Zurück ins Leben nach Fehlgeburt – Franziska Helmke über Verlust & Heilung in der Beziehung

In this German‑language talk, hosts introduce Franziska Helmke, a coach, mother and wife who recently suffered a miscarriage at 11 weeks. Franziska shares a deeply personal narrative: recalling her mother’s similar loss, describing the joyful anticipation of pregnancy, the moment the doctor delivered the devastating news, the ensuing shock, grief, shame, self‑blame, and the strain it placed on her marriage. She recounts the physical and emotional reactions—fear of touching her belly, anxiety about future pregnancies, and the feeling of being torn apart. Franziska explains how societal taboos around miscarriage silence many women, and she resolves to break that silence by speaking openly, offering visibility, and supporting other couples as a relationship coach. She invites audience members who have experienced similar loss to stand up, creating a shared space of acknowledgment and mutual support. The talk ends with a call to change the cultural narrative, emphasizing that healing begins when the pain is made visible and the community holds each other.
Chapters
Wir kommen zum nächsten großen Act, Lea, und das ist uns eine Herzensangelegenheit, die nächste Frau anzusprechen, denn sie spricht über ein Thema, das kaum jemand laut ausspricht und doch so viele betrifft. Und sie ist nicht nur eine erfolgreiche Kundin von uns, sondern sie ist auch Coach, sie ist Sternenmutter und sie ist Ehefrau. Und diese starke Frau hat selbst eine Fehlgeburt erlebt. Und das ist auch noch gar nicht so lange her. Und anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und sich zu verkriechen, hat sie gesagt: "Ich gehe raus und helfe anderen damit umzugehen." Und sie wollte einfach nicht schweigen. Und heute hat sie diesen schweren Schicksalsschlag zu einem hellen Licht gemacht. Mit dem sie als Beziehungscoach Frauen nach einer Fehlgeburt zurück ins Leben begleitet. Und es ist uns eine ganz große Ehre, diese classy lady anzukündigen.
Ja, und ich bin einfach ganz stolz, dass wir ihr hier diese Bühne bieten können. Denn Birgit hat gerade etwas ganz Wichtiges gesagt. Es hat sich viel getan in den letzten Jahrzehnten. Aber dennoch gibt es immer noch einige Themen, die Tabuthemen sind. Zu Unrecht. Geld ist eines davon, und ein weiteres Thema ist das Thema Fehlgeburten. Und sehr, sehr viele Frauen, ich bin mir sicher, viele von euch im Bekanntenkreis, oder ihr wart selber auch betroffen oder seid betroffen, haben das bereits erlebt. Und ich finde es einfach wunder-, wunderbar, dass wir hier eine erfolgreiche classy lady haben, die jetzt mit dem Schweigen bricht und ja ein Zeichen setzt. In diesem Sinne heißen wir herzlich willkommen Franziska Helmke.
Hallo. Ja, vielen Dank für eure lieben Worte. Vor 33 Jahren ist einer Frau etwas passiert und kaum jemand weiß davon. Nur ihr engster Umkreis. Sie hat nicht darüber gesprochen, weil sie vor Scham gesagt hat: "Was sollen denn die Leute von mir denken? Was sollen die Nachbarn denken? Das ganze Dorf würde über mich reden." Und diese Frau hat ihr Kind verloren. Ein Jahr später hat sie einen gesunden Sohn auf die Welt gebracht. 3 Jahre später eine gesunde Tochter. Und diese Frau ist meine Mutter. Und ich stehe heute hier und mir ist genau dasselbe passiert. Vor 6 Monaten. Von heute auf morgen. Ich kann diesen Höhenflug von der unglaublichen Freude, Von diesen Emotionen, was das in mir und in meinem Mann ausgelöst hat, kann ich nicht in Worte fassen, wie tief dieser Fall war. Und ich habe mir eine Sache geschworen: Ja, mir ist dasselbe passiert wie meiner Mutter, aber ich werde nicht schweigen. Ich werde nicht schweigen, weil es so viele Frauen gibt, und ich werde diese Worte von meiner Frauenärztin nie vergessen, als mein Mann und ich zum zweiten Ultraschalltermin in der 11. Woche da waren, wir voller Vorfreude waren, unser kleines Wunder wiederzusehen, und mein Mann hat noch gesagt: "Oh, guck mal, da ist die kleine Erdbeere." Ich habe in das schweigende Gesicht meiner Frauenärztin geguckt. Ihr fiel es genauso schwer, diese Worte auszusprechen, wie es jetzt mir fällt. Sie hat zu mir gesagt: "Ich hab' leider keine guten Nachrichten für Sie." Ich sehe keinen Herzschlag mehr. Und in dem Moment war ich wie in Trance. Ich bin von dem Stuhl aufgestanden, ich bin in die Umkleide gegangen, ich habe mich angezogen und habe mich dann neben meinen Mann fallen gelassen auf dem Stuhl und habe gehofft, dass mich irgendwie einer aufweckt und sagt: „Das ist gerade ein ganz, ganz böser Albtraum." „Anstatt also neuen Ultraschallbildern haben wir diese Praxis mit einer Überweisung ins Krankenhaus verlassen, um uns eine zweite Meinung einzuholen. Es war noch ein kleiner Hoffnungsschimmer irgendwo, aber diese Hoffnung wurde uns schnell genommen. Und es sind genau diese Momente, auf die einen niemand vorbereitet. Wir sind in dieses Krankenhaus gefahren, mussten auf die Neugeburtenstation, weil dort die Gynäkologie ist. Die Schwester hat uns einen langen Gang entlang geschickt, rechts und links waren überall Babyfotos. Ich hörte aus den Zimmern Babyschreie. Mein Herz ist an diesem Tag zum zweiten Mal in tausend Stücke zerrissen. Ein Satz hat sich so in mir eingebrannt, weil ich zu meinem Mann gesagt habe: "Ich schaff das nicht nochmal." Was für Ängste, was für Zweifel, Was für Fragen, und keiner, keiner auf dieser Welt kann dir je eine Antwort darauf geben. Ich könnte ein Buch darüber schreiben, was in meinem Kopf vorgegangen ist. Was habe ich falsch gemacht? Habe ich was Falsches gegessen? War ich nicht dankbar genug? Tausend Sachen. Und ich habe in diesem Moment meinen eigenen Körper so sehr gehasst. Ich habe mir selber die größten Vorwürfe gemacht, weil ich habe es nicht gemerkt. Und es hat mir in dem Moment mein Herz zerrissen, dass ich nicht gespürt habe, dass mein Kind nicht mehr lebt. Wir haben das Krankenhaus verlassen und ich hatte die Gewissheit und musste mit meinem toten Baby im Bauch nach Hause fahren. 4 Tage lang. 4 Tage lang hatte ich wahnsinnige Angst, meinen eigenen Bauch zu berühren. Was vorher so schön war als Paar, diese Freude, wenn mein Mann meinen Bauch gestreichelt hat, wenn mein Mann mit unserem Kind gesprochen hat, das war auf einmal weg. Es war nichts mehr davon da. Uns beiden hat es sowas von den Boden unter den Füßen weggerissen. Und jeder für sich wusste nicht, was passiert. Was macht das mit mir? Was macht das mit unserer Beziehung? Es war ein Höllentrip. Und ich versuche es in Worte zu fassen, aber es fällt mir schwer, weil ich für diesen Schmerz keine Worte habe. Ja, ich war in der 11. Schwangerschaftswoche. Und wie oft hört man: "Erzähl es bloß nicht vor der 12. Woche." „Behalte das bloß noch für dich, es könnte ja was passieren." Ja. Wir haben es direkt erzählt, als wir den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hatten. Und ich möchte euch eine Sache sagen: Ich würde es jederzeit wieder so machen. Jederzeit. Es ist ein Leben, es hat seine Berechtigung auf dieser Welt, Jede Mutter, jeder Vater weiß, was man von Sekunde eins an für ein Gefühl für sein Kind hat. Dieser gesellschaftliche Druck, der da irgendwo auf einen einwirkt, einen zum Schweigen drängt, weil es könnte ja was passieren. Dann passiert es und wir Frauen fangen uns an zu schämen. Wir fangen an, unseren Körper zu hassen. Ich hatte Angst um mich, weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll. Ich hatte Angst um meine Beziehung. Und als ob das alles nicht schlimm genug wäre, habe ich eine Scheißangst, wieder schwanger zu werden, weil ich Angst habe, das nochmal zu erleben. Und ich möchte das nicht für mich behalten, weil ich weiß, dass es so vielen Frauen— und das merke ich erst jetzt, seitdem ich offen darüber spreche— wie vielen Frauen das genauso geht, wie viele Frauen das auch betrifft. Und ich habe erst jetzt diesen Satz von meiner Frauenärztin verstanden, die gesagt hat: "Es tut mir leid, aber das ist irgendwie normal." Und ich dachte: Dieser Schmerz soll normal sein? Also, es geht so vielen Frauen so, und ich habe mich gefragt: Wo sind diese Frauen? Wo sind sie? Und wenn ich an meine eigene Mutter zurückdenke, vor 33 Jahren, möchte ich es mir nicht ausmalen, wie sie sich gefühlt haben muss. Alleine damit zu sein, diese Scham in sich zu tragen, diese Zweifel mit sich auszumachen, nur vor Angst: Was sagen denn die Leute? Ich habe für diesen heutigen Abend einen Wunsch, einen Wunsch, der wirklich von Herzen kommt. Ich möchte hier und jetzt allen Frauen und allen Männern, die hier in diesem Raum sind, Die sich vielleicht in meiner Geschichte wiedererkannt haben, die selber durch so eine Zeit gehen mussten, die diesen Schmerz gespürt haben. Ich möchte euch jetzt hier diesen Raum schenken, um sichtbar zu werden. Und zwar nicht, weil ich möchte, dass ihr euch hier zur Show stellt oder die Leute mit den Fingern auf euch zeigen, sondern ich möchte euch diese Sichtbarkeit geben, die ihr verdient habt. Ich möchte diejenigen einladen, Frauen und Männer, die sich jetzt angesprochen fühlen, dass ihr einmal aufsteht, wenn ihr das möchtet. Oh Gott. Und ich möchte dir eins mitgeben: Du wirst gesehen, du wirst hier in diesem Moment gehalten, und zwar von uns allen. Und du darfst du sein. Mit deinem Schmerz, mit deinen Zweifeln und mit all den Ängsten, die dazugehören. Und ich möchte dich noch eins wissen lassen: Du bist wundervoll, und du bist gut so, wie du bist. Und jetzt lasst uns bitte alle gemeinsam hier, lasst uns diese Welt verändern, lasst uns diesen Schmerz sichtbar machen, lasst uns diese Frauen und Männer unterstützen, lasst uns uns gemeinsam halten. Wir können gemeinsam so stark sein und aus diesem Tief uns rausholen, uns gegenseitig unterstützen. Und das ist einfach mein Wunsch. Den ich auf dem Herzen habe. Denn Schweigen hat so viele Gesichter. Aber wenn ich eins in den letzten 6 Monaten gelernt habe, dann ist es genau das, dass Heilung dann beginnt, wenn wir den Mut haben, uns zu zeigen. Wenn wir den Mut haben, uns sichtbar zu machen. Danke. [FOREIGN LANGUAGE] [FOREIGN LANGUAGE]










