#42 Scheitern als Chance
1 Dec 2025 · 1 min
Germans are unusually afraid of failure, according to cross-country research. The hosts trace why 'Scheitern' carries such stigma, share stories from Jim Carrey and Richard Branson who bounced back from setbacks, and explain what failure actually teaches: learning, empathy, resilience. They offer concrete steps: analyze what went wrong, grieve it briefly, then keep going.
Chapters
Fehler machen ist nie besonders schön. Und wenn sie dann auch noch ein Scheitern zur Folge haben, setzen das viele mit komplettem Versagen gleich. Der Misserfolg führt zu großen Scham und Schuldgefühlen. Dabei stecken im Scheitern zahlreiche Chancen. Tatsächlich ist es ein typisch deutsches Phänomen, dass wir ein ziemlich verqueres Verhältnis zum Scheitern haben. Während andere aus ihren Fehlern schon lernen und daran wachsen, neigen wir Deutsche zum Schmollen, Verdrängen und Vertuschen. Obwohl das der Podcast der Karrierebibel ist, will ich mit dir heute mal über das genaue Gegenteil das Versagen und Scheitern und ein besseres Verhältnis dazu.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen in der Jochen May Viel Spaß Bei der heutigen Folge.
Wusstest du, dass wir in Deutschland das zweitschlechteste Verhältnis zu Fehlern haben? Die geringste Fehlertoleranz weltweit. Nur in Singapur haben die Menschen ein noch schlechteres Verhältnis zu ihren eigenen Fehlern. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie von Michael Freese. Der ist Wirtschaftspsychologe und Fehlerforscher an der Leuphana Universität in Lüneburg und wertete dazu zusammen mit internationalen Kollegen die Fehlerkultur in 61 Ländern der Welt. Aus. Kaum einer ist so streng mit sich selbst wie wir Deutschen. Schon etymologisch haben wir ein gespaltenes Verhältnis zu dem Begriff Scheitern. Die Scheiter, das waren nämlich die Brennholzstücke, die übrig blieben, wenn man einen Holzklotz in Stücke hackte und spaltete. So wurden sie am Ende einfach nur noch verbrannt und hinterließen allenfalls Asche. Entsprechend empfinden viele Gescheiterte bis heute das kaum erträgliche Gefühl, verbrannte Asche zu hinterlassen. Eine Idee, ein Traum, ein Business ist in Flammen aufgegangen. Aber wir kehren nicht wie Phönix aus der Asche wieder zurück. So haftet dem Scheitern dann auch noch die unangenehme Eigenschaft des Besiegelten an. Wer scheitert, strauchelt, und zwar gründlich und final. Eine Art vorweggenommener Tod. Außerdem scheitern wir ja nie an banalen Kleinigkeiten wie dem Versuch, beim Shopping ein Schnäppchen zu machen. Das hat halt nicht geklappt. Nein, wer scheitert, der versagt an richtig wichtigem an grundsätzlichen Dingen ohne die Chance auf einen zweiten Versuch aus und vorbei. Und das macht das eigene Versagen ja so wahnsinnig destruktiv, so schmerzlich und so schwer. Dabei ist dieses Verhältnis zum Scheitern wie Krebs. Je eher wir es erkennen, dass wir ein schlechtes Verhältnis haben, desto besser sind die Chancen, etwas zu retten. Und selbst nach einem Sturz können wir ja noch genug daraus lernen und an Stärke gewinnen, wenn wir denn den Misserfolg ehrlich und konstruktiv analysieren. Warum denselben Fehler zweimal machen? Warum nicht zugeben, dass auch die smartesten Brains Fehler machen und daneben liegen können? So manches Top Talent würde dadurch an Glaubwürdigkeit und Größe gewinnen. Vom Scheitern der Bosse erfährt ja sowieso jeder Journalisten fühlen damit tagtäglich Zeitungen und Online Medien. Die Wahrheit ist Sieg und Niederlage sind die zwei Seiten derselben Medaille, nämlich handeln. Wer nichts wagt, der kann nicht scheitern, stimmt aber auch nichts erreichen. So jemand ist schon irgendwie ein Versager. Wer aber aktiv wird und handelt, der oder diejenige muss das mögliche Versagen natürlich einkalkulieren und was noch wichtiger es überwinden. So wird aus einem anfänglichen Misserfolg oft noch der größere Erfolg. Aller Strebsamkeit wohnt zugleich die Selbstzerstörung inne. Das erkannte der österreichische Ökonom Josef Alois Schumpeter und brachte. Diesen Gedanken in seiner Definition des Unternehmers als schöpferischer Zerstörer Anfang des vergangenen Jahres schon treffend auf den Handeln machen, etwas aufbauen ist ein zerstörerischer Prozess. Das Bessere verdrängt das Gute und das Alte. Oder wie es der Autor Charles Swindoll einmal formuliert, Leben ist zu 10 Prozent das, was uns passiert, und zu 90 Prozent, wie wir darauf reagieren. Seien wir. Doch Der Hauptgrund, warum so viele Menschen Angst vor Fehlern und dem Scheitern haben, sind allein die sozialen Effekte. Die Betroffenen haben Angst, sich zu blamieren, ausgelacht oder kritisiert zu werden. Und ja, gerade in Social Media werfen viele nur allzu gerne den ersten Stein und skandalisieren selbst dann noch etwas, wenn jemand nur ein Komma in einem Satz vergessen hat. Doch all die Spötter sind Narren, die es nicht besser wissen. Fehler und die Erfahrungen daraus lassen Menschen persönlich wachsen mehr als das Erfolge jemals können würden Kein Artist, kein Künstler, kein Sportler, der nicht zig Fehler gemacht hätte bis zur Meisterschaft. Überdies machen uns Fehler gnädiger gegenüber den Fehlern anderer. Die meisten Menschen jedenfalls. Sie sorgen dafür, dass wir uns in andere besser einfühlen können, mit ihnen mitfühlen und Trost spenden können, weil wir das alles ja schon selbst durchgemacht haben. Es ist schon der erste Fehler, keine Fehler machen zu wollen. Manche Menschen verschwenden ihr ganzes Leben bei diesem Versuch. Ein wirklicher Neubeginn kann doch nur dem gelingen, der auch beherzt Abschied nimmt vom Alten und den Blick wieder nach vorne richtet. Beim Scheitern ist es ein bisschen wie bei Verstorbenen. Erst werden sie gründlich betrauert, um ihr ehrendes Andenken zu wahren, dann räumt man den Nachlass fort und kehrt zum Leben zurück. Und so ist es auch beim Scheitern. Ein bisschen trauern ist völlig OK, siehe Stunden Regel. Aber dann bitte wieder nach vorne schauen. Viele Menschen suchen sich hierfür positive Vorbilder als Ansporn und Beispiel für den eigenen Erfolg. Warum auch nicht mal umgekehrt? Blicken wir doch mal auf die vielen Erfolgreichen, die schon gescheitert sind. Mir fallen da ganz viele Beispiele ein. Der Hollywood Schauspieler Jim Carrey zum Beispiel flog im Alter von 15 Jahren von der Schule und lebte eine ganze Zeit lang ärmlich in einem Wohnwagen. Dennoch kämpfte er sich durch und verfolgte sein Ziel, einmal ein ganz großer Komiker zu werden. Und heute ist er das. Der Multimillionär und Multiunternehmer Richard Branson litt in der Schule an Dyslexie. Das ist eine Lese und Schreibschwäche und bekam deshalb nur schlechte Noten, aber hat sich davon abhalten lassen, ein Plattenlabel oder eine Fluggesellschaft zu gründen, so wie viele weitere andere Unternehmen auch. Nein. Pablo Picasso, ganz großer Künstler, schuf mehr als Gemälde, 1200 Skulpturen, 2800 Keramiken und über 1000 Zeichnungen. Davon ist aber nur ein Bruchteil wirklich bemerkenswert. Der ist allerdings so bemerkenswert, dass es Pablo Picasso zu großer Berühmtheit gebracht hat. Aber viele andere Werke sind halt nur so lala. Der Ausnahmemusiker Prince soll weit mehr als 1000 Songs komponiert haben, aber auch davon blieb ein Großteil unveröffentlicht. War nicht gut genug gescheitert, aber die anderen mega. Der Schauspieler und Oscar-Preisträger Tom Hanks hat. Selbst mal Ich habe viele Filme gemacht, die weder Hand noch Fuß hatten und kaum Geld eingespielt haben. Es ist aber schön, wenn es klappt und in Wirklichkeit ist das Verhältnis von Misserfolg zu Erfolg eher 80 20 80 Prozent von dem, was man tut, funktioniert nicht. Der Bestsellerautor Stephen King suchte anfangs verzweifelt einen Verleger für sein erstes Buch. Alle lehnten es ab, seine Frau war es, die ihn ermutigte, es zu überarbeiten, und am Ende wurde es dann doch noch gedruckt und 350 Millionen Mal verkauft. Stephen King, heute Bestsellerautor. Die US Moderatorin und Unternehmerin Oprah Winfrey wurde bereits mit 14 schwanger. Allerdings verlor sie dann auch noch ihr Kind und riss von zu Hause aus. Zudem wurde sie immer wieder von ihrem Cousin und ihrem Onkel und einem Familienfreund sexuell belästigt, nicht gerade der beste Staat. Und heute gehört Oprah zu den erfolgreichsten und reichsten Frauen in den USA. Viele großartige Entdeckungen, wie etwa das Penicillin oder der leichtklebende Post it, hätte es nie gegeben, wenn ihre Entdecker nicht zuvor Fehler gemacht hätten. Und ich finde, diese Beispiele von Meistern des Scheiterns machen Mut und zeigen, dass Scheitern alles andere als endgültig sein muss. Kein Scheiterhaufen, auf dem man elendig verbrennt, sondern eher ein Misthaufen, der sich jedoch hervorragend als Dünger für neue Projekte nutzen lässt. Ein ganz wesentlicher Schritt, um an unserem Scheitern zu wachsen und daraus zu lernen, ist, die damit verbundenen negativen Emotionen zu überwinden, also vor allem die, die Scham und Schuldgefühle. Ansonsten können diese nämlich unser Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen gewaltig anknacksen. Und je länger wir uns den Gefühlen hingeben, desto schwerer finden wir heraus und zum alten Selbstbewusstsein zurück. Scheitern ist eigentlich die normalste Sache von der Welt. Es gehört zum Machen dazu, weil die Komplexität der Welt halt immer größer wird und vor allen Dingen größer wird als unser Verständnis davon. Wir können nicht alles planen, erahnen und kontrollieren. Shit happens. Ich kenne da zum Beispiel einen guten Freund, dessen Ehe ist vor einiger Zeit gescheitert. Beide haben zusammen vier Kinder und die Trennung wurde leider auch noch ziemlich hässlich. Wir haben uns lange Jahre schon davor über die Beziehung unterhalten. Es war ein Scheitern auf Raten absehbar und nicht mehr zu retten. Was rät man da als Freund, wenn man selber an die Ehe glaubt? Ich bin selber seit über 35 Jahren mit meiner Frau zusammen sehr glücklich davon. 30, ne? 33 Jahre sogar schon verheiratet. Und auch wir hatten natürlich auch schon so manche schwere Krise. Aber irgendwann muss man wie bei meinem Freund erkennen, es geht nicht mehr. Irgendwann kamen wir zu der Einsicht, dass es kein Scheitern, sondern eher eine Befreiung ist, und zwar für beide. Beide leiden sonst nur aneinander und miteinander. Und das ist weder gut für die Kinder noch für sie selbst. Im Das Festhalten an einem Institut wie der Ehe verhindert, dass sie doch noch den Partner finden, der besser zu ihnen passt und mit dem sie wieder glücklich werden. Manchmal muss man sich das eingestehen, dass eine Beziehung oder auch ein Job einfach nicht mehr funktionieren. Dann ist es für alle Beteiligten besser, einen beherzten Schlussstrich zu ziehen, nur vielleicht nicht mit einem Rosenkrieg am Ende. Das war dann nicht so schön. Das ist auch, finde ich, immer so ein bisschen unerwachsen und kostet obendrein unnötig viel Geld, das den beiden dann auch noch im Alter fehlt. Daran freuen sich dann doch nur die Anwälte. Auch wenn es in diesem Fall ein schmerzhafter Lernprozess war, zeigen doch viele psychologische Studien immer wieder, dass das Scheitern zahlreiche positive Lernprozesse in Gang setzt. Wenn wir denn den Mist zunächst akzeptieren und etwas daraus machen, was also können wir tun, um von Misserfolgen und Versagen, ob beruflich oder privat, mehr zu profitieren? Ich glaube, erstens, wenn Fehler passieren, dann sollten wir diese ebenso ehrlich wie selbstkritisch analysieren und uns überlegen, wie ist es bitteschön dazu gekommen? Was ist schiefgegangen und warum? Und was war vielleicht mein eigener Anteil daran? Statt uns lange Vorwürfe zu machen oder uns zu bemitleiden, sollten wir das Scheitern als Lernhilfe bewerten und betrachten. Wohin führt mich dieser Fehler? Was kann ich in Zukunft besser machen? Und das Wichtigste nicht aufgeben. Immer weitermachen, nur anders, besser, klüger. Ein schönes Sprichwort. Fehler sind Helfer. Schon dadurch, dass man die Buchstaben vertauscht. Probier es einfach mal aus. Das stimmt tatsächlich.
Das war oh my job, dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.