Let’s Talk Bier mit Katharina Kurz
2 Dec 2021 · 33 min
Katharina Kurz built Berlo, a Berlin brewery and restaurant inside 38 shipping containers at Gleisdreieck, after a trip to Australia's craft beer scene inspired her. She assembled a team with no brewing background, designed the space with architects GRAFT in 12 months, and financed it through bank loans, angel investors, and public grants. Her advice to women entrepreneurs: embrace flexibility and act before you know everything.
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Herzlich willkommen bei Happy Immo, dem Interview-Podcast zum Thema Frauen und Immobilien. Wir nehmen euch mit auf die Reise zu finanzieller Unabhängigkeit und zeigen euch, wie ihr euch eure erste Wohnung kaufen könnt und trotzdem weiterhin gut schlafen könnt. Los geht's! Katharina, toll, dass du da bist. Leider können wir uns jetzt ja nicht live treffen, sondern jeder sitzt in seinem kleinen Studio. Wo sitzt du denn gerade?
Ich sitze tatsächlich gerade über unserer Brauerei in unserem kleinen Meetingraum am Gleisdreieck und gucke auf den leeren Biergarten. Also hoffentlich holen wir das bald nach, dass wir uns in Real Life treffen auf ein Bier.
Auf jeden Fall, sobald ihr aufmacht, sind wir sofort da. Ich sitze hier in meinem Podcast, also in meinem improvisierten Podcaststudio unter meinem Gästebett. Katharina, du stellst dich am besten gleich kurz vor. Wichtig ist aber, dass wir uns bei Happy Immo ja eigentlich mit der Immobilienbranche befassen und die Immobilienbranche jetzt als Frauen erobert haben und uns jetzt die nächste Männerdomäne schnappen wollen, das Bier. Das passt auch super, weil wir immer, wenn wir uns eine neue Wohnung kaufen oder ein Objekt bewerten, machen wir erstmal eine Bierdeckelrechnung, also eine kleine Kalkulation, die ein Bierdeckel drauf passt. Und du hast dein Feierabendbier ja auch zum Beruf gemacht und lebst jetzt den Traum vieler Deutscher. Erzähl mal, Berlo, was ist das?
Berlo ist eine Bier- und Brauereimarke und mittlerweile auch Gastronomiemarke. Also ein, ja, ein Startup, das ich vor mittlerweile bisschen mehr als 6 Jahren gegründet habe, aus einer sehr verrückten Nebenidee heraus. Also ich hatte keinen familiären Bier-Background. Ich habe schon immer gerne Bier getrunken.
Braucht man den bei euch in der Branche, den Background?
Naja, sagen wir es mal so, viele haben ihn einfach. Also es gibt ja wahnsinnig viele Brauereien, die über Generationen schon existieren und weitergegeben werden, sich dann weiter verästeln und verzweigen. Also das heißt so, Brauereineugründungen, das gibt es eigentlich erst wieder so seit ein paar Jahren, würde ich sagen. Insgesamt ist so der Bierabsatz tatsächlich in Deutschland seit der Wende, also seit Anfang der 90er, stetig zurückgegangen. Hat verschiedene Gründe gehabt. Zum einen, dass andere Alternativen wie Wein immer beliebter wurden, und zum anderen ist die deutsche Bierlandschaft auch immer langweiliger geworden, ehrlich gesagt. Gesagt, das ziemliche Angleichung im Geschmack. Das heißt, eigentlich ist alles Pilz und Hefeweizen, und vor allem auch ein riesiger Preiskampf. Also das heißt, die großen Brauereien sind nach und nach immer mehr, haben sich überboten mit niedrigen Preisen. Es ging nur noch über den Preis kommuniziert, es ging gar nicht mehr ums Produkt. Und das war auch einer der Gründe, warum warum wir eigentlich Berlo gemacht haben, warum diese Idee kam. Ich habe ja einen BWL-Background, habe 6 Jahre für ein deutsches Medienunternehmen gearbeitet, habe dann eine kleine Auszeit gemacht, um einfach noch mal zu gucken, wie es weitergeht, wie ich mich neu orientiere, und habe da gemerkt, dass ich zum einen gerne was selbst gründen möchte und zum anderen unbedingt nach Berlin möchte. Und habe lauter Vorstellungsgespräche wieder bei großen Konzernen gehabt, das war alles nicht in Berlin.. Und war dann aber so ein bisschen ratlos fast, weil mir auch so die richtige Idee gefehlt hat. Und ich dachte, wenn, muss das ja auch ein Digital-Startup sein und war auf Reisen in Australien ein paar Wochen und hab da ganz viel Bier getrunken. Total viel Spaß gehabt an dieser Craft-Beer-Szene dort. Also bin da in jede Bar und in jeden Bottleshop und hab mich immer durchprobiert und hab erst mal geguckt, Mensch, was habt ihr denn überhaupt für Bier? Und hatte da wirklich so einen Moment, wo ich ein Sixpack aussuchen wollte, und ich konnte mich irgendwie so 10 Minuten lang nicht entscheiden, weil ich alles so cool fand. Also es war alles total toll gestaltet, die Etiketten, es waren lustige Namen, es waren alles Bierstile, von denen ich teilweise noch nie gehört hatte. Und da dachte ich mir, verrückt, also obwohl wir in Deutschland so stolz sind auf unsere Biertradition, kenne ich das Gefühl, dass ich mich nicht entscheiden kann, vom Bierregal, aber nicht, weil ich alles so cool finde, sondern weil alles eigentlich relativ gleich ist mittlerweile. Es ist alles relativ langweilig geworden. Und dachte mir, warum macht denn keiner cooles Bier? Und in diesem Moment dachte ich, dass das vielleicht mal cool wäre, das irgendwann in meinem Leben als kleines Nebenprojekt zu machen. Und das hat sich dann tatsächlich so ein bisschen verselbstständigt. Also dieser Moment war im Januar 2014. Habe dann ein paar Wochen später einen Freund aus Studienzeiten wieder getroffen, der auch das Thema Bier sich gerade angeguckt hat, und zwar als Vater-Sohn-Hobby. Der wollte sich mit seinem Vater das Brauen beibringen.
Also du hast einen alten Studienfreund getroffen und der wollte mit seinem Vater was machen? Die wollten sich selber Bierbrauen beibringen?
Erzähl mal. Genau, die wollten als Vater-Sohn-Hobby quasi das Homebrewing oder das Heimbrauen anfangen. Das ist mittlerweile ein riesiger Trend, ist auch gar nicht so trivial. Man fängt meist so auf dem Glühweinkocher an, aber es ist wirklich eine Wissenschaft für sich, und es gibt so eine ganz große Hobbybrauer-Community. Sie haben aber bis heute, also Christian und sein Vater, bis heute kein Bier zusammen gebraut, weil wir zwei dann einfach gesagt haben, Mensch, lass uns doch mal gucken, wie weit wir kommen, weil wir so irgendwie in Schwärmen über dieses Thema geraten sind. Und ich dachte zu der Zeit noch, das kann nur ein Hobbyprojekt sein, weil ich kann jetzt nicht meinen Lebenslauf über den Haufen werfen und einfach Bier brauen. Das klingt zu verrückt.
Vor allem wolltest du ja auch digital starten, oder? Bier brauen ist ja nicht so wahnsinnig digital, eher analog.
Das stimmt. Das ist das schönste analoge Produkt der Welt. Wir sind dann aber losgelaufen und das Verrückte war, dass sich irgendwie so eins zum anderen gefügt hat. Auf einmal haben uns alle Leute mit jemandem connected, der irgendwie in der Bierbranche war. Es war wirklich verrückt, als ob man auf einmal das nur immer nicht gesehen hatte, wie viel man irgendwie im Umfeld schon mit Bier zu tun hatte. Das Zweite war, dass ich auf einmal eine wahnsinnige Begeisterung auch für dieses Thema entwickelt habe und gemerkt habe, wie sehr mich das packt und wie sehr ich gerade Bock habe, eine eigene Biermarke zu gründen und wie sehr ich daran, glaube ich, Spaß hätte. Das war so der Punkt, wo wir gesagt haben, da haben wir dann auch noch unseren dritten Mitgründer kennengelernt, jungen Braumeister, der Micha.
Der konnte das, der war Braumeister?
Der konnte das, genau. Also Christian und ich haben kurz überlegt, ob wir uns das selbst beibringen sollen. Wir haben gedacht, wir sollten uns vielleicht noch richtige Kompetenz ins Team holen, weil BWLer können ja immer nichts, können ja mal alles und nichts, ne. Und das war so der Zeitpunkt, wo wir uns auch entschieden haben und gesagt haben, ich glaube, wir sitzen da auf was. Ich glaube, wir sind gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dieses Thema Craft Beer sieht man gerade verstärkt in den Medien, gibt es aber noch kaum in der Gastronomie, und wir glauben, dass wir da in unserer Kombination irgendwie echt was Cooles beitragen können. Und so ist BERLO entstanden.
Okay, und sag mal, du hast gerade BERLO gesagt, wie spricht man es, also man schreibt euch B-E-R-L-O, wie spricht man es aus? BERLO, ja? Das ist richtig, so wie ich es die ganze Zeit sage?
Ja, also so ist ein bisschen die Normdefinition der Aussprache, aber wir spielen natürlich damit, dass keiner weiß, wie man das ausspricht. Das ist der altslawische Ursprung des Namens Berlin. Das heißt so viel wie Sumpfgebiet. Also aus diesem Wortstamm hat sich Berlin gebildet. Und ich sage immer, es verändert sich mit der Länge des Abends und der Anzahl der Biere. Ich habe auch viele Freunde, die sagen „Börlow", „Brillo", was auch immer. Also wir korrigieren nichts. Und das Schöne ist halt, es ist halt so ein Conversation Starter. Also heute noch, wenn ich auf irgendwelchen Festivals oder Messen bin, bin, kommt ständig die erste Frage. Irgendjemand lehnt sich an Tresen und sagt: Wie spricht man das eigentlich aus? Und dann bist du im Gespräch. Also das ist ganz schön.
Das finde ich super, das stelle ich mir genau vor, das ist echt ein guter Türöffner. Apropos Tür, kommen wir zum Handwerklicheren oder mehr zur Immobilie. Wenn ihr eine Brauerei gegründet habt, ja, dann braucht ihr ja, das geht ja nicht einfach so aus irgendeinem WeWork oder irgendeinem Büro oder so. Ihr brauchtet ja dann eine Immobilie.
Nein, am Anfang ging das tatsächlich aus einem Coworking Space heraus. Ach, da gab es noch kein WeWork. Und zwar haben wir uns am Anfang eingemietet bei kleinen mittelständischen Brauereien im Umland, haben Rezepte entwickelt. Micha ist dorthin gefahren, wir haben die Rohstoffe angeliefert und wir haben dort gebraut, also wie eine Mietküche. Das heißt, ganz am Anfang hatten wir tatsächlich nur 2 Büroplätze. Und haben uns immer, wenn wir irgendwelche Kunden getroffen haben oder Journalisten oder was weiß ich, haben wir uns immer in so einer Craft-Bier-Kneipe verabredet, weil wir gesagt haben, das ist völlig unromantisch, jetzt irgendwie sich in so einem Coworking-Space zu treffen und dann über Bier zu sprechen. Aber richtig, nach einiger Zeit, wo wir gesagt haben, okay, Proof of Concept erledigt, die Leute mögen anscheinend die Marke und mögen Bierin noch viel wichtiger. Wir wollen gerne eine eigene Brauerei. Und das ist tatsächlich eine sehr spannende Geschichte. Wir haben so angefangen, ach, in Prenzlauer Berg irgendwie so alte Immobilien uns anzugucken. Und die Idee war eigentlich, eine kleine Spezialitätenbrauerei zu machen, vielleicht mit einem kleinen Ausschank, einer kleinen Bar noch dazu. Und dann sind wir auf das Unser jetziges Grundstück, also auf dem wir gerade zur Miete quasi sind, aber in der Konstellation mit einer eigenen Immobilie, also das ist ganz spannend, gekommen. Das ist ein Stück Brachfläche direkt am Gleisdreieck, direkt neben dem Park, in das wir uns total verliebt haben, also in diese Location. Weil zum einen hast du zwei U-Bahn-Stationen, die sich oberirdisch kreuzen, wissen, bis 2011 war diese Gegend ja überhaupt nicht zugänglich, weil es quasi Sperrgebiet der Deutschen Bahn war. Dann wurde dieser Park geöffnet. Es gab relativ wenig Gastronomie, als wir uns das das erste Mal angeguckt haben, das war Ende 2015. So, und das Besondere an diesem Grundstück ist aber, das hört sich ja alles zu gut, um wahr zu sein an, dass es hier einen Bebauungsplan gibt. Also es gibt Sollen 5 große Bürogebäude auf diesem Grundstück entstehen. Das ist auch weiterhin der Plan. Und zu dem Zeitpunkt, als wir eben mit dieser privaten Immobiliengesellschaft in Kontakt kamen, ging es um eine Zwischennutzung. Das heißt, klassisch wollten die irgendwas mit dem Gelände machen. Wollten das natürlich auch ein bisschen aufwerten. Wollten, dass da was passiert, dass Leute darauf aufmerksam werden. Dass das auch im Stadtbild natürlich positiv belegt ist. Und das fanden wir total spannend.
Wie war denn der Zeithorizont? Was habt ihr euch denn gesagt, wie lange ihr auf das Grundstück könnt?
Also wir haben den Mietvertrag unterschrieben im Januar 2016 und der erste Zeithorizont war September 2019. Also es war nicht sehr lange. Wir haben damals schon darauf spekuliert, dass solche Prozesse in Berlin hoffentlich ein bisschen länger dauern.
Alles richtig gemacht, ist ja auch so, ihr seid immer noch da.
Also am Anfang fanden wir es spannend, weil wir uns auch der Komplexität nicht so ganz bewusst waren. Das heißt, die Idee war ja dann, okay, wir brauchen was Mobiles, wir brauchen irgendwas, was wir wieder abbauen können, was wir möglichst auch woanders wieder aufbauen können.
Genau, das wäre nämlich meine nächste Frage. Also ihr habt da ja was gebaut. Also ihr hattet das Zeitfenster 2 oder 3 Jahre und habt da ja eine Immobilie hingestellt.
Ja, total crazy. Und zwar haben wir die Immobilie aus 38 gebrauchten Schiffscontainern gebaut. Also Schiffscontainer sind ja sehr spannend und wandelbar, gibt es ja Tiny Houses und was weiß ich, was daraus gebaut wird. Es gibt so spannende Objekte wie den Boxpark in London, ich weiß nicht, ob ihr den kennt, wo so verschiedene Stores drin sind. Und unser Plan war dann aber eben wirklich eine komplette Brauerei mit kompletter Gastronomie da reinzubauen. Und Bürofläche, weil wir gesagt haben, okay, also wenn wir schon so crazy sind und eine temporäre Brauerei bauen, dann müssen wir da auch Leute hinlotsen und dann wird das auch nicht nur eine kleine Bar, sondern wir müssen wirklich diesen Ort nutzen und den größer machen. Und so haben wir dieses Projekt geplant, was wirklich völlig, also im Nachhinein ist es wirklich ein bisschen verrückt, dass wir das durchgezogen haben. Also der Zeithorizont, das waren 12 Monate vom Mietvertrag unterschreiben, ersten Architekten-Meeting bis hin zur Öffnung.
Und hat das geklappt? 12 Monate hört sich ultra kurz an.
Cool. Ja, ja, also wir dachten sogar, vielleicht schaffen wir es noch schneller. Also es war sogar noch ein bisschen verzögert. Also das Spannende war eben, dass noch nie jemand, zumindest in Europa nicht, ein Containergebäude in dieser Komplexität gebaut hat. Mit voller Brauerei, mit voller Gastro, mit Bürofläche. Die bisherigen Gebäude aus Containern waren immer mehr Eventflächen oder so was. Oder hatten so Event- und Festivalcharakter. Das Schwierige war eben auch, dass wir dann monatelang, also ich glaube, dieser Prozess von Januar bis April, saßen wir alle 3 Wochen in riesigen Meetings mit unseren Architekten, mit den tollen Architekten, die uns begleitet haben. Das war GRAFT aus Berlin.
Wow, die haben eine Zahnarztpraxis gemacht, das ist super!
Genau, weil du auch Zahnarzt bist. Und saßen also in diesem Riesenraum mit Architekten, Haustechnikplanern, Statikern, die aus allen verschiedenen Richtungen kamen, weil halt jeder dazu geholt wurde, der irgendwas vom Containerbau versteht. Und uns konnte wirklich 3, 4 Monate lang, wollte uns niemand sagen, oder konnte uns niemand sagen, was das Ding kostet. Okay. Weil es einfach, weil keine Erfahrung damit hatte. Und man kann sich ausrechnen, was kosten Container, bis du den hier hast, dann ja nicht so viel. Aber letztendlich wird das ja zum vollen Gebäude mit, mit Haustechnik, mit Isolierung, mit Bodenplatte, mit allem.
Ja, muss ja auch irgendwie zusammengeschraubt werden und halten und so, ne?
Genau, und dicht sein und was weiß ich. Und in der Zwischenzeit, also wir mussten den Mietvertrag unterschreiben und wussten immer noch nicht, was das kostet, mussten die Brauanlage bestellen, das heißt, mussten Finanzierung auch anschieben. Das war wirklich ganz schön, das war ganz schön krass. Also es war wirklich agieren unter maximalem Risiko. Weil wir A nicht wussten, wie lange dürfen wir dort bleiben, B nicht wussten, was kostet uns das, schaffen wir das überhaupt. Und als wir dann auch rausgefunden haben, wie viel es kostet, es war sehr viel mehr, als wir gedacht hatten und geplant hatten, da waren wir eigentlich schon viel zu tief drin. Also sagen wir mal so, es gab noch so einen Zeitpunkt, wo ich gedacht habe, oh Gott, also wollen wir einfach, sollen wir einfach jetzt irgendwie versuchen, noch aus der Nummer rauszukommen. Und wir hatten dann aber schon so viel Zeit und Herzblut und Energie in dieses Projekt gesteckt, und dass wir uns gefragt haben, okay, wenn wir das jetzt aufgeben, sind wir dann noch bei der Sache? Also haben wir dann noch Bock drauf, jetzt noch mal von Neuem anzufangen?
Und Plan B hört sich nicht so an.
Und die Antwort war dann, dass wir gesagt haben, wir glauben so an dieses, an diese Idee von der modularen Brauerei und an diesen Ort, dass wir jetzt einfach Augen zu und durchmachen müssen. Und genau diese Entscheidung haben wir dann getroffen und das haben wir dann auch gemacht. Das heißt, wir müssen uns erstmal um die Finanzierung noch weiter kümmern, wo wir wirklich die verschiedensten Quellen dann noch angezapft haben.
Wie geht denn das mit so einer Finanzierung, wenn man so ein junges Startup ist?
Ja, also bei uns war es eine Mischfinanzierung. Also es ist ja auch keine klassische Immobilie, wo jetzt jede Bank sagt, das mache ich, weil temporär, weil Container, Verwertbarkeit für den Nächsten eher nicht so. Das heißt, wir mussten das stückeln. Wir haben zum Beispiel die Brauanlage, die konnten wir über eine Bankfinanzierung machen, weil da wissen die, okay, das ist eine Brauerei, die kann ich danach, die hat dann den Wert, kann ich dann weiterverkaufen. Da musst du natürlich als junges Startup trotzdem irgendwie privat komplett bürgen für diese Sachen. Dann haben wir Business Angels mit aufgenommen, das heißt, wir haben ein paar Anteile an unserem Unternehmen abgegeben an ein paar coole Unterstützer, die immer noch an Bord sind, die gesagt haben, sie unterstützen das. Wir haben die eigenen Bankkonten geplündert, wir haben zum Beispiel einen Gastro-Teil haben wir über Leasing finanziert, das heißt Küche, Möbel etc. konnte man über Leasing machen und haben tatsächlich auch noch ein paar Fördermittel bekommen. Also es war so eine totale Mischfinanzierung, die wir uns da zusammengestückelt haben.
Okay, aber du bist ja BWLerin, von daher hast du vor sowas wahrscheinlich nicht so viel Respekt.
Ja, also Respekt habe ich da trotzdem vor. Das hatte ich vorher auch noch nie gemacht und vor allem war das vielleicht auch noch ganz spannend oder auch ein bisschen bescheuert. Also Ja, ja, wir haben selbst die Bauleitung gemacht.
Ah, das wollte ich nämlich fragen. Ernsthaft, ihr habt selbst die Bauleitung gemacht?
Ja, total dumm.
Und wer, ihr drei alle zusammen?
Ja, ja, ja. Also es war, also wir hatten natürlich unsere Architekten, die dann dabei waren, und dann gab es noch mal eine Baufirma, die das gemacht hat. Aber das war im Nachhinein, glaube ich, der größte Fehler. Wo ich denke, hätten wir uns da nur einen professionellen Bauleiter irgendwie engagiert, dann hätten wir glaube ich so viel Geld am Ende gespart, und zwar allen, den Baufirmen, uns selbst etc. Und wir haben das wirklich selbst gemacht und waren da fast das ganze Jahr 2016 auf dieser Baustelle und in Jofixes mit allen Beteiligten Crazy, was hast du da gelernt? Also erstmal, wie gesagt, dass man sich lieber Profis reinholt. Ich glaube, alle haben wahnsinnig viel gelernt an diesem Projekt. Also es war auch, es mussten so viele Dinge mehrmals gemacht werden. Ja, also gerade diese Container, das ist so spannend, wie die sich, also du hast ja ein wahnsinnig statisches Objekt, ja, deswegen werden die auch immer so hochgestapelt auf irgendwelchen Hochseekähnen. Und sobald du aber irgendwas mit diesem Container machst, sobald du eine Tür reinschneidest, verliert das komplett die Statik und du musst alles noch mal neu verstärken. Dann wurden die Container, standen die alle hier, und dann hat die Baufirma schon mal angefangen, die auszubauen und zu isolieren. Und dann wurden die erst gestapelt und dann hat man gemerkt, oh Mist, da geht ja alles nochmal kaputt. Also es wurde alles 2- oder 3-mal angepackt. Und da sind so viele wirklich technische Details nochmal aufgekommen, die man vorher nicht bedacht hatte, weil es halt einfach nicht konventionelles Bauen ist. Interessante Anekdote ist zum Beispiel, dass sich Container je nach Winter oder Sommer, also mit Wärme und Kälte, bis zu 5 Zentimeter verziehen. Das heißt, auf einmal gehen irgendwie Türen nicht mehr auf oder es regnet auf dem Dach. Also ja, es war auf jeden Fall überhaupt nicht konventionell und ein riesiger, riesiger Kraftakt. Ich glaube, also ich bereue es auf keinen Fall. Im Nachhinein war das, als wir dann hier eröffnet haben, wir haben dann nach und nach den Biergarten ausgebaut. Mittlerweile hier über 700 Sitzplätze im Biergarten, innen das Restaurant, das sehr bekannt ist, mit 130 Sitzplätzen. Also es ist schon ein toller Ort entstanden, der uns natürlich auch so ein Gamechanger in Sachen Wahrnehmung war in Berlin. Also für viele ist er gar nicht mehr wegzudenken.
Ja, mich würde noch interessieren, ob ob das mit den Containern rückblickend die richtige Entscheidung war, denn ihr habt ja ziemlich viele offene Flächen. Das heißt, ihr musstet total viele Wände rausnehmen und so weiter. Ist denn dann von dieser Modulbauweise noch so viel übrig?
Ja, da ist schon viel übrig. Also wir haben, die Container werden ja quasi so wie Lego gestapelt und dann werden Innenräume geschaffen. Das ist immer so ein bisschen schwer vorstellbar. Also wir haben wirklich keine andere Wandstruktur außer Container und ein paar Fenster. Und zum Beispiel, also das Gebäude ist 4 Container lang, 3 Container hoch, und die, die Dachebene sind einfach 20 Container, die also aneinandergereiht wurden. Also diese Modulbauweise ist schon vorhanden, allerdings sind natürlich so Sachen wie Die Heizungsrohre mussten auf einmal durch 3 Container durchgeschnitten werden. Also es ist nicht, also bei Weitem nicht trivial, dieses Ding wieder auseinanderzubauen. Und ich will auch noch gar nicht dran denken. Hätten wir wahrscheinlich zum gleichen Preis irgendwie eine, keine Ahnung, Leichtbauindustriehalle bauen können? Ja, hätten wir. Wäre aber nicht so cool.
Genau. Da bin ich total bei dir. Also du hast es jetzt ja gesagt, euer Standort ist temporär. Ich glaube, da kommen 5 Bürogebäude hin, hast du gesagt. Ich hatte was von 3 Hochhäusern gehört. Wie geht es denn dann weiter? Habt ihr schon einen neuen Ort? Packt ihr dann die Container ein und zieht weiter aufs nächste Feld?
Wir haben noch keinen neuen Ort. Also wir wollen auch weiter gastronomisch wachsen. Das heißt, das ist im Prinzip erstmal unsere Aufgabe jetzt, die nächsten 2, 3 Jahre, die wir wahrscheinlich noch haben, dazu zu verwenden, diesen, diesen Footprint, den wir hier am Deichstreck haben, irgendwie auch zu verlagern. Also vielleicht auf mehrere Locations, ja, dass wenn wir hier weg müssen, das zumindest für uns nicht so schlimm ist. Und wir werden immer mal wieder angesprochen: Mensch, sucht ihr schon einen neuen Standort? Das Ding ist, ich meine, jedes Jahr, was wir hier noch haben, ist super für uns. Und ich kann jetzt irgendwie gar nicht anfangen zu planen, irgendwo hinzuziehen, wenn ich noch nicht weiß, wann ich hier überhaupt weg muss. Deswegen lassen wir das ehrlich gesagt ziemlich auf uns zukommen. Gleichzeitig möchte ich jetzt auch nicht vom Gleisdreieck dann als nächsten Ort nach Lichtenrade— sorry, nichts gegen Lichtenrade, aber einfach so von der von der zentralen Location.
Ja klar, ich glaube, Hans-Willi will auch nicht, dass ihr geht.
Ja, und deswegen müssen wir, wenn, äquivalent guten Standort finden. Und ich glaube, wir werden es auf uns zukommen lassen, und wenn dann der Zeitpunkt feststeht, dann werden wir einfach einen Aufruf starten und eine kleine Kampagne draus machen und sagen, hey, wer will uns, wo sollen wir hinziehen? Und dann, ja, mal gucken. Also ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir das Gebäude vielleicht noch mal ganz woanders aufbauen.
Vielleicht Singapur.
Ja, wirklich. Also vielleicht hat jemand Lust auf dieses Konzept und dann gehen die Schiffscontainer wirklich auf Reisen.
Das ist doch eigentlich noch viel besser.
Ja, ich bin gespannt, wie viel— ich glaube, da geht auch ein bisschen was kaputt, wenn wir auseinanderbrechen.
Aufbaut.
Bin gespannt, wie viel man neu bauen muss. Aber ja, das sind so die Überlegungen. Deswegen sind wir da eigentlich, lassen wir das einigermaßen entspannt auf uns zukommen, so entspannt man das machen kann.
Ja, du wirkst auch ziemlich entspannt. Okay, ich fasse das mal zusammen. Du hattest den ersten Gedanken auf Weltreise in Australien, hast dann Biertasting gemacht und hast dir gedacht, geil, das finde ich gut, hattest aber keine Ahnung von Bier. Hast dir dann überlegt, Dass du einfach nach Berlin zurückgehst und eine Bierbrauerei gründest. Du hattest kein Grundstück, du hast dir ein Grundstück gesucht. Du hattest keine Immobilie, du hast aber nicht einfach irgendeine Immobilie dir ausgesucht, sondern hast eine ganz neue Bauart dir ausgesucht, nämlich du hast mit Containern gebaut, was vorher noch keiner gemacht hat in dieser Dimension. Du hattest keine Ahnung davon, wie man Bier braucht. Jetzt hast du eine Brauerei, die mega hip ist, eigentlich die hippste in Berlin, mit 700 Sitzen draußen, 200 Sitzen drinnen. Alle kennen dein Bier. Man kann es auch überall kaufen. Und jetzt sitzt du hier total entspannt und denkst darüber nach, das Konzept in die Welt hinauszutragen, ne? Gehst auf Reisen. Und das Ganze hast du gemacht als Frau mit so viel Mut. Das finde ich total beeindruckend.
Dankeschön. Ich glaube, die Gelassenheit trügt manchmal, oder ist— muss man irgendwie— lernt man mit viel Also es sind natürlich auch viele Höhen und Tiefen dabei gewesen, von den jetzigen Tiefen ganz zu schweigen, die uns gerade die Weltlage einbringt. Aber ja, ich möchte es nicht missen. Also das ist— ich bin natürlich auch stolz auf das, was wir zusammen hier im Team da auch geschafft haben. Und ja, bin auch echt gespannt, wo es uns weiterhin verschlagen wird. Ja, wie gesagt, vielleicht bauen wir die Container in einem komplett neuen Land auf. Das war so ganz am Anfang, haben wir auch gedacht, wir machen da einfach 20 Brauhäuser auf der ganzen Welt, genau in diesem Containermodus. Als wir dann durch dieses Bauprojekt durch waren und alle völlig fertig, inklusive alle beteiligten Gewerke, Aber macht das doch mal wirklich.
Überall gibt es so ein Paulaner Brauhaus, super langweilig. Wäre doch viel geiler, wenn es überall so ein Berlo gibt.
Das stimmt. Die Frage ist nur, ob wir das noch mal in Containern machen. Das ist nicht so ganz scalable, ehrlich gesagt. Aber die Idee ist schon, dass wir auch hoffentlich irgendwann über Deutschland hinaus Berlo tragen. Also es bleibt spannend.
Super, da freue ich mich total drauf. Du hast mit Bärlow einen total tollen Ort geschaffen. Also du hast wirklich ein Stück Berlin verändert und du hast vorhin gesagt, der Gleisdreieckspark war eine Brachfläche zwischen Kreuzberg und Schöneberg. Man kannte das nicht so richtig und du hast das total zum Leben erweckt. Und man geht jetzt nicht zu euch, um einfach nur Bier zu trinken, sondern man kann da auch den ganzen Tag mit der Family abhängen. Ich habe da einen Riesenspielplatz und Sandkasten und so weiter. Meine Kita, die die ganzen Sommerfeste und so was, die sind auch immer bei euch. Wir bei happy immo sagen, oder wir haben das Motto „Do good and be happy", und dazu zählt eben auch genau dieser Aspekt, Orte zu verändern, tote Flächen in der Stadt zum Leben zu erwecken und den Menschen was zurückzugeben. Was bedeutet das denn für dich, „do good"?
Ja, ich glaube schon, dass wir, also wir versuchen halt wirklich hier in der Community auch einen Beitrag zu leisten als lokale Brauerei, sei das, und zwar in allen Aspekten. Zum einen, ja, glaube ich, haben wir wirklich einen tollen Ort geschaffen, der vielen Leuten viel Freude bringt, viele gute Erinnerungen bereits geschaffen hat. Und zum anderen wollen wir natürlich hier auch lokal agieren, so nachhaltig wie möglich. Das heißt, wir wollen gucken, dass wir so lokal wie möglich einkaufen, sei das bei unseren Rohstoffen fürs Bier oder bei unserer Küche. Das hatte ich vorher nicht erwähnt, wir haben auch ein ganz besonderes Küchenkonzept, in dem wir uns auf Gemüse fokussieren, wo Fleisch quasi nur die Beilage ist, was ja für ein Brauhauskonzept auch einigermaßen revolutionär ist, zumindest als wir das im Januar 2017 dann hier gestartet haben. Und ja, das bedeutet das für mich auch, also dass wir, dass wir Projekte hier auch in der Stadt unterstützen, sei es mit Bier oder auch mal mit Geld, oder, und irgendwie hier offen sind für alle Stakeholders, die auch Lust haben was zusammen zu machen. Also ja, ein Geben und Nehmen. Und ich hoffe, dass wir diesen Ort hier noch möglichst lange behalten dürfen und dass die nächsten Orte dann wenigstens halbwegs so magisch werden wie hier in Gleisbreit.
Ja, das hoffe ich auch. Du hast jetzt ja, wir sagen auch, wir brauchen mehr weibliche Investorinnen. Und du hast dich jetzt wirklich in den ziemlich vielen Männerdomänen durchgesetzt, ne? Du hast gebaut, du hast die Containerbranche erobert, du bist am Bier dran. Was sind denn so die drei, deine drei Top-Punkte, die du Frauen auf den Weg geben möchtest?
Ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass man nicht alles von Anfang an können muss und auch nicht alles von Anfang an komplett durchdacht haben Das kann man sich beibringen oder sich gute Leute mit an Bord holen. Und das komplett von A bis Z durchdenken kommt sowieso immer anders, als man denkt. Ob das jetzt der erste Businessplan ist oder Kalkulationen für ein Gebäude oder sonst noch was. Also ich glaube, das ist wahnsinnig wichtig, wichtig, dass man da eine große Flexibilität sich behält, auch eine Resilienz, um eben auf solche unvorhersehbaren Dinge eben dann zu reagieren und entsprechend gegenzusteuern. Und gleichzeitig eben da den einfach den Mut hat, weil glaube ich wahnsinnig viele Frauen immer erst alles vorher zu 100% durchdacht haben wollen oder können wollen oder sich ganz, ganz sicher sein wollen. Und so funktioniert es aber halt oft nicht. Oder ich glaube, man bremst sich dann wahrscheinlich selbst aus und ist dann am Ende eigentlich überrascht, was man doch alles kann und auf die Beine stellen kann. Also das waren jetzt nur zwei Dinge, aber sehr groß verschachtelt. Ich glaube, das ist sehr wichtig.
Das waren zwei super Tipps, einfach machen und Mut zum Springen. Das ist so ein super Beispiel, was du uns hier gerade alles erzählt hast, Katharina, und was du eben auch machst. Das ist auch das, was wir bei happy immo immer sagen: Man muss nicht alles wissen, man muss auch nicht alles perfekt können, man kann Fragen stellen, man kann sich Profis zu Hilfe holen, und dann ist das Wichtigste, dass man einfach loslegt und rausgeht und macht.
Ja, genau so ist es, und Ich glaube, wir brauchen einfach mehr Vorbilder, noch mehr in sämtlichen Bereichen, wie ihr das jetzt gerade mit Happy Immo versucht, im Immobilienbereich. Und ja, man muss, glaube ich, einfach sehr viel mehr Frauen Mut machen, einfach den ersten Schritt zu wagen.
Das war ein ganz tolles Gespräch. Ich trinke jetzt hier deinen Happy-Pilz aus. Ich finde ja total super, dass es auch noch Happy-Pilz heißt. Und bedanke mich.
Danke dir, Anais. Tschüss! Ciao!
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