Ansatz und Ursprung der Muskeln | Die Anatomie des Menschen [Teil 1] | B-Lizenz Prüfungsstoff

Deutsches Lehrvideo/Transcript zur menschlichen Anatomie (Teil 1), Fokus auf Ursprung, Ansatz und Funktion wichtiger Oberkörpermuskeln. Behandelt pectoralis major, Musculus deltoideus, die Rotatorenmanschette (supraspinatus, infraspinatus, subscapularis, teres minor) sowie Musculus latissimus dorsi und teres major, mit praktischen Hinweisen zu Trainingsumfang, Dehnung und funktionellen Problemen.
Herzlich willkommen zur Anatomie des Menschen. Die Anatomie des Menschen ist vielleicht einer der anspruchsvollsten Themen überhaupt. Andererseits mögt ihr sagen, es ist doch alles relativ langweilig, das verwirrt mich, die ganzen lateinischen Begriffe, Ansatz, Ursprung und so weiter. Aber die Anatomie des Menschen zu verstehen, das ist super wertvoll für euren Beruf. Natürlich braucht ihr die Anatomie und die ganzen lateinischen Begriffe auch in der Prüfung, aber wenn ihr euch vielleicht später weiterbilden wollt, wenn ihr wirklich verstehen wollt, was es damit auf sich hat, dann ist die Anatomie des Menschen zu verstehen extrem wichtig. Meine Empfehlung ist daher, vielleicht im eigenen Training oder auch mit dem Kunden wirklich mal zu überlegen, was passiert bei dieser Übung, welche Muskeln arbeiten gerade. Und wenn ihr dieses Konzept, dieses Prinzip einmal verstanden habt, dann werdet ihr davon viel gewonnen haben. Wir werden uns jetzt in diesem Kapitel vor allem mit den ganzen wichtigen Muskeln auseinandersetzen, aber auch mit den Muskeln, die so am meisten trainieren werden, die vielleicht am meisten vernachlässigt werden, vielleicht aber auch mit Muskeln, die eigentlich unterschätzt werden. Und ich hoffe, dass ihr im Laufe dieses Videos einige neue Erfahrungen oder neue Erkenntnisse aufnehmen könnt. Fangen wir an mit dem großen Brustmuskel, dem pectoralis major. Wir sehen, dass er seinen Ursprung sowohl am Schlüsselbein, am Brustbein und und am zweiten bis sechsten Rippenknorpel als auch an der Scheide des geraden Bauchmuskels hat. Der Ansatz liegt an der Leiste des großen Oberarmhöckers und aufgrund dieser Anatomie, aufgrund dieses Ursprungs und Ansatzes bewegt er den Arm nach vorne, er zieht den Arm zum Körper und er rotiert den Arm nach innen. Und genau daraus resultiert eben so eine typische Haltung von Männern. Der Brustmuskel ist sehr stark ausgeprägt und dadurch kommt es zu so einer Innenrotation der Muskulatur. Und von daher ist es super wichtig, den Muskel in einem ganz großen Bewegungsumfang zu nutzen, damit eben dieser Muskeltonus nicht so krass steigt, dass er ständig kontrahiert und die Funktion eigentlich die ganze Zeit ausführt, ohne dass wir es bewusst machen wollen. Als nächstes kommen wir zum Deltamuskel, dem Musculus deltoideus. Er hat seinen Ursprung am Schlüsselbein, am Akromium des Schulterblattes, auf der Schulterhöhe und auch am Schulterblatt Er setzt am Oberarmknochen an, also ganz genau an der Leiste des großen Oberarmhöckers. Seine Funktion ist vor allem die Abduktion, also das seitliche Wegführen oder das seitliche Anheben des Armes. Das macht vor allem der mittlere Teil und von 60 bis 90 Grad arbeiten dann vorderer und hinterer Anteil zusammen. Ab 90 Grad muss dann das Schulterblatt mitbewegt werden und dann entsteht entweder eine nach vorne Innenrotation des Oberarmes oder eine nach hinten Außenrotation des Oberarmes. Die Problematik sozusagen bei dem Deltamuskel ist, dass alle Anteile dieses Deltamuskels den Oberarmkopf in die Pfanne, in die Schulterpfanne ziehen wollen. Und das kann eben dann Probleme geben, wenn der Muskel zu stark ausgeprägt ist, nennt man dann auch ein sogenanntes funktionelles Impingement. Daher ist es eben auch wichtig, auch die tiefe Schultermuskulatur zu trainieren, die sogenannte Rotatorenmanschette, zu der wir noch kommen werden, denn sie verhindert eben dieses Hochziehen des Deltamuskels in die Schulterpfanne rein. Das Gute am Deltamuskel ist, dass er sehr viel kompensieren kann. Also das bedeutet, wenn einmal die Rotatorenmanschette verletzt ist, dann kann der Deltamuskel das sehr gut kompensieren. Viele Patienten oder viele, die da Probleme haben, die merken das gar nicht, weil sie so einen kräftigen Deltamuskel haben. Von daher macht es definitiv Sinn, den Deltamuskel gut zu trainieren und natürlich macht ein schöner Deltamuskel auch schön breite Schultern. Kommen wir als nächstes zur Rotatorenmanschette. Der erste Teil ist ja der Musculus supraspinatus, der sogenannte Obergrätenmuskel. Er hat seinen Ursprung an der Obergrätengrube des Schulterblattes und seinen Ansatz am großen Oberarm Beinhöcker. Nun, die Funktion ist eben die Außenrotation des Oberarmes im Schultergelenk und als Teil der Rotatorenmanschette natürlich die Stabilisierung. Er hilft dem Deltamuskel die ersten 5 bis 10 Grad zur Abduktion. Des Armes, also zum seitlichen Abspreizen des Armes. Der nächste Teil der Rotatorenmanschette ist der Untergrätenmuskel, auch Musculus infraspinatus. Er hat seinen Ursprung an der Untergrätengrube des Schulterblattes und seinen Ansatz am großen Oberarm Beinhöcker. Die Funktion ist eben die Außenrotation des Oberarmes und natürlich die Stabilisierung der Rotatorenmanschette. Und da ist es eben super wichtig, weil er so einen starken Gegenspieler hat, also so einen starken Antagonisten, den großen Brustmuskel, der den Arm nach innen rotieren muss, will, müssen wir diesen Muskel unbedingt trainieren, und zwar im vollen Bewegungsradius, zum Beispiel am Kabel wirklich ganz nach außen gehen, den vollen Bewegungsradius nutzen und den Muskel auch gut dehnen, damit wir eben in die richtige Haltung wiederkommen und keine muskulären Dysbalancen fördern. Kommen wir als nächstes zum dritten Teil der Rotatorenmanschette, dem Unter Schulterblattmuskel, auch Musculus subscapularis genannt. Er hat seinen Ursprung an der Rippenseite des Schulterblattes, seinen Ansatz an dem kleinen Oberarmbeinhöcker und seine Funktion ist eben auch die Innenrotation des Oberarmes im Schultergelenk. Und von daher ist es super wichtig, diesen Muskel vor allem zu dehnen, indem auch diesen Muskel wir in vollem Bewegungsradius nutzen bis zur vollen Dehnung. Kommen wir zum vierten Teil der Rotatorenmanschette, dem kleinen Rundmuskel, auch Musculus teres minor genannt. Er hat seinen Ursprung an dem Außenrand des Schulterblattes, seinen Ansatz am großen Oberarmbeinhöcker und er hat dadurch, dass er relativ klein ist, nur eine Funktion der schwachen Adduktion des Oberarmes, als auch die Außenrotation und die Retroversion des Oberarmes, also das nach hinten wegführen des Oberarmes. Kommen wir als nächstes zum breiten Rückenmuskel, dem Musculus latissimus dorsi. Da er ebenso ein breiter und großer Muskel ist, hat er sehr viele Ursprünge. Zum einen die Dornfortsätze des siebten bis zwölften Brustwirbels, den unteren Schulterblattwinkel, die neunte bis zwölfte Rippe, den Darmbeinkamm, das Kreuzbein und auch an der thorakolumbalen Faszie. Er sitzt an der Zwischenhöckerinne an der Medialseite des Humeruskopfes an. Seine Funktion ist vor allem die Retroversion des Armes, das heißt, er zieht den Arm hinter den Rumpf, sowie eine horizontale Adduktion des Armes, das heißt, er zieht den Arm an den Rumpf heran. Aufgrund dessen, dass er eben an der Medialseite des Humeruskopfes das Oberarmkopfes ansetzt, ist er auch für eine Innenrotation des Armes verantwortlich. Wenn die Arme fixiert sind, dann ist er dafür verantwortlich, den Oberkörper anzuheben, zum Beispiel eben bei Klimmzügen. Da er so viele verschiedene Ursprünge hat, ist es sehr wichtig, den Muskel aus verschiedenen Winkeln zu trainieren. Das bedeutet, mit breiteren Griffen, mit engeren Griffen vorgebeugt gerade zu stehen oder eben auch durch Klimmzüge. Jetzt verstehen wir auch durch Ursprung, Ansatz und Funktion, warum der breite Rückenmuskel auch beteiligt ist beim Kreuzheben, denn er zieht den Arm an den Rumpf und hinter den Rumpf. Das bedeutet, er gibt uns Stabilität beim Kreuzheben. Der sozusagen kleine Gehilfe des breiten Rückenmuskels ist der große Rundmuskel, der Musculus teres major. Er entspringt dem unteren Rand des Schulterblattes und setzt an der Leiste des kleinen Höckers des Oberarmes an. Dementsprechend, wie gesagt, hat er eine ähnliche Funktion, wenn auch in geringerem Umfang, wie der Latissimus dorsi, nämlich die Adduktion, die Retroversion und wieder die Innenrotation des Oberarmes.
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