, frage um das Bett und er steht vor mir und schaut mich an und gibt mir keine Antwort. Und er war eigentlich der erste Psychiater, den ich so von Angesicht zu Angesicht kennengelernt habe. Und ich habe das zurückgeführt, dachte mir, das ist so typisch Psychiater. Ein bisschen einen Huscher hat. Dabei hat er sich sichtlich sofort in mich verliebt.
Ich habe mich daraufhin umgedreht, als Sie gegangen war zu meinem Oberarzt und sagen Sie, haben Sie diese Augen gesehen? Wörtlich. Das ist verbürgt.
Auch Don Klingberg erzählt von dieser Ehe im neuen Buch. Es war eine temperamentvolle Beziehung bis zuletzt. Viktor und Elli, Sie waren ein bemerkenswertes Team. Es war doch einmal die Rede von einem Franke Museum. Wie weit ist denn diese Geschichte gediehen?
Um das einmal so zu fragen in Wien, meinen Sie? Also bis jetzt habe ich noch nichts gehört. Es ist jetzt diese Frankl Stiftung. Der Frankl Preis wird jetzt auf zehn Jahre jährlich vergeben, Aber mit dem Frankl Museum habe ich bis jetzt noch nichts gehört. Ich habe es immer so ein bisschen immer noch im Hinterkopf und was immer ich tu, denke, das musst du so machen, wenn es ein Museum ist, damit die Leute wissen, wo das hingehört und was das ist. Aber ob es jemals ein Museum wird, das weiß ich nicht. Obwohl wir die Chance gehabt hätten. Amerika wollte ein Haus bauen, wenn sie den Nachlass von Frankl bekommen hätte können, für viel Geld, hätten wir es verkaufen können. Und Viktor hat immer Du, ich bin Wiener, mit Leib und Seele war der Wiener. Und es soll hier in Wien, wenn.
Wir den Menschen so nehmen, wie er ist, also hier sehen, auf seinem wirklichen realistischen Niveau. Wenn wir den Menschen so nehmen, wie er ist, dann machen wir ihn schlechter, dann korrumpieren wir ihn. Wenn wir den Menschen aber so sehen, wie er nicht ist, sondern sein soll, dann bringen wir ihn so weit wenigstens, wie er sein kann. Wenn wir den Menschen so nehmen, wie er ist, dann machen wir ihn schlecht. Wenn wir ihn aber so nehmen, wie er sein soll, dann machen wir aus ihm das, was er werden kann. Den Menschen eingeboren ist, was ich nenne, der Wille zum Siegen. Nun gibt es aber darüber hinaus auch einen Willen oder ein Bedürfnis, einen letzten Sinn zu sehen. Gott ist der Partner unserer intimsten Selbstgespräche. Das heiß Wann immer wir in letzter Einsamkeit, in letzter Ehrlichkeit, in letzter Offenheit mit uns selbst sprechen, kann man füglich sagen, dass der Partner, an dem wir uns adressieren, an den wir uns dabei wenden, dieser Partner kann Gott genannt werden.
Haben Sie eigentlich selber Angst vorm Sterben?
Eigentlich nicht. Wirklich Angst hätte ich, könnte ich nur haben vor einem nicht gelebt haben. Das heißt, wenn ich nicht im Großen und Ganzen nicht die Möglichkeiten, etwas Richtiges oder Wichtiges getan zu haben, wenn ich das nicht ausgeschöpft hätte, dann würde ich vielleicht nicht Angst haben, aber tief traurig sein, aber nicht mehr sagen kann im Großen und Ganzen habe ich das meinige getan. Etwas Schöneres gibt es nicht als dieses Bewusstsein.










