Ein Brief an Deutschland.

Entrepreneur Lea Ernst describes being attacked while jogging in July 2024 by someone she believes was a refugee, and uses the incident to discuss Germany's rising sexual violence, asylum numbers, and low deportation rates. She calls for stricter immigration controls and better integration while emphasizing that not all refugees are dangerous.
Chapters
Als ich in den Wald gezogen wurde, mich befreien konnte und um mein Leben rannte. Weißt du, was mein erster Gedanke war? War ich zu freizügig angezogen? Wie kann ich mich schuldig fühlen, wenn mich jemand gegen meinen Willen von hinten packt und in den Wald ziehen will? Ich hatte zu lange Angst, es auszusprechen. Mein Brief an Deutschland. Im Juli 2024 packte mich ein Flüchtling in meiner Heimat im Naturschutzgebiet, während ich joggen war, und zog mich in den Wald. Mein Name ist Lea Ernst und ich bin Unternehmerin. Eine Unternehmerin, die sich schon lange nicht mehr sicher in unserem Land fühlt. Und jetzt auch nicht mehr im dörflichen, behüteten Fleckchen Erde, wo ich sogar alleine als Kind gespielt habe. bis es dunkel wurde. Heute? Undenkbar. Passend zu den anstehenden Wahlen in Deutschland möchte ich über zwei Dinge mit dir sprechen. Ich sehe es in meiner Verantwortung, nicht mehr zu schweigen. Es geht hier nicht um ein politisch motiviertes Statement, sondern ich möchte Mut machen. Respekt der Meinungsfreiheit. Seine Gedanken und Erfahrungen miteinander zu teilen. Und für uns Frauen: sich nicht zu schämen, wenn dir Ähnliches widerfahren ist. Es reicht, dass Menschen angegriffen werden oder gar sterben, vor allem unschuldige Kinder wie in Magdeburg oder Aschaffenburg. Es reicht, dass versuchte Vergewaltigungen oder Belästigungen zur Tagesordnung gehören. Es reicht, dass unsere Wirtschaft zugrunde geht und unsere Digitalisierungsentwicklung im internationalen Vergleich absolut lächerlich ist. Es reicht, dass wir international die großen Retter spielen müssen, bevor wir uns erstmal selbst helfen und unser Land von innen sicher machen. Magdeburg, Aschaffenburg oder Fälle, wie sie mir passiert sind, gibt es zu zigtausenden. Sie passieren jeden einzelnen Tag. Es dürfen nicht mehr Motive wie „Der Mann war psychisch krank" im Vordergrund stehen, sondern das Ergebnis. Und das Ergebnis ist niederschmetternd. Die Zahl der Sexualstraftaten gegen Frauen in Deutschland hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Laut der Bundesregierung wurden im Jahr 2023 256.276 Fälle häuslicher Gewalt registriert, was einem Anstieg von 6,5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Über 52.000 Frauen und Mädchen sind Opfer von Sexualdelikten geworden, wie Vergewaltigung, was ebenfalls ein Anstieg innerhalb nur eines Jahres von 6,2% entspricht. Die Hälfte dieser Mädchen waren laut BKA unter 18 Jahre alt. Mit Parolen wie: Wir müssen in den Diskurs gehen oder wir arbeiten an Lösungen oder wir verschärfen die Maßnahmen Muss Schluss sein! Die heiße Luft hören wir uns seit Jahren an und das Fass ist nicht nur übergelaufen, sondern es flutet. Die Zahlen sprechen für sich. Wir brauchen klare Maßnahmen, die sich von jeglicher Form von Extremismus abgrenzen. In beide Richtungen. Nach rechts und links. Wir müssen zusammenhalten und brauchen mehr denn je Empathie und Bewusstsein. Doch das heißt nicht, zu allem Ja und Amen zu sagen und einfach alles weiter geschehen zu lassen. Einer meiner Lieblingssätze lautet: Der Bewusstere ist in der Verantwortung. Wenn traumatisierte Menschen aus Kriegsgebieten ins Land gelassen werden, tragen wir eine gewisse Verantwortung. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 250.945 Asylanträge gestellt, wobei 44,4% bestätigt und 55,6% abgelehnt wurden. Doch die Rückkehrquote im Vergleich zu den abgelehnten Asylanträgen ist extrem gering. Es bleiben fast alle. Was passiert dann mit diesen Menschen? Wir können nur so viel helfen, dass wir uns selbst nicht gefährden. Das Ganze hier ist nicht zu Ende gedacht. Eben nicht unternehmerisch. Das Tragen dieser Verantwortung bedeutet nicht, diesen Menschen Geld und eine Unterkunft zu gewährleisten, sondern Unterstützung zur Integration zu bieten. Was Was denkst du denn, was passiert, wenn wir diese traumatisierten Menschen aus anderen Kulturen ins Land lassen und sie fast auf sich allein gestellt sind? Das ist fahrlässig! Was denkst du denn, was passiert, wenn eine Menge an traumatisierten Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen und nicht arbeiten dürfen und du ihnen nicht erklärst, wie sie sich in diesem Land zurechtfinden? Nicht, was im Pass dieser Menschen steht, ist das Problem, sondern dass die Integration nicht zu Ende gedacht wurde. Ein riesengroßes Problem! Problem ist unser bürokratischer Albtraum in Deutschland, der viel zu viel Zeit verstreichen lässt. Aber nun mal eine andere Perspektive: Wieso hören wir eigentlich immer nur von diesen Negativbeispielen, die den Hass schüren? Es gibt unzählige dankbare Menschen, die sich integriert haben und einen großen Mehrwert für diese Gesellschaft sind. Meine beste Freundin beispielsweise, die im Handwerk tätig ist, Erzählt mir immer wieder von ihrem Kollegen Hussein, der aus Syrien mit seiner Familie geflohen ist und hier eine Ausbildung macht. Er lernt täglich Deutsch in Lichtgeschwindigkeit und ist dankbar, dass er hier aufgenommen wurde. Immer wieder sagt er, dass es ihn wütend macht, wenn Geflüchtete eben genau das nicht tun und dann von einem auf alle geschlossen wird. Bedenke, dass es von solchen Geschichten unzählige gibt. Ein wunderbarer Film, den ich empfehlen kann, mit Matthias Schweighöfer, Die Schwimmer*innen. Er zeigt unter anderem, durch welche traumatisierenden Situationen diese Menschen gehen müssen. Und jetzt kommt ein Gedanke, der mich noch trauriger stimmt: Immer wenn ich bei meiner Kosmetikerin Ebru, dessen Eltern kurdischer Herkunft sind, bin, erzählt sie mir aufs Neue, wie sehr der Fremdenhass in Deutschland unerträglich geworden ist. Ihre Eltern waren Gastarbeiter und sie wurde hier geboren. Sie ist Deutsche und trotzdem wird sie immer wieder Opfer von Rassismus. Es wird alles in einen Topf geworfen und es wird von Tag zu Tag mehr. Wie muss sich das anfühlen? Dieses Video fällt mir nicht leicht. Ich meine, die blonde Deutsche, nimmt hier so ein Video auf und weist auf die Missstände in Deutschland hin. Und weißt du was? Ich bin es satt, Angst zu haben, meine Gefühle, Meinungen und Erfahrungen zu teilen, aus Angst, politisch in eine Ecke gedrängt zu werden aufgrund meiner Herkunft oder meines Aussehens. Das erste Fazit, was ich hier ziehen möchte: Wir brauchen jetzt Maßnahmen, Hilfe und kein Gelaber mehr. Ich sehe es als Pflicht, Menschen, die wirklich Hilfe brauchen, mit offenen Armen zu empfangen. Doch wir können nur helfen, wenn wir stark sind. Und wir dürfen unser Land nicht weiter von innen heraus destabilisieren, sodass wir uns bald nicht mal mehr selbst helfen können. Strengere Prüfungen bei Einwanderung, radikalere Abschiebungen bei Fehlverhalten, sofortige Entbürokratisierung, damit die Menschen schneller arbeiten können und sich ein Leben aufbauen können und eine zu Ende gedachte Integration und Unterstützung. Das ist der Appell an die Politik. Der Appell an jeden Einzelnen von uns: Rassismus ist repräsentativ für ein niederes Bewusstseinslevel. Ganz, ganz unten. Ich möchte deutlich appellieren an jeden Einzelnen hier, Menschen offen zu begegnen und sie nicht anhand ihres Aussehens, ihrer Herkunft oder Religion zu bewerten. Sondern die Taten und Werte jedes individuellen Einzelnen für sich sprechen zu lassen. Lass dich nicht von Medien manipulieren, sondern mache dir dein eigenes Bild. Sprich mit Menschen, tausche dich aus und sehe jeden Menschen, wie er ist, mit seiner Seele. Und bei der nächsten Reise ins Ausland vielleicht auch mal aufstehen vom Liegestuhl, weg vom Pool, ins Land rein, eintauchen. Denn Reisen ist meiner Meinung nach die beste Universität der Welt. Als Zweites möchte ich über Scham sprechen. Als ich in den Wald gezogen wurde, mich befreien konnte und um mein Leben rannte, weißt du, was mein erster Gedanke war? War ich zu freizügig angezogen? Sport-BH und eine kurze Hose. An diesem Tag bin ich morgens aufgestanden, hab mir die Zähne geputzt, hab mich in meine Sportklamotten geworfen. Und bin bei 30 Grad losgerannt, meine übliche Joggingrunde. Meine erste Emotion, nachdem das passiert war, war Schuld. Und ich war selbst überrascht darüber. Wie kann ich mich schuldig fühlen, wenn mich jemand gegen meinen Willen von hinten packt und in den Wald ziehen will? Ist das eine typische weibliche Reaktion, dass wir den Fehler erstmal bei uns suchen? Falls dir auch so etwas passiert ist, möchte ich dir sagen, dass es ein irrationales Schamgefühl ist, was nicht der Wahrheit entspricht. Du bist nicht schuld. Dein Gefühl spielt dir einen Streich. Das Manko bewusster Menschen lautet, dass sie gerne komplette Verantwortung übernehmen und den Fehler erst mal bei sich suchen. Das ist gut, doch hier fehlplatziert. Vertraue dich jemandem an, mit dem du darüber sprechen kannst. Und dabei gibt es keinen. Aber anderen ist viel Schlimmeres passiert. Ich will hier kein Drama machen. Du machst kein Drama. Wenn du deine Gefühle teilst und nach Lösungen suchst. Hör auf, dich unbedeutend und klein zu machen. Denn diese Story hab ich mir selbst erzählt. Immer wieder dachte ich mir im Kopf: Aber es ist ja nichts Schlimmeres passiert. Die ersten 3 Tage nach dem Überfall fiel es mir schwer, durch die Straßen zu laufen alleine. Ich hab die Straßenseite gewechselt, wenn mir ein Mann entgegenkam, oder mich ständig umgedreht. Ich durfte zum ersten Mal auf eine Art und Weise spüren, wie es ist, in Angst zu leben. Nach viel Sicherheit durch meine Liebsten und tiefe Gespräche ist das Gefühl nach ca. 3 Tagen abgeklungen und ich bin sehr dankbar, dass keine tieferen Ängste geblieben sind. Höchstens eine neue Vorsicht: Alleine abgelegen joggen gehen werde ich nicht mehr. Auch wenn ich dort als Kind alleine gespielt habe. Wir beschweren uns täglich über das System und die Politik. So wie ich ja auch gerade. Ich fordere konkrete Maßnahmen und spreche damit sicherlich für viele Menschen da draußen. Doch Sachverhalte sind nicht immer nur schwarz oder weiß. Das wäre wieder Extremismus. Daher möchte ich ein großes Lob an die Polizei aussprechen. Innerhalb von nur 10 Minuten waren sie da, nachdem ich völlig aufgelöst eine Frau getroffen hab, die dann die Polizei gerufen hat. Innerhalb von 2 Stunden war der Mann gefasst. Vielen Dank an dieser Stelle an die Polizei und an die wunderbare Kommissarin, die mich befragt hat. Währenddessen ich das Ereignis kleinreden wollte, hat sie mir mit klarer weiblicher Präsenz und Stärke den Raum gegeben, Emotionen zuzulassen. Vielen Dank an alle in diesen Berufen oder ähnlichen Berufen, was ihr da jeden Tag leistet. Das Video möchte ich mit einem meiner Lieblingszitate beenden: Geburtsort Erde, Rasse Mensch, Politik Freiheit, Religion Liebe. Der Bewusstere ist in der Verantwortung. Vielen Dank fürs Zuschauen.
More from Lea

Zurück ins Leben nach Fehlgeburt – Franziska Helmke über Verlust & Heilung in der Beziehung









