Kritikfähigkeit Teil 2: Andere richtig kritisieren!
1 Dec 2025 · 1 min
This podcast episode ("Kritikfähigkeit Teil 2: Andere richtig kritisieren!", JobGenius / Jochen May) explains why constructive feedback matters and gives concrete, practice-oriented guidance for delivering criticism in professional and private settings. The host presents a set of numbered "Grundregeln" (timing, timeliness, balance of positive/negative aspects, use of "Ich-Botschaften", concrete examples, openness to questions, allowing digestion time, proposing solutions) and then a compact "10 goldene Feedback-Regeln" checklist. Episode emphasizes timing (reserve 30–60 minutes for important feedback), timeliness (ideally within 48 hours in a job context), specificity, respect, focusing on changeable behavior, active listening, empathy, and closing with written agreements when appropriate.
Questions this episode answers
April 8, 2025.
About 30–60 minutes.
Within 48 hours.
Jochen (JobGenius).
Chapters
Hallo und herzlich willkommen zum zweiten Teil unserer Podcast Serie zum Thema Kritikfähigkeit. In der vergangenen Folge von oh My Job haben wir ja schon darüber gesprochen, wie du richtig Kritik annehmen kannst, sowohl Berechtigte wie auch Unberechtigte. Heute sprechen wir über die andere Seite der Kritikfähigkeit, also die Fähigkeit, andere konstruktiv zu kritisieren bzw. Richtig Feedback zu geben. Auch diese Kompetenz brauchst du unbedingt im Job, nicht nur als Führungskraft, sondern zum Beispiel auch, wenn du Kollegen kritisierst oder mit schwierigen Kollegen besser klarkommen willst. Und natürlich hilft dir diese Fähigkeit auch privat in der Beziehung oder bei Freunden. Also lass uns gleich damit loslegen.
Willkommen bei oh my Job, dem Podcast der Karrierebibel. Nutze deinen wöchentlichen Kick für Kopf und Karriere. Entdecke echte Insider Tipps mit wertvollen Impulsen in der Jochen May. Viel Spaß bei der heutigen Folge.
Ob im Beruf, in der Schule oder im persönlichen Umfeld. Konstruktives Feedback ist überall ein unverzichtbares Werkzeug, um uns bei weiterzuentwickeln und zu wachsen. Doch wie gibt man richtiges, wertschätzendes und vor allem konstruktives Feedback, das andere motiviert und nicht demotiviert? Und warum ist Feedback überhaupt so wichtig? Bevor wir in die Praxis eintauchen, möchte ich kurz erklären, warum Feedback überhaupt wichtig ist. Feedback ist einer der besten, besten Möglichkeiten, wie wir selber lernen können, unsere Arbeit verbessern oder uns persönlich weiterentwickeln. Erst dadurch haben wir die Chance, das eigene Selbstbild durch eine objektive Meinung und ein Fremdbild zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Feedback hilft uns, unseren blinden Fleck zu erkennen oder blinde Flecken können ja auch mehrere sein, aus eigenen Fehlern zu lernen oder unsere Stärken zu stärken. Doch was passiert, wenn Feedback nicht richtig gegeben wird? Oft wird es dann missverstanden oder sogar als Angriff verstanden. Der Effekt ist, dass unser Gegenüber die Kritik ablehnt oder sogar mit Gegenwehr oder einem lautstarken Gegenangriff reagiert. Die berühmte Vorwärtsverteidigung. Ein gutes Gespräch, von dem beide profitieren, ist dann leider nicht mehr möglich. Ich denke auch du hast so etwas schon erlebt. Diskussionen, die eskalieren, die sehen wir zum Beispiel tausendfach auf Social Media. Damit das nicht passiert, möchte ich heute über einige Grundregeln und Tipps sprechen, wie du in Zukunft noch besseres Feedback gibst und andere konstruktiv kritisieren kannst, sodass deine Kritik auch wirklich angenommen wird und die Menschen positiv darauf reagieren. Fangen wir mit den Grundregeln an. Die erste Grundregel Gute Kritik braucht richtiges Timing. Kritik oder Feedback sollte nie zwischendurch gegeben werden, sondern im richtigen Moment. Bedeutet ein spontanes Ach übrigens, was ich dir schon immer mal sagen wollte zwischen Tür und Angel, Das kommt zu 99 Prozent falsch an und wirkt wie nutzloses Genörgel. Warte also auf den richtigen Zeitpunkt, an dem der Empfänger offen und aufnahmebereit ist und nimm dir für das Feedback unbedingt ausreichend Zeit, wenn es um etwas Wichtiges geht. Wo ein wirkliches Gespräch nötig ist, solltest du hier für mindestens 30 bis 60 Minuten reservieren. Das ist meine persönliche Erfahrung. Gut Gespräche, gerade wenn es um Kritik geht, brauchen Zeit. 2. Feedback immer zeitnah geben. Das klingt vielleicht erstmal ungewöhnlich, aber Kritik verliert an Wirksamkeit, wenn sie erst Wochen später kommt. Gib dein Feedback also möglichst direkt nach einer Handlung, einem Ereignis oder einem Verhalten, das dich stört. So sind die Details für alle noch frisch im Gedächtnis und das Feedback bleibt auch nachvollziehbarer. Auf der Karrierebibel empfehlen wir zum Beispiel, dass Kritik im Job möglichst innerhalb von 48 Stunden geäußert werden sollte. Und kleiner Tipp am Rande für Private Da sollten Paare niemals wütend im Streit ins Bett gehen, sondern die Sache möglichst noch vor dem Schlafen klären, also sogar noch innerhalb von wenigen Stunden. 48 können da schon deutlich zu lang sein. Außerdem schläft man dadurch einfach besser. Die dritte Positive und negative Aspekte sollten beide angesprochen werden. Ich bin ein entschiedener Gegner der sogenannten Sandwich Kritik, also der Methode, bei der negative Kritik zwischen zwei positive Botschaften verpackt wird, damit sie insgesamt leichter verträglich wird. Aber Feedback sollte nicht ausschließlich nur negativ sein. Es gibt immer auch ein paar positive Aspekte, die du erwähnen und ansprechen kannst und solltest. Vielleicht kennst du ja das Vier Ohren Modell von Friedemann Schulz von Thun. Danach sprechen wir immer auf vier Ebenen miteinander, kannst du alles nachlesen. Auf der Karrierebibel Bei der Kritik sprichst du aber in erster Linie die sogenannte Sachebene an. Du kritisierst sachlich eine bestimmte Sache oder ein Verhalten, aber damit die Kritik besser angenommen und ankommen kann, ist es hilfreich, auch die Beziehungsebene anzusprechen bzw. Auf der Beziehungsebene zu signalisieren, dass zwischen euch beiden alles noch in Ordnung ist. Indem du etwas Positives ansprichst oder dem Empfänger klar Es geht mir wirklich nur um die Sache und nicht um uns oder um dich als Person, erzeugst du eine angenehme Atmosphäre und dein Gegenüber fühlt sich einfach nicht nur kritisiert oder angegriffen. Die vierte Regel ist eine ganz bekannte, die kennst du, aber sie ist extrem wichtig, nämlich Ich Botschaften. Statt Du Botschaften zu formulieren, anstatt zu Das hast du falsch gemacht, was immer wie ein Angriff klingt, solltest du sogenannte Ich Botschaften formulieren. Also zum Beispiel Ich habe den Eindruck, dass Oder ich habe beobachtet, dass du oder Mir ist aufgefallen, dass. Punkt, Punkt, Punkt. Ich Botschaften vermeiden, den anderen direkt zu beschuldigen. Sie klingen nicht nach einem Vorwurf. Und was noch wichtiger Deine eigenen Beobachtungen und Gefühle, die lassen sich weder ignorieren noch wegdiskutieren. Du hast dich in der Situation unangenehm gefühlt oder beleidigt oder angegriffen. Oder du hast etwas beobachtet, was dir nicht gefallen hat. Das ist deine Meinung und die kannst du äußern. Die kann der andere nicht einfach wegdiskutieren. So kam es bei dir an. Punkt. Und meistens war das ja auch keine böse Absicht von deinem Gegenüber, was die Person aber dann erkennen kann bei den ich Botschaften, ohne sich gleich angegriffen zu fühlen. Und jetzt Regel Nummer 5 konkrete Beispiele nennen. Auch das ganz, ganz wichtig. Vermeide unbedingt vage zu bleiben. Was ich immer wieder lese, auch in Social Media, sind Verallgemeinerungen oder Pauschalurteile vom Typ Du bist immer so und so oder Unaufmerksamkeit und dies, das und jenes. Du kannst dieses oder jenes nicht und es ist ja allgemein so, dass solche Verallgemeinerungen sind tabu. Stattdessen kannst du doch sagen, mir ist im Meeting aufgefallen, dass du oft abgelenkt warst. Konkrete Beispiele und präzise Schilderungen machen die Kritik spezifischer und auch wieder nachvollziehbarer für dein Gegenüber. Gleichzeitig ist es wichtig, die Kritik möglichst sachlich und nicht moralisierend zu formulieren. Auch das ist etwas, wenn man andere finden, aber auch, dass das so nicht in Ordnung ist, ganz schlecht. Das ist wieder ein Angriff. Und dann reagiert jeder mit Abwehr. Wie du kritisierst, sagt übrigens immer auch etwas darüber aus, wie du dich selber siehst oder wer du selber bist. Oder wie es so schön heiß Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul. Deswegen achte auch darauf, wie du deine Kritik formulierst und was du kritisierst, denn das verrät am Ende nicht zuletzt auch etwas über Dich als Kritiker. 6. Offen sein für Rückfragen. Auch so ein wichtiger Punkt beim Feedback, dass du aktiv zuhörst, bedeutet, du musst unbedingt sicherstellen, dass deine Botschaft auch wirklich bei deinem Gegenüber ankommt und vor allem richtig ankommt. Dazu stellst du am besten Rückfragen wie zum Kannst du das nachvollziehen? Verstehst du meinen Punkt Mein Problem? Wie ist das denn aus deiner Sicht gelaufen? Was denkst du, wie es dazu kommen konnte? Und natürlich hast du dazu noch Fragen. Indem du solche Fragen stellst, öffnest du einen Dialog und zeigst gleichzeitig, dass du auch bereit bist, deine eigene Sichtweise oder deinen Standpunkt zu korrigieren. Denn natürlich gehört zu einem Vorfall immer zwei Perspektiven. Und hier mit diesen Rückfragen öffnest du den Raum einfach auch für die andere Einschätzung. Was mich übrigens zur nächsten Grundregel Regel Nummer 7 bringt, nämlich die Reaktionen abzuwarten. Nicht alle Menschen reagieren auf Feedback und Kritik gleich und auch nicht gleich schnell. Deshalb solltest du deinem Gegenüber unbedingt Zeit lassen, um das Gesagte erst einmal zu verdauen. Bitte niemals auf eine schnelle Reaktion oder Annahme der Kritik drängen. Das erzeugt nur wieder Druck und der wird auch meistens als Angriff gewertet, egal wie konstruktiv das Gesagte davor war. Auch empfehle ich, dass du für etwaige Reaktionen Verständnis zeigst um und vor allem Empathie vermittelst. Es gibt Menschen, die fangen erst mal an zu weinen, wenn sie kritisiert werden, andere werden stumm und erstarren. Beide Reaktionen musst du aushalten und zunächst einmal abwarten bzw. Angemessen darauf reagieren. Einfach nur so ein Trommelfeuer an Kritik ist so ein bisschen herzlos. Und die achte und letzte Regel ist, Lösungen vorzuschlagen. Das ist ein ganz essentieller Teil der konstruktiven Kritik. Konstruktive Kritik bietet immer auch Lösungsvorschläge, Verbesserungsvorschläge oder Kompromisse. An, denn das zeigt, du hast dir ebenfalls schon Gedanken gemacht, wie es in Zukunft besser laufen kann. Das wirkt wie eine helfende und versöhnliche Hand, die du deinem Gegenüber hinreichst. Und deine Kritik ist eben keine vernichtende oder endgültige Kritik, sondern du zeigst mit dem Lösungsvorschlag gleichzeitig einen Ausweg auf. Über den könnt ihr beide noch diskutieren und gemeinsam an einer verträglichen Lösung für beide arbeiten. Aber grundsätzlich zeigst du, dass du an einer Lösung interessiert bist und dass es eben auf der Beziehungsebene weiterhin mit euch beiden stimmt. Das waren jetzt ziemlich viele Tipps und Erfahrungen, deshalb möchte ich dir die wichtigsten Punkte nochmal zusammenfassen in den 10 goldenen Feedback Regeln. Regel Nummer 1 Schaffe eine vertrauensvolle Atmosphäre. Kritik zwischen Tür und Angel ist tabu. Oft braucht es dafür eben ein Vier Augen Gespräch in einem geschützten Raum. Das zeigt nicht nur Respekt und Wertschätzung, sondern hilft deinem Gegenüber auch, sein Gesicht zu wahren. Kritik in der Öffentlichkeit kommt selten Gut an. Regel Nummer 2 Achte auf den richtigen Zeitpunkt. Wähle den richtigen Zeitpunkt für dein Feedback, also möglichst zeitnah, aber auch so, dass dein Gegenüber dafür empfänglich und offen ist. Wer gestresst ist oder selber gerade verärgert, wird sicherlich nicht auch noch Bock auf feedback haben. Regel Nummer 3 sei konkret. Feedback sollte immer spezifisch, präzise und vor allem nachvollziehbar sein. Formuliere deine Kritik also immer mit Hilfe von konkreten Beispielen. Regel Nummer sei respektvoll. 8. Darauf, dass dein Gegenüber nicht nur persönlich angegriffen wird. Verallgemeinerungen, Vorurteile, Pauschalurteile, allesamt tabu und zwar immer. Regel Nummer 5 Fokussiere dich auf Veränderbares. Es macht ja keinen Sinn, Dinge zu kritisieren, die andere überhaupt nicht ändern können oder auch nicht so schnell. Also zum Beispiel bestimmte Charaktereigenschaften, Persönlichkeitsmerkmale. Das ist nicht dein Job. Fokussiere dich unbedingt auf Dinge, die sich verändern lassen, also zum Beispiel ein bestimmtes Verhalten. Regel Nummer 6 Formuliere ich Botschaften hatten wir gerade ausführlich. Schildere also unbedingt zunächst nur deine eigenen Beobachtungen und Gefühle, ohne den anderen damit gleich zu bewerten. Das ist neutral und sachlich und kommt viel besser an bei der Kritik. Regel Nummer 7 Höre aktiv zu. Stelle immer wieder Rückfragen, um sicherzugehen, dass deine Botschaften verstanden werden, keine Missverständnisse zwischen euch im Raum stehen und deine Kritik auch wirklich konstruktiv ankommt. Regel Nummer 8 Lass deinem Gegenüber Zeit. Achte auf die Körpersprache und die Mimik deines Gegenübers und zeige Verständnis für mögliche Reaktionen. Lass deinem Gegenüber wirklich auch Zeit, um das Feedback zu verdauen. Regel Nummer 9 Lass Erklärungen zu. Auch Kritiker können sich irren, also auch du, sei denn deshalb fair. Und lass deinem Gesprächspartner den Raum, die Sache aus seiner Sicht zu erklären und seine Sicht darzustellen oder deinen Standpunkt zu korrigieren. Und Regel Nummer 10 Schlage immer selber Lösungen vor. Konstruktive Kritik bietet immer eigene Verbesserungen an. Das hilft dem anderen auch, das Feedback produktiver umzusetzen. Und zum Schluss noch ein Tipp für den Wenn ihr euch im Kritikgespräch auf eine Lösung geeinigt habt, fasst diese möglichst schriftlich per Mail oder in einem Protokoll zusammen, das beide bekommen und mit dem auch beide einverstanden sind. Bei dem klassischen Feedbackgespräch zwischen Chef und Mitarbeiter sollten beider Männer dieses Protokoll unterschreiben. Das erhöht deutlich mehr die Verbindlichkeit und verhindert Missverständnisse in der Zukunft. Außerdem könnt ihr später und im nächsten Gespräch immer noch mal kontrollieren, was davon tatsächlich umgesetzt wurde und was sich seitdem positiv verbessert hat. Du siehst Feedback geben und konstruktive Kritik zu üben ist eigentlich gar nicht so schwer. Solange ihr beide diese goldenen Grundregeln einhaltet, werdet ihr in Zukunft konstruktiver, respektvoller und auch effektiver kommunizieren. Feedback tut dann auch deutlich weniger weh und hilft allen Beteiligten, besser zu werden und sich permanent weiterzuentwickeln. Das wünsche ich dir jetzt auch. Ich freue mich schon, wenn wir uns in zwei Wochen zu einer neuen Folge von oh My Job wiederhören. Bis dahin dein Jochen.
Das war oh My Job. Dein Kick für Kopf und Karriere. Hat dir die Folge gefallen? Dann vergiss nicht, den Podcast gleich zu abonnieren und empfehle uns deinen Freunden. Wir freuen uns auf ein Wiederhören.