KI, Verband & Zukunft des Gerüstbaus | Sandro Rende im Gespräch mit Walter Stuber | Mutmacher #38

German podcast interview (Mutmacher) in which Walter Stuber speaks with scaffolding entrepreneur Sandro Rende from Saarwellingen. Rende (family business leader for ~20 years) describes his company vision, staffing (current ~57 employees, recruitment and apprenticeship efforts), regional market challenges in the Saarland, his roles in industry associations (elected Vizepräsident/Präsidium in May; active in Bundesinnung and Landesvorstand of Familienunternehmer), and sector-level wins (VOB amendment, Übergangsgesetz, professional tariff outcomes during COVID). He also discusses DIHZ/’Mastermind’ peer groups, warehouse/system organisation, succession aspirations for his daughter, work–life balance and hobbies, and the role of digitalisation/AI for the trade.
Questions this video answers
Seit über 20 Jahren (er nennt 'seit 20 Jahren' Familienunternehmer/Unternehmensverantwortung).
Saarwellingen, Saarland.
Zurzeit ~57 Mitarbeiter; Schwankungsbereich in den letzten Jahren: Rekord 69, Minimum 42 (2015).
Derzeit 3 Auszubildende; Zielvorgabe: bis zu 6 Ausbildungsplätze pro Jahr.
Gewählt ins Präsidium / Vizepräsident beim Bundesverband (Bundesinnung); Landesvorstand der Familienunternehmer im Saarland; Leiter des Arbeitskreises Wirtschaft und Recht (seit ~7 Jahren).
Chapters
Herzlich willkommen zu Walter Stuber, der Mutmacher im Gespräch. Herzlich willkommen zu unserem neuen Podcast Mutmacher im Gespräch. Und heute habe ich einen ganz besonderen Gast, das ist der Sandro Rente. Lieber Sandro, stell dich mal persönlich vor.
Hallo Walter, erstmal vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich riesig, endlich mit dir zusammen einen Podcast aufzunehmen. Ich stelle mich kurz vor. Sandro Rende, seit 20 Jahren ein Familienunternehmer, ein Mittelständler, der für die Gerüstbaubranche brennt. Ich bin im Saarland tätig, sitze genau in Saarwellingen, bin ein industrie industriestarker Gerüstbauer, der sich viel auf Serviceorientierung entwickelt hat, leite das Unternehmen jetzt seit über 20 Jahren. Ich musste oder durfte sehr früh Geschäftsführer hier werden und wie gesagt, leite das Unternehmen jetzt seit über 20 Jahren und in Teilen sehr nachwuchsorientiert.
Lieber Sandro, bist du jetzt so ein Frühaufsteher? Fällt dir das leicht früh aufzustehen und ins Büro zu gehen oder ist das nicht so deine Sache?
Nein, mir fällt es eher schwer ins Bett zu gehen, weil ich ständig im Fluss drin bin und versuche immer wieder präsent zu sein. Also ich bin morgens relativ früh in einem Unternehmen, habe aber auch die Situation, dass ich eine gewisse Routine oder meinem Morgen habe. Ich darf seit knapp zwei Jahren jeden Morgen ab 7 Uhr meine Tochter in die Schule fahren und bin morgens normalerweise von 5 bis 7 im Unternehmen und bin dann wieder ab Viertel nach 8 wieder zurück und habe einen sehr durchorganisierten Arbeitstag.
Jetzt bist du ja ein Hans Dampf in allen Gassen. Du bist ja nicht nur in deinem Gerüstbauunternehmen. Erzähl mal, wo du überall noch unterwegs bist, was du noch sonst alles machst.
Also primär natürlich mein Unternehmen, aber ich bin wirtschaftspolitisch unterwegs. Das bedeutet, ich bin bei den Familienunternehmern. Das ist ein wirtschaftspolitischer Verband, der sich für die Interessen des deutschen Mittelstands und gerade für familiengeführte Unternehmen einsetzt. Dort bin ich im Landesvorstand drin im Saarland. Was ich auch noch mache und das mache ich auch schon seit vielen Jahren, das ist halt im Bundesverband Bundesinnung, wo ich mich versuche zu engagieren und versuche auch dort ein paar Dinge zu bewegen.
Jetzt hast du ja im Mai, haben wir uns ja getroffen in Hamburg, da bist du jetzt ja gewählt worden. Erzähl mal den Werdegang und warum du jetzt diese hohe Würdigung angenommen hast.
Also ich wurde ja ins Präsidium gewählt, das heißt Vizepräsident beim Bundesverband oder Bundesinnungsmeister bei der Bundesinnung. Ich bin dort für den Teil Wirtschaft, Recht und Ausbildung tätig. Zum großen Teil kommt das daraus, dass ich seit knapp sieben Jahren schon den Arbeitskreis Wirtschaft und Recht leite, also praktisch die Struktur, die das Präsidium berät, in allen unseren großen Herausforderungen, denen der Verband in den letzten Jahren war. Und ich sehe halt einfach gerade Verbandsstruktur oder in der Bundesinnung, was ja fast die gleiche Organisationsstruktur hat, einfach riesige Erfolge aus den letzten Jahren und was der Verband in den letzten Jahren gemeinsam als Team, ob das jetzt aus dem Beirat kommt, mit dem Präsidium zusammen oder aus den verschiedenen Arbeitskreisen und Arbeitsgruppen herausentwickelt hat. Ich finde das faszinierend, dass die Branche so stark zusammenwächst und dass wir so viel engagierte Leute haben. Und das hat mich auch dazu bewegt, wie ich das Angebot oder wie ich sage mal, wie ich die Gelegenheit hatte zu Ja, ich stelle mich dieser Herausforderung, weil ich weiß, dass unser Verband funktionieren kann und gerade mit der neuen Generation. Unser Verband steckt ja auch in einem gewissen Transformationswandel, wie man das heutzutage schön sagt, glaube ich, dass wir sehr gute junge Talente haben, die ihre Chance brauchen und die wir dazu bringen müssen, sich in oder für ihren Berufsverband zu engagieren.
Jetzt hast du ja von Beispielen gesprochen, was in den letzten Jahren erreicht worden ist. Nehmen wir mal ein ganz konkretes Beispiel.
Also ganz konkret ist es als letztes die VOB Änderung, die ja nicht nur ein monetäres Beispiel bringt, also dass wir jetzt mehr abrechnen können. Das ist ehrlich gesagt gar nicht so das direkte Ziel gewesen. Das direkte Ziel war, dass das Vertragswesen zwischen den Gerüstbauern und den Gerüstnutzern fairer wird, weil die alte VB hatte einige Schwachstellen, die juristisch immer wieder Folgen hatte für viele unserer Mitglieder. Und das hat der Verband dazu bewegt, hier Nachbesserungen durchzuführen. Dann ist es das Übergangsgesetz. Das Übergangsgesetz, was praktisch regelt, dass zukünftige oder andere ähnliche Gewerke für Drittgewerke keine Gerüste mehr bauen dürfen. Das ist ein Riesenerfolg. Das hat uns sehr viele Jahre politische Hintergrundarbeit gebracht. Natürlich entstehen gerade bei solchen Bewegungen, bei solchen Veränderungen für unsere Branche entstehen Kompromisse und die sind wichtig, die auch mit anderen Gewerken auszuhandeln. Das sind jetzt aber zwei wichtige Punkte. Es gibt ganz, ganz viele Beispiele, ob das zum Beispiel auch aus der Tarifpolitik herkommt. Die Tarifpolitik hat sich während der Corona Zeit wirklich sehr professionell verhalten. Wir hatten gute Tarifverhandlungen während der Corona Zeit. Wir konnten unseren Mitarbeitern genauso wie den Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit bieten. Das sehe ich als Erfolg.
Jetzt gehen wir mal zurück wieder in dein Unternehmen. Was ist die Vision deines Unternehmens? Hast du eine niedergeschriebene Vision und können deine Mitarbeiter alle auf diese Vision zugreifen?
Nein, also niedergeschrieben ja, aber nicht alle Mitarbeiter können auf diese Vision zugreifen. Man sollte die Vision spüren in einer gewissen Form auch leben. Das Unternehmen soll sich mit dieser Vision identifizieren und meine Vision ist eigentlich relativ Ich möchte modernes, zukunftsfähiges Gerüstbauunternehmen haben, was qualitativ nicht nur in der Qualität der Baustellen, sondern auch in der Qualität der Mitarbeiter hochmodern ist und gleichzeitig auch so traditionell und ich sag mal so innovativ ist, dass ich die besten Mitarbeiter für die richtigen Projekte habe. Ich meine, du hast eine ähnliche Vision und genau diese Vision ist die Herausforderung, die ich für unsere Branche auch sehe.
Jetzt bist du in dem kleinen Saarland und das ist natürlich jetzt in Saarbrücken und Umgebung Industrie sehr stark heimisch. Jetzt ist natürlich dort auch ein sehr schwankenden Markt. Also man hat zum einen sagt die Industrie heute machen wir was, dann wird wieder investiert. Morgen sagen alles stopp, alles zurück. Wie kommst du damit zurecht?
Das ist ein strategisches Thema. Das ist eine Riesenherausforderung. Saarland steht vor einer grundsätzlichen Transformation. Das Saarland hat verschiedene Strukturwandel in den letzten 30 Jahren erlebt. Wir kommen genau wie andere Gebiete wie das Ruhrgebiet oder auch wie die Bergbauregionen im Osten aus dem Bergbau. Früher war der Bergbau im Saarland die Branche da wurde dann abgelöst durch die Stahlindustrie und gleichzeitig hin zur Automobilindustrie. Das sind alles Branchen, die ehrlich gesagt unserer Industrie heute in Deutschland eher Probleme bringe. Ich betrachte das aus meinem Unternehmen heraus. Wir sind sehr stark in der Stahlindustrie, wir sind sehr stark vertreten in der Energiewirtschaft. Wir haben einige Kraftwerke unter Vertrag, wir haben Gasversorger unter Vertrag. Das stabilisiert ein bisschen unser Geschäft. Das bringt auch gleichzeitig die Herausforderung, denen ihre Investitionen immer wieder nachzukommen. Sehr starke Umsatzschwankungen. Also wir müssen lernen, das Geschäft hoch und runterzukommen zu skalieren. Grundsätzlich sehe ich aber das als sehr große Herausforderung, uns aus dieser strategischen und wichtigen Partnerschaft mit der Industrie auch eigenständig zu entwickeln, muss ich ganz ehrlich sagen, weil das, was du gesagt Das Auf und Ab der Industrie ist für ein mittelständisches Unternehmen nicht gut. Wir planen halt oder wir setzen auch auf andere Geschäftsbereiche, wir stabilisieren uns im Baubereich, wir versuchen im Denkmalschutz uns zu engagieren und versuchen halt einfach so Ausgleichsgeschäfte zu finden.
Jetzt gehen wir mal rein in die Größe deines Betriebes, dass man mal eine Vorstellung hat, wie viele Mitarbeiter du beschäftigst in deinem Betrieb.
Also das ist genau mit unter anderem das Thema. Wir sind zurzeit 57 Wir schwankten von Jahr zu Jahr und das ist mit unter anderem eine Herausforderung zwischen 69, das war unsere absolute Rekordzahl, 69 Mitarbeiter und in den letzten zehn Jahren war unsere geringste Anzahl, das war 2015, da waren wir bei 42 Mitarbeitern und diese Schwankung ist für viele Unternehmen nicht gut.
Jetzt bildest du aus, du bist Ausbildungsbetrieb. Wie viele Auszubildende hast du zurzeit?
Zurzeit habe ich drei Auszubildende, das ist weit unter meinem Ziel, muss ich dazu sagen. Ich hatte mal 18 Auszubildende. Ich habe die Zielvorgabe oder mir das Ziel gestellt, jedes Jahr bis zu sechs Ausbildungsplätze zu besetzen.
Wie kommst du an eine Auszubildende ran? Das ist ja für viele eine ganz große Herausforderung. Was machst du dafür?
Also zuerst mal der klassischste Weg ist natürlich Social Media Image Kampagnen zu starten, gleichzeitig aus dem Sozialen, aus den sozialen Medien auch in die Präsenzmedien reinzukommen. Wir sind sehr stark auf Ausbildungsmessen vertreten, wir sind sehr stark bei Vereinen vertreten. Es wird sich aber auch in den nächsten Jahren nochmal verstärken, wenn wir genau auf diese Regionalität setzen. Gleichzeitig ist es so, dass wir ganz stark und das ist unter anderem das erfolgreichste Projekt, das wir machen, auf unsere eigenen Mitarbeitersetzen. Unsere eigenen Mitarbeiter sind wirklich für uns Werbeträger, Multiplikatoren, die es schaffen, immer wieder neue Mitarbeiter zu generieren. Es gibt aber noch paar besondere Highlights. Es sind Sportveranstaltungen, die mir sehr stark unterstützen. Unter anderem haben wir ein sehr großes Festival mit fast Besuchern. Ich glaube Besucher, wo wir ganz viel Social Media Arbeit unterstützen, ganz viel im Hintergrund arbeiten, aber auch auf diesem Festival hochpräsent sind und immer wieder ein paar Highlights setzen.
Da habe ich mal vor Jahren deine Tochter kennengelernt und habe dann erfahren, dass die relativ noch jung ist und auch ein eigenes Büro hat bei dir im Betrieb. Die Frage ist, wie weit ist sie schon die Social Media Kampagnen eingebunden?
Die ist schon mit eingebunden. Die ist zwar nicht leider, also meine Tochter geht noch zur Schule. Wir hatten heute gerade ein besonderes Ereignis in der Schule, das war so ein Jahresbeurteilungsgespräch. Unsere Tochter, du hast sie kennengelernt, ist unternehmerisch sehr interessiert, muss man dazu sagen. Sie kritisiert unsere Kampagnen, sie bringt Feedback zu unseren Kampagnen, sie sagt auch, was sie gut und was sie nicht gut findet und das ist mir auch sehr viel wert. Aber sie ist nicht unbedingt bei strategischen Themen dabei, weil sie halt dann halt leider manchmal in der Schule ist. Sie ist 12 und für mich ist das halt einfach einer meiner größten Schätze, die ich habe.
Also ich gehe auch davon aus, Wenn ich am 31.12 im Unternehmen aufhöre und Ingolf dann mein Büro bekommt, ist ja dann ein Büro leer. Und da gehe ich auch davon aus, dass meine Enkelin, die dieses Büro belegt und hier dem Vater auf die Finger schaut, bin ich also ganz besten überzeugt. Manchmal macht sie schon solche Sprüche.
Ja, ich meine, du weißt ja auch, dass meine Tochter mich mal bei einer Moderation, ich habe den Talk im Gerüst wie dieses Jahr vor zwei Jahren moderiert und da ging es um die Unternehmensnachfolge und dann hat Denelia am Schluss auf der Bühne gestanden und hat dir dann erklärt, warum sie so eigentlich so eine begeisternde Nachfolgerin ist mit 11 oder 10, 10 war sie damals und hat mir auch die Aufgabe gegeben, das Unternehmen so zu gestalten, dass sie das übernehmen möchte und auch kann. Das nehme ich mir auch als eine wichtige, als meine wichtigste Herausforderung. Also bei allen Projekten oder bei allen Themen. Das ist das auch, was ich meine, mein Unternehmen zukunftsfähig zu gestalten, so dass meine Tochter und dass meine Tochter in 10 oder 15 Jahren dann, wenn sie entscheidet, das Unternehmen zu übernehmen, auch das richtig möchte und das mit Begeisterung, so wie sie das heute hat.
Jetzt bist du ja auch Mitgründer von DIHZ. Erzähl mal was über DIHZ und was da gemacht wird.
Also das DIAZ ist das Deutsche Institut für Höherenzugangstechnik, was sich die Aufgabe gestellt hat, ein direktes Vernetzen von kleinem Unternehmerkreis. Wir haben ja Mastermind Gruppen dort entwickelt. Du warst ja mit mir zusammen und mit dem Tom, der Gründer und der Entwickler der Mastermind Systematik. Trotzdem damit alle wissen, um was es hier geht. Hier geht es darum, dass acht Unternehmer sich gegenseitig Feedback geben, sich gegenseitig entwickeln und sehr intensiv auch miteinander reden. Das ist ganz klar so, dass das einen direkten Mehrwert bringt. Ich mein, wir reden so intensiv, so ehrlich miteinander. Es gibt kaum Eigentlich gibt es nichts, was ich als geheim oder was ich, wofür ich ein Geheimnis habe von unserer Mastermind Gruppe. Und das schafft folgende Dass ich so viel Feedback, so viel Coaching von den anderen bekomme, dass ich ganz klar mich als Unternehmer weiterentwickeln kann. Das ist der Hintergrund aus dem Diaz. Und das Diaz hat halt ein paar strukturelle Vorteile oder Situationen. Wir können hier ganz klar Leuchttürme entwickeln. Ich glaube auch daran, dass wir Unternehmen schneller miteinander vernetzen müssen und nicht nur Unternehmen, sondern besonders Unternehmer. Warum? Weil ich glaube, dass der deutsche Mittelstand nicht von irgendwelchen Unternehmen geprägt wird, sondern ganz wichtig von besonderen Unternehmern. Ich unterscheide das ganz stark darin, weil wir in Deutschland leider auch veränderte Geschäftsmodelle sehen. Unternehmen werden immer größer, sie werden nicht mehr personalisiert. Ich glaube aber daran, dass das der falsche Weg ist. Ich weiß auch, dass es eine besondere Herausforderung gerade für den deutschen Mittelstand gibt. Aber Deutschland ist so erfolgreich und die deutsche Wirtschaft ist so erfolgreich geworden. Nicht durch Großunternehmen, das meine ich nicht für Großunternehmen schlecht zu sprechen, sondern ich meine einfach, dass Unternehmer, Persönlichkeiten, die Verantwortung für Generationen und auch für für Generation ihres Unternehmens, ihrer Familie und ihrer Mitarbeiter in Deutschland wesentlich wichtiger sind und existenzieller und erfolgreicher sind, wie das unsere Großkonzerne sind. Das ist eine vollkommene Überzeugung von mir.
Jetzt hast du natürlich, Sandro, wenn ich das richtig sehe, bist du von früh um 5 bis abends um 11 im Büro. Ich erlebe das immer wieder, dass du vielleicht mal samstags mit viel Glück zu Hause bist, aber sonntags bist du normalerweise auch vormittags im Büro. Für mich ist jetzt die Hast du überhaupt ein Hobby?
Ja, ich habe ein Hobby. Ich fahre sehr gerne Fahrrad. Ich war jetzt gerade vier Tage in Österreich Fahrradfahren. Das Hobby kommt natürlich zu kurz. Und an meinem ganzen unternehmerischen Engagement und Nebentätigkeiten und Ehrenamt muss man schon sagen, dass persönliche Hobbys darunter leiden. Das ist es mir aber im Moment ehrlich gesagt wert, wo ich mehr darauf achten werde. Und wir zwei haben ja schon öfters darüber gesprochen. Das ist, dass ich versuchen muss, über Prioritäten mehr Zeit für die Familie zu haben. Und da bin ich ehrlich gesagt kein gutes Beispiel. Ich kann nur darüber reden, aber ich bin da kein gutes Beispiel, weil du gerade das angesprochen hast, dass ich sonntags im Büro bin. Stimmt, ich bin sonntags im Büro. Es kann auch mal passieren, dass ich sonntags morgens auf irgendwelchen Baustellen auftrete, wo unsere Leute arbeiten oder auch nachts kann alles passieren.
Solange deine Tochter nicht sagt, du bist der Onkel, ist alles noch gut.
Ja, das stimmt.
Genau. Jetzt hast du natürlich jetzt gerade gesagt, du fahrst gern Fahrrad. Du warst eine Woche zum Fahrradfahren, war dann mindestens Frau dabei.
Nein, nein. Also beim Fahrradfahren bin ich nur mit meinen Fahrradfreunden. Es ist unglaublich. Ich brauche immer Zeit für abzuspannen oder bisher auszuspannen. Beim Fahrradfahren, so wie ich Fahrrad fahre, musst du dich aufs Fahrradfahren konzentrieren, weil sonst hast du relativ schnell Knochen gebrochen. Also ich fahre jetzt nicht mehr extremst. Versuche halt beim Fahrradfahrer, auch meinem verantwortungsbewusst Fahrrad zu fahren, aber ich fahre sehr gerne Berge runter, nicht drauf.
Jetzt wollte ich mal von dir wissen, was ist denn deine längste Arbeitszeit? Längste Arbeitszeit brauchen wir nicht reden. Die kann 24 Stunden sein. Bei dir bekomme ich mit. Aber was war deine längste Urlaubszeit? Die ganzen 20 Jahre einmal drei Wochen.
Ansonsten maximal maximal zehn Tage. Das ist leider so. Ich hatte einmal während Corona hatte ich einmal, glaube ich, elf Tage oder so, aber nie länger. Man muss dazu sagen, ich werde nach vier Tagen sehr nervös, weil ich dann halt vielleicht nicht mehr alles so gesteuert bekomme. Das kann sein.
Ich kenne dich so als Typ, da machen wir ja ab und zu mal eine kleine Wette, ob du pünktlich bist. Jetzt ist meine Fliegst du dann auch weg oder sagst du, ich fahre nur mit dem Auto, dass ich den Flug nicht verpasse?
Ich fliege auch weg, aber mit der.
Maschine eine später dann. Oder?
Nein, nein, das ist noch nie passiert. Das ist noch nie passiert. Was mal passiert ist, das ist bei unserer Hochzeitsreise passiert. Meine Frau und ich sind im Januar noch auf die Malediven geflogen und ich hatte drei Tage am Stück durchgearbeitet, damit ich die Zeit rausarbeite. Und ich bin im Flughafen schon eingeschlafen und bin erst auf der Malediven wach geworden. 13 Stunden. Meiner Frau war sehr unangenehm, weil ich sehr laut schlafen kann.
Ja, das kenne ich auch, das habe ich schön mitbekommen.
Das ganze Flugzeug hat es mitbekommen.
Jetzt hat man natürlich, oder deine Frau, deine Nele hat Träume, was sie noch erleben wollen, persönlich erleben wollen mit dir zusammen. Mal erzähl uns, was du mal erleben willst noch persönlich und auch.
Natürlich. Also ich habe schon einen Wunsch, irgendwann mal auch wieder zurück, kürzer zu treten, entspannter an die Sache dran zu gehen. Ich bin ja eigentlich, jeder, der mich kennt, weiß ja, dass ich ein sehr gelassen Mensch bin. Ich bin sehr stressresilient. Nur merke ich mittlerweile, ich bin jetzt 43, dass ich mit meinem Alter gerade negativen Stress nicht mehr so gut verarbeite. Ich bin noch, wie gesagt, Ich bin schon 20, über 20 Jahre jetzt Geschäftsführer, bin nicht mehr ganz so gelassen, wie das manchmal so ist. Ich habe einen Wunsch, dass es einfach einfach, dass wieder ein bisschen mehr Ruhe reinkommt, dass wir ein bisschen Planungssicherheit bekommen, uns stabilisieren könne und dass wir auch mehr Auszeit nehmen könne, weil ich würde schon gerne auch ein bisschen Zeit in Ruhe verbringe. Ich glaube, dass das auch meiner Familie, meiner Frau ganz gut tun würde. Wir haben jetzt vor drei Jahren neu gebaut, haben uns versucht, auch einen gewissen Ruhepol zu schaffen mit unserem Haus. Ich bin leider noch nicht fertig beim Hausbau.
Ja gut, du hast einen biologischen Garten.
Genau, ich habe einen sehr biologischen Garten.
Also wenn du eine Nachhaltigkeitsbilanz machst, wird die dort als erstes sofort gewinnen.
Genau, das ist alles noch sehr naturbelassen.
Genau, Aber vielleicht macht deine Frau dann eine Pferdeweide und dann passt es auch wieder.
Ja, genau. Die Pferde stehen ja, also meine Frau hat drei Pferde, meine Frau und meine Tochter. Ich habe ehrlich gesagt gar keine Ahnung von Pferde. Ich weiß nur, wo sie stehen. Ich könnte aber nicht mal erkennen, ob das unsere Pferde sind. Ich müsste meine Frau fragen, ob das überhaupt Pferde sind. Ganz krass gesagt. Aber ich merke schon, dass Pferde sehr besondere Tiere sind und die haben einen sehr positiven Einfluss auf meine zwei Frauen.
Bekommst du natürlich, gehe ich mal davon aus, du bist nicht im Schwäbischen, du bist im Saarland. Du bekommst sicher von deiner Frau und von Nele genügend Lob.
Sagen wir es mal so. Ich bekomme eine angemessene Kritik, die mich immer wieder antreibt in Lob auch. Ja, das stimmt. Aber man muss schon sagen, ich bin sehr anstrengend für mein Umfeld, weil ich gerade so in vielen Bereichen so umtriebig bin und ich sehe manchmal die Kritik, mich besser machen zu wollen und mich auch manchmal bisher einbremsen zu wollen als positiven Lob.
Jetzt die Kernfrage aller Fragen. Du kennst das Spielzeug, was die Gerüstbauer haben und auf der anderen Seite den Kirchturm. Wie hoch war dein höchster Kirchturm, was du bis jetzt eingerüstet hast?
Ich glaube, mein Höchster Kirchturm war 62 Meter, mein Spielzeug. Ich habe zwar einen Kran LKW, bin gerade in der Beschaffung von zwei neuen. Ich lege aber ehrlich gesagt gar nicht so viel Wert darauf.
Jetzt hast du nicht ein, aber ich möchte mal bei dir darauf eingehen. Du hast ja ein sehr, sehr sauberes Lager, sehr strukturiertes Lager, einen großen Lagerplatz neu gebaut und hast da auch eine Systematik drin und eine sehr gute Ordnung schon vor Jahren begonnen. Ich habe das System bei dir schon mal angeschaut. Ich war ja schon zwei oder dreimal bei dir und es hat mich unwahrscheinlich bereichert. Bist du jetzt sehr systemtreu. Du bist der Firma Leier sehr treu geblieben. Kannst du mal erzählen, warum diese Treue so stark bei dir ist?
Fangen wir zuerst an mit dem Lager. Also ich glaube halt einfach daran, eine gut organisierte Lagerstruktur, gerade mit der Materialverfügbarkeit, ist ein wesentlicher Schritt hin zum Erfolg, muss ich ganz klar sagen. Mein Lager ist für meine Begriffe bei weitem noch nicht perfekt. Ich habe noch ganz viele Ideen, das Lager weiterzuentwickeln. Es gibt natürlich auch Stimmen, die Warum soll ein Gerüstbauer sich Gedanken machen ums Lager? Der muss sich ja Gedanken machen, wie das Material an der Baustelle steht. Stimmt auch schon, weil desto mehr Auslastung ich auf der Baustelle habe, desto weniger muss ich mein Lager betreuen. Das stimmt schon. Aber trotzdem Ordnung, Sauberkeit, Verfügbarkeit von Betriebsmitteln, von Gerüstmaterial ist für mich sehr wichtig. Das funktioniert nur mit einem guten Team und das Team zu gestalten und die Technik zu gestalten ist eine riesen Herausforderung. So, jetzt komme ich zu meiner Verbundenheit und zu dem Hause Leier. Es ist für mich zum einen das Material, das muss ich ganz klar sagen, die Materialbeständigkeit, das ein Leierprodukt hat, die hohe Qualität, die Leier produziert, ist für mich. Besonders. Aber was mich extremst zu diesem Unternehmen verbindet, das ist die Persönlichkeit und die Zuverlässigkeit und gleichzeitig Klarheit, wie das Unternehmen Leier von der Geschäftsführung oder der Gesellschafterfamilie geführt wird. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Ich weiß, dass das auch andere Hersteller machen. Ich weiß, dass auch andere Hersteller Gesellschafter geführt sind. Also ich tendiere tendenziell immer zu Geschäften mit Menschen und nicht mit anderen Unternehmen, weil mir die persönliche Bindung hin zu Gesellschaftern oder zu Geschäftsführern sehr, sehr wichtig ist. Und jetzt ist es so, dass ich wirklich behaupten kann, wir sind seit, also ich bin ja seit 20 Jahren in der Unternehmensverantwortung, aber die Familie Rende und die Familie oder das Unternehmen Leier sind ja zwei Gesellschafterfamilien, machen seit Ende der er Jahre Geschäfte miteinander. Genau diese starke Verbundenheit treibt mich dazu an, immer wieder in Treue und Loyalität weiter zu tun.
Für was bist du dankbar im Leben?
Ja, ich bin dankbar im Leben. Alleine schon, dass wir heutzutage so zufrieden miteinander agieren können. Ich glaube, dass wir einen Wohlstand oder gewissen Zufriedenheit haben müssen. Wir haben heute uns einen Wohlstand in Mitteleuropa aufgebaut. Wir müssen den uns jetzt erhalten. Wir müssen uns auch einer gewissen Veränderung hinstellen. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen, die sagt uns ist das alles von Gott geschenkt und wir sind die besonderen Menschen und wir dürfen niemals Wohlstandsverlust haben. Dazu gehöre ich nicht. Ich glaube, dass wir ständig immer wieder vor Herausforderungen stehen. Unsere Gesellschaft muss sich immer wieder neu beweisen und gerade Mitteleuropa oder Deutschland hat das Potenzial für gewisse Herausforderungen heutzutage anzugehen. Aber ich glaube, wir müssen uns gewisse Bequemlichkeiten abschaffen.
Jetzt hätte ich mal noch drei Tipps an deine Gerüstbau Kollegen, drei Tipps an.
Meine Gerüstbau Tipp Nummer Starkes Netzwerk aufbauen, Unternehmerfreunde aufbauen. Ich kann zum Beispiel sagen, ich pflege heute noch einen sehr engen Kontakt mit meiner Gerüstbau Meisterklasse. Ich habe Freunde, die ich seit über fast zwei Jahrzehnten mich mit ihnen austauschen darf. Du bist einer davon. Das Netzwerken ist das, was mich mit am meisten macht. Ein zweiter Tipp, respektvoller Umgang mit Mitanbietern. Ich sage auch dazu, und das sage ich mit allerhöchstem Respekt gegenüber von meinen regionalen Mitanbietern, die ich auch persönlich kenne. Pflegt gute Kontakte dorthin. Verhaltet euch respektvoll miteinander, weil das Miteinander ist wesentlich besser wie das Gegeneinander. Und ich habe hier in meiner Region ein paar richtig gute Gerüstbauer und ich sage das auch in aller Deutlichkeit. Das sind auch meine Freunde. Tipp Nummer 3, schließt euch dem Verband an. Gründet, oder ich sag mal, gründet damit eine starke Gemeinschaft. Das ist für mich ganz besonders. Wir brauchen in den nächsten Jahren eine ganz klare Verbandspolitik. Und das sehe ich auch so. Das ist auch mit einer unserer Aufgaben, die Verbandsstruktur hin zu unseren Unternehmen zu entwickeln oder wo sie schon ist, zu der Mehrheit von den Unternehmen. Und man muss ja in Deutschland sagen, wir sind immer noch mittelständische, familiengeführte Gerüstbauunternehmen. Und das ist die Mehrheit. 90 Prozent aller Gerüstbauer haben knapp 14 oder 11, 12 Mitarbeiter und sind alle familiengeführt. Und das sind die wichtigen Unternehmen, die wir in Deutschland in unserem Handwerk brauchen.
Haben wir was Wichtiges vergessen? Lieber Sandro?
Haben wir was Wichtiges vergessen? Lass mich mal kurz überlegen. Wir haben wenig über die Digitalisierung gesprochen. Wir haben wenig über die Transformation gesprochen, wohin sich Unternehmen entwickeln. Ich meine, wir zwei haben ja den Talk KI im Handwerk oder KI im Gerüstbau gepflegt, miteinander geführt. Ich durfte moderieren, du warst Teil davon. Ich weiß, dass die Transformation oder die Veränderung der Geschäftsmodelle, die auf unsere Gerüstbauunternehmen oder auf alle Handwerker und auf alle mittelständischen Unternehmen hinzukommt oder zukommt. Viele Systeme werden sich verändern. Digitalisierung beschleunigt das Ganze. Nur es ist nicht der Treiber, sondern Digitalisierung wird uns in vielem Maßen befähigen, Schritt zu halten. Aber was wir, glaube ich, aufpassen müssen, ist, dass wir nicht den Faden verlieren und nicht den Spaß daran verlieren, unsere Unternehmen zu verändern und hin zu verbessern. Wir brauchen ganz viele Unternehmer, die jetzt immer wieder die Ärmel hochreißen und jetzt gehen wir den nächsten Schritt an, so wie du das machst. Wie gesagt, Walter, du weißt, dass ich einen ganz hohen Respekt vor dir habe. Du hast dein Unternehmen immer wieder angetrieben. Ich hoffe, dass die neue oder die jüngere Generation, ich zähle mich ja eher schon zu den alten, weil ich jetzt über 20 Jahre Geschäftsführer bin, dass die junge Generation mehr Mut aufbringt, sich mehr engagiert, auch so gewisse alte Floskeln ablegt und sich ihre Herausforderungen stellt und die Unternehmen zukunftssicherer aufstellt. Das ist, glaube ich, so ein Thema, was wir vergessen hätten.
Danke, lieber Sandro, für das Gespräch.
Vielen Dank.
Das war Walter Stuber, der Mutmacher im Gespräch.
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