Frauen müssen ihr Geld selbst holen | Birgit Schrowange Interview mit Sandy Meyer-Wölden & Lea Ernst

In a ceremony honoring Birgit Schrowange with the 2025 Unternehmerinnenpreis for her lifetime achievement, host Lea Ernst introduces Schrowange, recalling childhood admiration and highlighting her rise from a small town in Sauerland to a prominent German TV presenter across RTL, Sat.1, ZDF and more. Schrowange’s extensive career, social engagement (Verdienstmedaille, patronage of children’s charities) and role as a bestselling author are celebrated. The event transitions to an on‑stage interview conducted by Alessandra Meyer‑Wölden, where Schrowange discusses the historic gender barriers she faced in broadcasting, the evolution of women’s roles in media, and the importance of financial independence for women. She shares personal anecdotes about early career struggles, mentorship, negotiating contracts, and her own disciplined financial habits (saving 10 % of income, early stock market participation, real‑estate investment). The conversation also covers modern pressures from social media, the taboo around money, and concrete advice for younger women: start investing early, use diversified ETFs (e.g., MSCI World), consider financial education platforms, and seek trustworthy advisors if needed. Schrowange concludes with a wish for a world‑wide travel with her husband, emphasizing that financial freedom enables life choices.
Chapters
Und wir kommen nun zum nächsten großen Unternehmerinnenpreis 2025 in der Kategorie Ehrung für das Lebenswerk. Und dafür springen wir ein paar Jahre zurück. Ich habe gerade vor Augen, wie ich mit meiner Mama gemeinsam mit meinem Bruder in unserem Wohnzimmer sitze und meine Mama war so lieb lieb, an einigen Abenden uns mal länger aufbleiben zu lassen. Meine Mama ist übrigens auch hier.
Sabine!
Hallo Mama! Und dann war es so, mein Bruder Heiko und ich durften dann an manchen Abenden mal länger aufbleiben, als wir klein waren. Und Mama hat uns dann leckere Bananenmilch gemacht. Ich weiß das noch. Und dann saßen mein Bruder und ich vor dem Fernseher. Und abends lief dann eine Show auf RTL. Und ich habe mir schon als Kind immer gedacht: Diese Frau, wie sie aussieht, wie sie spricht. Und ich habe immer gesagt: Wenn ich groß bin, will ich auch so sprechen können. Will ich auch so mal vor der Kamera stehen, wie sie das macht. Das hat die kleine Lea gesagt. Umso krasser ist es einfach für mich, dass sie heute Abend hier ist. Und zwar steht sie nämlich seit 1981 vor der Kamera.
Das ist unglaublich.
Ihre Karriere startete damals auf dem Land. Im Sauerland. Wir kommen gar nicht weit voneinander herweg. Ich komme ja aus Paderborn. Wie viele von euch kennen Paderborn? Irgendjemand? Okay, gut. Genau, nicht weit von ihr entfernt. Und ich möchte noch mal deutlich machen, diese Frau, was sie alles erreicht hat, das war nicht die Zeit wie heute von Social Media, wo du einfach nur ein Handy brauchtest, dich gefilmt hast, und dann bist du in die Öffentlichkeit gegangen. Heute haben wir so viele Möglichkeiten, es gibt keine Ausreden. Aber sie hat damals gesagt, in den 80er Jahren eine Frau, eine junge Frau vom Land. Ich will es richtig wissen. Und ich finde es so bemerkenswert, noch mal, weil das war eine andere Zeit. Als Frau zu dieser Zeit vor der Kamera zu stehen, vom Land sich hochzuarbeiten, finde ich einfach unglaublich. Sie hat im TV mehrere Sendungen auf verschiedenen Sendern moderiert, wie beispielsweise RTL und Sat.1. Und jetzt haltet euch fest, es ist Wahnsinn, sie wurde für ihr soziales Engagement ausgezeichnet, und zwar mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist Patin des Deutschen Kinderpreises, World Vision Deutschland, und hat eine Patenschaft im Kinderhospiz. Und ich möchte mal deutlich sagen, diese Verdienstmedaille, damit gehört sie zu einer ganz, ganz kleinen Elite, weil nur circa 30% der Trägerinnen sind überhaupt Frauen. Und zudem ist sie neben ihrer Karriere im deutschen Fernsehen Bestsellerautorin und begleitet vor allem junge Frauen dabei, ihre Finanzbildung aufzubauen. Weil sie der Meinung ist, dass das unglaublich wichtig ist für Unabhängigkeit, Freiheit und Wachstum. Es ist mir eine unglaublich große Ehre, heute Abend den großen Unternehmerinnenpreis 2015 für das Lebenswerk zu übergeben an keine andere als Birgit Schrowange. Birgit Schrowange!
Sehr gerne. Was für eine tolle Anmoderation. Ich muss sagen, du sprichst genauso gut wie ich. Du könntest auch eine Fernsehkarriere machen. Eine wunderschöne Stimme. Danke, dass ich heute Abend hier sein darf, dass ich diesen tollen Preis entgegennehmen darf. Und ich muss sagen, so viele wunderbare, inspirierende Frauen. Mit einigen von euch habe ich mich heute schon unterhalten. Diese verschiedenen Lebensgeschichten, also großartig. Bin ja schon ein bisschen älteres Kaliber und das finde ich ganz toll, ja, dass man Frauen auch unterstützt und unterstützen darf. Finde ich einfach großartig, diese Veranstaltung.
Fantastisch, vielen, vielen Dank.
Gerne, gerne.
Daniel, magst du einmal den Preis nehmen? Birgit, das ist eine ganz große Ehre für mich, ein besonderer Moment, dir diesen Preis übergeben zu dürfen. Ich habe es gerade gesagt, Ich kann mich zurückerinnern an die Abende mit meiner Familie, mit der Bananenmilch, die kleine Lea, wie sie vor dem TV sitzt. Und jetzt hier gemeinsam mit dir zu stehen, ist eine ganz große Ehre. Danke für alles, was du gemacht hast. Vorbild bist für unzählige Frauen da draußen.
Dankeschön.
Schön, dass du da bist.
Dankeschön.
Birgit, das ist dein Award für dein Lebenswerk.
Vielen Dank. Dankeschön.
Ich freue mich sehr. Wir machen noch ein Foto zusammen.
Aber das ist witzig, wie du sagst, als Kind hast du mich im Fernsehen gesehen. Das ist ja mittlerweile tatsächlich so, dass schon so 50-Jährige auf mich zukommen. Die haben mich dann beim WDR gesehen, lange Jahre beim ZDF als Fernsehansagerin. Wisst ihr noch, was eine Fernsehansagerin ist? Tatsächlich? Also Ich kenne viele, die sagen: Was, Fernsehansagerin? Was ist das denn? Das waren ja früher die netten Damen, die das Programm angesagt haben. Aber ihr kennt die noch, also einige von euch. Ach, das beruhigt mich. Dankeschön.
Dankeschön. So, und ich bin jetzt wahnsinnig gespannt, denn wir haben die Ehre, jetzt ein Interview zu hören. Alessandra wartet schon auf dich im Greenroom, wo ich dich jetzt einmal hinführen werde. Und dann übergebe ich dich einmal an die Alessandra und ihr sprecht über das Thema Finanzen und Frauen.
Sehr, sehr wichtig. Das Geld muss Junge kriegen, sage ich immer. Gut zuhören, aufpassen.
Wunderbar.
Dankeschön.
Ich bin ja niemand, der Frauen auf ihr Äußeres reduziert, aber es muss einfach mal gesagt werden, wie unfassbar toll du aussiehst. Und ich glaube, jede Frau in diesem Raum ist meiner Meinung, und wir können gleich auf das Thema Finanzen springen, aber du bist so eine Schönheit und so eine Inspiration und es kommt wirklich von Herzen. Und ich finde, die größten Komplimente—
bin sehr gerührt, wirklich jetzt—
sind von Frauen, weißt du, nicht von Männern. Weil wenn wir, wenn wir wirklich ehrlich sagen, was wir fühlen und dass wir einfach inspiriert sind von einer Frau, dann kommt es vom tiefsten, aus tiefstem Herzen. Und du hast so eine natürliche Schönheit und mich interessiert einfach, Du hast ja einen Podcast mit der lieben Tanja May, einer sehr netten Kollegin. My Way heißt der Podcast. Den habe ich mir heute noch angehört, weil ich dir zuhören wollte. Sehr offen und ehrlich über deinen Alltag gesprochen und das macht dich so sympathisch. Und ich möchte wissen, was verdammt noch mal ist dein Beauty-Geheimnis?
Ja, ich glaube tatsächlich, dass ich mir gar nicht so Gedanken darüber mache. Also ich bin nicht gebotoxt oder gespritzt oder so, ich verurteile aber auch niemanden, der das macht. Ich habe viel Lebensfreude in mir, ich esse gerne, ich lebe gerne, und ich mache mir da nicht so viel Gedanken. Ich habe auch ein bisschen was drauf, also ich bin nicht so ganz schlank. Wenn du mal älter bist, solltest du das auch vielleicht mal in Erwägung ziehen. 100 Kilo zunehmen, muss ich irgendwann entscheiden.
Ich arbeite dran, aber die 5 Kinder halten mich auf Trab.
Aber ansonsten glaube ich ja, dass sich, je älter man wird, das Innere sich im Äußeren spiegelt. Und ich hatte damals, man braucht ja Mentoren im Leben, und ich weiß nicht, ob ihr noch die Petra Schürmann kennt. Das war eine Freundin von mir, damals Miss World, Moderatorin. Kennt ihr die noch zufälligerweise? Ehrlich gesagt, war eine sehr, sehr berühmte Frau im Fernsehen. Und die hat zu mir immer gesagt, als ich tatsächlich, fing ich schon 1978 an, ja, die Neid, Eifersucht, alles spiegelt sich im Gesicht wieder, ab 40. Und die war so ein Vorbild für mich auch, dass ich junge Frauen unterstütze und dass ich nicht neidisch bin, oder, ne, jeder hat mal seine Zeit. Ich war früher auch mal ein richtig scharfes Luder.
Du bist du immer noch, meine Liebe, immer noch, bist du immer noch. Aber ich finde das, ich finde das so faszinierend, weil du so offen und ehrlich dazu stehst, dass du einfach gar nichts machst und dass du so natürlich bist. Und ich frage mich manchmal, wie du das machst, weil wir stehen ja beide in der Öffentlichkeit, du ja auch ein Stück weit durch deine Arbeit und durch Social Media. Und meine Frage ist: Fühlst du dich trotzdem noch unter Druck gesetzt? Nein. Weil das Leben hat sich ja schon ein bisschen verändert durch Social Media und diesen Druck. Meine Tochter ist 15 und die hat eine ganz andere Realität, als wir sie hatten.
Also ich finde das ganz, ganz traurig, dass so junge Mädels wie deine Tochter also mit Instagram sich vergleichen. Und ich finde das ganz schlimm. Ich bin froh, dass ich einen Sohn habe, der damit gar nicht so viel am Hut hat. Und ich bin auch froh, dass ich nicht in der Zeit groß geworden bin. Also ich habe Druck tatsächlich bei den öffentlich-rechtlichen Medien empfunden, aber nicht bei den Privatsendern, komischerweise. Und man hat mich immer gewarnt, als ich vom ZDF damals zu RTL ging: Um Gottes Willen, higher and fire, da wirst du keine 2 Jahre überleben. Und ich habe selbstbestimmt aufgehört und ich hätte da noch ein paar Jährchen weitermachen können. Da habe ich nie Druck verspürt. Aber damals beim ZDF Mit so, ja, wie alt, da hab ich so Sachen gehört, wenn eine Nachrichtenmoderatorin 45 war, also diese alte Frau, wat will die denn da noch auf'm Schirm. Aber immer beurteilt von Männern, keine Haare, so 'ne dicke Plauze, schlechte Zähne. Das waren aber auch noch ganz andere Zeiten. Das waren noch so Zeiten, als ich da anfing, da waren Frauen nicht viel wert, die waren Fernsehansagerinnen. Die durften das Programm ansagen, oder Assistentinnen. Kennt ihr zufällig, ich mag dich, Kuhlenkampf? Der hatte eine Assistentin, der führte die dann vor und guckt mal hier, die Gabi hat hier nicht ein schönes Röckchen an? Das wäre heute no way. Ich habe alles erlebt. Die erste Frau, die die Nachrichten machte, Tagesthemen, Barbara Dickmann, das war ein Skandal, das war ein Aufschrei. Eine Frau macht Nachrichten. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Heute gibt es tolle Frauen im Fernsehen. RTL hatte jahrelang eine Chefin, dann gibt es die tollen Talkmasterinnen. Das war früher eine ganz andere Welt und ich habe es von früher bis jetzt erlebt.
Ja, das verdient einen Applaus.
Absolut. Kaum vorstellbar.
Ich habe ja, wie gesagt, diesen Podcast gehört und ich finde das ich finde das so mutig, dass du so offen und ehrlich über Finanzen und Geld sprichst und auch über deine eigene finanzielle Situation. Warum meinst du, ist es für so viele, für uns, und ich weiß nicht, wie es dir dabei geht, Lea, sowohl mit anderen Frauen, aber vielleicht auch in der Beziehung mit einem Mann, oder grundsätzlich, warum ist Geld und Finanzen, warum ist es immer noch so ein Tabuthema? Warum sprechen wir nicht darüber?
Ich kann es nicht verstehen. Wir sprechen über Männer, wir sprechen über Sex, wir sprechen über unsere Cellulite. Also ich hab welche, ich weiß nicht, ihr wahrscheinlich nicht. Da spreche ich drüber. Aber übers Thema Geld, da haben wir doch irgendwie so eine Schranke im Kopf. Und ich finde, man sollte immer darüber reden, denn zusammen kann man viel mehr erreichen. Das habe ich damals auch meinen jungen Kolleginnen bei RTL immer gesagt, weil jeder so heimlich seine Dinge gemacht hat. Und man muss darüber offen reden. Also ich hatte mal einen Freund, in New York. Das war Ende der 80er Jahre, und dann bin ich ja so 8 Jahre lang immer hin und her geflogen, habe eine Fernbeziehung wirklich nach Amerika geführt. Und die gehen ja ganz anders mit Geld um, das weißt du auch, ne?
Das weiß ich wohl, ich habe auch 30 Jahre in Amerika gelebt.
Und die finden das toll, wenn man erfolgreich ist, wenn man Geld verdient. Die sind nicht neidisch. Hier in Deutschland ist das ja manchmal ein bisschen so, da spart jeder in Aktien. Und da habe ich erstmal das Bewusstsein dafür bekommen und habe dann auch, bin dann in den Aktienmarkt eingestiegen. Es ist aber so, ich komme aus kleinen Verhältnissen im Sauerland, in Brilon, da wo unser Bundeskanzler auch herkommt. Da komme ich auch weg, so sagt man im Sauerland. Und das war das klassische Verhältnis, also die Frau steht am Herd, der Mann verdient das Geld. Und bei uns war sehr wenig Geld da. Ich wusste, wenn ich was erreichen will, wenn ich was haben möchte, muss ich den Arsch hochkriegen. Und wir haben ja heute auch schon inspirierende Sachen gehört. Und ich hab dann einfach alles getan, damit ich da rauskomme. Ich hab erst 'ne Lehre gemacht als Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Dann hab ich mich beim WDR beworben, zunächst als Sekretärin, und hab das geschafft. Aber ich hatte auch immer so Frauen oder Stimmen: Ja, wieso, das schaffst du doch „Das schaffst du doch sowieso nicht, wer hat denn da auf dich gewartet?" Sogar meine eigene Mutter hat das gesagt. Und dann hab ich mir immer gesagt: „Doch, die haben auf mich gewartet, wartet's mal ab, wartet's mal ab." Und das ist auch ganz komisch, dass man in der eigenen Familie dann so runtergeredet wird. Also ich denke auch, ja, weil die sich selber nicht trauen, dann wollen sie einen auch kleinhalten, oder im Freundeskreis etc. Und dann hab ich mir gedacht, wenn ich da 'nen Fuß erst mal drin hab, ja, dann komm ich schnell vor die Kamera, das wird schon klappen mit meinem sauerländischen Akzent. Dann hab ich mit meinem bisschen Geld mir noch Sprecherziehung geleistet, musste dann so Übungen machen: Eine Wirtin in Dortmund verkauft 40 Würstchen.
Woll?
Eine Wirtin in Dortmund. Durtmund, Durtmund. Ich hatte ja so 'nen sauerländischen Dialekt, den musste ich mir dann abgewöhnen. Ja, und dann war ich penetrant, und das kann ich auch hier nur den Frauen sagen: Ihr müsst euch die Dinge holen, sie kommen euch nicht in den offenen Mund geflogen. Ich hab mir alles geholt, was ich wollte. Ich war penetrant. Die haben mich vorne rausgeschmissen, ich bin hintenrum wieder reingegangen. Ja, bis die gesagt haben— es ist so, die haben— Dann haben die gesagt, diese alten Männer, boah, lass die jetzt mal am Casting teilnehmen, die geht uns so auf den Sack hier. Ja, und dann kann ich mich noch erinnern, eine kleine Episode noch, damals gab es die Deutsche Schlagerparade, die moderierte damals, der Chef war Dieter Thomas Heck, und die moderierte, wie heißt er nochmal, Jürgen Drews. Und dann hörte der auf. Und dann hab ich gedacht: Boah, die Deutsche Schlagerparade wär doch genau das Richtige für mich. Ich liebe Schlager, ich find das toll, ich wollte auch mal die Showtreppe runtergehen. Und dann hab ich mir überlegt: Wo treff ich den Dieter Thomas Heck? Und dann hab ich das irgendwie rausgefunden. Der war auf irgendeiner Gala, da hab ich mir dann eine Einladung verschafft. Weiß ich auch nicht mehr genau, wie ich das geschafft hab. Und dann geh ich so zu ihm, ich kleine Fernsehansagerin, ne, ganz kleine Fernseh-Maus. Hallo Herr Heck, und haben Sie denn schon einen neuen Moderator gefunden? Nein, das ist gar nicht so einfach. Ich sag, Sie müssen nicht weitersuchen, die neue Moderatorin steht vor Ihnen. Und dann rief er, Hildchen, Hildchen, Hildchen, das war seine Frau, komm mal, komm mal. Und dann haben die mich zum Casting eingeladen, aber wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte ich die Chance niemals bekommen. Und das kann ich auch nur allen Frauen sagen, es wenigstens mindestens versuchen. Ja, viele Frauen sind dann so, so, die haben so Glaubenssätze, wie du gesagt hast. Ach, ich bin das doch nicht wert, wer hat auf mich gewartet? Habe ich auch jahrelang gehabt. Und da habe ich auch einen kleinen Tipp: Immer wenn es für mich so brenzlig wurde und ich Angst hatte, ich habe ja auch das Imposter-Syndrom lange Zeit gehabt, dass ich weiß, was das ist, ne, also Imposter-Syndrom, dass ich dass auffällt, dass ich eigentlich gar nichts kann und gar nichts weiß. Und dann habe ich mir immer gedacht, so, ich bin jetzt eine Schauspielerin und ich schauspielere jetzt. Und das hat immer geklappt für mich. Man kann sich so kleine Tricks einfach aneignen.
Jetzt, weil es gibt so viele Dinge, die wir Frauen heutzutage für selbstverständlich nehmen, und ich habe mir so ein paar Fakten rausgesucht, die wirklich krass sind. Und alle, die da die da draußen auch zuhören, die ich nicht sehen kann. Aber ganz viele Frauen hören zu. Ich möchte euch daran erinnern, dass Frauen in Deutschland erst seit 1962 eigenständig ein Bankkonto eröffnen durften. Das ist unfassbar. Dass erst seit 1977 Frauen ohne Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten arbeiten durften. Also das ist unfassbar. Und mich interessiert das, weil ich habe das Gefühl, es ist wirklich zu deiner Mission geworden, finanzielle Verantwortung für Frauen. Was macht das mit dir und wie wichtig ist heutzutage finanzielle Unabhängigkeit für Frauen?
Also das ist sehr, sehr wichtig. 1977, da musste quasi, also ein Jahr vorher, meine Mutter noch meinen Vater fragen, ob sie arbeiten darf, also die Unterschrift holen. Ich war damals 19 Jahre alt, ich hätte ja auch schon verheiratet sein können, das war nicht so unüblich in der Zeit, und dann hätte ich tatsächlich meinen Mann fragen müssen. Das war furchtbar. Also wenn ich daran zurückdenke, oder auch an mein Dorf, die Frauen waren einfach— ich glaube, wir sind die erste Generation, also meine Generation, die auch ein Vorbild sind für andere Frauen. Ich glaube, wir sind wirklich die erste Generation, die Frauen vor uns, Die Generation vor uns, da waren die meisten noch so in dem klassischen Modell, und für mich kam das nie infrage. Ich wollte immer unabhängig sein, weil unabhängig— finanzielle Freiheit bedeutet, unabhängig zu sein, Nein sagen zu können zu Jobs, zu Situationen. Ich muss nicht bei so einem blöden Mann bleiben, nur weil ich nicht weiß, wie ich mich und meine Kinder ernähren soll. Das war mir extremst wichtig. Ich hatte mal einen sehr reichen Freund, denjenigen in Amerika, der war CEO von Bayer, und der hat alles versucht, mich nach Amerika zu locken, dass wir heiraten. Er wollte aber, dass ich meine Karriere aufgebe. Ich hatte sogar meine eigene Stretchlimo. Mein Fahrer hieß Al. Der hat mir wirklich die Welt zu Füßen gelegt und Schmuck und alles. Ich konnte mir alles leisten, alles kaufen. Aber ich war in einem goldenen Käfig, und das kam für mich— also wenn ich mir vorstelle, ich wäre jetzt heute noch mit ihm zusammen, also das würde gar nicht gehen. Also der wollte mich auch kleinhalten, so als Frau für Damenprogramme etc. etc., und das kam für mich niemals in Frage, vielleicht auch, weil ich das bei mir im Dorf gesehen habe. Die meisten Frauen waren doch unglücklich.
Das heißt, bist du immer schon so verantwortungsvoll bewusst mit Geld umgegangen, also schon am Anfang deiner Karriere, oder ist das etwas, was du quasi dir selbst beigebracht hast über die Jahre?
Ich habe tatsächlich immer 10% von dem, was ich verdient habe, weggelegt. Und jetzt sagen bestimmt viele, ach, das ist ja gar nicht so schwierig, die hat doch genug Geld. Nein, also bis 35 hatte ich nicht so viel. Das große Geld kam erst durch deinen Vater, lieber Alexander.
Witzige Geschichte, ich wusste nicht, ob ich es ansprechen darf. Es gibt eine Geschichte, die uns verbindet, die müssen wir jetzt aber vielleicht kurz ausführen und erklären. Bitte, unbedingt. Wenn du möchtest.
Ja, also ich habe nicht so gut verdient als Fernsehansagerin und so. Wir hatten zwar immer so unsere Nebenjobs, aber ich habe immer— also man wird nicht reich von dem, was man verdient, man wird reich von dem, was man zurücklegt. Ich kenne so viele Leute, die haben viel mehr Geld verdient als ich, und das sind heute so arme Schweine. Die müssen zu jeder Tankstelleneröffnung ihr Gesicht präsentieren. Das muss ich Gott sei Dank nicht. Ich bin total finanziell frei. Ich war schon früh am Aktienmarkt. Ich habe in Immobilien investiert mit ganz wenig Geld und selber renoviert etc. Was wollte ich denn jetzt sagen? Ach so, und dann bekam ich das Angebot bei RTL. Und da habe ich gedacht, ja, alle haben so mir abgeraten: Um Gottes Willen, du kannst doch nicht zum RTL gehen! Higher and Fire, Privatfernsehen, geht gar nicht. Mir hat wirklich jeder abgeraten, außer meiner besten Freundin Isabel Varel. Und dann hab ich gedacht, so, ich muss diese Chance ergreifen, und wenn ich die nicht ergreife, weiß ich ja gar nicht, ob es gut gegangen wäre. Und dann hab ich in der Zeitung eine Notiz gelesen, dass der Vater von Alessandra den Vertrag von Boris Becker gerade verhandelt hat, und da hab ich gedacht, „Oh, wenn der für Boris Becker, dann kann er das auch für mich machen." Und hab ihn angerufen in München und er hat mich tatsächlich einbestellt und er hat dann meinen ersten Vertrag verhandelt bei RTL. Und ich hab immer nur gedacht: „Um Gottes willen, so viel Geld kann man doch nicht verlangen. Um Gottes willen, was macht der da?" Aber es war genau richtig. Das war eine schöne Geschichte, das werde ich nie vergessen. Dann war ich dann mit deinem Vater und mit Franz Beckenbauer beim Fußball. Das war auch ein tolles Erlebnis.
So süß. Aber ich finde die Geschichte so schön, abgesehen davon, dass es für mich immer sehr schön ist, Geschichten über meinen Vater zu hören, weil er viel zu früh verstorben ist. Ich war damals 14 und da geht mein Herz immer auf, wenn ich Geschichten höre. Ich finde das so mutig von dir als Frau. Es sagt so viel über dich aus, dass du einfach in der Zeitung liest, dass ein Anwalt den größten größten Tennisspieler damals, ne, den man kannte, berät, und du den Mut hattest, einfach— und das führt wieder damit zusammen, was du gesagt hast— einfach loszugehen, einfach zu machen. Und es hat sich so für dich gelohnt.
Total. Und das kann ich auch nur jedem sagen, ne: Ihr müsst machen, ihr traut euch! Was kann denn passieren? Er hätte gesagt: Nee, also du bist mir ein zu kleines Licht, das mache ich jetzt aber nicht. Ja gut, ich hätte es aber versucht.
Ganz genau. Und ja, das verdient einen Applaus. Jetzt bin ich natürlich Mutter einer fast 16-jährigen Tochter. Was würdest du der jüngeren Generation empfehlen? Was für Tipps würdest du mitgeben, wie sie investieren sollen? Sollen sie sich einen Berater dazu holen? Können sie Fremden vertrauen? Sollen sie es sich selber beibringen, wie man investiert? Was ist dein Tipp?
Ja, also die Jugend von heute ist ja viel auf Instagram unterwegs. Das ist ja nicht ganz so mein Medium, aber da gibt es ja ganz tolle Seiten für finanzielle Bildung, finanzielle Intelligenz. Da kann man das spielerisch lernen, und das würde ich erstmal vorschlagen. Und dann auf jeden Fall 10% weglegen. Mal, wie schnell kauft man sich da einen Lippenstift, oder da geht man zum Abendessen, oder keine Ahnung. Man kann heute schon für 25 im Monat in ETFs und Fonds einfach die weltweit anlegen. Das ist ein Korb mit ganz vielen Eiern, und wenn 1, 2, 3 Eier mal schlecht sind, dann holen die anderen Eier das wieder auf. Also es gibt da tolle Fonds, die machen jedes Jahr so 8, 9%, und Das größte Weltwunder ist der Zinseszins. Je früher man damit anfängt, desto mehr wird man belohnt. Und ich verstehe das nicht, dass— ich kenne so viele Frauen auch heutzutage noch, die sagen, ja, sie sparen und so. Wenn ich dann frage, wie? Ja, auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto oder Lebensversicherung. Ihr müsst in den Aktienmarkt, das ist das Allerwichtigste. Man muss ein bisschen auch Risiko Fahren, gerade wenn man jung ist. Und wenn man sich selber dafür nicht interessiert oder sich nicht kümmern will, es gibt sehr gute Bankberater. Ich habe zum Beispiel einen sehr guten gefunden, da bin ich sehr glücklich. Und dann, wie gesagt, in Fonds, in einfach MSCI World, einfach mal anfangen, da mal jeden Monat 50 oder 100 rein, macht man nichts verkehrt.
Ich finde das so toll, dass du dafür einstehst und dass du dein Wissen teilst und überhaupt deine ganze Karriere ist so interessant, weil viele deiner Kolleginnen stehen ja immer noch vor der Kamera. Es ist wie bei den Sportlern für mich. Wusstest du so genau für dich den richtigen Zeitpunkt, wo du gesagt hast, okay, das war's mit der Karriere vor der Kamera, ich genieße jetzt mein Leben?
Ja, das Leben ist endlich. Ja, also eine Influencerin hat mal gesagt, die Zeit zwischen 30 und 60 ist genauso— nee, die Zeit zwischen 60 und 90 ist genauso lang wie die Zeit zwischen 30 und 60, und die Zeit zwischen 30 und 60, das war bei mir so: Rush Hour, Kind gekriegt, Karriere aufgebaut, Wohnung angezahlt, und dann ist man nur im Stress und macht und macht und tut und tut. Ich habe sehr viel gearbeitet in meinem Leben, wirklich viel. Ich bin sehr dankbar für das, was ich alles erleben durfte, die vielen Sendungen, die ich machen durfte, in einer Zeit, wo noch Geld da war, wo man wirklich mit einem großen Team umherreiste. Und dann habe ich noch mal netten Mann kennengelernt mit 59. Ich habe ja immer gesagt, ich heirate erst mit 65 und dann schaffe ich die Silberhochzeit mit 90. Schatzi, das schaffen wir, ne?
Natürlich!
Ja, und dann haben wir das 25-jährige Jubiläum von X extra gefeiert, und das war für mich eigentlich der richtige Zeitpunkt aufzuhören. Ich muss dazu sagen, auch die Geschichten waren alle erzählt, ich war auch so ein bisschen müde, das Sparprogramm fing an, also man hat am Programm gespart, es war nicht mehr, es hat mich nicht mehr erfüllt. Und da habe ich gedacht, so, nee, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, 25 Jahre, und ich mache jetzt nur noch das, was mir gefällt, was mir Spaß macht. Weil ich muss nicht, ich bin finanziell frei, das ist doch super. Und ja, und ich genieße das Leben mit meinem Mann, wir reisen viel, wir sind gerade nach München gezogen, wir haben noch eine Destination auf Mallorca, wir machen es uns schön. Und ab und zu trete ich mal auf, wie heute bei euch, nächsten Freitag bin ich auf dem roten Sofa von Das im NDR, ab und zu bin ich in Podcasts. Oder in Sendungen, und ja, ist schön, schön, dass du da bist. Man muss nicht immer nur arbeiten, das Leben ist endlich. Wenn ich mir so ein Zentimetermaß vornehme, und ich werde— ich möchte gerne 100 werden, aber das ist auch nur noch so ein Stück, also müssen wir jetzt alles machen, was noch geht.
Das hast du schön gesagt.
Ich habe noch eine allerletzte Frage an dich. Du sprichst von finanzieller Unabhängigkeit, aber wenn du deinem Herzen noch einen Wunsch erfüllen könntest, gibt es noch etwas, was du erleben möchtest, was du dir erfüllen möchtest? Eine Vision, die du noch umsetzen möchtest?
Also wenn ich ganz ehrlich bin, nee, ich habe eigentlich so viel gehabt. Ich war bei allen Sendern, WDR, ZDF, RTL, Sat.1. Ich habe Talkshows moderiert, damals schon beim ZDF, eine hieß „Wiedersehen macht Freude". Ich habe eigentlich mich ausleben dürfen. Und nee, ich möchte mit meinem Mann noch mal eine richtig schöne Weltreise machen, wirklich eine Weltreise. Das ist ein Wunsch, den ich noch habe. Das ist ein toller Wunsch.
Ich wünschte, ich hätte die Zeit dafür. Vielen Dank für das tolle Interview, Birgit. Und danke, Lea, dass du uns den Rahmen gegeben hast, um so ein tolles Gespräch unter Frauen zu führen, das auch sehr ehrlich ist.
Ich danke euch.
Vielen Dank, Birgit. Vielen Dank für dieses fantastische Interview. Das war wahnsinnig inspirierend, authentisch. Und dass du auch ganz, das liebe ich immer, ganz konkrete Tipps wirklich an die Hand gibst mit Zahlen, Daten, Fakten. Wie viele von euch konnten sich gerade ordentlich was mitnehmen?
Dankeschön.
Dankeschön.
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