#28 Fluide und kristalline Intelligenz
1 Dec 2025 · 1 min
Fluid intelligence, your processing speed and reasoning ability, peaks early and declines with age. Crystallized intelligence, your accumulated knowledge and judgment, grows over time. Sully Sullenberger's emergency landing shows how experience compensates for slower reflexes.
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Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass intelligenz zu rund 40 Prozent angeboren ist, aber der weitaus größere Teil wird durch unser Umfeld beeinflusst oder trainiert Das Wir können unsere Intelligenz zu einem guten Teil selber verbessern und das eine bestimmte Form der Intelligenz steigt sogar mit dem Alter. Deshalb sprechen wir heute in oh my Job über fluide bzw. Kristalline Intelligenz. Nie gehört, dann wird es Zeit.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen. In der Moderation Jochen May. Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Manche Forscher glauben, dass wir im Alter von 22 bis 25 Jahren bereits den Höhepunkt unserer Intelligenz erreicht haben. Danach nimmt die sogenannte Plastizität des Gehirns kontinuierlich ab. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir danach immer dümmer werden, im Gegenteil. Aber das Lernen von Neuem oder das Aneignen von neuen Fähigkeiten fällt uns danach Stück für Stück schwerer. Beschleunigt werden diese Abbauprozesse zudem durch äußere Einflüsse wie zum Beispiel Stress oder schlechte Ernährung, viel Alkohol, wenig Sport und schlechter und zu wenig Schlaf. Wie beweglich unser Denken ist, das lässt sich unter anderem an ein paar Merkmalen ablesen, zum Beispiel eine schnelle Auffassungsgabe, ausgeprägte Analysestärke, eine hohe Problemlösungskompetenz oder rasches Kombinationsvermögen, starkes Abstraktionsdenken, logische Schlussfolgerungen, ein gutes Gedächtnis und natürlich vielseitige Kreativität. All diese Fähigkeiten sind gut zu messen und werden regelmäßig in IQ-Tests oder beim Assessment Center oder in Einstellungstests. Abgefragt. Und genau an dieser Stelle kommt das Konzept der fluiden bzw. Kristallinen Intelligenz ins Spiel. Das Intelligenzmodell selbst geht auf Raymond Kettel zurück und wurde inzwischen durch zahlreiche Studien bestätigt. Vielleicht mal kurz erklä Fluide Intelligenz beschreibt die Mechanik des Denkens, also die Fähigkeit zur logischen Schlussfolgerung oder zu abstraktem Denken. Diese Intelligenz, die zeigt sich zum Beispiel beim Lerntempo oder bei der Verarbeitung von Informationen. Sie zeigt sich dann zum Beispiel schon in der Kindheit darin, wie schnell sich ein Mensch in neuen Situationen zurechtfindet oder anpasst. Die kristalline Intelligenz wiederum ist die sogenannte Pragmatik des Geistes oder Denkens und basiert vor allem auf unserem gesammelten Wissen und dem Erfahrungsschatz eines Menschen. Dazu gehört dann neben der Allgemeinbildung und dem Wortschatz auch soziale Kompetenzen oder Menschenkenntnis. Kristallines Denken ist also die Fähigkeit, die gesammelte Lebenserfahrung auf verschiedene Bereiche anwenden zu können. Umgangssprachlich wird auch von Altersweisheit gesprochen oder wie das Sprichwort so schön neue Besen fegen gut, aber die Alten, die kennen die Ecken. Die Schweizer Neuropsychologin Susanne Jäggi ist davon überzeugt, dass wir bis ins hohe Alter unsere fluide Intelligenz trainieren können bzw. Den geistigen Abbau verlangsamen können. Ganz klassisch durch Gehirntraining oder zum Beispiel durch Brainteaser, Knobelaufgaben, Kreuzworträtsel, Quizzes, all das. Laut aktueller Forschung lassen sich so bis zu 20 Prozent der Intelligenzleistung und optimieren. Wer also sein Arbeitsgedächtnis regelmäßig schult, trainiert zugleich seine fluide Intelligenz. Noch wichtiger ist aber die kristalline Intelligenz. Und das ist zugleich eine wunderbare Verheißung. Wir werden im Alter schlauer, die meisten Menschen jedenfalls. Während die Lernfähigkeit im Alter leider abnimmt, gewinnen wir aus unseren Erfahrungen und Emotionen neue kognitive Fähigkeiten. Dazu gehört auch unsere Intuition, unser Bauchgefühl. Natürlich können wir uns in jedem Alter noch neues Wissen aneignen. Indem du diesen Podcast hörst, tust du ja genau das. Aber dank der kristallinen Intelligenz sind wir in der Lage, Querverbindungen zu ziehen und damit unser vorhandenes Wissen noch weiter zu optimieren. Und das macht die kristalline Intelligenz so wertvoll. Sie verstärkt sich selbst und ist in der Lage, die abnehmende fluide Intelligenz auszugleichen oder gar zu überkompensieren. Das ist übrigens ein starkes Argument gegen die häufige Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Wer zum Beispiel Menschen ab über 50 nicht mehr so gerne einstellt oder fördert, der verweigert sich der kristallinen Intelligenz und all den Potenzialen, die dahinterstecken. Mir fällt an dieser Stelle übrigens sofort das sogenannte Wunder von Manhattan ein. Vielleicht erinnerst du dich auch noch an die Geschichte von Chesley Sullenberger oder kurz Sully. Der Mann war damals schon 57 Jahre alt und wurde zum Helden einer ganzen Nation. Er hatte nämlich geschafft, was in Pilotenkreisen als nahezu unmöglich galt, ein Flugzeug zu notwassern, ohne dass es dabei zerbricht. Und das auch noch auf dem New Yorker Hudson River. Seine Geschichte wurde sogar später in Hollywood und für Netflix verfilmt. Und es war vor allem seine jahrelange Erfahrung als Kapitän und seine kristalline Intelligenz, die ihm dabei halfen, binnen Sekunden die richtigen Manöver einzuleiten. Ein wunderbares Beispiel für kristalline Intelligenz. Und ich kenne noch Bei einem Experiment der Universität von Illinois trafen einmal jährige Fluglotsen auf ihre 30 Jahre jüngeren Kollegen. Dann gab es einen Wettbewerb und Test. In dem wurde dann zum Beispiel das Reaktionstempo oder die Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit verglichen. Wie erwartet schnitten die jüngeren Fluglotsen überwiegend besser ab. Aber dann folgte ein zweiter Test. Der entsprach viel stärker der beruflichen Praxis. Die Lotsen mussten nämlich jetzt verschiedene Maschinen koordinieren und plötzlich auftretende Notfälle managen. Und diesmal waren es die Älteren, die den Anfängern zeigten, wo es lang ging. Sie brauchten nicht nur weniger Kommandos, um die simulierten Maschinen sicher durch den Himmel zu leiten, sie blieben auch durchweg cooler dabei. Ebenso zählt dazu, dass im Alter die Fähigkeit zunimmt, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Ablenkungen zu ignorieren. Der größte Vorteil aber ist das komplexe Denken im Alter. Während die Jüngeren meistens Probleme damit haben, einzelne Aufgaben Schritt für Schritt zu lösen, finden Ältere bessere Lösung, indem sie diese mit bewährten Mustern abgleichen und modifizieren. Zudem sind sie besser in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Nochmal, das können Jüngere durchaus auch, aber Ältere können das oft schneller und ein bisschen besser. An der Universität von Sydney wurden zum Beispiel mal Probandenporträts von Menschen mit unterschiedlichen Emotionen gezeigt und gleichzeitig ihre Hirnaktivität gemessen. Und siehe Das Frontalhirn der Älteren war beim Verarbeiten negativer Emotionen deutlich aktiver. Man könnte auch sagen, sie verfügten auch noch über emotionale Weisheit. Bestätigt wird das auch noch durch Forschungen von Wissenschaftlern der englischen Cranfield School of Management. Die fanden heraus, dass ältere Vorgesetzte oft die besseren Manager waren, Männer wie Frauen. Sie zeigten mehr emotionale Reife, Realismus und Toleranz, vor allem aber die Bereitschaft zu Dialog und Disziplin. Auch Studien um die Neurowissenschaftlerin Lisa Knoll vom University College in London kommen, zu dem Die Gehirne Heranwachsender sind zwar besonders formbar, aufnahmefähig und beweglich, die Älteren aber punkteten vor allem beim Verknüpfen verschiedener Informationen. Oder anders Sie fanden schneller bessere Lösungen, indem sie Komplexität verringerten. Darüber hinaus kann jeder und jede etwas dafür tun, auch bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben. Drei Dinge finde ich dazu persönlich wichtig und die wende ich auch selber an Das erste Offen bleiben. Wir alle leben gerne in unserer Filterblase, umgeben uns mit Menschen, die unsere Meinungen teilen, lesen, was unsere Weltanschauung bestätigt und unser Geist stafft dabei leider wie du Flüssigzement. Dabei kann Intelligenztraining so einfach Öffne dich, bleibe neugierig und interessiere dich wieder für andere Gedanken und neue Impulse. Lies zum Beispiel mehr Bücher oder Blogs unbekannter Autoren, verbessere deine Allgemeinbildung und blicke häufiger über den Tellerrand. Ich finde zum Beispiel ein großer Wortschatz ist extrem wichtig und den gewinnt man durch viel Lesen. Denn was wir nicht in Worte fassen können, das können wir auch nicht denken. Je mehr du deinen Wortschatz erweiterst und neue Begriffe lernst oder Zusammenhänge, desto mehr kannst du auch differenzierter denken. Wer beim Denken und Bewerten neue Bahnen einschlägt, der gewinnt nicht nur neue Einsichten, sondern trainiert eben auch seinen Geist und damit seine kristalline Intelligenz. Die fluide, natürlich auch schärfe deine Sinne, so wie auf der Autobahn Spurrillen entstehen. Weil wir immer wieder dieselben Stellen befahren, graben sich bei Routinen auch die Erfahrungen tiefer ins Gedächtnis. Das hat Vorteile, klar, kann aber dazu führen, dass wir am Ende wie auf Autopilot durchs Leben irrlichtern und eben auch genauso denken, um beim Bild zu bleiben. Ich will das jetzt aber auch nicht ü Fahr einfach mal neue Wege, und zwar buchstäblich. Erkunde doch mal zu Fuß Abkürzungen oder Schleichpfade zur Arbeit oder zum Sport oder zu deiner Stammkneipe. Oder sei mal wieder spontan und mach was komplett Überraschendes, wie in Folge 23 da habe ich über Spontanität gesprochen. All das fördert die Bildung neuer Synapsen und trainiert damit erneut deine kristalline Intelligenz. Und das Aktiv Bleiben. Na ja gut, es ist ein abgedroschenes Sprichwort, aber es Wer rastet, der rostet. Also sollten wir umso mehr versuchen, andere Menschen, andere Kulturen, vielleicht auch anderes Essen kennenzulernen. Das ist vielleicht die schönste Art, seine kristalline Intelligenz zu trainieren. Du erweiterst so nicht nur deinen Horizont, sondern entdeckst Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zu anderen Kulturen, sondern du isst auch noch ganz tolle, leckere Gerichte. Und das ist enorm spannend. Das Wichtigste aber ist, dass du in Bewegung bleibst. Und wem Reisen im Alter nicht mehr möglich ist, der oder die kann auch im Kleinen seine interkulturelle Kompetenz erweitern. Zum Beispiel durch internationale Sommerfeste oder Erzählcafés, Vereine oder kulturelle Begegnungsstätten. Hauptsache wir bleiben offen, aktiv und neugierig. Dann bleiben wir nicht nur schlau, sondern werden auch noch weise.
Das war oh my Job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.