#2 Die Bewerbungstrends 2024
1 Dec 2025 · 1 min
Jochen May breaks down seven application trends for 2024, from CVs becoming more important to video interviews and AI as a writing tool. LinkedIn and personal websites matter more, soft skills trump technical ones, and cover letters still count if they look forward instead of back.
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Neues Jahr, neuer Job. So geht es bei vielen los mit guten Vorsätzen und mit der Suche nach dem Traumjob. Aktuell glaubt man diversen Umfragen, Ist jeder dritte Arbeitnehmer unglücklich in seinem Job. Mieser Chef, schlechte Bezahlung, schlechtes Umfeld, kein Sinn in der Arbeit. Das sind die Hauptgründe, die immer wieder genannt werden. Und es ist auch völlig okay, sich im neuen Jahr einen neuen Job zu suchen. Allerdings solltest du, wenn du das vorhast, unbedingt die Bewerbungstrends 2024 kennen und beachten. Und genau darüber spreche ich heute in dieser Podcast Folge. Es gibt tatsächlich ein paar Dinge, die sich verändert haben auf dem Arbeitsmarkt und Bewerbungsmarkt. Insgesamt 7 Trends habe ich identifiziert und darüber sprechen wir gleich.
Willkommen bei oh my job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen. In der Moderation Jochen May. Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Also lass uns über die Bewerbungstrends 2024 sprechen. Ja, es hat sich ein bisschen was verändert, inhaltlich, aber auch technisch. Und beides hat Einfluss auf deine Bewerbungschancen und natürlich auf auf die Anforderungen an deine Bewerbung. Lass uns gleich mal loslegen mit dem ersten dem Lebenslauf. Der gewinnt an Bedeutung und das hat seine Ursache vor allem im Anschreiben, denn darauf verzichten immer mehr Arbeitgeber und Unternehmen. Und je weniger Bewerbungsunterlagen du einreichst, desto größer wird die Bedeutung der verbleibenden Unterlagen und damit vor allem vom Lebenslauf. Der war und ist nach wie vor das Herzstück einer jeden Bewerbung, aber er wird jetzt noch wichtiger. Er muss in diesem Jahr noch aussagekräftiger, noch übersichtlicher und vor allem noch individueller werden. Im Jahr 2024 ist ein moderner und überzeugender Lebenslauf vor allem das maßgeschneidert und für jeden Arbeitgeber individuell. Massenware hat keine Chance mehr. Und ja, leider machen das viele Bewerber nach wie vor noch. Sie schreiben einen Lebenslauf und den verschicken sie dann immer wieder an diverse Unternehmen. Und genau das wird nicht mehr funktionieren. Du musst in Zukunft in jedem Lebenslauf bei der Bewerbung deine Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen nochmal neu auswählen und relevantes betonen bzw. Irrelevantes Schlüssel. Der perfekte Lebenslauf hat auch im Jahr 2024 maximal drei DIN A Seiten. Und glaub mir, man kann jede Vita auf diese drei Seiten kürzen und verdichten. Man kann alles passend schreiben. Ich kenne einige Kandidaten, die mir schon gesagt Nein, ich habe so viel schon erlebt und gemacht, ich brauche mindestens fünf Seiten. Das kann sein. Und je nachdem bin ich dabei auch nicht katholischer als der Papst. Es können auch mal Mehrseiten sein, aber ich sag dir aus jahrelanger Erfahrung als Journalist und aus Gesprächen mit vielen Mehr als drei Seiten will keiner lesen. Und man kann jeden Text auf drei Seiten kürzen, wenn man das will. Ich habe ja früher lange Zeit für Magazine geschrieben und unsere Layouts waren nun mal vorgegeben und die Artikel, ob das jetzt eine Titelgeschichte war oder eine kleine Meldung, haben immer exakt in das Layout gepasst am Ende. Wir mussten nie eine Seite dran kleben oder die Leser irgendwie mit einem Poster beglücken zum Aufklappen. Es hat gepasst. Der Profi spricht aber übrigens vom Austreiben oder auf Zeile bringen. Und das geht natürlich auch bei jedem Lebenslauf. Das bedeutet, wenn du viele Stationen in deinem Lebenslauf hast, dann überleg dir genau, welche davon sind wirklich relevant für die Stelle, auf die ich mich da gerade bewerbe und die machst du natürlich länger und ausführlicher. Umgekehrt, die Positionen oder Kompetenzen, die weniger relevant sind, die also nicht wirklich für die Stelle interessant sind oder auch nicht für den Personaler, die kannst du kürzen, im Zweifelsfall auf ein oder zwei Zeilen. Das reicht dann auch. Das will auch kein Personaler lesen, denn wie gesagt, per Definition ist diese Information für den Job, auf den du dich gerade bewirbst, nicht relevant. Ein anderer wichtiger Trend in dem Zusammenhang ist der Verzicht auf Design Schnickschnack. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Lebensläufe gesehen, die sehr, sehr schick aussehen. Ich selber bin ebenfalls ein großer Design Fan, aber das ist immer gefährlicher, denn immer mehr Unternehmen setzen bei der Auswahl von Kandidaten und Bewerberinnen und Bewerbern auf KI bzw. Sogenannte ATS Applicant Tracking Systems. Diese sortieren die Bewerbungen vorab aus, maschinell, per Software und per KI. Diese sogenannten CV Parser oder auch Resume Parser sorgen dafür, dass Lebensläufe, die durch diesen Trichter durchkommen wollen, maschinenlesbar sein müssen. Und und das sind vor allem schlichte Lebensläufe, also schlichte Layouts und Designs, Abkürzungen, Icons, Sonderzeichen, besonders aufwendige Bilder, Grafiken, all das können die meisten Maschinen nicht interpretieren und die Inhalte auch nicht lesen und erkennen. Und dann streichen sie diese Informationen entweder ganz oder rücken sie vielleicht an eine Stelle, wo sie überhaupt nicht hingehören. Und das kann zur Folge haben, dass die Maschine am Ende oho, bei diesem Lebenslauf fehlen wichtige Qualifikationen oder sind gar nicht vorhanden. Oder ich finde sie nicht, erkenne sie nicht, hat er also nicht oder die Kandidatin nicht. Also gibt es automatisch eine Absage und das wäre ja wirklich blöd. Deswegen ganz, ganz Mach deinen Lebenslauf, wenn du dich bewirbst, maschinenfreundlich. Sorge dafür, dass er auch von einer KI verstanden wird und im Zweifelsfall ist hier weniger mehr und einfach gewinnt. Zwei weitere Tipps, die ich dir gerne noch mitgeben möchte und die ich auch immer wieder meinen Coaches empfehle, mit denen es auch schon viele ins Vorstellungsgespräch geschafft haben. Nenne im Lebenslauf unbedingt die angestrebte Position nochmal idealerweise unter deinen persönlichen Daten, also ganz oben im Lebenslauf unter den Kontaktdaten. Dazu reicht eine kurze Zeile. Warum? Weil du damit nochmal den Job Titel und damit wichtige Schlüsselbegriffe aus der Stellenanzeige in deiner Bewerbung in deinem Lebenslauf wiederholst. Und für den CV Parser für das ATS ist das eine wichtige und relevante Information. Gleichzeitig sagst du aber damit auch einem Personaler subtil und zwischen den Zeilen, dass du dich mit dieser Stelle bereits stark identifiziert. Und du machst deinen CV natürlich auch einzigartig damit. Denn den Lebenslauf mit dieser Bezeichnung oben drin, den kannst du natürlich nicht mehr anderswo hinschicken. Das wissen die Personaler auch und spüren, deine Bewerbung wurde nur für sie geschrieben. Und das findet natürlich jeder charmant und auch gut. Der zweite Nutze Farben strategisch. Also jetzt nicht bitte in den Regenbogen reingreifen und jede Farbe wild einsetzen. Das will keiner sehen. Das ist auch zu viel. Wirkt verspielt, bunt und damit tendenziell unseriös. Nutze vielmehr maximal eine Schmuckfarbe, die aber strategisch sinnvoll Wenn du dich zum Beispiel bei der Deutschen Bahn bewirbst, dann nimm als Schmuckfarbe etwa rot, denn das ist die Logofarbe der Deutschen Bahn. Und auch hier passiert wieder etwas auf einer psychologischen Ebene. Deine Bewerbung wirkt auf einmal individuell und zwischen den Zeilen signalisierst du ganz subtil, dass du dich mit dem Unternehmen bereits stark identifizierst und auch ein bisschen so tust, als gehörst du schon dazu. Nutze Farben unbedingt, aber bitte nur eine zusätzliche und diese dafür strategisch sinnvoll und gut ausgewählt. Der zweite große Das Anschreiben. Hey, Moment mal, klingt das nicht ein bisschen trotzig? Habe ich nicht gerade gesagt, Der Lebenslauf wird wichtig? Ja, das stimmt, das habe ich. Aber ich habe den Verdacht, dass viele Unternehmen das Anschreiben nur deswegen abschaffen, weil sie ein bisschen Employer Branding betreiben, weil sie ihr Image aufpolieren wollen und Hürden abbauen wollen. Es gibt nun mal viele Bewerber, die das Anschreiben hassen, weil sie keine Lust haben auf so eine extra Arbeit und eine extra Seite. Also sagen viele Ja, brauchst du bei uns auch nicht mehr und werden prompt attraktiver. Und es gibt auch einige Kollegen von mir im Internet, die da schreiben, das Anschreiben sei nicht mehr zeitgemäß und gehöre abgeschafft, aber lass dich davon bitte nicht täuschen. Das ist Quatsch. Erstens reden dabei viele den Bewerbern nur nach dem Mund, um Klicks zu generieren. Und zweitens zeigen diverse Umfragen auch in den Personalabteilungen, dass noch immer rund 60 Prozent der Bewerberinnen. Und Bewerber ein Bewerbungsschreiben nutzen, um damit ihre Bewerbungsunterlagen zu ergänzen. Und das aus gutem Grund. Es gibt einige sehr, sehr starke und sehr gute Argumente, die weiterhin für das Anschreiben sprechen. Allen voran die Differenzierung. Der Lebenslauf blickt ausschließlich nach hinten. Was hast du bisher gemacht? Was weißt du alles? Was kannst du aus früheren Jobs? Welche Ausbildung hast du gemacht? Das ist aber alles nur eine Rückschau. Viel entscheidender für eine Bewerbung, aber noch mehr für die Einstellung ist aber der Blick nach vorne. Und das ist die Kür im Anschreiben. Was ist deine Motivation? Welchen Mehrwert bringst du mit? Was willst du mit deinen Stärken bewirken? Was kannst du im neuen Job bewirken? Und wie willst du das alles einsetzen? Das Anschreiben schaut nach vorne und das ist etwas, was Personaler brennend interessiert. Und letztendlich ist es auch das, weswegen sie dich einstellen. Was überzeugt sind nicht deine Qualifikationen, sondern der Glaube, dass du die Probleme im neuen Job und die Arbeit zuverlässig erledigen wirst, dass du sie lösen wirst, die Herausforderungen. Und deswegen hilft dir das Anschreiben dabei, dich aus der Maße der anderen positiv hervorzuheben. Erst recht, wenn der Lebenslauf noch dünn ist oder nur wenige Alleinstellungsmerkmale bieten kann. Das betrifft vor allem Berufseinsteiger, auch wenn die sich schwertun mit einem Anschreiben oder überhaupt mit den ersten Formulierungen. Das weiß ich, das kenne ich, das verstehe ich auch wenn viele Anfänger Ich habe keine Lust darauf. Verzichte nicht auf das Anschreiben. Gerade wenn ein Lebenslauf irgendwie nicht passt, dann brauchst du ein Anschreiben, um diese Lücke zu füllen. Das gilt erst recht für Quereinsteiger, Jobhopper, arbeitslose Menschen, die gekündigt worden sind. Sie alle haben einen Lebenslauf, der mal mindestens erklärungsbedürftig ist, der vielleicht sogar Lücken hat oder per Definition überhaupt nicht zur Stelle passt. Zum Beispiel bei Branchenwechslern oder Menschen, die sich aus der Selbstständigkeit zurück in ein Angestelltenverhältnis bewerben. In all diesen Fällen liefert das Anschreiben wichtige Hintergründe und Beweggründe, warum du jetzt diesen Job haben willst, zu dem dein Lebenslauf eigentlich so gar nicht passen will. Das Anschreiben kann in dem Fall einen richtig guten Bezug zum Lebenslauf und zum Stellenangebot herstellen. Und der letzte wichtige Du kannst dich mit dem Anschreiben profilieren. Denn zwischen den Zeilen blitzt immer etwas auf, was in der Bewerbung häufiger den Ausschlag deine Persönlichkeit. Das kann der Lebenslauf überhaupt nicht leisten, denn da ist kein Platz für Prosa im Anschreiben. Schon hier kannst du aufgrund deiner Formulierungen, die du wählst, wie du dich selber darstellst oder über deine Motivation schreibst, extrem glaubwürdig rüberbringen, warum du der oder die beste Kandidatin für diese Stelle bist. Das Anschreiben ist deine Sternstunde, deine Bühne, und die solltest du bitte auch nutzen. Jetzt sagen vielleicht Ich kann aber gar nicht schreiben, ich will das auch nicht lernen und ich brauche das auch später nicht in meinem Job. Okay, das verstehe ich. Aber das Anschreiben ist ja auch nur ein Medium. Das heißt nicht, dass man sich nicht auch eine andere Form wählen kann. Ich bin zum Beispiel ein großer Technik Fan und wie wäre es denn zum Beispiel, statt eines Anschreibens mit einem Bewerbungsvideo. Auch dieser Trend hat vergangenes Jahr schon begonnen und setzt sich nun weiter fort. Das Bewerbungsvideo ist aus meiner Sicht eine wunderbare Ergänzung zum Lebenslauf und kann wie ein Foto oder ein Bild tausendmal mehr sagen als Worte. Es ist vielleicht ein perfekter Ersatz, wenn nicht sogar der bessere Ersatz für ein Anschreiben. Deswegen kannst du in einem Bewerbungsvideo und in puncto Motivation und Persönlichkeit noch viel mehr rüberbringen als in einer schriftlichen Bewerbung. Ich empfehle daher gerade in der Bewerbung 2024 es auch mal mit einem Bewerbungsvideo zu versuchen. Erst recht, wenn du überhaupt nicht schreiben kannst oder nicht schreiben willst. Eine ausführliche Anleitung hierzu findest du wie immer auf der Karrierebibel. Trend Nummer 3 Die passive Bewerbung wird wichtiger. So, was ist jetzt eine passive Bewerbung? Manchmal wird sie auch passive Jobsuche genannt und ist leider ein bisschen weniger passiv als es klingt. Es geht letztendlich darum, dass du ein Online Profil hast auf LinkedIn oder Xing und dass du damit deine Sichtbarkeit erhöhst durch Beiträge, Kommentare, Gastbeiträge, Posts, whatever, die dann von Personalern und Recruitern gefunden werden. Hintergrund hierfür ist der anhaltende Fachkräftemangel in bestimmten Branchen und Berufen. Der zwingt schon seit vergangenem Jahr Personaler zum sogenannten Active Sourcing. Vielleicht hast du davon schon gehört. Das ist die gezielte Suche nach neuen Mitarbeitern, nach Top Talenten und passenden Kandidaten heute vor allem im Internet, vorzugsweise auf Social Media. Und da punkten natürlich vor allem Plattformen, Business Plattformen wie LinkedIn und Xing, aber es gibt auch andere Plattformen, die man dafür nutzen kann. Um gefunden zu werden, ist es wichtig, dass du dort deine Expertise darstellst und dass du dich auffindbar machst. Das gelingt dir durch gepflegte Profile, die alle wichtigen Keywords enthalten, mit denen du gefunden werden willst. Das Ganze kannst du dann noch mal ergänzen mit einer eigenen Bewerbungshomepage oder einem eigenen Blog. Das empfehle ich übrigens regelmäßig und ganz besonders in diesem Jahr, weil es dich ein Berufsleben lang begleiten kann und damit auch deine Karriere ein Berufsleben lang vorantreiben kann. Also wenn du in Zukunft gefunden werden willst und möchtest, dass der Job zu dir kommt und du dich nicht beim Arbeitgeber bewerben musst, dann fange noch heute damit an, dich mit einer eigenen Webseite und entsprechenden Social Media Profit Profilen zu beschäftigen. Bau einen Blog, starte mit eigenen Social Media Profilen und bau diese aus und stell vor allen Dingen überall deine Expertise dar. Trend Nummer 4 Video Interviews nehmen zu. Das kennen wir alle schon aus Corona Zeiten und aus der Pandemie. Damals waren wir alle zu Hause eingesperrt und es gab einen deutlichen Trend zu mehr Telefon und Videokonferenzen. Alle waren wir im Homeoffice und mussten das lernen. Das haben dann auch die sonst eher konservativen Personaler gelernt, wie man mit diesen Tools kompetent umgeht und natürlich viele andere Arbeitnehmer auch. Heute ist es relativ normal, aber das bedeutet eben auch, es ist heute nichts Kompliziertes mehr, eine Videokonferenz in Teams, in Zoom oder irgendeinem anderen Tool zu machen. Und das setzt sich nun bei der Bewerbung fort. Viele Personaler müssen in diesem Jahr kräftig Geld sparen. Die Rezession drückt auf die Stimmung und auf die Budgets und das führt dazu, dass es mehr virtuelle Interviews, vor allem Telefoninterviews oder Video Interviews geben wird. Die sparen Zeit, Geld und Reisekosten und deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du im Jahr 2024 deinen neuen Arbeitgeber zuerst am Telefon oder am Computerbildschirm kennenlernen wirst, deutlich. Was bedeutet das aber jetzt konkret für dich? Wenn du dieses Jahr einen neuen Job suchst, solltest du dich zu Hause darauf einstellen. Wer einen guten Eindruck machen will, sollte vor allem auf Kamera, Ton, Licht und den Hintergrund achten. Letzterer wird übrigens häufig vergessen. Ach ja, und deine Kleidung, die ist auch wichtig. Sie sollte zumindest angemessen sein und natürlich auch zum Hintergrund passen. Denn dann erst wirkt alles sehr harmonisch und damit auch sympathischer. Glaubt mir, ich habe schon so einiges gesehen, was mich hat kopfschütteln lassen. Sehr skurrile Hintergründe oder Einblicke in Omas Wohnzimmer und die Wilwe Kalt Personaler sehen bitte auch keinen virtuellen Hintergrund. Bei der Bewerbung geht es um Authentizität. Such dir also lieber eine neutrale Ecke im Raum und gestalte diese passend zum Job. Auch hierzu kannst du wieder viele Tipps und Tricks auf der Karrierebibel nachlesen. Grundsätzlich aber Bleib am Telefon oder vor der Computerkamera bitte immer ganz Profi. Die vertraute Umgebung zu Hause, die verführt immer ein bisschen dazu, etwas lockerer oder legerer zu werden. Das sieht aber einfach nicht cool aus, sondern weniger professionell, weniger vorbereitet und auch nicht so gewissenhaft. Trend Nummer 5 und das ist jetzt ein Negativtrend, mit dem ich garantiert polarisieren werde. Ich sage es trotzdem, Es gibt keinen Bewerbermarkt. Wir haben das im vergangenen Jahr ganz häufig gelesen, dass irgendwelche Kollegen davon schreiben, es gäbe jetzt so etwas wie wie ein Arbeitnehmermarkt, weil Fachkräftemangel, demografischer Wandel und so weiter und so fort. Das stimmt aber so einfach nicht. Auch das redet wieder vielen Bewerbern nach dem Mund, soll häufig nur Klicks generieren und schmeichelt natürlich dem einen oder anderen Kandidaten. Endlich rutscht mal der Arbeitgeber vor mir auf den Knien. Schöne Vorstellung, leider aber auch ein bisschen naiv. Das ist einfach nicht so. Und häufig führt es eher dazu, dass die Menschen arrogant werden und das ist dann ein echter Bewerbungskiller. Sicher, es gibt ein paar Branchen und Berufe, in denen die Spezialisten und Fachkräfte so rar sind, dass sich die Arbeitgeber händeringend darum bemühen, überhaupt jemanden einzustellen. Aber solche Teilmärkte gab es schon vor 20 Jahren, Anfang 2000, als ich Artikel darüber noch bei der Wirtschaftswoche geschrieben habe. Das ist überhaupt nichts Neues und es betrifft vielleicht gerade mal 20 Prozent der Beschäftigten, die tatsächlich so hart umworben sind. Die Maße aber muss sich weiterhin bewerben, auch im Jahr 2024. Und ich sage es noch mal ganz deutlich an der Solange du eine Bewerbung schreiben musst, bist du nicht auf einem Bewerbermarkt. Arbeitnehmermarkt ist, wenn du keine Bewerbung schreiben musst. Wenn die Recruiter bei dir Schlange stehen und der Headhunter Sturm klingelt, dann bist du auf einem Arbeitnehmermarkt. Aber solange du noch zur Jobsuche in Online-Jobbörsen nach Stellenangeboten suchst. Und anschließend Bewerbungen schreibst, solange bist du nicht in einem Bewerbermarkt. Also hier bitte keine falsche Illusion, auch wenn man das gerne glauben möchte, bitte nicht falsch verstehen. Das bedeutet nicht, dass du deswegen wieder zum Bittsteller werden sollst. Ganz und gar nicht. Bewerber, Kandidaten und Kandidatinnen sind weiterhin wertvoll und dürfen sich auch im Jahr 2024 selbstbewusst bewerben und im Gespräch auch selbstbewusst vorstellen. Das sollst du sogar auch Du kannst und solltest deine Arbeitgeber genau auswählen. Du hast ein Recht dazu, das zu tun. Du kannst ebenso ein angemessenes Gehalt verlangen und du kannst natürlich auch erwarten, dass dich später ein förderndes Umfeld erwartet, in dem du dich beruflich weiterentwickeln kannst. Aber sei dir bitte auch bewusst, dass es um die wirklich guten Jobs, die Traumjobs, weiterhin einen Wettbewerb geben wird. Du wirst hier auf Mitbewerber treffen und musst dir daher auch im Jahr 2024 ordentlich Mühe geben. Mit deinen Bewerbungsunterlagen. Je nach Bewerbung sollte weiterhin ein Anschreiben und ein Lebenslauf enthalten sein. Und du sollst natürlich alle diese Unterlagen individuell auf den künftigen Job und Arbeitgeber zuschneiden. In allen anderen Fällen sinken die Chancen leider dramatisch. Trend Nummer 6 und jetzt wird es etwas KI richtig nutzen. Bisher waren das alles mehr oder weniger inhaltliche Bewerbungstrends. Jetzt sprechen wir mal über KI und natürlich über ChatGPT. Das hatte schon im Jahr 2023 seinen großen Hype, aber der wird 2024 sicher noch etwas größer, weil uns da noch einige neue Entwicklungen erwarten dürften. Im vergangenen Jahr haben einige bereits mit KI und ChatGPT experimentiert und sich damit sogar Bewerbungen schreiben lassen. Vor allem natürlich ein Anschreiben. Wir haben das auch gemacht, experimentell und das Ergebnis war gelinde gesagt unterirdisch. Herausgekommen ist immer austauschbare Massenware, die vor Fehlern nur so gestrotzt hat. Sicher, Das Ergebnis ist extrem abhängig davon, wie gut die sogenannten Prompts sind. Das sind die Befehle, die du bei ChatGPT und anderen Tools eingibst, um der KI zu sagen, was sie denn bitteschön machen soll. Je besser diese Prompts, desto besser auch das Ergebnis. Es entsteht sogar gerade ein neues Berufsbild dazu, der sogenannte Prompt Engineer. Über den sprechen wir aber heute nicht. Aber selbst mit richtig, richtig guten Prompts, an denen wir zigmal gefeilt haben, war das Ergebnis beim Anschreiben fehlerhaft, floskelhaft und mangelhaft im Detail. Wir haben fast immer Anschreiben bekommen, die mit Sehr geehrte Damen und Herren losgegangen sind. Das ist jetzt nicht falsch, aber natürlich total unpersönlich. Und das, obwohl zig Bewerbungsratgeber seit Jahren sagen und empfehlen, das Anschreiben bitte immer mit einer persönlichen Anrede beginnen. Sehr geehrter Herr Muster oder sehr geehrte Frau Beispiel ist halt viel persönlicher und spricht mehr an als sehr geehrte Damen und Herren. Das zweite und aus meiner Sicht viel schlimmere war aber der, was wir da von ChatGPT bekommen haben. Unglaublich. Es ging ganz häufig los mit hiermit bewerbe ich mich als oder whatever. Oder noch mit großem Interesse habe ich ihre Stellenanzeige gelesen. Blablabla. Ja was denn sonst? Wenn du kein großes Interesse hättest, hättest du dich wohl auch nicht beworben. Eine ganz schlimme Floskel. Und wenn es jetzt schon so losgeht, will man den Rest eigentlich auch nicht mehr lesen. Weil es aber im Netz so viele von diesen schlechten Sätzen gibt, lernt die angeblich so intelligente KI nur diese schlechten Sätze und wiederholt sie und dann kommt Maße raus, aber eben nicht klasse Oder das Einzigartige und Besondere, das kriegt man mit KI einfach nicht. Genauso schlimm war der Konjunktiv am Ende. Immer wieder haben wir Sätze gelesen. Ich würde mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen. Ein schlimmer Schlusssatz, weil der Konjunktiv das ganze selbstbewusste Anschreiben komplett wieder in Zweifel zieht und die Überzeugungskraft auch komplett reduziert. Ich würde mich freuen. Das klingt so, als ob du dir selber noch nicht sicher bist, dass man dich einlädt. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Schreibe ich freue mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Da steckt Selbstbewusstsein zwischen den Zeilen. Da glaubst du ganz fest daran, dass man dich einladen wird, ja sogar einladen muss, weil du der oder die beste Bewerberin für diese Position bist. Außerdem sagen mir ganz viele Personaler, dass sie eine KI Bewerbung zu 90 Prozent erkennen und strunzlangweilig finden. Schlechter noch als eine schlechte Bewerbung, Weil in der KI-Bewerbung im Subtext noch etwas anderes steckt, nämlich die Ich bin eigentlich zu faul, mir für euch und diesen Job Mühe zu geben. Null Engagement, null Einsatzwille. Und natürlich fragt sich dann jeder Personaler wie geht es dann erst im Job mit diesem Kandidaten weiter? Wie kannst du denn trotzdem KI in der Bewerbung nutzen. Noch Ich bin kein Technikfeind. Und natürlich gibt es Möglichkeiten, KI sinnvoll zu nutzen. Zum Beispiel das Tool zur Inspiration, zum Beispiel gegen eine akute Schreibblockade oder um einen ersten Textentwurf zu bekommen. Aber eben bitte nicht, um die komplette Bewerbung damit schreiben zu lassen, sondern nur als Starthilfe, um eine akute Blockade zu überwinden. Zweite Einsatzform. Du recherchierst mit Hilfe der KI zum Beispiel wichtige Informationen zum Unternehmen, also zur Unternehmensgeschichte oder zum aktuellen Markt und zum Hintergrund. Oder wenn du den Jobtitel nicht wirklich einschätzen kannst, dann lass dir von ChatGPT und Co. Ein Profil erstellen. So weißt du, worauf es in dem Beruf ankommt und kannst die entsprechenden Kompetenzen viel besser betonen und herausarbeiten. Und das spart enorm viel Zeit. Genauso kannst du dir von der KI eine Art Background Check zum Arbeitgeber zusammenstellen lassen. Also was sagen zum Beispiel Ex Arbeitnehmer über diesen Laden. All das hilft auf jeden Fall und gibt dir inzwischen einfach mehr Sicherheit beim Formulieren deiner Bewerbung. Es gibt sogar inzwischen Tools, die dir dabei helfen können, dich für das Bewerbungsgespräch besser vorzubereiten. Zum Beispiel Interviewer AI oder Mockmate oder Interview Warm Up, das ist von Google. Bei diesen Tools werden dann Video Interviews simuliert und zum Beispiel deine Stimme, Sprach und Körpersprache analysiert. Aber bislang funktionieren diese nur auf Englisch. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass in diesem Jahr oder spätestens in 2025 ein paar Tools auf den deutschsprachigen Markt kommen, die dann auch auf Deutsch funktionieren. So oder so, lass dich bei deiner Bewerbung gerne von der KI unterstützen, aber eben nur unterstützen und nicht ersetzen. Am Ende bist ja du es, der sich bewirbt und nicht die KI. Und der siebte und letzte Soft Skills werden wichtiger. Vielleicht hast du den Satz auch schon gehö Hire for attitude, train for skills. Das Sprichwort setzt sich bei immer mehr Personalern in den Köpfen durch und gemeint ist, dass die Persönlichkeit und die Arbeitsweise, manche sprechen auch vom Cultural fit immer wichtiger wird für den späteren Erfolg im Unternehmen. Wichtiger noch als die harten Qualifikationen, Zeugnisse, Zertifikate, Abschlüsse. Und das ist aus meiner Sicht etwas, was richtig Sprengkraft hat. Das kann tatsächlich den Bewerbungsmarkt, nicht Bewerbermarkt nochmal revolutionieren. Denn Soft Skills werden dann wichtiger als Hard Skills. Das wäre tatsächlich eine Revolution, ein Argument gegen den Lebenslauf und noch mehr für das Anschreiben oder ein Bewerbungsvideo. Warum? Naja, viele HR Manager haben erkannt, dass harte Qualifikationen am Ende nichts darüber aussagen, ob und wie gut ein Mitarbeiter später mit anderen Kollegen zusammenarbeitet, ob die Motivation stimmt, der Teamgeist und die Kommunikationsfähigkeit. Vieles kann man später im Job lernen, aber wenn die sozialen Kompetenzen nicht passen, dann nutzen auch die besten Noten nichts. Heute sind viele Teams bunt gemischt. Es kommen Kollegen aus unterschiedlichen Hintergründen oder Kulturen zusammen. Darauf muss man sich flexibel einstellen können, erst recht bei ständig wechselnden Projekten. Dafür sind Skills wie Empathie, Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis oder Konflikt und Kompromissfähigkeit viel wichtiger als ein Uniabschluss summa cum laude. Wenn du also deine Bewerbungschancen 2024 erhöhen willst, dann solltest du vor allem deine Sozialkompetenzen trainieren. Die schaden ohnehin nie, auch nicht im privaten Leben. Ich bin überzeugt davon, dass Personaler in Zukunft deutlich stärker darauf achten werden, Welche dieser Soft Skills der Sozialkompetenzen bringst du mit? Und je nachdem, welche das sind und wie viele es sind, wird es deine Jobchancen massiv beeinflussen bzw. Fördern. Das waren Sie, die 7 Top Bewerbungstrends im Jahr 2024. Auch hierzu kannst du alles nochmal im Detail auf karrierebibel de nachlesen. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg bei deiner nächsten Bewerbung und ich freue mich natürlich auf nächste Woche und ein Wiederhören.
Dein Jochen, Das war oh my job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.