Let’s Talk New Work mit Louisa Löwenstein
7 Oct 2021 · 28 min
Louisa Löwenstein, Gründerin von The Field, spricht über ihr Innovations-Space in Brandenburg und ihre Immobilien-Investitionen. Sie kaufte einen historischen Hof kurz vor der Zwangsversteigerung und finanzierte die Sanierung mit EU-LEADER-Förderung von bis zu 200.000 Euro. Ihre drei Tipps für Frauen: sich in die Immobilie verlieben, unkonventionelle Suchwege nutzen und schnell zugreifen.
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Herzlich willkommen bei Happy Immo, dem Interview-Podcast zum Thema Frauen und Immobilien. Mein Name ist Anais und gemeinsam mit Maja nehme ich dich mit auf die Reise in die Immobilienwelt und zu finanzieller Unabhängigkeit. Wir wollen zeigen, wie du eine Immobilie kaufen und trotzdem weiterhin gut schlafen kannst. Immobilien kann wirklich jeder. Du musst nur verstehen, was du machst. Und genau das ist die Mission von Happy Immo. Los geht's! Herzlich willkommen beim Happy Immo Podcast. Hallo Luisa.
Hallo.
Du heißt Luisa Löwenstein. Das ist ein total geiler Name, wie aus einem Buch oder ein Künstlername oder so. Du bist Mitte 30, hast zwei Kinder, hast fünf Schwestern, bist in der Karibik geboren, bist dann auf einem Bio-Bauernhof in Südhessen aufgewachsen. Du hast Islamwissenschaft studiert und Judaistik, glaube ich. Du bist Drehbuchautorin, hast ein Faible für Flohmärkte und jetzt wird es super interessant für Immobilien. Du bist Beraterin und Coach für Design Thinking und du bist Gründerin von The Field. Erzähl mal, was ist denn The Field?
The Field ist ein Offsite Innovation Space. Das sind erstmal sehr viele—
klingt spannend.
Und das ist eine Location außerhalb von Berlin. Es gibt ziemlich genau eine Stunde Entfernung. Und die Idee war dahinter, dass wir festgestellt haben schon vor mehreren Jahren, dass Unternehmen immer mehr in die Richtung neuer Arbeitskonzepte gehen. Ich berate in die Richtung sehr viel, mein Mann und Mitgründer auch, und immer mehr festgestellt haben, dass es eigentlich nicht funktioniert, in so alte Schläuche neuen Wein reinzufüllen, also dass wir in die Unternehmen gehen und in deren Setting und auch in deren Strukturen versuchen, wirklich was umzubrechen, und dann kam immer mehr die Idee auf, vielleicht die Leute Leute auf eine Art Reise zu schicken. Da kam das Drehbuch-Thema rein, weil so richtig verändern tun wir uns erst, wie wir das in allen guten Filmen kennen, wenn wir uns auf eine Reise begeben. Und deswegen haben wir gesagt, irgendwas außerhalb Berlins, wo man wirklich Distanz zwischen sich und seine Strukturen, seine festgefahrenen Ideen bringen kann und so. Und dann da draußen nicht das Konferenzhotel oder Seminarhaus, das genauso ausschaut wie eigentlich das Büro auch, sondern eben den Versuch, auch kontinuierlich das Thema New Work in den Raum zu übersetzen, vorfindet.
Also in alte Schläuche neuen Wein. Bei euch gibt es überhaupt keinen Wein, oder?
Bei uns, ja, das testen wir noch. Das ist eben ein Teil von dem, was wir dort machen, ist zu sagen, wir wissen ja auch nicht, was jetzt perfekt ist. Wir können uns auch nur auf Daten und Erfahrungen stützen, und danach haben wir auch das Konzept entwickelt. Ganz, ganz viel viele Umfragen gemacht mit der Design Thinking School in Potsdam, wo ich auch unterrichte, zusammengeschaut, was da sinnvoll ist, und lassen uns aber darauf ein, dass sich das auch alles ändern kann. Also Corona zum Beispiel kann alles ändern. Menschen ändern sich sowieso und Dinge stellen sich eben als nicht so großartig und praktisch oder usable raus, wie man sich das vorstellt. Und eine Sache ist der Wein. Wir haben ganz viele umfragen gemacht, ganz viele, das nennt man qualitative Interviews im Design Thinking, mit unterschiedlichen Unternehmen gesprochen und mit unterschiedlichen Mitarbeitern von Unternehmen gesprochen und festgestellt, dass gerade Frauen, aber auch andere Geschlechter, ganz oft sagen, sie haben eigentlich ein Problem damit, wenn im ganzen Team getrunken wird, weil selten eine Grenze eingehalten wird, weil andere Grenzen danach übertreten werden und weil vor allen Dingen die Arbeitsqualität am nächsten Tag nicht mehr da ist und sie dann auch ein Viele haben dann gesagt, dann bleibe ich lieber im Büro und arbeite da richtig, als mich da irgendwie mit so verkaterten Kollegen am nächsten Tag rumzuärgern. Und dann müssen wir uns eben fragen, was wollen wir da eigentlich bieten? Bieten wir da was, was die Leute wollen, oder bieten wir was, was sie brauchen? Und wenn wir sagen, wir kennen uns aus, wir sind die Berater, wir wissen, was für New Work funktioniert, dann können wir eigentlich nicht sagen, wenn ihr aber Alkohol wollt und wir eigentlich davon ausgehen, dass das nicht gut ist für effizientes Arbeiten für solche Tage, dann können wir es Ihnen eigentlich nicht guten Gewissens geben.
Ja, da hast du bestimmt recht. Ich finde das wirklich spannend. Also die Branche, aus der ich komme, ist die Immobilienbranche und die ist super versoffen. Also ich stelle mir das vor, ein Immobilien-Offsite bei euch ohne Alkohol, wie das werden würde. Aber ich bin mir sicher, dass das super spannend ist. Ihr habt ja noch mehr Regeln. Ihr habt doch keine Tische.
Nein, wir haben keine Konferenztische oder wir haben keine Esstische.
Keine Arbeitstische?
Doch, wir haben 3 Arbeitstische, wo man sich mal hinsetzen kann und mal eine E-Mail schreiben. Das ist uns schon klar, dass Leute das auch mal machen müssen. Es geht aber eben nicht, es ist nicht Coworking, damit werden wir oft verwechselt, das ist ganz explizit Teamworking. Und deswegen ist das mal, um eine E-Mail zu schreiben, aber es gibt keine einzelnen Räume, um sich zurückzuziehen, und es gibt eben keine Esstische, weil die werden dann als Konferenztische missbraucht. Keine Hintertüren offen lassen.
Das klingt nach einem sehr starken Konzept. Stark ist auch das Stichwort. Wir sprechen hier im Podcast über starke Frauen und ihre Immobilien.
Jetzt erzähl mal, The Field gehört dir, mir und meinem Mann, dir und deinem Mann.
Wie seid ihr darauf gekommen? Wie habt ihr das gefunden?
Also ich habe vor 11 Jahren oder so, habe ich das erste Mal mit einer Freundin auf dem Balkon in Prenzlauer Berg gestanden und darüber gesprochen, dass es eigentlich da draußen in Brandenburg, dass wir eigentlich überhaupt nichts wissen über Brandenburg. Die ständig schimpfen, dass in München gibt es drumherum die Berge und keine Ahnung was, aber eigentlich überhaupt keine Ahnung haben, was es um Berlin gibt, und dass man doch mal mit eben Teams da rausfahren, das wäre doch so cool, und dann gibt es aber nichts. Und dann war so ein bisschen die Idee, eine Art, also ein Offsite-Ort für Startups zu machen.
Cool, das heißt, da ist die Idee geboren worden?
Da ist die Idee geboren worden, die ist dann aber—
Und dann, wie habt ihr dann gesucht?
Ja, erstmal haben wir tatsächlich zumal die eine Location, wir haben mehrere Sachen so übers Internet hauptsächlich gefunden, dann haben wir eine Location angeschaut, von der HU, die haben in Berlin-Buch eine, also ich weiß nicht, was mittlerweile damit ist, das war die alte botanische Sammlung von denen. Das ist eine Riesenanlage mit einem total wahrscheinlich als Pest verseuchten Riesengebäude und eben eine riesengroße botanische Sammlung. Und die haben jemanden, einen Käufer gesucht, der die botanische Sammlung da belässt, weil man die nicht umpflanzen kann, uralte Bäume, auch tief verwurzelte Pflanzen, die dann nicht weg könnten. Und da war die Idee, wir bauen da was hin, eben so eine Location. Gleichzeitig kann die HU weiterhin mit ihren Studenten dahin kommen, so aus der Gartenbauabteilung.
Und was ist daraus geworden?
Da ist nichts draus geworden, weil uns Buch zu nah war. Da kann man mit der S-Bahn hinfahren und so. Wir haben eigentlich gesagt, man muss weit genug rausfahren, um wirklich eben diese Distanz reinzubringen, und dass da jeder dann doch noch abends entscheiden kann, sich noch in die S-Bahn zu setzen und wieder zurückzufahren. Das fanden wir—
Oder in die Kneipe.
Oder in die Kneipe oder was auch immer. Und wir dachten, also wenn, dann richtig. Und dann war eben auch die Frage, was in diesem Gebäude alles noch drin ist, und da konnte keiner mal so richtig was sagen, und das war uns dann alles ein bisschen zu heikel.
Okay, und wie habt ihr dann weitergesucht?
Dann ist erstmal alles so ein bisschen eingeschlafen, und diese Freundin ging aus Berlin weg, und irgendwie war das dann halt so ein Konzept, das in der Schublade lag, aber das war's. Und dann habe ich immer mal wieder einfach so im Internet geschaut. Ich mag das gerne. Auch das Thema Flohmarkt, das kommt aus der gleichen Ecke. Und dann war das so, dass mein Cousin, der Architekt ist, der hat mich angerufen und gesagt, er hat hier was im Internet gefunden. War ganz simpel, war Immobilienscout und war ein Herr eigentlich aus Bayern, der vor Jahren das gekauft hat, dann eigentlich hauptsächlich Schulden darauf gelegt hat und plötzlich vor der Zwangsversteigerung stand und dann gemerkt hat, er muss das eigentlich noch schnell selber verkaufen, um da aus dem Thema Zwangsversteigerung rauszukommen.
Habt ihr das in der Zwangsversteigerung gekauft oder noch davor?
Davor gehen ja viele Kosten auch mit so einer Zwangsversteigerung einher und deswegen hat er versucht, das vorher noch abzuwickeln. Es war aber ein ziemlicher Krimi dann für uns, weil wir haben es dann gekauft. Wir sind dann, ich bin mit meinem Cousin, der eben Architekt ist, der andere ist Denkmalschützer.
Ah, gute Kombi.
Ja, eben. Mit denen bin ich dahin an einem verregneten, grausligen Tag und sind da dann die sind da durch die Dachstühle geklettert und haben sich alles angeschaut und so und gesagt, das ist alles in Ordnung und sieht super aus. Aber da waren glaube ich noch 10 andere Parteien dabei, die konnten sich, die waren auch zu großen Teilen auch interessiert. Es hat aber geholfen, dass ich bin auf so einem Hof aufgewachsen, der ständig renoviert wurde, und ich konnte mir in der Sekunde, wo ich da drauf gelaufen bin, vorstellen, was da passieren kann.
Das heißt, dir hat die Fantasie geholfen?
Auf jeden Fall. Also sonst, und ich habe ADHS, und dann trifft man so Entscheidungen auch nicht immer total realistisch. Und insofern habe ich dann, ich habe irgendwie ein Gefühl gehabt, und dann habe ich meinen Mann angerufen und gesagt, ich glaube, wir können das jetzt machen, weißt du noch, diese Idee, die könnten wir hier wirklich machen. Und innerhalb von anderthalb Wochen saßen wir beim Notar, und es war eben Dadurch, dass das aus der Zwangsversteigerung war, war er einfach froh, wenn er noch irgendwas von dem, was dabei rumkommt, bei ihm noch ankommt und nicht in die Nebenkosten der Zwangsversteigerung läuft. Und dann haben wir das eben direkt gekauft und dann musste aber diese ganzen Austragungen der Schulden noch stattfinden. Und bevor das nicht raus ist, steht die Zwangsversteigerung und dann kann es passieren, dass das Ding zwangsversteigert wird, obwohl es schon gekauft wurde.
Oh nein. Und wie hast du das ausgehalten, diese Zeit?
Das war grausig. Das ging, glaube ich, 10 Tage oder 11 Tage und wir haben halt ununterbrochen bei den verschiedenen Ämtern: Können Sie jetzt bitte noch die eintragen und es muss jetzt sofort passieren. Und haben da irrsinnig Druck gemacht und dann ist es 2 Tage bevor die Zwangsversteigerung war, ist es tatsächlich ausgetragen oder für uns eingetragen worden. Und dann standen wir da plötzlich mit so einem Hof in Brandenburg.
Was ein Glück und dann stand ihr da plötzlich mit einem Hof in Brandenburg und den musstet ihr finanzieren. Wie habt ihr das gemacht? Ihr wart doch Gründer, oder?
Ja, wir haben, also weil wir ja schon immer mal wieder geguckt hatten und so, waren wir Gott sei Dank in der Situation, dass wir schon mit Banken gesprochen hatten vorher, und wir haben ein bisschen Eigenkapital eingelegt und den Rest mit Banken finanziert.
Okay, also war das unproblematisch, würdest du sagen?
Das war unproblematisch, weil halt auch vor 6 Jahren und da der Preis von so einem Hof halt auch noch sehr überschaubar war.
Das hast du erzählt, da hast du glaube ich ein gutes Schnäppchen gemacht. Es hört sich trotzdem so an, als wäre der Hof nicht einfach so das Field geworden, also ihr musstet schon sanieren, modernisieren und umbauen, oder wie lief das so?
Eigentlich katastrophal. Ja, ein Teil, warum wir dann auch noch gesagt haben, die Gegend finden wir gut, hier können wir das machen, ist, weil es da eine Strukturförderung der EU gibt. Das nennt sich LEADER, wie der Anführer auf Englisch. Aber die Buchstaben stehen für Dinge, die ich jetzt nicht weiß. Aber es geht darum, strukturelle Förderung in ländlichen Gebieten zu machen. Und die funktioniert so, da kann eine Gegend sagen, wir haben ein Konzept, wie wir diese Gegend entwickeln wollen. Dann bewerben die sich mit ihrem Konzept bei der EU. Dann wiederum können Gründer sich bei denen bewerben. Also sobald das dann angenommen wird und Konzepte einreichen, die dem größeren Strukturwandlungskonzept dieser Region entsprechen.
Also meine eigene Wohnung in Brandenburg ist noch kein—
Nein. Mietwohnungen zum Beispiel oder so Ferienwohnungen wären in dem Bereich, wo sie auf Tourismus setzen, wäre das zum Beispiel was. Und da gibt es im Rahmen der Fördermöglichkeiten, die man über die EU bekommen kann, eben Grenzen, wie viel man kriegen kann. Und das macht auch jede Region unterschiedlich. In dem Fall kann man in der Region, konnte man in der Region 45% eines Bauvorhabens nachdem das Konzept abgenommen wurde, bis zu 200.000 € über diese Förderung bekommen.
45% bis zu 200.000 € Geld, das man geschenkt bekommt?
Es ist geschenkt, aber umsonst ist es nicht, weil es einfach wahnsinnig viele Rattenschwänze hat. Also man muss sich das schon gut überlegen, muss alles ausschreiben, was man natürlich auch so macht, aber dann eben, der eine nennt es Bodenaufbau im Angebot und der nächste nennt es Bodenplatte und schon ist es nicht kriegst du nicht mehr ein vergleichbares Angebot und dann erreichst du den nicht mehr. Dann hast du manchmal ja auch Zeiten, wo, oder meistens Zeiten, wo Bauunternehmen mehr als genug Aufträge oder Anfragen haben und dann sich ja auch nicht unbedingt hinterher sind, dir 15 Angebote zu schreiben, wenn sie vor allen Dingen nicht unbedingt das Gefühl haben, dass sie den Auftrag bekommen. Und das alles zusammenzubekommen war schon mal wirklich schwierig, weil ständig Leute dann wieder abspringen eben unterschiedliche Sachen machen, dann vergessen haben, irgendwo das Datum auf die 10. Seite zu schreiben, und schon wird alles wieder zurückgeschickt und so was. Und aber da kann ich nur sagen, da, also für jeden, der sich das auch überlegt, macht es auf jeden Fall, sogar bevor man überhaupt eine Immobilie findet oder sucht, Sinn, sich mit der, mit den Leuten, die die Förderung dann da verwalten, direkt zusammenzusetzen. Sind die eher Freund oder Feind? Also wir haben die Erfahrung gemacht, eher Freund.
Ich glaube, das ist eine wichtige Info.
Ja, das ist wirklich absurd. Man geht irgendwie so ein bisschen davon aus, als wollen die das. Und das ist überhaupt nicht so, und das ist auch deswegen nicht so, weil wenn sie die Gelder nicht ausgeben, dann kriegen sie im nächsten Jahr keine. Also die wollen die ausgeben. In unserem Fall war eben noch grundsätzlich das Problem, dass die 2 Jahre gebraucht haben, um ihr eigenes Konzept in der Region festzusetzen. Das heißt, wir mussten sowieso noch mal 2 Jahre warten, bis wir uns überhaupt bewerben konnten. Konnten, und so lange stand alles still. Und dann geht man so ein bisschen davon aus, als müsste man den überzeugen, dass man weiß, was man tut. Muss sich wahrscheinlich auch ein bisschen selbst überzeugen, dass man weiß, was man tut. Und was gut ist, das bringt einen so ein bisschen Due Diligence rein, also dass man wirklich Sachen wirklich gut durchrechnet und so, weil man am Ende dafür gerade stehen muss. Und da macht es einfach Sinn, von Anfang an mit denen zu sprechen, zu sagen, das ist was wir umsetzen wollen. Und da kann man ruhig auch sagen: Kennen Sie eine Immobilie, die dafür sinnvoll ist? Kennen Sie andere?
Das heißt, ich kann mich jetzt an die Ämter wenden und direkt fragen?
Das theoretisch schon. Also die sind keine Makler, aber die haben schon so ein bisschen ein Auge darauf, was so grundsätzlich in den Regionen passiert. Und für die Vernetzung sind die gut. Da muss man aber auch sagen, gerade in den ländlichen Regionen, gerade bei uns herum, gibt es ganz großartige Wirtschaftsförderungen auch, die sich unglaublich einsetzen. Also, wenn man ein wirtschaftlich orientiertes, aber auch ein gemeinschaftlich orientiertes Projekt hat, dann macht es total Sinn, sich erstmal an die Wirtschaftsförderungen zu wenden und auch an die Entwicklungsagenturen und so einfach anzufragen und zu sagen: Wir würden gerne, wir finden die Region toll, wir würden hier gerne was machen. Habt ihr eine Idee? Und die haben eigentlich ein gutes Auge darauf, was gerade so in den Regionen passiert.
Okay, das ist wieder mal ein super Tipp für unsere Zuhörerinnen: Wirtschaftsförderung und generell die Region direkt ansprechen. Luisa, du scheinst mir ja super mutig zu sein, also all das, was du gerade erzählt hast, einfach zu machen. Woher kommt denn dein Mut?
Wie gesagt, ADHS. Das ist tatsächlich so, dass das dazu führt, dass man schneller Entscheidungen trifft und Und auch so ein bisschen, ich bin auf so einem Hof aufgewachsen. Meine Eltern sind mit Mitte 30 mit 3 kleinen Kindern auf einen total kaputten Hof in Hessen gezogen. Und dann hat man erst mal ein halbes Jahr bei meiner Großmutter gewohnt, während da umgebaut wurde und so. Und dann wurde hier und da— ich kann mich eigentlich nicht erinnern, dass irgendwann nicht gebaut wurde. Und insofern hat mir das nicht so viel Angst gemacht. Ich dachte auch, wir sind gut vorbereitet. Da waren wir dann am Ende dicht, weil ich glaube, so für so Riesenprojekte kann man einfach nicht vorbereitet sein. Das ist so ein bisschen wie Kinder kriegen, dass da, wenn man es vorher gewusst hätte, wie das wehtut, dann würde man es vielleicht nicht machen, und am Ende ist man froh, dass man es nicht gewusst hat.
Ja, da kann ich auch ein Lied von singen. The Field ist aber gar nicht dein erstes Investment, ne? Ich weiß, dass du sehr früh angefangen hast, in Immobilien zu investieren, und dass dich deine Schwester, schon wieder ein Frauenteam, dazu inspiriert hat.
Erzähl doch mal davon. Genau, also die tatsächlich hat sie mich unwissend inspiriert. Sie ist älter als ich und hat damals in Berlin gelebt und hatte ein Kind. Und dann haben sie, wurde da ständig darüber gesprochen, dass man eigentlich jetzt Wohnungen kaufen müsste für später, auch wenn eben mehr Kinder da sind und so. Also das war da viel mehr ein Thema als in meinem Freundeskreis, weil ich war 26, habe da überhaupt nicht drüber nachgedacht. Ich habe in einer Mietwohnung gewohnt, wie alle anderen auch. Und dann habe ich aber ja so eine, auch wie wahrscheinlich alle, so eine Verpassungspanik bekommen und gedacht, jetzt, wenn die jetzt alle darüber sprechen, dass man das jetzt machen muss, was ist denn, wenn ich mal so weit bin, dass das sinnvoll wäre irgendwie von meinem Leben her, dann kann ich mir das wahrscheinlich abschminken. Und dann habe ich einfach mal angefangen, mich da so ein bisschen reinzufuchsen, habe geschaut, was eigentlich so die Preise sind, wie man sowas finanzieren würde, ob man ob man Kredit bekommen würde oder nicht. War gerade selber, glaube ich, ein Jahr habe ich freiberuflich gearbeitet. Also das war zum Beispiel ein Thema, ich hätte niemals einen ordentlichen Kredit bekommen. Damals war das noch so, dass Eltern bürgen durften, also dass man überhaupt Bürgen für einen Immobilienkredit holen konnte.
Und so war das dann, deine Eltern haben gebürgt für dich?
Genau. Und dann habe ich, ich hatte vorher, also das darf ich glaube ich sagen, meine Eltern haben für uns alle bei Geburt eine sogenannte Ausbildungsversicherung angelegt, die dafür greifen sollte, wenn Ihnen was passiert, dass wir dann genug haben, um unsere Ausbildung abzuschließen und die dann aber, wenn man eben, wenn der Fall nicht eintritt, ausgezahlt wurde. Und das war, dann haben sie uns einen Tag Anlageberatung gegeben und dann wurde die ausgezahlt. Das war keine Massen, jedenfalls kann man davon keine Wohnung kaufen, aber man kann es eben anlegen. Und ich habe Das war am Anfang dann des Studiums, und das habe ich ganz gut angelegt und habe eigentlich gar nicht angefasst. Aber in was hast du das angelegt? Aktien hauptsächlich, bisschen in Lehman Brothers, das war eine dumme Idee, aber ansonsten eigentlich ganz gut. Und habe währenddessen aber im Studium eigentlich immer schon gearbeitet, also die klassischen Kellner, Hostessen und so, und dann irgendwann so ein bisschen journalistische Arbeit schon gemacht, eigentlich hauptsächlich davon dann gelebt und daraufhin dieses Geld überhaupt nicht angefasst. Und auch nachdem meine Ausbildung nichts gekostet hat, ich habe ein ganz normales Studium gemacht, habe ich, war das dann genug, um mir den Eigenanteil zu zahlen.
Aber da frage ich dich mal, wenn du das so schlau angelegt hast, dass du das Geld so vermehrt hast, warum denn dann überhaupt Immobilien?
Ja, zum einen der FOMO. Zum anderen mag ich einfach Räume. Ich fand das schon als Kind immer. Ich wollte immer organisieren, dass man so Butterbrotfahrten macht, wo man bei anderen Menschen durch die Wohnungen gehen kann, mit dem Bus rumfährt und einfach so bei Leuten klingelt und reingeht.
Geil, das fände ich super, da wäre ich sofort dabei.
Ich finde das nämlich auch nachhaltig. Ja, lass uns das mal machen. Ja, ich finde das wirklich. Ich finde es einfach spannend, was Räume so machen und können.
Ja, was die Leute daraus gemacht haben auch.
Auch das. Und ja, und ich fand, zum anderen hat mich das immer mehr gestört, wie ich zumindest damals— mittlerweile ist das besser— damals irgendwie einen schwierigen Überblick darüber hatte, wo gerade bei Aktien und so mein Geld dann wirklich mitwirkt. Und hatte dann so eine Situation, wo sich dann rausgestellt hat, dass das irgendwie über 5 Ecken zur Abholzung des Regenwaldes mit von riesengroßen Palmölplantagen geführt, also dass das irgendwie da mit drin gesteckt hat. Und das wollte ich nicht mehr. Ich wollte das unbedingt. Ich wollte wissen, wo mein Geld ist und dass da kein Unsinn mitgetrieben wird.
Das ist der perfekte Übergang zur nächsten Frage, denn meine nächste Frage ist: Bei uns bei Happy Immo ist das Motto Do Good and Be Happy. Und wir meinen eben damit: Kauf dir deine Wohnung, schnapp dir dein Stück Stadt und mach damit was Gutes. Also wenn du Bock hast. Was heißt denn, was bedeutet das denn für dich?
Also wie kannst du mit Immobilien was Gutes tun? Also zum einen, ja, weil es ist eine, ist es finde ich die persönlichste Art, sein Geld anzulegen. Also das ist irgendwie so, put your money where your heart is. Wir haben in dieser Wohnung wirklich lange gewohnt, leben da immer noch, haben gestern einen Käufer dafür gefunden.
Weil ihr wohin umzieht?
Weil wir nach Pankow ziehen vom Prenzlauer Berg. Und also das finde ich zum einen einfach schön, ich mag das, die Idee, dass man in seinen eigenen vier Wänden lebt und dass man, dass man ja, put your money where your heart is. Und das andere, man kann natürlich, also wenn man selber nicht drin wohnt, kann man dazu beitragen, dass das zu fairen Preisen vermietet wird. Ich finde, ich finde gerade so Sharing-Konzepte total großartig. Also ich bin kein großer Fan davon, Wohnungen ausschließlich für so einen Airbnb-Markt zu haben. Ich bin aber ein großer Fan davon, tatsächlich seine eigenen Wohnungen zu vermieten auf Airbnb. Das haben wir jahrelang gemacht. Immer wenn wir am Wochenende weg sind und auch länger weg sind, vermieten wir an Menschen aus der ganzen Welt. Und es ist großartig. Es macht super viel Spaß, weil Leute wirklich von überall herkommen. Und wir auch mal ein bisschen schauen, dass wir da noch, dass wir die noch kurz kennenlernen und so. Und das hat uns besonders Spaß gemacht, das wissen wir auch von all diesen Leuten, teilweise sind wir noch immer in Kontakt, noch Jahre später mit denen, dass wir für die die Tatsache, dass sie bei uns gewohnt haben, gerade wenn sie auch Kinder dabei hatten und so, einen großen Teil ihrer Berlinerfahrung ausgemacht haben. Ja, das glaube ich. Und ich finde gerade da eben, gerade für Familien ist das überhaupt zum ersten Mal seit dieser Konstellation überhaupt mal möglich, wirklich zu reisen. Wir haben das selber überall auf der Welt schon gemacht, mit unseren Kindern auch immer wieder bei Airbnb, bei Leuten in den Wohnungen einzelne Zimmer gemietet, ganze Wohnungen gemietet und so, mögen das einfach gerne. Und eben, also wir sind uns glaube ich alle einig, dass es ein bisschen grotesk ist, was mit den Preisen im Moment passiert, auch den zu den Mietpreisen und finde, dass man da eben auch eine Verantwortung übernehmen kann als Vermieter, wenn man eine Wohnung hat, und da auch schauen kann, dass man wirklich ein Heim für jemanden bietet.
Das finde ich toll, dass du das so machst und dass du das so siehst. Jetzt meine letzte Frage: Wir brauchen mehr weibliche Investorinnen, mehr Frauen, die so sind wie du, die Wohnungen kaufen und die, die eben so vermieten, wie du das eben gesagt hast. Was sind denn deine 3 Top-Tipps?
Das ist eine gute Frage. Also ich würde, gerade wenn es in Berlin ist, gerade wenn man selber drin wohnen will zum Beispiel, dann würde ich sagen, man muss Wohnung eigentlich bisschen wie Kunst anschauen. Also sagen, klar, das ist jetzt nicht unbedingt im Preisfeld und dass man das sich natürlich leisten kann, das gut durchrechnen und so. Und am Ende muss man es aber schön finden und man muss es gerne haben, man muss das Gefühl mögen, diese so eine Wohnung zu haben und so. Und dann nur nach dem zu gehen, was Leute sagen, wie die Preise hochgehen und so, das ist, also ich würde behaupten, dass die Preise in Berlin schon lange über dem sind, was so eine Wohnung tatsächlich wert ist, sondern dass es eben nur noch der Marktpreis ist. Und insofern muss man da eben abwägen, was da sinnvoll ist. Und ich glaube, dass da am sinnvollsten ist, eben nach seinem Gefühl zu gehen.
Also Tipp Nummer 1: Man muss sich in die Wohnung verlieben.
Ja, oder in das Gefühl, eine Wohnung zu haben und Wohnungseigentümer zu sein, und dann eben auch die spezielle Wohnung. Also für mich wäre es mittlerweile, also wenn wir die jetzt wieder verkauft haben, dann zwei Altbauwohnungen in Berlin, und die wir bisher beide vermietet haben, die anderen. Und das ist, ich weiß nicht, für mich sind Altbauwohnungen spannend. Andererseits finde ich auch, ich weiß nicht, könnte sofort anfangen, ganze Töpfe aufzumachen, ich finde auch so Community-Living-Konzepte so, ich würde am liebsten alle Ämter rausschmeißen, in sehr viel effizientere Gebäude reinsetzen und diese ganzen wunderschönen Gebäude, die von da, also ganz speziell das Amt im Prenzlauer Berg, das glaube ich, da, ich weiß nicht, wie die Seitenstraße heißt, nachdem die Adresse benannt ist, aber ist auf der Prenzlauer Allee direkt über der Tanzkette. Das ist eine wunderschöne Anlage.
Das stimmt, so eine Parkanlage eigentlich.
Ja, auch ganz tolle Grünflächen und so. Also wenn ich Wenn ich da mir ein Konzept ausdenken dürfte, dann würde ich alle Leute, die da arbeiten, nehmen, paar 100 Meter weiter hoch über dem Aldi, der da bei der S-Bahn-Station ist, noch 20 Stockwerke draufsetzen, richtig effizient, das auch energieeffizient da draufbauen. Dann können die Leute, die da arbeiten, auch mit der S-Bahn irgendwie anreisen und sind da nicht in so einem fast Niemandsland.
Oder Laptop für alle und ab ins Homeoffice.
Noch besser. Oder beides. Und dann würde ich da eine Kita und am besten noch eine Schule und Wohnflächen und Gemeinderäume und da und Mehrgenerationenwohnen und Integration und so abspielen. Also sowas finde ich total spannend. Das sind natürlich sehr viel größere Konzepte, aber das führt mich vielleicht bisschen so zum Punkt 2: bisschen andere Pfade betreten, also auch nicht unbedingt nur auf Immobilienscout oder was auch immer gucken, sondern, und auch nicht darauf warten, dass jetzt jemand vorbeikommt und einem die perfekte Wohnung anbietet, sondern auch mal, ja, mit, also jetzt in Berlin vielleicht nicht mehr so einfach, aber zum Beispiel auf dem Land einfach mit den Gemeinden sprechen oder mal bei Leuten klingeln und sagen: Hier, ich habe gesehen, Ihre Scheune da hinten fällt total zusammen. Hätten Sie Interesse, dass wir die und die Wiese rausnehmen und dann ziehen wir einfach nur in das Haus ein?
Oder also wirklich aktiv auf auf die Suche gehen.
Ja, auf jeden Fall. Und dann der nächste Tipp: Bereit sein. Also wenn was Gutes kommt, dann muss man glaube ich schnell zuschlagen können, und da muss man bereit sein, von manchen Dingen, die man für bis dahin für unabdingbar gehalten hat, sich zu verabschieden. Ich kenne Leute, die haben schon vor 8 Jahren gesagt, sie suchen das Haus am See und sie nehmen nichts anderes. Die suchen immer noch. Und sehen nicht ein, dass es kein Haus am See mehr gibt, jedenfalls nicht für das Geld, was sie zahlen wollen. Und dann würde ich immer denken, hast du lieber einen Garten und nicht den See als gar nichts. Also dass man sich da so ein bisschen flexibel zeigt in seinen Ansprüchen, flexibel zeigt in den Arten und Weisen, wie man sucht, und dann eben die Sachen, in denen man nicht flexibel sein kann, das heißt Finanzierung und so, dass man da schon recht früh anfängt zu gucken und mit Banken zu sprechen und zuschauen, dass man dann schnell reagieren kann.
Also ein dritter Tipp ist quasi flexibel sein und dann aber am Ende bereit sein zu springen.
Ja, und das kommt ja auch mit damit, wenn ich erst anfange, mir Gedanken über diesen ganzen Themen zu machen, dann überrollen die mich ja. Wenn ich das schon mal vorher gemacht habe, vorbereitet bist, dann kann ich eher springen. Da weiß ich trotzdem nicht, ob da Wasser im Becken ist wirklich, aber das kann man auch nie wissen. Aber jedenfalls habe ich sieht es so aus. Blind, ich muss mir wenigstens nicht die Augen zuhalten, während ich springe.
Genau, du weißt, was du machst. Luisa, das war ein tolles Gespräch. Ich danke dir ganz doll, dass du da warst und wünsche dir jetzt noch einen schönen Tag.
Danke sehr, hat mich gefreut.
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