Let‘s Talk Nachhaltigkeit mit Janine Steeger
3 Mar 2022 · 26 min
In this German‑language podcast, host (SPEAKER A) interviews journalist, speaker and sustainability advocate Janine Steeger. Janine recounts her career trajectory from RTL presenter to independent “Green Janine”, her motivation to focus on climate and environmental issues since 2011, and the challenges she faced trying to embed sustainability in mainstream media. She discusses two books: the forthcoming co‑authored study‑based title Warum Frauen die Welt retten werden (with Ines Imdahl), which argues that traditionally undervalued female traits such as empathy, complex thinking and emotionality are strengths for climate action and ESG leadership; and her earlier book Going Green: Warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu schützen, which reframes perfectionism as a barrier and highlights the personal, financial and health benefits of sustainable habits. The conversation moves to the real‑estate sector, where Janine observes that women have become key drivers of ESG initiatives, often entering the field through “accidental” assignments that later turned into leadership roles, especially as EU regulations raise the profile of sustainability. She outlines practical measures for greener buildings – material choices like hemp or clay, energy‑saving technologies, digital energy management, and the potential of solar integration – and stresses the importance of involving women’s perspectives in construction and investment decisions. Janine shares her personal vision of building a small, autonomous wooden house, describing the design choices (under‑100 m², low‑footprint, possible solar, use of traditional materials) and the challenges of implementing such projects within owners’ associations. Finally, she offers three actionable tips framed as “choose the house entrance that is level for you”: start with the easiest habit (e.g., reusable coffee cups), monitor food waste and related costs, and enjoy the process, celebrating small wins. The interview ends with a light‑hearted note about celebrating sustainability during Cologne’s Karneval.
Chapters
Hallo, hallo nach Köln, heute per Zoom. Ich freue mich total, Janine Steeger heute zu Gast zu haben.
Hallo, hallo, meine Liebe. Schön, dass ich dabei sein darf.
Erzähl mal kurz den Hörerinnen, wer bist du?
Also, ich bin Janine Steeger, ich bin 45 Jahre alt, ich bin Journalistin, ich bin Mutter eines Sohnes. Und ich habe 2011 beschlossen, mich mehr mit den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Klimaschutz etc. auseinanderzusetzen. Das war zunächst mal eher im privaten Bereich. Und ich habe dann aber, ich habe zu dieser Zeit bei RTL gearbeitet und war da auch total glücklich, weil das mein Traumjob gewesen ist, RTL explosiv zu moderieren. Das habe ich mir schon als Teenager in den Kopf gesetzt und durfte das dann auch ab 2008 machen. Hab dann aber irgendwann eben auch versucht, in der Sendergruppe mit den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Klimaschutz etc. durchzudringen. Das war ungefähr 2014, und da war ich einfach zu früh dran. Und da haben mich damals alle gegen die Wand laufen lassen. Und dann habe ich für mich beschlossen, für mich ist aber so wichtig, ich möchte das unbedingt machen, und habe mich dann selbstständig gemacht als Green Janine, wie ich mich seitdem nenne. Und arbeite als Speakerin, als Moderatorin und auch als Buchautorin.
So ist das nämlich. Hört auf die Frauen, die haben meistens das richtige Gefühl für die hotten Themen.
Ja, ja, also ich war einfach ein bisschen zu früh. Also ich war so früh dran mit dem richtigen Thema.
Genau. Okay, also ihr habt es gehört. Janine ist Moderatorin, hat hier lange exklusiv moderiert und guten Abend RTL und so was. Ich hoffe, dass du das Gespräch nicht umdrehst und ich hier auf einmal interviewt werde, sondern du mir schön meine Fragen beantwortest. We will see. Ich halte mich zurück. Okay, let's start. Also, wer bist du? Hast du ja schon beantwortet.
Super.
Janine, du hast ein Buch geschrieben.
Ja, was ich nicht alleine geschrieben habe, sondern ein ganz wichtiger Teil kommt von meiner Mitautorin Ines Imdahl. Das Buch basiert nämlich auf einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und trägt den, wie wir finden, absolut sensationellen Titel: Warum Frauen die Welt retten werden. Pause, Pause, Pause. Und Männer dabei unerlässlich sind, weil das wollten wir natürlich von Anfang an klarmachen.
Es geht nicht um einen Kampf zwischen den Geschlechtern, sondern es ist kein Male Bashing.
Nein, wie wir es gemeinsam schaffen können. Und aber es ist tatsächlich so, dass wir in einer Zeit leben, wo das Männliche eigentlich schon immer das Maß der Dinge war. Und wir wollen das weibliche Prinzip als gleichwertig danebensetzen und klarmachen, wie wichtig das ist, weibliche Stärken mit einzubeziehen in alle Zukunftsfragen, damit wir schneller und besser vorankommen.
Ja, Breaking the Rules, das ist ja das Thema, das ist auch total hot gerade, die Welt, wie sie gerade, wie sie läuft. Wir haben alle das Bild gesehen von der Münchner Sicherheitskonferenz mit 40 Männern an einem Tisch, genau, total schön. Und wir hatten vorhin im Podcast zwei Gründerinnen, die mit einem sehr weiblich besetzten Thema gegründet haben, Mental Health, und die auch dann einfach nur vor Männerteams pitchen mussten, was geklappt hat. Die Männer haben es verstanden, das Thema, und haben in sie rein investiert. Aber es ist trotzdem was ganz anderes, wenn Männer über Frauenthemen entscheiden und sich überlegen müssen, ob das jetzt ein Thema ist, oder sie finden das Thema einfach nicht hot oder nicht relevant und müssen dann erst noch mal fragen, ob das vielleicht ein gutes Thema sein könnte. Deshalb sind wir ja auch für mehr Diversität auf allen Ebenen, und deshalb umso besser, dass es dein Buch gibt.
Absolut. Also ich kann das nur unterstreichen. Und es ist eben auch so, dass wir gerade beim Thema Nachhaltigkeit haben wir halt ganz viele Stärken, die wir mitbringen, und wir haben in dem Buch halt wirklich einfach mal so klischeehafte Schwächen, die uns ja oft als dem angeblich schwachen Geschlecht so unterstellt werden, haben wir einfach in Stärken verwandelt. Warum ist es überhaupt eine Schwäche? Ja, beispielsweise wird uns ja gerne vorgeworfen, wir sind zu kompliziert, so Harry-und-Sally-mäßig. Weiß nicht, ob die jungen Hörerinnen und Hörer das überhaupt noch kennen, aber eine sehr komplizierte Essensbestellung und In Wirklichkeit sind wir Frauen aber gesegnet mit einem wirklich komplexen Denken, oder dass wir das überhaupt können, und dass wir mit sehr viel Weitsicht auch an die Dinge rangehen. Und das ist natürlich gerade beim Thema Nachhaltigkeit, wo wir auch viele Dinge mit einplanen müssen, mit einbeziehen müssen. Es gibt bei dem Thema viele Zielkonflikte, und da kommt uns das natürlich absolut zugute. Das Gleiche ist das Thema Empfindsamkeit oder Emotionalität, das wird uns ja auch gerne als Schwäche ausgelegt. Ach, jetzt ist sie schon wieder so emotional, und was hat sie denn jetzt schon wieder? Und in Wirklichkeit ist das natürlich letztendlich das Thema Empathie und eben auch Empfindsamkeit gegenüber meiner Umwelt. Das können natürlich meine Mitmenschen sein, aber eben auch unsere Umwelt an sich. Und insofern sind das alles Dinge, die wir für die Zukunft brauchen. Wir haben auch mit vielen prominenten Stimmen gesprochen für dieses Buch und haben da auch noch mal Interviews zu unseren Thesen geführt. Und einige Transformationsberater waren auch dabei und Beraterinnen, und die sagen ganz klar, Empathie beispielsweise wird eine Führungsstärke in der Zukunft sein. Und gerade in der Immobilienbranche höre ich das auch immer wieder, Ich betreibe ja auch zusammen mit zwei Mitgründerinnen die Seite Future Women, und da haben wir Expertinnen der Nachhaltigkeit und auch einige inzwischen aus dem Immobilienbereich. Und das ist natürlich auch so ein klassischer Bereich, der sehr männlich dominiert ist, ähnlich wie die Automobilindustrie und was man da alles so aufzählen könnte. Und ich glaube, dieser ganzen Branche würde es absolut gut tun, wenn wir halt einfach auch mehr weibliche Stärken mit einbeziehen. Ziehen, um dann halt entsprechend schneller auch zum Ziel zu kommen, gerade auch beim Thema Nachhaltigkeit?
Ja, also was gerade in der Immobilienbranche ziemlich interessant ist, ist das Thema ESG. Also vor paar Jahren fing es an mit Impact Investing und dann eben ESG, und die ganzen Fonds mussten sich das jetzt ja auch auf die Fahne schreiben, dass sie eben für ESG sind, pro, pro. Und das Lustige ist, dass vor 5 Jahren oder 3, oder als das Thema eben das erste Mal aufgeploppt ist, da war das Thema, wo alle gesagt haben, habe ich überhaupt keinen Bock drauf, noch so ein Zusatzjob, mach du mal, haben irgendwelche Frauen zugeschustert bekommen. Und das sind jetzt die, die mit die wichtigsten Jobs haben, weil das Thema eben jetzt so hot ist, wie ich vorher gesagt habe, ja, ist ein total wichtiges Thema geworden. Die Frauen haben sich das geschnappt und treiben jetzt die Immobilienbranche da, was Nachhaltigkeit angeht, total voran. Das finde ich ziemlich gut, ist eine gute Entwicklung. Aber der Hintergrund, warum die Frauen da so reingekommen sind und da so führend sind, der ist natürlich nicht gut. Aber gut, das ist selbst schuld.
Eigentlich wollte man so ein bisschen abwälzen. Total. Natürlich oft, dass man halt gerade auch Frauen zu dem Themenbereich in der Kommunikationsabteilung sitzen hat oder in der Nachhaltigkeitsabteilung, die aber tatsächlich bis vor ein paar Jahren, würde ich mal sagen, noch nicht mit Entscheidungsgewalt und auch mit wenig Budget ausgestattet war.
Nee, das ist aus Versehen passiert jetzt.
Genau, also aus Versehen passiert, beziehungsweise natürlich auch gesetzlich getrieben, ne. Wir haben einfach natürlich jetzt auch EU-Verordnungen, die uns da oder den Unternehmen einfach einiges abverlangen, vollkommen zu Recht. Aber natürlich ist dadurch dann das Thema auch weiter oben aufgehangen und muss dann eben auch in die Führungsebenen. Und das finde ich auch sehr, sehr spannend. Und vielleicht kommen so auch ein paar Frauen tatsächlich einfach über so einen kleinen Umweg, über so eine Hintertür, in die entsprechenden Positionen, wo wir sie gerne sehen würden.
Also, wir haben gehört, dein erstes Buch ist in der Mache oder ist gemacht. Wann erscheint's? Wann sind die Buchpartys?
Ja, Partys ist ja auch schwierig, weil das ja auch unter Pandemiebedingungen nicht so einfach ist. Also wir machen schon eine kleine, zumindest digitale Party am 8. März. Es erscheint einen Tag vor dem Weltfrauentag, am 7. März. Ist natürlich auch sehr passend. Wir wollten es eigentlich früher erscheinen lassen, aber wegen des weltweiten Papiermangels ist uns das nicht gelungen. Und jetzt ist ist eigentlich auch ganz passend, dass es einen Tag vor dem Weltfrauentag erscheint. Und ja, wir sind total aufgeregt. Die Landingpage, wo man auch vorbestellen kann, ist jetzt online, und das macht großen Spaß. Und wir sind da schon mit vielen Redaktionen auch und mit vielen Menschen, die eben ernsthaftes Interesse auch haben an dem Thema, mit vielen Unternehmen auch in Kontakt.
Cool. Also alle da draußen, geht auf die Landingpage, kauft euch das Buch. Dann komme ich auf dein anderes Buch zu sprechen. Erzähl mal.
Mein anderes Buch heißt Going Green: Warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu schützen. Das war mein erstes Buch.
Und das ist auch ein total unfeministischer Titel, weil Frauen ja, jetzt bediene ich mal die Klischees, immer so perfekt sein wollen.
Total. Also kenne ich von mir natürlich auch. Und im Übrigen kann man aber auch dem etwas Positives abgewinnen und als Stärke. Also wir sind ja schon immer oft in so einer Selbstoptimierungsphase und in so einem Selbstoptimierungswahn. Das bringt aber natürlich auch an vielen Punkten dann das Beste aus uns hervor. Also das muss man schon auch sagen, dadurch, dass Männer zu einem großen Teil sich auch seltener hinterfragen, ne. Wir kennen alle diese Momente, wo gefragt wird, wer kann dazu einen Vortrag halten, und die Männer alle direkt die Hände nach oben nehmen und die Frauen sagen, ja, da muss ich noch mal drüber nachdenken, ob ich da wirklich 120% abliefern kann. Also insofern, wir sind da natürlich auch top vorbereitet, aber wir verbauen uns mit diesem Selbstoptimierungswahn natürlich auch manches und vor allen Dingen rauben wir uns selbst sehr viel Energie. Ja gut, aber der Titel, ja, ich finde aber genau das, dieser Perfektionismus oder der perfektionistische Anspruch nimmt einem ja oft auch die Lust an den Dingen und ich finde halt insgesamt beim Thema Nachhaltigkeit haben wir zu wenig Lustempfinden, weil wir reden ständig in der Öffentlichkeit über Verzicht und wie dramatisch das alles ist und was wir alles nicht mehr dürfen, aber dass man eben auch ganz viele Dinge dazu gewinnt, wie zum Beispiel wenn man sein Mobilitätsverhalten verändert, im Grunde mehr Bewegung, mehr Gesundheit, mehr frische Luft etc. Also es gibt einfach ganz viele Dinge. Es gibt auch Punkte, wo man einfach schlicht Geld spart. Also es war bei uns ein ganz großer Punkt, mal zu gucken, wie viele Lebensmittel schmeißen wir eigentlich weg, weil wir zu blöd sind, richtig einzukaufen. Zukaufen, nämlich einfach kleinere Portionen und kleinere Mengen. Also da haben wir natürlich auch irre viel Geld gespart und können dann mit dem Geld was anderes machen. Also es gibt einfach ganz viele Punkte, wo man auch einen absoluten Zugewinn hat bei dem Thema, und das wird aber immer so unter den Tisch gekehrt, weil alle immer um ihre persönliche Freiheit bangen. Und ich glaube, das ist ja nur ein Deckmäntelchen, und vor allen Dingen muss man sich ja immer fragen, also Wo fängt die Freiheit der anderen an? Also wenn wir diesen Planeten zerstören und andere Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren und auch bei uns der Klimawandel natürlich inzwischen deutlich zu spüren ist, dann kann ich ja nicht nur von meinen persönlichen Befindlichkeiten ausgehen.
Das stimmt. Aber du hast auch total recht, dass es mit diesen falschen Glaubenssätzen, die man auch ins Positive drehen kann. Und so ist das bei der Nachhaltigkeit einfach auch. Jahrelang wurde über die negativen Aspekte der Nachhaltigkeit gesprochen und eigentlich gibt es tausend positive Aspekte, die man da hervorheben sollte, ne, also so, dass man eben auch Bock hat auf Nachhaltigkeit und so. Du hast das Thema Immobilien schon angesprochen. Wie sieht's denn bei dir mit Immobilien aus? Immobilien sind ja auch ein großer Treiber von CO2-Ausstoß und so weiter und so fort. Wie stehst du zu Immobilien? Investierst du trotzdem?
Noch nicht, aber bald wird es soweit sein, weil ich im Moment zur Miete wohne in einem Reihenhaus, das meine Mutter gekauft hat. Und das Haus werde ich aber übernehmen, und da muss ich auch noch einen Rest finanzieren. Insofern investiere ich dann an der Stelle. Und insgesamt investiere ich, glaube ich, einfach in das Thema Immobilienwirtschaft, weil dazu muss man wissen, dass ich aus einer Familie von Baustoffhändlern komme und dass das so ein Stück weit irgendwie in mir drinsteckt. Also ich bin zwischen Kalksandstein und Zementdecken auf dem Lager, auf dem Baustofflager groß geworden, habe bei jeder Inventur mitgemacht. Wir haben ständig zu Hause irgendwie, also wir haben natürlich nicht ständig neu gebaut, aber auch ständig intern umgeräumt und noch mal was umgebaut und sonst was alles. Und ich hatte da immer großen Spaß dran und sehe das jetzt natürlich alles unter dem, oder aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit. Und es ist ja genau, wie du sagst, also da steckt so viel an Wirkungsmöglichkeit drin in dieser Branche. Dass ich jetzt eben genau das mir auch zur Aufgabe gemacht habe, mich auch mit unterschiedlichen Frauen und Männern vernetzt habe aus der Immobilienwirtschaft, wo ich halt wirklich finde, wir müssen da zu einem anderen State of the Art kommen. Also ich rede bei vielen Veranstaltungen natürlich auch über viele tolle Leuchtturmprojekte, so nenne ich das immer, ne. Also es gibt natürlich Cradle-to-Cradle-Bauten und es gibt irgendwie ganz, also Energie-Plus-Häuser statt einfach nur Passivhäuser und all diese Dinge. Aber es ist natürlich die Ausnahme. Und wenn wir wirklich in die große Bauwirtschaft gucken, da wo jetzt viele Wohnungen gebaut werden, vor allen Dingen ja auch in den Großstädten, aber auch, ich sag mal, das große Einfamilienhaus auf dem Land, da ist einfach noch so viel Potenzial, um auch ressourcenschonend zu bauen. Da würde ich halt gerne ein bisschen mitmischen. Und ich glaube, dass es auch da gut ist, wenn da einfach noch ein paar mehr Frauen mitmischen. Und insofern liebe ich auch das, was ihr tut mit eurem Ansatz. Und ich glaube, das ist total notwendig, da auch so einen weiblichen Blickwinkel reinzubringen.
Das glaube ich auch, denn wenn 1 Million Frauen 1 Million Wohnungen besitzen und damit alles ein bisschen weiblicher und nachhaltiger machen, dann haben wir eben alle zusammen schon einen Riesen-Impact. Sag mal, jetzt hast du von Bauprojekten gesprochen. Was kann denn jemand, der sich oder die eher eine kleine Wohnung kauft als Kapitalanlage? Was kann die verändern? Wie kann die Nachhaltigkeit in die Immobilienwelt bringen?
Also man kann natürlich, kann sich beraten lassen, man kann aber auch Podcasts dazu hören etc. Es gibt so was wie Baubiologen zum Beispiel, also gibt es Baubiologinnen und auch Baubiologen, und die können einen dazu beraten, was man auch im eigenen, in der eigenen Wohnung die man bezieht, vielleicht auch bei einer Sanierung an Materialien verwenden kann, was eben umweltfreundlicher ist. Sowohl nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch gesundheitsfreundlicher. Und das Interessante daran ist, dass man ja immer erstmal denkt, okay, das ist sicherlich alles viel, viel teurer. Das ist aber nicht der Fall, weil gerade auch wenn es um Materialien geht, die zum Beispiel auch so ein Revival erleben, also es gibt alle möglichen Dinge wie Hanf beispielsweise, beispielsweise, oder Lehm. Das klingt jetzt erstmal so, als wäre das so ein bisschen hinterwäldlerisch, aber das sind alles Baustoffe, die früher auch schon mal benutzt worden sind und die jetzt natürlich auf einem ganz anderen Level auch wieder eingesetzt werden und die jetzt nicht zwangsläufig teurer sind, aber viel besser auch für die eigene Gesundheit, für das Raumklima beispielsweise. Also man kann da schon an allen möglichen Schrauben drehen. Man kann natürlich, wenn es um die Einrichtung umgeht, auch ein bisschen DIY und Dinge recyceln oder Secondhand kaufen. Also es gibt natürlich zahlreiche Möglichkeiten.
Und arbeitet ihr auch mit Technologien zusammen, also zum Beispiel Heizungsbarometer, die nicht mehr heizen, wenn die Fenster offen sind, oder eben so was?
Ja, also Digitalisierung ist natürlich auch da ein ganz großes Thema, wo wir natürlich viel gezielter auch, um wieder Ressourcen zu sparen, Energie einsetzen, heizen können. Da geht es dann natürlich, wenn man jetzt in der Wohnung ist, ist das sicherlich immer etwas, was dann auch im ganzen Haus stattfinden muss. Also wenn man in der Eigentümergemeinschaft oder in der Hausgemeinschaft lebt, dann muss man das sicherlich abstimmen und sich auch dafür entschließen, das einzubauen. Aber grundsätzlich das Thema Digitalisierung, auch sowas wie Solarstrom und den dann im Zweifel noch mit der Waschmaschine zu verbinden, also mit dem Trockner, es gibt da ja unfassbare Möglichkeiten auch, und eben auch die Möglichkeit, Energie viel besser in so einem, lass uns mal so Mehrfamilienhaus denken, besser zu verteilen. Also wenn wir zum Beispiel davon ausgehen, dass Elektroautos möglicherweise dann in der Tiefgarage stehen, wo vielleicht mehrere Autos da sind, dann geht man ja im Moment immer davon aus, okay, das könnte problematisch werden, weil dann alle über Nacht zur gleichen Zeit ihr Auto da an—
Ja, und was wäre die Lösung?
Es gibt ganz tolle digitale Möglichkeiten, wo eben digitale Systeme das halt verteilen. Okay, hier ist jetzt fertig geladen, ne? Es kriegt dann schon jeder irgendwie seinen Strom. Aber es gibt ja auch Fahrzeuge zum Beispiel, die tagsüber geladen werden, weil nicht jeder— also wir wissen ja, Autos stehen eigentlich 98% des Tages rum, nicht immer in der Tiefgarage, sondern vielleicht auch woanders. Aber es gibt glaube ich so in diesen 98% viele Möglichkeiten, das Ding auch mal zu laden. Also insgesamt können wir mit Digitalisierung, gerade was das Thema Energie anbelangt und Energieeffizienz, glaube ich, ganz, ganz viel erreichen. Und natürlich auch auf die, ja, ich sag mal, die Dinge, die wir vermeintlich alle kennen, auch noch mal achten. Also wirklich auch zum Thema Energiesparen ist ja natürlich auch in dem Moment, wo die Energiepreise explodieren, ein wichtiges Thema. Da sind wahrscheinlich den meisten alles alle Dinge bekannt, die man machen kann. Kein Standby-Modus, irgendwie so was Banales wie Licht ausmachen, wo man immer die ganze Familie mit nerven kann und so. Aber das macht schon Sinn, gerade in diesen Zeiten, wo das eben auch alles nicht günstig ist. Und insofern kann man schon wirklich sehr, sehr viel machen. Wir haben irgendwann bei uns im Badezimmer— wir haben allerdings auch eine Fußbodenheizung, muss man dazu sagen— wir hatten aber zusätzlich einen Handtuch- Handtuchhalter, kennt man ja, ist ja auch total super, wenn die Handtücher darauf trocknen können. Aber das ist zum Beispiel ein totaler Stromfresser. Also wir haben da mal so ein Zählgerät drangehalten, und wir wollten dann sowieso das Badezimmer umgestalten, haben den dann tatsächlich rausgenommen und vermissen ihn auch nicht. Also es sind jetzt natürlich sehr individuelle Entscheidungen. Ich will niemandem den Handtuchhalter klauen, der dann auch noch beheizbar ist, aber Man kann schon auch mal mit jemandem von der Verbraucherzentrale beispielsweise, die bieten das ja an, dass man halt einfach schauen kann, wo verbrauche ich eigentlich am meisten Energie. CO2-Online ist auch ein Portal, die sehr viele wertvolle Hinweise geben. Also man kann da schon auch viel tun und den Rest der Energie verteilen wir dann digital.
Also einfach mal sortieren und aufräumen, meinst du?
Ja, so ein bisschen Marie Kondo-mäßig.
Ja, genau, hört sich total so an, finde ich aber gut. Okay, das heißt, wir haben jetzt auch gehört, man kann auf jeden Fall Nachhaltigkeit auch in das eigene Immobilieninvestment bringen. Apropos Immobilieninvestment, du hast jetzt von deinem Haus gesprochen. Ich weiß, dass du aber auch selber bauen willst. Magst du darüber was erzählen?
Ja, total gerne. Also das ist, das liegt wahrscheinlich auch an meiner Sozialisation, dass ich halt irgendwie so in mir drin trage, dass ich wahnsinnig gerne eigentlich auch irgendwann mal ein eigenes kleines Haus bauen würde. Ich weiß noch nicht, ob das jemals gelingt, aber ich habe, weil ich davon ausgehe, dass ich immer Visionen brauche im Leben, habe ich zusammen mit einer Architektin dieses Haus entworfen. Und das ist unter 100 Quadratmeter. Das kann man jetzt immer noch groß finden, aber das war mir ganz wichtig, dass man auf jeden Fall die Fläche reduziert, weil man muss ja auch wissen, seit den 80ern oder was weiß ich, ist es immer mehr geworden. Also wir haben mal auf deutlich kleinerem Fuß gelebt, und das hat eigentlich auch ganz gut funktioniert. Und wir können das natürlich nicht ins Unermessliche treiben. Desto weniger Wohnraum wir insgesamt haben, oder desto mehr wir brauchen, kann nicht jeder irgendwie auf so vielen Quadratmetern leben. Also das war mir wichtig. Und es ist natürlich ein Haus, was autark ist, also ist jetzt alles mal so total in die schönste Form gedacht, sozusagen. Aber ob ich das irgendwann umsetzen kann, weiß ich reichen. Es ist ein Holzhaus, es ist skandinavisch, das mag ich halt sehr. Und ja, ich träume davon, irgendwann dieses Haus zu bauen, und zwar wenn unser Sohn aus dem Haus ist, weil dann würden mein Mann und ich da alleine einziehen. Und ja, wir werden sehen, ob das so funktioniert, aber ich merke, dass das immer so mit mir geht. Also ich Es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, dass ich unglücklich werde in meinem Leben, wenn es niemals dazu kommen wird. Aber es ist trotzdem so, dass ich große Lust darauf hätte und da immer wieder von träume, auch ganz konkret, nicht zuletzt, weil ich ja diese Vision jetzt auf Papier habe. Also ich weiß ja genau, wie das aussehen wird. Und insofern finde ich das natürlich ganz großartig, weil alles zum Thema Nachhaltigkeit kann ich hier auch— bin ich jetzt hier so an meine Grenzen angestoßen. Also ich kann intern natürlich gucken, was stelle ich hier rein, wo kann ich Energie sparen. Das Einzige, was ich jetzt noch versuchen könnte, ist halt, dass wir vielleicht doch noch irgendwie Solar aufs Dach machen. Aber es ist eben auch eine Eigentümergemeinschaft, da muss man gucken, ob das wirklich dann funktioniert. Auf der anderen Seite gibt es da jetzt auch von der Stadt Köln tolle Beratungsangebote, das finde ich auch ganz cool. Und im Moment, weil wir hier noch eine kleine Baustelle hatten im mini kleinen Garten, wird der Garten jetzt viel, viel grüner, als er das vorher war. Also das ist auch schon mal alles super, aber ich will nur sagen, dann bin ich irgendwann so an der Grenze dessen, was ich hier in diesem Haus tun kann.
Und ja klar, und dann auf zum nächsten Projekt. Ich finde das super und ich bin mir sicher, dass du das realisieren wirst. Also du hast deine Vision ja schon auf Papier gebracht, du hast mit einer Architektin das perfekte Haus geplant und jetzt Jetzt brauchst du nur noch das Grundstück. Also das wird schon klappen. Und ich bin total— jetzt brauchst du nur noch das Grundstück, Janine, easy. Also ich bin da ganz entspannt. Genau, aber du hast ja noch 10 Jahre und von daher glaube ich, das wirst du schaffen. Wir kommen jetzt langsam hier zum Ende und am Ende stelle ich immer die Frage nach deinen 3 Top-Tipps für unsere Hörerinnen. Was sind denn so die 3 Tipps, Visionen, Ideen, die du den Hörerinnen hier mit auf den Weg geben willst?
Also ich spreche gerne über das Thema Nachhaltigkeit, deswegen würde ich da jetzt auch erstmal bleiben. Ich finde das immer schwierig, weil man kann schlecht so 3 Top-Tipps— und dann passt das für irgendjemanden gar nicht. Deswegen bemühe ich gerne immer, das Bild zu sagen: Guck einfach dein Leben an und suche nach der Stelle, wo es dir am leichtesten fällt, wirklich eine Veränderung zu vollziehen. Und ich vergleiche auch das immer mit einem Haus. Insofern passt das auch ganz zu eurem Podcast. Also stell dir dein Leben als ein Haus vor mit ganz, ganz vielen Eingängen, was es natürlich so nicht gibt, aber stellen wir uns jetzt einfach mal vor. Und da, wo der Eingang ebenerdig ist, da gehst du rein. So, und für den einen oder die eine ist es halt der Mehrwegbecher zum Kaffeetrinken, für jemand anderen ist es aber vielleicht tatsächlich direkt von Anfang an das Auto abzuschaffen. Also ich habe jetzt schon mit so vielen Menschen über die Jahre gesprochen, die sagen, ich verstehe gar nicht, warum wir das noch haben. Jedes Mal weiß ich nicht, wo es steht, wo ich es abgestellt habe in der Stadt. Und das ist natürlich auch, da fängt man sich irgendwann an zu fragen, was soll das jetzt, kostet ja auch alles Geld. Also es können ganz unterschiedliche Ansätze sein. Ich finde dieses Thema mal genau in den Kühlschrank gucken bzw. in den Mülleimer, was landet da, ist einfach auch sehr cooler Ansatz, weil man eben auch, wenn da tatsächlich viel im Mülleimer landet, was man dann nicht gegessen hat, dann tatsächlich ja im Umkehrschluss im Geldbeutel bleibt. Also das sind schon irgendwie ganz gute Tipps, die auch Lust machen, finde ich, weil man schlussendlich ja dann auch was davon hat. Und dann wirklich guckt, wo habe ich jetzt Lust drauf, ne? Das sagte ich ja vorhin schon, ist total wichtig, dass man da Spaß dran hat, dass man das ausprobieren will und dem Ganzen auch positiv gegenübersteht. Und insofern Waren da zwar jetzt ein paar konkrete Tipps dabei, aber ich würde halt immer nach dem Lustprinzip verfahren.
Ja, ich finde, das waren ziemlich konkrete Tipps. Also ich finde es ziemlich super, das mit dem Hauseingang finde ich, das finde ich ein total super Bild zu überlegen, welcher Hauseingang ist der, der ebenerdig ist und den gehe ich. Für den einen ist der Mehrwegbecher, für den anderen ist es eben der Handtuchhalter, was weiß ich. Dann finde ich das mit dem Mülleimer auch ziemlich gut, einfach zu gucken, schmeiße ich da die ganze Zeit Essen weg, ja oder nein? Muss ich da was ändern? Ja, und dann Habt einfach Spaß an dem, was ihr macht, und also habt Spaß an den Sachen. Wenn ihr sagt, ihr setzt auf Nachhaltigkeit, dann macht eben auch die Sachen, die euch Spaß machen, wie zum Beispiel Fahrradfahren oder was weiß ich. Finde ich super Tipps.
Und vor allen Dingen sich dann auch dafür feiern, was man erreicht hat. Das geht ja manchen von uns so ein bisschen ab, oder die können das einfach nicht so gut, dass wir dann immer direkt wieder zum Nächsten springen und sagen, jetzt muss ich aber direkt noch das und das und das. Das ist natürlich vom Prinzip her super, weil wir dann immer in so eine Spirale reinkommen, dass wir einfach weitermachen. Aber wir vergessen so ein bisschen das Feiern darüber.
Ja, das sind die Calvinisten.
Kölnerinnen natürlich fern, das Feiern zu vergessen.
Exakt. Deswegen wohnst du in Köln. Und ich würde sagen, vielleicht sehen wir uns nächste Woche beim Karneval und feiern.
Das wäre ganz geil.
Cool. Vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich und ich freue mich auf dein Buch.
Ja, vielen Dank. Du bekommst eins. Ganz lieben Dank und toll, dass ich dabei sein durfte.
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