Let‘s Talk Angel Investing und Immobilien mit Eva-Juliane Stark
12 May 2022 · 23 min
In this episode of the Happy Immo Podcast, host Maja interviews Berlin‑based lawyer‑turned‑venture‑capital professional Eva‑Juliane Stark. Stark explains her transition from corporate law at Perlat to a role at Cavalry Ventures, describing why she was drawn to venture capital (VC) and how her legal background informs her risk assessment. She defines VC as early‑stage equity financing, emphasizing the high risk‑high upside nature of investing in startups before product‑market fit, and cites examples such as BioNTech, Vitamin, and Patronus. The conversation then shifts to Stark’s personal experience as a real‑estate investor. She recounts buying her first student apartment in 2007, negotiating a favorable loan based on her creditworthiness, and the confidence this gave her as a female buyer. She also shares a painful second purchase attempt where a tenant exercised a statutory pre‑emptive right (Vorkaufsrecht), causing the deal to collapse and leading to a costly financing dispute with the bank. Stark explains how she later restructured the purchase process to avoid this risk. The interview covers the founding of the “Venture Ladies” network in 2014, a community that grew from a small meetup to a 3,000‑member platform offering workshops, panels, and support for female founders and investors. Finally, Stark articulates her vision for greater visibility and fair market share for women in both VC and real‑estate sectors. Throughout, she balances personal anecdotes with practical advice, highlighting risk management, legal nuances, and the importance of supportive networks for women investors.
Chapters
Willkommen beim Happy Immo Podcast. Heute zu Gast eine echte Berlinerin und eine starke Frau. Ihr Name ist Programm: Eva Juliane Stark.
Vielen Dank, Maja, vielen Dank, dass ich da sein darf.
Hallo Eva, ich freue mich, dass du da bist, und ich bin sehr gespannt auf unser Gespräch heute, weil im Vorfeld habe ich schon ein paar Lust- lustige Facts von dir erfahren. Vielleicht müssen wir noch das Gesetz ändern. Aber first things first. Ich habe jetzt erfahren, dass du Jura studiert hast und dass du lange Jahre bei Perlat gearbeitet hast, eine ganz bekannte Anwaltskanzlei. Aber heute bist du bei Cavalry Ventures im Venture-Capital-Bereich. Wie kommst du dazu und warum Venture Capital?
Ja, danke Maja. Ja, das ist alles richtig. Ich bin Berlinerin und ich habe Jura studiert und ich war auch tatsächlich die längste Zeit bei Perlat., die auch eine sehr große Expertise im Immobilienbereich haben. Da habe ich aber nicht gearbeitet, sondern ich habe auch schon bei Pöllert tatsächlich von der ersten Stunde an Venture Capital gemacht. Also meinen Schwerpunkt ganz klar im Gesellschaftsrecht gehabt mit dem Schwerpunkt Finanzierung von Unternehmen. Und genau deswegen war eigentlich dann auch der Weg sozusagen aus der Beratung von Fonds und Start-ups dann hin in einen Fonds hinein gar nicht so groß und nicht so weit. Und ja, mich hat einfach gereizt, wirklich nochmal das operative Geschäft kennenzulernen, lernen und einfach mal auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen und nicht immer nur zum Notar zu gehen und die Verträge anderer zu beurkunden, sondern ich will jetzt auch gerne mal beim Notar sitzen und sozusagen für die eigene Company unterzeichnen.
Genau. Und zusätzlich investierst du selbst in Start-ups als Angel-Investorin, oder?
Ganz genau, wobei ich da immer versuche, ein bisschen bescheiden zu sein, weil ich ja noch ein kleines Portfolio habe und genau leider noch nicht über die finanziellen Ressourcen verfüge, die ich gerne hätte. Denn mich erreichen tatsächlich viel mehr Pitch-Decks und wirklich fantastische Gründerinnen, in die ich gerne investieren würde, als es mein Portemonnaie momentan noch erlaubt. Aber das ist zum Beispiel auch eine Motivation, warum ich gesagt habe, ich möchte jetzt mich einem Fonds anschließen, ja, um einfach da auch ein bisschen mehr die PS vielleicht auf die Straße zu bringen, was Diversity angeht.
Manchmal aber, wenn ich über Anwältinnen nachdenke, denke ich immer, sie achten viel mehr auf das Thema Risiko, als dass sie ins Risiko gehen. Und bei dir ist es genau andersrum. Du bist voll ins Risiko gegangen jetzt.
Ja, also ja und nein. Ich arbeite zwar für einen Venture-Capital-Fonds, der Wagniskapital natürlich vergibt, insofern sehr risikoaffin ist und auch agieren muss. Nichtsdestotrotz bin ich ja nach wie vor fest angestellt. Also wenn wir jetzt nicht irgendwas ganz falsch machen, dann habe ich ja trotzdem so meinen Monthly Paycheck, der mich erwartet. Insofern glaube ich, falle ich relativ weich, auch wenn jetzt genau sich vielleicht nicht alles so entwickelt, wie man es sich hofft. Mag aber gerne die Sachen eigentlich nicht so gerne von der Risikoseite nur betrachten, sondern ich gucke eigentlich lieber auf die Upside. Und meistens ist es ja leider so, dass da, wo irgendwo ein Risiko schlummert, halt eben auch eine große Upside ist. Oder umgekehrt: Da, wo eben eine große Upside ist, lassen sich Risiken manchmal nicht vermeiden und da muss man einfach gucken, wie kann man die vielleicht minimieren oder auch besser einschätzen, wie viel Know-how kann man sich vielleicht aneignen, um sich da trotzdem dann sicher zu fühlen. Und ich glaube, ich bin nicht leichtsinnig, aber in den Bereichen, in denen ich über ein bestimmtes Know-how verfüge, den fühle ich mich natürlich auch wohl und dann gehe ich auch gerne mal einen Schritt voraus und probiere neue Sachen, auch wenn sie irgendwie mit einem größeren Risiko daherkommen.
Ja, das sehen wir genauso bei happymo. Das Thema Risiko ist wichtig, aber das bewahrt uns nur davor, Fehler zu machen, und am Ende Risiko und Rendite laufen immer zusammen und deswegen ist es wichtig, dass man abwägt, ne. Und es ist interessant, dass du auch in den Bereich reingegangen bist Venture Capital. Könntest du kurz erklären, was das ist? Ist und was dich daran so begeistert. Das hat ja auch mit Risiko und Rendite zu tun.
Ganz genau. Ja, also mit Venture Capital bezeichnet man, oder auf Deutsch Wagniskapital, jetzt in dem Bereich Startup, wie Sie, wie wir es kennen und worüber wir reden, ist eigentlich eine Frühphasenfinanzierung von Unternehmen. Ja, das betrifft natürlich nicht alle Unternehmen. Es gibt ja kleine Unternehmen, Familienunternehmen, Unternehmen, die sich, die sozusagen nachhaltig selber einfach wachsen, ja, durch irgendwie durch Eigenakquise und Umsatz. Und dann gibt es eben Unternehmen, die durch quasi externes Geld wachsen. Und da gibt es halt den Bereich des Eigenkapitalinvestments. Das heißt, diese Unternehmen oder die Gründerinnen und Gründer, die holen sich sogenannte Investoren an Bord und geben dafür Anteile an ihren Gesellschaften an die Investoren ab. Und das ist auch genau das, was Cavalry Ventures macht. Wir unterstützen frühphasige GmbHs oder eben vergleichbare Gesellschaften europaweit bei ihrer Unternehmerreise. Wir haben dabei ein klaren Fokus auf Software-Investments. Das ist dann auch sehr breit gefächert. Das kann ein FinTech sein, so wie Vitamin zum Beispiel. Also neben Vitamin haben wir zum Beispiel auch noch in Patronus investiert. Das ist ein MedTech-Startup, kann man fast sagen. Die haben ein Armband entwickelt, ein Smart-Armband für Leute, die sturzgefährdet sind. Genau, also deshalb, da sind wir auch sehr divers aufgestellt. Aber zurück nochmal zu der Frage: Was ist Venture Capital? Dadurch, dass ich halt so frühphasig in eine solche Idee oder auch nur in ein Team investiere, habe ich natürlich einen sehr, sehr großes Risiko, weil es gibt oftmals noch kein fertiges Produkt. Es gibt noch keinen Proof of Concept. Es gibt noch keine Umsätze und noch keine Kunden. Das heißt, man schaut sich eigentlich nur die Vision an und fokussiert sich sehr stark auf den Markt, auf die potenzielle Upside, also auf den potenziellen Gewinn, den eine solche Firma vielleicht irgendwann einbringen kann. Und ich meine, BioNTech zum Beispiel ist auch ein schönes Beispiel. Die sind halt auch Venture Capital finanziert. Und wenn da nicht sehr frühphasig auch schon tatsächlich Business Angels einfach mit sehr, sehr großen Summen auch voll ins Risiko gegangen wären, dann hätten wir alle heute keinen Corona-Impfstoff in der Art und Weise von BioNTech erlebt. Und das finde ich eigentlich das Schöne, dass man irgendwie am Nabel der Zeit mitspielt, dass man mit sehr jungen, innovativen Leuten und sehr frischen Ideen zu tun hat. Das sind natürlich nicht alles nur junge Leute, das können auch ältere Leute sein, aber trotzdem sind das alles Gründerinnen und Gründer, die eine Vision haben und eigentlich irgendwo, glaube ich, zum Stück weit auch die Welt einfach gerne ein bisschen besser machen wollen.
Ja, das ist auch unsere Idee bei HappyMo. Wir möchten die Welt auch schöner machen, aber eher durch die Stärkung von Frauen durch Immobilieninvestments. Und da schlage ich jetzt den Bogen zum Thema Immobilie, weil da geht es auch um das Thema Risiko. Und du bist ja, soweit ich weiß, auch Immobilieninvestorin, nicht nur Venture-Capital-Investor. Wie siehst du da das Thema Risiko?
Ja, also ich habe mit meinem Mann zusammen zwei Eigentumswohnungen gekauft. Und wie ich dir schon vorab verraten habe, ich habe sogar eine dritte Wohnung gekauft, bin ich leider nie Eigentümerin geworden. Das kann ich gleich noch mal erzählen. Ob ich mich jetzt als Immobilieninvestorin bezeichnen würde, weiß ich nicht. Aber ich finde eure Idee sehr, sehr toll, im Happy Immo Club quasi auf die Möglichkeit eines Immobilieninvestments hinzuweisen und aufzuklären, wie sowas stattfindet. Und für mich ist es auch ganz klar eine Altersabsicherung. Die erste Immobilie, die ich gekauft habe, war meine Studentenwohnung, in der ich selber gewohnt habe, jahrelang, seit 2007 glaube ich. Und dann ist die irgendwann auf den Markt gekommen und ich habe da für 290 € Warmmiete gewohnt, ja, auf 40 Quadratmetern, hier ganz schön in Schöneberg im Bayerischen Viertel. Und die Wohnung sollte glaube ich 165.000 € oder so kosten und das war mir natürlich viel zu teuer. Weil ich ja so wenig Miete nur gezahlt habe. Und naja, dann so über die Monate und tatsächlich dann, ich glaube sogar anderthalb Jahre hin, kamen auch immer wieder Interessenten. Die habe ich dann natürlich fachkundig als Juristin vergrault und nachhaltig dann den Makler, glaube ich, auch zu Weißglut getrieben. Der war dann glaube ich schon kurz mal so weit, mir anzubieten, irgendein Luxuswochenende im 5-Sterne-Hotel zu bezahlen, wenn ich ihm die Schlüssel dalasse, dass er meine Wohnung endlich verkauft kriegt. Super gemacht. Aber irgendwie, genau, hat mich das halt auch sehr umgetrieben, also dieser Gedanke, einen Kredit auf aufzunehmen. Und als es quasi anfing, konkreter zu werden, da war ich auch mit meinem jetzigen Mann halt auch noch nicht so eng, dass ich darüber hätte nachgedacht, das mit ihm zusammen zu machen. Und das war einfach für mich sehr, sehr viel Geld. Ja, und damals gab es leider keinen Happy-Umo-Club und ich vielleicht hatte auch nicht so den Zugang zum Thema und kannte das auch nicht aus meiner Familie, dass man irgendwie Eigentumswohnungen kaufen kann oder kauft. Und ja, das war ein sehr, sehr langer Prozess und am Ende waren es dann tatsächlich auch Arbeitskolleginnen, und Kollegen, die gesagt haben: Eva, das ist doch bei deinem Gehalt, du arbeitest in einer Großkanzlei, frag doch einfach mal deine Bank. Und dann bin ich ganz klassisch zu meiner Hausbank, zur Berliner Sparkasse gegangen und wollte dann so ganz vorsichtig mal anfragen, ob die das überhaupt finanzieren würden. Und das Feedback hat mich total umgehauen, weil die hätten ein Vielfaches des Kaufpreises mit mir finanziert, einfach nur aufgrund meiner Bonität. Und das hat mich total überrascht. Und da ist mir erst so ein bisschen der Groschen gefallen, dass das tatsächlich funktioniert, also dass man auch als Frau alleine einfach eine Wohnung kaufen kann. Das war mir irgendwie gar nicht so in meinem Horizont vorhanden, so dieser Gedanke.
Das hören wir öfters, dass Frauen einfach sich nicht trauen, zur Bank zu gehen und zu schauen, ob sie die Finanzierung bekommen und immer Angst haben, dass sie die Bonität nicht haben oder irgendwas nicht stimmt. Und am Ende ist ja toll, dass deine Arbeitskollegen dann gesagt haben: Komm Eva, du musst das machen. Und das erhoffen wir uns auch ein bisschen aus unserem Club, dass wir uns gegenseitig anfeuern und uns Mut geben, das zu machen. Aber ich wollte nachfragen, weil das hört sich echt spannend an. Ich schätze, dass es auch viele andere Frauen in Berlin gibt, die potenziell die Möglichkeit haben, ihre eigene Wohnung zu kaufen. Wie war der Prozess bei dir?
Wer hat die Wohnung verkauft oder haben sie dich angeschrieben? Ja, also in meinem Fall war das glaube ich irgendwie alles speziell und wie gesagt, ich bin da auch nicht so die Expertin, ja, deshalb ich weiß gar nicht, ob es speziell war, vielleicht läuft es auch immer so. Aber in meinem Fall war das so, dass dieses ganze Haus einer Erbengemeinschaft gehört hat, und die waren zerstritten. Und die haben das dann an, glaube ich, einen Immobilieninvestor verkauft, und der hat es an einen weiteren Immobilieninvestor verkauft, und der hat es an noch einen Immobilieninvestor verkauft. Das heißt, das ganze Haus war schon durch 3 Hände durchgegangen, ich glaube, innerhalb von nicht mal 2 Jahren. Und genau, das war aber genauso diese Zeit 2014, 2015, 2016, wo, glaube ich, auch in Berlin die Preise krass anzogen, und das, glaube ich, einfach für die jeweiligen Investoren dann offensichtlich ja attraktiv war, das innerhalb so kurzer Zeit einfach weiter zu verkaufen. Und das war aber schon die ganze Zeit aufgeteilt. Also es ist halt ein Altbau in Berlin gewesen mit, ich weiß gar nicht, ich glaube 14 Wohneinheiten. Und es war schon aufgeteilt, das heißt, die einzelnen Wohnungen hätten auch verkauft werden können schon. Und der letzte Investor hat dann natürlich auch diesen Schritt gemacht. Der hat dann nicht mehr das ganze Haus verkauft, sondern eben die einzelnen Wohnungen. Und da gab es auch schon ein, zwei freie Wohnungen, die sind weggegangen wie die warmen Semmeln, weil natürlich irgendwie Toplage und auch so ganz schönes Haus, wobei jetzt auch nicht saniert oder so, aber halt in Ordnung gehalten. Und genau, bei meiner Wohnung, wie gesagt, die war ja sehr klein und nicht zum Eigennutz verfügbar wegen auch einem Milieuschutz. Also ich war ja auf 10 Jahre unkündbar und hatte dann diese ganz geringe Miete. Dann damals wurde ja schon, gab es ja auch schon Mietpreisbremse, glaube ich, und Mietendeckel wurde auch schon diskutiert und so. Also das war glaube ich für Eigennutzer kein Investment. Das war für Immobilieninvestoren nicht wirklich attraktiv, weil auf absehbare Zeit die Miete halt wirklich nicht signifikant hätte sich steigern können. Und ja, dann blieb ja eigentlich als potenzielle Käuferin nur noch die Person, die da drin wohnt, also ich. Und es ist mir auch gelungen, tatsächlich noch die Wohnung um 30.000 € runterzuverhandeln mit meinem, also mit der Verkäuferin, mit dem Verkäufer. Das heißt, ich habe sie dann tatsächlich, glaube ich, 139.000 € hatte ich 1.000 gekauft. Und ja, dann kamen da immer diese Besichtigungen und irgendwann hatte ich dann der Sachbearbeiterin auch schon mal mitgeteilt, dass ich eigentlich überlege, sie selber zu kaufen, aber es mir jetzt zu teuer ist. Und dann ist sie immer so häppchenweise 5.000 € mir entgegengekommen und dann habe ich noch ein bisschen auf die Tränendrüse gedrückt. Und dann war ich glaube ich auch noch schwanger und meinte so, ja, und dann gehe ich jetzt in Elternzeit und wie soll ich mir das alles leisten? Und die war aber auch nett und ich glaube, die dachte auch so, ach, diese blöde kleine Wohnung, die will ich jetzt auch irgendwie loswerden. Und naja, dann haben wir uns halt bei 139.000 € getroffen, so ungefähr. Und dann in diesem ganzen Prozess, das zog sich ja über Monate, verlor das dann noch so ein bisschen seinen Schrecken, so. Und am Ende des Tages ist mein jetziger Mann dann auch noch mit auf den Zug aufgesprungen und meinte auch, komm, ich gebe die Hälfte vom Eigenkapital dazu, wir kaufen das zusammen. Und dann war so bei mir der letzte Zweifel irgendwie ausgeräumt, weil ich so wusste, okay, da ist noch jemand anderes, der daran glaubt oder das gut findet. Und dann, ja, war ich irgendwie beruhigt. Und genau, und dann habe ich halt 100.000 finanziert und 50.000 selber reingesteckt mit meinem Mann.
Und dann sind wir damit sehr, sehr gut gefahren. Ja, das ist eine Top-Investition. Und es lohnt sich manchmal, manchmal ist die Wohnung einfach vor dir und du siehst es gar nicht, ne. Es lohnt sich manchmal, beim Vermieter nachzufragen, ob er verkaufen oder ob sie verkaufen möchte. Und die Wohnung halt selbst erwerben. Und vielleicht, wenn man so geschickt ist wie du im Verhandeln, kriegt man sie auch günstiger. Das ist top, super.
Und wie war es bei dieser anderen Wohnung, die du eigentlich gekauft hast, aber nicht gekauft hast? Ja, das ist echt, ich möchte weinen. Das ist eine ganz spezielle Geschichte, weil wie schon erwähnt, bin ich ja in Berlin groß geworden und wir haben Also ich habe mein ganzes Leben, bis ich ausgezogen bin, in der Feuerbachstraße gewohnt, in Steglitz, in einer wahrscheinlich nicht wunderschönen, aber in meiner Erinnerung wunderschönen 6-Zimmer-Altbauwohnung, sehr groß, sehr geräumig. Ja, da habe ich meine ganze Jugend verbracht, bis ich dann mit 19 ausgezogen bin. Und meine Eltern sind da 2004 ausgezogen, also das war eine Mietwohnung, und sind nach Köpenick gezogen. Und ich habe 2 Brüder, 2 ältere Brüder und Ja, irgendwie die Feuerbachstraße, das war immer so unser Familien, also so der Anker, weil auch in die gleiche Wohnung, wir hatten die zweimal, ja, einmal 180 Quadratmeter im ersten OG, da war das Büro von meinem Vater, und dann noch die gleiche Wohnung im zweiten OG, da haben wir halt gewohnt. Und das Büro von meinem Vater war auch bis 2014 oder 2015 auch noch dort. Das heißt, wir waren halt immer noch sehr dieser Immobilie und dieser Adresse halt sehr verbunden so. Und irgendwann schickt mir mein Bruder über den Immo-Link, dass unsere Wohnung halt zum Verkauf steht. Und ich bin total ausgeflippt. Und es war auch noch echt ein guter Deal. Das sind, wie gesagt, 180 Quadratmeter gewesen. Ich glaube, der Kaufpreis war irgendwie 510.000 €. Das war letztes Jahr. Ja, das war echt ein super Deal. Und ich natürlich sofort den Agentur, also die Immobilienfirma, angerufen und gleich dem Sachbearbeiter gesagt, das ist die Wohnung, in der ich groß geworden bin, ich kaufe die auf jeden Fall. Und Wo soll ich meine Reservierungsgebühr hin überweisen? Und der war auch total cool und nett und meinte: Ja, aber machen Sie noch eine Besichtigung. Und ich so: Ja, okay, gerne. Und dann bin ich dahin gefahren und war das schön. Ja, ich bin durch mein Kinderzimmer durchgelaufen und das war noch die Tapete an der Wand, die mein Vater da irgendwie in den 90ern irgendwie rangepflastert hat. Das war richtig so Coming-Home-mäßig. Und ich habe mich auch mit den Mietern unterhalten, habe sie auch gefragt, warum sie denn nicht kaufen, weil das doch ein gutes Investment ist. Und ja, sie meinten so: Nee, die hätten halt andere Wohnungen. Und dann war halt alles eingetütet. Und dann, ich habe die mit meinem Bruder und meinem Mann und der Frau von meinem Bruder, also haben sie ja dann auch gekauft und waren beim Notar und so, alles schön. Und dann haben wir natürlich auch die Finanzierung abgeschlossen. Und ja, dann hat ja der Mieter ein Vorkaufsrecht, was ich auch gut finde und richtig finde. Und dass ich jetzt persönlich so gebrandmarkt bin, soll nicht davon ablenken, dass das ein, dass ich das finde, dass das sehr wichtig und richtig ist, dass das so ist. Aber in meinem Fall war es natürlich irgendwie besonders ärgerlich, weil dann tatsächlich einige Wochen später die Mieter da ihr Vorkaufsrecht ausgeübt haben und wir dann natürlich nie Eigentümerin geworden sind, ja, sondern die die Wohnung dann ja quasi weggeschnappt haben. Das funktioniert rechtstechnisch so, dass man quasi diesen notariellen Kaufvertrag abschließt mit dem Verkäufer und dann ist der erstmal in der Schwebe, ja, und dann muss halt diese Vorkaufsfrist ablaufen. Das sind 2 Monate in Deutschland ab Zustellung sozusagen des beurkundeten notariellen Kaufvertrages beim Mieter. Und der kriegt dann halt einen großen Umschlag, wo diese Urkunden drin sind, und da steht dann halt halt eine Mitteilung: Möchten Sie Ihr Vorkaufsrecht ausüben, Ihr gesetzliches, oder nicht? Und normalerweise, und so ja auch bei uns, klopft man das halt mehrfach ab, ob der oder die Mieterin das halt gerne machen möchte. Und ich glaube, bei uns war es einfach unglücklich. Ja, dann ist sozusagen eine Klausel im Kaufvertrag, dass wenn die Mieter ihr Vorkaufsrecht ausüben, dann tritt die mietende Partei einfach als Käufer in den bestehenden Vertrag ein. Also das nennt sich dann Parteiwechsel. Also dann ist sozusagen der gleiche Kaufvertrag ist dann einfach zwischen den Mietern und dem Verkäufer zustande gekommen und dann waren wir draußen.
Oh nein, aber ihr hattet ja noch die Finanzierung an der Backe, oder?
Ja, und das ist auch wirklich, ich habe mich da jetzt sehr viel mit beschäftigt und das ist wirklich, man kann es leider nicht umgehen, dieses Problem. Ich werde jetzt auch nicht zu viel ins Detail gehen, aber— Aber was hieß das dann für euch? Man hat ja ein Widerrufsrecht, aber die Widerrufsfrist geht ja nur 14 Tage und der Sachverhalt ist auch noch nicht ganz abgeschlossen. Also wir sind immer noch mit der Bank uns nicht einig geworden, weil die natürlich dann eine Nichtabnahmegebühr von uns in auch fünfstelliger Höhe haben wollten. Also jetzt auch gar nicht so niedrige fünfstellige Höhe, aber trotzdem ist ja viel Geld und das Das ärgert mich schon irgendwie so bis heute, dass man das auch nicht wirklich hätte anders vermeiden können. Jedenfalls ist es in dem konkreten Fall halt so gewesen, dass wir dann halt diesen Kredit hatten, also die Finanzierung, aber keine Wohnung. Und ich habe natürlich auf dem Markt auch keine vergleichbare Wohnung gefunden mit 180 Quadratmetern für 500.000 €, die man jetzt irgendwie da schnell hätte dann stattdessen erwerben können. Ja, wisst ihr selber, gibt es ja halt einfach nicht. Und ja, deswegen ist Das ist ein sehr schmerzhaftes Thema für mich, weil ich mich erstens immer noch mit der Bank da jetzt juristisch auseinandersetze. Aber es tatsächlich auch da vom Gesetzgeber sozusagen keinen Schutz gibt. Und es gibt auch keine Bank, die sagt, ich trage das Zinsrisiko oder ich mache ein außerordentliches Kündigungs- oder Rücktrittsrecht. Sondern es ist tatsächlich so, dass man, wenn man als Käufer einer vermieteten Immobilie eine Finanzierung abschließt, dann trägt man einfach das Risiko, dass der Mieter das Vorkaufsrecht ausübt und dass man nicht zum Zuge kommt.
Und es gibt auch keinen Weg drumherum. Eva, ich finde es auch total traurig, dass das passiert ist, vor allem weil es halt dein Zuhause war. Und es ist blöd, dass es diese eine Art Lücke im Gesetz gibt, dass so was überhaupt passieren kann.
Aber ich würde gerne jetzt auch positiv auf die Sachen schauen und ich weiß, dass du auch Lösungen gefunden hast. Ja, danke Maja. Ja, das stimmt schon. Also das war ärgerlich, aber Es gibt für jedes Problem auch eine Lösung. Und bei dem zweiten Immobilienerwerb haben wir es dann tatsächlich auch anders gemacht und haben einfach von vornherein gesagt, wir gehen erst zum Notar, kaufen die Wohnung, und dann, wenn wir wissen, dass der oder die Mieterin auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet hat, dann schließen wir den Finanzierungsvertrag mit der Bank ab. Und so haben wir es halt auch genau gemacht. Wir sind im Dezember zum Notar gegangen, im Januar, also, und haben den Kaufvertrag unterzeichnet. Im Januar haben wir dann die Nachricht bekommen, dass der Mieter auf sein Vorkaufsrecht verzichtet hat.
Und dann haben wir die Bankfinanzierung abgeschlossen. Perfekt, dann hat es ja geklappt. Und bei dem Vorfall, wo du noch dabei bist, hilft dir ja eine Anwältin.
Ganz genau. Da kann ich auch nur jede und jeden ermutigen, dass man sich dann einfach auch Hilfe holt oder Unterstützung. Ich bin zwar selber auch Anwältin, aber natürlich nicht auf Verbraucherkreditverträge spezialisiert, sondern wie gesagt auf Venture Capital und und habe dann eine Kollegin ja einfach auch beauftragt, mich da zu vertreten, und meinen Bruder natürlich.
Und die hat uns auch wirklich sehr geholfen. Also, und da sind wir wieder beim Thema Venture Capital und unsere Zukunft. Ich weiß, dass du, ich glaube, im Jahr 2014 die Venture Ladies gegründet hast.
Erzählst du ein bisschen was darüber? Ja, gerne. Ja, 2014, da stand ich auch noch relativ am Anfang meiner beruflichen Karriere und hatte das dringende Bedürfnis, mich mit anderen Frauen aus dem Bereich Venture Capital auszutauschen und habe dann einfach die wenigen, die es da in meinem Umfeld gab, dann ja einfach einen Abend mal zusammengetrommelt in einer Weinbar in Mitte und dann haben wir uns da getroffen und über Business geredet und es gab halt nur eine Regel, nämlich es wurde über das Business gesprochen und das war halt sehr, sehr motivierend, inspirierend, natürlich sehr interessant, sehr lehrreich und Und das hat allen so gut gefallen, dass dann die, ich glaube, 16 Frauen, die da waren an dem Abend, dann auch quasi, als wir dann da aus der Bar gefegt wurden, auch meinten: Ja, Eva, wann treffen wir uns denn wieder? Und dann meinte ich: Ja gut, wenn wir uns alle wieder treffen wollen, dann vielleicht in 4 Wochen. Und so ist dann so ein Stammtisch daraus entstanden und schnell schwoll sozusagen der E-Mail-Verteiler von diesen anfänglichen 12, 16 Kontakten auf 100, 200, 500. Mittlerweile sind wir knapp 3000.
Wow!
Ja, dann ist so eine richtige Bewegung irgendwie daraus geworden, und mittlerweile machen wir mit Venture Ladies halt auch Workshops, Seminare, Panel-Diskussionen. Vor Corona haben wir natürlich uns einmal im Monat zum Stammtisch getroffen, sind natürlich bei den Venture-Capital-Fonds oft dann auch zu Gast gewesen oder bei irgendwelchen Start-ups in Berlin und haben uns einfach auf die Fahne geschrieben, so interdisziplinären Know-how-Transfer mit dem Fokus auf auf Female Founder und Female Investors zu legen und zu betreiben und haben, glaube ich, auch schon sehr viele Gründerinnen motiviert und bestärkt, haben auch viele Female Angel Investoren natürlich bei uns im Netzwerk auch ermutigt, mal ihr erstes Angel Investment zu machen und kümmern uns eigentlich so ein bisschen auch um Sichtbarkeit und einfach um so eine Art Safe Space, um auch Fragen stellen zu können und einfach eine Community zu haben, die vielleicht ein bisschen weniger aggressiv ist, als man sie sonst aus dem Venture Capital kennt.
Und wir als Happy Immo haben uns auch schon vorgestellt. Lieben Dank, dass du uns eingeladen hast, und haben über Immobilieninvestments gesprochen, weil viele Venture Ladies haben auch Vermögen, was sie auch in Immobilien anlegen werden. Und als letzte Frage, wie immer meine Lieblingsfrage: Was ist deine Vision für dich und für uns Frauen, und vielleicht auch in Bezug auf Immobilien?
Ja, ich würde mir natürlich wünschen, dass wir einfach alle ein bisschen mehr gehört würden und dass auch diejenigen von uns, die vielleicht mit etwas leiserer Stimme sprechen, sich Gehör verschaffen können. Und ja, dass wir einfach unseren Fair Share am Markt bekommen, nicht nur am Immobilienmarkt, sondern eben auch beim Venture Capital und in allen anderen Lebensbereichen.
Ich glaube, da ist noch sehr viel Luft nach oben und das Das würde ich mir für uns wünschen. Das kann ich nur mit Händen und Füßen unterschreiben. Lieben Dank, Eva, dass du bei uns warst, und ich wünsche dir einen schönen Tag. Dankeschön.
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