In diesem deutschsprachigen YouTube‑Monolog, der den ersten Tag einer 24‑teiligen Adventsreihe einleitet, reflektiert Axel Kellerbauer über die Natur von Liebe. Er beginnt mit einer humorvollen Begrüßung und unterscheidet zwischen romantischer Verliebtheit, die er als Bedürftigkeit bezeichnet, und echter Liebe. Er kritisiert die Tendenz, Selbstliebe auf den Partner zu projizieren, und beschreibt, wie zwei Menschen aus demselben Mangel‑Muster heraus versuchen, einander zu beweisen, dass sie wertvoll sind. Anschließend führt er zu einer tieferen Ebene des Bewusstseins, die er als Schicht hinter der konditionierten Persönlichkeit bezeichnet – ein Raum von Verbundenheit, der über emotionale Zustände hinausgeht. Dort verortet er das Konzept der „Basic Goodness“ (Grundgüte), das in vielen spirituellen Traditionen vorkommt, besonders im Buddhismus, wo es in den vier Unermesslichen (Liebende‑Freundlichkeit, Mitgefühl, Sympathische‑Freude, Gelassenheit) ausgedrückt wird. Er betont, dass Gelassenheit (Equanimity) der erste und zentrale Pfeiler ist, weil sie Ruhe, Akzeptanz und die Fähigkeit vermittelt, sowohl andere als auch das eigene Selbst und äußere Umstände anzunehmen. Weiterhin erklärt er, wie Mitfreude und großzügige Freude als Indikatoren für den eigenen mentalen Zustand dienen. Abschließend formuliert er für die Adventszeit einfache, positive Wünsche (Aspirationen) für Gesundheit, Glück, Freiheit von Schaden und Leichtigkeit, die er als praktische Umsetzung der zuvor beschriebenen Liebe‑ und Mitgefühls‑Weise des Seins versteht.
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Erstmal allen einen fröhlichen ersten Advent. Das ist eins von 24 und beruht auf einem unverhofften Geschenk. Und ich dachte mir, ich nutze das, um spontan zu den einzelnen Tagen was zu sagen. Danke, Stefan übrigens. Love. Das ist ein fulminanter Einstieg in diese Adventszeit. Lass uns erst schauen, was Liebe nicht ist oder was Liebe sein kann. Es gibt die romantische Liebe, die da heiß oh du mein Herz, ohne dich kann ich nicht leben. Das ist wohl eher Bedürftigkeit und nicht Liebe. Dann gibt es etwas, was ich in vielen Beziehungen vermute, nämlich, dass wir den ungeliebten Job, uns selbst zu lieben, auf den Partner delegieren. Der muss uns sozusagen zeigen, dass wir es wert sind. Auch immer schwierig, vor allen Dingen, wenn zwei aus der gleichen Situation, aus dem gleichen Mangel zusammenkommen und sich dann gegenseitig beweisen müssen, dass sie es wert sind. Und dann gibt es natürlich die elterliche Liebe, die etwas mit Fürsorge zu tun hat. Klar, Verliebtsein, dieses Kribbeln im Bauch, was vermutlich eine biochemische Aberration, ein Irrtum ist. Zumindest vergeht das Ganze wieder. Ja, und es gibt das Gefühl, dieses Gefü Ich liebe dich, dieses Gefühl, ich liebe dich nicht oder ich hasse dich. Und da wird es schwierig, weil Liebe und Hass sehr, sehr eng miteinander verwoben sind in der Dualität, in der wir leben. Gut, aber darüber möchte ich nicht sprechen. Ich habe eine andere Idee. Es gibt diesen Bereich unserer Persönlichkeiten, der geprägt ist durch Erziehung, durch Kindheit, durch tausende von Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben. Und dann gibt es so etwas wie die Schicht, die dahinter sitzt, eine Schicht von Bewusstsein, von Aufmerksamkeit, von. Dieses Getrenntsein, was wir dadurch erfahren, dass dieser Körper begrenzt ist und beschränkt ist und wir den anderen als dort wahrnehmen und mich als hier wahrnehmen. Also was wir über tausendefache Wahrnehmung geübt haben, dieses beschränkt sein ein Stück weit aufhebt und dann taucht diese Idee oder dieses Gespür von Verbundensein auf. Und das ist kein Gefühl wie Verliebtsein, sondern das ist etwas, was offensichtlich ein natürlicher Zustand ist. Und in diesem natürlichen Zustand von Verbundenheit oder von connected sein taucht a way of being auf. Also das ist nicht mehr eine Emotion, die kommt und geht, sondern es ist eine Art zu sein, die da möglich wird. Wenn du hinter diese Schicht von deiner wenn du so willst, ganz oft bedürftigen, mangelhaften oder wie auch immer unvollständig auftauchenden Persönlichkeit schaust, da liegt etwas darunter, was tatsächlich vollständig ist. Trungpa hat das Basic Goodness genannt, dieses fundamentale Gutsein Almas nennt es Essenz, Christen vielleicht Herz, ich weiß es nicht so genau. Und das ist universell. Du findest es im Islam, bei den Sufis ganz viel, im Christentum, im Buddhismus auch. Und ich glaube, am klarsten unterschieden ist es im Buddhismus, da wird Liebe als ein Weg zu sein in einen Vierklang gestellt, die sogenannten vier Unermesslichen. Châtur Abramana. Und das heißt Liebe mit Empfinden, mit Freude und Gelassenheit. Und McLeod, der sehr viel mit Tibetern gearbeitet, übersetzt hat als umgedreht, der hat die Gelassenheit an den Anfang gestellt. Und da will ich jetzt nicht näher drauf eingehen, aber es ist eine interessante Konnotation, denn die vier gehören irgendwie zusammen. Man kann die nicht rausziehen, du kannst nicht wie Rumpelstilzchen durch die Gegend springen und in einem Zustand von Liebe sein. Das ist eher Verliebtsein. Und diese vier Unermesslichen sind tatsächlich direkter Ausdruck, die dieser Basic Goodness, dieses Seins, was wir alle haben, was uns auch alle verbindet oder als nicht getrennt wahrnehmen lässt und sozusagen von dem Sein in die nächste Schicht rein tauchen diese vier auf. Und Gelassenheit an erster Stelle ist eine wunderbare Idee, weil Gelassenheit gleichzeitig auch Friedfertigkeit bedeutet. Gelassenheit bedeutet Ruhe, bedeutet den anderen so nehmen zu können, wie er ist. Und übrigens auch das Wetter so nehmen zu können, wie es ist, bedeutet auch dich selbst so nehmen können, wie du bist und immer wieder in deinen Atem zurückzukehren, wenn die Dinge da draußen stressvoll werden. Das heißt, wenn du diesen Space, diesen Raum von Gelassenheit verlässt, der Raum von Liebe und Mitempfinden oder auch mit Freude, mach mal mit Freunde, ist am einfachsten mit Freude, hat was mit Großzügigkeit zu tun. Wenn, wenn du selbst im Mangel bist und das Gefühl hast, du kommst zu kurz, ist es ganz schwierig, sich mit einem anderen zu freuen, der gerade in der Fülle steht oder in die Fülle kommt. Insofern ist diese Idee von Mitfreude ein guter Hinweis darauf, wo ich gerade stehe oder wo ich gerade mental bin, in dem, was ich da an Filmen ablaufen lasse oder an Wirklichkeit entstehen lasse. Liebe und Mitempfinden, also Compassion, love, Compassion sind a way of being, eine Art zu sein, die im Grunde genommen sehr klar mit dem Bodhisattva Ideal, also diesem Ideal des Mahayana Buddhismus, des später oder mittleren Buddhismus resoniert, der sozusagen sein Sein dafür gibt, dass andere Menschen auf dieser Welt flourischen, dass sie aufblühen, dass sie glücklich sind, dass sie final dann auch die Erleuchtung anhang und damit es funktioniert, damit es geht, damit es actionable wird, damit es nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt. In diesem Ich Liebe oder Ich Bin Mitempfinden und all diesen Dingen drin, haben die späten oder die mittleren Buddhisten das Ganze noch mal unterteilt. Und das ist das, womit ich euch in den Advent entlassen möchte. Die Idee von Liebe und Mitempfinden drückt sich in den Wünschen aus, die du für andere hast, in Aspiration. Und diese Wünsche sind leicht und sie sind einfach. Das ist die Idee, ich versuche es mal aufzuschlüsseln, dass du in dieser Zeit, die du jetzt erlebst, stark und gesund bist, dass du in der Zeit, in der du gerade bist oder die du gerade erlebst, glücklich bist, freudvoll bist und frei von allem, was dir schaden könnte, auf einer mentalen Ebene, auf einer physischen Ebene, wenn du so willst, auch auf einer spirituellen Ebene. Und dass du die Weihnachtszeit, die jetzt kommt, und dein Leben in Leichtigkeit leben mögest. So, das sind meine Wünsche für dich und die nächsten Tage. Bis morgen.