Let’s Talk Politics mit Brigitte Zypries
28 Oct 2021 · 24 min
In dieser Episode von Happy Immo interviewt Moderatorin Anais die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Das Gespräch beginnt mit Zypries’ politischen Werdegang – von ihrer frühen Begegnung mit Frank‑Walter Steinmeier über die Arbeit in der Staatskanzlei unter Gerhard Schröder bis hin zu ihrer Zeit im Kabinett von Angela Merkel – und beleuchtet, wie persönliche Zufälle ihre Karriere prägten. Zypries berichtet von ihrer Verantwortung für den deutsch‑chinesischen Rechtsstaatsdialog, den Fortschritten und den Grenzen des Rechtsstaats in China. Anschließend schildert sie zentrale gesetzliche Initiativen, die sie vorantrieb: Klarstellung der Vaterschaft, das Stalking‑Gesetz, Antidiskriminierung nach Art. 3 GG und die Einführung von Patientenverfügungen. Nach ihrem Ausscheiden aus der Politik spricht sie über ihr neues Engagement: Podcasts, Beratung und Investitionen in Start‑ups sowie ihre eigene Immobilien‑Investitionsstrategie. Sie gibt praxisnahe Tipps für Frauen, die in Immobilien investieren wollen – Fokus auf kleine, vermietete 1‑2‑Zimmer‑Wohnungen, Gebäude ohne Aufzug, niedrige Nebenkosten, gute Lage und Nutzung von Familien‑ oder Erbschaftskapital. Zypries betont die Bedeutung von Netzwerken, Mentorinnen und einer geplanten Plattform „Wohnungen von Frauen für Frauen“, um den Austausch und Verkauf von Immobilien unter Frauen zu erleichtern. Abschließend teilt sie drei Kernratschläge: Chancen ergreifen, Partnerwahl bewusst treffen und Frauen‑unter‑Frauen‑Vernetzung fördern.
Chapters
Herzlich willkommen bei Happy Immo, dem Interview-Podcast zum Thema Frauen und Immobilien. Mein Name ist Anais und gemeinsam mit Maja nehme ich dich mit auf die Reise in die Immobilienwelt und zu finanzieller Unabhängigkeit. Wir wollen zeigen, wie du eine Immobilie kaufen und trotzdem weiterhin gut schlafen kannst. Immobilien kann wirklich jeder. Du musst nur verstehen, was du machst, und genau das ist die Mission von Happy Immo. Los geht's! Heute zu Gast: Brigitte Zypries. Herzlich willkommen! Danke, schön, dass du hier bist. Wir sitzen auch heute wieder in Schöneberg in unserem Podcaststudio. Brigitte, du kommst aus Kassel, du hast in Gießen studiert, du hast für Darmstadt ein Bundestagsmandat bekommen. Du bist ein totales Hesse-Mädchen.
Genau, auch ja.
Beim Studium warst du auch gleich in guter Gesellschaft und hast Mit Frank-Walter Steinmeier die Unibank gedrückt. Gibt es da eine lustige Geschichte? Erzähl mal.
Ach nee, eine lustige Geschichte gibt es eigentlich nicht, weil ich ja schon ein bisschen älter bin als Steinmeier und dadurch schon weit fortgeschritten war. Und er hatte ja noch Bundeswehrzeit oder Ersatzdienst gemacht, weiß ich jetzt gerade gar nicht. Die einzig gute Geschichte, die es gibt und die unser Leben bestimmt hat auch, war die, dass ich angeboten bekommen hatte oder eine Aufforderung, mich bei der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden vorzustellen. Die suchten da eine Referentin in der Verfassungsabteilung. Und wir sind ja beide Öffentlich-Rechtler, Steinmeier und ich, und waren da an zwei verschiedenen Lehrstühlen in einem Haus. Und ich traf ihn auf der Treppe und sagte: Jetzt sollte ich da nach Wiesbaden fahren in die Staatskanzlei, aber ich glaube, so eine Stelle ist nichts für mich. Und dann sagte Steinmeier zu mir: Fahr doch wenigstens mal hin und guck es dir an. Das habe ich dann auch getan und habe auch sofort zugesagt, bin da hingegangen und dadurch ist ein Prozess in Gang gekommen, der dann darin endete, dass ich 4 Jahre später, glaube ich, Steinmeier nach Hannover holen konnte in die Staatskanzlei, in die dortige Staatskanzlei.
Eine Hand wäscht die andere.
Genau, das war jetzt kein Waschen, sondern irgendwie eher so eine Verkettung von Zufällen. Man fragt sich ja manchmal, was wäre aus dem Leben geworden, wenn das da anders gelaufen wäre.
Also war es schon ein Schlüsselmoment?
Ja, unbedingt. Ja, wir waren ja dann beide bei Schröder in der Staatskanzlei und das hat ja nun unsere politischen Karrieren total geprägt.
Wie war das denn, unter Schröder zu arbeiten? Bzw. du hast ja sowohl mit Schröder als auch mit Frau Merkel zweimal politische Geschichte geschrieben. Gibt es denn da einen Unterschied oder was ist Was ist anders an der Zusammenarbeit mit einem Mann oder mit einer Frau?
Also mit Mann oder Frau hat das für meinen Begriff nichts zu tun, sondern das ist eine reine Frage des Charakters. Wie sind die Leute so? Und da gibt es eben welche, die sind eher so Bastardtypen wie Gerhard Schröder. Und da sind andere, die wie Frau Merkel zuhören, abwägen und erst mal gucken, wie andere machen, ehe sie selber die Richtung vorgeben. Das ist nicht Schröder. Schröder ist jemand, der gibt die Richtung vor. Und hat das auch immer gemacht. Ich bin mit beiden gut ausgekommen, muss ich sagen. Mit Schröder in der Staatskanzlei in Hannover zu arbeiten war super, weil man größtmöglichen Freiraum hatte als erst Referatsleiterin, dann Abteilungsleiterin, und Schröder einem wirklich ein Backup gegeben hat, wenn dann irgendwie was war. Und auf Bundesebene dann, als er Kanzler war, hatten wir ja so sehr viel nicht mehr miteinander zu tun. Also schon natürlich, aber da habe ich halt meins gemacht und er hat seins gemacht.
Gemacht. Wieso? Wie ist das so? Wie oft sieht man sich dann?
Man sieht sich einmal in der Woche zur Kabinettssitzung, und wenn man dann noch mal Termine gemeinsam hat, also beispielsweise bei den deutsch-französischen Räten oder bei anderen Räten, oder einmal sind wir mit dem Kabinett nach Fuerteventura geflogen, um das spanische Kabinett zu treffen, und ich war mit Schröder, glaube ich, auch ein- oder zweimal oder dreimal in China. So, also dann sieht man sich schon, dann gibt es schon mal Gelegenheiten, auch am Rande ein bisschen zu plauschen. Aber ansonsten ist es doch sehr stark reglementiert und durchorganisiert.
Und wie war das in China? Ich habe eine Zeit in China gelebt und habe das geliebt. Wie fandest du denn China und was hast du da gemacht?
Ich war ja als Bundesministerin der Justiz zuständig für den deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialog. Den hatte meine Amtsvorgängerin schon initiiert, mit Schröder gemeinsam. Und ich habe mich dann jedes Jahr mit dem chinesischen Kollegen getroffen, einmal im Jahr dann in China und das nächste Jahr in Deutschland, dann wieder China. Deutschland und so weiter. Und wir haben vor allen Dingen versucht, unsere Grundprinzipien des Grundgesetzes, die ersten 19 Artikel des Grundgesetzes, auch so eine Idee von Rechtsstaat, bekannt zu machen in China und die Chinesen zu ermuntern, das auch zu machen. Und das war in der Tat eine bessere Zeit, als es heute ist. Also wir haben damals Hoffnung gehabt und es gab auch Fortschritte. Und es gab auch tatsächlich, war es so, dass sie sich Sachen angenommen haben. Also beispielsweise haben die damals in der Zeit dann angefangen, tatsächlich ausgebildete Juristen in die Justiz einzustellen. Vorher waren das immer Offiziere.
Oh, ehrlich?
Die dann da Recht gesprochen haben. Oder sie haben auch eingeführt, dass jedes Todesurteil noch mal überprüft wurde von einer anderen Kommission, ob das wirklich gerechtfertigt ist.
Und ist das noch so? Weil du sagtest, die Zeiten waren damals besser als jetzt.
Na ja, was so die Verwirklichung von Grundrechten anbelangt, hat man ja jetzt nicht so das Gefühl, dass das so an oberster Stelle der jetzigen politischen Führung in China steht.
Inwieweit kann man denn von Deutschland aus da eingreifen?
Nein, eingreifen kann man natürlich überhaupt gar nicht. Also man kann einen Diskurs pflegen. Also wir haben ja einen doppelten Diskurs. Wir haben einen Wirtschaftsdiskurs und diesen Wirtschaftsdiskurs haben wir immer verknüpft mit einem Rechtsstaatsdiskurs, weil wir immer wollten, dass natürlich rechtsstaatliche Grundsätze da auch zum Zuge kommen. Und mir war schon sehr früh klar, dass das so richtig nicht funktioniert, weil Rechtsstaat heißt eben, dass die Justiz unabhängig ist. Und in China gibt es eben nur einen, der bestimmt, und das ist die Partei, und die bestimmt alles. Und das haben die auch immer gesagt. Die haben auch immer gesagt, wir gehen eben unseren dritten Weg, und da sieht das anders aus, aber wir können natürlich einzelne Teile übernehmen. Und das haben sie auch getan. Also auch beispielsweise, was die Beteiligung von Menschen anbelangt, wenn man städtebauliche Maßnahmen durchführen wollte. Das war ja teilweise so. Die haben heute gesagt, Ihr müsst jetzt aus euren Häusern ausziehen, und übermorgen waren die Leute raus aus ihren Häusern, und 3 Monate später standen da Hochhäuser. Also, das war ja eine— die haben ja einfach in unglaublicher Geschwindigkeit die Dinge umgesetzt. Und es gab auch mal eine Initiative beispielsweise in Shanghai von den Nachkommen der Schanghainesen, also das waren Geflüchtete aus Deutschland im Faschismus, die in China Unterkunft gefunden hatten. Da kann man ja heute noch Häuser sehen, wo Fleischerei dransteht oder Bäckerei dransteht. Und da gab es auch mal eine Initiative, diese Häuser quasi abzureißen und stattdessen Hochhäuser hinzustellen. Und das konnte dann verhindert werden.
Das ist spannend, denn als ich in China war, habe ich genau das beobachtet. Ich habe in Peking gelebt, in so einem Hutong hinter der verbotenen Stadt. Und das war die Zeit vor Olympia. Und da ist wirklich von Woche zu Woche ein schöner Straßenzug nach dem anderen plattgemacht worden. Und ich frage mich, wie das wäre, ob es jetzt wirklich ein Bürgerbeteiligungsverfahren gäbe bei so was, bei so einem hohen Ziel wie die tollsten Olympischen Spiele zu bieten. Ist das wahrscheinlich immer noch schwierig in China?
Ja, im Ergebnis auf alle Fälle. Also es gibt eben nicht unsere rechtsstaatliche Beteiligungsform. Bei uns ist das ja ganz stark durchdekliniert. Also es gibt einen Bebauungsplan, der wird offengelegt, dagegen kann man klagen. Vorher gibt es einen Flächennutzungsplan, dann den Bebauungsplan, dann kann man gegen einzelne Baugenehmigungen klagen als Anwohner, als Nachbar. Also da wird ja auf der anderen Seite schon beklagt bei uns wiederum, dass es zu stark ist, ne?
Genau. Also du hast dich ja insgesamt sehr lange als Bundesministerin behauptet, oder ich weiß gar nicht, ob man sagt behauptet, auf jeden Fall hast du dich durchgesetzt in einer einer sehr männerdominierten Welt. Das finde ich schon mal total spannend, auch für meine Generation, das zu sehen. Dann gibt es Meilensteine, die für uns besonders wichtig sind, für die du gekämpft hast oder die du durchgesetzt hast. Das ist einmal im Familienrecht die Klärung der Vaterschaft oder im Strafrecht das Thema Stalking. Besonders wichtig auch, was Antidiskriminierung angeht. Stichwort Artikel 3. Und dann hast du dich auch für die Patientenverfügung eingesetzt. Das sind ja wirklich Vordenkerpositionen und ziemlich revolutionär. Wenn ich mir anschaue, welche Diskriminierung Frauen allein schon erfahren, wie muss es dann erst für gleichgeschlechtliche Paare oder eben für Menschen im falschen Geschlecht sein? Auch das Thema Patientenverfügung und die Chance, selbst entscheiden zu können, wann ich gehe, ist wirklich revolutionär. Wir wollen in unserem Podcast Frauen Mut machen und zeigen, dass sie für das, was sie denken, einstehen können. Wie hast du das geschafft? Du hattest bestimmt viel Gegenwind, gerade bei solchen kontroversen Themen. Was sind deine Tipps?
Ja, na, also ich glaube, wichtig ist mal an allererster Stelle, dass man von dem, was man will, wirklich überzeugt ist und dass man dementsprechend dann auch dafür eintritt. Wenn man nicht so überzeugt ist von der Sache, dass man sie umsetzen will, dann tritt man auch nicht so auf und hängt sich auch nicht so dahinter. Also das ist erst mal schon mal, glaube ich, die Grundvoraussetzung dafür, dass man das auch wirklich will. Und dann muss man natürlich, je nachdem, in welchem Bereich man tätig ist, gibt es dann unterschiedliche Anforderungen. Fast immer, glaube ich, muss man sich ja Verbündete suchen, in der Politik ganz besonders. Ich meine, ich mache ja mit Gesetzen, habe ich ja nicht alleine gemacht, sondern natürlich entscheidet der Bundestag darüber. Ich mache einen Vorschlag, oder das Haus hat einen Vorschlag erarbeitet, wir haben das gemeinsam diskutiert, dann ist es da in den Bundestag gebracht worden. Da muss man aber auch mit den unterschiedlichen Fraktionen reden, und man muss dafür werben, dass das, was man da will, auch wirklich eine gute Sache ist. Also mit anderen Worten, man braucht Verbündete. Und ich glaube, das gilt eigentlich in jedem Job, wenn man was erreichen will. Ist man im Team immer stärker, als wenn man da als Einzelkämpfer unterwegs ist. Und dazu gehört dann auch, dass man sich wirklich gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht. Also das ist, glaube ich, immer eines meiner Merkmale gewesen, dass ich eigentlich immer bemüht war, mir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu suchen, die mindestens mal so gut sind wie ich und im Zweifel besser. Das ist interessant, da muss man auch, das kann auch nicht jeder Chef, jemanden zu haben, der Gibt manche, die suchen sich echt Leute, wo man denkt, oh Gott, wen hat er denn da oder wen hat sie denn da? Und das ist nicht gut. Also da muss man, das glaube ich, das muss man, so viel Selbstbewusstsein muss man haben, dass man weiß, dass man vielleicht nicht unbedingt der Beste immer und immer ist und eben die Hilfe anderer braucht und als Team eben sehr viel besser ist als alleine.
Das glaube ich auch. Und das ist ja auch so viel schlauer, sich überall die Besten zu suchen und dann mit den Besten zusammenzuarbeiten, als wenn man alles selber machen und können. Genau. Du bist jetzt aus der Politik raus. Was machst du jetzt?
Ja, Podcast zum Beispiel. Das ist nicht der erste. Ich mache, also ich bemühe mich schon, Start-ups zu unterstützen, sowohl einfach durch schlichte Beratung, und in 5 habe ich jetzt auch inzwischen investiert und arbeite mit denen etwas enger zusammen.
Warum investierst du in Start-ups?
Ich sage dir ganz ehrlich, das erste Mal war das ein ziemlicher Zufall. Das ist ein Startup, die heißen JetLight, die machen Licht, was die Hormonausschüttung des Körpers beeinflusst. Und einer der Gründer hat darüber promoviert und ich habe den kennengelernt auf einer Startup-Night, die ich organisiert hatte im Wirtschaftsministerium für die Luft- und Raumfahrt. Und da hat er einen Vortrag darüber gehalten und da habe ich ihm in der Erziehung gesagt, Mensch, das ist doch großartig, macht doch mal ein Business daraus.
Und dann hat er erst gegründet.
Ja, genau. Und habe die dann verknüpft mit Airbus. Und dann waren die bei Airbus im Accelerator in Hamburg. Und irgendwie ein paar Jahre später war das dann schon, haben wir uns, haben sich zufällig unsere Wege wieder gekreuzt. Und dann sagte er, ja, sie würden jetzt ein paar Investoren suchen und wie ich das sehen würde. Und da habe ich gesagt, ja gut, wenn ich jetzt schon dafür verantwortlich bin, dass es euch gibt, dann Mache ich jetzt auch mit.
Investierst du auch in Immobilien?
Ja, das mache ich. Und das habe ich vor allen Dingen gemacht. Also im Moment gerade gar nicht so, aber ich habe es gemacht, weil ich finde, dass das zu einer guten Vermögensbildung gehört. Und die Immobilie ist ja die Form der Vermögensbildung, die es einem ermöglicht, Vermögen zu bilden, ohne dass man vorher welches hat.
Inwiefern? Erzähl mal, wie meinst du das?
Na ja, also jetzt ist es ja beispielsweise relativ einfach, einen Kredit bei der Bank zu kriegen für eine Wohnung, die vermietet ist. Das finanziert die Bank ja zu 100%. Man muss also diese Mehrform Eigenkapital, die ist irgendwie vorbei in solchen Fällen. Wenn man selber einziehen will, dann braucht man natürlich noch Eigenkapital, aber wenn sie vermietet ist, braucht man das eben nicht, und dann muss man nur die Erwerbsnebenkosten bezahlen, was in aller Regel dann nicht so viel ist, wenn man nicht gleich so eine richtig große Wohnung kauft, und dazu würde ich auch gar nicht raten am Anfang.
Und zu was würdest du raten am Anfang?
Na, ich würde zu einem Apartment oder einer Zweizimmerwohnung raten, weil das was ist, was man auch immer gut vermietet kriegt. Muss man sich keine großen Gedanken machen. Man muss natürlich auf die Lage achten und man muss sich das Haus auch angucken. Also man muss auch gucken, wie groß ist die Einheit und gibt es einen Fahrstuhl beispielsweise oder nicht. Ich würde immer sagen, nehmt eine mit einem Haus ohne Fahrstuhl, da sind die Nebenkosten viel geringer, dann ist das auch attraktiver. Man kann an junge Leute vermieten, die brauchen keinen Fahrstuhl. Irgendwie so, also ich würde erstmal sehen, dass ich die Kosten da niedrig halte und um das Angebot auch attraktiv zu machen, denn dann ist ja auch der Mietpreis nicht so hoch, und dann muss man ja auch nur so viel Miete nehmen, dass man den Betrag, den Kredit abgetragen kriegt und vielleicht noch so ein kleines bisschen Rücklage hat für irgendwelche Investitionen. Also man muss da ja nicht gleich ein Auskommen von haben. Man muss kein Miethai sein, nein, überhaupt nicht.
Also Das finde ich gut, das sehen wir auch genauso bei happy immo. Wie viele Immobilien hast du denn?
Ja, müsste ich jetzt erstmal überlegen.
Das ist gut.
Ich habe auch welche geerbt, aber ich habe auch, also ich habe 3 eigene gekauft, sage ich mal so. Reden wir mal über die.
Und hast du eine bestimmte Strategie, die du dabei verfolgst? Also hältst du diese Immobilien oder willst du sie nach ein paar Jahren weiterverkaufen? Oder was ist denn deine, was ist deine Strategie, was ist deine Vision?
Nein, meine Strategie war schon, sie zu behalten, weil ich eigentlich von allen Wohnungen überzeugt bin. Also die eine ist eine, in der habe ich selber mal 6 Jahre gelebt, die ist in Hannover, und die habe ich jetzt, das ist wirklich auch eine schöne Wohnung, und die habe ich jetzt gut vermietet. Warum sollte ich sie verkaufen? Die Leute sind glücklich, die da drin leben, und wollen sie nicht selber kaufen. Wenn sie das wollten, würde ich es mir vielleicht überlegen, aber so würde ich das nicht machen. Und hier in Berlin sind das echt da so Anlageobjekte, wenn du so willst, ne, wo ich gesagt habe, da Also das ist schon einige Jahre her jetzt. Habe ich 150.000 €, kann ich da investieren, und dann kaufe ich die jetzt mal. Und das sind halt auch so Zweizimmerwohnungen.
Ja, und kannst du von diesen Wohnungen— werfen die passives Einkommen ab?
Inzwischen ja, weil die inzwischen abbezahlt sind. Aber ich denke ja, wenn man über Vermögensbildung redet, da reden wir vielleicht lieber über meinen Neffen, der das, wie ich finde, großartig macht. Erzähl mal. Na, der kam mit 21 das erste Mal zu mir und sagte, ich könnte da 3 Wohnungen kaufen, die Bank gibt mir 100%, kannst du mir die Erwerbsnebenkosten vorstrecken, ich stottere die dann ab bei dir.
Und hast du es gemacht?
Na klar.
Das ist ja toll. Ich glaube auch, also bei Happy Immo erzählen wir auch genau das, oder wir erzählen die Geschichten von vielen Frauen, die sich Wohnungen gekauft haben, und die meisten haben wirklich mit der Hilfe von ihrer Mutter oder ihrer Oma oder von anderen Verwandten gestartet, also das EK quasi vorgestreckt bekommen und haben damit angefangen, sich Wohnungen zu kaufen.
Genau, und es geht ja, wie gesagt, es geht ja immer nur um die Erwerbsnebenkosten. Ja, und deswegen, wenn man dann nicht allzu teure Wohnungen kauft, dann ist es ja auch nicht so viel. Ich glaube, ich habe, ich weiß gar nicht, ich glaube 30.000 € oder was ich ihm damals gegeben habe.
Genau, ich glaube, es geht auch, wenn man eine Wohnung für 100.000 € kauft, dann sind es ja nur so 10.000, 12.000 €, also je nachdem, genau, wie hoch der Preis ist. Genau, ja, und das ist auch ein wichtiges Thema, das eigentlich super, dass du das jetzt sagst, weil wir wirklich Frauen ermutigen wollen und zeigen wollen, dass man eben gar nicht so viel Geld auf dem Konto haben muss, um eine Wohnung zu kaufen.
Ganz genau, man braucht es eben genau nicht. Also ich habe auch der Freundin meines anderen Neffens, die hat eine kleine Erbschaft gemacht von 30.000, habe ich auch gesagt, überleg da mal, ob du dir nicht auch so eine Wohnung kaufst. Und, macht sie es?
Hat sie gemacht, ja.
Sehr gut. Ja, ja, also die ist ein bisschen, war ein bisschen teurer irgendwie, oder war aber auch eine schöne Wohnung, gut gelegen, zweieinhalb Zimmer. Ganz prima. Ich glaube, damit kann man eben nichts wirklich falsch machen, sage ich mal ganz ehrlich. Weißt du, wenn du— kannst natürlich jetzt leicht sagen, okay, leg die— leg das Geld auf die Bank, kauf dafür Aktien, da machst du im Zweifel im Moment eine bessere Rendite, würde ich sagen. Jawohl, das stimmt, sehe ich auch so, hast auch weniger Stress. Aber dann musst du eben erstmal das Geld haben. Und der Vorteil beim Immobilienkauf ist ja noch mal, wenn du eine vermietete Wohnung kaufst, brauchst du eben kein Kapital, sondern dann kommt das Kapital mit in Jahren.
Das finde ich so gut, dass du das jetzt sagst, weil genau das denke ich nämlich auch. Ich sage auch immer, kauf doch einfach. Ja, also wenn sich eine Wohnung rechnet, wenn man mit der Miete Zins und Tilgung bezahlen kann und vielleicht noch ein bisschen was zurücklegen kann, dann macht es doch einfach. Ich sehe so viele Frauen, die es eben nicht machen, die dann irgendwie alles gerechnet haben und alles passt irgendwie. Und dann sagen sie aber doch, ach nee, ich kaufe die Wohnung doch nicht. Weiß nicht, wie lange, wie lange, ich weiß nicht, wie lange man warten will. Das finde ich super, dass du da auch sagst, was kann schon passieren? Also ich denke auch, man muss da gar keine Angst haben, wenn sogar die Bank mitfinanziert. Die Bank ist ja nicht blöd, dann passt das schon, dann kann man die Wohnung auch kaufen und eben zuschnappen und sich sein eigenes Stück Stadt schnappen.
Und vor allen Dingen sein eigenes Stück Rente. Also wie gesagt, mein Neffe mit 21 kam dann an, sagte, mit 55 sind die abbezahlt, dann habe ich für meine Rente vorgesorgt.
Habe ich gesagt, sehr gut gemacht. Also mit 21. Ich habe auch leider viel zu spät angefangen, aber mit 21 ist— Ich habe auch zu spät angefangen.
Wann hast du angefangen?
Ah, na ja, ich war bestimmt schon Ende 30, als ich meine erste Wohnung gekauft habe. Also an alle, die hier zuhören: Kauft früh.
Genau. Aber wie gesagt, vermietete.
Ja, am besten vermietete. Oder mehr und man vermietet sie selber. Ja, aber man kriegt vermietete auch billiger.
Genau, da sollte man dran denken.
Und wenn man sie sowieso vermieten will, Dann kann man sie auch gleich vermietet kaufen. Also wir haben jetzt schon den ersten Tipp von dir: Kauft am besten in Gebäuden ohne Fahrstuhl, damit die Nebenkosten gering sind, damit ihr relativ günstig vermieten könnt.
Super.
Der zweite Tipp ist: Kauft vermietete Wohnungen, die sind billiger. Klar, das ist ja so.
Was wäre denn der dritte Tipp? Na, guckt euch schon an, dass ihr eine Lage habt, die attraktiv ist. Lage, Lage, Lage, Lage, Lage, Lage.
Das ist ja der Immo-Spruch schlechthin. Genau.
Und was ist eine attraktive Lage? Na ja, ich glaube, es muss nicht mal, die Wohnung muss nicht mal so besonders gut gelegen sein. Ich habe beispielsweise eine hier in Berlin im Englischen Viertel gekauft. Finde ich jetzt nicht so den Renner, das Viertel, aber da ist man zweimal lang hingeschlagen und dann ist man in der U6 und in 10 Minuten am Bahnhof Friedrichstraße. Das ist, finde ich, ziemlich attraktiv.
Und an wen vermietest du die?
Sind das Studenten? Nee, das sind alles junge Arbeitssuchende. Also im Moment, also jetzt hatte ich die letzte, die hat jetzt gerade Examen gemacht, die ist in der Tat noch als Studentin eingezogen und ist aber jetzt arbeitet jetzt mit einer halben Stelle.
Spannend. Unser Motto bei Happy Immo ist: Do good and be happy. Was bedeutet das denn für dich auf Immobilien bezogen? Zum Beispiel hatten wir Frauen, die hier im Podcast, die gesagt haben, dass sie eben an Leute vermieten, die auf dem normalen, auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt hier in Berlin sonst keine Chance hätten, also zum Beispiel an alleinerziehende 24-Jährige vermieten oder so.
Machst du das auch? Also das würde ich machen, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde. Ehrlicherweise ist die eine Wohnung, die ich hier gekauft habe, die war vermietet und die ist auch immer noch vermietet an dieselben Leute. Oh, da hast du aber Glück. Und die andere, da ist eben diese Studentin eingezogen, die ich jetzt nun kannte und wo sich das zufällig ergeben hat, dass die mir erzählt hatte, sie sucht eine Wohnung und die Mieter hatten gerade gekündigt. So hat sich das gerade so gefügt. Aber ansonsten finde ich das super, wenn die Leute das machen und würde es auch tun, wenn es sich dann irgendwie ergeben würde.
Und dann habe ich noch die Frage: Du hast ja von deinem Neffen erzählt. Ich sage, wir brauchen mehr weibliche Investorinnen. Wie siehst du das denn? Mit Happy Immo wollen wir das ja unterstützen und wollen eben gerade Frauen, klar auch allen Männern, die zuhören, aber vor allem Frauen Mut machen, sich ihr Stück Stadt zu schnappen.
Wie findest du das denn? Super. Also ich finde es ja immer gut, wenn man Frauen Mut macht, sich ihr Stück zu schnappen, egal von welchem Kuchen. Und das ist einmal vom städtischen Kuchen oder von dem von Wohnungseigentum, aber ein Stück vom Kuchen ist ja alles, ne, sind auch Beförderungsjobs und sind gute Positionen und genau Teilhabe am öffentlichen Leben und auch eben die Welt, das öffentliche Leben mitzugestalten, damit das eben auch aus Frauensicht gestaltet wird.
Das finde ich gut. Und was sind dann deine 3 Punkte, die du allen, die jetzt zuhören, mit auf den Weg geben willst?
Den Frauen, also was ich eben gesagt habe mit der Wohnung, das gilt für alles, wenn man die Chance hat, dann soll man springen, Das ist aber auch eines meiner Lebens oder mein Lebensmotto auch gewesen. Wann immer ich eine Stelle angeboten bekommen hatte, die eine Beförderung beinhaltete, habe ich gesagt, ja, mache ich. Das muss man dann auch mal tun. Man muss dann auch mal sagen, ja, auch wenn das mit einem Ortswechsel beispielsweise verbunden ist oder so. Wenn man denn Karriere machen will, dann muss man dann auch sagen, jawohl, also das schaffe ich. Der andere Ratschlag ist, wenn man Karriere machen will, sollte man auf die Partnerwahl besonders achten, weil man braucht natürlich, egal ob wie auch immer sexuell georientiert, braucht man natürlich jemanden zu Hause, mit dem man zusammenlebt, der das unterstützt und der einem da nicht dauernd irgendwie Probleme mitmacht. Dann wird man auch nicht glücklich. Und als dritten Punkt würde ich dann vielleicht noch eine Bitte an euch richten wollen. An Happy Immo. Ich finde ja immer, dass man sich als Frauen auch untereinander helfen soll, vernetzen soll. Und ihr macht das ja auch mit Happy Immo. Also es geht euch ja darum. Und überlegt doch mal, ob es Sinn machen könnte, dass ihr so eine Plattform aufbaut. Wohnungen von Frauen für Frauen, so ungefähr. Zum Mieten oder zum Verkaufen? Zum Verkaufen. Von mir aus auch zum Mieten dann. Aber ich würde jetzt erst mal ans Verkaufen denken. Also wenn ich beispielsweise überlege, ich wollte dann eine Wohnung verkaufen von meinen, dann würde ich ja irgendwie denken, okay, kenne ich jemanden, aber im Zweifel kenne ich dann niemanden. Ist ja immer so, wenn man gerade was aktuell hat, dann kennt man doch gerade keinen, wo es passt. Und dann würde ich doch aber ganz gerne auch an eine Frau verkaufen. Und wenn ich dann so eine Plattform hätte, auf der ich gucken könnte, wer sucht eine Wohnung in so einer Preisklasse, fände ich nicht schlecht.
Das finde ich eine super Idee, das nehmen wir sofort auf, eine Plattform für Happy Immo, Wohnungen von Frauen für Frauen.
Man kann es ja erst mal als so eine Art Pinboard machen.
Genau, immer so richtig.
Super Idee, finde ich super, das machen wir. Und dann kann man, wenn sich Leute werden, mit Mieten mag es vielleicht auch gehen, aber das ist dann natürlich, es wird wahrscheinlich schon viel. Aber mit Kaufen finde ich jetzt erst mal auch, wie euer Business ist, da passt das jetzt erst mal besser.
Das finde ich gut, das nehme ich mit. Ja, daran arbeiten wir. Ansonsten für alle noch mal die Tipps. Von Brigitte Zypries sind springt, be ready to jump und Augen auf bei der Partnerwahl. Genau. Das Gespräch hat mir viel Spaß gemacht.
Dankeschön. Gerne.
More from Anaïs
Vom Neuanfang zur Immobilien-Investorin: Stellas mutiger Weg zu 3 Wohnungen – mit Stella Model
Null Euro, Ehegattenschaukel, Splitting und andere Immobilien-Mythen – mit Carolin Telle
Null Euro, Ehegattenschaukel, Splitting und andere Immobilien-Mythen – mit Carolin Telle
Keine Angst vorm Notartermin: So läuft ein Immobilienkauf wirklich ab – mit Dr. Eva Kreibohm
Keine Angst vorm Notartermin: So läuft ein Immobilienkauf wirklich ab – mit Dr. Eva Kreibohm