Stefan Wenzel - Live in der Tagesschau

Stefan Wenzel assesses the €1.6 trillion fashion industry ahead of New York Fashion Week. The US and China expect modest growth, but Europe faces headwinds from pandemic effects, energy costs, and war in Ukraine. Chinese platforms like Shein now move from social media trend to production in 3-5 days, flooding markets with thousands of new styles daily.
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geraten. Warum das so ist und wie sich die Entwicklung aktuell darstellt, möchte ich jetzt besprechen mit Stefan Wenzel. Er ist Digitalberater und Handelsexperte. Schönen guten Morgen, Herr Wenzel. Wie ist die Stimmung mit Blick auf die New Yorker Fashion Week?
Die Stimmung ist gemischt. Der Markt ist mit 1.600 Milliarden Euro natürlich ein großer und die Krise ist aber natürlich auch an der Mode nicht vorbeigegangen. Insgesamt muss man, glaube ich, aber auf die einzelnen Märkte schauen. Die beiden größten, nämlich USA und China, schauen auf ein relativ gutes 2023. In Europa sieht das anders aus. Die Krise hat da stärkere Auswirkungen, sodass Europa eher pessimistisch auf die Mode 2023 schaut. Innerhalb eines stagnierenden Marktes gibt es aber natürlich dennoch Wachstum.
Alle, die, die online und digital gut drauf haben, die können auch 2023 wachsen, aber insgesamt eher pessimistisch für Europa und damit auch für Das heißt, obwohl die Geschäfte wieder geöffnet haben, zieht es die Menschen, wenn es um Mode geht, eher ins Internet?
Ja, so ist es. Also man ist auch stationär, obwohl die Läden wieder aufhaben, immer noch nicht auf dem Vor-Corona-Jahr 2019. Das ist so. Die Frequenzen sind nach wie vor rückläufig und haben sich auch jetzt nach Corona leider nicht so erholt, wie das der stationäre Handel zumindest gehofft hätte. Die Kundinnen und Kunden wandern weiterhin ins Internet ab.
Und wir haben es in den vergangenen Sendungen auch schon thematisiert, Luxus läuft eigentlich immer. Also in dem Sektor muss man sich keine Gedanken machen, oder?
Ja, in der Preispyramide hat man eigentlich an den beiden Extremen immer die meiste Dynamik, ne. Ganz oben Luxus sowieso, eine Demografie, die jetzt von Krisen weniger gebeutelt ist. Luxus läuft eigentlich tendenziell immer. Und Preis unten an der Pyramide, die günstigen Preislagen, die laufen eigentlich auch immer und in der Krise noch mehr. Wer also sparen muss, weil Kosten steigen, der wird im Zweifel auf günstigere Angebote ausweichen, und deswegen läuft das untere Ende dieser Pyramide eigentlich vor allen Dingen in der Krise besonders gut.
Gerade im unteren Preissegment hat man ja eine Entwicklung beobachten können in den vergangenen Wochen und Jahren, die dazu übergegangen sind, immer schneller auch zu wechseln, auch die Kollektion zu wechseln. Fast Fashion ist da das Stichwort, das auch eine gewisse Wegwerfmentalität beinhaltet. Dieser Trend, der hat sich ja noch verstärkt. Es geht ja noch schneller als Fast Fashion. Wie sieht da die Entwicklung aus?
Naja, Fast Fashion, das ist, das waren so die Disruptoren vor, vor einigen Jahren. Da kamen dann die H&M und Zara dieser Welt und haben die 9 bis 12 Monate Vorläufe, die es in der Branche üblicherweise gab, auf ein paar Wochen reduziert. Jetzt werden diese Companies, diese Firmen werden disruptiert von chinesischen Spielbüchernfirmen namens Shein oder Temu oder AliExpress. Die kommen auf den Markt und schaffen Produktionsvorläufe von wenigen Werktagen. Das nennt man dann Realtime Fashion. Da wird auf Marktsignale, auf Nachfragesignale in den sozialen Medien geachtet. Das wird analysiert und innerhalb von 3 bis 5 Werktagen sind diese Produkte produziert im Markt. Das ist die Disruption sozusagen jetzt nochmal dessen, was wir unter Fast Fashion bisher verstanden haben.
Man darf daraus schließen, wenn Sie so schnell im Markt sind, sind Sie genauso schnell auch wieder weg, oder?
Ja, das hat natürlich mit Nachhaltigkeit alles relativ wenig zu tun. Das kann man sich vorstellen, wenn da 6000 neue Styles zum Teil pro Tag auf diese Plattform kommen, über 220 Länder. Da ist also höchstmögliche Frequenz Teil des Spielbuchs. Das ist das andere Ende des Nachhaltigkeitsspektrums. Das muss man leider sagen.
Gibt es denn ausreichend Kundinnen und Kunden, die auf diesen Zug aufspringen und die diese Trends auch mitmachen?
Ja, am Beispiel von Shein, das sind natürlich kolportierte Zahlen, die bereiten mutmaßlich einen Börsengang vor, werden so auf 64 Milliarden Dollar Börsenwert taxiert, sind aber noch nicht an der Börse. Die sind auf einer Flugbahn von circa 30 Milliarden Dollar und damit sind sie nicht nur größer als H&M, sondern vor allen Dingen fast so groß schon wie der Branchenprimus Inditex, zu dem die Marke Zara gehört. Also von daher, da findet sich, das findet trotz aller Diskussionen um Nachhaltigkeit, das findet vor allen Dingen in der Generation Z, bei den jungen Leuten sehr, sehr großen Anklang.
Und diese Generation Z, die scheint ja in der Tat auch gespalten zu sein. Auf der einen Seite, Sie sagen es, die Freunde der schnellen Mode, auf der anderen Seite aber auch diejenigen, die sich um das Klima sorgen, die das Thema Nachhaltigkeit auf den Tisch bringen bei den Lebensmitteln, Lebensmitteln, aber eben auch bei der Mode. Welche Trends stellen Sie da fest?
Ja, es ist ein Widerspruch, mit dem wir uns, an dem wir uns gewöhnen müssen. Das ist nichts Neues. Wir legen auch, Koteletts aus dem Discounter, auf den teuren, 1000-Euro-Grill. Das, das ist, das wohnt uns inne. Wir fahren mit dem SUV und finden trotzdem, die, die Rettung des Planeten wichtig. So ist es. Das ist ein Widerspruch, der uns, Menschen innewohnt. Und, hier wird natürlich etwas bedient, wonach der Mensch grundsätzlich immer wieder, sozusagen strebt. Das Belohnung durch Preis, das ist Belohnung, einen guten Deal zu machen. Das sind Artikel, die sind sehr nah an den aktuellen Trends. Das heißt, man hat permanent einen Impuls, sich über diese Käufe zu belohnen. Und weil die Preislagen so niedrig sind, ist da auch gefühlt kaum Risiko. Um ein Beispiel zu sagen, man kann ein paar Jeans bei SHEIN für unter 10 Euro kaufen. Da sind selbst die Marken der Mitte, die Mainstream-Marken, um Faktor 2 und 3 teurer. Und es Insofern ist diese Hürde, dort einzukaufen und auch oft zu kaufen, die ist so gering, dass man allen guten Einstellungen zum Trotze dann sich dann so trotzdem so verhält und diesen Impulsen nachgibt.
Sie haben eingangs unseres Gesprächs erwähnt, dass es in den USA und in China relativ gut läuft, in Europa nicht so. Wie kommt es zu diesen regionalen Unterschieden?
Na ja, wir sind natürlich hier stärker gebeutelt durch Krieg in unserer, auf unserem eigenen Kontinent, eine ganz andere Kostenlage, was Energiekosteneffekte angeht, unter anderem aus dieser, aus diesem Krieg. Und das Konsumentensentiment, also sozusagen die Kaufstimmung im Markt, ist hier deutlich schlechter. Das ist zumindest ein Teil der aktuellen Situation.
Stefan Wenzel war das, Handelsexperte und Digitalberater mit Einschätzungen zur Lage der Modebranche vor dem Hintergrund der New York Fashion Week. Herzlichen Dank für diese Einblicke, Herr Wenzel, und Ihnen schon mal ein schönes Wochenende.
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