Let's talk Frauen in Führing mit Anne Tischer
10 May 2023 · 36 min
In this episode of the Happy Immo Podcast, host Anaïs interviews Anne Tischer, founder of the consultancy Karma She Said and the association Frauen in Führung. Anne explains her mission to promote diversity, values‑based management and greater female representation in the German real‑estate and construction sectors. She highlights the stark gender imbalance – roughly one woman in ten top‑management positions in the industry – and discusses how this limits cultural change and sustainable decision‑making. The conversation turns to a recent scandal at the ZDB (Zentralverband der Deutschen Bauwirtschaft) where a senior executive made a sexist remark onstage; Anne’s organization amplified the incident, gathered industry sign‑ups for an open letter, and pressured the association to apologize, using the episode as a case study of entrenched sexist culture. They then explore systemic barriers that prevent women from investing in property: perceived lack of capital, limited financial literacy, family background without property ownership, and distrust of banks. Anne shares her own journey toward investing, including her focus on sustainable funds and the difficulty of identifying truly green products. The dialogue moves to practical advice for women on career progression, negotiating parental leave, part‑time leadership, and choosing employers with supportive cultures. Finally, Anne outlines upcoming initiatives for 2024: launching a speaker‑pool to increase female representation on panels and a Male‑Ally campaign to involve men as change agents. Throughout, the episode blends personal anecdotes, industry data, and actionable recommendations aimed at reshaping the real‑estate sector’s culture.
Chapters
Herzlich willkommen zum Happy Immo Podcast. Heute zu Gast Anne Tischer. Hallo Anne.
Hallo Anais.
Cool, dass wir es endlich schaffen. Aber jetzt haben wir uns total schön. Wie geht's dir?
Mir geht's ganz gut. Ich bin noch ein bisschen erkältet. Ich hoffe, das hört man heute im Podcast nicht irgendwie meiner Stimme an. Aber ich habe hier den Tee neben mir. Ich glaube, die Stimme hält. Und sonst geht's gut.
Anne, wer dich nicht kennt, stell dich kurz vor. Wer bist du?
Also ich bin ja, ich bin irgendwie ganz vieles, wie viele Frauen. Also ich bin selbstständig seit 3 Jahren, habe eine eigene Firma gegründet, die heißt Karma She Said. Das ist eine Kommunikation. Ja, finde ich auch, finde ich auch. Viele Leute fragen aber oft so, hä, Karma She Said, wie Karma She Said, was Soll das bedeuten? Ich habe ja auch so einen kleinen Subtitle unterm Logo, damit das quasi erklärt wird. Also es ist Karmaschiset Kommunikation für Diversität und werteorientiertes Management, damit man so ein bisschen Begriff hat, was Karmaschiset eigentlich macht, nämlich Unternehmen zu helfen, sich also in den Führungsteams besser zu mischen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, aber generell einfach mehr Vielfalt in die Führungsebenen zu bekommen. Sich eben auch mehr über Werte zu positionieren und über ihre Haltung als Unternehmen, anstatt jetzt über ihre Zahlen, wie das im Moment noch viele Unternehmen machen. Also das mache ich beruflich seit, seit knapp 3 Jahren. Außerdem habe ich vor mittlerweile etwas mehr als 4 Jahren einen Verein gegründet, der heißt Frauen in Führung und hat sich das Ziel gesetzt, mehr Frauen in die Führungspositionen der deutschen Immobilienwirtschaft zu bekommen. Was bei mir auch so war.
Warum findest du, dass da ein Bedarf besteht?
Weil da ein Riesenbedarf besteht. Also ich meine, das ist ja in der Immobilienbranche nicht anders als in anderen Branchen der Wirtschaft. Das ist ein Riesenmännerüberhang in den Führungsebenen. Also wenn man mal konkret auf die Zahlen schaut, wir haben ungefähr nur jede zehnte Position im Topmanagement in der Immobilienwirtschaft mit einer Frau besetzt.
Weißt du zufällig, wie es im Durchschnitt ist über alle Branchen? Ist das überall nur jede zehnte? Jede Zehnte ist ja total krass.
Also ich meine, ich wusste schon, dass es unterirdisch ist in der Immobilienbranche.
Aber jede Zehnte ist ja noch viel schlimmer, als ich gedacht habe.
Ja, also es gibt natürlich Zahlen, wie es aussieht in den Vorständen der gelisteten Unternehmen. Es gibt auch Zahlen, wie es aussieht in den Vorständen der größten Unternehmen. Und da sehen wir zumindest, was den DAX betrifft, jetzt deutlich Bewegung seit einiger Zeit. Also da werden jetzt viel mehr Frauen in die Vorstände der DAX-Unternehmen rekrutiert. Im MDAX und SDAX ist die Entwicklung da ein bisschen verhaltener. Aber im Schnitt, wenn man jetzt mal vergleicht, ungefähr jede 10. Position im Topmanagement mit einer Frau in der Immobilienwirtschaft. Und den gelisteten Unternehmen hinkt die Immobilienwirtschaft da deutlich zurück. Ja, und Frauen in Führung hat sich eben das Ziel gesetzt, da für frischen Wind und zu sorgen, um eben einfach die Immobilienwirtschaft auch kulturell weiterzuentwickeln. Also mit diesen weiblichen Perspektiven in den Führungsebenen auch zu anderen Entscheidungen zu kommen, zu nachhaltigeren Entscheidungen zu kommen, zu mehr Offenheit zu kommen in den Unternehmen für Veränderungen im Umfeld, mehr Innovationen, aber auch einer anderen Unternehmenskultur, in der sich die Leute in Unternehmen einfach wohler fühlen. So, und all das haben wir uns so auf die Fahnen geschrieben und machen seit einigen Jahren. Es macht auch wahnsinnig viel Spaß, aber es ist auch insgesamt schon auch dicke Bretter, die wir da bohren.
Das stimmt, aber ihr macht das auch wahnsinnig erfolgreich. Euer letzter Riesenerfolg war ja das Öffentlichmachen des Videos. Vielleicht magst du kurz erzählen, was da passiert ist. Also auf jeden Fall war das, also es gab eine, erzähl du mal schnell, was da passiert ist und dann sage ich dazu, was so krass war an eurer Arbeit.
Ja, also das war ja ein Thema, was uns auch verbunden hat. Ihr habt ja mit Happy Immortal auch unterstützt. Also noch mal ganz kurz für die, die es die es nicht mitbekommen haben.
Ja, aber ihr habt einfach so krass getrommelt. Ihr hattet ja 100.000 Likes oder so, ne? Das haben wir nicht geschafft.
Ja, also 100.000 Likes weiß ich nicht, aber wir hatten ganz, ganz viele Views. Da kann man ja mal gucken irgendwie, wie viele Leute haben das wirklich gesehen und darauf reagiert. Also es gab eine Riesenresonanz und es ging um Folgendes: Es gab eine Veranstaltung eines großen Bauverbands, ZDB, Zentralverband der Deutschen Bauwirtschaft, und der hatte Ende November eine Veranstaltung in Berlin. Und der Präsident dieses Verbands hat also da der Moderatorin gegenüber auf der Bühne vor versammeltem Publikum und auch einiger bekannter Politikerinnen und Politiker im Publikum, also die Moderatorin, auf deren freundlich gemeinte Frage: Darf ich Ihnen den roten Teppich ausrollen? geantwortet: Wollen Sie sich ausziehen oder was? Und dann so gelacht und viele im Publikum haben mitgelacht. Und das Ganze wurde aufgezeichnet, also die Veranstaltung, und von dem Verband zunächst auch auf deren Verbandswebsite und auf deren YouTube-Kanal gestellt. Da habe ich das dann auch gesehen.. Und so sind wir darauf aufmerksam geworden und haben das dann unsererseits mitgeschnitten und veröffentlicht. Und das hat dann eben für ein Riesen— zu Recht für ganz viel Empörung und Unverständnis, Entsetzen gesorgt. Und wir haben dann aber feststellen müssen, dass der Verband also komplett überhaupt nicht reagiert auf dieses Video und, und nicht Stellung bezieht. Und haben dann in einem offenen Brief, den ganz viele Leute aus der Immobilienbranche, aus allen Bereichen, aber auch Initiativen aktiven Vereine, Verbände mit unterzeichnet haben und eben auch ihr öffentlich den Verband dazu aufgefordert, Stellung zu beziehen, und eben auch klargestellt, dass also sexistische Kommentare nichts zu suchen haben in der Branche und nicht in Ordnung sind.
Genau, und dann gab es eine Reaktion, Entschuldigung, ne?
Genau, also dann kam auch ziemlich kurz darauf eine, eine persönliche Stellungnahme des Präsidenten, der diesen Kommentar gemacht hat, und er hatte sich entschuldigt. Wir haben dann noch mal nachgefasst und dem Verband quasi angeboten, ein Gespräch zu führen, weil wir davon überzeugt sind, dass solche Kommentare nicht mal aus Versehen irgendwie mit einem geistigen Aussetzer passieren, sondern dass es einfach auch kulturelle Gründe hat. Ja, also im Verband sind 14 Leute im Vorstand, die wurden auch an dem Tag wiedergewählt, und das sind alles Ich sage mal, also Männer zwischen 50 und 65, so mehr vom Foto her. Und das ist natürlich, wenn du solche Leute an der Spitze hast, das führt automatisch zu einer Kultur, wo Sexismus viel eher gedeihen kann und wo das als salonfähig irgendwie gilt, solche Sprüche mal rauszuhauen. Und eben diese Reflexion und dieses Gespür dafür, wann Kommentare eben nicht mehr okay sind, fehlt.
Genau, die mich total aufregen an dieser Sache, weil so wie du sagst, klar, das könnte jetzt irgendwie so ein fehlgeleiteter Geistesblitz sein, dass einem das einfach mal rausrutscht, aber das darf einem einfach nicht rausrutschen, so was. Das ist total unentschuldbar. Das passiert eben nur in der Kultur, in der man eben öfter genau solche schlüpfrigen Witze macht. Und das ist doch total klar, dass keine Frau Bock hat, irgendwo zu arbeiten, wo es einfach jeden Moment sein kann, dass man sie fragt, ob sie nicht vielleicht Lust hat, sich im Meeting jetzt auszuziehen. Ja, also das ist so das eine Verrückte, finde ich. Und dann das zweite Verrückte, finde ich, das im Publikum— ich will jetzt gar nicht Politiker-Bashing machen, ja, aber das war ja eine Riesenveranstaltung. Christian Lindner, Klara Geywitz als Frau, als Bauministerin, und Friedrich Merz saßen da im Publikum und haben nichts gemacht. Also ich meine, vielleicht waren sie schockiert, aber sie sind nicht aufgestanden. Und sie sind kurz, 5 Minuten später, auf die Bühne gegangen und haben so getan, als wäre nichts geschehen. Ja, also die Moderatorin, die hat das Mikro nicht hingeschmissen, die hat— kann ich verstehen, ja, weil das war auch eine Situation für sie. Aber spätestens wenn Klara Geywitz oder Christian Lindner auf die Bühne gehen, hätten die was sagen müssen. Das ist auch ihr Auftrag, wenn die uns repräsentieren als Minister, Ministerinnen. Dann finde ich total unglaublich, dass das Publikum gelacht hat. Also ich glaube, viele waren auch peinlich berührt, wussten nicht so genau, wie man reagiert und so. Da hätte es einfach so diesen Vorreiter, diese Jeanne d'Arc gebraucht, die aufsteht und sagt: Ihr habt sie nicht mehr alle, ich verlasse die Veranstaltung. Ich glaube, dann wäre das Ganze viel besser ausgegangen. Aber so was gibt es bei uns nicht. Und dann das Dritte, was mich auch wahnsinnig macht, dass dieser Post, also dieses Video, nicht alle Leute gesehen haben. Das ist nicht in der Tagesschau gelandet. Das finde ich total verrückt, weil das ist wirklich eine ganz krasse Sache. Jeder Pups landet in der Tagesschau. Aber dass dann eine Moderatorin auf offener Bühne vor so Ministern gefragt wird, wollen sie sich ausziehen? Das landet da nicht. Finde ich krass.
Warum ist das so, glaubst du? Ich kann dir nicht genau sagen, warum es jetzt nicht in der Tagesschau lief. Also in der Bild-Zeitung war Da ist es gelandet und es ist auch in vielen, vielen Zeitungen, haben das dann auch aufgegriffen und darüber berichtet. Ich habe jetzt auch gesehen, dass es kurz vor Weihnachten gab es auch noch mal einen Artikel im Handelsblatt, wo es erwähnt wurde, aber so als Teil eines größeren Problems, also Sexismus und sexistische Kommentare als Teil eines größeren Problems, was es ja auch ist. Und ich glaube, das, was dich jetzt da schockiert hat, hat ja so viele andere auch schockiert, vor allem auch deshalb, weil so viele sich wiedergefunden haben in der Situation. Also man hat natürlich mit der Moderatorin mitgefühlt. Gefühlt. Ja, so, oh Gott, ja, jetzt muss sie damit irgendwie auf der Bühne umgehen und muss das ja irgendwie, muss sich da irgendwie professionell dazu verhalten. Aber ist natürlich irgendwie auch total bloßgestellt auf eine Art mit so einem Kommentar und muss das irgendwie auffangen.
Und viele, die sich angeguckt haben, ihr Arbeitgeber und so, ne.
Also genau, genau, aber ich glaube auch, diese krasse Resonanz auf dieses Video kam ja auch, weil so viele gedacht haben oder gespürt haben, genau das ist mir auch schon mal passiert. Also vielleicht nicht genau der Spruch, aber die Art von Spruch und die Art von Situation, in einer, in einem Moment, wo du es überhaupt nicht erwartest, ja, in einem Meeting, in einem Gespräch, ja, ich habe auch immer plötzlich einen Spruch zu bekommen, den du irgendwie nicht einordnen kannst und der so unter die Gürtellinie geht und wo es dann auf deinen Schultern lastet, diese Situation irgendwie retten zu müssen. Und wir haben ganz, ganz viel zuschriften bekommen von Leuten, die sich über Instagram gemeldet haben oder die einfach uns eine E-Mail geschrieben haben, die auch angerufen haben oder über LinkedIn geschrieben haben und gesagt haben, genau das ist mir auch schon passiert. Das waren Frauen wirklich auch aus allen Altersklassen, waren auch ein paar Männer dabei, ja, die sich gemeldet haben, gesagt haben, wahnsinnig unangenehm, weil es ein ganz schlechtes Licht auf Männer auch in diesem Alter wirft. Das waren auch Männer, ja, zwischen 50 und 60, die gesagt haben, Ja, das hat uns dann Bärendienst erwiesen, uns Männern, mit diesem Spruch. Aber eben auch viele Frauen, die ihre persönlichen Geschichten dann aufgeschrieben haben, was ihnen passiert ist.
Deshalb werden wir— schade, dass es nicht so ein MeToo-Moment war, ne? Das hätte irgendwie das Potenzial dafür gehabt, aber ist dann leider doch versandet irgendwie.
Wir werden das aber weiter aufgreifen. Also wir haben uns ja dann auch die Köpfe zusammengesteckt, also bei FIF im Vorstand und mit Leuten, mit denen wir uns— die auch den offenen Brief mit unterzeichnet haben. Wir haben ja auch gesprochen und waren uns alle einig, wir müssen dieses Thema— wir dürfen das jetzt nicht irgendwie im Sand verlaufen lassen. Und wir werden das dieses Jahr über eine gemeinsame Kampagne mit den Unterzeichnenden dieses Briefs— wie gesagt, da waren ja auch Vereine, Netzwerke aus allen Bereichen der Immobilien- und Bauwirtschaft mit dabei— mit denen wollen wir eben eine gemeinsame Kampagne machen und sagen, das war jetzt kein einmaliger Ausrutscher da, sondern das ist ein kulturelles und strukturelles Problem in der Bau- und Immobilienwirtschaft, weil wir zu wenig Vielfalt in den Führungsebenen haben. Und damit eine Kultur haben, in der so was lange Zeit ging. Ja, solche Kommentare.
Wahnsinnig toll, dass ihr da so engagiert seid und auch so viel Gehör findet. Ich bin sehr gespannt, wie da die Reise noch weitergeht. Du sagst es, also zu wenig Diversität in der Immobilien- und Baubranche. Weißt du, wo wir noch zu wenig Diversität haben? Im Immobilieneigentümermarkt. Jetzt komme ich nämlich zu deinem Mindset. Du hast noch keine Immobilie gekauft, hast du mir erzählt. Welcher Glaubenssatz hat dich denn gebremst, bisher in eine Immobilie zu investieren?
Das ist eine gute Frage. Also ich glaube, das hat so ein bisschen mehrere Gründe. Also der Glaubenssatz bei mir ist, glaube ich, so ein bisschen: Ich habe nicht genug Geld, um in eine Immobilie zu investieren. Ich glaube, da bin ich eine von ganz, ganz vielen Frauen, die das Gefühl hat, ich habe nicht genug Geld.
Irgendwie so, das höre ich immer. Und dann sage ich: Na ja, also wie viel hast du denn? Kannst du es irgendwie schaffen, 10.000 € zusammen zukratzen, vielleicht in einem Jahr oder so, dann kannst du nämlich investieren. Und dann kommen die meisten so: Ach so, das ist echt interessant. Okay, also zu wenig Geld.
Dann habe ich so das Gefühl, das ist wahnsinnig komplex. Also ich meine, ich habe ja lange in der Immobilienbranche gearbeitet, jetzt in der Kommunikation und Marketing, aber trotzdem, ich war ja quasi umgeben von Immobilienprofis, und trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass da musst du irgendwie so— ah, du musst ganz viel Geld haben, dann musst du natürlich ins Risiko gehen, Kredit noch aufnehmen, wer Gibt dir denn einen Kredit?
Ja, weil ich habe gerade so gesagt, das ist vielleicht auch so ein Männerding, dass man einfach auch, dass sich die Leute auch als ganz schöne Poser hinstellen, die das ganz schön draufhaben und ein hammerhartes Thema da schaffen jeden Tag. Und wir Frauen dann immer denken, das ist ja Wahnsinn, muss ja wahnsinnig schwierig sein, in so eine Immobilie zu investieren. Und in echt ist es aber gar nicht so schwierig.
Ja, also ich habe immer gedacht, wenn so eine Bank, die guckt dann natürlich, was hast du denn da, was ist denn der Anteil an Eigenkapital, den du einbringen kannst? Und dann geben sie dir den Rest, so ungefähr. Und ich hatte immer das Gefühl, dieses Geld kriege ich nicht zusammen. Und, und es kommt dann auch noch mal dazu, ich bin ja in Ostberlin geboren, und in meiner Familie zum Beispiel hat sich niemand mit dem Thema Immobilieninvestments, Vermögenaufbau wirklich beschäftigt. Also meine Eltern haben keine Immobilie, auch irgendwie die Oma, der Opa nicht. Auch in meinem Umfeld hatte eigentlich niemand irgendwie nie ein Eigenheim oder eine Wohnung gekauft. Also doch, bis auf meinen Bruder, der hat dann später schlauerweise in zwei Wohnungen in Berlin investiert. Das war für mich aber so ganz weit weg damals. Aber ansonsten, als ich so in meiner Jugend und Kindheit war, das irgendwie überhaupt kein Thema.
In der DDR durfte man denn, gab es Immobilienbesitz?
Ja, es gab Immobilienbesitz, so im privaten Bereich. Ich glaube, staatlich war das ja alles, also da war ja ganz viel so Immobilien auch in Staatsbesitz. Und zum Teil, wenn ich mich richtig erinnere, also nach der Wende gab es auch so eine Welle, wo dann so Grundstücke auch rückübereignet wurden oder Immobilien rückübereignet wurden an westdeutsche Besitzer, die dann eben ihre Ansprüche geltend gemacht haben. Und auch ansonsten, es wurden ja durchaus in Ostdeutschland nach der Wende Immobilien gekauft, aber eben vor allem von Westdeutschen, die dann das Geld hatten. Ja, also bis heute ist die Mehrzahl der der ostdeutschen Immobilien im Besitz Westdeutscher.
Das ist wirklich total verrückt. Das klingt nach so einem Ausverkauf. Ich überlege gerade mal, ja, meine Co-Founderin von Happy Immo, die ist ja in Bulgarien groß geworden und das war auch ein kommunistisches Land. Und inzwischen ist es aber glaube ich so, dass dort, die genaue Zahl kann ich dir nicht sagen, aber so was wie zwischen 80 und 90% der Bewohner haben Eigentum. Also das ist eigentlich interessant, dass es so viele ehemalige kommunistische Länder, also in denen man eben kein Eigentum hatte, gibt, in denen die Leute sich dann aufs Eigentum gestürzt haben oder die das Bedürfnis einfach hatten, sich die Wohnung zu sichern, in der sie wohnen wollen, als sie es dann konnten. Und dass das bei uns gar nicht so ist, das ist wirklich spannend.
Ich finde das auch total spannend. Es gibt auch totale Unterschiede international. Ich war auch vor ein paar Tagen auf einer Veranstaltung hier von den Immo-Frauen und da war auch eine eine Frau auf dem Panel, die aus Italien, glaube ich, ursprünglich kommt und die auch erzählt hat, in Italien ist es viel verbreiteter, dass die Leute dort die Häuser besitzen. Ich kann mir das vielleicht auch ein Stück weit damit erklären. Also wie gesagt, es gab ja, es gab ja Immobilien oder viele Immobilien, die dann zurück in westdeutschen Besitz gewandert sind nach der Wende. Und dann gab es ja auch in der Nachwendezeit eine riesige Verunsicherung. Also die Leute hatten wirklich ganz viele Sorgen und nicht unbedingt jetzt den Kopf frei zu überlegen, ob sie nicht in Immobilien investieren wollen. Also das war ja eine Riesenunruhezeit im Osten, wo erst mal viele ihre Jobs verloren haben, sich zurechtfinden mussten in einem neuen Rechtssystem, in einem neuen Steuersystem, ja, neue Währung. Also da war ja ganz viel auch Verunsicherung da. Ja, ich weiß nicht, wie es in anderen östlichen Ländern war. Aber diese Phase gab es halt in Ostdeutschland definitiv. Und ich glaube, das wirkt sich bis heute nach, also dass das einfach viel Wissen um Vermögensaufbau, Immobilieninvestitionen nicht da war und damit auch nicht weitergegeben wurde an die jüngere Generation.
Also in meinen Gesprächen höre ich sehr oft, dass noch eine andere Gruppe das Wissen nicht weitergegeben wird. Und zwar sind das ganz oft die Frauen, die Töchter, also auch in westdeutschen Familien. Ganz oft höre ich ja, Geldgeschäfte, das war immer so zwischen meinem Bruder und meinem Papa, die haben das besprochen und so, und ich war da irgendwie, ich als Mädchen war da irgendwie raus. Das ist so unser Ziel mit Happy Immo, das eben aufzubrechen, ne, also allen Leuten den Zugang zu diesem Wissen zu verschaffen, damit eben jeder sich eine Immobilie vom Wissen her kaufen kann, ja. Denn es ist wirklich kein Hexenwerk, und da würden wir euch gerne an die Hand nehmen und euch einfach zeigen, wie das geht. Was würde dir denn helfen?
Also wirklich auch so ein Stück weit dieses an die Hand gehen, oder einfach jemand, wo ich das Gefühl habe, Habe, da kann ich mit jemandem reden, der Ahnung hat und der jetzt nicht irgendwie so ein Eigeninteresse hat, mir irgendwas zu verkaufen. Also ich war in meinem Leben irgendwie, wenn ich, wenn ich eine Bank war, ne, und da beraten die dich ja, die laden dich dann ja irgendwie auch alle paar Jahre mal ein und wollen irgendwie mit dir über dein Geld reden und was du tun sollst, Altersvorsorge und so, ist ja eigentlich auch für Frauen super, super wichtig. Und ich saß dann immer so da und hatte immer das Gefühl, ne, die malen so standardmäßig ihre Dreiecke da auf ihr Flipchart, um mir also hier irgendwas Wollen wir irgendwas verkaufen und mir irgendwie schlechtes Gewissen machen? Und ich habe mich da immer dann so ein bisschen entzogen, weil ich das Gefühl hatte, die sind nicht neutral, und habe das nicht gemacht. Und beim Thema Immobilienkauf, also ich glaube, dass es super, super sinnvoll ist, das zu tun. Und ich glaube, ich bin aber jetzt erst in meinem Leben auch an einem Punkt angekommen, wo ich wirklich das Thema angehen kann.
Und selbst wenn du Lust hast, dann genau, dann kommst du zu uns in den Club und dann gehen wir dieses Thema gemeinsam an. Denn viele sagen ja auch, dass sie sich zu alt fühlen. Das bist du überhaupt nicht, alt. Aber eine Immobilie ist ein langfristiges Investment, ne, das stimmt schon. Also bis man quasi die Früchte erntet, gehen mindestens 10 Jahre ins Land, eher 20. So, aber trotzdem ist es total super, damit jetzt anzufangen. Ja, also es ist also besser lieber spät als nie. Das ist auch eine Frage, was will man seinen Kindern vererben, was will man hinterlassen. Und eine Immobilie kann einem aber auch schon ganz, ganz viel helfen, wenn sie halb abbezahlt ist, und das hat man nach 10 Jahren. Ja, das vergessen eben auch viele. Und was ich an Immobilien so klasse finde, ist, dass es den Hebeleffekt gibt, dass man eben nur 10%, also im Moment jetzt durch die Krise ist es vielleicht bisschen mehr, aber so viel mehr ist es auch nicht, aber man muss im Prinzip 10% Geld mitbringen vom Wert, und den Rest finanziert einem die Bank. Und wenn man die Wohnung dann so aufsetzt, dass die Wohnung, dass die Miete alle Kosten trägt, dann hat man quasi einmal diese 10% investiert, und dann wartet man, und irgendwann gehört einem die Wohnung, und man bekommt die ganze Miete als zusätzliche Rente. Also das finde ich nämlich ziemlich charmant an Immobilien. Und dann finde ich eben auch ziemlich charmant, Eigentümerin zu sein und dir zu überlegen, also du jetzt einfach, an wen vermietest du eigentlich, ne? Und die machst du, die Wohnung, machst du die schön, machst du da schönes Stück München, du wohnst ja in München, also machst du da, oder wo auch immer du investieren willst, gibst du einer alleinerziehenden Mutter die Chance, eine coole Wohnung zu haben. Solche Sachen, ja, das finde ich einfach ziemlich toll, was man für eine Power und für eine Macht auch hat, einfach nur weil man eine Wohnung hat, in der man jemand anderem so ein Leben ermöglichen kann. Ja, bist du denn sonst, wie bist du denn sonst veranlagt, oder wie geht es deinen Finanzen sonst? Hast du ETFs, Aktien oder so?
Also ich habe angelegt in so Nachhaltigkeitsfonds und habe dann aber festgestellt, ich hatte es jetzt auch noch mal zwischen Weihnachten und Neujahr auch noch mal neu irgendwie auf meine Agenda gesetzt, mal zu schauen, was es so für ETFs gibt, die wirklich nachhaltig sind. Und dann gibt es ja so bei Stiftung Warentest und Finanztipp und noch so ein ECO Reporter heißen irgendwie, so kann man sich schlau machen, was steckt denn jetzt wirklich in diesen, in diesen Nachhaltigkeitsfonds drin? Und war dann aber zum Teil total entsetzt, was sich da alles so nachhaltig nennt, weil da am Ende dann auch da irgendwie so, ja, eigentlich ganz oft Microsoft drin steckte und Tesla. Und das war dann irgendwie so, das war das so das Maximum an Nachhaltigkeit. Aber auch so Nestlé und so Firmen, wo ich dachte so, warum ist das jetzt besonders nachhaltig?
Und warum? Hast du die Antwort drauf?
Nee, eben nicht. Also ich habe mir jetzt noch mal eine strengeres, ich habe mir wirklich ein Abo abgeschlossen über, es liegt hier auch irgendwo auf meinem Tisch, ich muss mal gucken. Eco Reporter heißen die und die sind noch mal, die gehen dann noch mal viel mehr in die Tiefe und beleuchten wirklich, was ist jetzt wirklich nachhaltig und was sind jeweils die Kriterien und was nennt sich nur nachhaltig?
Was ist Greenwashing und was ist wirklich Green?
Genau so. Und insofern, also ich bin jetzt definitiv dran an dem Thema gedanklich, dass ich überlege, wie investiere ich? Aber tatsächlich auch erst jetzt in meinem Leben, weil ich lange Zeit, dass ich war ja auch alleinerziehend viele Jahre, und da war es wirklich sau schwierig, irgendwie wirklich Geld zurücklegen zu können.
Hätte dir da irgendwas helfen können, was zurückzulegen?
Mehr Gehalt.
Ja, aber das ist vielleicht auch so ein Punkt, den Frauen lernen müssen, für mehr Gehalt einzustehen. Es gibt ja auch so diesen Spruch, ja nee, also der Mann muss auf jeden Fall jetzt befördert werden, die Frau ist schwanger, der muss jetzt eine Familie ernähren. Und das könnten wir Frauen auch mal anfügen. Also ich brauche einfach mehr Geld, absolut. Bin ich jetzt teurer? Da müssen wir auch lernen, mehr für uns zu kämpfen.
Absolut. Das ist ja auch so ein Stück weit dieses Selbstbewusstsein, dieses zu wissen, was man kann, Und das auch nach außen zu kommunizieren, ist etwas, zumindest ging es mir so und geht es vielen anderen, glaube ich, auch, das lernt man erst über die Jahre. Ja, es sei denn, man ist jetzt mit so einem Wahnsinns-Selbstbewusstsein irgendwie auf die Welt gekommen oder hat das irgendwie anders vermittelt bekommen in der Kindheit oder was weiß ich.
Naja, aber das haben die meisten, glaube ich. Ich glaube, das wird abtrainiert auf dem Weg. Ich glaube, die Kinder, das auch, was ich erfahre, die kommen alle mega selbstbewusst auf die Welt und denen ist das scheißegal. Denken, aber irgendwas zwischen null und 20 passiert, dass man dann doch sehr unselbstbewusst auf der Straße, auf die Straße gespült wird.
Ja, und man muss ja auch mal schauen, also als ich in die Immobilienbranche kam, das war 2007, war meine allererste Station ein Joint Venture von Morgan Stanley und Corpus Iseo, und das war zumindest auch in den Führungsebenen, aber auch in der ganzen Kultur, die da war im Unternehmen, sehr männerdominiert. Und hat mir als Frau damals eher vermittelt: Halt dich mal zurück und guck erst mal, wie, wie der Laden hier läuft, und schau erst mal, wie du dich hier, wie du hier am besten durchkommst. Also es war kein Umfeld, in dem ich das Gefühl hatte, besonders viel Wertschätzung zu bekommen oder auch einfach nur die Möglichkeit zu haben, ja selbstbewusst aufzutreten und dann damit auch durchzukommen. Also es war, ne, und ich glaube, Ich glaube, das spielt da halt auch mit rein. Also in der Arbeitswelt haben wir einfach oft eine Kultur, wo man immer so als besonders, ja, wo so die durchsetzungsstarken, entscheidungsfreudigen Machertypen da so in den Führungspositionen sind. Und ich glaube, das verunsichert auch ein Stück weit viele Frauen, weil man natürlich spürt, man tickt anders als die da oben und sich dann eher ein bisschen zurücknimmt. Nicht ganz so selbstbewusst auftritt. Und da braucht es einfach viel, und es kommt dann eben oft erst über die Zeit, Standing zu sagen, okay Leute, ich präsentiere jetzt aber auch hier meine Interessen und ich stehe für mich ein.
Ja, oder Impulse von außen, was du mit FIF machst. Du greifst ja auch an den Immobilienunternehmen, an den Führungsspitzen. Und versuchst die Augen zu öffnen, dass Diversität auch gleichzeitig, dass das eben nicht nur Greenwashing ist, sondern auch zu mehr Erfolg führt. Wie erfolgreich bist du da? Hast du das Gefühl, dass wir die Immobilienbranche drehen können?
Na ja, mehr und mehr. Also wir haben ja im Moment ganz viele Themen, die die Branche in Atem halten. Ja, das ist aktuell jetzt, jetzt die, die Krise, der Fachkräftemangel, Der Druck, der durch ESG kommt, und auch der gesellschaftliche Wandel, der ja auch jetzt mehr und mehr die Unternehmen erreicht. Und das alles führt dazu, dass in vielen Unternehmen das Gefühl ist, der Boden wackelt so ein bisschen unter den Füßen. Also so dieses, wir sind die Tollsten, wir wissen alle Antworten, in die Richtung geht's und wir müssen gar nicht los. Nicht nach rechts gucken, weil wir kennen das Ziel und den Weg dahin und so weiter. Also diese ganze Einstellung, die bröckelt gerade extrem. Und das hilft natürlich jetzt durch diese Spalten, die sich da auftun, durch dieses Bröckeln in die Zwischenräume reinzugehen und den Blick mal darauf zu wenden, dass diese Unternehmen sich auch kulturell verändern müssen. Und das heißt eben auch, dass sie sich in ihren Führungsebenen verändern müssen und dass sie anders mit den eigenen Leuten umgehen müssen und mit dem Talent, was ja in den Unternehmen da ist. Da wird eben noch wahnsinnig viel Talent übersehen. Und insofern ist gerade ein guter Zeitpunkt, mit den Unternehmen ins Gespräch zu gehen in Bezug auf Diversität. Und auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass es immer noch sehr dicke Bretter sind, die da gebohrt werden müssen. Und das liegt vor allem daran, dass wir halt im Topmanagement ist, mit einer Generation zu tun haben, die mit dem Thema Diversität, Unternehmenskultur, Kommunikation nicht so besonders viel anfangen können. Und es ist schwierig, wenn du Leute im Unternehmen hast in den Entscheidungspositionen, die sich damit nicht identifizieren können, die auch gar nicht verstehen, was hat das mit mir zu tun? Das sind doch keine wichtigen, operativ wichtigen Themen. Das sind doch irgendwie so softe Themen. Das soll jetzt mal HR machen., dann ist es einfach super schwierig, die davon zu überzeugen, dass es eben doch wichtig ist für ihr Business, für die Zukunft ihres Unternehmens.
Na gut, also die Revolution kann ja von der Seite kommen, durch dich, aber sie kann auch von unten kommen, von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Was würdest du denn da jedem raten? Denn du hast doch gerade das Thema Talenteverschwendung angesprochen. Also oft werden Talente nicht gesehen und nicht genug gefördert. Aber es gibt ja auch das Thema Elternzeit, Teilzeit, Frauen in Führung. Was würdest du denn da— wir kommen auch langsam zum Ende, aber das fände ich wichtig, dass du noch mal uns hier einen Impuls gibst, was du jungen Frauen oder Frauen, die noch nicht im C-Level sind, dabei hinwollen oder vielleicht jetzt überlegen, Familie zu gründen— was sind deine Tipps, da nicht aus dem Job rauszufliegen oder nicht aus der Karrierebahn rauszufliegen? Also egal ob jetzt— man kann ja auch Karriere in Teilzeit machen, aber es geht mir vor allem um die Job, dass man quasi einen coolen Job hat, auf den man weiter Bock hat und nicht abgeschoben ist irgendwie, wie es oft passiert nach der Elternzeit, und dass das Ganze sich finanziell aber auch einfach lohnt.
Das waren jetzt so viele Fragen, ich hoffe, ich weiß gar nicht, ob ich alle so beantworten kann. Also was würde ich jungen Frauen für einen Tipp oder Frauen für einen Tipp geben, nicht aus der Karrierebahn zu fliegen? Also ich glaube, das Allerwichtigste: Schau dir das Unternehmen, in das du gehst, genau an. Schau dir an, wie das Unternehmen, ob es im Unternehmen schon Frauen in Führungspositionen gibt und in welchen Ebenen, ob es auch welche ganz oben gibt und wie viele. Rede offen darüber, welche Erwartungen du an deinen Job stellst, wenn du dich um eine Stelle bewirbst. Also, und zwar nicht nur an den Job, also nicht nur inhaltlich an die Aufgaben, sondern auch an die Arbeitsbedingungen, auch an die Flexibilität, die das Unternehmen dir entgegenbringen sollte in Bezug auf Vereinbarkeit. Von Beruf und Familie. Und mach ziemlich genau klar, wie du arbeiten möchtest, was du einbringen kannst, was du anbieten kannst, aber auch, wie die Bedingungen aussehen, die du dir vorstellst, ja, wie du arbeiten möchtest. Also da selbstbewusst reingehen, genau hinschauen, und im Zweifel lieber in ein kleineres Unternehmen gehen, was nicht so bekannt ist, was aber eine gute, eine gute Kultur hat und diese Flexibilität anbietet als zu einem bekannten Brand. Und das andere, was ich raten würde, das ist aber eher so im privaten Bereich: Schau dir genau an, mit wem du dich zusammentust privat. Also diese Themen: Wer kümmert sich um die Kinder? Wer nimmt Elternzeit? Also all diese Fragen, das sind sehr private Fragen, aber die sind einfach immer noch super, super wichtig, die frühzeitig zu besprechen, um dann nicht, wenn die Kinder da sind, so in alte Rollenmuster zurückzufallen. Weil ganz oft führt das dann dazu, dass dann eben der Mann in Vollzeit weiterarbeitet und die Frau halt in Teilzeit zurückkehrt. Und das ist ein großes Problem. Also diese ganze Fixierung bei Führungsaufgaben, diese Fixierung, dass die nur in Vollzeit gemacht werden können, weil das eben für die Frauen dann bedeutet, wenn sie in Teilzeit zurückkehren nach dem Job, dass ihre Karriere dann eben auch oft stagniert. Funktioniert. Deswegen ist es da vielleicht auch, das geht dann aber eher in Richtung Unternehmen, wenn die gute Talente haben wollen in ihren Führungspositionen, tun sie gut daran, sich zu öffnen und eben auch Führungsstellen in Teilzeit anzubieten oder auch Topsharing anzubieten. Also, dass zwei Leute sich eine Führungsposition teilen.
Okay, also Augen auf bei der Partnerwahl, Augen auf bei der Jobwahl und klar kommunizieren, was man selber will. Noch dazu. Ich habe das Gefühl, dass gerade Frauen manchmal gar nicht so genau wissen, was sie wollen, sondern einfach Rollenmustern folgen oder auch Familienrollenmustern folgen. Also ich habe das Gefühl, dass ich öfter von Vätern höre, dass sie sehr gerne länger zu Hause geblieben wären, aber gar nicht durften, weil die Frau auf jeden Fall 12 Monate Elternzeit nehmen wollte und für sie nur 2 Monate übrig war, sozusagen. Das heißt, die Frau hat da ja schon irgendwie den Hut auf, aber tut sich nicht unbedingt einen Gefallen damit, wenn sie 12 Monate zu Hause bleibt und dann alles besser kann mit dem Kind und dann einfach die zu Hause die Verantwortliche ist. Wie kann man denn sowas sprengen?
Darüber sprechen? Ja, ich glaube, das ist total schwer, das zu sprengen, weil wenn das so Dinge sind, die man selber als Kind halt so vorgelebt bekommen hat oder wo man auch von der Gesellschaft vermittelt bekommt, du bist nur eine gute Mutter, wenn du jetzt da also ganz viel Zeit zu Hause bleibst und bei deinem Kind bist. Also das ist ja dieses, dieses, dieses Rabenmutter-Thema auch so ein Stück weit, dass wenn du es nicht tust, du irgendwie eine schlechte Mutter bist. Das ist super schwer, sich davon frei zu machen. Ich würde sagen, einfach davon frei machen ist trotzdem der Weg. Also sich wirklich darauf besinnen, wer man selber ist und wie man sein Leben gestalten will, und dass es eigentlich überhaupt keinen Grund gibt, sich von irgendeiner Seite ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.
Okay, super. Also scheiß drauf, was andere denken, vielleicht viel meditieren, um das auch auszublenden. Und das finde ich ein tolles Schlusswort, Anne. Vielen Dank. Und ihr, die ihr zuhört, guckt mal bei Anne bei LinkedIn oder Instagram Frauen in Führung. Guckt unbedingt dieses Video an, sucht das auch bei uns bei happy immo. Wir haben das auch geteilt, oder ich bei LinkedIn, und kommentiert und teilt das auch, wenn es jetzt später ist. Irgendwie eine Reaktion wollen wir dann auch sehen. Eine Frage habe ich noch zu FYFF, zu Frauen in Führung. Was ist denn so dein Ziel für dieses Jahr?
Also wir haben uns einiges vorgenommen für dieses Jahr. Zum einen werden wir im März unseren Speakerinnenpool launchen. Das ist also ein Pool an kompetenten Frauen aus der Immobilienwirtschaft, den wir aufbauen und veröffentlichen, mit dem Ziel, 50% Frauen auf die Podien und Panels der Immobilienveranstaltung zu bekommen. Und da kann sich wirklich im Moment noch jede Frau, die Lust hat, Speakerin zu sein, sich bewerben für diesen Pool. Einfach auf die Website gehen, Das ist www.frauen-in-fuehrung.info, bisschen runterscrollen, da findet man also diese Kachel, auf die man klicken kann, um sich für den Speaker:innenpool zu bewerben. Und ein anderes Projekt, das wir vorbereiten, ist unsere sogenannte Male Ally Kampagne. Da geht es darum, eben die Männer mit ans Boot, ins Boot zu holen und sichtbar zu machen als Verbündete, ja, für diesen Wandel zu mehr Frauen in Führung.
Und da zeigen wir sehr gut, ich finde, Männer brauchen sowieso eine viel größere Bühne. Also gerade Männer, die Jobsharing machen, die zu Hause sind, die Väter sind, die mit einer Krone auf dem Spielplatz rumrennen und dabei vielleicht noch einen Call haben oder so was. So diese Bilder, die gehören viel mehr veröffentlicht, damit die uns allen auch ins Gehirn gebrannt werden, damit wir sehen, Männer können das auch. Absolut.
Kinder und Karriere vereinbaren. Genau, Männer geht es genauso an wie Frauen. Und auch Männer können genauso sich dafür engagieren. Ich glaube, viele Männer wissen oft gar nicht, was sie tun können, und fühlen sich oft so ein bisschen in der Defensive in der ganzen Diskussion. Ja, das Gefühl, sie sind die Bösen, und sagen dann gar nichts dazu, oder sind vielleicht sogar so ein bisschen in so einer, ja, defensiven Rolle, in die sie aber gar nicht reingehören, sondern sie gehören wirklich mit in den Dialog und mit in die Sichtbarkeit Sichtbarkeit und, und in die Öffentlichkeit zu dem Thema. Und das wollen wir eben mit der Male Ally Kampagne dieses Jahr zeigen und suchen auch da Männer, Male Allies, die sich für die Kampagne bewerben. Und auch da gibt es einen Button auf der Website von Frauen in Führung, wo man alle Infos findet, wie man Teil der Kampagne werden kann.
Sehr gut, dann schaut da drauf, bewerbt euch, macht mit und unterstützt dieses Thema, damit die Immobilienbranche mehr divers wird.
Ja, auf jeden Fall. Tschüss, liebe Anna!
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