In diesem deutschsprachigen YouTube‑Monolog erklärt Axel Kellerbauer, warum das bewusste Zuhören eine der am meisten unterschätzten Führungsfähigkeiten ist. Er beginnt mit einem Rückblick auf die letzten 30 Jahre, in denen Methoden wie Gewaltfreie Kommunikation, NLP und aktives Zuhören populär wurden, und stellt fest, dass viele Menschen das Zuhören nur als Mittel zum Zweck nutzen, um Gesprächslücken zu füllen. Kellerbauer führt die Gedanken von Baudewein Vermollen ein, der – beeinflusst durch Werner Plate – die Idee vertritt, dass echtes Zuhören nur möglich ist, wenn man in dem Moment nicht nach Aufmerksamkeit oder Bestätigung sucht. Er beschreibt die Praxis von dyadischen Zuhörübungen, die aus dem System von Werner Plate stammen und ursprünglich von Charles Burner entwickelt wurden, und berichtet von typischen Phänomenen, die während solcher Übungen auftreten: körperliche Verlagerung, gedankliches Abschweifen, das Einbringen eigener Geschichten und kritische Bewertung des Gehörten. Um diesen automatischen Prozessen entgegenzuwirken, empfiehlt er eine Körper‑Anker‑Technik: bewusst auf dem eigenen Sitzkissen bleiben, bei Ablenkungen tief durchatmen und die Aufmerksamkeit zurück zum eigenen Körper führen. Kellerbauer verknüpft das klare, unverzerrte Zuhören mit Empathie, die laut dem systemischen Therapeuten Schricker als neugierige Haltung gegenüber den Bedürfnissen des Gegenübers definiert wird. Abschließend lädt er die Zuschauer ein, eigene Zuhörer‑Erfahrungen zu teilen und verspricht einen weiteren Impuls für den nächsten Tag.
Chapters
Willkommen zu dem neuen Adventstürchen Zuhören, das in den letzten 2 30 Jahren viel passiert. Gewaltfreie Kommunikation, NLP, aktives Zuhören. Trotzdem ist es so, dass ich eher das Gefühl habe, dass Zuhören immer wieder dafür dient oder dafür herhalten muss, um eine Lücke zu finden, in die ich reingrätschen kann. Das heißt, eigentlich höre ich gar nicht so recht. Ich warte eigentlich auf den Moment, wo der andere Luft holt und dann kriege ich das Gespräch wieder in die Hand. Jeder kennt solche Menschen, solche Situationen. Aber worum geht es wirklich? Was ist diese Fähigkeit zu hören? Ich bemühe nochmal meinen Freund und Lehrer Baudewein Vermollen, der auch wieder getriggert durch ein persönliches Verhältnis mit Werner Plate die Idee von Zuhören, die Kunst des Zuhörens genannt hat. Der Punkt, den er uns auch nicht verraten hat. Du kannst nur zuhören, wenn du selber nicht Beachtung brauchst, wenn du nicht bedürftig bist in dem Moment. Über Beachtung hatte ich, glaube ich, vor zwei Tagen mal länger gesprochen. Das zutiefst menschliche Bedürfnis, vom anderen wahrgenommen zu werden, gesehen zu werden, beachtet zu werden, die Aufmerksamkeit des anderen zu bekommen. Wenn du wirklich zuhören willst, musst du in irgendeiner Art und Weise satt sein. Sei es drum. Was ist zuhören? Wenn wir Workshops machen, machen wir Dyaden, diese alte Technik des Zuhörens, die über Werner Plate in das System von Baudewein mit reingerutscht ist, aber eigentlich, soweit ich mich entsinne, von Charles Burner kommt. Ich habe das irgendwann mal recherchiert und der hat ein bisschen eine schräge Vergangenheit, ich glaube, da spielt Scientology oder irgendwie sowas eine Rolle. Sei es drum. Wenn du Übungen im Zuhören machst, also jemanden dazu bringst, 10, 15 Minuten lang, vielleicht auch 20, dem anderen zuzuhören und du reflektierst es hinterher, dann tauchen merkwürdige Phänomene auf. Dann taucht zum einen mal auf, dass du, wenn du Zuhörer bist, ganz oft nicht mehr an dem Ort bist, an dem du gerade bist, physisch, also da, wo du sitzt, da wo deine Sitbounds, deine Sitzhöcker sind, sondern dass du im Laufe von diesen Übungen die Seite wechselst. Das heißt, dass du anfängst, dich auf den Schoß des anderen zu setzen oder dass du anfängst, das, was du hörst zu nehmen und mit deinen eigenen Geschichten resonieren zu lassen oder dass du anfängst, dass du das, was du hörst, kritisch beurteilst, bemisst, vergleichst, vielleicht sogar mit dem vergleichst, was du erlebt hast oder wie du die Dinge siehst. Wenn diese Prozesse unbewusst ablaufen, dann ist dir oft nicht klar, warum du dich im Laufe von irgendwelchen Gesprächen anfängst unwohl zu fühlen oder vielleicht upliftet oder irgendwas dich triggert. In Gruppen ist die Anleitung tatsächlich auf deinem Kissen sitzen zu bleiben und in dem Moment, wo dein Mind anfängt, sich selbstständig zu machen, sich auf den Schoß des anderen zu setzen, zu urteilen, zu vergleichen, all diese Dinge in diesen Momenten tiefen Atemzug zu nehmen und dahin zurückzukehren, wo dein Arsch ist, sprich deine Sitzhöcker, das heißt immer wieder in deinem, deinen Körper zu benutzen als Katalysator, um immer wieder da anzukommen, wo du eigentlich bist. Das ist eine harte Übung, das ist wirklich hart. Sie macht aber in dem Moment etwas, sie eröffnet eine Möglichkeit und diese Möglichkeit ist der Kern vom Zuhören, wenn du so willst. Und da gehen die Credits jetzt an Schricker, der als altersystemischer Therapeut fantastische Arbeit macht und der Empathie mal so definiert hat, nämlich als die Fähigkeit, neugierig darauf zu sein, was den anderen bewegt oder was er vielleicht braucht in diesem Moment. Zuhören und Empathie sind miteinander verknüpft. Das eine ist die Attitude, die Haltung und das andere ist die Methode. Und dieses, wenn du so willst, klare oder un gestörte, unverzerrte Zuhören macht es tatsächlich möglich, dich darauf einzulassen, was den anderen gerade bewegt. Ich glaube, dabei lassen wir es für heute. Ich finde es einen ganz guten Impuls. Und wenn du Lust hast, mit Zuhören zu experimentieren oder deine eigenen Erfahrungen anderen zur Verfügung zu stellen, dann schreib es bitte in die Kommentare. Ich freue mich auf dich und morgen hab einen fantastischen Tag. Hier kommt gerade die Sonne raus.