Less but better! – Saori Dubourg, BASF SE über nachhaltiges Wirtschaften im Leadership Salon

29 Sept 2021 · 6 min
6:10

In this German‑language presentation Saori Dubourg (BASF SE) outlines why the coming decade must be defined by a new S‑curve of intelligent resource use. She argues that the Paris Climate Agreement makes clear that Earth’s resources are finite, demanding a shift from traditional volume‑based growth to value‑based growth that internalises natural capital. Dubourg illustrates the absurdity of current accounting – e.g., deforestation of the Amazon could raise GDP – and calls for new metrics that reflect ecological impact. She stresses the need for a tight, coordinated partnership among politics, society and business, with concrete renewable‑energy targets (e.g., 2,000 TWh for Germany) and industry‑specific transformation pathways (energy systems, circular economy, bio‑based materials, battery recycling, hydrogen, e‑mobility). The speaker highlights the role of leadership: up‑skilling, cross‑level dialogue, listening to employees, and creating “holes” for creativity. She also shares a practical method for dealing with the fear that complex sustainability challenges provoke – breaking them into small, actionable steps. Overall, the talk blends strategic vision, concrete quantitative targets, and a human‑centred leadership approach to drive sustainable economic change.

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  1. Und das, was jetzt gerade beginnt, ist eine völlig neue Dekade. Und im Kern dieser Dekade geht es eigentlich um eine neue S-Kurve, und zwar um intelligente Ressourcennutzung auf allen Ebenen. Warum das? Weil das Pariser Klimaabkommen, das wie eine Zäsur relativ deutlich macht, dass die Ressourcen der Erde begrenzt sind. Und wir eigentlich auf einer ganz anderen Ebene über Wirtschaften nachdenken müssen. Und das Spannende, warum ich über diesen Musterwechsel spreche, ist, es ist wirklich eine Zäsur, weil in dieser neuen Dekade, wo intelligente Ressourcennutzung im Zentrum steht, geht es nicht mehr allein nur um Volumenwachstum, Mengenwachstum, sondern eigentlich um Werte oder Wertwachstum. Das ist ein bisschen wie bei einem Schweizer Käse. So große Konzerne sind voller Guidelines und Prozesse und man fragt sich immer: Okay, wo soll man sich denn da überhaupt einbringen. Und ich glaube, ähnlich wie beim Emmentaler, wir brauchen ab und zu Löcher, wo noch mal frische Luft durchkommt und wo wirklich frische, also undefinierte, offene Räume, die wir auch Mitarbeitern geben, damit sie dort kreativ sind. Und so was war für mich der Klimaton als ein Beispiel. Und so funktioniert dann auch Veränderung, ja, wie, sagen wir mal, unterschiedliche Stellen auch mitwirken können. Das ist eben entscheidend. Fiel damals auf, dass der Mensch in der Bilanz eigentlich gar keinen echten Wert als Wertfunktion hat. Er ist ein Kostenfaktor und gleichzeitig auch die Natur im Moment noch nicht abgebildet ist in Form von Wert in der Bilanz. Und um es konkret zu machen: Wenn wir morgen den Amazonas abholzen würden, würde das ein positiver Beitrag im GDP sein, was eine gewisse Absurdität hat, weil wir de facto Teile unserer Lebensgrundlage zerstören würden. Und das war für uns so ein Ausgangspunkt, wo wir damals gesagt haben, wie müsste man das messen. Was braucht es, damit es möglich wird? Mein Eindruck ist, wir brauchen jetzt einen extremen Schulterschluss zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Und ganz ehrlich, ich glaube, wir brauchen Stimmen, die sehr klar sagen: Pass auf, das und das und das brauchen wir konkret. Ja, wir sind bereit, unseren Weg zu tun und unsere Themen in Anspruch zu nehmen. Nehmen wir erneuerbare Energien zum Beispiel. Ja, wir brauchen ja 2000 Terawattstunden für ganz Deutschland, um überhaupt auf diese 0,5 zu kommen. Und da muss eben klar sein, wie viel brauchen wir pro Industrie? Bis wann brauchen wir die? Weißt du, so konkret wie möglich. Ja, fehlt im Moment in der Debatte. Und ich nehme auch im Nachhaltigkeitsrat wahr, wir haben dort Diskussionen. Ich bin mir nicht sicher, ob schon für alle Industrien verstanden ist, welche Transformationsschritte entscheidend sind. Und ich glaube, da müssen wir sehr aktiv jetzt in den Dialog gehen. Weil dieses Gewaber, weil die Wunschlisten tierisch lang, die Ziele sind noch größer und keiner redet darüber. Und wie machen wir es jetzt? Und ich glaube, da müssen wir rein als Führungskräfte, sehr konkret mit konkreten Vorschlägen und das aggregieren für Politik. Ich würde gerne noch mal ein bisschen differenzieren. Das eine war Volumenwachstum und das andere ist Wertwachstum. Das ist eine ganz wichtige Unterscheidung. Ja, das heißt, Wachstum per se ist nicht das Problem, sondern es geht darum, was wächst hier? Und das, warum sage ich, das, weil wenn Sie sich den Green Deal anschauen als ein Beispiel, dann entstehen aus den jetzt gesetzten Regularien massive Risiken für viele Firmen, gleichzeitig aber auch Chancenfelder. Und die ganze Industrie, wenn man sich das anschaut, arbeitet derzeit in 100 neuen Innovationsfeldern. Was sind das für Innovationsfelder? Neue Energiesysteme, nachhaltige Transportsysteme. Da können Sie Batterierecycling, E-Mobility, Wasserstoff, können Sie alles Mögliche drunter fassen. Da haben Sie Themen wie Kreislaufwirtschaft, Kreislaufwirtschaft. Das ist ein Wertwachstum, indem Sie Stoffe recyceln und wieder zurück. Also es geht nicht um unendliches Wachstum. Das möchte ich damit nicht sagen. Es gibt auch das Thema Reduktion, da haben Sie völlig recht. Aber es ist nicht nur Reduktion. Diese neuen Materialien, biologisch abbaubare Techniken, biologische Lösungen, die haben ein deutlich höheres, in Anführungszeichen, Wachstumspotenzial als die Märkte der Vergangenheit. Insofern ist das, was in der Wahl derzeit diskutiert wird, nicht verkehrt. Im Gegenteil. Aber ist eine qualitativ andere Form von Wertzuwachs. Hat man immer vor dem, was man nicht einschätzen kann und was so ein bisschen wolkig ist. Ja, mein Tipp wäre, schaut euch an, was euch Angst macht, und teilt es in kleine Schritte, die machbar werden. Und seid sehr konkret mit dem, was euch Angst macht. Und sobald ihr das Problem definiert habt, was euch Angst macht, und es in kleinere Schritte unterteilt, wird die Angst besser. Meine Erfahrung. Und manchmal hilft auch, sich der Angst ein bisschen auszusetzen, einfach weil man nicht immer dabei direkt umfällt. Ja, also die Erfahrung hilft dann manchmal auch an der Stelle. Aber die Angst wirklich so präzise wie möglich definieren und in kleine Schritte übersetzen. Wir haben jetzt gerade ein Leadership-Up-Skilling gemacht, wo wir mit unseren Führungskräften gemeinsam in den Dialog gegangen sind. Und das war sehr schön, weil es war quer durch alle Ebenen, waren wir bunt gewürfelt und es hat total gutgetan zuzuhören. Weil auch in der Rolle, in der ich mich gerade befinde, bekommt man ja auch nicht immer alles gesagt. Und ich fand es extrem erfrischend. Und umgekehrt haben die Mitarbeiter auch mir gesagt: Mensch, ihr müsstet aber mal. Also insofern, ich glaube, miteinander erfolgreich sein heißt auch viel zuhören und sich die Hand reichen und die Distanz kleiner machen zwischen uns allen. Einfach, wir sitzen am Ende ja doch in einem Boot.

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