Let's talk Volkswirtschaft mit Gertrud Traud!
3 May 2023 · 32 min
Dr. Gertrud Traut, chief economist at Hessian State Bank, explains how she moved from studying biology to economics and shares her investment approach: diversify across stocks, real estate, and tangible assets, but avoid crypto. She calls 2023 a balancing act between recession risk and high inflation, expects moderate rate increases near-term, and warns of falling property prices and rising rents.
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Willkommen beim Happy Immo Podcast. Heute zu Gast eine ganz besondere Frau und gute Freundin, die Chefvolkswirtin der Hessischen Landesbank, Dr. Gertrud Traut. Willkommen, Gertrud!
Vielen herzlichen Dank, liebe Maja, für die Einladung und insbesondere auch für diese herzliche Begrüßung.
Auf jeden Fall. Ich freue mich total, dass du da bist und ich habe natürlich wahnsinnig viele Fragen an dich zu der wirtschaftlichen Lage. Aber vorher möchte ich eine persönliche Frage stellen. Du bist Chefvolkswirtin. Ich kenne fast keine andere weibliche Chefvolkswirtin in Deutschland. Bist du die einzige? Und wie kam es überhaupt dazu, dass du Chefvolkswirtin geworden bist?
Also tatsächlich war ich über 15 Jahre die einzige Chefvolkswirtin in Deutschland. In Frankreich gab es auch früher schon mal eine, aber in Deutschland viele, viele Jahre keine. Aber jetzt gibt es auch eine bei der KfW. Also jetzt sind wir schon zwei, und da wir Ökonomen ja immer in Veränderungsraten sprechen, also hat sich die Quote schon verdoppelt, also eine Steigerungsrate um 100% von 1 auf 2.
Wow, das ist natürlich ganz toll. Ich wünsche mir die gleiche Steigerung von 100% auch in den Vorstandsetagen in Deutschland.
Ja, so ist es halt immer, wenn das Niveau sehr niedrig ist, sind die Veränderungsraten üblicherweise höher. Und auch dieser Prozess geht halt relativ langsam. Die Kollegin bei der KfW ist jetzt auch schon, ich glaube, so 3, 4 Jahre da, und in den letzten Jahren ist dann auch wieder nichts mehr passiert. Also da ist noch viel Platz nach oben, dass noch ganz viele Chefvolkswirtinnen dazukommen.
Das ist super spannend. Erzähl mal, wie kam es dazu, dass du diesen Beruf gewählt hast? Und 15 Jahre warst du ja alleine Chefvolkswirtin in Deutschland.
Also ich bin ja promovierte Volkswirtin und ich sage immer, entweder eine Spätberufene oder eine Volkswirtin auf Umwegen. Also zum einen kannte ich den Beruf, den ich jetzt habe, als Schülerin gar nicht. Ich habe mir das auch nicht vorstellen können. Ich hatte auch früher mit Wirtschaft überhaupt nichts im Sinn, weil ich wollte Lehrerin werden, und davon war ich ziemlich überzeugt, und nicht in Wirtschaft, sondern in Biologie und Chemie. Und das war mein Traum, und das habe ich dann direkt nach dem Abitur auch gemacht, um dann festzustellen, dass es furchtbar frustrierend, furchtbar langweilig war. Und dann habe ich dieses Studium abgebrochen und versucht zu finden, was mein Ding ist. Und die Motivation war immer die gleiche: Ich dachte, mit den Naturwissenschaften würde ich die Welt besser verstehen können. Habe ich aber nicht. Ich konnte dann sagen, wo die Aorta des Frosches lang läuft, und ich konnte auch sagen, was blüht denn da oder was fliegt denn da. Aber ich habe die Welt nicht verstanden. Und dann habe ich ein bisschen gebraucht, bin nach Frankreich und auch in die USA gegangen als Au-pair. Und dann plötzlich, und insbesondere die Zeit in USA, da habe ich miterlebt, was Wechselkurse bedeuten. Und dann dachte ich, das will ich verstehen. Und die Motivation, auch in die Welt zu gehen, vielleicht Diplomat werden. Und dann habe ich mal geschaut, was studiert man dafür. Und dann bin ich über Volkswirtschaft gestolpert und ja, heute würde ich sagen, dann habe ich meine Berufung gefunden.
Ja, durch die Volkswirtschaft kann man schon sehr gut die Welt verstehen und damit kann man auch vermutlich auch diese Bereiche auch besser verstehen, in denen du ursprünglich gehen wolltest, oder die haben einen Einfluss aufeinander auf jeden Fall. Aber da lernen wir noch gleich mehr dazu. Wie ist es bei dir und Investments? Hast du in deinem Werdegang auch selbst investiert und in was?
Also zum einen, also wenn ich aus dem Schwabenland kommen würde, was ich nicht bin, ich bin Osthessin, aber wenn ich aus dem Schwabenland wäre, würde man sagen, ich bin so ein bisschen was wie ein Sparbrötchen. Ich habe als Kind schon immer, wenn ich von meinen Großeltern ein paar Mark, damals gab es ja noch die D-Mark, zugesteckt bekam, habe ich das sofort gespart. Immer in der Aussicht, da kann man dann später mal was mitmachen. Also sehr profan am Sparbuch angelegt, dann irgendwann auch Bundesschatzbriefe. Aber mein erster Job nach der Promotion war im Aktienbrokerage, und dann bin ich sehr schnell in die Welt der Aktien eingestiegen. Alles rund um Aktien, aber auch, was man sonst noch so machen kann. Derivate, auch mit Währungen, auch mal spekulative Dinge, die ich heute nicht mehr machen würde. Also Investition, Geld anlegen, vorausschauend zu agieren, das ist etwas, was mir vermutlich in die Wiege gelegt wurde.
Und privat, in was investierst du privat aktuell?
Naja gut, eine Empfehlung, die jeder Anlagestratege geben würde, und wir geben ja auch global galaktisch, wir dürfen keine direkten Empfehlungen geben, aber global galaktisch heißt es immer gut diversifizieren, breit streuen. Und das heißt für mich persönlich auch, man sollte von allem etwas haben. Und von allem etwas heißt, man sollte Aktien haben, man sollte auch Immobilien haben. Und da ist nur die Frage, welche Anlageform wählt man, finanziert man das oder macht man das über Eigenkapital. Also da gibt es ja viele Varianten. Aber als ehemalige Aktienbrokerin ist für mich auch ein Thema, das viele nicht erkennen, dass Aktien eine Sachanlage sind und dass das keine Spekulation ist, sondern etwas sehr Solides, so wie Immobilien halt auch.
Auf jeden Fall. Also man sollte von allem ein bisschen was haben. Wie stehst du zu dem Thema Krypto und NFTs eigentlich?
Also Krypto, gebe ich zu, bin ich eher vorsichtig. Wir Ökonomen, wir fragen uns, ist etwas Geld? Ist die Kryptos, werden ja auch Kryptowährungen genannt, ist es eine Währung? Und dann gucken wir nach Kriterien, Kriterien, wie wir Geld definieren. Ist es ein Anlageinstrument? Ist es eine Recheneinheit? Oder Ist es eine Wertaufbewahrungseinheit? Und dann würde ich sagen, nein, alle diese Funktionen erfüllen die Kryptos derzeit nicht. Und deswegen ist das für mich nur eine Spekulation und kein Anlageobjekt.
Ja, also ich ehrlich, ich habe jetzt selbst auch noch nicht in Krypto investiert. Ich investiere in Kunst und da habe ich mich so ein bisschen mit NFTs auseinandergesetzt, aber ehrlich gesagt, da kaufe ich auch lieber direkt Kunst. Und das, worauf ich am meisten Wert lege, und du bist ja heute beim Happy Immo Club, ne, sind natürlich Immobilien. Und zwar, ich kaufe sie gewöhnlich direkt. Und ich wollte dich dazu fragen, was hältst du von Immobilieninvestments? Und du hattest ja davor erzählt, es gibt viele Wege, in Immobilien zu investieren.
Ja, also wir fangen noch mal von der Aktienseite an. Man kann natürlich auch Immobilienaktien kaufen, man kann direkt in offene und geschlossene Immobilienfonds gehen, oder man kann Immobilien direkt kaufen. Dann ist die Frage, kauft man Immobilien als Investitionsobjekt oder kauft man Immobilien, um drin zu wohnen? Das macht ja alles große Unterschiede, weil die, die Eigenimmobilie ist zumindestens für die meisten etwas eher Emotionales und weniger ein Anlageobjekt. Da wird auch meistens nicht so sehr auf die Rendite geguckt, also das sind andere Überlegungen. Bei Immobilien kommt es wirklich drauf an, wie sind die Präferenzen, weil Immobilien im Normalfall, wenn man eine Immobilie kauft, wenn man nicht so wahnsinnig viel Geld hat, hat man ein gewisses Klumpenrisiko. Und dann muss man sich überlegen, passt das zu meinen Präferenzen, kann ich das finanzieren? Und mein Spruch ist dann immer ganz, ganz einfach, mit dem Orakel von Delphi brauchen. Erkenne dich selbst. Möchte ich eine Immobilie haben? Weil eine Immobilie ist was anderes als eine andere Investition, weil man kann auch hingehen, man kann sie sehen, man kann das Gebäude anfassen, man kann die Wohnung anfassen, man kann sich die Mieter aussuchen. Das sind alles Dinge. Es ist aber auch Arbeit Und ich würde immer empfehlen, deswegen finde ich das auch toll, dass er den Happy Immo Club gegründet hat, wenn man mit Immobilien nicht so vertraut ist, man sollte nicht naiv daran gehen und sagen, na ja, ich möchte auch eine Immobilie haben und ich kaufe die jetzt, weil Freunde von mir auch eine gekauft haben. Also ich halte es für ganz, ganz wichtig, dass man sich Gedanken darüber macht, Welchen Zweck soll die Immobilie haben? Und sich dann Gedanken darüber macht, okay, ich möchte damit eine Rendite erwirtschaften. Wie viel Eigenkapital habe ich? Wo stehen die Zinsen? Wie ist es mit der Tilgung? Wie ist es mit der Restschuld? Möchte ich die Immobilie langfristig finanzieren? Spielen steuerliche Dinge eine Rolle? Die unterschiedlichen Abschreibungsregelungen? Und da ist es gut, wenn man jemanden hat, den man halt auch mal fragen kann. Weil es nicht ganz so einfach ist, wie zum Beispiel einen Aktien-ETF zu kaufen. Dann hat man ein Depot und dann liegt es da und man muss wenig machen, insbesondere wenn man das halt mit Eigenkapital macht.
Ja, das hast du, hast du auf jeden Fall recht. Deswegen haben wir Happy Mooklub gegründet, damit wir genau erklären, wie das geht, Schritt für Schritt. Und was wir feststellen, ist, dass die Frauen sich viel mehr Sorgen machen, als sie sich eigentlich machen sollten, Weil wir, wir machen uns einfach gerne Sorgen und sorgen uns gerne um andere statt um uns selbst. Und bei Immobilien ist es auch ähnlich. Die Sorgen überwiegen oft. Aber wir haben auch gute Tipps, wie man, wie man eigentlich ohne zu viel Arbeit zu haben und wenn man auch die richtige Hausverwaltung einsetzt, dass man nicht so viele Schwierigkeiten hat und, und In unserem WhatsApp-Chat, in unserem Circle, sprechen wir auch die ganze Zeit darüber, und jeder kann Fragen stellen. Wir beantworten die Fragen, die Frauen helfen sich gegenseitig, und das ist echt toll zu sehen. Aber wie du sagst, gibt's natürlich auch einen anderen Weg, in Immobilien zu investieren. Man kann ja auch über Aktien in Immobilien investieren und so weiter. Ich liebe ja die direkte Investition, weil ich dadurch Einfluss nehmen kann auf die Immobilien. Und deswegen wollte ich dich jetzt auch fragen, weil ich mache mir auch sehr viele Sorgen jetzt so ein bisschen, oder Gedanken über die steigenden Zinsen. Und du hast ja gesagt, dass deine Passion ist es, die Welt zu erklären und zu verstehen. Und wir sind sehr gespannt, hier zu hören, wie du die Welt aktuell siehst, mit diesen Kriegen, steigenden Zinsen, hoher Inflation. Und was das für die Immobilien eigentlich bedeutet.
Ja, so wie du Frauen unterstützen, also wie ihr Frauen unterstützen wollt, die Immobilienwelt zu verstehen, ist es mein Anliegen, die Volkswirtschaft zu verstehen. Und deswegen spreche ich immer in Bildern. Mein Jahresausblick ist immer in einer Analogie. Ich spreche dann zum Beispiel in Beatles-Songs oder über Schokolade, über Theater oder Weltwirtschaft im Fitnessstudio. Und in diesem Jahr habe ich als Analogie die Bergwelt gewählt, weil man merkt sofort, die Bergwelt, die liebt man entweder, weil man die Chancen sieht, oder die Bergwelt fürchtet man, weil insbesondere wenn der Nebel aufzieht, dass man extrem unsicher wird. Und man merkt auch schon, Nebel, das hat was mit Wetter zu tun, Und jetzt gehen wir nur ein paar Monate zurück. Die Angst vor der Gasmangellage in diesem Winter hat gezeigt, wie wichtig das Wetter für volkswirtschaftliche Entwicklungen ist. Und deswegen habe ich dieses Thema gewählt, Bergwelt, mit einem Hauptszenario, einem Risikoszenario und auch einem Positivszenario. Und das Negativszenario wäre gewesen, dass die Welt abstürzt Und hätte passieren können, wenn es ein eiskalter Winter gewesen wäre, wenn nicht genug andere alternative Energiequellen gefunden worden wären. Aber das war nicht das Szenario mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Das Szenario mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für das Jahr 2023 heißt Weltwirtschaft auf Gratwanderung. Und ich glaube, das kann man im Moment auch besser nachempfinden. Gratwanderung heißt gerade nicht abzustürzen, sondern man geht da entlang. Man muss aber vorsichtig sein, weil man theoretisch rechts und links runterfallen kann. Und die Risiken sind auf der einen Seite die Rezession und auf der anderen Seite weiter steigende, stark steigende Inflationsraten. Aber da wir nicht abstürzen, ist unser Szenario: Ja, es wird noch ein schwaches Quartal geben nach dem vierten Quartal, als wir schon eine leichte Minusrate hatten. Und wir werden auch noch in '23 relativ hohe Inflationsraten sehen, aber sie gehen schon sukzessive zurück. Kein Absturz, die Welt bewegt sich auf diesem Grat entlang. Und je besser das Wetter wird, desto mehr lichtet sich der Nebel, und desto mehr in das Jahr hinein wird auch die Stimmung besser, und die Unsicherheit verschwindet dann etwas.
Was. Glaubst du dann, die Zinsen werden fallen, oder, und wann passiert das, wenn das passieren soll?
Ja, das ist eine gute Frage. Also das letzte Jahr war ja geprägt durch einen Aktiencrash, das letzte Jahr war geprägt durch einen Rentencrash, was nichts anderes heißt, als dass die Zinsen stark angestiegen sind. Die Notenbanken weltweit haben angefangen, die Zinsen zu erhöhen. Jetzt ist eher die Frage, wie lange geht das noch? Wir hatten auch den Euro, der eingebrochen brochen war. Und die Immobilienklasse hat sich anfangs noch recht stabil gehalten, aber je weiter die Zinsen angestiegen sind, desto schwieriger wurde es für Immobilien, weil die Zinsen sind ein wesentlicher Faktor, also nicht der einzige, aber ein wesentlicher Faktor. Und die Frage ist jetzt aus meiner Sicht nicht ob die Immobilienpreise in diesem Jahr zurückgehen, sondern die Frage ist lediglich, um wie viel. Und das mag ein bisschen ungewöhnlich sein, weil wir hatten mehr als 10 Jahre steigende Immobilienpreise. Dann denkt jeder, na, Immobilienpreise, die steigen halt immer. Ja, sie sind all die Jahre gestiegen, weil in all den Jahren die Zinsen gefallen sind, und dann wurde es sehr günstig auch die Immobilieninvestments zu tätigen, auch andere Investments. Und jetzt wird der Preis für Investments höher mit den Zinsen, und das macht es schwieriger. Und wir sehen im, am Immobilienmarkt im Moment so was wie eine Schockstarre. Diejenigen, die verkaufen wollen, sagen, in all den letzten Jahren konnte ich immer teurer verkaufen, als ich eingekauft habe. Jetzt geht es gerade nicht. Die, die nachfragen, sagen ja, ich würde schon gerne kaufen, aber weil die Finanzierung teurer ist, müssten die Preise eigentlich zurückgehen. Und wir sehen, dass die Transaktionen massiv zurückgehen. Wir sehen auch erste Preisrückgänge, aber wir wissen noch nicht, wann das vorbei ist. Wir sehen aber gleichzeitig auch, es wird weniger gebaut, was dazu führt, dass die Mieten jetzt steigen. Und dann merkt man, aha, wenn man ein Immobilieninvestment tätigen möchte, dann möchte man ja auch Miete erzielen. Also wenn die Preise fallen von Immobilien und die Mieten steigen, dann spielt das ja eigentlich dem Käufer in die Hand. Er muss jetzt nur noch einen finden, der bereit ist zu verkaufen. Und wir sind der Meinung, dass die Korrektur bei den Preisen noch nicht vorbei ist. Also man muss es jetzt nicht überhetzen, man kann sich das in Ruhe angucken, man kann in Ruhe auswählen, man kann sich auch gut beraten lassen, und die Zinsen werden auch noch etwas ansteigen. Also die Zinserhöhungsphase ist noch nicht dabei. Die EZB wird vermutlich im März schon noch einen nächsten Schritt machen. Also es gibt keinen Grund, es jetzt zu übereilen, aber wer mit Immobilien liebäugelt, sollte schon mal anfangen zu gucken und auch zu eruieren, wo ist ein Objekt, was einen interessiert. Und wenn am Ende nur noch der Preis zu hoch ist. Vielleicht gibt es dann auch jemanden, der sagt, ach, ich mache jetzt mal lieber Kasse und dann passt es auch.
Genau, das sehen wir genauso, wie du sagst. Ich sehe auch super wenige Angebote, neue Angebote im Markt. Wenn, dann sind das einzelne, weil nur die, die verkaufen müssen oder unbedingt wollen, verkaufen aktuell. Und wenn wir etwas finden, was uns gefällt, also die, unsere Bootcamp-Teilnehmerinnen und die Frauen aus dem Happy Circle, Die machen dann Angebote und dann schauen wir, wie weit sie kommen. Und unsere Angebote sind teilweise 30, 40% unter dem gewollten Kaufpreis, ne. Und bei manchen klappt es auch, es ist unglaublich, ne. Also das Wichtige ist nur, dass man sich in die Immobilie nicht verliebt, weil dann zahlt man ja höheren Preis.
Aber sonst, es ist ein Investment, also es ist keine Liebesgeschichte. Man kann dann auch richtig Freude an dem Investment haben. Aber man sollte halt nicht so emotional reingehen, sondern tatsächlich durchrechnen. Und wenn es sich nicht rechnet, dann ist es kein Investment, sondern dann ist es Liebhaberei.
Genau. Und wenn du jetzt darüber nachdenken würdest, wenn man sich jetzt eine Immobilie kaufen will, dann geht man hin und finanziert sie. Und da fragt man sich immer, für wie viele Jahre, ne? Ich habe ehrlich gesagt, meine meisten Finanzierungen waren immer so für 10 oder 15 Jahre.
Jahre.
Aber jetzt in letzter Zeit habe ich eine variable Finanzierung einfach abgeschlossen. Das war jetzt nicht viel, aber, aber ich habe mir gedacht, okay, ich warte mal ab, vielleicht fallen die Zinsen. Was würdest du empfehlen, oder was sind, was ist deine Meinung über, über den Abschluss von Kreditverträgen über 5, 7, 10, 15, 20 Jahren?
Also das hängt wieder, da bin ich wieder bei dem Orakel von Delphi. Wenn man, je kürzer man abschließt, desto mehr Chancen hat man, dass die Zinsen in der Zeit falten können. Man hat aber auch das Risiko, dass die Zinsen steigen können. Also ist eine gewisse Zinsspekulation, die man dann macht. Im Moment, jetzt gemessen an unserer Prognose, im Moment, wir sind der Meinung, dass die Zinsen jetzt noch etwas steigen werden, weil auch die Notenbanken die Zinsen noch weiter erhöhen werden. Das führt auch dazu, zu dieser Unsicherheit im Markt, weil jeder fragt sich, wie lange steigen die Zinsen noch, und deswegen findet so wenig Transaktion statt. Aber wir glauben nicht, dass das im nächsten Jahr auch noch der Fall sein wird. Der Markt erwartet sogar teilweise schon in diesem Jahr wieder Leitzinssenkungen von der EZB und der US-Notenbank. Wir sehen das erst im nächsten Jahr. Das heißt nicht, dass die Zinsen zurückgehen auf das, was wir mal hatten, quasi keine Zinsen, auch negative Zinsen, die die Notenbank ja gemacht hat, also Strafzinsen. All das werden wir nicht mehr sehen, vermutlich nicht in meinem Berufsleben. Also das relativ höhere Niveau, aber da gewöhnt man sich irgendwann auch dran, wenn man halt feststellt, dass Zinsen etwas ist, was einfach normal ist. Das ist der Preis, den man zahlt, dass jemand einem Geld gibt, nämlich die Bank, und dass man dafür eine Rendite erzielen kann. Also ja, kurzfristig erwarten wir noch Zinssteigerungen. Mittelfristig werden die Zinsen, also im nächsten Jahr ist es unsere Annahme, werden die Zinsen auch wieder leicht zurückgehen.
Wir hatten ja vor ein paar Jahren Bau- Finanzierungszinsen von 0,7%, ne, dann sagst du, das ist jetzt wirklich vorbei, ne. Da können wir nicht darauf hoffen, dass wir die 0,7— da war glaube ich der Leitzins negativ noch, da, das wird schwierig, das noch mal zu erreichen.
Ja, also wir hatten da den negativen Einlagezins und das war, also die 0,7 einfach mal vergessen. Jetzt sind ja bei der 10-jährigen Finanzierung bewegt man sich eher um die 4%, das kann auch mal wieder ein bisschen darunter gehen, dass sich das vielleicht dann auch zwischen, zwischen 3 und 4 mal wieder einpendelt. Aber die 0 und auch die 1 und die 2 vorne, das einfach mal vergessen und neu rechnen, sich mit der Realität, der neuen Realität auch anfreunden und nicht frustriert sein, dass man guckt und guckt und guckt und sagt, es passiert ja nicht mehr, sondern die Rahmenbedingungen sehen, wie sie sind, und so wie ich eben gesagt habe, dass wir auch davon ausgehen, dass die Preise nachlassen. Und wenn die Mieten steigen, dann sieht die Rechnung ja auch wieder günstiger aus.
Es gibt ja die Zinskurve, und wenn man sich diese Zinskurve anschaut, so, es sieht so aus, der 3-Monats-Euribor fällt auf ungefähr, glaube ich, 2, irgendwas, 2,4% oder so im Jahr 30.
Glaube ich.
Kannst du uns kurz erklären, was eine Zinskurve ist und wie kann man die Zinskurve nutzen, um so ein bisschen ein Gefühl dafür zu bekommen, wo die Reise hingeht? Oder kann man das überhaupt?
Ja, also die Zinskurve, das sind die Zinsen über die sogenannte gesamte Laufzeit, also die Zinsen, die die Notenbanken setzen, wenn die Banken bei ihr Geld leihen. Und dann über die unterschiedliche Laufzeit will man über 3 Monate finanzieren, halbes Jahr, ein Jahr, 2 Jahre, 5 Jahre, 10, 30 Jahre. Und im Normalfall ist es so, dass das sogenannte kurze Ende, also die Leitzinsen niedriger sind als das lange Ende. Jetzt ist es aber genau umgekehrt, und das erzählt ein bisschen eine Geschichte. Die Geschichte ist, dass das lange Ende, also das, was der Kapitalmarkt antizipiert, sagt, mittelfristig werden die Inflationsraten auch wieder etwas niedriger sein. Und wenn die mittelfristig, die Inflationsraten wieder etwa etwas niedriger sind, dann werden die Notenbanken auch die Leitzinsen wieder senken. Und deswegen haben wir diese sogenannte inverse Zinsstruktur. Also das lange Ende niedriger als das kurze Ende. Das gibt ein Gefühl für die Zukunft, dass es da wieder ein bisschen Hoffnung ist, dass sowohl die Inflation als auch die Leitzinsen wieder etwas runterkommen.
Und das könnte sich leider auch noch ändern, oder? Ich meine, wir wissen gar nicht, was in unserer Welt noch passiert mit diesen geopolitischen Risiken, die existieren, wenn sich dieser Krieg verschärft Was könnte da passieren?
Also, das, ich habe ja vorhin erwähnt, dass wir immer in Szenarien denken. Ja, das Absturzszenario ist nicht aus der Welt. Es könnte auch eine weitere Eskalation beim Krieg geben. Es könnte auch eine Eskalation geben mit China und Taiwan. Und die Vorstellung, dass es dann Sanktionen gegenüber China gäbe, das wäre natürlich für Deutschland eine Katastrophe, weil China ist unser wichtigster Handelspartner auf der Importseite. Es gibt kein Land, aus dem wir so viel importieren wie aus China. Aus Russland haben wir größtenteils nur Energie bekommen, in Anführungsstrichen nur Energie, aber aus China bekommen wir über alle Branchen hinweg Güter. Und dann auf der Exportseite ist China unser zweitwichtigster Handelspartner, gleich nach den USA. Also wenn dieser internationale Handel wegen einer weiteren kriegerischen Auseinandersetzung zusammenbrechen würde, dann würde unsere Wirtschaft auch zusammenbrechen. Also da gibt es natürlich Risiken, aber das ist etwas, was wir im Moment nicht sehen, weil China hat im Moment auch genug damit zu tun von sogenannten Null-COVID. Also die ganze, das ganze Volk war eingesperrt, jetzt ist es wieder, darf es raus auf Full Covid, und die Bevölkerung war kurz vor dem Volksaufstand. Wir dachten schon, unsere Restriktionen wären heftig gewesen. In China durfte man nicht mal mehr auf die Straße gehen, da waren die Leute tatsächlich eingesperrt. Und das sollte jetzt kurzfristig kein Thema sein, aber muss man beobachten. Auch China und USA, die kämpfen auch um die Weltmacht. China möchte irgendwann genauso stark und groß wie die USA sein. Und die USA möchten natürlich auch stark und groß sein. Also das ist die politischen Giganten, die Blockbildung, die wir nach dem Krieg mal hatten, die ist wieder in vollem Gange. Und früher war das USA und Sowjetunion, jetzt erwarten wir, dass das USA und China ist. Und Russland ist aus unserer Sicht dann sowas wie ein Satellit an China. Und wir sehen auch jetzt jetzt die Handelsströme zwischen Russland und China, die intensivieren sich, und China versucht da auch eine gewisse Rolle zu spielen. Welche Motive dahinter sind, da bin ich ein bisschen zurückhaltend.
Ja, wenn es unserer Wirtschaft aber nicht so gut gehen würde, was so die Auswirkung sein kann aus einem großen Konflikt, dann heißt es ja für uns vermutlich eine Rezession. Und eine Rezession würde heißen vielleicht niedrigere Zinsen, aber Vermutlich auch vieles andere wird im Preis runtergehen, schätze ich. Oder was, was passiert gewöhnlich nach so einem Konflikt?
Also es kommt tatsächlich drauf an. Also wenn wir keine Güter mehr bekämen, so wie wir das jetzt bei Russland gesehen haben, dass wir keine Energie mehr bekommen, dann ist ein Vorprodukt, nämlich Energie, ein Auslöser für Inflation und Und dann in der Folge der Inflation gab es die Rezession, weil alles so teuer ist, dass wir nichts mehr kaufen konnten. Also die Reihenfolge, ob erst die Rezession kommt und dann die Inflation, oder erst die Inflation und dann die Rezession, da gibt es— hängt tatsächlich an dem Auslöser. Die Erfahrung jetzt mit der Inflation, die wir gesehen haben infolge des Russlandkrieges, und das vergisst man ja sehr oft, dass auch die Corona-Zeit schon zu Inflation geführt hat. Es ist nicht nur die Energiepreise. Wir hatten durch die Einschränkungen, die wir bei uns auch hatten, als der Schiffshandel eingebrochen ist, als die Fabriken auch bei uns zugemacht haben, es gab viele Hilfsangebote von Seiten des Staates. Damals war auch die Geldpolitik noch expansiv, und dann ist die Nachfrage gestiegen, aber es gab keine Güter, und auch da ist die Inflation schon angestiegen. Da hatten wir auch schon Raten um die 5%. Also es kommt immer drauf an, von welcher Seite der Schock kommt. Bricht die Nachfrage ein oder bricht das Angebot ein? Und wenn die Nachfrage einbricht, dann ist ganz klar, dann kriegt man eine Rezession. Aber wenn das Angebot einbricht, dann kriegt man erstmal die Inflation und dann die Rezession.
Ja, und erwartest du jetzt eine Rezession noch, oder wie ist deine Einschätzung?
Also, ich glaube, wir sind ja jetzt im ersten Quartal, und wir hatten einen Mini-Rückgang um 0,4% im deutschen Sozialprodukt im vierten Quartal. Und wir erwarten auch noch einen Mini-Rückgang im ersten Quartal, und ab dem zweiten Quartal erwarten wir eine Erholung. Also alle unsere Vorlaufindikatoren, die Stimmungsindikatoren, die zeigen jetzt nach oben. Und das ist insbesondere im Industriesektor zu sehen. Der Bausektor ist noch etwas verhalten. Ich hatte vorhin von der Schockstarre gesprochen im Immobiliensektor, also da wird es noch ein bisschen dauern. Aber im Industriesektor, wir sehen, dass die Lieferketten wieder funktionieren. Wir sehen jetzt, China ist am internationalen Handel wieder beteiligt. Wir sehen, dass die Öl- und Gaspreise Preise stark zurückgehen. Also das sind alles Indikatoren, dass es im Laufe dieses Jahres wieder nach oben geht. Und es mag merkwürdig erscheinen, und gleichzeitig auch die Inflationsraten zurück, weil das Angebot sich ausweitet, also die Lieferketten, oder auch bei Öl und Gas, wo die Gasspeicher jetzt ziemlich voll sind, so dass das nicht mehr so weh tut wie noch vor wenigen Monaten.
Das ist super, dass zumindest die Aussichten irgendwie positiver aussehen. Aber als gute Investorinnen sollten wir besser vorbereitet sein auf alle möglichen Sachen. Und da finde ich, was du vorher gesagt hast, du bist ja Volkswirtin und Volkswirte arbeiten auch in Szenarien. Und da wollte ich dich fragen, ob du vielleicht eine einfache Idee hättest für unsere Zuhörerinnen. Also was machen wir? Wir investieren in Immobilien und ETFs und Aktien und vielleicht auch Anleihen. Und die Frage ist, was für einfache Szenarien könnten wir für unsere Investments irgendwie ausrechnen, damit wir wissen, wie wir am besten rauskommen aus solchen Krisen? Oder damit wir wissen, was auf uns zukommt, und dann genug Cash vielleicht an der Seite hätten dafür?
Also es gibt eine ganz, ganz einfache Regel, und das ist die allerwichtigste: Man muss ganz früh anfangen zu investieren. Und ich habe das vorhin gesagt, dass ich das als Kind das schwäbische Sparbrötchen war. Also heute würde ich jetzt sagen, ah, das nennt man ein bisschen Eigenkapital, auch wenn das nicht viel war. Aber das gibt einem eine gewisse Souveränität, und dann traut man sich auch, ein Risiko einzugehen, vermeintliches Risiko. Und man kann sich dann irgendwann auch Investments leisten, wo auch Volatilität ist. Und das ist ganz, ganz wichtig, also nicht auf den perfekten Tag zu warten, sondern einzusteigen und dann auch sukzessive einzusteigen. Und mit der Zeit hat man dann auch genug, dass man breit streuen kann. Also nicht auf den perfekten Tag warten, sondern einfach anfangen und auch nicht alles auf einmal investieren. Aber wenn ich zwar der auch nichts gewinnt.
Ja, super. Das ist ein tolles Schlusswort. Lieben, lieben Dank, dass du da warst und uns diese tollen Tipps und Informationen gegeben hast. Und wir freuen uns, dich später, vielleicht in dem Jahr oder Anfang nächsten Jahres wieder zu begrüßen, damit wir die neuesten Informationen von dir wieder bekommen. Lieben Dank, Gertrud.
Vielen Dank für die Einladung und natürlich komme ich in einem Jahr gerne wieder.
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