In this conversational interview on MYSTICA.TV, Sylvia Leifheit and Thomas Schmelzer, both self‑described researchers of the spiritual field, explore what it means to be spiritual in contemporary society. They begin by questioning whether anyone can be truly spiritual, concluding that spirituality is an innate potential that may be dormant in many people. Schmelzer links spirituality to empathy, suggesting that those with a stronger empathic capacity are more likely to engage with spiritual practices. Leifheit observes a wave‑like fluctuation in public interest, noting that practices such as meditation, yoga, and channeling have become mainstream and socially accepted, while deeper, tradition‑based paths remain limited to a small circle of dedicated teachers and students. Both acknowledge the role of digital media in spreading awareness, and Schmelzer adds a demographic perspective, pointing out that the absolute number of spiritually inclined individuals is rising simply because the world’s population is larger than ever. The dialogue highlights a tension between popular, “find‑your‑flow” spirituality and the more rigorous, lineage‑based awakening pursued by a minority, and reflects on how openness to spiritual topics has gradually increased over recent years.
Chapters
Ihr Lieben, herzlich willkommen zu einem Free Spirit Talk über die spirituelle Szene, die Spiritualität an sich. Heute mit Sylvia Leifheit. Ich grüße dich.
Hallo, ich freue mich. Freue mich auch.
Wird sicher ein spannender Austausch und euch wünsche ich viel Spaß. Spiritualität, die spirituelle Szene, ein weites Feld. Und wir beide haben schon festgestellt, sind ja Forscher auf diesem Gebiet, auf unterschiedlicher Weise. Ich mit meinen 1000 Interviews, 10.000 Bücher gelesen, viele interessante Menschen kennengelernt. Und du bist viele Wege gegangen. Also ich bin auch paar Wege gegangen, aber du bist wirklich sehr in die Tiefen gegangen. Spirituelle Weisheitslehren, Traditionen, Medialität, viele Ausbildungen, hast sehr viele Menschen da auch kennengelernt. So, Wir haben also schon eine Menge gesehen. Wann ist man denn wirklich spirituell?
Grundsätzlich würde ich sagen, jeder Mensch ist spirituell. Nur bei dem einen oder anderen ist es noch nicht entzündet, aufgewacht. Wie siehst du das?
Ich würde auch sagen, ja. Also ich sage auch immer, moderne Spiritualität heißt wirklich, das Leben leben, das gelebt werden möchte, wie auch immer es sich zeigt. Wach, bewusst zu sein, ja.
Für mich hat Spiritualität aber schon auch sehr viel mit Empathie zu tun.
Ja.
Das heißt, in dem Moment, wo die Fähigkeit zur Empathie schon mal grundsätzlich angelegt ist, würde ich sagen, diese Menschen werden schneller eher sich diesen Themen widmen, weil sie immer irgendwie mitbekommen, da ist, ich sehe, fühle, was auch immer, mehr als andere. Wenn das noch nicht so ausgeprägt ist, dann ist natürlich da noch nicht so der Draht dahin. Aber mich würde eher interessieren, wie siehst du das? Hat sich das Thema Spiritualität oder die Offenheit für Spiritualität im Grunde irgendwie gewandelt in den letzten Jahren, oder ist es gleich geblieben? Wie siehst du das?
Spannende Frage. Also ich habe so das Gefühl, in Wellenbewegungen geht es immer ein bisschen rauf und runter, aber es hat sich schon etwas mehr auch geöffnet. Also man sieht es ja daran, dass Meditation oder Yoga heute für die meisten Menschen was ganz Normales ist. Viele wissen darum. Viele sagen: Ich mach's nicht, aber ich weiß, was es heißt. Und sie benennen denjenigen nicht als verrückt, der mal Yoga macht. Also da hat sich ja schon viel getan. Auch Channeling. Channeling-Kongresse gibt es ja, wo immer mehr Menschen feinere Wahrnehmungen entwickeln und medialer werden. In welche Richtung und wie sich das dann auswirkt, ist eine andere Frage. Also das Thema ist schon in weiteren Kreisen Thema. Aber Menschen, die sozusagen wirklich einen tieferen Bewusstseinsweg gehen, sind immer nur ein paar. Die größten spirituellen Lehrer, die ich am meisten bewundere, sind meistens erwachte Menschen, die gar nicht so berühmt sind. Die haben eine Handvoll Schüler, die wirklich ganz tief diesen Weg gehen. Das ist so die andere Seite. Das heißt, sagen wir mal, die mainstreamigere, poppigere Version der Spiritualität, find your flow und so, wird immer beliebter. Das ist auch schön. Online passiert da auch ganz viel. Ja, so gibt es verschiedene Abstufungen, würde ich sagen.
Ich habe dazu auch noch mal eine bestimmte Wahrnehmung. Und zwar, ich bin eher der Meinung, dass es nicht mehr werden, weil es mehr werden, sondern weil wir mehr werden. Also statistisch gesehen sind wir mehr Menschen denn je auf der Erde.
Das stimmt.
Das heißt, wenn du prozentual rechnen würdest, bezweifle ich, dass es tatsächlich mehr Menschen sind, die wirklich spirituell, spiritueller werden. Ich denke mir, es ist die gleiche Menge wie immer, nur sie wirkt jetzt als mehr, weil wir halt generell mehr sind. Und es gibt das Tool, dass die Digitalität, die digitalen Medien, die einfach schneller das Gefühl erwecken von: Es ist mehr Bewegung drin. Ich sage das aus einer ganz gewissen Perspektive. Ich bin sehr viel in der Welt unterwegs, in der ganzen Welt unterwegs, und ich bin es sehr viel mit Geschäftsleuten. Und auch Geschäftsleute sind durchaus interessiert. Ich gebe dir völlig recht, die Tiefe ist natürlich etwas, das ganz, ganz weit weg ist von diesem eigentlichen Interesse. Wer lebt wirklich tiefer? Aber ich sehe es auch, dass in anderen Generationen, Gen Z könnte man jetzt mal sagen oder so irgendwie, einfach die Jüngeren auch, ich finde auch da ist zwar Interesse da, aber kaum geht es über die 15 Sekunden hinaus, wird es schon wieder schwierig. Das heißt, ist das denn sinnvolle Spiritualität? Was bringt es mir, wenn die Leute offen sind, grundsätzlich offener wirken, obwohl es eigentlich nur mehr sind, die jetzt interessiert sind, also prozentual mehr, aber nicht— nee, prozentual eben nicht mehr, wenn sie zwar offener sind, aber am Ende es irgendwie dann doch nichts tut.