ACCEPTING – Warum Toleranz nicht genügt - Das 16. Türchen in die Freiheit

In this monologue the speaker reflects on the German term "Accepting" and its relation to "Tolerieren" (tolerating). He argues that tolerance is a patronising, hierarchical stance – "I allow you to be as you are" – whereas true acceptance places both parties on equal footing and requires a deep, embodied self‑acceptance. The talk critiques contemporary cultural trends of radical inclusion, wokeness and an optimisation‑driven mindset that treats people as objects to be improved, measured and displayed. Drawing on Waldorf education, transactional analysis (the Adult ego state) and the concepts of "Waking Up" (present‑moment awareness) and "Growing Up" (personal development), he explains that acceptance begins with recognizing and embracing one’s own inner critical voice, rather than masking it with superficial affirmations. The speaker urges listeners to become present to their own self‑judgement, to identify the “critical parent” inner voice, and to move from merely tolerating to genuinely accepting themselves and others, thereby breaking the cycle of constant self‑optimization and objectification.
Chapters
Excepting. Du darfst wissen, dass ich ein bisschen verwirrt bin mit diesem Stichwort. Da fehlt mir irgendwie der Kontext. Ich würde gerne wissen, wie die Waldorfschule auf die Idee kommt, Dinge auszuschließen, wo wir in einer Zeit leben von Radical Inclusion, von Wokeness, von dieser Idee von gemeinsam und alle zusammen. Und natürlich dürfen wir niemanden ausschließen oder diskriminieren oder rassistisch sein. Accepting. Ich bin ganz ehrlich ein bisschen überfordert mit dem Stichwort und mache jetzt eine Kür draus, auch wenn es vielleicht ein bisschen unanständig ist. Ich hole mir nämlich das phonetisch relativ ähnlich klingende Accepting mit rein, nämlich akzeptieren. Und es ist beides. Es ist ja die gleiche Münze mit zwei verschiedenen Seiten. Die eine Seite, die einschließt und die andere, die ausschließt. So was hat es mit dieser Idee von Akzeptanz zu tun? Mir fällt als erstes das Wort tolerieren einen, um das Gegen akzeptieren abzugrenzen. Und es ist eigentlich ganz spannend, weil tolerieren ist für mich tatsächlich eine ziemlich arrogante, also überhebliche Haltung. Das heißt, da ist etwas und von meiner Warte aus kann ich dann Ja, ich toleriere, was du da tust, was du da machst, was da gerade passiert und und. Aber es ist einfach, da schwingt für mich so ein Stück weit Überheblichkeit mit drin. Die Idee zu akzeptieren bringt es aus dieser Überheblichkeit auf Augenhöhe in die gleiche Höhe rein. Und dann muss man tatsächlich gucken, ob das durch alle Ebenen meines eigenen Systems durchgeht. Ich kann Dinge akzeptieren, weil ich weiß, dass es richtig so ist oder dass ich das zu akzeptieren habe. Ich kann es tatsächlich aus dem Bauch rausmachen. Natürlich fühlt sich in dem Moment komplett richtig an. Und dann gibt es noch diese Herzensangelegenheit, die da in der Mitte zwischen dem Powerzentrum und dem Verstand steckt. Und auch da ist ein Annehmen möglich. Das ist ein bisschen wie embrace, also wie umarmen. Was machen wir jetzt damit mit der Unterscheidung? Ich finde die ganz hilfreich, weil das auf verschiedenen Bereichen wirksam wird, wenn ich das denn mal kann. Und die böse Überraschung, die da drin steckt, ist, dass diese Idee zu akzeptieren, wenn es nicht eine Kopfgeburt sein soll oder bleiben soll, nicht ohne die Akzeptanz dessen, der ich gerade bin, funktionieren kann. Also diese Fähigkeit zu akzeptieren beginnt letztendlich mit dir. Selbst wenn die da nicht da ist, ist sie immer ein Stück weit aufgesetzt oder steht auf tönernen Füßen. Und akzeptieren heißt, mit dem sein zu können, was da ist. Jetzt sind wir wieder im Being angekommen. Du merkst, meine Gedanken sind nicht besonders volatil oder nicht besonders neuroplastisch. Das ist ein System, was sich über die Jahrzehnte entwickelt hat, was sehr eng verzahnt ist. Also akzeptieren im Sinne von mit dem sein zu können, was ist. Böse ausgedrückt. Menschen, die zu mir kommen, kommen die letzten Jahrzehnte immer wieder in einem Zustand, mit mir ist etwas nicht in Ordnung, da ist etwas zu reparieren, ich bin nicht gut genug. All diese Sachen. Und es ist das radikale Gegenteil von der Fähigkeit, mit dem zu sein, was ist. Vermutlich ist es unserer Zeit geschuldet. Ich erinnere mich wirklich nicht daran in meiner Jugend, in meiner Erwachsenwerden Zeit, dass wir so auf so einem Optimierungstrip waren, auf so einem Trip, wie sehe ich aus und hoffentlich sagen die anderen und dann irgendwie noch ein bisschen Photoshop oder irgendwelche Apps drauf und all dieses Zeug. Also Hauptsache gut dastehen. Und dieses Hauptsache gut dastehen erzwingt nahezu, dass ich Dinge entweder verheimlichen oder verbergen muss, die nicht gut aussehen oder nicht gut kommen oder dass ich Dinge optimieren oder reparieren muss. Das Blöde ist, um es vorwegzunehmen, ich bin kein Ding. Da ist etwas Hölle schiefgegangen in unserer ganzen Kulturentwicklung. Wir sind keine Dinge, Ich bin keine Sache, verdammt noch mal, ich bin kein Objekt. Mein Körper ist kein Objekt und du da drüben auch nicht und meine Frau und meine Kinder auch nicht Und vor allem keine Objekte, die es zu optimieren gilt noch. Da ist höllisch was schiefgegangen. Accepting wäre das krasse Gegenteil davon, nämlich mit dem sein zu können, was ist. Das geht mit dem eigenen Übergewicht los und ich weiß nicht was und hört tatsächlich mit den anderen Menschen auf, mit denen du zu tun hast. Wenn du, ich zitiere es wieder, die Ausbildung bei Badewanne Vermollen gemacht hast, bist du mit einer abgekürzten Form des Transaktionsmodells, also der Transaktionsanalyse in Kontakt gekommen. Und da wiederum gab es diesen Bereich Erwachsenen Ich und eine der Qualitäten des Erwachsenen Ichs ist tatsächlich, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist, setzt voraus, dass ich mich selbst auch so akzeptieren kann, wie ich bin. Das hat was mit Erwachsenwerden zu tun. Und wenn ich mir die Welt da draußen gerade anschau, habe ich das Gefühl, das sind lauter Kinder oder kritische Eltern mit einem erhobenen Zeigefinger, der schon auftaucht, wenn du in der Früh aus dem Bett steigst und vorm Badezimmerspiegel stehst, dann denkst oh mein Gott, schon wieder eine Falte und Ding und hin und her und dann die Waage, wie kannst du nur Und all so Zeug. Also wir leben komplett im kritischen Eltern. Ich habe das kritische Elternich akzeptiert, nicht das kritisiert. Und wenn du im Führungsalltag drinsteckst, dann muss ich gar nicht weiterreden, dann weißt du, wovon ich spreche. Nochmal, da ist sauber was schiefgegangen, wie man hier so sagt, sauber was daneben. Wenn du es weißt, kannst versuchen ein Stück weit damit zu arbeiten. Also Akzeptanz beginnt bei dir selbst und der Weg da rein ist nicht zu Ich akzeptiere mich, ich liebe mich, ich verzeihe mir, ich liebe mich noch mehr und all solche Dinge. Diese Art von positiver Affirmation ist tatsächlich nichts anderes, zumindest in dem Fall, wie ein Sahnehäubchen auf ein Stück Scheiße zu machen. Es bleibt ein Scheißhaufen. Da kannst du so viel Sahne drauf machen, wie du willst. Es geht darum, diesen Scheißhaufen zu identifizieren, also präsent zu werden, wach zu werden zu dem, wie du mit dir selbst umgehst. Und das ist Accepting. Das heißt, der Weg da rein führt immer oder daraus führt immer über das Erkennen dessen, was ist. Und in dem Fall ganz konkret über die Art, wie du mit dir umgehst. Sprich die Dinge, in denen du dich nicht akzeptierst. Identifiziere es. Identifiziere die Stimme, die da auftaucht, dieses kritische Überich, was dir ständig sagt, wo du nicht gut genug bist. Und versuch es präsent werden zu lassen. Es läuft im Autopilot Modus, es läuft komplett unbewusst ab. Du stellst sie auf die Waage und sagst Juhu, 100 Gramm weniger, ich bin in Ordnung. Juhu, 200 Gramm mehr, oh mein Gott. Und es geht darum, diese Mechanismen hochzuholen. Präsent zu werden dazu oder wie Wilbur und die und das Integral Institute seit Jahren. Die Idee von Growing Up geht nur Hand in Hand mit Waking Up. Also Waking Up heißt präsent werden zu dem was ist. Das ist der erste Schritt dazu. Danach kommt Growing Up und du kannst es nicht verhindern. Du kannst diesen Schritt nicht ausblenden. So, jetzt höre ich auf, sonst komme ich in den Predigermodus und das soll es nicht sein. Hab einen fantastischen Tag und denk dran, das Christkind kommt bald.
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