Interview: Emotionale Intelligenz mit Stefan Ackermann | 127 OTL Fitness-Podcast

Deutsches Podcast-Interview (OTL Online Trainer Lizenz) mit Stefan Ackermann über emotionale Intelligenz im Sport- und Trainingskontext. Der Gast erklärt Definitionen und fünf Kernkompetenzen (Identifikation, Ausdruck, Verstehen, Regulation, Nutzen), beschreibt praxisnahe Übungen (Achtsamkeitsmeditation, Reflexionstabelle, dyadisches Sprech-/Geh-Format, Power Posing) und diskutiert konkrete Vorteile für Fitnesstrainer sowie ein begleitendes Buch und Weiterbildungstermine.
Was emotionale Intelligenz ist und wie sie dir einen Vorteil verschafft. Dies und vieles mehr klären Stefan Ackermann und ich in dieser Podcast Folge. Herzlich willkommen zum Online Trainer Lizenz Podcast im Gespräch über Fitness und Ernährung. Lerne von Experten, wie du erfolgreich trainierst, dich richtig ernährst und typische Sportverletzungen vermeidest. Freut mich sehr, dass du hier im Podcast bist. Für viele, ich weiß nicht, vielleicht kennen dich einige schon, andere nicht. Ein kurzes Intro zu dir selbst.
Ja, gerne. Also ich bin 24 Jahre alt, studiere gerade Master an der Deutschen Sporthochschule in Köln und arbeite da recht eng mit Dr. Sylvain Labord aus. Dem Psychologischen Institut zusammen und daher auch die Verbindung zur emotionalen Intelligenz.
Wie gut bist du dann einfach so reingerutscht in dieses Thema Emotionale Intelligenz oder hast du, wie bist du quasi darauf gekommen? Wie hast du dich mit DETEC überhaupt beschäftigt?
Ich habe mich seit 2013 2014 allgemein mit Erfolg beschäftigt, unter anderem auch mit Psychologie und hatte da generell schon auch aus der Schulzeit ein generelles Interesse. Für 2015 habe ich dann während des Semesters angefangen, ein Praktikum im Psychologischen Institut zu machen und Dr. Labord war mein Betreuer. Der hatte 2014 ein systematisches Review, das heißt einen Übersichtsartikel über den aktuellen Forschungsstandard über Emotionale Intelligenz im Sport verfasst. Dadurch wurden zwei kanadische Professoren auf ihn aufmerksam, die ein wissenschaftliches Buch über Emotionale Intelligenz in Bildung im weitesten Sinne in Auftrag gegeben haben und hatten ihn gebeten oder gefragt, ob er Interesse hätte, das Kapitel über Emotionale Intelligenz im Sport beizusteuern. Da hat er mich dann gefragt, ob ich Lust hätte, das mit ihm zu schreiben. Das haben wir dann bis Anfang 2016 gemacht. Dann bin ich auf die Idee gekommen, eine externe Weiterbildung an der Deutschen Sporthochschule anzubieten zum Thema Emotionale Intelligenz in Sport und Beruf. Die leiten wir jetzt seit 2016 Juni 2016 haben wir die erste gehalten und er kam dann im März auf die Idee, sein eigenes Buch zu schreiben. Das haben wir dann auch gemacht. Im September 2017 ist das dann bei Meier Meier Verlag erschienen, richtet sich in erster Linie an Trainer, Lehrer, allgemein, Leute, die praktisch mit der emotionalen Intelligenz arbeiten wollen und die eben entweder für den Sport oder mit Hilfe von Sport verbessern wollen. Und so habe ich mich dann eben nach und nach in das Thema entwickelt, sage ich mal.
Die Frage, die sich mir jetzt nun stellt, was ist emotionale Intelligenz nun wirklich? Also emotional hat irgendwas mit Emotionen zu tun und Intelligenz ist möglicherweise einfach der Umgang mit den Emotionen oder was kann man sich darunter vorstellen?
Im Grunde genommen, in einem Satz gesagt, bedeutet emotionale Intelligenz, wie ich mit meinen eigenen Emotionen und den Emotionen anderer Leute umgehe. Mittlerweile wird in der Forschung schon eher von emotionaler Kompetenz gesprochen, weil Intelligenz immer noch den Beigeschmack hat, dass das fix ist. Man kann es nicht ändern. Aber mittlerweile ist klar, dass man die emotionale Intelligenz oder emotionale Kompetenz entwickeln und trainieren kann, oder Es gibt inzwischen etliche Definitionen der emotionalen Intelligenz und wir arbeiten mit der oder auch basierend auf dem Fragebogen von Brasseur et al. Der 2013 entwickelt wurde, die von fünf Kompetenzen ausgehen, die sich sowohl auf die eigene als auch andere Personen beziehen, sodass man dann insgesamt zehn Dimensionen hat. Einmal die Identifikation von Emotionen. Das heißt, ich kann wahrnehmen, wie ich selbst mich fühle und bin in der Lage, anhand von Mimik, Gestik, Körpersprache zu erkennen, wie sich andere Menschen fühlen. Ich kann meine eigenen Emotionen in Worte fassen und auch mit meiner eigenen Körpersprache und Mimik optimal ausdrücken und bin in der Lage, Empathie zu zeigen und die Emotionen anderer Menschen aufmerksam und eben empathisch aufzunehmen. Das dritte ist das Verständnis von Emotionen. Das heißt, ich nehme da immer das Drei Leute gehen die Straße entlang, es läuft ein Hund über die Straße und der eine wird fröhlich, der andere traurig. Und der Dritte kriegt Angst, selber Stimulus, aber komplett unterschiedliche emotionale Reaktionen. Der Erste, der fröhlich wird, hat vielleicht selbst einen Hund und wird an den erinnert und freut sich. Der Zweite, der traurig wird, hat womöglich sein Haustier gerade verloren und wird daran erinnert und wird deshalb traurig. Und der Dritte wurde mal von einem Hund gebissen, als er ein Kind war, und wird deshalb ängstlich, wenn er den Hund sieht. Derselbe auslösende Faktor führt zu unterschiedlichen Emotionen bei unterschiedlichen Leuten. Und je besser ich über mich selbst oder andere Menschen Bescheid weiß, desto besser kann ich verstehen, weshalb sich jemand oder ich selbst mich in einer bestimmten Situation so fühle und nicht anders. Das vierte ist die Regulation von Emotionen. Das heißt, ich bin in der Lage, meine Emotionen so zu steuern, dass sie Situations passend sind. Beispielsweise, wenn man wütend auf den Chef ist, ist es nicht so gut, dem eine Ohrfeige zu verpassen. Oder wenn man trainieren will, ist es ungünstig, wenn man unmotiviert ist. Und da ist es dann sehr vorteilhaft, wenn man sich motivieren kann und eben die Emotionen in sich selbst erwecken kann, die gerade nötig sind. Und das fünfte ist das Nutzen von Emotionen. Bedeutet, ich bin in der Lage, Emotionen so anzuwenden, dass ich meine Ziele bestmöglich erreiche. Ein Beispiel dafür ist aus dem Tennissport. Aus dem Tennissport. Ein Spieler wurde mal komplett zerstört von seinem Gegenspieler, dann hat irgendein Kumpel seines Gegners einen dummen Kommentar von außen gebracht. Das hat ihn so wütend gemacht und er war von seinem eigenen Spiel so angeekelt, dass er eine ganz neue Motivation gefunden hat, seinen Frust genutzt hat, um sein Spiel komplett zu ändern und dann letztendlich doch noch zu gewinnen.
Das sind dann quasi diese fünf Dimensionen, wovon du gesprochen hast.
Ganz genau. Identifikation, Expression bzw. Ausdruck Verstehen, Regulation und Nutzen sowohl der eigenen, was die ersten 5 und der anderen Menschen sind, was dann die zweiten 5, also insgesamt 10 sind.
Und du hast ja auch gesagt, diese Identifikation bzw. Bewusstwerdung der eigenen Emotion. Wie kann ich das quasi lernen? Das heißt ja jetzt nicht einfach so hin okay, gut, Mensch, ich setze mich jetzt hin und ich schaue jetzt einfach mal, wie ich mich fühle oder was meine Emotionen sind oder wie kann ich das anwenden? Weil es ist ja im Grunde genommen, im Grunde genommen ist es recht leicht, aber dennoch ist es gleichzeitig schwer.
Da hast du absolut recht. Was auf jeden Fall eine der am besten erforschten Möglichkeiten aktuell ist, ist Mindfulness Meditation. Das heißt, du bist achtsam im präsenten Moment und richtest eine Aufmerksamkeit bewusst. Anfänglich lohnt es sich da erstmal auf die Atmung zu achten, weil die sehr leicht bewusst wahrgenommen werden kann. Und nach und nach kann man dann allgemein in den Körper hineinfühlen und auch seine Gedanken beobachten. Am Anfang ist jedoch die Atmung da ein empfehlenswerter erster Schritt und mit Hilfe der Achtsamkeit, die einfach bedeutet, im präsenten Moment bewusst aufmerksam zu sein, ohne zu urteilen. Das heißt, man nimmt einfach wahr, was gerade in einem vorgeht oder auch um einen herum in der Umwelt, was dann fürs Zuhören und so weiter sehr hilfreich ist, ohne Urteile zu fällen. Ist das gut, ist das schlecht, gefällt mir das? Wie finde ich das? Einfach nur wahrnehmen und beobachten. Und im Laufe der Zeit kann man so ein deutlich verbessertes Bewusstsein für die eigenen Emotionen sich antrainieren, kurz einfach mal meditieren bzw.
Das einfach mal ausprobieren, erstmal auf die Atmung schauen, die wahrnehmen und dann geht es dann quasi Step by Step tiefer in den eigenen Körper hinein.
Ganz genau. Das wird anfänglich definitiv schwer sein. Es wird auch nach 10 Jahren noch schwer sein, aber man gewöhnt sich dann definitiv dran und es fällt einem leichter, weil unweigerlich werden Gedanken einfließen und irgendwann wacht man dann wieder auf, oh mein Gott, ich habe schon seit was weiß ich wie vielen Minuten nicht mehr auf meine Atmung gedacht, geachtet und war komplett in meinen Gedanken versunken und sehr viel, also ohne jetzt irgendjemandem zu nahe treten zu wollen. Sehr viele Menschen gehen mehr oder weniger unbewusst durch den Tag und träumen quasi ihr Leben und sie leben vor sich hin, ohne bewusst im aktuellen Moment zu sein. Und wenn ich nicht bewusst in diesem Moment bin, der jetzt gerade vorliegt, dann kann ich auch nicht meine Emotionen identifizieren. Wenn ich mit den Gedanken schon beim Abendessen bin, obwohl ich gerade ein wichtiges Gespräch oder Meeting habe oder gerade im Training bin, dann kann ich meine Emotionen nicht wahrnehmen. Wenn ich gedanklich ganz woanders bin, so.
Wie wir jetzt ja gerade auch direkt beim Podcast sind. Wir befassen uns hoffentlich nicht irgendwie mit dem Abendessen oder so, sondern halt wirklich jetzt gerade. Wir sind im Moment, wir nehmen die Worte des anderen wahr und konzentrieren uns bzw. Unser kompletter Fokus liegt halt darauf, um dann halt natürlich das Gesagte auch wirklich verstehen zu können. Du sagst es wie meditierst, meditierst du auch selber oder sagst, okay gut, ich brauche diese Meditation nicht, ich habe einfach dieses Bewusstwerden meiner Gefühle bzw. Emotionen oder wie gehst du damit um?
Ich muss gestehen, dass ich das mittlerweile schon wieder viel zu selten mache und zu unregelmäßig Ich habe das vor allem letztes Jahr, Anfang des Jahres quasi täglich gemacht. Es gibt ein überragendes YouTube Video, das nennt sich Body Scan von Dr. Jon Kabat Zinn. Das ist der Leiter der Stressreduktionsklinik in Massachusetts. Und es ist einfach eine angeleitete Meditation über 45 Minuten, in der er vorgibt, wie man seine Aufmerksamkeit lenken soll. Man beginnt erst mit der Atmung und lenkt sie dann in den Körper hinein. Man fängt beim bei den Zehen des linken Fußes an, wandert dann das linke beIN hoch, dann das rechte beIN, Oberkörper, Arme und zum Schluss der Kopf. Und das ist, also mir hat es extrem geholfen, weil vor allem die Identifikation der Emotionen ist mir anfangs extrem schwer gefallen. Als wir 2015 im Seminar bei Dr. Labor den Fragebogen zur Messung der emotionalen Intelligenz ausgefüllt haben, war meine Regulation überragend, aber meine Explosion und meine Identifikation waren voll im Keller und dementsprechend hatte ich da eine Menge Arbeit vor mir. Aber daher bin ich dann auch der lebende Beweis und habe an mir selbst erfahren, dass man sich eben weiterentwickeln und verbessern kann. Und die Meditation hat mir da extrem viel geholfen. Jetzt mittlerweile, wenn man weiß, worauf man achten muss und wie das Ganze geht, in Anführungszeichen, kann man jederzeit überall meditieren. Also gewissermaßen ist auch jetzt der Podcast und unser Interview für mich eine Art der Meditation, weil ich eben präsent in diesem Moment bin. Das ist das Entscheidende. Egal ob ich joggen gehe, egal ob ich mich hinlege und mir ein Hörbuch anhöre oder einfach auf meine Atmung achte. Alles kann Meditation sein. Alles kann ein Training der Identifikation der Emotionen sein. Es kommt wirklich nur darauf an, dass ich präsent in diesem Moment bin, alles wahr oder nicht alles, aber möglichst viel bewusst wahrnehme und das Ganze beobachte, ohne es zu beurteilen.
Du hast ja gesagt, diese 45 Minuten Meditation, wo man angeleitet wird, ist Anfang oder sagst du, okay gut, man muss auf jeden Fall nicht gleich mit 45 Minuten anfangen, sondern fang mit 5 oder 7 Minuten an. Wie ist da so deine Erfahrung?
Definitiv. Also das Wichtigste ist Regelmäßigkeit. Ich habe das wirklich drei, vier Monate lang quasi täglich gemacht und das ist das Entscheidende. Fünf Minuten pro Tag für den Rest deines Lebens sind viel besser als die nächsten zwei Tage, drei Stunden und dann nie wieder irgendwas. Das Regelmäßige ist das Entscheidende. Es gibt ein gutes Buch über willpower von Kelly McGonagall, die ist Dozentin an der Stanford University, wenn ich mich nicht täusche. Und die schreibt auch haargenau das Es ist viel besser, sich täglich 5 Minuten hinzusetzen und einfach nur die Atmung zu beobachten, als jetzt zwei Tage, irgendwie 24 Stunden am Tag was machen wollen und dann komplett die Lust verlieren. Es ist eine extreme Umstellung und nach wie vor ist Meditation immer noch mit einem gewissen Beigeschmack behaftet und viele haben Vorurteile, was das angeht. Deshalb 5 Minuten pro Tag sind erstmal besser, als sich komplett zu überlasten, sage ich jetzt mal. Gibt es doch gar nicht.
Und wenn ich jetzt als Fitnesstrainer Gut, ich habe jetzt meditiert und was bringt mir das bzw. Was ist der nächste Step? Was bringt mir generell die emotionale Intelligenz als Fitnesstrainer, wenn ich jetzt meinen Kunden vor mir stehen habe?
Also das kommt ganz darauf an, was genau man erreichen will. Aber die unterschiedlichen Dimensionen haben unterschiedliche Vorteile, die sie mit sich bringen. Beispielsweise die Identifikation bringt den Vorteil mit sich, dass ich viel besser auf meinen Kunden eingehen kann. Wenn ich haargenau wahrnehme, was in ihm oder scheinbar in ihm vorgeht, kann ich mein Training besser anpassen. Wenn ich merke, dass er noch irgendwie eine Unsicherheit zeigt oder eine Ängstlichkeit zeigt. Wenn ich ihm eine Übung vorstelle, dann kann ich darauf eingehen und fragen, ob er sie wirklich verstanden hat, die gegebenenfalls noch mal irgendwas vormachen oder zeigen oder eventuelle Probleme, die er mit der Übung hat, die auf psychologischer und psychosomatischer Ebene bestehen könnten, die kann ich dann berücksichtigen und dementsprechend dann einfühlsamer darauf eingehen. Weiterer Vorteil ist die Regulation von Emotionen. Das heißt, wenn ich in der Lage bin, Emotionen in meinen Kunden oder möglichen Kunden zu entfachen, dann bin ich oder dann sind meine Chancen besser, ihn von mir zu begeistern, was dann die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er bei mir ins Training kommt oder aber das Maximum aus ihm rauszuholen. Weil oftmals, vor allem wenn man abends trainiert und noch gestresst ist vom Tag oder irgendwas Privates oder Berufliches dazwischen gefallen ist, dann ist man mit den Gedanken erstmal woanders eventuell unmotiviert beim Training. Und wenn es mir dann gelingt, die Aufmerksamkeit und auch die Emotionen meines Schützlings auf 100 Prozent zu bringen, dann ist das Training direkt effektiver und er geht glücklicher nach Hause, was dann auch wieder positiv auf mich zurückfällt. Nutzen von Emotionen ist insbesondere dann wichtig, wenn ich, würde ich jetzt auch nicht sagen, dass nur für Leistungssportler relevant ist, aber vor allem da ist es gut, den Athleten zu coachen, dass er im Wettkampf in der Lage ist, Emotionen zu nutzen, egal welches Ausmaß sie annehmen, ob er sie jetzt als positiv oder schlecht bewertet. Wenn ich ihn coachen kann, dass er in der Lage ist, die Emotionen, die er gerade in einer Situation hat, so zu interpretieren, dass sie ihn voranbringen, dann hat er da schon mal einen ganz großen Schritt gewonnen. Und das kann ich natürlich dann auch mit einem Klienten im Fitnessstudio machen, was er dann auf sein Privat und Berufsleben übertragen kann. Gleichermaßen, wenn mein Kunde mit irgendwelchen positiven oder negativen Emotionen, wie auch immer er sie einschätzt, zu mir kommt, wenn es mir gelingt, die so zu nutzen, dass ich ihm zeigen kann, dass sie ihm bei seinen Zielen helfen, ist auch das von enormem Vorteil. Dann auch wieder zur Regulation. Wenn ich in der Lage bin, meine eigenen Emotionen zu regulieren, dann bin ich einerseits geduldiger, wenn ich, um es jetzt mal etwas negativer zu formulieren, irgendeinen Bewegungslegastheniker vor mir habe, dem ich eine Kniebeuge auch zum 50. Mal noch 15 Minuten lang erklären und vormachen muss und er sie trotzdem nicht hinkriegt. Wenn ich meine Emotionen regulieren kann, kann ich auch daran Freude empfinden und geduldig bleiben und die Hoffnung nicht aufgeben, um es mal so zu formulieren. Und auch der Fitnesstrainer ist nur ein Mensch, das heißt auch der hat mal einen schlechten Tag. Und wenn es mir da gelingt, meine Emotionen zu regulieren, so dass ich trotzdem hellwach bin, dass ich trotzdem Vollgas geben kann und auch wenn ich gerade noch müde und erschöpft bin, von was auch immer davor passiert ist, wenn ich mit Elan vor meinen Kunden auftreten kann, dann wirft das natürlich auch immer ein positives Licht auf mich als Trainer.
Heißt dann also, es gibt viele verschiedene Vorteile. Warte mal, ich kann mich gerade doppelt hören, so jetzt ist okay. Heißt es gibt viele verschiedene Vorteile, die ich durch diese emotionale Intelligenz nutzen kann, wodurch ich möglicherweise eben meine Kompetenz noch verstärken kann und das sich dann eben auch widerspiegelt in meinem Gehalt, in meiner Kompetenz, wie gesagt, und einfach in meiner Professionalität. Durch diese emotionale Intelligenz bin ich einfach professioneller, kann dann möglicherweise auch auf professionellerer Ebene, heißt jetzt nicht unbedingt nur im Fitnessstudio arbeiten, sondern möglicherweise eben auch gute Kunden an Land ziehen zu können, wie zum Beispiel jetzt, ich arbeite vielleicht in einem Sportverein oder coache vielleicht auch irgendwie Athleten im nächsten Verein. Wie kann ich jetzt nun bzw. Was sind so die Schritte, wo du sagst, okay gut, das solltest du als Fitnesstrainer machen? Zum einen haben wir natürlich jetzt schon mal die Meditation, wodurch wir unseren Emotionen bewusst werden. Was wäre so der nächste Schritt?
Also es hängt komplett davon ab, wo die persönlichen Stärken, Schwächen sind, was für Ziele man hat und welche Dimension der emotionalen Intelligenz man wirklich trainieren will. Zwar sind die alle miteinander in Verbindung, dennoch kann man individuelle Dimensionen oder auch mehrere bestimmte Dimensionen unabhängig voneinander trainieren. Die Meditation hilft in erster Linie bei der Identifikation von Emotionen und dem Verstehen von Emotionen. Hat auch geringe Einfluss, hat schon auch Auswirkungen auf die Regulation von Emotionen, aber in erster Linie, wie gesagt, Identifikation und Verstehen von Emotionen. Eine weitere ausgezeichnete Übung ist, sich eine Tabelle zu machen. Was war die Situation? Welche Emotion habe ich empfunden? Wieso habe ich die Emotion empfunden? Wie bin ich mit der Situation umgegangen? Wie hat das Ganze funktioniert bzw. Was könnte ich nächstes Mal noch besser machen. Uns passieren täglich unfassbar viele Dinge und vieles davon ist, wie ich vorhin schon erwähnt hatte, oftmals unbewusst. Das heißt, wenn ich mir im Nachhinein Gedanken mache, was ist passiert, wieso ist das und das in mir vorgegangen und was könnte ich nächstes Mal besser machen? Richte ich eine ganz neue Aufmerksamkeit auf bestimmte Situationen und überleg mir ständig neue Strategien, um besser mit verschiedenen Situationen umzugehen. Das heißt, wenn ich regelmäßig Probleme mit irgendeinem Athleten oder Kunden habe und dann mal darauf achte, wieso diese Probleme entstehen, wie ich damit umgehe und was ich besser machen könnte und mir dann verschiedene Strategien überlege, um eben neue Ergebnisse zu erzielen, dann bin ich in der Lage, komplett neue Herangehensweisen auszuprobieren, die mir dann natürlich auch automatisch helfen, meine Emotionen zu regulieren, zu nutzen und auch womöglich seine Emotionen zu regulieren und zu nutzen, einfach dadurch, dass ich verschiedene Strategien ausprobiere und dann auf komplett neue Ideen komme, die ich vorher nicht hatte. Eine weitere sehr gute Übung, vor allem für zwischenmenschliche Situationen, weil beispielsweise die Meditation und auch die Liste, die ich gerade angesprochen hatte, die kann man theoretisch rein für sich selbst nutzen. Eine Übung für ausschließlich zwischenmenschliche Situationen ist, auch wenn sie extrem viel Zeit erfordert, meiner Meinung nach eine ausgezeichnete Übung. Ich nehme mir Kunden, Partner, Freund, was auch immer, den Menschen, mit dem die Beziehung eben ist, die ich verbessern will oder auch wenn ich mal irgendwas über mich selbst herausfinden will. Und da bietet sich dann an, zusammen joggen zu gehen oder spazieren zu gehen oder was auch immer. Zehn Minuten redet Person A, dann sind beide zehn Minuten leise, dann redet zehn Minuten Person B und dann sind beide 10 Minuten leise. Die Zeiten kann man theoretisch wählen, wie man will. Man kann 15 Minuten, 5 Minuten, 15 Minuten, 5 Minuten oder dreiig, dreiig, dreIig, dreiig, wie auch immer, je nachdem, wie viel Zeit man hat, wie viel Lust man hat. Das kann man individuell bestimmen, aber ich würde sagen, Minimum 10 Minuten pro Redeintervall. Der Vorteil dabei ist, wenn man erstmal in den Gesprächsfluss kommt, ohne drüber nachzudenken, was genau man jetzt sagt, dann kommen früher oder später Dinge an die Oberfläche, die einem selbst davor womöglich gar nicht bewusst waren und die man eventuell der anderen Person auch nie gesagt hätte. Und das kann sich extrem positiv auf die Beziehung und auch auf das Verständnis der eigenen Emotionen und dann eben auch das Verständnis der Emotionen der anderen Person auswirken, weil es viel, viel tiefer kommuniziere. Das sind drei Übungen, die ich persönlich erstmal empfehlen würde. Es gibt dann noch andere, die andere Vorteile haben. Beispielsweise für die Regulation von Emotionen wird Power Posing empfohlen. Das bedeutet, Körperhaltungen einzunehmen, die möglichst raumgreifend sind. Beispielsweise wenn man sich Bilder von Usain Bolt bei seinem Weltrekord anschaut oder andere Gewinner posen, die strecken die Arme in die Luft und das ist universell. Auch blinde Menschen machen das, die quasi nie die Chance hatten, diese Position zu sehen. Die machen das instinktiv und das wirkt sich auf die Risikobereitschaft, auf das Selbstbewusstsein und auch auf den Hormonspiegel aus. Wenn ich raumgreifende Bewegungen, also solche Power Posen mache und einnehme, dann steigt mein Testosteronspiegel und mein Cortisolspiegel, was ein Stresshormon ist, sinkt. Und im Gegensatz dazu, wenn ich mich klein mache, also beispielsweise an meinen Hals fasse oder irgendeine schützende Haltung einnehme oder was auch sehr oft heutzutage passiert, dass ich mich einkrümme und auf mein Smartphone schaue, dann passiert exakt das Gegenteil, dass mein Testosteronspiegel sinkt und mein Cortisol Level steigt. Und dadurch, durch diese Power Posen bin ich eben in der Lage, meine Emotionen nach oben zu regulieren, dass ich viel ambitionierter, aufrichtiger und freudvoller und auch mutiger durchs Leben gehe.
Wie lange sollte ich jetzt so eine Power Pose machen?
In den Studien, die mir bekannt sind, wird das immer so gemacht, dass sie zwei Power Posen einnehmen für jeweils eine Minute. Je nachdem, wie viel Zeit man hat, kann man das beispielsweise für 30 bis 60 Sekunden oder auch 2 Minuten im Aufzug oder auf der Toilette irgendwo, wo man allein ist, machen. Es wäre nicht so gut, im Vorstellungsgespräch vor dem zukünftigen Arbeitgeber die Füße auf den Tisch zu legen. Von daher sollte man sich da irgendeinen Platz suchen, wo man alleine ist und das für sich machen. Was man in Situationen, in denen man mit anderen Menschen zu tun hat, machen kann, ist beispielsweise den Arm auf den Stuhl oder einen Tisch oder an die Wand auf der Seite legen, so dass man möglichst viel Raum einnimmt, ohne jetzt überheblich zu wirken.
Also das sind auf jeden Fall schon mal so Übungen, die du uns geben kannst. Einmal Meditation, einmal das Thema mit der Liste, dann spazieren gehen mit Intervall sprechen quasi und einmal wirklich diese Power Posen.
Genau, exakt. Das Spazierengehen lässt sich natürlich auch gut in Training einbauen, wenn man jetzt joggen geht, eine Fahrradtour macht beim Schwimmen ist nicht so gut, aber im Fitnessstudio könnte man das theoretisch auch durchführen, wobei das natürlich dann je nach Intensität der Übung, die man gerade durchführt, schwer fällt zu reden. Aber theoretisch wäre es auch möglich.
Also vier Übungen, mit denen wir unsere emotionale Intelligenz einfach nochmal auf ein neues Level heben, wo wir dann eben auch die Vorteile von haben heißt, wir sind kompetenter, professioneller, können einfach mit unseren eigenen Emotionen, was natürlich auch meistens sehr, sehr gut ist, einfach viel viel besser umgehen, dass wenn wir vielleicht mal niedergeschlagen sind als Fitnesstrainer und vielleicht gar keine Lust haben auf den nächsten Kunden, uns so motivieren können, dass wir halt eben trotzdem unsere besten, einfach das Beste aus uns herausholen. Einfach dem Kunden gegenüber ist es so optimal. Wir sind es ihm halt natürlich schuldig und ich glaube auch, dass wir einfach so noch mal über uns hinauswachsen und damit unseren generellen Wert einfach verbessern.
Absolut. Also ich habe das jetzt im Laufe der letzten Jahre, in denen ich mich wirklich intensiver mit dem Thema beschäftige, sowohl bei mir selbst als auch bei anderen gemerkt, je emotional intelligenter man ist, desto leichter fallen einem zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch, also zumindest bei mir kann ich das sagen, die Beziehung mit mir selbst ist viel viel besser geworden und also nicht, dass die davor sonderlich schlecht war, aber es ist immer Luft nach oben. Von daher, es lohnt sich auf jeden Fall. Und auch wenn man jetzt nicht direkt in den ersten 5 Minuten irgendeinen Vorteil merkt, vor allem was die Meditation angeht, im Laufe weniger Wochen lässt sich da schon ein Fortschritt beobachten, wenn man wirklich regelmäßig am Ball bleibt und an sich arbeitet.
Ich finde, das ist ein sehr gutes Schlusswort. Du hattest ja auch erwähnt, dass du gemeinsam mit jemandem ein Buch geschrieben hast. Wo kann man das finden? Worum geht es da noch mal genau? Da geht es ja auch um emotionale Intelligenz. Vielleicht noch mal ein ganz kurzen Teaser.
Ja klar. Also das Buch heiß Emotionale Intelligenz im Sport ist ganz normal auf Amazon zu finden und wir haben aufgeteilt in erstmal die theoretischen Grundlagen, in denen unter anderem das erklärt wird, was ich am Anfang des Interviews auch schon gesagt hatte, mit Identifikation, Expression bzw. Ausdruck, Verstehen, Regulation und Nutzen der Emotionen. Dann haben wir einen wirklich wissenschaftlichen Fragebogen in das Buch mit aufgenommen, in dem man sich oder mit Hilfe dessen man sich selbst testen kann. Wir haben auch die Auswertung und Normwerte, die an der Universität Heidelberg ermittelt wurden, reingepackt und die zweite Hälfte ist ausschließlich Wie kann ich mit Hilfe sportlicher Übungen meine emotionale Intelligenz bzw. Die emotionale Intelligenz meiner Athleten trainieren?
Ich packe einfach mal den Link dann in die Show Notes, da kannst du als Podcast Hörer einfach mal vorbeischauen, wenn dich dieses Thema näher interessiert. Vielleicht auch einfach mal das Buch kaufen, sich damit beschäftigen, einfach mal diese vier Übungen, die wir jetzt nun haben, durchgehen, ausprobieren, wirklich kontinuierlich, was Stefan auch gesagt hat, ausüben, damit wir die Erfolge auch mit der Zeit dann sehen. Stefan es war unglaublich spannend. Also ich werde jetzt in den nächsten Wochen auf jeden Fall einiges zu tun haben, weil mich dieses Thema wirklich sehr interessiert. Vor allem einfach auch mit den eigenen Emotionen umzugehen, finde ich spannend und macht einen natürlich einfach nochmal viel, viel erfolgreicher. Das Lebensgefühl, finde ich, ist dann einfach auch noch mal dementsprechend ein Level besser Und vor allem natürlich im Beruf spiegelt sich das dann ja auch wieder. Klasse.
Ja, definitiv, definitiv. Falls sich irgendjemand die volle Dröhnung geben will, darf er gerne am 9. Und 10. Juni nach Köln kommen. Da findet die nächste Weiterbildung mit Sylvain und mir an der Deutschen Sporthochschule in Köln statt. Da nehmen wir uns ein komplettes Wochenende und machen dann 16 Stunden mit unseren Teilnehmern alle möglichen Tests und mindestens sechs bis acht Stunden Praxis, in denen wir die Übungen wirklich dann anwenden, die jetzt noch entwickelt haben, weil wir natürlich auch ständig dazulernen und uns weiterentwickeln. Und da bist du natürlich auch herzlich willkommen, Jonas.
Ja, sehr schön. Also spannendes, spannendes Thema. Mal schauen, ob ich da Zeit finde und sehr, sehr spannendes Thema. Stefan, ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast.
Ich danke dir, Jonas.
Wenn dir dieses Interview gefallen hat bzw. Wenn du dir mehr solche Formate wünschst, dass wir uns jemanden herholen, ihn interviewen zu einem sehr spannenden Thema, das dich interessiert, dann lass es uns gerne wissen. Schreib uns gerne eine E Mail. Das Kontaktformular findest du auf der OTL Webseite. Das war der Online Trainer Lizenz Podcast. Der Podcast für alle Fitnessfans.
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