In a Tagesschau interview, former eBay Germany head and digital‑fashion expert Stefan Wenzel discusses the urgent need for sustainability in the fashion sector. He outlines the growing pressure from consumers, legislation, investors, and civil society, noting that most fashion companies now have sustainability on their agenda. Wenzel evaluates the second‑hand market, highlighting its current modest share (around 10% of total volume) and its potential to grow, while stressing that overall consumption remains the biggest problem, especially as 80% of produced garments end up as waste. He points out a large gap between consumers’ expressed desire for sustainable fashion and their actual purchasing behavior, a gap exacerbated by fast‑fashion giants like Shein, whose real‑time production model threatens sustainability gains. Wenzel argues that the most effective lever for change is consumer demand, supported by coordinated action from legislation, financial markets, and civil society. He then examines how digitalisation can aid sustainability: e‑commerce generally has a lower CO₂ footprint than brick‑and‑mortar stores, but returns and size inconsistencies remain major emission sources. Improving return rates and standardising sizing are identified as key opportunities for reducing the sector’s carbon impact.
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Gerade deshalb ist es so entscheidend, was in der Modebranche passiert, dass sie vor allem nachhaltiger wird. Und darüber möchte ich jetzt mit Stefan Wenzel sprechen. Er war Chef bei eBay Deutschland und ist Digital- und Fashionexperte. Hallo, Herr Wenzel.
Guten Morgen.
Die Verantwortung der Modeindustrie, endlich nachhaltiger zu werden, die ist groß. Was tun die Unternehmen denn schon dafür?
Na, es ist natürlich viel Aktivität in der Branche und das ist auch genau richtig und wichtig. Das hat in den letzten Jahren dynamisch zugenommen, weil der Druck aus verschiedenen Seiten, von verschiedenen Seiten wächst. Konsumenten stellen kritische Fragen, die Gesetzgebung nimmt Einfluss, das Thema wird immer relevanter für den Finanz- und Investorenmarkt, und letzten Endes ist auch die Zivilgesellschaft mittlerweile sehr stark auf das Thema fixiert und setzt natürlich die Branche gerechtfertigterweise unter Druck. Und deswegen gibt es eigentlich kaum eine ernstzunehmende Firma, die das Thema nicht auch auf ihrer Agenda hat. Man bemüht sich über Programme sozusagen den Fußabdruck, den man hinterlässt, zu reduzieren. Es gibt mittlerweile starke Bemühungen, das ganze Thema transparent zu machen. Es ist sicherlich in allen Vorstands- und Geschäftsführungsetagen mittlerweile als zu priorisierendes Thema angekommen.
Es gibt mittlerweile auch immer mehr große Modefirmen, die Secondhand-Labels anbieten, also die wirklich Secondhand-Ware im Laden verkaufen. Ist das sinnvoll? Bewirkt das was oder ist das mehr Greenwashing letztendlich?
Naja, das größte Problem ist letzten Endes der Konsum und vor allen Dingen der steigende Konsum. Also wenn man sich anschaut, dass die Mode und die daran anhängende Textilindustrie so circa 2 bis 3 Billionen US-Dollar stark ist, und wir von Zahlen zwischen 50 und 100 Milliarden Euro Secondhand-Markt ausgehen, dann sieht man, wie klein der Beitrag ist, den Secondhand aktuell noch zu dem Problem beisteuert. Und bei 10% Secondhand-Anteil des gesamten Volumens, was wir im Markt sehen, ist das sicherlich ein guter Anfang und wichtiger Anfang. Aber wenn man sich überlegt, dass 80% dessen, was produziert wird, nach wie vor im Müll landet, dann ist das natürlich ein sehr ernstzunehmendes Thema nach wie vor.
Wie sehen Sie denn da noch das Potenzial von Secondhand-Mode? Es gibt ja wirklich, wie Sie es auch vorhin schon gesagt haben, immer mehr junge Menschen vor allem, die knallhart da mehr Nachhaltigkeit einfordern und bewusst Secondhand einkaufen.
Ja, also das ist so ein bisschen zweigeteilt. Auf der einen Seite beobachtet man dieses Thema Verhaltens- und Einstellungsendung Also da gibt es eine Lücke zwischen dem, was wir grundsätzlich als Mensch, was wir gut finden und was wir auch in Befragungen und Marktforschungen sagen, und dann gibt es auf der anderen Seite das tatsächliche Verhalten. Und da gibt es eine Lücke und diese Lücke ist nicht klein. Also während wir zu Recht die Nachfrage steigen sehen, ist der Anteil Secondhand am Gesamtmarkt, wie eben gesagt, aber ja noch relativ gering. Und während wir das beobachten, ist das dynamischst wachsende Unternehmen in der Modebranche ein chinesischer Spieler namens Shein, die mit einer sozusagen Extremversion des Fast Fashion namens Real-Time Fashion in kürzester Zeit Unmengen an Produkten in den Markt drücken. Und die Bewertung dieses Unternehmens wird kolportiert mit circa 100 Milliarden. Das wäre größer als H&M und Inditex zusammen, die beiden ansonsten größten Fashionfirmen. Wenn man das also überlegt, dass so ein Spielbuch Realtime Fashion aus China gerade in den jungen Demografien sich höchster Beliebtheit erfreut und die größten Wachstumsraten hat, dann passt das halt nicht zusammen mit dem, was wir ansonsten gerne sagen, dass wir das Thema Nachhaltigkeit, Secondhand so wichtig finden. Die Lücke müssen wir schließen und der Hebel, Der Hebel ist letzten Endes Konsum und weniger Konsum mit einem höheren Secondhand-Anteil ist dann sicherlich die perfekte Kombination.
Das heißt, Sie meinen, da sind dann wirklich die Verbraucher gefragt, das Entsprechende zu kaufen, zu konsumieren. Aber welche Rolle spielen denn dann auch die Firmen? Also wenn die nicht von selbst darauf kommen, dass sie eben woanders produzieren müssen oder weniger produzieren müssen, welche Rolle spielt dann möglicherweise auch die Regierung? Müssen Unternehmen vielleicht sanktioniert werden, bestraft werden, wenn sie gewisse Regeln bei der nachhaltigen Produktion nicht einhalten?
Na, das muss ein Zusammenspiel sein aus den Dimensionen, die ich eingangs sagte: Konsumentengesetzgebung, Finanzmarkt, Investoren und auch die Zivilgesellschaft. Das muss zusammenkommen. Der Konsument hat wahrscheinlich einen der effektivsten Hebel. Firmen sind typischerweise nicht incentiviert, sozusagen im vorauseilenden Gehorsam sich selber Bürden aufzuerlegen. Der Konsument muss das fordern. Und an der Kasse sozusagen, vor allen Dingen an der virtuellen Kasse, abstimmen. Das ist ganz essenziell. Aber natürlich muss von der Gesetzgebung und aus dem Finanzsektor genauso wie aus der Zivilgesellschaft weiterhin der Druck erhöht werden. Es ist ja, wenn man darüber nachdenkt, schon zumindest bemerkenswert, dass hier alle externen Effekte, die sich aus der Produktion von Textilien und Mode ergeben, dass die letzten Endes auf die Gesellschaft umgelegt werden. Das heißt, die eigentlichen Produktkosten spiegeln ja nicht das wider, was die Modeartikel an Kosten insgesamt verursachen. Und dieses, ich sage mal, Delta gilt es auf der einen Seite zu adressieren, aber nochmal, der effektivste und beste Hebel, um Firmen zu Veränderungen zu bewegen, ist das eigene Konsumverhalten. Konsumverhalten entsprechend zu ändern.
Jetzt ist Nachhaltigkeit ein Thema, mit dem sich die Modeindustrie befassen muss. Digitalität und neue Plattformen ist ein anderes Thema. Inwiefern kann denn Digitalität bei dem Wandel zu mehr Nachhaltigkeit auch eine bedeutende Rolle spielen?
Ja, in unterschiedlichen Dimensionen ist die Digitalisierung sicherlich ein Lösungsraum, den man nicht unterschätzen darf. Das Öko-Institut hat vor ein paar Monaten mal so eine CO2-Bilanz des stationären Einzelhandels mit dem des Onlinehandels verglichen. Und was so ein bisschen kontraintuitiv ist, ist, dass der Onlinehandel, und das inklusive des leidvollen Themas der Retouren, einen geringeren Fußabdruck hinterlässt, was CO2 angeht, als der stationäre Handel, selbst wenn man in den stationären Handel mit dem Fahrrad fährt. Und es liegt einfach an der Energieineffizienz, oder vor allen Dingen liegt es an der Energieineffizienz der Geschäfte. Wenn man mit dem Auto natürlich in die Stadt fährt, dann wird diese Bilanz noch dramatisch schlechter. Und das große Thema beim Onlinehandel, und deswegen ist, ich sage mal, das E-Commerce an sich schon eine gute Antwort auf das Thema, aber wir müssen natürlich im E-Commerce, im Distanzhandel, müssen wir das Thema Retouren sicherlich weiter in den Griff bekommen. Das ist eigentlich der große Hebel im E-Commerce, um die CO2-Bilanz einer Bestellung zu reduzieren. Und da gibt es viele Aktivitäten. Auch da gibt es keine Firma, die nicht intern kontinuierlich an der Reduzierung von Retouren und Retourenquoten arbeitet. Aber auch da ist der Hersteller sehr gefragt, weil allein das Thema Größen, gerade natürlich ein Retourentreiber ist und viele Hersteller sehr fluktuierende Größen haben, Größen sich zwischen den Herstellern ändern oder anders sind, aber auch innerhalb eines Herstellers fluktuieren. Und deswegen gibt es da auch interessante Themen und Firmen, die sich mit diesem Problem beschäftigen, als weiteren Hebel, um den Fußabdruck zu reduzieren.
Und sicherlich gibt es auch da noch viel zu tun. Vielen Dank, Herr Wenzel, für Ihre Einschätzungen.