#12 Jörg Müller – über Profi-Tennis und seinen amerikanischen Traum

Jörg Müller played professional tennis briefly in the late 1990s before becoming a dental technician. He moved to Florida in 1999, then built Ästhetik Press into a system that trains new technicians in four weeks instead of two years by standardizing wax models, pellet colors, and a custom shade guide.
Chapters
USA war immer so mein Traum gewesen. Das kommt ja wieder jetzt aus dem Tennisleben, muss ich zurückgreifen. Ich hatte 1989 ein Turnier gespielt in Palm Springs und das hat mir so dermaßen gut gefallen da in Kalifornien. Mensch, hier willst du irgendwann mal leben, das ist so toll. Ja, das heißt, wie ich die Zahnmorphologie modelliere, ob es jetzt die Okklusion ist im Frontzahnbereich oder Frontzähne, das ist Das ist der einzige Punkt, wo ich mich unterscheiden kann. Es ist die Ästhetik der Arbeit, die dann den wesentlichen Unterschied macht. So, und wenn man die, und das war mein Gedanke oder mein Wunsch, wenn ich die Qualität auf das Niveau bringen kann, was ich gelernt habe, sei es jetzt von Jan Langner oder von Claude Siever, von dem ich sehr, sehr viel gelernt habe, eben auch in der Frontzahnkeramik. Wenn ich das, was ich da gelernt habe, in ein Konzept bringen kann, das man relativ schnell jemandem beibringen kann, Das war der springende Punkt.
Herzlich willkommen zu Dental Lab Inside, dem Zahntechnik-Podcast mit der Leidenschaft fürs Handwerk, mit Dan Kramer. Dan ist studierter Zahntechniker und langjähriger Fachjournalist. Seine Gäste sind Zahntechnikerinnen und Zahntechniker, die bei ihm erzählen, warum sie für ihren Beruf brennen, was sie inspiriert und was sie anders machen. Lasst euch anstecken.
Hallo und herzlich willkommen zu Dental Lab Insights. Ich bin Dan Krammer und spreche in jeder Folge mit einer Zahntechnikerin oder einem Zahntechniker über deren Herausforderungen, mutige Entscheidungen und die Liebe zum Handwerk und Beruf. Heute ist Jörg Müller bei mir zu Gast. Jörg ist Zahntechnikermeister, Inhaber einer Dentalfirma, ehemaliger Tennisprofi und chattet ständig zwischen den USA und Deutschland hin und her. Das klingt ein wenig verrückt, Und sein Werdegang ist auch verrückt, da er schon mit den namhaftesten Zahntechnikern zusammengearbeitet und sich vom Laborbetreiber zum Produktentwickler und dann zum Dentalunternehmer gemausert hat. Heute betreibt er die Ästhetik Press GmbH, die ihren Sitz in Düsseldorf, aber auch eine Dependance in den Vereinigten Staaten hat, genauer in Palm Harbor in Florida. Und dann war da ja auch noch diese vielversprechende Karriere als Tennisprofi. Was es damit auf sich hat und wieso Jörg Müller auf einen derart bewegten dentalen Werdegang zurückblicken kann, Darüber möchte ich heute mit ihm sprechen. Seid gespannt. Hallo lieber Jörg, ich begrüße dich ganz herzlich zu meiner heutigen Folge. Jörg, man erzählt sich, dass du mal ein talentierter Tennisspieler warst. Stimmt das?
Hallo lieber Dan, ich begrüße dich auch. Hallo an alle Zuhörer, an die Zahntechniker-Kollegen und Kolleginnen. Ja, du sprichst das Thema Tennis an, was sicherlich in meinem Leben einen großen großen Wert und großen Einfluss hatte. Das stimmt, ich hatte als Junior mal die Gelegenheit gehabt, in der deutschen Nationalmannschaft, in der Jugendnationalmannschaft zu spielen, dann auch bei den Europameisterschaften fürs Team mit dabei sein zu dürfen und auch aktiv mitzuwirken. Das war eine tolle Erfahrung damals. Wir hatten damals, waren meine Kollegen die, die gewesen, die dann später im Herrentennis dann auch Davis Cup Spieler waren. Also das waren schon tolle Zeiten.
Okay, kannst du dann Namen nennen? Schon.
Also wir hatten damals in Italien in der Endrunde gespielt, und da waren dabei Patrick Kühnen, da war Charlie Steeb dabei. Der Boris Becker war schon ein bisschen weiter voraus, der hatte andere größere Herrenturniere gespielt. Von daher war nicht mehr in diesem Team dabei, obwohl altersmäßig hätte es natürlich gepackt, weil er Jahrgang 67, ich bin 66, und ja, es war sehr beeindruckend damals, hat sehr viel Spaß gemacht.
Total crazy. Also das heißt, du bist ja, warst ganz nah dran, aber hast dich dann doch irgendwie nicht für die Tennisspielerkarriere entschieden, denn du lebst und arbeitest in Düsseldorf und Florida, USA. Ich muss auch dazu sagen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, dass wir jetzt im Moment gerade diesen Podcast aufnehmen. Und ich glaube, das ist die weiteste Distanz, die ich jemals zu einem meiner Gesprächspartner hatte, nämlich Jörg Müller sitzt gerade in Florida. Also wir haben hier eine Zeitverschiebung von 6 Stunden. Und ja, es ist doch immer wieder faszinierend zu erleben, dass die Welt zusammenwächst, zumindest mal was die Medien anbetrifft. Denn ich bin total überrascht, wie klar und deutlich er heute hier vor mir ist, als würde er direkt neben mir sitzen.
Ja, das stimmt, die Welt ist zusammengewachsen, das ist korrekt. Aber noch eins zu der Tenniskarriere von damals: Ich hatte zuerst dann die Ausbildung gemacht und bin dann nach der Ausbildung 10 Monate nach Düsseldorf gegangen, hatte dort gearbeitet in einem Dental-Labor bei Ernst Deutmann. Und danach, oder während dieser Zeit, hatte ich immer noch sehr, sehr gut gespielt. Und dann hat es mir natürlich in den Fingern gekribbelt. Und eben als ich dann gesehen habe, dass alle meine Kollegen von früher dann Davis Cup spielten, hat es mich dann doch gejuckt. Geguckt und mich dann die Frage gestellt, was wäre wenn, und dann habe ich mich entschlossen, dann doch eine Profikarriere einzuschlagen und habe dann von 1988 bis 1990 auf der ATP-Tour gespielt.
Im Ernst?
Ja.
Okay, und was ist dabei für dich rausgesprungen?
Im Herrensektor war ich auf 515 im Einzel, 410 im Doppel, das ist so die Hälfte der Rangliste, die ging damals bis 1200. Also man hatte dann noch die halbe Welt vor sich und die andere Hälfte war dann schon hinter einem. Ja, es waren sehr interessante und erfahrungsreiche 3 Jahre gewesen. Ich hatte mir auch dieses Zeitziel gesetzt. Ich werde es 3 Jahre probieren, mal gucken, wie weit ich denn komme. Und dann muss man halt mal schauen. Und wenn es dann nicht geht, dann hatte ich ja meine Ausbildung schon abgeschlossen und konnte dann direkt nahtlos wieder zurück in den Beruf. Also von daher war das Risiko begrenzt gewesen.
Du hattest quasi ein Backup, einen Plan B. Ja, und aber auch verrückt, wenn ich mir das jetzt so vorstelle, dass man dann vorm Fernseher sitzt, dann Tennisspielern zuschaut und dann ja gar nichts mitbekommt von dieser Geschichte, dass jetzt zum Beispiel da einer auf dem Platz steht und kämpft und dann aber auch eine abgeschlossene Ausbildung als Zahntechniker zum Beispiel hat. Das ist ja auch super, super faszinierend und spannend.
Ja, es ist eher selten. Was dann noch seltener war, war ja Michael Stich, mit dem ich auch mal gespielt hatte, Anfang der 90er oder Ende der 80er. Der hatte ja auch erst Abitur gemacht. Das war aber sicherlich einer der seltenen Profis, die nachher wirklich sehr, sehr gut geworden sind mit einer abgeschlossenen Berufs-, also Schulausbildung, ja, Schulausbildung, genau. Das waren die wenigsten. Die meisten sind dann nach der mittleren Reife oder so sind sie schon gleich ins Profilager übersprungen.
Genau, das soll jetzt nicht despektierlich klingen. Mittlere Reife ist ja auch ein abgeschlossener Schulabschluss. Aber Michael Stich hat dann den höchsten zu erreichenden Abschluss erst mal gemacht, um dann sich dem Tennisspielen zu widmen.
Man nimmt sich ja auch einfach die Zeit. Die meisten sind halt eben im Jugendsektor schon sehr, sehr gut und möchten dann natürlich dann auch unmittelbar gleich weiterspielen, um dann nicht unnötig Zeit zu verlieren. Daher ist der Weg normalerweise dann relativ schnell ins Profilager zu wechseln.
Okay, was würdest du sagen, ist so die wichtigste Herausforderung oder die wichtigste Voraussetzung, die so ein Tennisspieler, die man als Tennisspieler mitbringen muss?
Ja, man muss einmal einen unbändigen Willen haben, nicht aufzugeben. Das ist also ganz wichtig, weil es ist wie im normalen Leben, man hat Ups and Downs, man erlebt seine Niederlagen, man hat seine Turnierserie, wo man vielleicht öfters mal früher schon mal rausfliegt, und man muss dann eben nicht den Glauben verlieren. Man muss dann immer schon mal dran dranbleiben, an seinem Traum weiterarbeiten und dann eben nächste Woche wieder neu zu starten und wieder positiv zu sein. Weil ohne diese Denkweise wird man da nicht weiterkommen. Man muss also immer einen positiven Ausblick haben, um auch dann in den nächsten Matches zu bestehen und dann, wenn es eng wird, dann den Glauben nicht verlieren und dann weitermachen zu können.
Ja, also eigentlich wirklich perfekte Voraussetzung auch für den Beruf des Zahntechnikers, wenn ich das mal so sagen darf. Da muss man ja viel einstecken und Ups und Downs und fragt sich sehr oft, warum tue ich mir das jetzt hier an und quäle mich so. Also von dem her glaube ich, keine schlechten Zusatzqualifikationen, die du da mitbringst.
Ja, sagen wir mal so, es ist halt wie im normalen Leben, da gibt es Höhen und Tiefen, die jeder durchmacht, und dann ist es eben hilfreich, wenn man dann auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, wo man genau weiß, meine Güte, aus dem Loch bin ich vorher auch schon mal rausgekommen, also geht es jetzt dann auch weiter. Also von daher ist das Leben, ist ja ist ja nicht nur einmal so eine Einbahnstraße, wo alles perfekt läuft, sondern man hat schon seine Herausforderung, wo man sich dann durchbeißen muss.
Ja, und was würdest du sagen, waren jetzt so deine technischen Skills als Tennisspieler? Warst du so ein krasser Linkshänder oder so ein Rückhand-Ass oder Aufschlag-Killer?
Linkshänder stimmt, Aufschlag war meine stärkste Waffe, das ist richtig. Mein Spiel war Serve and Volley, und von daher war ich also lieber auf schnellen Plätzen unterwegs als auf der guten deutschen Asche, weil die ja schon sehr langsam ist. French, ja. Ja, ja. Und ja, das Surf'n'Volley-Spiel war mein Favorit.
Cool. Jetzt habe ich vorhin schon so ein bisschen vorgegriffen und gesagt, ja, du lebst und arbeitest in Düsseldorf und Florida, USA. Was hat es mit diesem Jetset-Leben auf sich?
Ja, USA war immer so mein Traum gewesen. Das kommt ja wieder jetzt aus dem Tennisleben, muss ich zurückgreifen. Ich hatte 1989 ein Turnier gespielt in Palm Springs, Und es hat mir so dermaßen gut gefallen da in Kalifornien. Mensch, hier willst du irgendwann mal leben. Das ist so toll. Das Wetter war prima, die Palmen, die Freundlichkeit der Leute und die Aufgeschlossenheit, die Hilfsbereitschaft, die mir damals besonders aufgefallen ist. Und das war so überwältigend. Wow, hier möchte ich irgendwann mal leben, weil kurz zuvor hatte ich im deutschen Wintersatellite gespielt und da war halt eben Winter, eiskalt, nass, Schnee und so. Und dann kommt man in die kalifornische Sonne und da war natürlich der Unterschied war so krass, dass dann dieser Wunsch kam, sich dann irgendwann mal da niederzulassen. Und 10 Jahre später ist dieser Traum dann umgesetzt worden. Ich bin dann 1999 ausgewandert nach Kalifornien.
Also nach deinen Tennisaktivitäten? Ja, ja, als, als wieder als Zahntechniker. Richtig. Okay, okay, verrückt. Ja, wahrscheinlich auch, wenn ich mir das vorstelle, winterkalt, Deutschland, Asche, also nasse Asche, und wahrscheinlich in Kalifornien, ich weiß nicht, spielen die da auch auf Rasen oder sind das nur die Verrückten?
Nö, da gibt es in Kalifornien hauptsächlich Hardcore, da gibt es auch Aschenplätze, gibt es auch. In USA gibt es ja mehr diese grüne Asche, aber man kann da schon überwiegend das ganze Jahr über Draußen spielen und jetzt in Florida sowieso.
Okay, jetzt sind wir schon 99 gelandet, aber ich lass mich bitte noch mal ein bisschen zurückgehen in der Zeitachse. Und zwar, du hast von 1990 bis 92 zum Beispiel bei Jan Langner gearbeitet, der ja eigentlich jedem ein Begriff sein müsste. Das ist sehr spannend, weil ich weiß, dass Jan Langner schwierig war und man da nicht so ohne Weiteres reingekommen ist. Wie war das damals? Wie kam das?
Ja, das war eine ganz interessante Geschichte, weil als ich damals vom Profi-Tennissport kam, war natürlich mein Gedanke, zu wem gehst du jetzt eigentlich in die Zahntechnik zurück? Ich muss natürlich erst mal, da ich ja 3 Jahre lang auf der Tour unterwegs war, wieder einiges an Wissen mir wieder aneignen oder nachholen oder aufholen. Und da sind mir eigentlich damals nur 2 eingefallen, die mir bekannt waren, bei denen ich anklopfen wollte an deren Tür. Ich anrufe anklopfen. Das war einmal Jan Langner gewesen in Schwäbisch Gmünd und es war der Heinz Polz gewesen in Nürnberg oder Fürth. Und ja, ich hatte dann einfach mal so locker flockig da unbeschwert angerufen bei dem Herrn Langner und der ging auch gleich ans Telefon. Das war verwunderlich, also dass man dann auch gleich durchkommt, weil oftmals kommt man ja gar nicht durch. Und wie es dann halt das Schicksal so wollte, hat er gemeint: Ja, Sie kommen gerade recht, weil bei mir ist gerade eine Stelle frei geworden. Und ich soll doch mal vorbeikommen. Ja, und dann war noch eine Frage gewesen von ihm, was ich denn zuletzt gemacht hatte. Ja, eigentlich dachte ich, war die letzten 3 Jahre Tennisprofi.
Dann hat er sich gedacht, der will mich verarschen.
Nein, nein, das fand er dann ganz gut, glaube ich.
Und ich glaube, er ist auch sportlich, ne?
Hat er mir später mal erzählt, was was ihm an dieser Antwort denn gefallen hat. Und dann hat er gemeint: Ja, kommst du einfach mal vorbei zum Gespräch oder zum Vorarbeiten? Und so war das dann. Und dann bin ich hin und war dann 2 Tage im Labor, habe da vorgearbeitet. Da hat er mir eine gute Aufgabe gegeben, eine Wachsmodellation zu kopieren. Und anscheinend hat es ihm gefallen und hat er mich gleich eingestellt.
Verrückt. Und das war aber nicht geprägt durch die Tennis-Antwort, sondern auch einfach jetzt wirklich aufgrund deiner deiner zahlentechnischen Fähigkeiten?
Also die Tennis-Antwort, glaube ich, was er mir damals gesagt hat, war gewesen, dass der Profisport ihm zeigen würde, dass man diszipliniert arbeitet und dass man also guten Willen hat. Das war so das Erste. Und das andere war, da ich ja etwas abseits war vom Job und nicht zu sehr eingefahren war, die Modulation, die ich gemacht habe, genau diesem Situationsmodell entsprechend und nicht eine vorgefertigte Form, die der eine oder andere Kollege vielleicht im Kopf hat, der dann eher so eine Standardform macht, sondern eben haarfein genau kopiert das, was ich da vorgelegt bekommen hatte. Und das war dann der auslösende Moment, weshalb ich die Stelle bekommen hatte.
Ja, cool. Das ist ja natürlich auch ein interessanter Aspekt, dass man ja dann doch irgendwann sich so seine seine Schablonen sozusagen im Kopf anlegt und dann halt so nach Schema gewisse Formen abruft. Und du warst quasi so unbildhaft, ja, richtig unbeschriebenes Blatt, frei im Kopf und hast dann einfach das gemacht, was die Aufgabe war, nämlich das Vorbild zu kopieren, was ja eigentlich Sinn und Zweck unserer—
Ja, er wollte, er wollte sehen, was ich sehe. Das hat er mir gesagt. Er wollte sehen, was ich sehe, wenn ich ein Situationsmodell bekomme. Inwieweit kann ich alle Details, die dort vorhanden sind, tatsächlich kopieren. Das war die Aufgabe.
Und wie war dann die Zeit, die 2 Jahre bei Jan Langner?
Die war super. Die war natürlich sehr hart auf der einen Seite, die war sehr lehrreich, und das war natürlich für mein weiteres Fortkommen in der Zahntechnik extrem prägend gewesen. Ich hatte ja vorhin auch noch erwähnt, die Möglichkeit, oder beim Heinz Polz. Da hatte ich auch vorgearbeitet und es war auch eine gute Möglichkeit, die ich da gehabt hätte. Nur habe ich dann mich für den Jan Langner entschieden, weil er mir den Arbeitsplatz angeboten hatte neben ihm. Ich konnte neben ihm sitzen und das war für mich der Ausschlag, wo ich gesagt habe, okay, dann fange ich hier an, weil dann konnte ich natürlich perfekt jeden Tag einmal so nach rechts schauen und konnte dann genau sehen, wie die Abläufe genau funktionieren, wie das Handling geht, wie die Instrumente angefasst werden, wie die Instrumente laufen, in welcher Geschwindigkeit die laufen, welcher Präzision da gearbeitet wird. Das ist ja, das war der alles entscheidende Punkt. Und das sind ganz, ganz wichtige Punkte, wenn man halt eben genau das alles so live mitbekommt.
Also das heißt, du warst auch nicht einfach nur auf der Suche nach einem zahntechnischen Job, sondern du warst auf der Suche nach richtig, richtig guter Weiterbildung, weil du wolltest vorankommen.
Oder?
Also ich meine, es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass man sich dann sagt, weil viele würden ja eher sagen: Oh Gott, am liebsten so weit weg wie möglich vom Chef, weil dann setze ich mich auch nicht seinen Argusaugen aus. Und du hattest aber Bock zu sagen: Ich will ganz nah bei ihm sein, ich will das alles aufsaugen, ich will das alles sehen, ich will das alles lernen.
Ja, das war der Unterschied zur Schule. Da saß man dann eher gerne in der letzten Reihe, möglichst weit weg vom Lehrer. Das stimmt. Aber das waren die Zeiten. Aber Als Handtächer war es dann etwas anders, weil da wird es dann ernst im Leben und da muss man halt eben schon Leistung bringen. Und ja, wie gesagt, das ist immer irgendwie so der Einfluss eben auch vom Profi-Tennis, der da so mit einfließt in die ganze Gedankenwelt, in die Denkweise und die Vorgehensweise der Dinge. Deshalb, wer war der Beste für mich in dem Land, zumindest den ich kannte, sagen wir es mal so, und das waren eben nur Jan Langner und damals der Herr Puls.
Ja, beide, beide Genannten waren ja auch so richtige Schmieden für hervorragende Namen, die dann da sich rausentwickelt haben. Also ich glaube, bei Jan Langner fällt mir jetzt sofort spontan ein Jock Lotz. Dann, ich glaube, der Hubert Schenk war auch bei Jan Langner.
Ja, ja, ja, richtig. Das waren die beiden, die zu der gleichen Zeit, da waren natürlich auch noch andere neben denen, aber das war der Hajo und der Hubert, Hubert Schenk und der Hajo.
Gerd Huys, glaube ich, auch noch.
Gerd Huys war auch noch da. Aus Augsburg. Zur gleichen Zeit, also es war eine schon relativ hohe Konzentration von erstklassigen Zahntechnikern, die dort arbeiteten, mit denen man sich natürlich auch ausgetauscht hatte und von denen man auch gelernt hatte. Das war ja unbezahlbar im Wesentlichen.
War auch so eine richtige zahntechnische Olympiamannschaft, so ein bisschen.
Ja, interessant. Das war auch ein gutes Team, weil die, da hatte keiner hinterm Berg gehalten. Arbeiten. Da hatte keiner ein Problem gehabt, seine Arbeiten zu zeigen oder wie man irgendwas macht. Das heißt, die Kenntnisse oder der Erfahrungsschatz von den ganzen Kollegen, ja, der stand einem offen. Und von daher war das natürlich toll. Es gab also noch mehrere Quellen neben dem Herrn Langner, von denen man halt eben sehr gut lernen konnte. Da war der Hajo Lotz, der war vorher Laborleiter gewesen beim Herrn Polz. Von daher war der super Spezialist von Okklusionslehre, von wunderschönen Zahnformen. Und ja, der Hubert war im Bereich Keramik ganz toll, wie man ja heute sieht, hat das ja da auch weitergeführt und macht da hervorragende Arbeiten als Referent.
Das stelle ich mir auch cool vor. Es muss eine tolle Zeit gewesen sein, eine intensive Zeit. Also ich denke mal, da wurde wahrscheinlich sehr, sehr viel über Zähne und Zahntechnik und solche Dinge gesprochen. Aber ich finde das, ich verbeuge mich vor so was, weil das ist natürlich, das hat einen ganz, ganz besonderen Spirit irgendwie. Das ist so ein richtiges, ja, da köchelt es.
Das war jetzt nicht so das normale Labor, sondern da war schon auch ein enormer Leistungsdruck gewesen, weil der Anspruch an die Arbeiten war natürlich entsprechend hoch. Und da musste man schon extrem an sich arbeiten, hohe Leistung bringen, dass die Arbeit nachher auch abgesegnet wurde und dann eben auch rausgeschickt worden ist. Also von daher, das war, das war letztendlich eine sehr prägende Zeit. Auf jeden Fall.
Ja, aber ich gehe jetzt mal davon aus, dass du den Jan Langner nicht enttäuscht hast. Nichtsdestotrotz bist du ja dann irgendwann vom Anwender zahntechnischer Produkte, also vom aktiven Zahntechniker zum Anbieter, also zur, wenn man so will, Dentalindustrie geworden. Ich gehe mal davon aus, dass es eben nicht passiert, weil du in Ungnade oder so was gefallen bist, sondern ja, erzähl doch mal, wie kam das? Wie hat sich denn das dann entwickelt?
Ich bin ja, wie vorhin schon erwähnt, 1999 dann ausgewandert nach Amerika, um beim persönlichen amerikanischen Traum zu folgen, das dann auch umzusetzen und es auszuprobieren, wie es denn ist, in Amerika zu leben und auch da zu arbeiten. Dieser Prozess, der fand über 3 Jahre statt, also dieser Findungsprozess: Möchte ich da wirklich hin und kann ich da bestehen? Weil ich hatte ja schon in Düsseldorf auch ein bestehendes Labor mit 6 Mitarbeitern, was was funktionierte und was gut ging Mitte der 90er. Und dann mal eben das Ganze wieder neu zu starten im fremden Land ist natürlich ein hohes Risiko. Und daher hatte ich mir das 3 Jahre lang in Kalifornien angeschaut, immer wieder hingefahren, alle 3, 4 Monate für 2 Wochen, um Kontakte aufzubauen, um zu sehen, wie das Land ist. Wie ist die Zahntechnik in Amerika? Wie sind die Zahnärzte in Amerika und was wollen die eigentlich sehen? Und da sind natürlich riesengroße Unterschiede zwischen dem deutschen Anspruch und zu dem der Technik in Amerika. Da ist ein anderes ästhetisches Empfinden, da ist ein anderer Anspruch, da ist ein anderes Preisgefüge, was in Amerika herrscht. Das muss man erst mal alles kennenlernen und dann muss man sich dann auch da irgendwo einordnen. Und dann hatte ich mich dann entschlossen und der D-Day war für mich dann im März 1999. Bin ich dann mit Sack und Pack nach Amerika und habe dann mein Labor eröffnet. Und interessanterweise einer meiner ersten Mitarbeiter dort war der Mike Richter, der ja auch ein hervorragender Zahntechniker ist.
Aus Albstadt?
Richtig, genau. Und der Mike war damals mein erster Mitarbeiter.
Wie kam das, wenn ich fragen darf?
Ich hatte eine Anzeige aufgegeben damals im Dentallabor in Deutschland und hatte sich gemeldet mit noch jemand anderem. Und dann hatten ich ihn interviewt oder kam nach Düsseldorf im Januar 1999. Und ja, dann hatten wir uns abgesprochen und haben gesagt, okay, wir sehen uns dann im Juni in San Francisco. Und dann ging es los.
Das ist ja crazy, aber irgendwie wie immer wieder Schwabenland, ne?
Also das ist ja, ja, das war Zufall oder nicht.
Ja, aber du warst ja dann auf jeden Fall schon mal, wie sagt man, firm, was, was das Schwäbische angeht. Und was, bist du nicht ganz aus allen Wolken gefallen, wenn dann einer, das ging, ja.
Aber was, was wichtiger war, dass ich dem Englischen mächtig war. Das kam halt eben auch wiederum durch, stimmt, der Zeit des Tennis. Wenn du also dann auswanderst nach Amerika und dann solltest halt eben besser schon mal ein anständiges Englisch sprechen können und auch gut verständlich sein oder auch alles verstehen. Das ist ja der Punkt dort. Und jetzt eben auf deine Frage zurückzukommen, wie kann, wie komme ich denn dazu, als jetzt Zahntechniker oder Laborinhaber meine eigene Produktreihe produzieren zu wollen? Das kam aus der Notwendigkeit geboren, der Gedanke, dass man Dinge oder die Arbeiten, die man im Labor herstellt, dass die reproduzierbar sein müssen, dass die gleichmäßig sind, gleichbleibend und die Qualität eben übertragbar ist von Techniker zu Techniker. Und meine Erfahrung war in Amerika die gewesen, da ruft der Kunde an und fragt mich, ob ich nicht noch eine Arbeit für ihn machen könnte. Am liebsten geht es ja dann immer so: Er hat einen VIP-Patient und der macht jetzt 10 Veneers und die müssen bis nächsten Mittwoch fertig sein. Die übliche Geschichte, die gibt es ja überall, und möchte die Arbeit natürlich von mir gemacht bekommen.
Und die Meisterkrone sozusagen.
Ja, das ist. Und da ich ja im Wesentlichen genügend Arbeit hatte, musste ich ja. Und die Arbeit natürlich nicht ablehnen wollte. Meine Mitarbeiter waren ja dann auch da und wollten dann eben diese Arbeit machen. Nur eben der Punkt war, dass diese Arbeit dann so aussehen sollte, als hätte ich sie selber gemacht. Dieser Zwang oder dieser Gedanke der übertragbaren Qualität hatte mich dann erst mal dazu bewegt, Wachsfertigteile herzustellen, eine Art Okklusionsmodell oder Okklusionen, die ich selber modelliert hatte, im Zusammenhang mit der Presskeramik, die für mich damals aufkam oder die ich damals gesehen hatte. Und so konnte ich dann das eine, den Gedanken dieser übertragbaren, reproduzierbaren Arbeitsqualität übertragen mit der Presskeramik auf jeden meiner Mitarbeiter. Das war so der Startgedanke gewesen. Es hilft mir also nichts, und die Erfahrung hatte ich natürlich vorher auch schon gemacht, wenn man junge neue Mitarbeiter bekommt, dauert das erst mal eine gewisse Zeit lang, bis die die Keramik so schichten können, bis man sie ordentlich verkaufen kann, und bis man dann alle zufriedengestellt hat. Oftmals, es war dann so die Erfahrung gewesen, auch in der Zwischenzeit verliert man 3 Zahnärzte, weil die Arbeiten da nicht so gut sind, die dann rausgehen. Und bis der Kollege oder die Kollegin dann so weit ist, da gehen dann auch mindestens 1 bis 2 Jahre ins Land. Also auch die Ausbildungszeit, dieses, dieses Training, es war bei mir nicht anders, dauert 1 bis 2 Jahre. Ich war jetzt 2 Jahre beim Jan Langner gewesen und bis ich dann vernünftige Sachen gemacht habe, das hat ja schon einige Zeit gedauert. Es geht ja nicht von jetzt auf gleich. Und dann möchte ich natürlich auch eine Arbeitsweise entwickeln, mit der ich die Kollegen auf schnelle Weise oder in einer kurzen Zeit, dieser Ausbildungszeitaufwand, den so weit zu reduzieren kann, dass das auf 4 Wochen reduzieren kann. Also nicht 2 Jahre oder ein Jahr, sondern 4 Wochen. Und das war mit der Presskeramik und mit den Wachsfertigteilen eben möglich. Das war vorher, bevor es CAD kam, gab Ja, da gab es noch keine Library. Das macht ja heute dann die Bibliothek, übernimmt dann diese Funktion der gleichbleibenden Okklusion. Und das war vorher halt eben die Wachs-Kauflächen oder diese Okklomaster, die ich entwickelt hatte, im Wesentlichen schöne Kauflächen als Vollgusskronen modelliert, die man dann eben mit einem Spezialwachs übertragen konnte, auf jeden Fall.
Ja genau, also das war ja der Claim, als die CAD/CAM-Technologie mit Nachdruck eingeführt wurde, dass man gesagt hat, Abschied von der Montagskrone. Dass man halt dieser Willkür, der man ja doch ein bisschen unterlegen ist bei einem rein manuellen Handwerksberuf und dieser dann auch sehr manuellen keramischen Schichttechnik dann unterlegen ist, so ein bisschen händeln kann oder in den Griff bekommt. Da hast du also quasi schon so früh mit dieser Presstechnik und diesem Ansatz der Facetten diesen Weg verfolgt, hier so ein Qualitätsmanagement, verkürzt jetzt etablieren?
Ja klar, weil man ist natürlich ja auch in direkter Konkurrenz mit anderen Laboren. Das Witzige war, in diesem Hochhaus oder diesem Gebäude, wo ich war in San Francisco, da gab es 110 Zahnärzte. Ja, was? Das muss man sich mal vorstellen. Ja, das waren 26 Stockwerke.
Das waren aber alle von ganz Kalifornien?
Ne, ne, es waren 110 Zahnärzte, aber es gab natürlich auch 4 Dentallabore in diesem Gebäude. Und jetzt muss man sich ja irgendwie unterscheiden zu den anderen.
Laboren.
Und das war halt eben mein Gedanke, okay, wie kann ich mich jetzt da unterscheiden? Das ist halt durch meine Handschrift, ja, das heißt durch meine, ja, wie ich die Zahnmorphologie eben modelliere, ob es jetzt die Okklusion ist im Frontzahnbereich oder Frontzähne. Das ist der einzige Punkt, wo ich mich unterscheiden kann, ja, weil ein guter Kontaktpunkt oder einen guten Rand ist nicht wirklich ein Unterschied, weil das sollte für wenn möglich, jeder einigermaßen gut hinbekommen. Ja, so, da unterscheidet man sich nicht wirklich. Das ist die, es ist die, die Ästhetik der Arbeit, die dann den wesentlichen Unterschied macht. So, und wenn man die, und das war mein Gedanke oder mein Wunsch, wenn ich die Qualität auf das Niveau bringen kann, was ich gelernt habe, sei es jetzt von Jan Langner oder von Claude Sieber, von dem ich sehr, sehr viel gelernt habe, eben auch in der Frontzahnkeramik, muss ich schon immer betonen, weil das war natürlich auch ein sehr einprägsames, eine einprägsame Zeit, die ich mit Claude Sieber verbracht hatte. Wenn ich das, was ich da gelernt habe, in ein Konzept bringen kann, dass man relativ schnell jemandem beibringen kann, das war der springende Punkt. Okay. Ja, und das habe ich dann in diese ganze Presskeramik, in die Technik mal alles in ein Paket gebündelt.
Und von der Systematik sozusagen zu einer Produktlinie schon fast.
Richtig. Ja, ja. Und so kam ich dann zu diesen Produkten, die dann alle miteinander passten oder aufeinander abgestimmt waren. Sei es jetzt mal angenommen, das Erste war das Wachs, dann kam die Keramik, dann kam die Herstellung von Presskeramik hinzu, meine eigenen Pellets entwickelt und auch die Technologie, wie ich diese Pellets eben selber herstellen kann. Das war auch Auch ganz, ganz wichtiger Punkt und Sprung. Und jetzt kommt es wieder. Als ich diese Pellets entwickelt hatte, hatte ich die damals dem Herrn Langner zugesteckt. Sag Herr Langner, ich habe hier was für Sie. Schauen Sie sich das mal an. Das war 2007 gewesen und dann habe ich die ihm hingeschickt. Und dann hat er mich 2 Wochen später, glaube ich, angerufen, hat gemeint, die Sachen hätte er ganz gerne, die würde er ganz gerne nach Deutschland importieren und selber vertreiben.
War der Ritterschlag sozusagen deines Produkts?
Das war der Start gewesen in ein neues Business.
Okay.
Ja, weil da, das war so gesehen dann nicht mehr dieses für sich selber Produzieren für den eigenen Hausgebrauch. Ja, das war vorher so. Das waren also, ich suchte Produkte für mein eigenes Labor, für mein eigenes Schaffen, die es mir leichter machen, eben dieses Konzept konzept, wo wir eben drüber gesprochen haben, das zu verwirklichen, weil das es so, so in der Form es nicht gab. Der Markt gab das nicht her.
Das war wann genau? Entschuldigung.
Angefangen habe ich ja 2004, 2005 mit den Wachs-Facetten. Die Keramik kam 2006 dazu und dann der Sprung nach Deutschland kam 2008. Und dann was, was dann ja eben auch eklatant unterschiedlich war, war die, das Sortiment oder die Sortimentauswahl. Als ich damals angefangen hatte mit der Presskeramik, waren verschiedene Anwender auf dem Markt, die Komplettpakete verkauft haben, die überdimensional groß waren. Die waren erst mal riesig teuer und dann hat man 100.000 verschiedene Farben kaufen müssen, die man erst mal nicht brauchte. Und das ging mir natürlich damals etwas quer und das wollte ich ja anders machen. Machen. Und von daher hatte ich erst einmal am Anfang mit der Grundidee angefangen, ein Pellet für alle Farben. Also das so weit wie möglich reduzieren, diese Materialschlacht, die a) Geld kostet, die man sich aufs Lager legen muss, die dann da rumliegt und gewisse Farben man eh ganz selten braucht. Und das war erst mal ein Pellet für alle Farben. Und es hat auch funktioniert. Man muss dann halt eben ein bisschen mehr malen und Das hatte niemand. Und das war so gesehen ein absolut, ja, wie soll man sagen, neuer Gedanke, neuer Ansatz.
Gamechanger.
Absolut. Denn die anderen, die haben mich nur verdutzt angeschaut. Wie jetzt? Ein Pellet für alle Farben? Wie geht denn das? Ja, es geht. Es ging.
Crazy.
Ja. Und dann hat sich von daher, oder sagen wir so, das war der Startpunkt. Und von diesem Startpunkt ging dann die Entwicklung natürlich weiter mit Feedback, was die Kollegen dazu sagten oder was der Markt dann gegeben hat. Ebenfalls braucht. Dann haben wir es etwas ausgeweitet. Heute ist das Sortiment eher so ausgebaut, dass wir haben 3 verschiedene Farben, das Light, Medium und Dark oder Dark Plus. Entschuldigung, Light, Dark, Dark Plus.
Also eher Helligkeit, Intensitäten.
Richtig, genau. Ja, ja. Und man kann dann eben durch ein bisschen noch nuanciert malen. Eben die Farbe genau auf den Punkt bringen. Im Wesentlichen, was man ja heute auch sowieso macht bei der Presstechnik von Lithiumdisilikat oder anderen oder von Zirkon, da hat sich ja diese Maltechnik mittlerweile auch deutlich, deutlich durchgesetzt. Ich kann mich noch daran erinnern, damals waren da eher die Leute teilweise noch etwas zaghaft mit dem Malen oder wollten das nicht oder dachten, es ist zu viel gemalt, und heute wird es halt landläufig dann doch gemacht. Also von daher war die Zeit damals genau recht oder vielleicht ein bisschen früh, je nachdem wie man es sehen möchte, für die Entwicklung dieser Produkte.
Du sprichst nicht von Micro-Layering, wie man ja heute gerne sagt, sondern wirklich von Bemalen.
Bemalen, ja klar.
Also du hast einen monolithisch gepressten Zahn und der wird dann quasi durch oberflächliches Aufbringen von Pigmenten farblich angepasst, adaptiert.
Richtig, genau. Das kann man entweder auf der Oberfläche machen oder durch internes Bemalen und dann noch eine leichte Schicht überschichten. Diese Möglichkeit gibt es auch. Das Sortiment ist ein bisschen jetzt angewachsen, weil hier in USA durch verschiedene größere Laboratorien ist dann auch die Erfordernisse anders und Dann haben wir jetzt dann auch noch auch Dentinpellets hinzugenommen, farbspezifische Pellets, die man auch pressen und direkt malen kann. Interessanterweise ein Unterschied USA, Deutschland. Hier in USA wird noch eine ganze Menge Metallkeramik gemacht, was in Deutschland ja etwas weniger geworden ist, wenn ich das mal so vorsichtig sagen darf, bis kaum noch.
Also Metallkeramik auf Chrom-Kobalt auf edelmetallfrei?
Ja, es wird natürlich jetzt aufgrund der Edelmetallpreise vielfach auf Kobalt-Chrom gemacht, das ist richtig. Ja, aber die, dass die Metallkeramik ganz weg wäre, ist überhaupt nicht der Fall. Also meine Großkunden machen noch eine ganze Menge Metallkeramik, da ist es sogar ausgewogen mit dem Umsatz zur Zirkon-Keramik. Interessant.
Ja, und das kann man auch überpressen, oder?
Ja, selbstverständlich. Ja, wir pressen auf Metall oder auf Kobalt-Chrom genauso wie auf Zirkongerüste. Und das ist so mit eines der Hauptgeschäfte oder der Hauptmarkt für mich hier in den USA.
Aber bisschen kommt da schon der Tennisspieler-Masochist raus, weil du hättest auch einfachere Wege einschlagen können. Der Weg war schon nicht einfach, in die USA zu gehen. Respekt, dann zu sagen, okay, ich finde hier diese Situation vor, ich stelle mich dem Wettbewerb, aber ich brauche dazu meine eigenen Produkte. Ich meine, es gab ja schon auch Pressgranaten, du hast zwar gut erklärt, wieso du da nicht ganz so happy warst, aber wenn ich das richtig rausgehört habe, hast du die selber hergestellt. Du hast die nicht zugekauft, du hast die selber, du bist Produzent und Verkäufer dieser Produkte.
Erst mal entwickeln, dann produzieren, dann verkaufen. Genau.
Krass. Dann traue ich mich gar nicht, die nächste Frage zu stellen, weil ich irgendwie so das Gefühl habe, ich weiß, was für eine Antwort kommt. Aber ich probiere es trotzdem mal. Wenn du ein zahntechnisches Produkt auf eine einsame Insel mitnehmen würdest, und ich meine eine wirklich einsame Insel, welches wäre das dann und warum?
Ja, wenn man es jetzt aus dem Sinne des Überlebens sehen würde, auf einer einsamen Insel, dann Da fällt mir dieser Movie ein mit Tom Hanks, der als UPS-Fahrer dann irgendwie im Flugzeug mal auf so eine einsame Insel gespült wurde. Das war ein ganz—
wie Robinson Crusoe.
Ja, ja, das war ein witziger Film. Da fällt mir nur ein, ja, da brauchst du Silikon und Kunststoff, damit du überleben kannst. Sicherlich nicht. Wobei der neue Farbring, den ich jetzt entwickelt habe, ist sicherlich auch ein Produkt, auf das ich sehr stolz bin. Und zwar ist das auch eine Entwicklung oder ein Produkt, was es so in der Form noch nicht gibt. Ich habe jetzt diesen Color Key Shade Guide entwickelt, diese Farbpalette. Was mich als Techniker immer gestört hat, in San Francisco war ich in der Lage, halt eben dadurch, dass die ganzen Kunden im Haus waren, da hatte ich ja viele meiner Fälle selber gesehen. Das war ein ganz, ganz wichtiger Schritt nach vorne, dass man letztendlich das auch sieht, was man produziert. Im Mund. Und da hatten wir natürlich sehr viele Veneers gemacht. Klar, USA, die machen gleich 10 Veneers, damit sie ein neues Lächeln bekommen. Und da sieht man, oder da war eigentlich diese Schwierigkeit klar. Es hängt sehr viel vom Untergrund ab, von den Zahnstümpfen, welche Farbe der Zahnstumpf hat. Wann kann man überhaupt noch Veneers machen und wann eben nicht mehr? Wann geht man besser über und macht gleich eine Veneers? Weil es halt entweder hat man einen schwarzen Stumpf drunter und diese Problematik und diese Erfahrungen haben mich jetzt dazu verleitet, eben einen eigenen neuen Farbring herzustellen.
Warum?
Also, was mir bei den bisherigen Farbringen, was mich da immer, was mir fehlte, sagen wir es mal so, nicht gestört hat, aber fehlte, war die Farbringe, die auf dem Markt sind, sind erst mal viel zu dick. Die sind alle 2,5 bis 3 Millimeter dick und das ist absolut unrealistisch zu dem, was wir als Techniker eben zur Verfügung stehen haben. Ja, da ist also, jeder weiß, was, wie dick eine Krone ist oder wie ein Veneer ist, irgendwas zwischen 0,6 und 1,2. Und von daher ist die farbliche Wirkung eines Farbrings, der über 2,5 Millimeter dick ist, ist also trügerisch. Und es ist nicht sehr realistisch, dann die gleiche, den gleichen Effekt nachzuahmen. Punkt 1. Dann Diese Farbringe sind mit einem Material gemacht, was einem nicht zur Verfügung steht.
Kunststoff.
Ja, so ist der nächste Punkt.
Du machst Keramik-Veneers.
Oder vielleicht, vielleicht sind sie aus irgendeiner Art Keramik gemacht oder irgendwie. Und dann haben wir aber nicht die gleiche Keramik, sondern eine andere, die wiederum anders eingefärbt ist.
Ah, du bist wieder im Systemgedanken.
Ja, so, und auch da wird es gleich wieder schwer. Dann gibt es Farbringe heute in der Industrie, auch nenne jetzt keine Namen, egal, die sind leicht porös auf der Oberfläche. Da denke ich mir, was will ich denn damit? Das ist, da kann ich zwar drauf schauen und gucken, erahnen, ja ungefähr, es geht in die und die Richtung, aber das ist nicht das, was ich mir vorstelle. Also war ich gezwungen, meinen eigenen Farbring herzustellen. Und jetzt haben wir halt eben in der Produktpalette eben auch eine hochfeste Keramik, auch mit 400 Megapascal. Und da ist der Unterschied der, dass dieser Farbring oder diese Farbpalette eben hergestellt wird aus dem Material, was einem zur Verfügung steht. Die Schichtstärke der Farbfacette ist inzisal 0,9 Millimeter, im Zentrum 1,1 Millimeter, also eine Schichtstärke, die wirklich realistisch ist. Dann ist diese diese Farbfacette so ausgearbeitet, sind alle manuell hergestellt, sind gummiert, poliert, sehen aus wie eine fertige Arbeit, wie ein Veneer. Und man hat also da ein Reflexionsverhalten, mit dem man sehr gut die Zahnfarbe eben nehmen kann oder gegebenenfalls sogar noch ein bisschen modifizieren kann bei der Farbnahme. Wenn man seine eigene Malfarbe mitbringt, kann man dann auch so ein bisschen drüber malen. Das ist auch möglich. Aber jetzt kommt der alles entscheidende Punkt. Und das ist was, was bei allen Farbrängen fehlt, insbesondere für Vollkeramik. Keine dieser Farbrängen ist irgendwie in Bezug auf die Stumpffarbe, sagen wir mal, hergestellt, dass man diese Stumpffarbe mit einbeziehen kann in die Farbauswahl.
Nee, du füllst immer gleich eine ganze Lücke. Genau.
Ja, weil wenn wir jetzt Vollzirkonkronen haben oder wir haben Lithiumdisilikatkronen, aber ich weiß nicht, wie der Farbstumpf aussieht oder welche Wirkung dieser Farbstumpf hat auf die Keramik, auf die Farbe, dann wird es schwierig. Und ich möchte gerne, bevor ich mit dem Fall beginne, schon die richtige Farbe aussuchen, welches Pellet oder welchen Rohling man eben nimmt. So, und das gab es und das gibt es bis heute nicht. Oder jetzt habe ich dieses Problem gelöst, indem ich halt den Farbring so gestaltet habe oder diese Farbpalette, dass man eine Facette hat, mit der man hinter diese Palatinalfläche den Farbstumpf einklicken kann mit Hilfe von Magnet.
Dass du sofort die Farbwirkung simulierst, die die Endrestauration hat.
Genau, das heißt, man kann dann eben sehen, ich brauche jetzt einen etwas, wir haben ja dann LT, MT, HT, dass man für eine gegebene Farbe farbe, die man erreichen muss. Man kann dann eben die Opazität erst mal bestimmen, indem man dann sieht, ist jetzt hier das HT richtig oder das MT richtig oder muss ich sogar auf ein LT ausweichen? Muss ich jetzt, um diese Farbe zu erreichen, eben eine Stufe heller gehen oder noch heller gehen oder muss ich sogar ein Bleach-Pellet nehmen? Je nachdem, welcher Farbstumpf denn im Mund vorhanden ist. Und diese Informationen sind natürlich enorm wichtig bei der Farbauswahl. Vorher schon. Und wenn man das dann mal in der Praxis gemacht hat, dann sieht man eigentlich, was man vorher alles nicht gesehen hat. Ich vergleiche das immer wieder mit dem Arbeiten mit dem Mikroskop. Als man das erste Mal mit dem Mikroskop gearbeitet hat, dann hat man erst mal gesehen, was man vorher alles nicht gesehen hat. Und es ist ein, es ist ein riesiger Moment, wo man also da enorme Erkenntnisse erzielen kann. Und so gesehen kann man also jetzt endlich diese alle Punkte mal zusammenführen. Man kann vor, bevor man mit der Arbeit beginnt, das entscheidende Punkt, die Farbe eben entsprechend aussuchen mit einem Rolling, der einem auch zur Verfügung steht. Und das ist der entscheidende Punkt.
Das sind aber die Rohlinge aus deinem System, richtig? Kannst du nicht für Fremdanbieter das anbieten?
Nein, nein, nein. Das ist natürlich systemgebunden, ist klar. Muss ja auch so sein, weil es ist ja genau der Punkt, den ich erreichen will. Ich möchte ja endlich mal Farbring haben, mit dem ich eine Farbe aussuchen kann, wo mir das Material auch zur Verfügung steht. Nämlich genauso, wie es, wie die Facette rauskommt. Ansonsten, ja, was, aber welche Möglichkeit hat man? Man hat ja nur einen Pellet, wo man drauf schaut, aber das ist enorm dick, da sieht man ja nichts. Richtig.
Ach, das ist ja cool. Ja, aber ich habe es ja schon angedeutet und geahnt, dass du natürlich jetzt auch etwas Werbung machst. Das sei dir auch absolut gegönnt und legitim, weil da steckt ja auch wieder sehr viel Herzblut drin. Und ich muss auch sagen, mir ist dieses Produkt deswegen du auf die Insel mitnimmst, sympathischer als der Kunststoff und das Silikon.
Man muss das immer auch so verstehen. Das sind ja Punkte, die man, sagen wir mal, wie du ja schon gerade gesagt hast, die kommen ganz tief aus dem Herzen heraus, aus der Notwendigkeit, weil da was fehlt. Ja, und man entwickelt dann was. Und das ist ja das Schöne. Bin da so gesehen kein Händler, der irgendein Produkt einkauft und einfach nur weiterverkauft.
Das sind deine Herzblutgeschichten.
Das sind die selber entwickelten Produkte, die eigentlich den Unterschied machen. Machen und diese Produkte entwickelt für den eigenen Gebrauch. Und das ist ja noch mal ein ganz wichtiger Punkt. Man produziert das ja erst einmal damit, damit man es selber verwenden kann. Und wenn es dann passt, dann kann man es eben den Kollegen auch zur Verfügung stellen. Das ist so der ultimative Knackpunkt immer bei dem, wenn ich irgendein Produkt aufnehme, dann teste ich ja erst mal selber, ob es vernünftig ist. Und wenn es dann meinen Erwartungen entspricht, liegt, dann wird es mit in die Produktpalette mit aufgenommen.
Wie sagt man immer so schön? Vom Zahntechniker für Zahntechniker. Und in dem Fall also wirklich aus dem zahntechnischen Alltag für den zahntechnischen Alltag.
Genau, das ist der Ansatz.
Ja, sehr cool. Da bin ich mal gespannt, was du auf meine letzte Frage, wir sind nämlich schon bei der letzten Frage angekommen, antwortest. Und zwar, was ist für dich gerade der absolut heißeste Scheiß in der Zahntechnik?
Da würde ich eigentlich eher sagen, es ist das Wissen, was man hat, was einen langfristig, sagen wir mal, eine Ebene, eine Bühne gibt, um zu bestehen und weiterzukommen. Materialien und Produkte oder Firmen oder Gerätschaften, die kommen und gehen. Da gab es eine ganze Menge, was in der Zahntechnik irgendwann mal hip war, und dann hat sich 10 Monate später herausgestellt, es war ein Flop. Und aber das Wissen bleibt, das ist unersetzlich, und es zeichnet eigentlich heute den wirklichen Könner aus. Und es ist leider so, dass ja diese Fertigkeiten immer weniger vorhanden sind aufgrund von CAD/CAM, ist eine andere Sache, werden andere Sachen erforderlich, und auch Wissen nicht mehr weitergegeben. Also dieses Wissen, die eigentliche Fingerfertigkeit und zahntechnische Kunst, ist für mich eigentlich das Entscheidende.
Ach cool, dem ist echt nichts mehr hinzuzufügen. Das ist ja ein fast schon perfektes, oder nicht fast schon, es ist ein perfektes Schlusswort, lieber Jörg. Ich muss sagen, ich blicke auf ein sehr kurzweiliges Gespräch mit dir zurück und muss aber auch sagen, so ein bisschen wie ich es in der Anmoderation gesagt habe, dein Werdegang ist echt verrückt, aber im positiven Sinn. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht irgendwie krumm, weil wir brauchen mehr so Verrücktheiten, finde ich, weil nur so entwickeln wir uns weiter und denken eigentlich auch mal einfach Sachen anders oder neu. Also von dem her vielen, vielen Dank, das fand ich großartig. Ja, und ja, lieber Nahn, ich danke dir für das Interview.
Und ja, ich freue mich über die Gelegenheit, eben meine Gedanken eben mal auch so kundtun zu können, um das auch den Kollegen mitzuteilen, so ein bisschen von dem Werdegang zu erzählen. Und vielleicht kann sich der ein oder andere hier das eine oder andere herauspicken, was für ihn oder sie hilfreich ist, nützlich ist, umsetzbar ist. Letztendlich entscheidet sich alles im Kopf. Ja, alle Sachen fangen irgendwann mal an mit Gedanken. Und am besten halt eben, sich nicht zu sehr selber zu limitieren, dass man sich selber zu sehr Grenzen aufsetzt, sondern sich eher, sagen wir mal, Möglichkeiten offen lässt. Nach oben auszubrechen, um neue Dinge zu schaffen, neue Dinge zu entwickeln, zu erfahren. Das ist so, glaube ich, so mit das Wichtigste, was ich aus dem Tennisspielleben mitgenommen habe, sich nicht selber zu limitieren, weil dann hat man, dann stehen einem die Türen offen.
Vielen Dank, super. Ja, dann wünsche ich dir noch einen wunderschönen Tag, weil der ist ja jetzt tatsächlich, liegt noch zu deinen Füßen. In Florida ist es jetzt, glaube ich, 8:42 Uhr.
Genau, früh, jetzt geht's gleich los.
Jetzt geht's bei dir erst richtig los. Und genau, wünsche dir einen wundervollen Tag, lieber Jörg, und hat mich sehr gefreut. Liebe Grüße nach Florida und mach's gut.
Dankeschön. Alles Gute an alle Kollegen und bis bald dann mal. Tschüss.
Das war Dental Lab Inside mit Jörg Müller. Wer mehr über seinen innovativen Farbschlüssel und das Konzept dahinter erfahren möchte, dem sei die Quintessenz Zahntechnik 8/21 ans Herz gelegt. Dort stellt er in dem Artikel Farbauswahl Breiter Entwicklung mit neuem Ansatz sein Konzept vor und zeigt auf, wie es sich im Laboralltag anwenden lässt. Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn es euch gefallen hat, dann abonniert uns. Es gibt jeden Monat eine neue Folge, fast überall, wo es Podcasts gibt. Wenn ihr Anmerkungen oder Fragen zu dieser Folge habt, dann schreibt uns. Ihr findet uns bei Instagram und Facebook oder schreibt uns an podcast@quintessenz.de. Alle Links und Adressen findet ihr in den Shownotes. Ich Ich sage Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Das war Dental Lab Inside mit Dan Krammer, der Zahntechnik-Podcast mit der Leidenschaft fürs Handwerk. Ein Quintessenz-Podcast.
More from Jörg

What is the best Milling Wax To Save Money in the Dental Lab and Mill Faster in 2020.



