TRUST Integrität, moderne Götter & die Illusion von Sicherheit: Eine neue Perspektive auf Vertrauen

Axel Kellerbauer breaks trust into three parts: keeping your word to rebuild it with others, questioning the modern gods we worship (technology, the American Dream) that hide real problems, and building inner trust through authenticity. He argues that assuming the future won't change weakens us, and that accepting impermanence gives us real strength.
Chapters
Vertrauen. Das könnte sein, dass das ein längeres Video wird. Für mich tauchen da im Moment drei Teile auf. Das ist zum einen der Vertrauens, der mit mir selbst zu tun hat und mit anderen zu tun hat. Und dann mit dem größeren System. Ich werde immer wieder gefragt, oh, wie kann ich denn Vertrauen wiederherstellen? Ich habe das Vertrauen verloren oder jemand hat in mich das Vertrauen verloren und ich muss da immer lächeln, weil es zwei Faktoren sind, die zusammenkommen. Der eine Faktor ist der, wo du nichts tun kannst, nämlich wenn der andere sich dazu entschlossen hat, dir das Vertrauen zu entziehen, dann ist es seine Entscheidung. Du kannst allerdings auf deiner Seite etwas tun, um wieder Vertrauen zu schaffen. Ob der andere das dann annimmt, ist die Frage oder ist nicht sicher. Und das ist tatsächlich ganz einfach, nämlich die unterste Ebene von, wie wir sagen, Integrität. Du fängst einfach an, dein Wort zu halten. Total simpel. Also das gilt genauso für Führungskräfte wie für Teams, wie für Kunden, für Lieferantenbeziehungen. Wenn du anfängst, das zu tun, wovon du gesagt hast, dass du es tun wirst, und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem du gesagt hast, dass du es tun wirst, wird der andere anfangen, dir peu à peu zu vertrauen. That simple. Ganz einfach. Der andere Teil von Vertrauen, der mit der Welt zu tun hat, ist ein bisschen schwieriger, weil er komplett unbewusst abläuft. Also das sind keine Prozesse, wo wir uns bewusst dazu entscheiden zu vertrauen, sondern da geben wir unser Vertrauen rein, weil es das ganze System tut, weil es alle tun, weil es ein Teil unserer Kultur ist. Wenn du auf einen alten Dollarschein schaust, da steht in God we trust, also da war eine ganze Nation in dem Spirit, in dem Geist drin, dass das Vertrauen in Gott, also in eine höhere Macht gehen sollte. Und wenn du guckst, was unsere heutigen Götter sind, dann wird einem ein bisschen Angst und Bange. Da ist zum einen die Generation, die darauf vertraut hat, dass sie aus ihrer persönlichen Kraft heraus alles erreichen kann. Das ist der American Dream, nämlich vom Tellerwäscher zum Millionär. Also völlig wurscht, wo du herkommst. Du musst dich nur hart genug anstrengen und dann kannst du es. Dann steht dir die ganze Welt offen. Das ist ein absoluter Irrtum, wie wir mittlerweile wissen, weil so viele Faktoren über Erfolg und Misserfolg entscheiden, die außerhalb meiner persönlichen Reichweite liegen, dass wir das nicht wirklich zusammenbringen können. Dann gibt es die modernen Götter, denen wir vertrauen. Und das ist allen voran, so wie ich das gerade sehe, Technologie. Da wird mir, wenn ich ganz ehrlich bin, immer wieder mulmig zumute oder vielleicht sogar Angst und Bange. Das sind Gedanken, die in den Transhumanismus reingehen. Das ist die moderne Kriegsmaschinerie. Das ist die Idee, dass wir die Meere weiter versauen können und irgendwann eine Technologie auftauchen wird, die es dann schon retten wird. Und wenn du genau hinschaust, ist die Technologie ursächlich mit dafür verantwortlich für den Zustand, in dem der Planet gerade ist. Alles, was wir da rausgeholt haben aus der Erde, geht nicht mehr zurück. Ich will es hier eigentlich nicht weiter diskutieren. Die Frage ist wirklich, worauf? Was sind die modernen Götter, in die wir unser Vertrauen setzen? Und schauen wir mal, was als nächstes kommt. Also jede Generation hat da ja so ihre Spielzeuge, mit denen die arbeitet. Dritter Das Vertrauen in mich selbst. Ich denke, dass zumindest meine Generation, ob die Nachfolgenden das auch haben, weiß ich nicht genau. Meine Generation zumindest ist aus diesem Prozess von Erwachsenwerden oft so rausgekommen, dass sie in einem tiefen Zustand von Misstrauen sich selbst und der Welt gegenüber war. Und es basiert sicherlich auf Erziehungsmechanismen, die ich jetzt nicht im Einzelnen aufschlüsseln will. Aber da ist ein tief verwurzelter Mangel an Komplettsein, ein tief verwurzelter Mangel an Integrität drin und zu dem stehen zu können, was ich eigentlich bin, zugunsten von so tun, als ob ich jemand wäre, der irgendwo reinpasst, irgendwo anerkannt werden kann und und und. Das Thema taucht immer wieder in meiner Arbeit auf, einfach deswegen, weil es einen erheblichen Kraftverlust beinhaltet. Wenn du da nicht durchgehst und es nicht auflösen kannst im Laufe des Lebens für dich, dann hast du einen Drain, dann hast du einen Abfluss, der tatsächlich offen ist und dir immer und immer wieder die Energie zieht. Das heißt, es ist extrem wichtig, den zuzumachen. Der letzte Punkt ist ein bisschen nachdenklich. Es gibt eine Form von Vertrauen von Trust, die ich einfach Idiot Trust nennen würde. Und die beruht darin, wie wir mit uns und mit der Welt umgehen, wie wir die Welt auftauchen lassen. Auf den Punkt gebracht, das ist ganz die Annahme oft sogar das Gefühl, dass wir ein Anrecht darauf haben, dass morgen genauso ist wie heute. Und das ist ein großer Irrtum. Und es primt unser neuronales System auf eine ganz bestimmte Art und Weise, die es uns wahnsinnig schwierig macht, mit Disruption umzugehen oder wie meine buddhistischen Freunde sagen, mit der Grundwahrheit von Leben, nämlich Impermanence, dass die Dinge unbeständig sind, dass nichts heute so ist, wie es gestern war, wir es nur in der Regel nicht wahrnehmen bzw. Durch den Filter laufen lassen und so tun, als ob es so wäre. Das ist mit dafür verantwortlich, dass es uns unglaublich semmelt, wenn die Dinge morgen nicht so sind, wie sie heute schon waren. Und gleichzeitig sind wir ein Stück weit in der Illusion drin von Permanence, von Beständigkeit. Und das merkt man vor allen Dingen mit der Unbeholfenheit, mit der wir mit Krisen umgehen, sowohl im politischen, also im großen Sinne, als auch im kleinen Sinne, im kleinen kulturellen Umkreis von Familien, von Unternehmen, als auch mit mir selbst. In das Thema lohnt sich es tatsächlich reinzuschauen, weil wenn du das auflösen kannst, für dich taucht auch noch mal eine ganz andere Art zu leben auf. Es gab die ganzen antiken Kulturen über und auch im Mittelalter genau deswegen eine sogenannte Ars moriendi, also die Kunst des Sterbens. Da war nicht irgendwo ein Hospiz gemeint, sondern tatsächlich die Idee gemeint, die Idee von Vergänglichkeit, von Impermanence so tief in das eigene Leben mit hineinzubringen, dass es noch mal auf eine andere Art und Weise erfüllt wird. Und das ist tatsächlich die Möglichkeit, die da drin mit auftaucht. Und mit der möchte ich dich heute entlassen, zumindest für den heutigen Tag. Tut mir leid, wenn es ein bisschen arg in die Tiefe gegangen ist. Es ist nicht meine Absicht, dich runterzuziehen, sondern eher eine Möglichkeit reinzubringen, die es dir ermöglicht, kraftvoller weiterzugehen. Hab einen schönen Tag und hoffentlich sehen wir uns morgen wieder.
More from Axel

Ist Erwachsenwerden ein Fehler? Wie wir unsere Vitalität weg-erziehen und wieder gewinnen können

Was Windräder mit Elefanten zu tun haben. Führen durch Nicht-Wissen: Das Tool für komplexe Zeiten.

Momentum bewahren: Wie Sie komplexe Strategien auf einen Bierdeckel schrumpfen sollten

Komplexe Systeme, schwache Menschen? Eine unbequeme Wahrheit und ein call to action für alle Eltern

Venezuela, Trump, EU - Wertebasierte Panne - Was jetzt? Lernen statt jammern!

THE MAGIC LASSO -- Vom Zuviel im Kopf zum inneren Aufräumen – eine andere Art von Entwicklung

SMILE & SHINE - Wintersolstit & innere Wandlung: was in der Dunkelheit durch dich durchtönen will

MEMORIES - Warum Erinnerungen oft im Weg stehen. Das 23. Türchen in die Freiheit

SWEET - Warum sich das Leben oft nicht mehr süß anfühlt. Das 22. Türchen in die Freiheit

