Deutschlands Weltraum-Hoffnung: Isar-Aerospace-Gründer Daniel Metzler (#844)
12 Oct 2025 · 59 min
In diesem OMR‑Podcast spricht Philipp Westermeyer mit Daniel Metzler, Mitgründer von Isar Aerospace, über die aktuelle Lage und die Zukunft der Raumfahrt. Metzler erklärt, dass trotz der bereits aktiven 10.000 Satelliten im Orbit noch viel Platz für neue Konstellationen besteht und dass die meisten zukünftigen Anwendungen über Satelliten laufen werden – von Klimadaten bis zu Flugverkehrs‑Monitoring. Er schildert seine langfristige Vision, die von Mars‑Missionen bis zu einer breiten Nutzung von Weltraum‑Daten reicht, betont aber, dass die nächsten 20‑30 Jahre primär der Nutzen für die Erde im Fokus steht. Raumstationen sehen sie als kleineren Teilbereich, während die kommerzielle Satelliten‑Nutzung im Vordergrund steht. Metzler beschreibt die bewusste „heads‑down“‑Strategie von Isar Aerospace, bei der harte Fakten und schnelle Entwicklungszyklen (z. B. ein Triebwerk in 30 Tagen) über öffentliches Storytelling gestellt werden, das erst später stärker in den Vordergrund rücken wird. Die Logistik des norwegischen Startplatzes wird detailliert erläutert: ein abgelegenes Insel‑Spaceport mit 4 000 Einwohnern, Transport per LKW über Brücken, Aufbau von Infrastruktur und die Entstehung eines lokalen Ökosystems aus Restaurants und Unterkünften. Weiterhin wird die Produktionsstrategie aus dem Münchner Werk beschrieben, das die Raketen in modularen 30‑Meter‑Abschnitten fertigt und per Sattelschlepper nach Norwegen transportiert. Als nächster Meilenstein wird der erste Orbitalflug genannt, gefolgt von der Skalierung der europäischen Startkapazität um das 40‑Fache. Metzler spricht über mögliche Geschäftsmodelle, die aus Weltraum‑Daten entstehen (Klimaschutz, Luftverkehr, neue Services) und reflektiert seine persönliche Work‑Life‑Balance, die trotz einer fast 7‑Tage‑Woche versucht, wöchentlich Zeit für die Familie zu reservieren. Der Podcast endet mit einem Ausblick auf weitere Starts, mögliche OMR‑Tribünen für Zuschauer und einem Dank an die Zuhörer.
Chapters
Gleich kommt eine der überraschendsten und unglaublichsten Folgen aus meiner Sicht, zumindest mal der letzten Monate hier im OMR-Podcast. Was der Daniel Metzler von Isar Aerospace so erzählt hat, hätte ich nicht für möglich gehalten. Klingt gleichzeitig total sinnvoll und logisch und groß und berechtigt. Aber ich hatte es ehrlicherweise lange nicht in der Größe und der Dimension auf dem Radar. Zum Teil habe ich mich gefühlt, als würde ich gerade die Biografie von Elon Musk noch mal in anderer Form erzählt bekommen. Dabei ging es gar nicht um SpaceX, sondern um Isar Aerospace aus einem Vorort von München. Aber das Ganze klingt nicht nur für den Daniel und seine Kolleginnen und Kollegen und seine Investoren vor allen Dingen sinnvoll, sondern wirklich für uns alle als Europa, was er da vorhat. Und noch ein Fun Fact: Vielleicht führt dieses Treffen mit Daniel und dieser Podcast auch noch zu einem neuen Geschäftsfeld von OMR und einem kleinen Geschäftsfeld von Isar Aerospace. Wir hatten da zusammen so eine Idee. Jetzt jedenfalls rein ins Live-Gespräch auf der BITS in München mit Daniel Metzler.
Auf geht's!
Let's go! Go, go, go!
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Hallo Daniel.
Hi, freut mich sehr.
Erzähl mal so ein bisschen deinen Background. Klingt erstmal sehr straight. Also irgendwann mal aus Österreich hier nach München gekommen und dann hier Raumfahrtingenieurwesen studiert und dann logischerweise eine Raumfahrtfirma gegründet. Klingt alles irgendwie naheliegend.
Ja, wir haben, also ich bin damals nach München gekommen, weil es in Österreich ja bekanntlich keine Raumfahrtindustrie gibt. Und an der TU München gab es eine Studentengruppe seit den 60ern schon, die Höhenforschungsraketen, kleine Satelliten usw. gebaut hat. Das hat mich wahnsinnig fasziniert. Und so sind wir quasi in die Gründung auch gekommen. Wir hatten die ersten Anfragen aus der Industrie, die wollten unsere Raketentriebwerke kaufen. Und da haben wir uns gedacht, die sind ja völlig wahnsinnig. Warum will man von Studenten Raketentriebwerke kaufen? So, und dann haben wir uns die ganze Industrie angeschaut. Wir dachten eigentlich, Europa wäre ja gar nicht so schlecht. Und wenn man mal so ein bisschen ins Detail geht, merkt man, technologisch ist zwar alles da, aber in der Umsetzung, in der Industrialisierung, im Unternehmertum sind wir einfach schlecht. Und da haben wir gesagt, gut, wir haben jetzt die Chance, ein Unternehmen zu gründen. Einer von den SpaceX-VPs, den wir auf dem Parkplatz von SpaceX kennengelernt haben, hat uns das erste Ticket geschrieben, hat gesagt, Baut doch mal ein europäisches SpaceX auf. Und in unserer jugendlichen Naivität haben wir gesagt: Ja, probieren wir mal.
Und war das dein Co-Founder auch schon in einer ganz frühen Phase, oder ihr als ganz kleines Team von SpaceX eigentlich eingekauft werden solltet und das nur deswegen nicht klappte, weil ihr keinen amerikanischen Pass hattet?
Ganz genau so ist es. Als amerikanisches Unternehmen sind fast eigentlich nur amerikanische Staatsbürgerschaften für Interesse, weil Raumfahrttechnologie oftmals als Missile Technology und als Defensivtechnologie klassifiziert ist. Das heißt, als Nicht-Amerikaner kriegst du da keinen Zugriff. Das heißt, als Europäer hatten wir diese Chance nicht, an den spannenden Themen, an den Raketen in den USA zu arbeiten. Haben uns gedacht, das ist aber gleichzeitig natürlich auch ein Riesen-Asset, wenn wir eine Company aus Europa heraus aufbauen. Denn wir können in Deutschland Talente aus aller Welt hirnen. Und die amerikanischen Unternehmen können das nicht.
Okay, okay. Das heißt, eigentlich wäre das schon vor ein paar Jahren dann zu SpaceX gekommen. Es war dann so zeitlich, wann wäre das gewesen?
2017 war das damals, als wir die SpaceX Hyperloop Challenges gemacht haben und alle diese Challenges gewonnen haben. Da kam dann die Anfrage. Ein Teil des Teams ist dann bei Tesla gelandet in Berlin und wir haben uns gedacht, Autos sind langweilig, wir wollen lieber Raketen bauen.
Was muss man eigentlich bei so einer Challenge machen? Also nur mal so, Das machen die ja schon mal ziemlich clever, um da Talente zu ziehen.
Das Ziel war damals, auf Basis des Whitepapers von Elon Musk einen Zug oder einen Pod in einer Vakuumröhre zu bauen. Und SpaceX hat damals eine Teststrecke von mehreren Kilometern bei sich vor dem Parkplatz gemacht in Los Angeles und hat dann alle Universitäten weltweit dazu eingeladen, so einen Pod zu entwickeln und dann Rennen gegeneinander zu fahren. Und wenn man das quasi in einer Vakuumröhre macht, kann man enorm schnell fahren. Am Schluss waren wir das Team, das gegen die Stanfords, die Harvards und Co. gewonnen hat, die schnellsten Pods hatte. Und das Ganze wurde dann über 3, 4 verschiedene Challenges ausgeweitet. Am Schluss hat sich dann das TUM-Team gegen Tesla behauptet und daraufhin kam das natürlich als Hiringvorschlag bei Elon auf den Tisch.
Aber persönlich getroffen habt ihr euch nie?
Ich nicht, mein Mitgründer natürlich. Ja, wir haben dann das ganze Thema auf Europa fokussiert mit dem Support von den SpaceX-VPs.
Das heißt, die haben schon gesehen, was ihr könnt, und haben gesagt, okay, ihr könnt zwar nicht zu uns kommen, aber Geld geben können wir euch. Ans Beteiligen können wir uns auch. Und dann waren das sozusagen eure ersten Angel-Investoren.
Genau.
Und sind die heute noch bei SpaceX?
Nee, die sind tatsächlich raus, damit sie auch das Investment bei uns machen können. Und für uns natürlich super. Das sind die Chief Engineers von Falcon 1, Falcon 9, Dragon, Starlink, also alle die Produkte, die SpaceX letztlich hat. Haben die Kollegen entwickelt und sind bei uns mit investiert.
Ach krass. Okay. Und ist es bei dir auch so, dass du so eine Kindheit hattest mit Science-Fiction? Und bei Elon Musk weiß man ja, dass er sehr stark geprägt ist durch Comics und Literatur rund um die Zukunft. War das auch bei euch so?
Mich hat immer alles fasziniert, was fliegt. Und im Studium, wenn man sich mit der Materie einfach tiefer beschäftigt, kommt man dann relativ schnell drauf, dass ein Flugzeug wegen der Physik und wegen des Engineerings eben so aussieht, wie ein Flugzeug aussieht und dass sich da jetzt nicht wahnsinnig groß was ändert. Gleichzeitig in der Studentengruppe haben wir aber gemerkt, dass sich natürlich in der Raumfahrtindustrie eine enorme Industrie auftut, an der Europa und Deutschland ehrlich gesagt das ganze Know-how hat und einfach kein Mensch was damit macht. Und wir konnten das nicht verstehen, dass das ganze Know-how da ist und niemand das letztlich in eine Industrie, in Startups verwandeln möchte.
Also Know-how heißt, in Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Studiengängen und Universitäten, wo Menschen sind, die sozusagen Raketenwissenschaft, Weltraumwissenschaft wissen.
Genau. Du hast im Prinzip alles an den Unis. Mein Professor an der TU München war sogar noch im Core-Team von Wernher von Braun, um die Saturn V zu bauen. Also die Geschichte ist ja gar nicht so lange her. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die gesamten deutschen Teams zur Hälfte nach Russland, zur Hälfte nach USA aufgeteilt. Die dann jeweils dort das Space Race gemacht haben. Am Schluss kommt ja alles letztlich auf deutsche Technologie zurück.
Das heißt, mittlerweile gibt es denn in welchen Ländern ernsthafte Weltraumforschung? In Russland offensichtlich, in USA, China, Deutschland auch. Wo noch?
Es gibt letztlich im Moment 11 Länder, die Zugang zum Weltall haben und entsprechend natürlich ihre Ambitionen umsetzen können. In der westlichen Welt ist das USA und Frankreich und ansonsten gibt es Russland, China, Nordkorea, Iran, Die Japaner starten ungefähr einmal im Jahr. Die Inder starten ein paar Mal im Jahr. Südkorea hat jetzt das erste Mal gestartet. Aber das sind alles staatliche Angelegenheiten. Und man hat mit SpaceX natürlich gesehen, dass ein privater Push in der Industrie deutlich mehr erreicht als Regierungen unter Regierungsprogrammen mit Regierungsmitarbeitern, die so ein bisschen vor sich hinarbeiten und versuchen, jetzt ein Weltraumprogramm aufzubauen.
Habt ihr seit ein paar Monaten sozusagen diese berühmte Milliardenbewertung Unicorn. Und wir müssen da gleich drüber sprechen, was ihr heute genau macht. Aber wie ging das denn los? Also ich meine, ihr habt dann immer gesagt, okay, wir fangen jetzt mal an hier nachher nach dem Studienabschluss und jetzt zu SpaceX können wir nicht. Also gründen wir jetzt unsere eigene Raketenfirma. Was war denn das Ziel? Also was ist denn sozusagen eure Mission gewesen?
Wenn man sich mal die Value Chain von der Space-Industrie anschaut, Dann gibt es im Prinzip 3, 4 Elemente. Es gibt natürlich die Startplätze, die zu den Raketenunternehmen gehören, dann die Rakete selbst, um etwas ins Weltall zu bringen. Es gibt die Satelliten und dahinter die Applikationen auf Basis der Satellitendaten. Das kann Kommunikation sein, das kann Erdbeobachtung sein. Und entlang dieser Value Chain entsteht natürlich der Wert immer am Ende, sprich direkt beim Endkunden. Wenn zum Beispiel ein Landwirt Satellitendaten haben möchte. Und wenn aber die Raketen im ersten Schritt schon nicht verfügbar sind, dann bringt es einem auch nichts, wenn man 100 Satelliten in der Fabrik liegen hat, weil man kriegt sie nicht ins Weltall. Und genau das haben wir gesehen, war Europas Problem. Genauso wie im Rest der Welt. Niemand schafft es genug, Raketen zu bauen. Und deswegen haben wir gesagt, müssen wir eigentlich genau da anfangen. Und dann, wie du sagst, haben wir gesagt, wir gründen jetzt ein Unternehmen. Als Firmenzweck steht dann eben drin Entwicklung von Raumfahrtsystemen und Trägerraketen. Und haben angefangen, natürlich das Overall Design der Trägerrakete zu machen. Und dann wird man es vom Gesamtsystem, bricht man es im Prinzip runter auf die Einzelsysteme. Wie groß müssen die Triebwerke sein? Wie viel Schub müssen die liefern? Was für eine Technologie verwendet man dafür? Welche Produktionstechnologien? Dass man perspektivisch die ganzen Elemente natürlich auch automatisiert produzieren kann. Was für eine Elektronik? Wie sieht die Software aus? So, und dann zieht man das alles Einmal groß auf Papier, schaut sich das alles an und fängt dann an, Stück für Stück Komponenten dazu zu entwickeln.
Und wer das am Anfang finanziert außer die SpaceX-Leute? Oder reicht das schon?
Ja, wir haben damals die erste Finanzierungsrunde über 2 Millionen€ 2018 gemacht. Und dabei ging es darum, im Prinzip das Overall-Raketendesign zu machen und die ersten Komponenten für das Raketentriebwerk inklusive deren Prüfstände zu entwickeln. Und die haben wir dann sehr bayerisch auf einem bayerischen Bauernhof außerhalb von München getestet und haben damit quasi auch den Investoren gezeigt, dass wir nicht nur was Schönes pitchen, sondern auch tatsächlich das Engineering dazu umsetzen können und die Raketentriebwerke bauen können.
Man muss hier mal klarmachen, ihr habt jetzt bislang, glaube ich, 400 Millionen eingesammelt, so Größenordnung, und habt jetzt ja nach wie vor noch keinen richtigen Umsatz.
Genau. Wir haben jetzt über die letzten Jahre tatsächlich die Entwicklung der Trägerrakete gemacht. Und wo letztlich aber ein Großteil des Kapitals eigentlich eingeflossen ist, ist gar nicht so sehr nur in die Entwicklung der Trägerrakete selbst, sondern in den Aufbau einer Serienproduktion. Und der Vorteil, den wir haben gegenüber einem SpaceX vor mittlerweile 23 Jahren, als sie gegründet wurden: Wir müssen den Markt nicht mehr beweisen. Der Markt ist da. Die Satellitenhersteller sind da. Die Satellitenkonstellationen sind da. Bei uns geht es letztlich darum, wie können wir genug Trägerraketen produzieren? Und das hat einen enormen Einfluss schon auf das Design der Trägerrakete. Ist nämlich eine Sache, wenn man sagt, man macht jetzt ein One-Trick-Pony. Man baut einmal eine Trägerrakete, kommt damit sogar in Orbit. Und dann ist es noch mal eine ganz andere, sehr viel größere Aufgabe, das Ganze, wir nennen es auch the machine behind the machine, aufzubauen, dass man wirklich 10, 20, 30, 50 Trägerraketen pro Jahr produzieren kann. Das treibt nämlich das Design der Trägerrakete, weil man auch das wiederum automatisiert produzieren muss.
Und ist es auch euer Ziel, dass die Raketen dann wieder zurückkommen, so wie die bei SpaceX, dass die wiederverwertbar sind?
Absolut. Die ersten Raketen sind es natürlich nicht, einfach weil es eine zusätzliche Komplexität ist. Unser Seed-Investor und Board-Chairman ist aber genau derjenige, der auch die Wiederverwendbarkeit von den SpaceX-Raketen natürlich geleitet hat.
Das heißt, ihr seid schon jetzt sehr nah an dem dran, was SpaceX jetzt auch macht. Ich meine, die machen ja auch noch irgendwie ein paar andere Sachen, zum Beispiel Satelliten selber produzieren und zerlegen und so was. Aber bei diesem Ganzen, wir schießen Sachen ins Weltall, das ist vergleichbar.
Das ist sehr, sehr vergleichbar tatsächlich. Und auch da kümmern wir uns darum, dass wir eine Souveränität aus Europa heraus machen. Und es startet am Schluss alles mit dem Raketenstart. Das ist der erste Schritt ins Weltall. Und der Job der Rakete ist nachher, den Satellit auf 28.000 km/h zu beschleunigen. Dafür muss man eine Trägerrakete haben. Dafür muss man alle Lizenzen haben. Dafür muss man auch das Know-how haben, so eine Trägerrakete tatsächlich zu operaten. Und wenn man sich allein schon mal überlegt, es gibt im Moment 11 Länder auf der Welt und in den USA sind das ungefähr 4 bis 5 Unternehmen, die das können. Dann gibt es auf globaler Skala vielleicht ungefähr 300, 400 Leute, die überhaupt wissen, wie man eine orbitale Trägerrakete startet. Das heißt, wenn so die Rakete da vor einem liegt, dass man die tatsächlich nimmt, auf das Launchpad packt, dass man weiß, wie man die betankt, dass man weiß, wie man die Software drauflädt, was für eine Software da drauf kommt, die Missionization, je nachdem, was für eine Payload da drauf ist, und dann tatsächlich den Start durchführt. Das sind jeweils Teams von 20, 25 Leuten. Und es gibt eben nur ungefähr 10 Entities weltweit.
Habt ihr auch welche abgeworben von SpaceX, die jetzt von denen zu euch gekommen sind schon?
Nein, wir haben auf der Engineering-Seite tatsächlich relativ wenige aus den USA. Auch hier wiederum, weil die amerikanische Regierung die Brains sozusagen der Leute als exportkontrolliertes Element sieht. Das heißt, du brauchst eine US-Government-Genehmigung als quasi Waffenhändler, wenn du als Amerikaner außerhalb der USA an Raketen arbeiten möchtest. Was wir aber natürlich machen, ist, wir schauen, dass wir es bei den wenigen Unternehmen auch außerhalb der USA hinkriegen. Das sind die Ariane-Programme in Europa, das sind die Rocket Labs, die auch aus Neuseeland starten. Da kommen natürlich Leute aus dem Team her.
Sortieren wir mal den deutschen Markt ein. Weil ich meine, ihr seid jetzt nicht die einzigen. Ich hätte vor einigen Monaten oder ein, zwei Jahren mal den Marco Fuchs von OHB aus Bremen, die ja schon mal sogar börsennotiert waren, dann von KKR gekauft wurden. Da habe ich auch verstanden, es geht doch vor allen Dingen, die bauen die Satelliten, die bauen jetzt nicht die Launch-Raketen selber, sondern das ist dann die Technologie, die oben rumfliegt und die quasi euch braucht. Dann gibt es noch Rocket Factory, schon mal gehört, das ist glaube ich in Augsburg. Sortier mal so ein bisschen, was es in Deutschland zumindest so gibt.
Ja, das war es dann auch schon fast, was es in Europa gibt. Es gibt noch ein Unternehmen in Spanien, es gibt eins in UK. Und das würde ich sagen, auch tatsächlich war es dann schon so. Und wenn man sich jetzt überlegt, dass auch unsere gesamte Sicherheit davon abhängt, ob wir unsere eigenen Satelliten überhaupt ins Weltall transportieren können oder nicht, ist es eigentlich schon eine sehr kleine Auswahl an Unternehmen, auf die man sich verlassen kann oder verlassen möchte. Und auch da wiederum zählt es, dass man die gesamte Wertschöpfungskette abbilden kann. Das heißt, dass man voll integriert auch nicht nur das Design, sondern auch die Produktion und die Operations machen kann. Und da sind wir in Europa die einzigen, die die gesamte Wertschöpfungskette tatsächlich ownen und durchführen.
Im OMR Podcast spreche ich ja bekanntlich jede Woche mit Menschen, die ganz offensichtlich etwas bewegen möchten. Und alle von denen treffen Entscheidungen, gehen Risiken ein und treiben ihr Business häufig mit sehr, sehr viel Herzblut voran. Und natürlich passieren dabei auch mal Fehler. Die entscheidende Frage ist deshalb gar nicht, wie man jedes Risiko vermeidet, sondern ob man einen Partner an seiner Seite hat, der das eigene Business wirklich versteht. Und genau dafür gibt's die Businessversicherung von unserem Partner Hiscox. Hiscox ist seit 1901 als Spezialversicherer tätig. Entsprechend haben die extrem viel Expertise und die fließt heute in moderne Businessversicherungen für Unternehmen, für Gründer oder für Freelancer. Bei Hiscox arbeiten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Branchen, die die jeweils individuellen Risiken sehr genau verstehen und deswegen auch gut herleiten können, worauf es bei eurem Geschäft ganz genau ankommt. Sollte euch mal ein Kunde einen Fehler vorwerfen, steht Hiscox an eurer Seite, verteidigt eure Interessen und begleitet euch im Zweifel auch vor Gericht ohne Mehrkosten, also quasi die Rechtsschutzversicherung ist schon inklusive. Also kein Wunder, dass der Schadensservice mit 4,7 von 5 Punkten bewertet wird. Mit der Hiscox Business-Versicherung kann man sich also rein auf sein eigenes Wachstum konzentrieren. Alle Infos und online abschließen kann man unter hiscox.de/business. .de/OMR. Natürlich auch unter dem Link bei uns in den Shownotes.
Und trotzdem, wenn ich jetzt gucke, was SpaceX macht, ich meine, die sind irgendwie gerade so 300 Milliarden Größenordnung wert, gerade letzte Runde oder so 350. Ihr habt jetzt die eine Milliarde geknackt. Ich meine, die sind einfach, würdest du sagen, das ist einfach nur zeitlicher Vorsprung? Kann man dahin kommen?
Ich denke auf jeden Fall, dass man dahin kommen kann. Das ist auch absolut unsere Ambition. Wenn man sich SpaceX anschaut, dann ist das Unternehmen 2002 gegründet. Das wäre jetzt ein bisschen ambitioniert anzunehmen, dass wir in 5 Jahren das machen, was SpaceX in 25 Jahren gemacht hat. Aber ich denke, wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg. Ich glaube, die Raketentechnologie ist die Grundlage für alles. Es ist der kleinste gemeinsame Nenner in der Raumfahrtindustrie. Und wenn man große Ambitionen in der Raumfahrt hat, dann muss man immer Zugang zum Weltall haben. Ich kann noch so viele Satelliten ins Weltall bringen. Wenn ich nicht genug Raketen habe, bringt alles nichts. Und das ist im Moment genau das große Problem. Ich sage mal, von jedem Land, von jeder Company außerhalb der USA bzw. außerhalb von SpaceX. Niemand hat genug Raketen.
Aber wenn ihr jetzt einen Raketenstart feiert, also ich meine, ich habe schon verstanden, dass ihr, glaube ich, im März war euer erster Start, dass das irgendwie ein Erfolg war. Aber gleichzeitig, wenn man so als Laie drauf guckt, dann denkt man, okay, die waren jetzt ein paar Sekunden in der Luft, dann ist das Ding explodiert und auf den Boden gefallen. Wirkt jetzt erst mal noch nicht so überzeugend. Also für einen Laien zumindest.
Absolut. So ein Raketenstart dauert ungefähr 7 bis 8 Minuten. Dann fliegt die Rakete 28.000 km/h und wir sind 30 Sekunden geflogen beim ersten Flug. Was war für uns wichtig? Dass wir es überhaupt zum Fliegen schaffen. Sprich, dass man die Rakete so designt, dass alle Bauteile auch durch das Qualifikation-Testing durchkommen. Dass man die 100.000 Komponenten, die auf so einer Rakete sind—
100.000 Einzelteile—
alle zusammen funktionieren und auch nicht bei irgendeinem Test dann auseinanderfallen. Dass man einen Spaceport hat, den wir auch selbst designt und gebaut haben, der auch funktioniert. Sprich, dass man auch die Rakete richtig betanken kann, mit der kommunizieren kann und so weiter. Dass man alle Genehmigungen bekommt. Dass man die Launch Windows bekommt. Das heißt auch, der gesamte Maritimraum wird gesperrt. Der gesamte Luftraum wird gesperrt. Die NATO hätte sogar eine Übung für uns verschoben, dass wir noch ein paar Tage zusätzlich für unser Launch Window Zeit gehabt hätten. So, das alles gehört dazu, nur mal um eine Rakete starten zu können. Und dann war unser großes Ziel beim ersten Launch, nicht das Launchpad in die Luft zu jagen. Und das ist tatsächlich bei schon sehr, sehr vielen ersten Raketenstarts passiert, dass man 3, 4, 5 Sekunden fliegt oder sogar die Rakete gar nicht abhebt und im Prinzip das komplette Launchpad mit in die Luft reizt. Das heißt, wir haben so viel schon gelernt. Das Grundsystem hat funktioniert, da sind wir super happy. Und jetzt ging es natürlich nach dem ersten Start darum, die Änderungen zu machen, dass wir beim zweiten Start deutlich weiterkommen. Und die Änderungen haben wir jetzt gemacht und jetzt steht der zweite Start bevor.
Ihr fliegt ja immer im Norden von Norwegen, ist eure Abschussbasis.
Genau.
Warum da?
Weil die Norweger tatsächlich relativ schnell waren. Wir haben mit ungefähr einem Dutzend Ländern gesprochen, wo wir denn unseren ersten Spaceport bauen können. Die Norweger waren schnell, waren auch als Land sehr daran interessiert. Auch das ist wiederum ein Souveränitätsaspekt. Die Norweger baselinen jetzt natürlich ihren eigenen Spaceport mit unserer Trägerrakete für jeden künftigen Raketenstart. Gerade wenn es auch um Verteidigungsmissionen geht. Heißt, sie müssen auch ihre Satelliten nicht exportieren. Und das wiederum heißt, ich muss nicht alle meine Satellitendesigns hergeben, wie es im Moment aus Deutschland gemacht wird, sodass die BND-Satellitendesigns an die Amerikaner oder sonst wen hergegeben werden. Und tatsächlich ist, seitdem Trump jetzt gewählt wurde im Januar, haben wir Anfragen von über 20 Ländern bekommen, deren nationale Spaceport-Infrastruktur zu bauen. Denn alle Länder kommen drauf, ohne Launch ist alles nichts. Im Weltall und wir müssen irgendwo einen souveränen Zugang zum Weltall haben.
Okay, das heißt irgendwie, ihr habt Norwegen genutzt aus sozusagen so ein bisschen Logistikgründen, aber gleichzeitig auch, weil man dann da irgendwie unabhängig von amerikanischer Überprüfung was machen kann und das jetzt als Marktchance gesehen.
Genau. Und uns war es immer wichtig, auch eigentlich durch das gesamte Unternehmen hinweg, keine Abhängigkeit eines einzelnen Unternehmens oder eines einzelnen Landes zu haben. Und das fängt auch schon an bei der Auswahl des Treibstoffes der Rakete. Die Amerikaner sind in der Vergangenheit genauso wie die Russen mit RP-1 geflogen. Rocket Propellant One. Das ist im Prinzip ein hochraffiniertes Kerosin. Das wird aber nur in den USA und in Russland hergestellt. Und darauf haben wir gesagt, wir wollen keine Abhängigkeiten von diesen beiden Ländern haben. Vor 3 Jahren natürlich hätten wir schon einen dieser möglichen Supplier verloren und hätten wiederum eine singuläre Abhängigkeit gehabt. Und selbst da gehen wir rein und sagen, wir entwickeln eine Trägerrakete mit einem neuen Treibstoff, damit wir eben nicht diese Abhängigkeiten haben.
Und wer macht den Treibstoff für euch?
Wir benutzen einen Treibstoff, den ihr alle bei euch zu Hause habt, nämlich in eurem eigenen Kühlschrank. Wir benutzen Propan als Treibstoff gemeinsam mit Flüssigsauerstoff. Und Propan wird als solches auch in Kühlschränken als Kühlmittel eingesetzt.
Und das ist also, aber ich meine, Wie kommt man auf so was? Also sitzt du dann da und sagst irgendwie, hmm, also lass doch mal so Kühlschrank, Propan. Also es wirkt für mich jetzt 100.000 Einzelteile. Wie geht so was los? Also ich meine, bei den meisten Startups, die man so trifft, die lassen sich dann irgendwo, weiß ich nicht, eine Limonade abfüllen und verkaufen die weiter. Ihr müsst ja dann scheinbar irgendwo angefangen haben, jetzt brauchen wir mal 100.000 Teile möglicherweise und mal eine Liste gemacht. Also das stelle ich mir mit Excel auch nicht so einfach vor.
Das ist richtig. Da lernt man ja schon einiges in so einem Raketenwissenschaften-Studium. Und bei den Treibstoffen gibt es im Prinzip nicht so mega viele Möglichkeiten. Entweder man macht es mit Feststoffraketen, so wie, ich sag mal, eine riesengroße Feuerwerksrakete zu Silvester. Da haben wir aber super schlechte Performance. Man kann Wasserstoff verwenden. Ist aber super schwierig im Handling, weil es super kalt ist bei -253 Grad Celsius. Da gibt es die Möglichkeit, dass man krebserregende Treibstoffe nimmt. Da wollten wir auch die Hände davon lassen. So, und dann gibt es noch die leichten Kohlenwasserstoffe: Alkohol, Methan, Propan. Da haben wir für die dreien die Zahlen nebeneinandergelegt und haben uns für Propan entschieden.
Es klingt jetzt ja so einfach. Ich meine, wenn ihr das so macht, warum haben das andere nicht auch schon mal versucht? War einfach nicht nötig in anderen Fällen? Oder sagst du, seid ihr jetzt wirklich ein herausragendes ingenieurwissenschaftliches Genieteam? Oder wie würdest du es selber beschreiben? Also was zeichnet euch aus?
Du würdest dich wundern, wie oft auch in der Raumfahrtindustrie gesagt wird: Ja, das wurde ja immer schon gemacht. Warum sollten wir es ändern? Auf der anderen Seite wird es manchmal auch aus geopolitischen Gründen gemacht. Eine Ariane 6 beispielsweise fliegt mit Feststoffboostern. Weil das Unternehmen auch gleichzeitig die nuklearbestückten Raketen für Frankreich produziert. Das heißt, da muss know-how-mäßig das Team irgendwo gehalten werden. Dann nimmt man natürlich die Technologien her, die man ohnehin schon im Unternehmen hat. Ob das technologisch sinnvoll ist oder nicht, ist dann eine andere Frage.
Aber beschreibt doch mal die Situation mit diesen 100.000 Einzelteilen. Also fängt man wirklich irgendwo an wie so ein Ingenieurbüro und macht mal so eine Rakete auf und dann überlegt man sich, okay, wie muss ich die jetzt designen? Und dann brauche ich halt ein langes Metallteil und dann brauche ich irgendwie ein Gummiband hier. I don't know. Also beschreib mal so ein bisschen, wie geht's los?
Im Prinzip ist es ganz nach dem Sprichwort: How do you eat an elephant? One bite at a time. Das heißt, man fängt ganz top-down an. Man überlegt sich, wie groß ist die Rakete? Was ist die Payload-Kapazität, die die Rakete haben will? Das definiert schon mal ziemlich gut die Größe der Rakete. Man kann ungefähr rechnen, 2% der Startmasse einer Rakete ist Nutzlastmasse. Sprich, wenn ich eine Tonne Nutzlast haben will, wiegt die Rakete ungefähr 50 Tonnen bei Liftoff. Davon wiederum sind ungefähr 90% Treibstoff. Das heißt, meine Rakete darf ungefähr 5 Tonnen an Trockenmasse wiegen. Daraufhin müssen ungefähr 45 Tonnen Treibstoff kommen. Auch das wiederum, wenn man natürlich den Treibstoff wiederum kennt. Ich kenne die Dichte des Treibstoffes, kann ich mir schon mal dimensionieren, wie groß müssen meine Raketentanks werden. Wie groß muss ein Raketentriebwerk werden? Wenn ich 50 Tonnen Startmasse habe, will ich so ein Liftoff Thrust to Weight von ungefähr 1,2 haben. Das heißt, ich muss ungefähr 60, 65 Tonnen Schub generieren. Bei unserem Design jetzt mit 9 Triebwerken auf der Rakete heißt das, dass ich ungefähr 70 Tonnen Schub pro Triebwerk haben muss. Und so kann man sich im Prinzip das gesamte Raketendesign runterbrechen in einzelne Requirements für die einzelnen Systeme. Runter von der Rakete in ein Raketentriebwerk, in ein Ventil, in Fertigungsanforderungen, z.B. für Einzelkomponenten von einem Ventil.
Aber das heißt, ihr baut dann sowohl natürlich die Maschine, die dann fliegt, also die Rakete, und ihr baut die Maschine hinter der Maschine, die das fertigen kann, müsst ihr ja auch bauen. Und die Software dann entsprechend auch. Also ich meine, es gibt ja wahrscheinlich keine Software, die man irgendwie so jetzt irgendwie in der Cloud nutzen kann für Raketenentwicklung, nehme ich an. Oder doch?
Richtig. Also die komplette Software, die auch auf der Rakete fliegt, denn die fliegt ja völlig autonom. Da steuert niemand irgendwie die Rakete, sondern die fliegt völlig selbstständig inklusive aller Simulationen und so weiter. Das passiert alles bei uns inhouse.
Wie viele Menschen arbeiten bei euch?
400 inklusive der gesamten Produktion, davon ungefähr 200 Ingenieure und der Rest ist Produktion plus Supporting Team.
Und sind das im Wesentlichen auch dann jetzt Europäer wahrscheinlich oder Deutsche? Oder was hast du für Menschen?
Großteils natürlich. Mittlerweile aber sind wir über 50 Nationen, die bei Isar Aerospace vertreten sind. Und das ist auch das Schöne, ein Raketenunternehmen in Europa aufzubauen. Wir können überall von der Welt hirnen. Das heißt, wenn du jetzt als wahnsinnig schlaue Australierin auf die Welt kommst, ist es extrem schwierig, in den USA zu arbeiten. Du kannst aber bei Isar Aerospace arbeiten.
Und ist jetzt also Rocket Science, ist auch schon Rocket Science. Also der durchschnittliche IQ eurer Firma ist wahrscheinlich relativ hoch.
Ich hoffe es doch.
Also ist sie jetzt schon mal gespiegelt worden? Warst du früher, waren die meisten bei euch alle so Mathegenies oder irgendwie? Was ist das für eine Belegschaft? Also sind das schon herausragende Leute, bestimmt naturwissenschaftlichen Fächern?
Absolut. Also wir versuchen natürlich immer, die besten Leute zu bekommen. So im Durchschnitt haben wir auch pro Stelle, die wir aufmachen und quasi pro Hire sind es irgendwo zwischen 200 und 1000 Bewerbungen. Das heißt, wir schauen schon, dass wir so bei irgendwo bei 0,1% Acceptance Rate de facto sind und uns da wirklich die besten und die schlausten Cherries quasi aus unserem Bewerberpool natürlich rausziehen.
Und wie geht es jetzt weiter? Jetzt habt ihr eine Rakete, die ist glaube ich 30 Meter lang, wie von SpaceX doppelt so lang.
So ist es.
Also man muss noch, die Rakete muss noch ein bisschen wachsen.
Die muss noch ein bisschen wachsen. Die wird auch in Zukunft sicherlich noch ein bisschen wachsen. Aber jetzt erst mal bedienen wir damit natürlich einen Markt auf dem 1-Tonnen-Segment. Der kleinste Satellit im Weltall ist so groß wie ein Smartphone. Und die Satelliten sind über die Zeit immer kleiner und kleiner und kleiner geworden. Und mittlerweile ist der durchschnittliche Satellit, würde ich sagen, so bei ungefähr irgendwas zwischen 50 und 150 Kilogramm als Teil einer Satellitenkonstellation. Das heißt, es werden immer mehrere Satelliten pro Start ins Weltall transportiert. Und da sind wir quasi mit unserer 1-Tonnen-Rakete mega im Sweet Spot. Und diesen Markt angehen wir jetzt.
Was bringt euch denn so ein Einsatzstart dann perspektivisch für einen Umsatz? Also das heißt, ihr werdet ja bezahlt für den Satelliten, den ihr mit hochnehmt. Was kostet dann, wird das pro Kilo abgerechnet oder pro Satellit oder wie läuft das dann?
Grundsätzlich eigentlich pro gesamtem Flug. Und wir sehen jetzt natürlich auch, dass mehr und mehr Satellitenkonstellationen aufkommen, die immer gesamte Flüge buchen. Die Satellitenkonstellation muss nämlich immer in einen dedizierten Orbit eingeschossen werden. Das heißt, es bringt dir nichts, wenn du jetzt als Rideshare-Mission in einer großen Rakete zwar günstig mitfliegen kannst, die Rakete aber dahin fliegt, wo du eigentlich gar nicht hin willst. Das ist, wie wenn du sagst, du möchtest gerne auf die Malediven in Urlaub fliegen, aber es gibt gerade einen super günstigen Flug nach Indien. Dann bist du halt nicht auf den Malediven, sondern in Indien. Und bei uns ist ein Raketenstart ungefähr 15 Millionen €. Price Ticket.
Das heißt, euer Kunde zahlt 15 Millionen, um da mitgenommen zu werden. Genau. Und dann habt ihr Kunden jetzt schon, die gesigned haben. Sag mal ein paar Beispiele. Was machen die so?
Von bis. Von Unternehmen, die Waldbrandbekämpfung aus dem Weltall machen. Das heißt, die können ja sagen, hier wird in den nächsten 4 Stunden mit einer 80%igen Wahrscheinlichkeit ein Waldbrand ausbrechen, bevor er tatsächlich ausbricht. Hin zu Kommunikationssatelliten, dass man Internet überall auf der Welt verteilen kann. Mehr und mehr natürlich Defense-Use-Cases. Gerade von den europäischen Regierungen haben wir da über die letzten 6, 7 Monate einen enormen Anstieg gesehen. Und wir sind mittlerweile bis 2028 ausverkauft und sind jetzt gerade dran, die 2029 und 2030 zu verkaufen.
Aber ihr verkauft was, was es jetzt ja noch nie so gegeben hat. Also ihr habt es ja bislang jetzt noch nicht geschafft am Ende. Also es sieht gut aus scheinbar, aber Es ist noch nicht jetzt einmal bewiesen worden. Ist das richtig?
Wir denken eigentlich sehr viel lieber über Rocket Engineering nach anstatt Rocket Science. Bei einer Science ist nämlich hinten raus nie so ganz gewiss, was eigentlich rauskommt. Wir wissen aber, dass Raketen funktionieren. Wir wissen, dass die Technologie funktioniert. Wir haben es auch schon bewiesen. Und jetzt geht es eigentlich nur darum, dass man die einzelnen Fehler along the way bis in Orbit ausmerzt. Von dem einen zum nächsten Start immer weiterkommt, bis wir im Orbit sind. SpaceX hat 4 Anläufe gebraucht. Wir versuchen es natürlich in weniger zu machen, aber wir sind natürlich sehr, sehr sicher, dass es funktioniert. Die Frage ist nur, wann es funktionieren wird.
Aber ihr habt ja schon auch Timeslots verkauft. Also insofern, das muss ja dann ja irgendwie auch hohe Conviction sein. Oder sagen wir mal so zum Kunden, es ist ja, wie heißt das immer so bei der Startup-Sprache so schön, irgendwie Overselling so ein bisschen. Ist es Overselling? Also wenn man jetzt sagt, irgendwie 29 Könnt ihr mir schon mal Geld überweisen, aber man hat selber noch gar nichts vorzuweisen. Oder ist es insofern egal, weil es eh alle wissen?
A: Wir glauben tatsächlich, dass wir es schaffen und es gibt einen sehr, sehr straightforward Weg dahin. Das heißt, da ist kein, ich sage mal, unbekanntes Risiko mehr vorhanden. B: Es gibt für die Kunden ohnehin keine Alternative. Es gibt für die nächsten 4, 5 Jahre keinen einzigen freien Raketenstart auf der gesamten Erde. So, das heißt, du hast ohnehin gar keine Wahl als Kunde, mit wem du startest. Europa hat alles an Amazon verkauft für die Amazon-Satellitenkonstellation. Und SpaceX startet ihre eigenen Satelliten. Und außerhalb dessen gibt es nur Länder, die Raketenstarts durchführen für ihre eigenen Zwecke. Das heißt, wenn du jetzt die Westermeyer Space GmbH gründest, dann hast du ehrlich gesagt gar keine Wahl, in den nächsten 3 Jahren irgendwo anders einen Raketenstart durchzuführen und einen Satelliten ins Weltall zu bringen.
Ab und zu werde ich gefragt, wie denn unsere Homeoffice- oder Präsenzpolicy sei.
Wir haben de facto bei OMR keine ganz einheitliche Policy für alle, aber jeder weiß, ich bin ganz großer Fan von Präsenzoffice und wir haben verschiedene Nespresso-Maschinen im Büro natürlich. Und ich bin wirklich überzeugt, Menschen kommen ins Büro, wenn es einem hier gut geht, und dazu trägt Nespresso bei. Es gibt immer wieder Gesprächsstoff an der Kaffeemaschine, vielleicht auch demnächst über den Kaffee selber. Es wird nämlich eine B2B- Limited Edition geben von Pumpkin Spice, also Nespresso und dann die Sorte Pumpkin Spice, passend zum Herbst, zu Halloween. Wer die ganzen Vorzüge von Nespresso erleben möchte, der muss gar nicht unbedingt extra zu uns ins Büro kommen, sondern kann das auch in seinem eigenen Unternehmen erleben. Einfach die Vielfalt von Nespresso, Milchkaffee, Flavoured Coffee, Eiskaffee, alles könnt ihr auch haben. Ihr könnt Nespresso-Kaffee unverbindlich in eurem Unternehmen testen. Ihr bekommt für 3 Monate eine Nespresso Pro Maschine kostenfrei ausgeliehen und müsst nur euren Wunschkaffee dazukaufen. Zum Start gibt es außerdem kostenfrei eine Kaffee Masterclass. Habe ich auch sehr genossen. Man kann da vor allen Dingen seine Lieblingskaffees entdecken und direkt bestellen. Das Ganze kann man ganz einfach starten bei uns über den Link in unseren Shownotes und die Kollegen und Kolleginnen von Nespresso melden sich direkt bei euch.
Okay. Und das heißt, wenn man das so hört, dann würde man ja denken, noch schneller, noch mehr Raketen. Also irgendwie skalieren, skalieren, skalieren. Wahrscheinlich sogar noch mehr, als ihr am Anfang dachtet, nehme ich an, als es losging.
Deswegen bauen wir gerade 40.000 Quadratmeter Produktion aus vollster Überzeugung in München.
In München.
Dass wir dann auch die modernste Raketenfabrik mal zumindest außerhalb der USA, vielleicht auch sogar weltweit haben. Um genug Trägerraketen produzieren zu können. Als Bürger, ehrlich gesagt, ist es schon ein bisschen scary, wenn du auch denkst, dass auch selbst eine deutsche Bundeswehr die Satelliten nicht ins Weltall bringen kann. Was glaubst du denn, wann Deutschland merkt, wenn auf Deutschland geschossen wird?
Weißt du, wenn die Amerikaner Bescheid sagen?
Entweder das oder wenn es einschlägt. So, und da wäre es natürlich schön, wenn wir unsere eigenen Satelliten im Weltall haben. Die uns zumindest eine halbe Stunde bis Stunde vorher erwähnen und sagen, hey, da sieht es danach aus, dass was fliegen kommt. Wir wollen da gerne eine Frühwarnung haben.
Wie viel Prozent eures Use Cases sind jetzt Defense?
Also die Anfragen bis, bis im Januar diesen Jahres waren ungefähr 85% kommerziell, 15% Defense oder Dual Use. Seit Januar hat es einen Riesenshift gegeben. Mittlerweile sind über die Hälfte aller Anfragen aus dem Defense Use Case.
Bereich.
Und hat sich dadurch der Wert eurer Firma noch mal gesteigert, würdest du sagen? Wahrscheinlich schon.
Natürlich. Gerade jetzt letzte Woche hat Verteidigungsminister Pistorius angekündigt, 35 Milliarden € allein in den nächsten 5 Jahren in deutsche Space-Fähigkeiten zu investieren. Da muss es natürlich erst mal die Unternehmen geben, die es überhaupt aufsaugen können.
Wollte ich gerade sagen, es gibt ja nur 2, 3.
Genau.
Das heißt, 35 Milliarden kommen so ein bisschen mehr oder weniger in deine Richtung.
So, und deswegen ist das wiederum die beste Bestätigung, dass wir Produktionsanlagen und Industriekapazitäten aus Deutschland heraus aufbauen.
Wie viel Prozent an der Firma gehören dir eigentlich noch?
Zu wenig.
Aber wie viel sind es noch?
Ungefähr 10%.
10%. Okay, 400 Millionen sind schon reingeflossen. Wie viel weiteren Cash-Intake als EK braucht ihr noch? Ich meine, es gibt ja noch die Möglichkeit, solche über Aufträge zu finanzieren, über Fremdkapital. Habt ihr, glaube ich, auch letztes Mal gemacht. Da war es ja schon auch eine ein Wandel da, wenn ich es richtig gesehen habe. Also wie viel muss da noch reinfließen? Wie viel müsst ihr da abgeben?
Rein für den jetzigen Business Case müssen wir im Prinzip, ich sage mal, nur noch unter Anführungszeichen die jetzige Produktion wirklich skalieren, um die groß zu machen. Dafür wird sicherlich noch Geld reinfließen. Auf der anderen Seite sind unsere Ambitionen natürlich deutlich größer. Das heißt, wenn wir auch in Zukunft mal sagen, wir bauen eine große Rakete, wird das sicherlich auch noch mal über Finanzierungsrunden passieren.
Okay, also eine große Rakete heißt dann 60 Meter. Jetzt in den nächsten 3, 4 Jahren. Wie viele Starts kann man dann schaffen im Jahr?
Ich glaube, was realistisch ist, dass wir so in den nächsten ungefähr 4 Jahren so auf Größenordnung 10, 12 Raketenstarts kommen pro Jahr.
Wie viel macht SpaceX?
SpaceX macht im Moment jetzt nach 23 Jahren. Dieses Jahr wollen sie 170 Starts machen. Europa macht im Moment einen pro Jahr. Und das, obwohl es mit Milliarden an Steuergeld subventioniert wird. Das heißt, da ist noch sehr, sehr viel Luft nach oben. Ich denke, dass wir da mit 10 in den nächsten 3, 4 Jahren sehr, sehr gut unterwegs sind. Das wäre auch tatsächlich der schnellste Ramp-up, den je ein Raketenunternehmen gemacht hätte.
Und die Kollegen von Rocket Factory, machen die was Ähnliches wie ihr?
Die machen was Ähnliches wie wir. Das heißt, unsere Trägerraketen sind tatsächlich auch ähnlich groß. Mit dem Unterschied, dass wir sehr, sehr stark auf eine Skalierbarkeit setzen. Während das Ziel von Rocket Factory ist, einfach möglichst günstig ins Weltall zu kommen. Ich glaube aber, dass da natürlich die große Herausforderung nachher sein wird, das Ganze wiederum zu skalieren. Denn dafür muss man das gesamte Raketendesign noch mal anpassen. Und wir haben das eben von Tag 1 an schon direkt mitgemacht.
Aber wenn man das so hört, ist es ja ein Riesenmarkt. Und ich meine, wir suchen ja alle nachher nach Riesenmärkten. Glaubst du, jetzt kommen oder gründen sich gerade neue? Kann ja auf Dauer nicht so bleiben, dass jetzt irgendwie zwei deutsche Firmen oder auch in Europa nur so wenige da jetzt diese riesigen Milliardensummen aufsaugen wollen. Das wird doch rein kapitalismusmäßig ein paar mehr geben, die sagen: Okay, fuck, das versuche ich jetzt auch.
Die Herausforderung am Schluss ist natürlich, eine Rakete zu bauen. Das ist nicht so straightforward. Wie gesagt, bisher haben es nur 11 Länder auf der Welt überhaupt geschafft. Und know-how-mäßig, glaube ich, saugen wir so ziemlich alles auf, was es in Deutschland an gutem Know-how und guten Talenten gibt. Und da wollen wir natürlich versuchen, auch Isar Aerospace deutlich größer, deutlich skalierter zu machen und zu schauen, dass wir wirklich aus Europa heraus auch mal wieder einen Industrieführer aufbauen können. Dass wir nicht immer nur nachlaufen, sondern dass wir ein Unternehmen haben, das a) groß genug ist und b) natürlich innovativ genug ist, dass wir der restlichen Welt vorauslaufen können. Und da wird es sicherlich nicht am Schluss, glaube ich, 10 Unternehmen geben. Es ist ja ein Riesenaufwand.
Aber so ein bisschen wie bei der Automobilindustrie. Also es könnte ja sein, dass dann so, weiß ich nicht, ein BMW, ein VW, ein Mercedes oder so was, 2, 3 große. Kann man da so eine richtig große Industrie bauen vielleicht?
Die Herausforderung von der Raumfahrt ist, dass es extrem viele Touchpoints gibt. Ähnlich wie beim Internet. Es gibt auch nicht einen Internetminister, sondern jedes Ministerium benutzt halt das Internet in irgendeiner Art und Weise. Selbes ist mit der Raumfahrt. Die Landwirtschaft benutzt extrem viele Raumfahrtdaten, die nämlich den Landwirten sagen, wann ist der perfekte Zeitpunkt, meinen Weizen zu ernten? Wo muss ich wie viel Wasser hinmachen? Wo muss ich wie viel Dünger hinmachen? Der Verteidigungsminister braucht Raumfahrtdaten und die eigenen Satelliten. Das Verkehrsministerium ist zuständig für die gesamten Galileo-Satelliten. Das heißt, aus Prinzip sind da schon sehr, sehr viele Ministerien involviert. Das Problem in Deutschland war, dass es, dass sich niemand so wirklich verantwortlich gefühlt hat dafür und dass es deswegen auch immer sehr stiefmütterlich behandelt wurde. Wie gesagt, normmäßig ist und war immer schon alles in Deutschland, aber keiner hatte was damit gemacht. Und jetzt mit Dorothee Bär als erste Raumfahrtministerin, als dedizierte Ministerin, ist das natürlich hilfreich, dass man endlich mal klar weiß, wer hat denn eine gewisse Zuständigkeit für Raumfahrt, die das Thema wirklich auch nach vorne bringen können.
Warst du überrascht? Also ich wusste ehrlicherweise, gar nicht lange Zeit, dass es so ein Ministerium überhaupt gibt. Aber wurdest du da eingeweiht? Hast du damit sozusagen lobbyiert oder wie kam das?
Ich will mal sagen, ich bin öfters in Berlin, als es mir eigentlich recht ist. Und das aus dem Grund, da natürlich auch Raumfahrt eine leider sehr politisch angehauchte Industrie ist, weil sie geopolitisch so relevant ist. Und wir haben das schon als kleines Unternehmen gemerkt, als wir ungefähr 15 Leute waren, ich noch studiert habe an der Uni, eigentlich gab es schon die ersten Meetings zwischen Merkel und anderen Staatsmännern zu dem Thema Isar Aerospace, weil wir da schon mal ein bisschen in ein Wespennetz gestochen haben. Allein schon mit der Tatsache, dass wir aus Deutschland heraus Trägerraketen für Satelliten entwickeln. Und da ist uns das erste Mal bewusst geworden, oh, das ist ja eigentlich sehr viel relevanter als nur so eine kommerzielle Industrie.
Also ich muss noch einmal, sag mal so eine Selbsteinschätzung. Laufen da draußen Leute rum, die so was gründen könnten, oder die da, oder ist das sehr, sehr unique? Also bei Elon Musk habe ich die Biografie gelesen, dann hat man schon das Gefühl, so eine Person wie er ist sehr ungewöhnlich. Also diese Mischung aus Unternehmertum, ingenieursmäßiger Exzellenz, Ambition, Craziness, auch Historie, wie er schon mal selber Geld finanziert bekommen hat über PayPal und solche Sachen. Damit Zugriff auf großes Kapital selber hatte. So was ist ja schon extrem ungewöhnlich, als in einer Person alles zu haben. Dann hat er darüber auch natürlich besondere Möglichkeiten. Ist das also jemand wie du oder wie ihr offensichtlich ein bisschen normaler? Also das wirkt mir schon sehr viel greifbarer alles. Aber ist es trotzdem so, würdest du sagen, schon ein Outlier? Ist es schon so ein bisschen so ein Talent wie ein Fußballprofi oder so was? Also ganz, ganz selten, dass was zusammenkommt.
Ich glaube, man muss einfach ein paar verschiedene Dinge kombinieren. Ich bin extrem davon überzeugt, dass jeglicher CEO eines Deep-Tech-Unternehmens ein Ingenieur sein muss oder Ingenieurin. Ansonsten hängst du immer nur davon ab, was andere Leute dir sagen, und du kannst selber nicht die richtige Entscheidung treffen. Wenn zu mir jetzt jemand im Team herkommt und sagt, wir sollten den Treibstoff wechseln zu einem anderen Treibstoff, Dann will ich für mich selber diese Entscheidung treffen können und mich nicht alleine davon abhängig machen, was mir andere Leute einflüstern.
Aber das geht ja auch nicht, weil du musst dich ja mit 1000 verschiedenen Themen auch irgendwie relativ tief auskennen. Also Treibstoff ist ja wahrscheinlich auch nicht gleich mal so eben zu bewerten. Da muss man ja dann auch tiefer rein in die letzten Details.
Ja, man muss im Prinzip das komplette Spektrum abdecken können, zumindest auf einer gewissen Detailtiefe. Man muss sich alles ins letzte Detail kennen. Aber auf einer gewissen Detailtiefe muss man das technologisch meiner Meinung nach alles verstehen. Das zweite Element ist, man muss ein gewisses Talent haben, auch Funding aufzutreiben. Das große Problem bei europäischen Deep-Tech-Unternehmen meiner Meinung nach im Moment ist auch in der Raumfahrt, sie verstehen es auch nicht, eine Story zu erzählen. Und am Schluss schaffen sie es auch nicht, Kapital einzuwerben, weil es sehr technisch ist. Und das war bei uns selber genauso. Als ich 2018 unsere ersten Pitchdecks gemacht habe, waren die vollgespickt mit Technologie, bis ich irgendwann draufgekommen bin, es interessiert keine Sau.
Und dann?
Es interessiert einfach niemanden. Es versteht auch niemand. So, die andere Frage ist: Was erreichst du eigentlich damit? Warum ist dein Unternehmen relevant? Warum sollte dir jemand Geld geben? Wie sieht der Markt aus? Wie sieht dein Team aus? Wie kommst du dahin? Und das ist inhaltlich eigentlich ein anderer Pitch, als zu sagen: Warum ist mein Treibstoff der beste?
Und wer hat euch dabei geholfen? Also wie hat es geklappt? Ich meine, ihr habt ja sehr viel Geld eingeworben. War das dann immer so, dass alle sagten: Okay Mensch, da sind schon die SpaceX-Leute mit dabei und die Jungs haben irgendwie gute Noten gehabt und unseren Wettbewerb gewonnen. Oder was hat euch denn am Ende geholfen?
Das war sicherlich ein großer Treiber. Es passiert nicht so oft. Ich weiß nicht, ehrlich gesagt, ob es überhaupt jemals passiert ist, dass so ein 15 Jahre langer SpaceX-VP bei SpaceX rausgeht, um sein eigenes Geld in ein anderes Raketenunternehmen zu machen, nachdem er sich 200 Raketenfirmen angeschaut hat. Und ich glaube, am Schluss braucht es einfach eine gewisse Kombination aus einem guten Team und auch einer großen Ambition. Genauso, sage ich mal, wenn man ein Deep-Tech-Unternehmen aufbauen will und man sagt, ja, ich möchte hier einen schönen Mittelständler mit 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr aufbauen. Dann ist das für jeden Investor irrelevant, weil man will natürlich nicht ein großes Risiko eingehen mit einem kleinen oder mediocre Return. Entweder ist es High Risk, High Return oder es ist Low Risk, Low Return. Im besten Fall natürlich Low Risk, High Return, aber das gibt es wahnsinnig selten. Und entsprechend muss natürlich die Ambition groß genug sein und die entsprechende Geschichte, die dazu erzählt wird.
Sag mal jetzt mal so eine Bewertungsdimension, die ihr da für möglich haltet. Jetzt seid ihr bei einer Milliarde. Geht das hoch bis 50, 100 Milliarden?
Absolut.
Okay, na gut. Also gibt es ja nicht so viele Firmen in Deutschland, die sich das leisten können.
Wenn du dir mal anschaust, die Raumfahrtindustrie schon heute sind 630 Milliarden Dollar im Jahr. Mal so als Kontext, das ist so groß wie die globale Smartphone-Industrie. Mit Smartphone hat man ein bisschen stärkeren Bezug als jetzt bei der Raumfahrt. Jeder Forecast für die Raumfahrtindustrie geht im Moment in den nächsten 10 Jahren auf ungefähr 1,8 Billionen Euro. Damit wäre es fast so groß wie die Automobilbranche, damit wäre es größer als die globale Pharmaindustrie, damit wäre das größer als die globale Luftfahrt- und auch Airline-Industrie. Und entsprechend entsteht da gerade ein riesengroßer Markt. Die Frage heute ist, wer schafft es, die Systeme zu entwickeln, und in einer groß genügenden Stückzahl zu bauen, sprich zu industrialisieren, dass man diesen Markt tatsächlich für sich auch behaupten kann.
Okay, aber so viele können es ja gar nicht sein, weil es gibt ja erhebliche Markteintrittsbarrieren. Insofern—
Ich glaube, dass der Markt groß genug ist, noch ganz, ganz viele neue Raumfahrtunternehmen zu versorgen. Und wir sehen auch tatsächlich fast jede Woche neue Satellitenkonstellationen irgendwo aus dem Boden sprießen. Wir kriegen jede Woche neue Anfragen von Unternehmen, die wir noch nie gehört haben, mit neuen und teilweise sehr, sehr großen Ambitionen.
Wer waren denn die Ersten jetzt nach dem SpaceX, die euch relevant Kohle gegeben haben? Also ich meine, sag mal über 400 Millionen, da muss ja mal irgendjemand gesagt haben, okay, wir geben jetzt mal 50, 60, 70. Und wer war der erste Investor, der so richtig ins Risiko gegangen ist?
Aus München heraus sicherlich Early Bird und dann später LakeStar. Das waren Klaus Hommels, richtig? Das waren die, Ich sage mal, die sehr relevanten Finanzierungsrunden, die wir hatten, und jetzt unlängst natürlich aus den USA mit Eldridge Industries, die noch mal ein ganz anderes Niveau an einerseits Kapital, andererseits auch Business-Know-how und Erfahrung mitbringen.
Und erwarten die sich irgendwann schon jetzt einen Return, oder bleibt ihr jetzt private für die nächsten Jahre? Also ich meine, wenn man da jetzt bei so einem Ding mit dabei ist, dann will man ja irgendwann auch als Investor raus. Was hast du geplant?
Ich bin ja ernsthaft davon überzeugt, dass wir irgendwann deutlich mehr als 100 Milliarden Dollar wert sein werden. Das heißt, im Zweifelsfall wird maximal irgendwo ein kleines Ticket mal verkauft, dass man im Fonds ein bisschen DPI zeigen kann, aber im Prinzip die gesamte Upside letztlich halten will. Die Investoren, die wir uns auch suchen, es ist, ich sag mal, so ein bisschen Long-Term Capital. Das heißt, ich möchte jetzt auch nicht einen Investor, der selber dazu getrieben ist, in den nächsten 3, 4 Jahren zu verkaufen. Ich will auch nicht an die Börse gehen in den nächsten 3, 4 Jahren, weil ich einfach der Meinung bin, dass die Public-Märkte noch nicht bereit sind für Raumfahrt-Stocks und dass wir es auch tatsächlich nicht benötigen. Das heißt, wir können unseren frühen Investoren Secondaries anbieten, aber perspektivisch möchte ich natürlich möglichst Long-Term-Kapital haben.
Was für einen Umsatz könnt ihr bis 2030 so ungefähr machen? Was glaubst du da?
Ich denke auf jeden Fall, dass man in den Milliardenbereich an Umsatz kommt.
Bis 2030 schon?
Ja.
Und dann ist da was für eine Marge drauf ungefähr in eurem Geschäftsfeld?
Das hängt ein bisschen davon ab, in welchem Bereich der Value Chain man sich bewegt. Aber das soll auf jeden Fall über 50% sein.
Über 50%?
Das wäre eine Monster-Marge. Das ist ja wie Software.
So ist es. Aber wenn man sich jetzt überlegt, man hat im Prinzip die Trägerraketen und da haben wir gerade die schöne Position, dass wir, ich sage mal, außerhalb der USA de facto eigentlich die einzige Option sind, Trägerraketen in einer relevanten Anzahl anzubieten.
Also Monopolrendite?
Ja, Monopol ist ein gutes Businessmodel.
Ja, ja, habe ich schon verstanden.
Später natürlich genauso auf der Satelliten- oder Datenseite, was natürlich unsere Kunden machen, gibt es einen Riesenwachstumsbedarf. Auf der Application-Seite hat die Raumfahrtindustrie eine Marge von über 90%. Das sind ja de facto Software-Margen.
Also ich meine, nur so für alle Hörer, ich meine, dir wird das schon mal klar jemand auch gesagt haben. Also ich muss mir auch noch mal gerade vergegenwärtigen, wenn das ungefähr kommt, sagen wir mal, es kommen nur in Anführungsstrichen 100 Milliarden mit dem Firmenwert. Du bist sozusagen auf dem Weg, ganz klar jetzt in die Liste der reichsten Deutschen. Das ist sozusagen, du würdest ja dann sozusagen die neue SAP-Generation anführen, wenn man das so möchte. Also so die erste, das wäre ja wirklich, wirklich ganz groß für den ganzen Kontinent eigentlich.
Ja, ich bin der Meinung, wenn wir diese Ambitionen in Deutschland nicht haben, dann brauchen wir es auch gar nicht probieren. Warum sollten wir es nicht machen aus Deutschland heraus? Natürlich nicht nur Isar Aerospace, sondern lass es 10, 20, 30 andere Deep-Tech-Unternehmen sein. Ich denke, genau das sollte unsere Ambition sein, dass wir hier ganz viele Unternehmen mit 100 Milliarden plus Bewertung aufbauen. Aber Bewertung ist ja Nicht ein Zweck in sich selbst. Natürlich für Investoren ist das natürlich deren Business Model, aber am Schluss ist es ja nur im Prinzip eine Bestätigung dessen, dass man ein relevantes Unternehmen mit einer gewissen Größe aufgebaut hat. Und wir sind extrem gut in Europa, in Deutschland technologisch oder wissenschaftlich relevante Produkte zu erfinden. Und kommerzialisiert wird Stannecell in den USA. Und ich denke, wir sollten sehr, sehr viel mehr in Deutschland, in Europa kommerzialisieren.
Ich hatte letztens eine Situation, die ihr wahrscheinlich alle kennt. Ein bestelltes Geschenk kam einfach nicht an. Status im Tracking? In Zustellung? Was macht man, wenn es langsam eng wird? Wahrscheinlich verbringt man viel Zeit in Service-Hotlines. Aber mit unserem heutigen Partner 11Labs könnte das auch so laufen: Hi Philipp, hier ist dein 11Labs Agent.
Geht es um deine Bestellung?
Ja, die ist immer noch nicht da.
Hm, lass mich das kurz checken. Ah, dein Paket hängt wegen einer falschen Hausnummer wohl im Verteilerzentrum. Ich habe die Adresse korrigiert und deine Zustellung auf Express geändert. Soll ich dir die Bestätigung direkt aufs Handy schicken?
Das klingt gut, aber kannst du kurz erklären, wie das möglich ist?
Ich bin einfach kein isolierter Chatbot. Ich bin mit der Warenwirtschaft, dem CRM und den Logistikpartnern vernetzt. Ich muss dir keine Rückfragen stellen, ich schaue einfach selbst in die Daten. ElevenLabs Agents lösen so über 80% der Anfragen im Erstkontakt. Wir sind 24/7 erreichbar und sprechen dazu noch über 70 Sprachen fließend.
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Und ist denn irgendeine Beschränkung da oben in dem Space? Also kann da jetzt jeder weiter Satelliten hochschießen ohne Ende? Ist da irgendwann mal voll? Oder, oder, also ich meine, ist da Also als Laie habe ich das Gefühl, irgendwie Elon Musk schießt da jetzt schon Satelliten hoch, bis der Arzt kommt. Und jetzt wollen alle da oben was positionieren. Ist da unendlich Platz?
Es ist schon sehr viel Platz. Also um es in den Kontext zu setzen: Im Moment sind gerade 10.000 Satelliten im Weltall aktiv. Von allen Ländern, allen Unternehmen kombiniert. Wenn du 10.000 Autos auf der Erdoberfläche hättest, würde jedes Auto nicht mal ein anderes Auto sehen. Das heißt, da ist schon viel Platz. Die fliegen natürlich mit hoher Geschwindigkeit, aber die fliegen mittlerweile alle auch in einem sehr, sehr koordinierten Weg, sodass sie auch untereinander sprechen können bzw. ausweichen können. Gleichzeitig gibt es natürlich auch noch die dritte Dimension, in die man ausweichen kann. Das heißt, was wir aber sehen werden, ist, dass wir sehr große Konstellationen auf verschiedenen Orbital Shells sehen werden. Ein SpaceX Starlink zum Beispiel. Wird irgendwo die 550 bis 600 Kilometer Orbital Shell relativ gut besetzen. Dann gibt es andere Konstellationen, die auf 1200 Kilometer Orbithöhe sehr, sehr viele Satelliten platzieren werden. Dann gibt es solche, die im Zweifelsfall auf 2000, 3000 Kilometer die platzieren. Es kann aber so ein Satellit natürlich relativ schnell auch einfach ein paar 100 Meter ausweichen. Das heißt, da gibt es ja super viele Ebenen sozusagen dazwischen, die man noch mit ganz, ganz vielen Satelliten besetzen kann.
Und hast du auch diesen Traum, dass ihr mal irgendwann zum Mars fliegt? Oder ist das ohnehin Quatsch?
Ich frage mich immer so, stell dir vor, du sitzt da in dieser Kapsel und du siehst den Mars, wenn du mal aus dem Fenster schaust, so unter dir. Und angenommen, du crashst nicht auf Impact, was eh schon gut ist, sondern du landest tatsächlich auf dem Mars, dann steigst du aus und hast erst mal nichts vor dir. Was machst du dann? Runde Schach spielen, über das Leben nachdenken, Fotos machen. So, nach 5 Minuten hast du die Fotos gemacht. Ich bin der Meinung, ja, perspektivisch ist das sicherlich relevant. Ich glaube aber, dass es mal mindestens irgendwo die nächsten 20, 30 Jahre auch in der Raumfahrt darum geht, das Leben auf der Erde besser zu machen. Wir können den Klimawandel bekämpfen, wenn wir genug Daten haben. Wir können effizientere Ressourcennutzung machen, wenn wir die Daten haben. Man kann so viele Sachen auf der Erde im Moment besser machen. Von irgendwo, sei es einer Flugzeugüberwachung, dass man auch nicht mehr Flugzeuge auf einmal vermisst, weil sie einfach irgendwo von der Erdoberfläche quasi verschwinden. Bis hin zu völlig neue Business Models. Ich glaube, die Raumfahrt technologisch ist wie so ein bisschen das Internet in den 90er Jahren. Technologisch ist so ziemlich alles möglich. Und jetzt ist die Frage: Was machen Unternehmer mit genau dieser Technologie, wenn man das denen in die Hand drückt?
Welche Rolle spielen denn diese ganzen Raumstationen? Also ich höre mal von der ISS, dann gibt es ja, glaube ich, noch eine chinesische Raumstation. Es soll jetzt, glaube ich, auch ein Startup geben, dass eine dritte Raumstation gebaut werden soll. Hat das für euch Relevanz?
Ja, wobei ich würde sagen, Eine Perspektive ist relativ kleine eigentlich. Ich glaube, die größten Use Cases werden tatsächlich über Satelliten abgedeckt. Bei der bemannten Raumfahrt geht es tatsächlich sehr, sehr stark um Science und Wissenschaft. Und das ist, glaube ich, auch extrem wichtig. Ich glaube nicht, dass wir in 10 Jahren irgendwie super viele Raumstationen mit super vielen Menschen im Weltall haben werden. So der eine oder andere US-Milliardär träumt ja davon. Ich bin am Ende des Tages der Meinung, dass wir das Weltall fast ausschließlich für Satelliten benutzen bzw. auch für die Exploration, wenn es dann tatsächlich darum geht, mal so eine Mondbasis zu bauen oder irgendwann auch eine Marsbasis zu bauen.
Aber deine eigene Frau ist, habe ich irgendwo gelesen, Astronautin?
Sie wäre gerne Astronautin.
Ah, okay.
Bis dann auch unsere ersten beiden Kids auf die Welt gekommen sind und sie gesagt hat, sie möchte die beiden eigentlich nie wieder verlassen. Was ich ja nachvollziehen kann. Mal schauen. Vielleicht gibt es ja in ein paar Jahren so ein easy 2, 3 Tage Weekendtrip ins Weltall.
Also ist das aber auch für euch denkbar, also so was zu machen, dass man so— also eure Raketen sind nicht dafür gebaut, Menschen mitzunehmen, nehme ich mal an.
Ich glaube, für unsere Kinder, für die nächste Generation wird das was verhältnismäßig Normales sein. Und wenn man sich mal denkt, Wernher von Braun hat damals 1969 gesagt, im Jahr 2000 spätestens wird das erste Kind auf dem Mond geboren. Und was mich daran so fasziniert, ist, man hat das erste Mal einen Fuß auf den Mond gesetzt und de facto war global das Mindset vorhanden, man kann alles schaffen und man kann alles erreichen. Und über die letzten 50 Jahre ist meiner Meinung nach genau dieses Mindset verloren gegangen, dass man tatsächlich alles schaffen kann. Und die meisten Barrieren setzt man sich so ein bisschen selber vor. Und da möchte ich schon dazu beitragen, dass wir uns selber auch nicht mehr immer wieder einen Riegel vorschieben, sondern uns auch trauen, die großen, ambitionierten Themen anzugehen. Warum soll nicht in 20 Jahren wieder ein Kind mal auf dem Mond geboren sein?
Ich meine, ich habe dich jetzt ja einige Jahre quasi überreden müssen, mal zum Podcast zu kommen, oder bin jetzt schon länger hinter dir her. Ich habe gesehen, du hast auch schon mal hier und da einen Podcast gemacht und ihr macht ja ein bisschen was bei YouTube in eurem eigenen Channel zum Beispiel. Aber eigentlich eure Story, wenn du auch so, die du jetzt mal so, sind ja ein paar Kommentare dabei, die hört man ja selbst hier im Podcast extrem selten. Das ist ja schon krass und besonders, aber ihr teilt das nicht so, ihr legt nicht so viel Wert auf Storytelling, wobei das ja auch bei Finanzierung, bei Personalakquise, bei überhaupt irgendwie vielleicht Zustimmung gewinnen, politischen Themen wichtig wäre. Ändert sich das gerade oder war das bislang euer Fokus, eher das unter dem Radar zu machen?
Wir waren bisher komplett heads down fokussiert darauf, wirklich zu exekutieren. Und da glaube ich, unterscheiden wir uns wahrscheinlich ein bisschen von den ein oder anderen amerikanischen Unternehmen, dass wir unsere Story natürlich auch mit Hard Facts untermauern wollen. Und dass wenn ich sagen kann, wir können ein Raketentriebwerk in 30 Tagen bauen und nicht in einem Jahr wie die etablierten Unternehmen, dann möchte ich das nicht nur als Story erzählen, sondern auch tatsächlich wissen, dass wir auch das Ganze können.
Und könnt ihr es?
Und das können wir. So, und das ändert sich jetzt natürlich sicherlich nach vorne hin dadurch, dass wir jetzt sehr, sehr viele Jahre in der Entwicklung verbracht haben, dass wir das Ganze jetzt skalieren müssen. Und da wird sich natürlich auch das Storytelling drehen über die Jahre.
Ich habe gesehen bei SpaceX, wenn die die Raketen starten, dann stehen da so Zuschauertribünen. Dann kann man sozusagen so Tickets kaufen. Dann sitzt man da irgendwo in der Wüste und guckt, wie das Ding da hochfliegt. Wann geht so was bei euch los?
Ich glaube, wir sollten mal so eine OMR-Tribüne machen.
Genau, genau daran habe ich auch gedacht.
Ab dem 3., 4. Flug können wir das mal einrichten.
Wo fliegt ihr denn jetzt demnächst ab? Aber von Französisch-Guayana, ne?
Aus Norwegen. Wir haben den ersten SpacePod ja in Norwegen gebaut. Wir werden auch einen zweiten in Französisch-Guayana bauen. Perspektivisch auch noch mehrere überall auf der Welt verteilt.
Aber in Deutschland nicht denkbar, ne?
In Deutschland leider nicht denkbar aufgrund von einfach geografischen Bedingungen. Man möchte nämlich immer direkt am Meer starten, weil man über unbewohntes Gebiet natürlich fliegen möchte. Immer für den Fall, dass wenn die Rakete dann doch runterkommt. Und dann muss man gleichzeitig natürlich in relevante Orbits kommen. Und in dem Fall müsste man trotzdem aus Deutschland heraus, wenn man an der Nordküste startet, relativ schnell über Norwegen drüberfliegen, was wir nicht wollen.
Und sag mal, wenn wir jetzt nach Norwegen, wie viele Leute können wir dahin bringen? Könnte ich da jetzt mal so 1000 Leute mitbringen, die Bock haben, dafür zu bezahlen. Dann machen wir da irgendwie ein Flugzeug klar und fliegen da zu euch nach Norwegen.
Ginge so was?
Also die Insel, auf der wir starten, hat 4000 Einwohner.
Okay.
Das heißt, wir müssen uns tatsächlich mal schauen drum, was geben denn alle Hotels und alle Airbnbs gemeinsam an Unterkünften her? Plus alle Campervans und sonst was.
Das ist ja ein Riesenabenteuer.
So, wenn wir jetzt einen Sommerlaunch uns aussuchen, vielleicht Mitte nächsten Jahres, 4. oder 5. Start, dann können wir eine große Campingaktion machen.
Aber ich meine ganz im Ernst, ihr habt da jetzt ja auch ein Wahnsinns-Storytelling-Potenzial. Ist denn zum Beispiel diese Insel, auf der ihr das Start habt, habt ihr die ganze Lounge-Infrastruktur auch dahin bringen müssen? Logischerweise.
So ist das.
Also mit Schiffen, Logistikschiffen da hoch und dann alles da gebaut?
Ja, es war noch, also ist ja in Norwegen alles über Brücken verbunden, aber da fahren tatsächlich die LKWs und haben uns das gesamte Equipment für so einen Spaceport natürlich hingebracht. Genauso wie Raketen.
Also es ist eine der faszinierendsten Stellen in der Elon-Musk-Biografie, finde ich, wie sie da irgendwie im Pazifik, glaube ich, da auf so einem Atoll den ersten Start gemacht haben bei SpaceX. Habe ich gelesen. Und dann dachte man, okay, das kann einfach nicht sein. Ich habe auch hier vor kurzem einen Podcast gemacht mit dem Hans Königsmann, der damals dabei war für SpaceX. Ein Deutscher. Kann man auch runterscrollen im Podcast-Feed. Also auch unfassbar, was der erzählt, wie die das damals gemacht haben. Es ist wirklich so modernes Abenteuer klingt wie vor 100 Jahren, aber mit Hightech halt.
Es ist tatsächlich sehr, sehr ähnlich in Norwegen, nur mit dem Unterschied, dass es bei uns keine tropischen Temperaturen hat, sondern im Winter ist es tendenziell eher ein bisschen kälter und windiger. Aber es ist sehr, sehr vergleichbar. Es ist verhältnismäßig remote, landschaftlich extrem schön und wir merken jetzt, und das freut uns natürlich, nachdem wir angefangen haben, den Spaceport da zu bauen, nachdem wir jetzt den ersten Start gemacht haben, sind auch die ersten neuen Restaurants aufgekommen, die neuen ersten Bars, die alle sagen, wir investieren hier lokal, weil sich da natürlich ein gesamtes Ökosystem um diese Spaceport-Infrastruktur drumherum aufbaut.
Wie muss man sich jetzt den Alltag vorstellen? Sitzen wir hier auf der Bits Pretzels in München. Wenn du jetzt an die Arbeit gehst, hast du dein Büro hier in München?
Ja, wir sind hier in München. Wie gesagt, bauen gerade unser neues Headquarter, ungefähr 5 Minuten mit dem Auto von hier.
Und dann bist du dabei und guckst dir irgendwie, diskutierst mit auf der einen Seite Politikern, stellst Leute ein. Steuerst Teams, versuchst die Technologie zu verstehen.
Es ist schon alles zusammen. Genau.
Und das ist wirklich so 7 Tage nonstop arbeiten. Also diese Work Ethic von Elon Musk.
Ja, ich versuche seit 2 Jahren, dass ich mir zumindest mal einen Tag die Woche für die Kids rausnehme und die Familie. Aber tendenziell ist es nicht ein 9-to-5-Job.
Okay, aber das heißt, du hast auch noch die Kraft und du pennst dann auch noch am Schreibtisch manchmal.
Muss man.
Okay, was ist so jetzt denn die nächste große Milestone, den man erreichen möchte? Wo guckst du jetzt als Nächstes drauf? Was ist sozusagen die Benchmark, wo ihr auch gerade jetzt in irgendwelchen Investorenmeetings sagt, das wollen wir jetzt erreichen?
Also für uns ist sicherlich der nächste große Meilenstein, dass wir in Orbit kommen. Und danach geht es wirklich darum, alles zu skalieren. Fertigstellung natürlich von unserer neuen Produktion hier in München wird ein großer Meilenstein sein. Dann werden wir auch wirklich die Kapazität von Europa im Vergleich zu heute vervierzigfachen. Wenn es um den Output von Trägerraketen geht.
Und die kommen alle wirklich rausgeschoben aus deiner Fabrik hier in Bayern, kommen da so lange 30-Meter-Dinger raus und dann packt man die auf einen LKW und fährt die hoch nach Norwegen.
Genau.
Also wirklich so, wie man es sich vorstellen würde.
Es ist wie so ein James-Bond-Film eigentlich.
Aber dann fährt die DHL da hoch oder dann fahrt ihr eigene Anhänger da hoch nach Norwegen oder wie muss man sich das vorstellen?
Es ist ein Spezialtransport, ist kein Schwertransport, weil die Rakete wiegt ja nichts. Ist ja super leicht, aber sie ist relativ groß und lang. Und fährt dann mit dem LKW nach Norwegen hoch.
Aber du hast gesagt, mehrere Tonnen müssen da bewegt werden.
Ja, die Rakete selber hat ja trocken, sie wird ja erst am Startplatz selber betankt, wiegt ja nur 5 Tonnen.
Okay, nur 5 Tonnen.
Genau.
Ja gut, aber was passt auf so einen Hänger drauf? Ich weiß gar nicht.
Ist auf einem Sattelschlepper.
Und dann fährt man die da hoch?
Genau.
Und dann wird die hochgeschossen und fertig ist?
Nicht alles bei Rocket Science ist Rocket Science.
Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn. Also ich Denke, es müsste eigentlich eine Doku geben. Lässt du dich schon begleiten von einem Filmteam oder so was?
Nee, aber da können wir gerne drüber sprechen.
Also das, ich finde, das ist wirklich Wahnsinn. Total inspirierend, wie du da drüber redest, was du da vorhast. Ich hoffe, dass es auch alles passiert oder dass es zumindest einigermaßen so passiert. Ich drücke dir in unser aller Interesse, sage ich mal, die Daumen für die Mission. Sehr, sehr beeindruckend. Und danke, dass du dir hier mal die Zeit genommen hast für so einen profanen Podcast. Vielen Dank.
Lieben Dank dir, Philipp.
Alles klar. Ciao, ciao.
Ich war keine gute Chefin und heute coache ich Führungskräfte. Und ich wurde mit 22 Jahren Führungskraft und musste ganz schön hart dafür kämpfen, ernst genommen zu werden. Heute bin ich Spiegel-Bestsellerautorin und erreiche auf LinkedIn Millionen Menschen. Wir sind Emma Isadora Hagen und Svantje Almers. Das ist Out of Office, der Business- und Karriere-Podcast. Wir teilen mit euch Karrieretipps, die wirklich funktionieren. Egal, ob es um Gehalt, Selbstmanagement oder die Frage geht, wie man kritische Gespräche richtig führt. Und dazu teilen wir mit euch die neuesten Erkenntnisse aus der Wissenschaft und ordnen für euch den Hot Tea aus der Businesswelt ein. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, dann abonniert den Kanal und seid ab jetzt jeden Mittwoch mit uns out of office.
Dieser Podcast wird produziert von Podstars bei OMR.
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