Spezialgerüstbau, Nachfolge & Kalkulation: Jürgen Löhr im Gespräch | Der Mutmacher #19

Interview (deutsch) mit Jürgen Löhr von Spezialgerüst V. Löhr GmbH. Kernthemen: betriebliche Nachfolge an die Kinder (Teilübergabe seit 2019; Anteilszahlen: Kinder je ~15%, Löhr ~45% plus Ehefrau), Reduzierung der Arbeitszeit (Homeoffice seit 2019; weiterhin zuständig für komplizierte Kalkulation und Altlasten), langjährige Branchenrollen (seit 1976 Unternehmer, seit 1982 öffentlich bestellter Sachverständiger, seit 2000 Leiter/Prüfungsausschuss Meisterschule), Lehr- und Netzwerkeffekte durch Engagement in Handwerkskammer und Meisterschule, Fehlerbeispiel bei Kalkulation (stark unterschätzt: geplante Montagewoche dauerte zwei Monate), Ratschläge für Gründer (langsam wachsen; mit 1.000 m² Gebrauchtmaterial beginnen) sowie Hinweise zum Einstieg in Spezialgerüst-/Brückenbau (Statiken, Prüfingenieure, hohe Konventionalstrafen, Zeitdruck).
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1976
1982
2000
2019
jeweils 15 Prozent
Chapters
Herzlich willkommen zu Walter Stuber.
Der Mutmacher im Gespräch. Hallo liebe Zuhörer. Heute wieder Mutmacher im Gespräch, der Handwerker Podcast und wir haben heute einen ganz besonderen Gast, den Jürgen Löhr von Spezialgerüst V. Löhr GmbH. Und der Jürgen hat seine Firma an seine Kinder übergeben. Lieber Jürgen, stell dich mal persönlich vor.
Guten Tag zusammen. Mein Name ist Jürgen Löhr, seit 35 Jahren verheiratet, drei erwachsene Kinder. Ich bin schon 1955 als Gerüstbauer auf die Welt gekommen und in der zweiten Generation im Gerüstbauerhandwerk tätig. In meinem ersten Leben habe ich Bankkaufmann gelernt. Meine Mutter hat damals gemeint, ich müsste mal was Gescheites lernen, weil Gerüstbau ging damals noch nicht. Aber seit 1976 bin ich Gerüstbauunternehmer aktiv selbst und ständig, wie man so schön sagt. Seit 1982 bin ich öffentlich bestellt und vereidigter Sachverständiger für Gerüstbau. Seit 2000 mache ich die Meisterschule in Koblenz als Prüfungsausschussvorsitzender. Ist ein ganz langer Titel, bin auch Lehrgangsleiter der Meisterschule. Seit 1992 war ich zunächst stellvertretender Landesbevollmächtigter für die Bundesinnung und den Bundesverband und seit, ich weiß gar nicht genau, seit einigen Jahren bin ich jetzt Landesbevollmächtigter für Rheinland Pfalz und Saarland. Seit 2019 bin ich dabei, unseren Betrieb an zwei Kinder zu übergeben. Es ist noch nicht ganz fertig, wir sind also noch im Übergabestadium. Ich bin guter Dinge, dass das auch funktioniert. Bis jetzt klappt es auf jeden Fall hervorragend.
So, jetzt bisschen zu der Übergangsphase. Wie viele Tage bist du jetzt noch im Büro?
Ja, im Büro. Ich habe kein Büro mehr in der Firma, das habe ich aufgegeben. Seit 2019 bin ich jetzt, muss man sagen, Corona sei Dank, arbeite ich im Homeoffice und man hat mich damals ins Homeoffice geschickt. Also die Kinder haben den Papa, sagen wir mal, in Sicherheit gebracht und seitdem sitze ich im Homeoffice. Das ist also so geblieben. Ich habe mich hier richtig gut eingerichtet. Alles ist entspannter geworden. Da ich noch Urlaubsansprüche von vor 2010 habe, machen wir jetzt deutlich länger und häufiger Urlaub. Im Betrieb bin ich, ich sag mal, nur noch für die schwierigen Dinge für so Altlasten, alte Abrechnungen, aber auch für die komplizierte Kalkulationen zuständig. Die mache ich auch weiterhin mit Vorliebe, weil Kalkulation im Gerüstba ist so ein bisschen mein Steckenpferd, aber ähnliche. Ja, ich weiß.
Jetzt muss ja in der Früh auch nicht mehr so aufstehen. Bist du so jetzt einer der Frühaufsteher oder so ein Langschläfer oder bleibst du gerne im Bett liegen?
Ja, also ich, Wir haben früher also regulär um 7 Uhr angefangen und ist man um halb 6 aufgestanden und von halb 6 bin ich jetzt bei halb 8 angekommen. Da geht der Wecker. Ich stehe leider nicht immer auf, aber spätestens um 8, halb 9 bin ich dann doch, ich sag mal, wieder irgendwie bei der Arbeit. So ganz ein richtiges Rentnerleben sieht vielleicht noch anders aus, aber das wird noch kommen.
Jetzt hast du die Übergangsphase. Ich bin ja auch in der Übergangsphase. Also ich habe mir aber schon den Schluss Strich hinten gesetzt. Ich habe gesagt am 31. März 2026 sieht mich niemand mehr und hört mich niemand mehr im Gerüstbau. Ich mache weiter. Ich mache ja was Neues. Ganz aufhören auf Null kann ich glaube auch nicht. Aber wenn du jetzt deine Übergabephase anschaust, Stunden Woche hast du nicht mehr, oder?
Nein, also ich bin tageweise gar nicht mit dem Betrieb beschäftigt, habe dafür aber manche andere Tage, wo ich dann mal zwei, drei Tage hintereinander nichts anderes mache, wie nur für die Firma arbeiten. Ich habe ein paar, ich sag mal, zeitintensive Hobbys. Das ist die Handwerkskammer, die Meisterausbildung. Da verbringe ich sehr viel Zeit mit. Hatte ich früher nicht so viel Zeit Möglichkeiten, die habe ich aber heute.
Erzähl mal ein bisschen von der Handwerkskammer, was sich da antreibt, da die Jungmeister auszubilden und denen was mitzugeben?
Ja, was mich da antreibt, das weiß ich auch nicht. Es hat mir immer viel Spaß gemacht, ich sag mal, auch die Erfahrungen weiterzugeben. Ich schaue, habe da einen großen Vorteil gegenüber, ich sag mal, anderen, wie soll ich sagen, anderen Lehrgangsleitern, weil ich, ich sag mal, in den früheren Jahren, ne? Weil ich einfach diese Sache mache, ohne einen Konkurrenzgedanken zu haben. Wenn ich also manche Kollegen gefragt Mensch, wollt ihr euch nicht als Dozent in der Schule einbringen, dann haben die immer Probleme, nicht immer, aber sehr viele Probleme mit Konkurrenzdenken. Die denken Mensch, ich ziehe mir ja meine Konkurrenz nicht groß. Dieses Problem habe ich eigentlich nie gehabt, weil wir keine Fassadengerüste bei uns im Betrieb haben. Wir haben keine konventionellen Gerüste. Wir sind halt wirklich, wir heißen nicht nur Spezialgerüstbau, sondern wir machen eigentlich auch nur Spezialgerüstbau und deshalb gibt es da keine Berührungspunkte. Das heißt, ich werde zwar hin und wieder in der Schule mal gefragt, Mensch, was macht ihr denn da? Aber ich sage mal, auch da muss ich dann einen Punkt machen und muss Mensch, das ist dann doch Betriebsgeheimnis, oder? Das geht mir jetzt hier für die Schule ist das noch zu speziell. Ja, und sonst die Meisterschule ist natürlich für mich ein Riesennetzwerk. Die ganzen Meisterschüler, ich sag mal, ich denke das einfach mal so, die haben gute Erinnerungen an die Meisterschule und auch gute Erinnerungen an mich und ich stehe regelmäßig in Kontakt mit wenn Fragen auftauchen oder sie haben Probleme, irgendwas umzusetzen oder mit dem Arbeitgeber oder was auch immer. Ich kriege also sehr viele Anrufe, die kommen ursprünglich mal alle aus der Meisterschule. Hat für unseren Betrieb auch große Vorteile, wenn man sowas macht. Ich sage einfach mal, wir sind ja bundesweit unterwegs und wenn wir, ich sage jetzt mal, wenn mir in Hamburg zehn Kupplungen fehlen, dann habe ich da irgendjemanden sitzen, der bei mir in der Meisterschule war, den rufe ich dann an und der bringt mir die auch noch auf die Baustelle. Das funktioniert, das haben wir alles schon erlebt.
Jetzt hast du natürlich ein ganz tolles Unternehmen aufgebaut, ich habe dich auch jahrelang verfolgt oder verfolge immer noch euer Unternehmen. Aber erzähl mal, zu den Erfolgen gehört ja auch immer eine Niederlage. Erzähl mal so eine Niederlage, wo du sagst, okay, das war echt scheiße gelaufen, daraus habe ich richtig gut gelernt, daraus mache ich nie wieder.
Ja, naja, ich sag jetzt mal so nach 50 Jahren kann ich ja mal zugeben, meine größte Niederlage in dem Sinne war auf dem Kalkulationssektor eine Montage Woche kalkuliert, aber zwei Monate montiert. Ich sag mal, ich war verzweifelt und habe mir geschworen, nie mehr schätzen. Das war fettes Lehrgeld. Daher kann ich jedem nur empfehlen, besser kalkulieren. Also einfach nur, weil die Konkurrenz ich sage jetzt mal 6 Euro Quadratmeter hat, kann ich nicht für 5,95 arbeiten. Man kann jeder sich seine Grenze selbst ermitteln und das lernt man unter anderem in der Meisterschule. Ansonsten gibt in jedem Berufsleben etliche Tiefschläge, die habe auch ich erleben müssen. Aber ich kann nur sagen, nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Es ist leider so, wenn man meint, es läuft alles wirklich gut und perfekt, dann kriegst du in der Regel immer noch mal wieder einen drauf aus ganz verschiedenen Ecken. Kann man also einfach nicht voraussehen.
Aber dein einziges Hobby ist ja nicht nur die Meisterschüler, du hast ja sicher noch andere Hobbys oder ist dein Hobby nur der Beruf gewesen?
Also meine Frau sagt, ich bin verheiratet mit dem Gerüstbau und meine Hobbys ist die Handwerkskammer.
Meine Frau sagt auch, ich bin verheiratet mit dem Dirk, wir arbeiten seit 30 Jahren zusamm ist das Hobby?
So ist es. Früher hatte ich mal, als noch keine Kinder da waren, da gab es auch andere Hobbys. Ich habe früher Motorsport betrieben, früher Rallis gefahren am Samstag und am Sonntag Slalom Veranstaltungen besucht mit zwei verschiedenen Autos. Hat viel Spaß gemacht, war aber eine brotlose Kunst.
So jetzt, was würdest du jetzt so gern noch erleben in deinem Leben? Also würdest du gern mehr auf Reisen gehen? Würdest du vielleicht doch noch ein ganz tolles Hobby anfangen? Ich hab letzte Woche die Briefmarkensammlung von meiner Jugend rausgesucht, Ich kann dir die vielleicht auch vermachen, dann kannst du Briefmarken sammeln.
Ne, also ich, also was ich mir vorgenommen hab, ich sag mal, wenn ich jetzt mit der Firma gar nichts mehr zu tun habe, ich sag mal mich einfach auch mehr um meine Familie kümmern, weil ich sage einfach mal, da kann man nichts nachholen, was man da versäumt hat Und da habe ich sehr viel versäumt in der Vergangenheit. Das geht so schnell, die Kinder sind so schnell groß und du hast einfach nichts davon mitbekommen oder nur wenig davon mitbekommen. Und jetzt haben wir eng Enkelkinder und die machen mir besonders viel Spaß und ich glaube, das ist ein schönes Hobby. Also im Moment ganz aktuell habe ich ein Hobby. Da wird ein tolles Spielhaus gebaut, natürlich gerüstbaumässig mit Rutsche und Schaukel und Sandkasten. Das sind Dinge, die mir dann besonders Freude machen.
In so einer Nachfolge kann man, das interessiert mich natürlich auch persönlich ganz viele, einige oder viele Fehler machen. Gib mal so einen Tipp, was man nicht machen soll, in der Nachfolge.
Nicht machen sollte. Ja, man sollte nichts überstürzen, finde ich, ist ganz, ganz wichtig. Es gibt viele junge Leute, die meinen, müssen sich jetzt schlagartig, ich sag mal, selbstständig machen, investieren in Gerüstbau. Ich sag mal, die verschulden sich gleich mal mit einer halben oder mit einer ganzen Million und wissen auch noch gar nicht ganz genau, wie sie das tilgen wollen. Das ist besser, wenn man so einen Betrieb langsam wachsen lässt, fangt man mit 1000 Quadratmeter gebraucht an. Das ist immer meine Empfehlung. Gebrauchtmaterial gibt es am Markt. Kauft euch einen gebrauchten LKW und fangt damit mal an. Und wenn ihr das bezahlt habt nach einem Jahr, nach zwei Jahren, da kauft euch die nächste nächsten 1000 Quadratmeter. Das kann man ganz langsam wachsen lassen. Aber so von 0 auf 100 durchstarten, das ist das, was ich, ich sag mal, seinerzeit machen musste. Das bringt schon einen Haufen Probleme mit sich, weil man muss einfach wissen, dass das Jahr 12 Monate hat und die Bank 12 Monate lang die Raten abbucht und die interessieren sich nicht dafür, ob es draußen stürmt oder schneit und ob du gerade Geld im Konto hast oder nicht. Und das denke ich, ist bei kleineren Beträgen, wenn man schön langsam wächst, ist das viel gesünder.
Wo du gehört hast, die Brücke ist in Dresden eingebrochen, hast du dann gleich mal drüber nachgedacht, Habe ich zu viele Löcher gebohrt?
Nein, nein. Also wir reden ja von der Corolla Brücke in Dresden. Die ist glaube ich, am Mittwochmorgen um 3 Uhr noch irgendwas, hat mich natürlich enorm interessiert eingestürzt. Wir haben am Dienstag eine Anfrage dafür bekommen, für die Sanierarbeiten, also für Gerüste zu bauen an dieser Brücke. Und am Mittwoch Mittag kam dann von unseren Kunden schon die hat sich erledigt, die Brücke liegt in der Elbe. Und das sage ich mal, ich sehe das jetzt mal für unsere Branche. Man ist schlimm genug, dass die Brücke einstürzt. Man kann froh sein, dass nichts weiter passiert, ist reiner Materialschaden. Aber für unsere Branche wird das sehr viel bringen, weil die Politik hat jetzt vor Augen geführt bekommen, dass auch in Deutschland Brücken einstürzen. Das ist kein italienisches, spanisches oder portugiesisches Problem. Wir haben es jetzt hier bei uns auch und Das würde ich hoffentlich dazu veranlassen, viel mehr Gelder in die Infrastruktur, in Brücken und Straßenbau zu investieren, weil die brauchen wir unbedingt Und wir hängen ja in unserem Betrieb zu 100 Prozent an diesen öffentlichen Auftraggebern. Und das ist jetzt mal der für mich der positive Effekt an diesem Ding.
Jetzt kommen nicht nur im Brückenbau, momentan haben wir ja die Herausforderung Krise, Baukrise. Wir haben ja Kollegen, die sind unterwegs im Fassadengerüstbau und haben da jetzt momentan massive Verluste einzufahren oder auch keine Arbeit teilweise. Die Versuche natürlich, und das kenne ich ja auch, ich komme ja auch aus dem Fassadengerüstbau, bin dann Spezialgerüstbau gegangen oder mehr in den Spezialgerüstbau gegangen und ich habe mir ja auch dann selber mal eine blutige Nase geholt, weil ich gedacht, große Aufträge, große Gewinne und sind natürlich.
Schon.
Man muss anders herangehen an diese Aufträge. Und der eine oder andere Gerüstbauer denkt ja, muss ich auch mal an einer Brücke versuchen. Was wirst du jetzt so einen maßgeblichen Tipp geben, wenn sich so ein spezielles Bauwerk heranwagt? Wo soll er drauf am meisten achten? Zum einen ist Kalkulation, hat er ja gar keine Werte. Manche schätzen ja das ganze Ding, das ist eine Problem, aber es gibt dort ganz andere Herausforderungen, die im Fassadengrussbau gar nicht gibt zwei, drei Tipps, wo sie vielleicht mal darauf achten sollen, die Finger wegzulassen davon.
Ich sage mal, mein erster guter Rat, versuch es mit einem kleinen Bauwerk. Dann kann man, wenn das in die Hose geht, das kann man verkraften, wenn man sich gleich so eine Brücke wie hier meinem Bildschirmhintergrund, ich sag mal, anlacht. Wir reden da hier in dem Fall über eine Brücke, die war 1100 Meter lang und da waren vier Kappen eingerüstet, das waren also viereinhalb Kilometer Kappengerüste. Wenn da was schief und in die Hose geht, da kannst du gleich den Laden zumachen. Also bei den kleinen Aufträgen, das funktioniert an den Brücken, muss man wissen, alle Ausschreibungen für die Brückengerüste beinhalten eine Statik und zwar alle, alle Statiken werden vom Prüfingenieur geprüft und zwar nicht von einem Prüfingenieur, den man gut kennt und den man beeinflussen kann, sondern sehr häufig von Prüfingenieuren, die hinterfragen, warum geht die Schraube rechts rum zu und linksrum auf. Warum ist das nicht andersrum? Oder die kommen vom hundertsten Tausendste, weil sie von der Branche Gerüstbau gar keine Ahnung haben. Und das kostet uns immer wieder viel Nerven und manchmal auch wirklich viel Geld. Und es ist ganz schwierig gegen einen Prüfingenieur. Da ist einfach kein Kraut gewachsen. Und das sind Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben. Wir stehen auch immer unter einem enormen Zeitdruck, weil im Neubausektor ist es, sage ich jetzt mal, nicht so dramatisch, wenn ein Brücke oder ein Hochbau mal einen Monat später fertig wird. Aber hier fahren über so eine Brücke am Tag, ich sag mal, bis zu Fahrzeuge und die stehen nur noch im Stau. Und da wird sehr genau geguckt, wenn da gearbeitet wird. Wenn da nicht rund um die Uhr gearbeitet wird, ergibt böse Leserbriefe und und und. Deshalb sind wir immer einem gewissen Zeitdruck ausgesetzt. Es gibt horrende Konventionalstrafen auf diesen Baustellen, ich sag mal, oberhalb von pro Tag, wenn man den verdüttelt. Ich habe Gott sei Dank noch nie so eine Konventionalstrafe zahlen müssen, weil wir uns immer irgendwie arrangiert haben und es dann doch hinbekommen haben. Sonst, wenn man mit so einem neuen Metier anfängt, Spezialgerüstbau ist halt sehr speziell, Man muss viel Erfahrung haben, man muss vieles ausprobieren und durchtesten und es klappt noch lange nicht alles beim ersten Mal.
Genau. Jetzt bist du ganz stark engagiert in der Innung. Was hat die Innung oder der Verband über die viele Jahre deinen Betrieb explizit gebracht?
Was hat die Innung mir gebracht? Die Innung wird in erster Linie genutzt, von mir persönlich genutzt. Ich habe da immer einen kompetenten Ansprechpartner. Ich habe häufig Probleme mit Ausschreibungen, mit der VOB, mit Auslegungen, Abrechnungsprobleme und und und. Da muss ich sagen, da sitzt bei der E immer irgendjemand, der mir damit, ich sag mal so als Gesprächspartner einfach mir mal eine andere Meinung gibt. Die Meinung gebe ich zu, die gefällt mir. Nicht immer die, die mir sagen, aber ich liege dann manchmal auch wirklich falsch und daneben. Und da ist es einfach wichtig, dass man einen Gesprächspartner hat, der einem, ich sage jetzt mal, auch mal irgendwas gerade rückt. Das ist der eine Punkt, der mir wichtig ist. Zum Zweiten kennt man dadurch, ich sag mal, weil wir bundesweit unterwegs sind, sind die Kontakte enorm wichtig. Also ich telefoniere, ich glaube es vergeht kein Tag, wo ich nicht mit irgendeinem Kollegen telefoniere und rede über seine Probleme, über unsere Probleme oder ich brauche irgendwas und er kann mir helfen. Wir haben Baustellen, wo wir Aufzüge zum BEIS Beispiel brauchen. Wir selbst haben bei uns im Betrieb aber gar keine Aufzüge. Dann hilft man sich da untereinander sehr gut aus. Also das klappt eigentlich, sage ich mal, recht gut.
Hast du jetzt mal so ein konkretes Beispiel, wo du sagst, OK, da war das Finanzamt, hat eine Nachforderung gehabt, die Innung hat mir geholfen oder ein anderes, ein Fördermittelprojekt hat die in Tipp gegeben? Vielleicht mal so einen Tipp?
Ja, also die meisten Tipps haben. Mit der Abrechnung zu tun, weil da gibt es halt häufig Schwierigkeiten. Die VOB wissen wir ja, ist auch nicht ganz einfach und das hilft einfach weiter. Aber mal ein schönes Beispiel, wir haben ein Gerüst abgebaut in Essen an einer Baustelle in Traggerüst und da haben sich zwischen zwei HEB Träger Tauben eingenistet und dann haben wir das Ding abgebaut und haben den ersten Träger weggehoben und wie der Teufel wollte, hat dann einer von dem Bund dabei gestanden und hat dann diese brütenden Tauben gesehen. Wir mussten die Baustelle einstellen, Kran abbauen, Spediteure wieder nach Hause fahren und sind dann einen Monat später, als dann die Tauben gebrütet hatten, wieder dahin. Und dann ist es schon sehr schwierig, ich sag mal, die entstandenen Kosten vom Bauherrn wiederzubekommen, weil der hat gesagt, also das ist ein Begriff, den habe ich da neu gelernt. Man hätte ja die Tauben bei jeder Gerüstüberprüfung vergrämen können, Das heißt also, man muss die praktisch täglich verscheuchen und das wäre unsere Aufgabe und solche müßigen Diskussionen, da ist also so eine Innung dann schon hilfreich, wenn man da einen in der Rechtsabteilung sitzen hat, der die da entsprechend weiterhelfen kann.
Jetzt hätte ich mal gern so mal so Wir haben heute Jugend, ja, du bist ein Ausbildungsbetrieb oder bildest du auch aus in deinem Betrieb?
Jugendliche, wir bilden auch aus, Ich bin allerdings nicht mehr der Ausbilder. Wir haben Auszubildende auf dem Büro, dafür ist meine Tochter Lisa zuständig und wir haben Auszubildende auf der Baustelle, also für den technischen Bereich, dafür ist der Junior, der Jens, wir zuständig und.
Jetzt bewerben sich oder du bist jetzt kommen junge Menschen zu dir und sagen, die wollen Gerüstbauer lernen. Was sagst du denn? Ist es toll, dass du Gerüstbauer lernen willst oder lass es lieber bleiben oder.
Ja, man kann die Leute ja nicht wegschicken. Also ich denke, die haben sich wohlweislich überlegt, dass sie in den Gerüstbau wollen. Wir haben, ich sage mal schon verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, um überhaupt an Bewerber zu kommen. Die waren alle eigentlich erfolglos. Funktionieren tut immer am besten Mund zu Mund Propaganda. Es ist ja auch für einen Jugendlichen, der noch keinen Führerschein hat, auch ein Problem. Wir liegen bei uns im Betrieb nicht so verkehrsgünstig, dass man da also problemlos mit Bus und Bahn oder wie auch immer hinkommen kann und das ja im Gerüstbau. Wir fangen morgens um 7 Uhr an, das heißt, der müsste um halb 7 schon da sein. Das ist schon ein Problem. Und im Moment hat es mal wieder funktioniert. Wir haben wieder einen. Im letzten Jahr hatten wir einen, der es ausprobiert hat, der hat aber sehr schnell wieder die Segel gestrichen. Also unsere Erfahrungen mit den Auszubildenden sind nicht sehr gut, weil auch die wir durchgebracht haben, sind heute nicht mehr bei uns, weil sie sich einen leichteren Job gesucht haben. Ich kann das auf der einen Seite verstehen, aber die jungen Leute haben irgendwie nicht mehr so wirklich Bock auf richtige Arbeit. Dann kann man den schmackhaft machen, so viel wie man will. Es ist ja auch eine schwere körperliche Arbeit, die können wir nicht weg reden und das wäre auch ein, ich sag mal ein Anliegen von mir, dass die gerüsten Materialien, die wir verwenden, einfach leichter werden, damit also dieses Problem auch ein bisschen kleiner wird.
Wir bilden ja ständig aus und wenn die ausgelernt haben, haben wir das größte Herausforderung auf Montage zu gehen. Junge Leute wollen Freizeit haben. Das Geld interessiert nicht mehr. Das ist unsere Erfahrung. Also viel Geld verdienen ja, aber viel Freizeit dazu noch auch. Also am besten gleiches Geld in drei Tagen, nicht vier Tage, sondern drei Tage arbeiten.
So ist das, dass die Erfahrung haben wir auch.
Jetzt die Frage für was bist du dankbar in deinem Leben?
Wofür bin ich dankbar? Ich bin dankbar für meine Familie. Wie gesagt, Ich bin seit 35 Jahren verheiratet, hatte wenig Zeit, aber Familie ist enorm wichtig. Wenn man jetzt in der Firma, ich sag mal, die Türen abschließt, dann ist das abgeschlossen und vorbei, aber Familie endet nie. Und das ist also schon wichtig, dass.
Man.
Eine gesunde Familie und eine harmonische Familie hat. Die haben wir. Da hat sich insbesondere aber meine Frau deutlich mehr drum bemüht wie ich, weil mir hat halt dafür ein bisschen die Zeit gefehlt, dauere ich heute, aber ich gelobe Besserung, ich habe jetzt die Zeit.
Dafür Bekommst du genügend Lob von deinen Kindern und von deiner Frau.
Was sollen die bei mir loben? Ist ja alles, ich sag mal, geschaffen und die erkennen wohl an, was wir da geschaffen haben. Ich habe es ja auch nicht ganz alleine gemacht. Meine Kinder sind ja auch schon, ich weiß gar nicht genau, sieben, acht Jahre im Betrieb. Und wenn ich, ich sag mal, wenn man mir nicht den Rücken freigehalten hätte, Bezug auf die Familie, wäre manches vielleicht viel, viel schwerer, schwieriger gewesen. Also da bin ich schon, ich sag erstmal schon dankbar für.
Wie gehst du mit Lob um?
Eher dünn, sagt man.
Ich danke dir ganz herzlich, dass du heute mal auch mit vielen Bedenken daran teilgenommen hast. Echt interessant mit dir mal das Gespräch zu führen. Ich wünsche dir auch für die Zukunft alles Gute.
Okay.
Und dass du bald loslassen kannst, dass du uns mal einen Stichtag sagen kannst, wo deine Kinder dann sagen können, endlich ist er jetzt gegangen oder?
Ja, also das steht bei mir also auch an. Ich werde ja dieses Jahr noch nächsten Monat 69 spätestens so mit 70 habe ich mir dann doch vorgenommen, noch deutlich weniger zu tun. Ich bin auch nach wie vor Geschäftsführer im Betrieb. Das mache ich eigentlich nicht, weil ich unbedingt Geschäftsführer sein will, aber damit möchte ich den Kindern, ich sag mal, den Rücken freihalten. Wenn irgendwelche Probleme auftreten, wird hier immer zuerst auf dem Geschäftsführer rum gehackt oder wie auch immer. Und ich habe ein breites Kreuz. Ich habe da viel Erfahrung und möchte die jungen Leute, sage ich mal, da ein bisschen länger, wie soll ich sagen, sicher sehen. Und in Bezug auf die Gesellschaft oder auf die Firmenanteile, da habe ich also gestartet, jeder von den Kindern hat mal Prozent bekommen, mittlerweile sind es 15 Prozent und das wird sich noch steigern lassen und ich habe leider nur noch 45 Prozent, aber ich habe noch die Anteile von meiner Frau, die ist immer auf meiner Seite. Aber da werden wir auch, ich sage mal, spätestens im nächsten Jahr auch noch dran gehen. Man nimmt ja nichts mit und muss ja auch sehen, dass der Laden irgendwie weiterläuft. Damit meine ich Betriebsrente immer schön kommt, muss natürlich alles gut rund laufen, Aber im Moment habe ich ein gutes Gefühl, die kriegen das schon hin.
Vielen Dank.
Ja, ich bedanke mich auch und auf Wiederhören oder Tschüss. Das war Walter Stuber.
Der Mut.
Im Gespräch.
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