Hans Thomann – Chef des weltgrößten Musikhändlers (#766)
12 Jan 2025 · 92 min
In this OMR podcast episode, host Philipp Westermeyer interviews Hans Thomann, owner‑CEO of Thomann, the world’s biggest music retailer based in the tiny Bavarian village of Treppendorf. The conversation traces the company’s origins—from Hans’s father’s early trumpet‑driven passion and a modest 80‑100 m² shop in 1968—to its transformation into a €2 billion global business with 1,800 employees, 150 countries served, and a catalogue of over 115,000 products. Thomann explains how a deep‑expertise‑driven culture, rigorous margin management, and early adoption of mail‑order and e‑commerce (including the 1996 website) propelled growth. He details logistics innovations, the creation of the “Hot Deals” catalogue, the launch of own‑brand lines (Harley Benton, T‑Box, etc.) that now generate ~20 % of revenue and 40 % of margin, and the strategic decision to stay fully equity‑financed and avoid external investors. The interview also covers competitive dynamics with Amazon and other European retailers, pricing tactics (minimum advertised price, aggressive price‑matching), the importance of high‑touch service and expert advice, and the extensive owned‑media ecosystem (30+ content sites, 100 social channels) that fuels traffic and brand trust. Thomann reflects on challenges such as declining music education, the need for premium‑segment focus, and future opportunities in AI, digitalisation, and selective acquisitions, while emphasizing a people‑first culture and the value of independence.
Chapters
Auf eine eigene Art und Weise könnte man ja sagen, sind Unternehmerinnen und Unternehmer auch Künstler. Und das musste ich wieder denken, als ich in Treppendorf war, einem kleinen Ort in der Nähe von Bamberg. Dort sitzt der Musikversender Thomann, aufgebaut im Wesentlichen von Hans Thomann. Und genau mit dem habe ich gesprochen, den habe ich besucht und war total fasziniert. Der ganze Ort, eigentlich auch die ganze Stadt Bamberg in der Nähe, alles dreht sich um Thomann. Die machen 2 Milliarden Euro Umsatz. Umsatz mit dem Versand von Musikinstrumenten in alle Welt, verkaufen vor Weihnachten am Tag 1000 Gitarren. Und das Ganze ist wirklich ein Kunstwerk insofern, dass da auch über Hunderte von studierten Musikern arbeiten und Experten sind und beraten und genau wissen, was Leute in aller Welt für Musikinstrumente kaufen wollen, für Zubehör kaufen wollen. Dazu gibt es in dem Ort einen riesigen Musikladen, zu dem Menschen aus aller Welt anreisen. Also dieses Gesamtkunstwerk Thomann, diese Greifarme, diese Packstation, diese Expertise, dieses Know-how, diese Liebe fürs Produkt, die hat es am Ende möglich gemacht, auch überhaupt gegen Amazon so zu bestehen. Es ist in sich ein Wunder, ein kleines Kunstwerk, und deswegen glaube ich, ist das Gespräch mit dem Hans Thomann sehr hörenswert.
Auf geht's! Let's go, go, go!
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Genau, wir sind ja hier auf dem kleinen Dorf, wie du gesehen hast, 140 Einwohner.
In der Nähe von Bamberg.
In der Nähe von Bamberg, Oberfranken. Es gibt ja auch Mittel- und Unterfranken. So ein Stück von Bayern im Norden. Und ja, als kleiner Junge, so ab dem 6., 7. Lebensjahr, hat mich das halt wirklich gekickt, ja, in der Form, dass schon die ersten Heimorgeln, die ersten Synthesizer im Laden gab. Und es gab noch eine Alternative, statt ins Business zu gehen, nämlich meine Eltern, oder meine Mutter hatte auch noch eine Landwirtschaft. Und mal ehrlich, so Kartoffeln auflesen und solche Sachen, die haben mich wenig bis gar nicht interessiert. Deshalb war ich unglaublich früh im Laden, so ab dem 6., 7. Lebensjahr. Bin '62 geboren und 1968 so das erste Ladengeschäft, wo man jetzt noch ein paar Wände sieht, weil wir den Laden ja noch mal um 14.000 Quadratmeter insgesamt erweitert ist gebaut worden, und es war ein kleiner Vollsortimentladen mit ungefähr so 80 bis 100 Quadratmetern.
Also, aber ihr verkauft Musikinstrumente, und nach meinem Verständnis, es hat ja so angefangen, dass dein Vater auch Instrumente gespielt hat.
Genau, mein Vater war 1922 geboren, ja, und als junger Mann wollte er dann unbedingt Trompete spielen, ja, und mein Opa hat gesagt, ach, Musiker, das kann es ja wirklich nicht sein. Bub, lern was Richtiges. Und meine Oma hat ihm dann, also seine Mutter, hat ihm dann heimlich eine Trompete gekauft in Bamberg. Die haben wir auch noch. Und er ist dann mit dem Fahrrad immer nach Bamberg gefahren. Und nach ein paar Jahren ist er wirklich am Konservatorium in Würzburg aufgenommen worden. Auch da mit dem Fahrrad nach Würzburg gefahren. Man muss sich das vorstellen, hier mit dem Auto brauche ich jetzt eine Stunde. Also war er 2, 3 Stunden unterwegs mit der Trompete.
Um Trompete spielen zu können?
Um Trompete zu studieren, richtig gut zu spielen. Es war seine Leidenschaft. Und man muss sich das so vorstellen, ja, zu dieser Zeit war die Trompete der goldene Ton. Vielleicht das, was heute eine E-Gitarre ist, ja. Also eine Rockgitarre, das war halt früher die Trompete, weil Gitarre gab es noch nicht, zumindest keine E-Gitarre. Und so ist überhaupt unsere Familie zur Musik gekommen.
Also einfach, weil dein Vater da so Bock drauf hatte.
Und hat er hier auf dem Land, ist ja ungewöhnlich, angefangen, auch Musikinstrumente zu verkaufen neben seinem damaligen Job dann? Naja, im Prinzip hat sich das so entwickelt: Er war ein extrem guter Musiker, hat auch Geige gespielt, Stilgitarren, also Multiinstrumentalist, und hat dann in verschiedenen Formationen von Kapellen gespielt, zum Beispiel Zirkuskapelle gedurrt oder dann auch mal Blaskapelle, Big Band oder dann so 6-, 7-Mann-Formation. Und Dann haben ihn natürlich Musiker gefragt, hey, wie spielst du denn diese Noten? Und irgendwann kamen auch so die Fragen auf, welches Instrument würdest du spielen? Und dann gab es den ersten größeren Auftrag nach Grafenrheinfeld, wo das Atomkraftwerk war, in der Nähe von Schweinfurt, ungefähr 60 Kilometer von uns. Und der Bürgermeister hat sich mit meinem Vater ganz gut verstanden, weil er hat auch dort immer Musik gemacht und er hat selbst auch Musik gemacht. Und er hat ihn gefragt, hey, Wir würden gerne mit dir eine Blaskapelle aufbauen, so für Kirchenmusik und Kirchweihe und so weiter. Wir würden auch alles bei dir kaufen, aber du musst auch noch jeden Unterricht geben. Und das hat er dann auch gemacht.
Okay, und so ist es dann irgendwie losgegangen.
So ist dann der Handel entstanden. Ja, erstmal mit Motorrad und dann mit Wandergewerbe sozusagen. Und 1968 ist dann wirklich das erste Geschäft gebaut worden. Vorher ist viel Geschäft in unserem Wohnhaus abgewickelt worden. Das war nicht allzu groß, da waren die Großeltern noch drin und wir 5 Kinder. Das ist schon hin und wieder kuschelig eng geworden.
Aber hier in Treppendorf dann auch?
Alles hier in Treppendorf, genau.
Okay, wir reden ja von einem 200-Einwohner-Ort.
140.
140 Einwohner, also wirklich mitten auf dem Land. Und da bist du dann auch sozusagen groß geworden mit diesem Musikinstrumentenhandel bei euch zu Hause und dann in dem Laden, hast dann da als kleiner Junge mitgemacht. Und dann hast du für dich entdeckt, okay, bevor ich jetzt Landwirtschaft machen muss, gehe ich da voll rein. Genau. Und bist dann auch selber Mechaniker geworden erstmal, ne?
Naja, ich war dann als junger Mann immer in der Werkstatt und wollte aber Ausbildung haben. Habe dann Nachrichtengerätemechaniker und Feingerätelektroniker gelernt, weil zur damaligen Zeit war die Alternative halt Radio, Fernsehen und dann musstest du auf die Dächer gehen und Antennen einstellen. Das war nicht das Ding. Und habe gleich danach noch Blechblasinstrumentenbau gelernt, weil zur damaligen Zeit hatte ich bei uns auch die, die ganzen Werkstätten geleitet. Was heißt geleitet, ich habe halt viel repariert.
Blechblasinstrumentenbau gelernt und Feinmechaniker. Studiert hast du gar nicht?
Ah, ich hätte unglaublich gern Betriebswirtschaft studiert. Hin und wieder stelle ich dann fest, war doch gut, nicht zu studieren, weil ich, wenn ich mit dem einen oder anderen Professor spreche, dann gibt es immer so Regeln, die eigentlich immer was anderes sagen. Und du musst eine Preis— du kannst nur eine Preisführerschaft haben und kannst keine Qualitätsführer, kein Qualitätsführer.
Also wir machen mal ganz kurz einen Sprung auf heute, da müssen wir die Reise noch mal nacherzählen. Aber heute hat die Firma, die du damals dann von deinem Vater übernommen hast, die waren damals glaube ich 15 Leute, ne? Heute reden wir von 1800.
Ja, ja, ungefähr.
Und wir reden von deutlich über einer Milliarde, dieses Jahr. Ja, die Firma gehört dir zu 100%, das ist ein Händler, also Müssen wir gleich mal verstehen, wie das alles so funktioniert. Aber ich behaupte jetzt mal, wahrscheinlich würde dir jemand auch eine Milliarde geben für den Laden, den du da hast.
Mit allen GmbHs wahrscheinlich auch mehr. Aber ich muss dann noch richtigstellen, mir gehört nur noch ein Millionsten Anteil, weil 999.000 Anteile habe ich in die Thoman, in die neu gegründete Unternehmensstiftung eingebracht zum 1. November.
Aber also nur mal für die Hörer, also was jetzt gleich kommt, ist die Geschichte von wirklich von 15 Leuten in Treppendorf zum Am Ende Selfmade-Milliardär. Das muss man einfach mal so festhalten. Das ist ja schon eine Wahnsinns— und da hätte es jetzt BWL-Studium vielleicht noch ein bisschen geholfen, aber ich glaube, die wenigsten Leute, die BWL studiert haben, können das irgendwie nachbauen oder irgendwie überhaupt dir helfen, weil du hast ja schon mal ein Wahnsinns-Unternehmertalent, dieses Ding so zu bauen. Beschreib mal so die ersten Jahre, als du dann sozusagen als erwachsener Mensch hier reingekommen bist. Was hast du gemacht?
Naja, was sehr geholfen hat, ist, wir hatten hier bei uns in Franken in den 70ern, 80ern eine unglaublich starke Top-40-Band-Live-Szene mit vielen Bands bei uns, speziell in Franken. Gab es dann auch ein bisschen noch in Baden-Württemberg. Das heißt, alle 15, 20 Kilometer war ein Tanzsaal, ja, und die Bands haben gespielt, die haben auch gut Geld verdient, 5.000, 6.000 Mark am Abend. Bis vielleicht Silvester 10.000, 15.000. Und die haben wirklich auch immer gutes Equipment gebraucht, ja, gute Beschallungsanlagen, Lichtanlagen und natürlich super Instrumente. Und als ich so, so 12, 13 war, war echt so mein Ziel— es waren wirklich zwei Sachen, was mich getrieben haben. Das eine war, jedes Monat ist das Riebes Fachblatt rausgekommen, Fachmagazin, was es heute auch nicht mehr gibt. Und Und da waren Annoncen drin mit Preisen. Und ich habe mich immer so geärgert, weil von meinem Vater war ich schon gewohnt, Geld zu verdienen. Und der hat auch immer drauf geschaut, dass ich mit einer richtigen Marge arbeite. Und da waren halt Kalkulationen, da wäre ich heute total froh, wenn wir die hätten. Aber, und da habe ich mich halt geärgert. Da ist dann entstanden, wenn ich mal groß bin, dann sollen sich alle anderen über meine Preise ärgern. Das war das eine. Und das andere war wirklich die Motivation, wenn ich mal groß bin und älter bin, dann will ich auch das geile Zeug verkaufen. Die großen Mischpulte, die teuren, die ganz großen Beschallungsanlagen, aber auch mal eine Gibson L5, ja, oder, oder wunderschöne teure Gitarren, die meine Kunden nachgefragt haben.
Das heißt, du hast diesen Laden erstmal aufgebaut, kann man sagen?
Mein Vater hat Holz- und Blasinstrumente gemacht, und wo ich mich natürlich natürlich schon auch auskannte, ja, oder immer noch auskenne. Und ich habe dann wirklich so als One-Man-Show Abteilung für Abteilung aufgebaut.
Der Laden als Nukleus sozusagen für die heutige Firma. Und der Laden, reden wir heute von seinem Business von ungefähr 50 Millionen Umsatz, habe ich gehört.
Genau. Und Laden war wirklich für mich auch wichtig zum Einsteigen. Deshalb investiert auch wieder in den Laden 60, 65 Millionen zurück, hat aber noch andere Gründe. Aber es war natürlich schon cool, es war die erste Million Umsatz da, ja, und natürlich Gewerbe angemeldet und, und, und, und, und. Und dann habe ich in den 80ern, wollte ich halt außerhalb des Ladens noch Produkte verkaufen und habe dann Versand begonnen.
Okay, aber sag mal, so ein Laden, ich meine jetzt hier in Treppendorf, haben wir gerade gehört, der Ort ist mini klein. Wie groß ist denn das Einzugsgebiet? Von wo kommen denn die Leute her?
Ja, jetzt kommen wirklich die Leute, die fahren 3, 4, 5 Stunden, setzen sich auch mal auf in dem Flieger, kommen von der Türkei, Slowenien.
Also man muss dazu sagen, der Laden, für alle, die noch nie da waren, das werden die meisten wahrscheinlich sein, die hier zuhören, das ist so, da gibt es Räume, da kann man Instrumente probespielen, da gibt es irgendwie tausende von Gitarren hängen an den Wänden, da stehen halt so Orgeln, Klaviere. Es ist also eine riesige Fläche, das ist am Ende schon fast ein Unterhaltungserlebnis oder ein Amusementpark, würde man fast sagen, aber es ist halt am Ende auch ein Geschäft, wo man die Sachen kaufen kann. Aber ich habe da jetzt gerade selber reingeguckt, Da laufen halt Leute freudestrahlend mit glänzenden Augen so darum und auf 4, 5 Etagen gucken sich die Sachen an. Und es gibt da halt irgendwie so, sagen wir mal, welche Hörner habe ich noch nie gesehen und riesige Mischpulte, alle zum Ausprobieren, zum Ansteuern, Boxen zum Ansteuern, zum Klangtesten. Also das ist jetzt schon nicht mal eben so ein Laden, wo man denkt, okay, es hat eher was von irgendeinem Happening da.
Ja, es ist ein Riesenladen, ja, das zum einen, und natürlich alles Freaks und Cracks. Wir haben insgesamt am Campus an die 400 Mitarbeiter, die wirklich mega cool beraten, die dir auch mal sagen, hey, gib ein bisschen weniger aus, oder du hast auch Alternativen, musst nicht so viel ausgeben, oder hey, spar noch lieber ein bisschen, weil deine Anforderungen sind doch relativ hoch, du willst so und so viele Leute beschallen, und dafür musst du einfach ein bisschen mehr ausgeben. Das ist das eine. Und zum anderen ist es natürlich schon so, dass unsere Fachberater, die jetzt am Telefon sind, chatten, E-Mails machen, zwischen Laden und Schreibtisch auch hin und her wandern, ja. Und dann halt selber die Gitarre in die Hand nehmen und spielen, selber mal mit dem Synthesizer spielen, je nach Fachabteilung, ja. Und dann natürlich ganz anders sprechen können, als irgendwelche Specs vom Prospekt abzulesen. Das ist uns einfach wichtig.
Aber das heißt, du hast dann irgendwie aber noch angefangen mit, also den Laden haben wir gesprochen, aber dann auch mit Mailorder, klassisch mit Prospekt, also bisschen so wie Katalog, ja.
Genau, ich hatte die, ist vielleicht auch eine ganz coole Story, die Hot Deals, das war mein erster Ja, und da haben wir am Schluss auch bis vor, ich glaube, 8 Jahren, 9 Jahren habe ich es eingestellt. Und die sind folgendermaßen entstanden: In den 70er, 80ern war ja, hatte man immer gearbeitet mit den unverbindlichen Preisempfehlungen. Und als Profimusiker war dann bekannt, du hast 10% Rabatt bekommen. Ja, und wenn du halt der Dirigent von der Blaskapelle warst oder ein sehr guter Bandleader, dann hast du auch mal mehr bekommen. Und der Rabatt war aber nicht fest. Das heißt, wenn eine alte Oma reingekommen ist und die hat fürs Enkelkind ein Saxophon gekauft, dann gab es vielleicht noch 5%. Und zum einen fand ich das unglaublich ungerecht und zum anderen kannst du halt das Business nicht skalieren, wenn du jedes Mal über einen Preis verhandeln musst. Und ich war als 18-Jähriger in USA, und bis zum heutigen Tage ist es so mein Hobby, weltweit Läden anzuschauen. 1982 war ich dann in Japan als 20-Jähriger. Was mich in USA total fasziniert hat, unabhängig davon, dass die Ware viel besser präsentiert war wie bei uns in Deutschland, ja, zum Beispiel als wir vorhin in der Gitarrenabteilung waren, diese großen, langen, die hohen Wände und so weiter, das ist eigentlich Das, was ich so in USA gesehen habe, ja, oder das Gitarren separat mit, mit Licht angestrahlt werden, jede Gitarre einzeln. Und die hatten zur damaligen Zeit schon die MAPs, also Minimum Advertising Price, ja. Das heißt, es gab nur einen Preis und es war halt nicht verhandelbar. Und das habe ich dann bei uns eingeführt. Da gab es natürlich einen Riesenaufschrei, zum einen von der Industrie, die gesagt haben, es kann doch nicht sein, dass du jetzt letztendlich heute viel, viel günstiger verkaufen willst wie alle anderen. Das war ein Hoteldiner 4. Da habe ich die ersten 6000 mit meiner Frau an einem Sonntagmittag eingepackt, und der hat sich dann wirklich entwickelt bis, bis eine Auflage von 11 Millionen.
Der Katalog? Ja, dieses. 11 Millionen? Ja, ja.
Wir haben jedes, jedes, jedes Monat zwischen 50.000 und 60.000 gedruckt, in unterschiedlichen Sprachen, in unterschiedlichen Währungen. Und das war wirklich eine Marke auch, der Hotil. Aber halt dann auch immer mit den besten Produkten und den niedrigsten Preisen.
Im OMR-Podcast spreche ich ja bekanntlich jede Woche mit Menschen, die ganz offensichtlich etwas bewegen möchten. Und alle von denen treffen Entscheidungen, gehen Risiken ein und treiben ihr Business häufig mit sehr, sehr viel Herzblut voran. Und natürlich passieren dabei auch mal Fehler. Die entscheidende Frage ist deshalb gar nicht, wie man jedes Risiko vermeidet, sondern ob man einen Partner an seiner Seite hat, der das eigene Business wirklich versteht. Und genau dafür gibt's die Businessversicherung von unserem Partner Hiscox. Hiscox ist seit 1901 als Spezialversicherer tätig. Entsprechend haben die extrem viel Expertise, und die fließt heute in moderne Businessversicherungen für Unternehmen, für Gründer oder für Freelancer. Bei Hiscox arbeiten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Branchen, die die jeweils individuellen Risiken sehr genau verstehen und deswegen auch gut herleiten können, worauf es bei eurem Geschäft ganz genau ankommt. Sollte euch mal ein Kunde einen Fehler vorwerfen, steht Hiscox an eurer Seite, verteidigt eure Interessen und begleitet euch im Zweifel auch vor Gericht ohne Mehrkosten. Also quasi die Rechtsschutzversicherung ist schon inklusive. Also kein Wunder, dass der Schadensservice mit 4,7 von 5 Punkten bewertet wird. Mit der Hiscox Business Versicherung kann man sich also rein auf sein eigenes Wachstum konzentrieren. Alle Infos und online abschließen kann man unter hiscox.de/omr, natürlich auch unter dem Link bei uns in den Shownotes. Also bist du da auch gewachsen mit irgendeiner Instrumentengattung oder mit—
Ja, zur damaligen Zeit hatte ich halt auch nur 4.000, 5.000 Artikel. Mittlerweile haben wir circa 115.000 Artikel online und noch mal 120.000 gelistet, Ersatzteile oder Produkte. Die wir nicht übers Internet verkaufen.
Und was verkauft ihr im Kern? Also was ist sozusagen der absolute Dauerbestand?
Na ja, sehr wichtige Warengruppe ist natürlich schon Gitarre. Wir verkaufen im Schnitt so um die 900 bis 1000 Gitarren am Tag. Auch viele Gitarren in einer Preislage über 2000 €. Da sind wir sehr stolz. Die letzten 10 Jahre habe ich den gesamten Boutique- und High-End-Bereich sehr stark ausgebaut. Und das war wirklich auch eine wichtige Entscheidung, richtige Entscheidung, weil Wenn du heute dir die preiswerten, die Budgetprodukte anschaust bei Temu oder AliExpress, dann gewinnst du den Krieg nicht. Also wenn heute jemand eine Ukulele für 9€, 8€ irgendwo kaufen, die kann er kaufen wirklich für 8, 9€. Ja, die kostet halt bei uns dann vielleicht mit einer Tasche und vor allem geprüft halt 19€ oder 20€. Aber wenn es darum geht, dass du immer der Billigste sein willst mit extrem minderwertigen Produkten, dann werden wir den Krieg nicht gewinnen. Und deshalb ist für mich eine 30.000-Euro-Geige genauso wichtig wie eine Gitarre, die 150.000 Euro kosten kann. Hast natürlich weniger Lagerumschlag, aber es ist natürlich noch mehr ein Spezialistenbusiness, was ich nicht abdecken kann.
Das Produkt, was am meisten geht, ist dann—
also stärkste Warengruppe ist Gitarre, ja, und danach kommen dann die Keyboards, also alles, was Tasten hat. Das können Controller-Keyboards sein, Synthesizer sein, Home-Keyboards. Da werden schon auch roundabout 1400, 1500 Tasteninstrumente am Tag verkauft, bis halt zu einem generalüberholten Steinway-Flügel, Konzertflügel, 2,75 m lang, den wir vorhin in der Werkstatt gesehen haben, der mal 200.000 neu kostet.
Aber den verkauft ihr auch ab und zu mal?
Steinway Bs, 211er, ist schon was, was wir auch gut verkaufen. Wir haben aber keine Steinway-Vertretung. Steinway verkauft in der Regel direkt mit Steinway-Häusern. Aber wir haben immer so an die 20, 25 Flügel hier, die top restauriert sind und auch ausschauen wie neu.
Und generell alles, was ihr verkauft, nehmt ihr selber aufs Buch, also habt ihr selber im Lager, ist nicht irgendwie jetzt Kommissionsware, sondern es gehört alles euch.
Genau, also ich hatte jetzt Anfang November 245 Millionen Lagerbestand.
200, okay.
Und ist natürlich wichtig, Verfügbarkeit zu haben, gerade bei den Eigenmarken. Wir haben ja über 30 Eigenmarken und da ist es wirklich so, eine Harley-Bendix-Gitarre übrigens mit über 65 Sources, 65 Fabriken, wo die herkommen, ist nicht eine Fabrik, sondern sehr, sehr aufwendig auch.
Und wie kann man sowas finanzieren? Also klar, man muss es dann Schritt für Schritt entwickeln und langsam wachsen, aber gleichzeitig hast du ja bis heute keine Investoren. Also es gehört jetzt nicht mehr 100% dir, aber sozusagen der Familie, der Stiftung. Also es hat ja nie jemand da eingekauft gehabt, es ist kein Agenturbusiness, sondern ihr müsstet das alles vorfinanzieren am Ende.
Ja, weißt du, als ich meine allererste Halle bauen wollte oder meine ersten Gebäude bauen wollte, dann hatte ich, ich glaube, das war ein Invest von 6 Millionen und ich hatte irgendwie 4 angespart und 2 wollte ich dann noch finanzieren über unsere Hausbank. Und dann musste ich zum Vorstand antreten, auch mal irgendwie Anzug ausgepackt und vorgesprochen. Und dann meinte er, also Was willst du investieren? Logistik? Also ob ich noch nie was davon gehört habe, dass man sowas auch outsourct und nicht selber macht. Und das war dann ewiges Theater und ich habe die 2 Millionen auch nicht bekommen, was ich bis zum heutigen Tag nicht verstehe. Ja, vielleicht hat er mich auch zu jung eingeschätzt oder sonst was. Und dann habe ich halt noch ein bisschen gespart und seitdem ist es so, dass alle Gewinne in der Firma bleiben. Ich habe nichts rausgenommen. Mein Geschäftsführergehalt ist auch wirklich überschaubar.
Du hast, du hast mir sogar verraten im Vorgespräch, also gefragt schon. Also ich glaube, da liegen wir in einer ähnlichen Dimension.
Also ich habe viele Mitarbeiter, die, die, die wesentlich höher liegen, ja, oder dreimal so hohes Gehalt haben. Aber Geld ist für mich auch nicht, nicht wichtig.
Aber dennoch, sag mal, mit so einem Laden, den ihr als Nucleus damals hattet, so in den Anfangszeiten. Was hat man denn da für eine Handelsmarge am Ende, mit der man da ungefähr kalkulieren kann? Ich meine, wenn ich eine Gitarre einkaufe bei Gibson oder bei Fender oder so und dann weiterverkaufe, wie läuft denn das im Prinzip?
Naja, das hat sich schon sehr stark verändert. Früher hatte ich bei Produkten, die ich importiert habe, wirklich Faktor 2. Für 1.000 € gekauft, für 2.000 verkauft. Und dann, das darf man nicht vergessen, war die Mehrwertsteuer bei 11, 12%. Da ist schon gut Geld verdient worden, überhaupt keine Frage. Auch so Yamaha oder Gibson, Fender, hattest du eine 1,7er, 1,8er Kalkulation inklusive Mehrwertsteuer. Das hat sich natürlich massiv geändert, ja. Zum einen, weil mehr und mehr Lieferanten auch direkt verkaufen. Jetzt gerade zur Cyber Week hat selber Fender auch wieder Produkte angeboten, die wirklich unter unserem Einkauf waren, oder auch Amazon mit teilweise Yamaha-Produkten, oder letztendlich auch alle Systems und so weiter. Das sind die, sind die, gehen die schon sehr aggressiv ran. Das sind teilweise Produkte, die wirklich unterm EK verkauft werden. Aber mein Team und ich, wir haben da letztendlich auch, ich will nicht sagen Spaß, aber nachts um 12, wenn die Preise ändern, sind wir alle noch wach bis früh um 2, auch mein Neffe. Und dann matchen wir die Preise oder wir gehen auch noch mal einen Euro drunter. Also ist uns auch egal, wenn wir dann, wenn wir dann Produkte haben, die wir unter EK verkaufen. Ist aber für die gesamte Branche natürlich nicht gut. Also der erste Punkt ist, Wettbewerb kommt wirklich auch von unseren Lieferanten, die teilweise, was heißt teilweise, mehr und mehr investorengesteuert sind, Bank Capital und so weiter. Und meistens dann auch bei Meetings die CFOs von den Investmentfirmen mit am Tisch sind. Da kommt natürlich Wettbewerb und natürlich dann auch Amazon zu Aktionen wie Cyber Week oder Prime Days.
Aber wenn du einen guten Musikladen— kann ich jetzt noch 10% Marge machen, wenn ich in Hamburg—
nein, schaffst du nicht. Du meinst EBIT oder EBITDA?
Genau, also Brutabilitätsmarge. Wenn ich jetzt sage, ich mache jetzt in Hamburg einen Laden auf und ein bisschen versorge da die Hamburger Region mit Musikinstrumenten, dann könnte ich 10%—
kommt ein bisschen auf die Warengruppe an. Aber leider gibt es ja wirklich keinen großen Vollsortiment mehr. Jochen Stock mit Just Music hat ja einen großen Laden in Berlin, was ein Headquarter war, zugemacht. In Hamburg hast du keinen großen Vollsortiment mehr. München so gut wie keinen mehr. Ist unglaublich schwer. Die Preise werden natürlich im Internet vorgegeben. Im Laden solltest du dann möglichst gleiche Preise haben. Und ich habe ja wirklich hier den Vorteil, ich habe einen Laden, aber ich habe dahinter noch mal Lager mit 200 Millionen Lager, oder vielleicht im Sommer nur noch 160 Millionen, ja. Und du kannst halt die Ware, du kannst 110.000 Artikel theoretisch probieren, obwohl jetzt nur 20.000 im Laden sind. Das heißt, du wartest 20 Minuten als Kunde, und dann kannst du wirklich jede Gitarre testen, die bei uns verfügbar ist und Ampel grün ist vom Lagerbestand. Und Also als Stadtladen hast du einfach das Problem erhöhte Kosten von Mieten. Zweites Problem harter Wettbewerb, der aus dem E-Commerce-Bereich kommt. Drittens musst du natürlich auch Personal gut behandeln, gut bezahlen, was immer schwieriger wird für viele. Drittens hast du ein Riesenproblem, an, an die großen Brands zu kommen. Zum Beispiel Gipsen sind nur noch 22 Händler in Deutschland. Taylor hat glaube ich auch nur 20. Martin Guitars hat 120 gehabt, die haben jetzt 23. Das heißt, der Level, was du am Lager haben musst, wie du Gitarren präsentierst, wie du die Werkstatt haben musst und so weiter, der liegt mittlerweile extrem hoch. Da gibt es auch keine freien Vertriebe mehr, sondern im Prinzip hat Gibson und Taylor und die Jungs alle ihre eigenen Niederlassungen. Und versuchen natürlich, die Mohrrübe immer höher zu hängen. Also am Handel vorbei auch zu verkaufen, logischerweise, um die am Handel vorbei zu verkaufen. Aber umso stärker der Brand wird, ja, umso weniger erzielst du auch noch an Marge.
Und aber sag mal jetzt dann so als Größenordnung, wenn man das Ding, was du jetzt hier hast, effizient oder jetzt einigermaßen seriös fährt, dann kann man hier dann E-Commerce-Margen erwirtschaften? Ist das dann so?
Ja, ich meine, kann man ja im Bundesanzeiger auch nachschauen. Und ich erwirtschafte schon so, so 7, 8% EBIT. Das geht schon noch.
Das brauchst du ja, um das Geld freizusetzen für deine ersten Projekte.
Ja, wir haben auch einen guten Mix aus Eigenprodukten. Harley Benton ist zum Beispiel unsere Gitarrenmarke, Thomann natürlich im traditionellen Instrumentenbereich, T-Bone für Mikrofone, T-Box für Boxen.
Wie viel Prozent von deinem Umsatz ist Eigenprodukt?
Ungefähr 20% ist Revenue von den Eigenprodukten. Das sind dann roundabout auch 3000 Container, die wir abwickeln. Aber ich würde sagen, roundabout 40% der Marge, die eingefahren wird, der Gesamtmasche, kommt aus Eigenprodukten. Ich gebe dir ein Beispiel: Wenn wir heute eine Gitarre zum Beispiel haben, ja, dann sind wir mittlerweile in Fabriken drin, wo letztendlich auch Fender oder Gibson, also mit Epiphone oder Squier, drin ist, und Nehmen wir mal an, wir zahlen für so eine Gitarre $50 und die amerikanischen Kollegen haben noch ein bisschen mehr Volumen, ja, ein bisschen mehr Druck und fahren vielleicht auch noch härter. Dann zahlen die vielleicht $48, vielleicht $49, vielleicht auch $50. So, und diese Gitarre wird importiert, ja, und dann haben wir einen Landed Cost auch von ungefähr 50, 52 €, je nachdem welcher Warenwert im Container ist, je nachdem was wir auch mal bezahlen für den Container. Das schwankt ja auch von $1.200, 40 Fuß, bis in der Pandemie mit 17.000, 18.000, ja, und die letzten Wochen waren es dann wieder eher um die 5.000, 6.000 und auch längere Leadzeiten wegen Suess-Kanal und so weiter. Und die Gitarre wird dann bei uns verkauft für 89€ inklusive Mehrwertsteuer. So, die gleiche Gitarre kostet bei Squier Fender ungefähr einen Aufschlag von 70, 80%, den sich Fender nimmt, noch mal 50% Aufschlag oder mehr, den der Vertrieb hat oder die eigene Niederlassung, und dann noch die normale Kalkulation 1,5, 1,6 vom Handel. Und dann liegt halt die Gitarre in der Regel, kannst du sagen, Faktor 3, also die würde dann 159 kosten. Das heißt, ich habe bei meinen eigenen Produkten ungefähr 10% höhere Marge. Wir betreiben natürlich auch einen Riesenaufwand mit Qualitätskontrolle und Marketing, aber haben natürlich viele Produkte auch, wo wir unique sind.
Am Ende ist dein Geschäft aber heute, wenn ich es richtig verstehe, auch ganz stark, also die Wertschöpfung ist aus der Logistik, aus dem, also die ganze Wertschöpfungskette zu beherrschen ist schon auch, also Marketing erscheint mir gar nicht so wichtig. Was du vor allen Dingen bist, bist auch ein extrem guter Logistiker, so kommt mir das vor.
Ja, es ist das ganze Paket, muss natürlich passen, was Marketing ist natürlich auch extrem wichtig in der heutigen Zeit. Brand Added Value genauso letztendlich wie halt, jetzt sind wir in der glücklichen Lage, wirklich auch gute Daten zu haben und, und, und da auch was draus zu machen. Also alle Bereiche müssen heute top gemanagt werden. Du bist, aber ich, du hast natürlich recht, es gibt Bereiche, wo ich viel Zeit investiere und dick drin bin, und es gibt Bereiche, wo ich zum Beispiel mein Dominik Wagner Marketing überlasse. Bin und habe natürlich eine Idee, was sehe und sehe ist und im Prinzip auch, wo die Gelder hingehen, ja, und und auch bestimme die strategische Ausrichtung, aber bin jetzt nicht so dick drin, genauso wie Data-Analyse und und und und Digitalisierung.
Also Logistik und und was soll das Lager zu werden?
Logistik, Produkte, Einkauf, Gefühl für den Markt.
Da ist auch irgendwie die Kunst, die du beherrschst. Also ich meine, wenn man sich jetzt bei euch hier anguckt, dann kommen da ja wirklich Tausende von Produkten auf den Weg. Anders ist es bei allen Händlern so, aber ihr checkt die dann teilweise durch. Also ihr prüft dann Gitarren, da sitzen dann ausgebildete Musiker bei euch in den Hallen und spielen dann da die Gitarren oder stimmen die Geigen nach. Also es erschien mir wirklich wahnsinnig komplex.
Ja, aber das ist für uns einfach total wichtig aus mehreren Gründen. Erster Grund ist, heute ein Instrument zu lernen ist wirklich nicht einfach. Und gibt ein Beispiel von 20 Menschen, Kinder, Erwachsenen, die Gitarre spielen wollen oder Gitarre erlernen wollen, hören innerhalb von einem Jahr 18 wieder auf. Und früher waren Instrumente auch viel teurer. Als ich noch zum Beispiel im Laden Klaviere verkauft habe, da ist die komplette Familie gekommen mit Großeltern und man hat zusammengelegt und gespart, weil Selbst das preiswerteste Yamaha-Klavier, 110 Zentimeter nur hoch, hat 6.000 Mark gekostet. Absolut das Günstigste. Also wenn du ein deutsches Klavier haben möchtest, musstest du 10, 12, 15, 20.000 Mark ausgeben. So, das heißt, die Familie hat gespart, dann ist ein Klavier gekauft worden. Und die Familie hat aber, oder die Eltern haben in der Regel auch bestimmt, du liebe Tochter oder lieber Sohn, du darfst jetzt Klavier lernen und jeden Donnerstag um 16 Uhr kommt der Lehrer. Und dann kennst du das vielleicht auch aus deinem eigenen Leben. Irgendwann kommt der Tal des Todes, ja, auch bei den Kiddies, Pubertät oder andere Interessen. Und da war der Nachdruck natürlich noch ein ganz anderer wie heute, ne. Heute kauft, wird ein Kind ein Digitalpiano gekauft für 300 Euro, und wenn es dann keine Lust mehr hat, dann ist es halt alles nicht so schlimm.
Aber ist es für dein Geschäft gut oder schlecht?
Für mein Geschäft ist schlecht, dass man, dass Regierung Entscheidungen trifft, dass man Kunst und Musikunterricht zum Beispiel bei uns in Bayern auf eine Stunde gekürzt hat. Weil ich meine, wir sind im Zeitalter der künstlichen Intelligenz und heute ist doch letztendlich für junge Menschen oder Jugendliche es extrem wichtig, gut durchs Leben zu gehen und Persönlichkeit auszubauen und letztendlich zu schauen, was ist denn wichtig in meinem Leben. Also ich habe ja noch mit Rechenschieber auch in der Berufsschule gesessen und ohne Taschenrechner und Vieles, was ich gelernt habe, brauche ich heute nicht mehr. Wenn ich was nachschaue, schaue ich bei Google nach und nächste Generation ist ja noch viel krasser.
Aber das heißt generell, würdest du sagen, dass Musikinstrumente oder Musik so als Kunstform im Alltag zurückgeht?
Nicht mehr so ernst genommen wird und die Wertschätzung auch in der Gesellschaft nicht mehr den Stellenwert hat, finde ich.
Ist das eine Gefahr für euch?
Nicht unbedingt.
Also ich meine, wenn jetzt immer weniger Menschen an Musik herangeführt werden, wir machen 20, 25% des Umsatzes mit Nichtmusikern.
Das können sein, das kann sein ein Kopfhörer, das kann sein Plattenspieler, das können aber auch sein Klangschalen oder Handbands.
Aber das heißt, in dem Maße, wo Musik dann vielleicht rückläufig ist als gesellschaftliches Ding sozusagen, das ist jetzt nicht mehr so, dass so viele Menschen das lernen in der Schule und nicht mehr so lange der Sache treu bleiben, In dem Maße könnt ihr dann über andere Produkte wie Kopfhörer oder Beschallungsanlagen das dann kompensieren?
Zum großen Teil, ja. Was natürlich schon auch eine Herausforderung ist, dass man jedes Jahr mehr Aufträge schreiben muss, um, oder mehr Instrumente verkaufen muss für den gleichen Revenue. Deshalb war mein Ansatz vor 10 Jahren, mehr in den Premiumbereich noch zu gehen, ja.
Wenn die Preise so runtergehen.
Ja, genau. Also vor einigen Jahren hatten wir ja 1,4, 1,5 Artikel im Warenkorb. Mittlerweile sind wir bei 4,8. Früher hast du für ein Keyboard 3000 Mark bezahlt. Jetzt zahlst du für ein vergleichbares Keyboard mit gleichen Features 99 Euro. Früher musstest du für eine Gitarre 1000 Mark ausgeben. Heute bekommst du eine schöne Gitarre, die spielbar ist, für 79 Euro. Früher musstest du für ein Saxophon 3000 Mark ausgeben, heute bekommst du ein funktionierendes Saxophon, Schülersaxophon, ab 298 €.
Aber wie schafft ihr das dann, den Warenkorb stabil zu halten? Oder was ist überhaupt der Warenkorb?
Warenkorb war, als ich so mit E-Commerce, als wir begonnen hatten, waren wir wirklich sehr niedrig, so bei 120, 130 €, was zur damaligen Zeit wahrscheinlich auch schon gut war.
Also ich meine, wenn man jetzt jemand von Zalando oder so zuhört oder About You, die, die, die weinen Natürlich sind das riesige Warenkörbe für E-Commerce.
Jetzt sind wir bei 240, 250 € angelangt, ja, und in der Spitze auf 280 €. Einfach Premium, also den Premiumbereich mehr Stellenwert gegeben. Wenn du bei mir auf die, oder bei uns auf die Startseite von thomann.de gehst, wir haben ja noch viele Content-Webseiten, wo wir später noch mal drüber sprechen können, dann siehst du von den 5 Floating Banners, die jeden Dienstag und Freitag geändert werden, immer mindestens 2 Custom-Warengruppen, wo man halt zeigt, Custom-Trompeten ab 4.000€ und dann hast du 100 verschiedene Trompeten in unterschiedlichen Ausführungen ab 4.000€ oder Streichinstrumente ab 5.000€. Ich habe die Erfahrung gemacht als junger Mann, wo wir eben, oder als Jugendlicher, wo wir eben eher im unteren und mittleren Preisbereich nur verkauft hatten, da hatte ich wirklich nur Digital-Bianos bis ungefähr 2000 Mark damals und habe mich natürlich gewundert, wieso wir ein Average Revenue nur generieren von 500, 600 Mark damals. Und dann habe ich halt den Level hochgezogen auf am Ende für 4, 5, 6000 Mark oder jetzt Digital-Bianos bis 15.000€. Wenn du halt nur Textilien oder Produkte anbietest im unteren Preisbereich und auch die Qualitätsunterschiede nicht mehr herausstellen kannst zu Premiumprodukten, weil deine Verkäufer es nicht können, weil deine Webseite nicht gut genug ist, dann musst du dich ja nicht wundern, wenn du nur im untersten Preisbereich verkaufst. Und ich glaube, den Krieg würden wir nicht gewinnen, oder das Business, weil Und das ist auch ein paar andere Sachen gemacht.
Du hast ja auch irgendwie Versand kostenfrei erst ab 200 Euro oder sowas, ne, dass man dann irgendwie versucht, darüber auch den Warenkorb zu erhöhen, ne.
Genau, genau. Also gerade im Ausland haben wir viele Länder, wo wir erst ab 199 Porto frei machen, ne, oder ab 99 Euro.
Wie ist eigentlich denn damals gekommen, dass du sozusagen vom so früh auch schon E-Commerce gekommen bist? Also du warst auch Mailorder, haben wir gerade schon gehört irgendwie, und bist aber dann auch, zumindest könnte man es nachlesen, auch sehr früh schon auf den elektronischen Handel gegangen.
Ja, ich meine, es war natürlich damals eine spannende Zeit, weißt du. Ich kann mich noch erinnern, investieren wir jetzt noch in den Telex oder ein Fax? Ja, okay, Fax ist moderner, lass uns mal ein Fax kaufen. Statt 14.000 Mark damals für 10.000 Mark mit Thermopapier noch, ja. Und dann hat man auch BTX probiert, ja. Und zur damaligen Zeit hatte ich einen Mitarbeiter, Sven Schoderböck, der schon eine Ausbildung hatte im musikalischen Bereich. Sein Vater war Musiklehrer und Sven hat ein bisschen Tasten gespielt und Bassist und unglaublich cleverer Typ und hat sich auch immer mit Programmierungen beschäftigt, hat die für Yamaha DX7, das war damals so ein Synthesizer, die ersten Etiderp Programme geschrieben und so weiter, hat dann mit 15, 16 auch seine eigene Firma gehabt. Und der sagt dann irgendwann, da hat er noch in der Synthesizer-Abteilung gearbeitet, hey, da gibt's Internet, und lass uns das mal probieren. Und der hat dann die allererste Internetseite, die zeige ich heute noch bei meinem Onboarding und Firmenpräsentationen, 1996 programmiert.
Und dann habt ihr irgendwann da richtig die Uhr verkauft.
Ja, und die ist dann natürlich immer weiterentwickelt worden. Sven war unglaublich intelligent und hatte Gefühl für Markt und hatte aber auch Gefühl für Marketing, ja, und hatte die dann fast jeden Tag verändert, hat dann sich ein Team aufgebaut, und irgendwann ist die Seite, ja, ist jetzt 15 Jahre her, internationalisiert worden. Das heißt, du konntest dir das Land auswählen, die Währung auswählen und Sprache. Und wann war das? 2006 ist es dann wirklich explodiert. Da hat man mal ein Jahr mit 42% Wachstum. Und wenn du so ein Wachstum hast, dann geht's ja nicht nur um Verkaufen, sondern du musst Retourenmanagement aufbauen, du musst deinen Service erweitern und so weiter und so fort. Da war es echt schwierig, auch nachzuziehen. Dein Cashflow muss auch stimmen. Ja, ich kann mich noch erinnern, als ich ein Jugendlicher war, da waren die Konten halt nicht immer gut gefüllt gegenüber der heutigen Zeit. Ja, und so sind wir dann ins Internetbusiness eingestiegen, oder E-Commerce quasi, vor allen anderen.
Wenn, hast du diesem einen Kollegen aus der Synthesizer-Abteilung ziemlich viel zu verdanken.
Ja, absolut. Sven, genial. Also Sven ist irgendwann nach Hamburg gezogen und vor 3, 4 Jahren, als dann die Entscheidung auch war, das Ganze auf C-Level und mehreren Schultern zu verteilen, weil Firm auch zu groß ist, über eine Milliarde, hat er sich dann auch entschieden, was anderes zu machen. Irgendwie haben wir uns auch ein bisschen auseinandergelebt durch die Distanz. Aber war eine tolle Zeit und ist unglaublich viel passiert. Und klar, Sven habe ich diesbezüglich unglaublich viel zu verdanken und war auch immer mit Herzblut dabei.
Weißt du, sag mal, im Internet mittlerweile gibt's denn da viel, oder gab es da, oder gibt's bis heute viele andere? Also Amazon kenne ich, die Händler selber habe ich jetzt verstanden, die dann noch Musikinstrumente verkaufen.
Amazon ist natürlich schon auch für, für den kleineren Handel ein Riesenwettbewerber mit Zubehör und preiswerten Sachen oder preiswerten Produkten. Allerdings auch ohne Qualitätskontrolle und nicht Einstellen von Instrumenten, aber sonst natürlich logistisch auf einem extrem hohen Niveau. Es gibt in Köln noch den Michael Sauer, den Music Store, der macht ungefähr 140 Millionen. Dann gibt es in Holland noch den Jochen Bax, Bax Music, der sich aber mehr um um die Länder Frankreich und Belgien kümmere, macht auch so 140 Millionen. Und dann gibt es noch in England Gear for Music, die an der Börse sind, die machen ungefähr auch 140, 150 Millionen.
Okay, das heißt, du bist schon der Größte. Aber hast du jemals zugekauft oder konsolidiert, oder ist alles bei dir organisch gewachsen?
Was ich noch dazu sagen will, außer England sind wir wirklich auch in jedem Land mit großem Abstand Nummer 1, obwohl wir dort keinen Laden haben.
Aber nicht in USA?
Nicht in USA und nicht in England, ja, aber sonst in allen Ländern mit großem Abstand. Zukäufe nicht im Einzelhandel. Also ich habe vor einigen Jahren Ape Labs gekauft, das ist ein Hersteller in Deutschland für hochwertiges Licht für Veranstaltungsbereich, also aufladbare LED-Lampen. Da verdoppeln wir gerade die Fläche und haben auch mittlerweile fast 30 Mitarbeiter, wachsen auch sehr gut. Also Made in Germany geht doch. Dann bin ich mit 40% beteiligt bei der Firma Geva, Hersteller für Geigentaschen, E-Drums, Digitalpianos. Da haben wir vor 3 Jahren einen amerikanischen Brand gekauft, der heißt Ovation, das sind Gitarren. Letztes Jahr, ziemlich genau vor einem Jahr, haben wir Gretsch übernommen, Gretsch-Schlagzeuge. Das ist Iconic Drums für die Drummer.
Also ihr macht sozusagen jetzt tiefer in die Wertschöpfungskette rein, ihr geht ja sozusagen—
ganz genau. Und da haben wir die Leute auch auf der Payroll. Und ich fand es halt so geil, dass nicht nur die Amis hier in Deutschland Firmen kaufen, sondern dass auch deutsche Firmen mal in USA was übernehmen, vor allem in unserer Branche.
Aber kein Händler, also das heißt, ihr habt Vertrieb und Herstellung.
Dann gehört zu Thomann Guitar Point, das ist ein Einzelhandelsladen, spezialisiert für Vintage-Gitarren, für hochwertige alte Gitarren. So Fender-Gitarren aus den 60er, 70er oder 50er oder Gibson, die natürlich in erster Linie den guten Brand über die Musiker bekommen haben. Da gibt es zum Beispiel eine Gibson Burst, die '59 bis '61 gebaut worden ist und ungefähr $400 gekostet hat. Die wird jetzt gehandelt zwischen $300.000 und $600.000.
Ja, aber es ist trotzdem gebaut, aber das ist dann am Rande des Universums.
Genau, das 10 Millionen, und da kommt jetzt noch Gitarren in Kopenhagen dazu.
Aber das ist alles sozusagen ergänzend dazu.
Genau, also hier ist wirklich das Headquarter, wo wir 150 Länder beliefern.
Also das Gewachstum, muss ich schon sagen, ist nicht entstanden jetzt aufgrund von M&A-Strategie, sondern ihr habt das wirklich organisch immer weiterentwickelt und dann vereinzelt Sachen dazugenommen, die passten. Also sozusagen Liebhabergitarren oder Hochpreisgitarren.
Ja, das sind alles so ganz kleine Nischen, die wir hier nicht abdecken können, aber die Welt beliefern wir von hier, 150 Länder, ja, und gewachsen immer über Ausbau des Produktportfolios von ungefähr 5.000 Artikeln bis jetzt 115.000 verschiedene Produkte, die wir online haben. Und natürlich, keine Ahnung, von 6.000 Kunden jetzt hoch bis 14, 15 Millionen Kunden.
Okay, dieser Kunde heißt bei euch dann jemand, der einmal im Jahr was kauft, oder?
Am liebsten sind uns natürlich die Frequent Buyers. Das können, es kann Veranstaltungstechnik sein, das kann aber auch ein ein Profigitarrist sein, der mehrere Instrumente hat, ja, kann aber auch letztendlich eine Familie sein, die für die Tochter Digitalpiano kauft und die vielleicht nach 3 Jahren aufhört und dazwischen noch ein paar Noten kauft. Es kann alles sein, ne.
Aber okay, es gibt auch Leute, die nur einmal kaufen, dann weg sind, oder dann einmal und dann 3 Jahre nicht, oder so. Am Ende ist ja auch das, was ich schon mir bei dem Modell als komplex vorstelle, ist kauft ja die Sachen nicht so oft. Also eine Gitarre, wenn man die einmal hat, da hat man die ja für Jahre. Und dann kauft man vielleicht noch mal irgendwann neue Saiten oder einen neuen Koffer dazu. Aber du musst ja diesen Umsatz jetzt—
Ja, Philipp wird neugierig, aber dass du kein Gitarrist bist, weil Gitarre ist wirklich das einzige Instrument, wo man, wenn du eine E-Gitarre hast, wenn du in einer Band spielst, dann kaufst du dir eine Tele für den basicen Country-Sound zum Beispiel und kaufst du dir eine Strat. Dann kaufst du dir eine Les Paul, dann möchtest du vielleicht eine Westerngitarre haben, 6-saitig, dann nimmst du aber auch eine 12-saitige, und dann willst du für Blues eine kleine Gitarre haben, eine Triple O.
Aber trotzdem ist doch die Challenge, also ich verstehe schon, du sagst irgendwie, der Gitarrist, dann hat er eher 10 als 1, so ein bisschen wie der Fahrradsammler, aber trotzdem ist doch so, diese, sagen wir mal jetzt, fast 2 Milliarden Umsatz, die musst du jedes Jahr neu hinstellen. Also es ist jetzt nicht so, dass irgendwelche Repeat Customer automatisch kommen, dass du Abos hast, sondern das ist alles kein Toilettenpapier oder Joghurt, was du unbedingt brauchst, und auch keine Bank, wo die Zinsen jedes Jahr anfallen oder sowas. Alles irgendwie ja neu, neu wieder die Kunden anzuziehen und davon zu überzeugen, jetzt doch mal eine Gitarre zu kaufen und so, oder Zubehör, ne? Oder Zubehör. Wie viel Prozent ist Zubehör?
Auch wahngrobe unterschiedlich, würde jetzt mal tippen auf 6 bis 7%.
Okay. Ab und zu werde ich gefragt, wie denn unsere Homeoffice- oder Präsenz- Policy sei. Wir haben de facto bei OMR keine ganz einheitliche Policy für alle, aber jeder weiß, ich bin ganz großer Fan von Präsenzoffice und wir haben verschiedene Nespresso-Maschinen im Büro natürlich. Und ich bin wirklich überzeugt, Menschen kommen ins Büro, wenn es einem hier gut geht, und dazu trägt Nespresso bei. Es gibt immer wieder Gesprächsstoff an der Kaffeemaschine, vielleicht auch demnächst über den Kaffee selber. Es wird nämlich eine B2B Limited Edition geben von Pumpkin Spice, also Nespresso und dann die Sorte Pumpkin Spice, passend zum Herbst, zu Halloween. Wer die ganzen Vorzüge von Nespresso erleben möchte, der muss gar nicht unbedingt extra zu uns ins Büro kommen, sondern kann das auch in seinem eigenen Unternehmen erleben. Einfach die Vielfalt von Nespresso, Milchkaffee, Flavoured Coffee, Eiskaffee, alles könnt ihr auch haben. Ihr könnt Nespresso-Kaffee unverbindlich in eurem Unternehmen testen. Ihr bekommt für 3 Monate eine Nespresso Pro Maschine, kostenfrei ausgeliehen und müsst nur euren Wunschkaffee dazu kaufen. Zum Start gibt es außerdem kostenfrei eine Kaffee-Masterclass. Habe ich auch sehr genossen. Man kann da vor allen Dingen seine Lieblingskaffees entdecken und direkt bestellen. Das Ganze kann man ganz einfach starten bei uns über den Link in unseren Shownotes und die Kollegen und Kolleginnen von Nespresso melden sich direkt bei euch. Und sag mal, am Ende ist es ja so, dass ihr auch dafür legendär seid, nicht nur, dass ihr das ja hinzubekommen habt zu wachsen und so viel Handel zu betreiben, sondern auch gegen Amazon durchzuhalten, eine Kategorie sozusagen zu dominieren, in der Amazon auch unterwegs ist. Das gibt es ja eigentlich in fast keinem anderen Fall. Alle gucken zu euch, oder in der Branche weiß ich das, und sagen, okay, wie machen die das? Oder ihr seid so ein Referenzbeispiel dafür, wie man mit Amazon im Wettbewerb gewinnen kann. Wie ist denn deine Erklärung dafür? Also was ist denn so die Magic Sauce?
Naja, vor 4, 5 Jahren war das, hat Gibson probiert, mit Amazon Business zu machen, und Amazon ist USA für Musikinstrumente schon eine andere Nummer. Da sind die mittlerweile bei, bei 300 Millionen. Allerdings ist auch so, dass es außer Sweetwater keinen guten E-Commerce-Händler gibt, und der Wettbewerb ist natürlich extrem eingeschränkt, weil es diese Minimum-Advertising-Preise gibt, wo ich vorhin drüber gesprochen habe. Und überall kostet halt diese Gitarre $899. So, als gibt's glaub probiert hat, mit Amazon das Business hochzuziehen, für 2.000€ getan. Das hat komplett gefehlt, das hat nicht funktioniert. Wir wussten natürlich auch warum, weil es ist unglaublich spezifisch. Du willst die, der Gitarrist oder der Kunde will die Gitarre noch anders eingestellt haben, will die vielleicht gepleckt bekommen. Das ist die Maschine, die ich vorhin gezeigt habe, wo du die Bünde noch mal abrichten kannst und so weiter. Und dann willst du vielleicht auch 10, 15 verschiedene testen oder zur Auswahl haben. Und es ist halt kein Massenbusiness, ja. Insofern tut sich Amazon in unserem Bereich— darfst du nicht vergessen, die, der ganze Bereich Musikalienbereich, ja, das hört sich alles extrem hoch an, aber der wird ja geschätzt in Deutschland bei ungefähr 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Der ist ja mini klein. Ja, und Amazon greift natürlich schon das Business ab mit preiswerten Keyboards, preiswerte Klassikgitarren. Weil wenn du jetzt heute einfach mal eine 79-Euro-Gitarre brauchst, weil Kind vielleicht im Kindergarten oder sonst wo jetzt ein Instrument schnell lernen will oder soll, eine Blockflöte oder so, dann hast du natürlich auch Menschen, die sich zur Gartenschere und zum zu irgendwelchen Säften oder sonst was man bei Amazon noch kauft, jetzt die Gitarre mitbestellt. Ja, aber jetzt so ab einer gewissen Preislage, wo du gute Beratung brauchst und im Prinzip auch einen guten Service dazu, wird es dann für Amazon einfach schwierig. Es ist, ich meine, ich habe mal gelesen, Amazon hat so 500 Millionen SKUs mit all den digitalen Downloads und so weiter.
Also 500 Millionen verschiedene Produkte.
Ja, das ist natürlich schon viel. Und weißt du, wir haben Produkte, die verkaufen wir selbst nur einmal oder zweimal im Jahr, werden produziert von kleinen Manufakturen, die vielleicht 4, 5 Jahre Lieferzeit haben. Das ist halt unser Business.
Das heißt, die Sachen wie Amazon in dem Hochpreissegment haben die es schwer, weil so der Service—
Werden die auch gar nicht mehr anfassen. Haben die probiert, hat nicht funktioniert.
Am Ende ist es ja alles, was du sagst, so ein bisschen zusammengefasst: Das Service-Level, den man bieten muss da, den wollen die nicht erbringen, und den können die so nicht erbringen. Also im Sinne von, das dann zu stimmen, Zusatzleistungen zu erbringen, zu beraten, all das ist das, was euch sozusagen separiert.
Absolut, absolut. Und Amazon, coole Company, Benchmark für Logistik, überhaupt keine Frage. Vor allem mit den, mit den, mit der Logistik, die natürlich auch am Sonntag arbeitet in Tschechien und Polen. Machen wir nicht, können wir nicht, wollen wir nicht. Das heißt, wenn du bei uns Samstagabend bestellst, außer jetzt ab 2. November sind wir in den Dreischichtmodus gegangen, wo wir dann auch Sonntag ab 22 Uhr arbeiten dürfen, dann schon. Aber normalerweise, wenn du jetzt bei uns um, keine Ahnung, Samstagabend bestellst, dann werden wir den Auftrag nicht vor Montag früh bearbeiten.
Und würdest du dir wünschen, dass das regulatorisch anders wäre, oder sagst du, das ist einfach so, damit kann ich jetzt leben?
Oder damit kann ich leben? Ja, also Same-Day-Delivery ist für unsere Branche, hat nicht den Stellenwert vielleicht wie bei Lebensmitteln.
Aber hat Amazon schon mal bei dir angerufen und gesagt, irgendwie, Mensch Hans, lass doch mal reden, wir bieten dir eine große Summe und dann gibst du uns das?
Amazon nicht, oder wir hatten eine 15 Jahre her, würde ich mal sagen, war Gitarrensender bei mir.
Gitarrensender?
Und haben mir 120 Millionen geboten.
Ja, okay.
Aber hey, ja, das, ja, du, das war natürlich, da hatte ich auch vielleicht mal 100 oder 150 Millionen Umsatz. Das war echt schon lange her, aber da waren wir natürlich auch die Nummer 1.
Und hast du gleich drüber nachgedacht?
Nein, also Und es war wirklich gut so, weil da waren die damals an der Börse und dann sind die von Investoren rausgekauft worden. Und seitdem, die hatten jetzt von, von den Jahrzeiten, jetzt geht es ihm wieder relativ schlecht. Und was von Investoren übernommen worden, dann hatten die Bonds, dann hatten die Rückzahlungen und Zinsen mit 12% und halt komplett diese 2,1 Milliarden finanziert. Ja, und ich meine, da muss nicht Betriebswirtschaft studiert haben, damit du weißt, dass es nicht gehen kann, ja. Noch Management-Fee rausgezogen worden, und 12% Marge erzielst du einfach nicht in unserer Branche. Es geht vielleicht bei Softwareunternehmen oder Business, was du unglaublich skalieren kannst, ja, mit wenig Manpower und hohen Margen, aber das geht halt nicht, ja. Und insofern haben die halt jedes Jahr Minus gemacht, ne.
Und dann, okay, aber trotzdem hatten sie dir ein Angebot gemacht, oder das hast du dann sofort irgendwie Aber ansonsten nehme ich mal an, kommen doch schon ab und zu mal Leute vorbei und sagen, was eine geile Firma.
Ja, ich meine, Investoren haben natürlich, oder so MAs, ständig angeklopft, ne? Oder, oder dann auch irgendwelche Typen, die meinen, du musst jetzt an der, an die Börse gehen und so weiter. Das war auch so meine Journey, als ich dann für mich, also wir haben ein Kind verloren, ja, und das wird 32 Jahre alt, und wäre natürlich innerhalb der Familie Nachfolger gewesen. Und jetzt habe ich dennoch 10 Familienmitglieder bei mir in der Firma, Geschwister, Neffen, Großneffen und so weiter. Und ich bin sehr, sehr zuversichtlich, auch mit meinem COO, mit Markus Nese, mein Neffen, dass nächste Generation und übernächste Generation gut weitergeht, mit einer guten DNA und guten Werten. Aber Investoren will ich hier nicht haben. Und es war für mich auch der Hauptgrund letztendlich, meine Firma jetzt in eine Doppelstiftung zu bringen, wo ich übrigens dann auch als Begünstigte meine Mitarbeiter mit drin haben kann.
Und weil du einfach sagst, die machen dir das Unternehmen am Ende kaputt.
Naja, es gibt ja genügend Negativbeispiele, zumindest vor allem auch in unserer Branche, ne, wo es halt nur noch all about money geht und wo dann mehr Controller rumlaufen als vielleicht Verkäufer. Und du hattest ja das Vergnügen, mit mir jetzt mal 2 Stunden durch die Firma zu gehen, und die haben alle Spaß.
Und du kennst sie alle?
Ja, und die meisten sind auch am richtigen Platz, ja, nicht überfordert, unterfordert. Und ich bin einfach der Überzeugung, zum einen sind wir alle länger auf der Arbeit wie vielleicht zu Hause, und zum anderen Wenn du Höchstleistung bringen willst, dann muss das einfach Spaß machen und es muss vom Herzen kommen und es muss leicht gehen.
Aber schon wirklich auffällig, also dass du hier jetzt gefühlt von den— wie viele Leute sind hier am Standort? 1000 oder so?
Naja, mit den 2 Schichten. Normalerweise sind 750, 800 in der Logistik. Jetzt ist die Logistik aufgeteilt auf 3 Schichten, sind noch ein paar Zeitarbeiter hier, aber So fest am Krambus sind wir so um die 1800.
Also, und dann läuft man hier rum und dann hat man das Gefühl, du kennst davon, weiß ich nicht, jeden zweiten zumindest mit Namen, weißt, was die machen, hast einen Hintergrund. Also war ich ganz überrascht, du bist da schon extrem tief drin hier.
So ist es.
Was kann man denn erreichen mit so einer Firma? Also hast du dir da jemals Gedanken drüber gemacht, dass alles mehr so spielerisch passiert, oder hast du so Pläne?
Du, es hat sich immer weiterentwickelt, ja, es Es gibt natürlich auch heute noch Opportunities, wo wir drüber nachdenken, was passt noch gut dazu, wo wollen wir in 3, 4, 5 Jahren stehen, wo wird Digitalisierung hingehen, wo können wir natürlich künstliche Intelligenz einsetzen. Und für mich war es die letzten Jahre einfach so wichtig, in Management zu investieren, weil ich hatte bis vor 3 Jahren, bevor ich mein C-Level aufgebaut hatte, hatte ich 65 Direktreports. Und wirklich ein 16-, 18-Stunden-Tag und auch mal schlechter geschlafen. Und du kannst dir vorstellen, und jeder Unternehmer, der eine Firma hat, egal wie groß, gibt es immer mal Stress mit Lieferanten oder mit Kunden oder mit Mitarbeitern, ja. Und das muss man eben ja auch verarbeiten, ne.
Aber das heißt, du machst jetzt nicht so eine Zielplanung nach dem Motto, ich will jetzt irgendwie bei 5 Milliarden Euro Umsatz sein im Jahr 2030 oder sowas.
Das mache ich nicht. Und ich bewundere natürlich all die Manager, die das immer so ganz genau wissen, und meine Banker, die mir dann sagen, wo wahrscheinlich oder ziemlich genau, wo der Dollar stehen wird im März oder im April. Und versuche im Hier und Jetzt zu leben, ja. Und wenn es gute Chancen gibt, dann ergreifen wir die.
Aber sag mal so, Fremdfinanzierung ist schon jetzt mittlerweile ein Thema. Du hast ja am Anfang erzählt, dass diese 2 Millionen damals dir nicht geliehen wurden. Heute leihst du dir schon Geld von Banken, um das—
Nein, wir sind ohne Fremdfinanzierung, mit einer sehr hohen Eigenkapitalquote, liegt sehr hoch, kannst ja auch mal nachlesen. Und ehrlich gesagt bin ich auch stolz drauf. Für mich war immer wichtig, einfach unabhängig zu sein, unabhängig vom denken, auch mal unabhängig von Lieferanten, ja, so weit wie es geht.
Und, und wie ist es denn mit den Lieferanten? Also ich meine, wie sehen die dich denn? Ich meine, du bist ja wahrscheinlich der größte Abnehmer, deren größter Kunde, von wahrscheinlich den meisten Musikinstrumentenherstellern auf der Welt. Das heißt, wenn was du sagst, hat das schon sehr, sehr viel Gewicht, oder die gucken ja wahrscheinlich schon genau hin.
Ja, ich glaube, ich bin für viele Fluch und Segen zugleich, ja. Lachendes und weinendes Auge. Das, das Lachende ist natürlich, dass sie easy Umsätze mit uns machen, nichts finanzieren müssen, immer das Geld gleich bekommen, dass sie letztendlich wenig Service machen müssen, dass wir eine unglaublich starke Marketingmaschine dahinter haben mit über 30 Content-Webseiten, aber natürlich auch die Marktmacht sehr hoch ist, ja, und man sich dann doch von wenigen Großen abhängig macht und natürlich dann die Frage gestellt wird, hat so ein Vertrieb noch eine Daseinsberechtigung? Und ich finde es sehr, sehr schade, dass viele kleine Händler zumachen müssen, vor allem wegen Nachfolgethema auch. Und ich kenne Läden, die unglaublich leidenschaftlich beraten und auch einen guten Job machen, jetzt natürlich das Problem haben, dass sie nicht mehr an alle Brands kommen, ja, vielleicht auch Finanzierungsprobleme, Nachfolgeprobleme. Und also im Moment kannst du davon ausgehen, dass ein Einzelhandel, ein Einzelhandelsladen fast die Woche zumacht bei uns.
Aber am Ende heißt dann halt für Firmen wie Fender, oder gibt es nur diese ganzen Hersteller, die machen dann schon im Schnitt irgendwie mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit dir?
Kommt auf die Warengruppe an. Ja, es gibt wirklich Lieferanten, mit denen wir in Deutschland 60, 70% des Umsatzes machen. Gibt natürlich Warengruppen wie Noten oder Klaviere, wo wir einen sehr kleinen Anteil haben, aber an verschiedenen Brands, nicht Gesamtwarengruppen, haben wir schon sehr hohen Anteil.
Und bist du da dann immer auch fair zu denen oder nutzt du das manchmal aus?
Wir nutzen, also wir sind unserer Marktmacht schon bewusst, müssen hart kalkulieren, ja, und aber sind immer fair. Also, und ich glaube, was ganz wichtig ist, letztendlich immer zu trennen, das eine ist der Mensch und das andere ist die Sache, ja. Und, aber die Musik, habe ich mal gelernt, im Handel spielt am Einkauf. Ja, das ist so, aber es ist nicht so, dass wir jetzt bei Yamaha und bei den wichtigen Brands einfach 10, 15% oder 6, 7% günstiger einkaufen als letztendlich ein kleinerer Händler. Man möchte natürlich schon die Vielfalt des Handels erhalten, was, was auch völlig in Ordnung ist. Aber dennoch bin ich überzeugt, dass viele von unseren Lieferanten schon wissen, was sie an uns haben, wir fair mit ihnen umgehen und natürlich mit der Riesen-Marketingmaschine, die wir haben, natürlich auch Mehrwert generieren.
Darüber wollte ich mit dir sprechen. Also Marketing haben wir noch gar nicht so viel zu gesagt, aber dafür seid ihr auch bekannt, dass ihr sehr, sehr cleveres Marketing macht. Also nicht so sehr dass ihr jetzt irgendwelche größeren Sponsorships oder viel Paid macht, sondern ihr macht sehr, sehr viel so, man würde das sagen, so Owned Marketing. Also ihr habt halt Content-Webseiten, hast du gerade schon beschrieben, ihr habt eine sozusagen, auf euren Seiten wird sehr viel bewertet von Nutzern, es gibt eine sehr, sehr aktive Community rund um Thomann herum, die ihr so auch ein bisschen so anfüttert. Beschreibt das mal.
Ja, zum einen haben wir fast 100 Social-Kanäle, die wir bespielen, ich glaube 98 sind es derzeit. Und vielleicht muss ich noch ein bisschen weiter oben anfangen, weil 98% der Menschen hören gerne Musik. So, dann gibt es natürlich Statistiken, die sagen, naja, eigentlich machen ja 25% Musik. Aber das ist natürlich Blödsinn, weil in dieser Statistik sind all die drin, die irgendwann mal als 7-Jähriger eine Blockflöte auch gespielt haben. So, und wenn du es runterbringst, bist du nur noch bei 6, 7%.
Mit Menschen, die Musik machen. Ja, ja.
Und sehr früh, das war die Idee auch vom Sven, haben wir die Content-Webseiten generiert. Das sind mittlerweile über 30. Also wir haben vor 6, 7 Jahren Audiofanzine dazu gekauft. Das sind mehrere Webseiten in Französisch-Content-Webseiten mit mehreren Bereichen. Dann haben wir jetzt vor 2, 3 Monaten 2 italienische eröffnet. Wir haben zum 1. November eine schwedische Website, Content-Webseiten dazu gekauft. Und im Prinzip war halt die Idee, zum einen den Kunden, den Musikern sehr guten Content zu generieren und zu geben, abrufbar. 24/7 statt ein Magazin. Man muss sich ja vorstellen, vor 20 Jahren, als das Ganze begonnen hat, waren ja Magazine sehr dominant. Ja, und du hast ein Produkt geschickt, da ist ein Test gemacht worden, den Test durftest du dann auch querlesen. Und wir wollten eigentlich mit den Magazinen damals letztendlich eine Kooperation haben und haben die auch alle gefragt, hey, würdest du denn mit uns das Ganze auch im Internet machen, weil wir glauben, dass in einigen Jahren halt Print weniger wird und die Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit Testberichte, Reviews und so weiter lesen möchten. Ja, und so ist das Ganze entstanden. Und die ganzen Magazine haben gesagt, ja, aber ist nicht unser Businesskonzept, wir wollen eine Seite verkaufen für 4.000, 5.000, 6.000€. Ja, und dafür gibt's halt auch mal einen Test. Und das haben wir dann hochgezogen mit einer GmbH, die heißt Remise 3, mit dem Hansi Diepgen, der im Prinzip auch den ganzen Medienbereich mittlerweile unter sich hat. Und somit sind wir in unserer Branche weltweit mit all den Content-Webseiten, kopfhörer.de, Gear News, Seiten für DJs, Seiten für Bonedo, Amazon und so weiter, der größte Medienhaus noch geworden, zwar mit eigenen GmbHs und völlig unabhängig, aber die halt unter unserem Dach mit sind. Und Idee war halt zum einen, guten Content zu geben, echten Content, ja, wo man auch mal sagt, hey, das Produkt ist halt doch nicht so gut, weil in den Magazinen durftest du halt als Lieferant immer querlesen und verbessern. Und deshalb haben wir natürlich auch die ersten Jahre überhaupt keine Unterstützung von der Industrie bekommen. Und das Zweite war natürlich letztendlich unabhängiger zu werden, Amazon nicht zum Vermarkten zu brauchen und natürlich auch ein bisschen unabhängiger zu werden von Google. Wobei Google natürlich schon einen Großteil des Werbebudgets bekommen. Das sind halt immer noch 25 Millionen. Die halt auch von unserer Branche erstmal weg sind. Die kann ich ja nicht mehr.
Und die, also das heißt, jedes Jahr schiebst du 25 Millionen bei Google rein? Oh wow. Und aber das, aber das ist, es wäre noch mehr, wenn du nicht diese ganzen Content-Portale hättest. Und wie machst du das dann?
Und natürlich noch mehr abhängig, weil es kann heute Nachmittag passieren, dass wir wieder ein Ticket bekommen für irgendein Land, ja, oder für irgendeine Sache, wo halt dann auch Google sagt, hey, wenn du das und das in der Zeit und nicht abstellst, dann bist du halt auch draußen, ne.
Aber ist es denn, also wie funktioniert das genau, diese Journey? Also du hast diese ganzen Content-Webseiten, wo vor allen Dingen auch Instrumente bewertet werden, getestet werden von echten Nutzern und Musikern, von unabhängigen Musikern. Genau. Und dann sehen die das irgendwie, da Thomann-Werbung drauf ist, und gehen dann von da zu eurem Shop?
Genau. Also sind doch so an die, an die 30 Millionen im Monat, die, die, die rüberwechseln, ja, und damit auch viel, viel Business generieren. Also die direkt rüberschiebt, ja, sozusagen irgendwie gibt's ein Link oder das Produkt wird getestet und dann siehst natürlich auch Kaufbutton und so weiter. Und das ist, das war am Anfang hart, weil keine Unterstützung da war und es ausschließlich von uns finanziert worden ist. Aber ich kann das kann es sicherlich der einen oder anderen Branche außerhalb unseres Kosmos auch empfehlen, letztendlich da eigene Content-Seiten aufzubauen, ja, weil du kannst natürlich dann auch deine Eigenprodukte noch gut mit reinmixen. Und Glaubwürdigkeit ist natürlich das A und das O, ja. Da wird, da gibt es auch den, gab es auch den ein oder anderen Lieferanten, der gemeint hat, der hat da über uns dann irgendwelchen Einfluss, und da geht gar nichts.
Und ist das mittlerweile der größte Traffic-Kanal für euch, eure eigene Website, oder ist nach wie vor Google noch größer?
Es ist eine Mischung, wo, also wir messen das Ganze natürlich, und es gibt Dashboards und so weiter. Es verschiebt sich. Ziel ist natürlich schon, dass wir darüber den größten Traffic bekommen, aber wir experimentieren auch rum. Ja, z.B. Thomann USA hat jetzt seit ein paar Wochen TikTok Sales, Am Start. Wir werden jetzt die nächsten Tage auch mal eine Auswertung fahren, weil es war ja bisher erstmal nur in USA möglich, und schauen mal, was daraus kommt. Und aber noch mal zu deiner Frage zurückzukommen, für Revenue-Generierung ist natürlich schon für uns Google ein wichtiges Thema. Was ganz natürlich wichtig ist, sind hier die ganzen Influencers, auch hier in den— also wir haben Leute, Gitarristen, die einfach 2, 3 Millionen Follower haben, und die auch mal posten, dass die bei euch kaufen, oder die letztendlich halt mal hier waren und Produkte.
Aber ich finde, generell arbeitet ihr nicht so viel mit Stars zusammen. Also wenn man hier so rumläuft, dann habe ich ja bestimmt es ist jetzt im Laden irgendwelche großen Plakate, wo dann Stars sagen, dass sie bei euch einkaufen oder wo sie eure Produkte dann auch nutzen oder so was. Das finde ich, also dieses Testimonialartige, dieses mit Prominenten zu arbeiten, das macht ja ein bisschen—
Mal ehrlich, ich meine, wenn ich heute einen Gitarristen oder Musiker habe, der top bekannt ist, und haben wir wirklich einige, der ist doch auch frei, woanders einzukaufen. Kann doch nicht sagen, der ist jetzt mein Kunde. Und bei den Gitarristen ist es so, Harley Benton ist ein cooler Brand und hat sich super entwickelt von der Qualität und von der Marke, von allem. Aber heute, wenn du Profigitarrist bist, dann spielst du halt eine Gibson oder eine Fender. Hast vielleicht eine 7-saitige Harley Benton noch oder eine Resonador oder eine—
Wie groß sind denn diese Firmen? Also Fender und Gibson? Sind das auch alles Milliardenfirmen, oder wie groß sind solche Gitarrenhersteller?
Nein, also bei uns in der Branche weltweit hast du ganz wenige, die mehr als eine Milliarde machen. Das ist eigentlich fast nur Yamaha. Der Rest liegt alles unter einer Milliarde.
Okay, okay. Was ist denn jetzt für euch ein großer Markt? Also du hast gerade erzählt, USA macht jetzt TikTok. Ist denn Deutschland—
Also wir machen ja 65% Export, 35%, 34% ist Deutschland. Ja, und dann ist unser zweitwichtigster Markt Frankreich. Frankreich machen wir ungefähr 15% des Umsatzes dieses Jahr, leider mit ganz kleinem oder fast keinem Wachstum. Deutschland dieses Jahr so um die 3-4%. Gesamt werden wir dieses Jahr 5% wachsen. Und dann hast du 3 Länder, die immer fast gleich liegen. Das ist Italien, UK und Österreich. Und dieses Jahr ist UK wieder vorne, danach kommt Italien. Aber wir hatten in Italien dieses Jahr super Wachstum und vor allem Polen auch. Polen mit 80%. Polen hat 40 Millionen Einwohner und auch Potenzial mit guten Musikern. Und unser Ziel ist natürlich noch mehr. Wir decken hier alle Sprachen ab, 18 Sprachen.
Retouren gibt es bei euch jetzt auch nicht so viele, wie man das aus dem klassischen E-Commerce kennt. Also ich hatte das mir mal gesagt, die Retourenquote ist vergleichsweise relativ niedrig, ne?
Wir sind seit Jahren unter 10%, aber wir betreiben auch einen ziemlichen Aufwand, dass wir nicht unter 10% sind. Also die Webseite ist super cool, das heißt, du hast Soundbeispiele, du hast Videos, Du hast einen Rich Content, der dir erklärt, wieso klingt eine Zederndecke anders wie eine aus Fichte, und ist auch ziemlich genau. Dann, was vor 20 Jahren oder 30 Jahren eine ganz wichtige Entscheidung war, den Produkttest als Enduser kannst du nur geben oder machen, wenn du eine E-Mail dazu bekommst und auch zertifiziert wirst, da was dazu zu schreiben, sonst kannst du nichts schreiben. Das heißt, nach 30 Tagen bekommst du halt eine E-Mail und wirst gebeten, ein Statement dazu zu geben. Und ich sehe teilweise bei Amazon oder auch bei Temu, wenn du auf verschiedenen Portalen bist, und ich sehe ein chinesisches Produkt mit 4000 Bewertungen und 4000 mal 5 Sterne, kann ja was nicht stimmen, ne.
Bekannter Partner bei uns: eGym Wellpass. In ganz vielen Gesprächen hier im OMR Podcast bekomme ich das Gefühl, dass sich sehr viele Firmen Gedanken machen, wie sie gute Leute finden. Aber was ja genauso wichtig ist: Wie hält man die guten Leute eigentlich? Und da spielt mittlerweile Gesundheit eine wirklich große, große Rolle. Ich habe eine Zahl gesehen, die hängen geblieben ist, und zwar 88% der Angestellten sorgen sich, dass ihre aktuellen Arbeitsbedingungen langfristig ihre Gesundheit beeinflussen. Viele Firmen kommen dann mit einem One-Fits-All-Fitnessangebot um die Ecke, aber das reicht natürlich nicht, um alle Angestellten sinnvoll anzusprechen, denn die Bedürfnisse sind häufig sehr, sehr unterschiedlich. Die einen gehen lieber ins Gym, die anderen wollen Yoga machen, andere wollen lieber schwimmen, klettern oder einfach einen Ausgleich zum Arbeitsalltag haben. Und genau hier kommt unser Partner Wellpass ins Spiel. Das Firmenfitnessangebot von eGym ermöglicht den Zugang zu verschiedensten Bewegungsformen, egal ob Paddel, Yoga, Massagen oder, oder, oder. Das zeigt mir auch gleichzeitig schon, dass betriebliches Gesundheitsmanagement dann am besten funktioniert, wenn es strategisch gedacht wird und nicht einfach mit dem Gießkannenprinzip. Wie so ein moderner BGM-Ansatz, also betrieblicher Gesundheitsmanagement-Ansatz, aussehen könnte und wie Unternehmen dabei sinnvoll Wellpass integrieren könnten, damit es wirklich Wirkung erzeugt, das zeigt das neue Paper BGM Matchplan 2026. Und genau das kann man kostenlos, ihr habt es schon geahnt, runterladen. Den Link dazu gibt es bei uns im Linktree in den Shownotes. Verkauft ihr irgendwas über Amazon?
Amazon?
Ja.
Nein, gar nichts.
Auch deine eigenen Produkte nicht?
Nein, nein, wird auch nicht passieren. Allerdings hatten wir vom Anfang an, als Amazon Payment gestartet hat, haben wir auch Amazon Payment mit reingenommen, weil es halt der einzige Zahlungsanbieter war, der was mit Mobile Devices funktioniert hat damals.
Macht ihr denn euren Shop zum Beispiel und so das alles selber, oder habt ihr da jetzt irgendwie einen, weiß nicht, ein SAP oder irgendeine Lösung?
Wir machen, wir haben unglaublich hohe Wertschöpfung bei uns im Haus, und vom Dr. Christian Maas wird der digitale Bereich geleitet. Ja, es gibt einen Geschäftsführer in Berlin, unsere Thomann.io sitzt. Thomann.io dürften so 80, 90 Programmierer sein, die sich um die Thomann-Webseite kümmern. Ja, es ist auch von uns programmiert worden damals, von Sven. Das Team besteht aus, bzw. Thomann.io besteht aus 6 verschiedenen Teams, Teams. Zusätzlich gibt es dann natürlich noch die Datenanalysten, die wieder sehr stark mit den Marketingleuten zusammenarbeiten. Und das ist also Wertschöpfung bei uns: Logistik, Retourenmanagement, alle Reparaturen, Digitalisierung wird alles bei uns im Haus gemacht, auch die ganzen internen Schulungen, ohne Fremdsystem sozusagen. Ja, wir haben HR-System von Rex, wir haben natürlich Finanzbuchhaltung gekauft im Handel, also die Plattform selber, die, die Shop-Plattform, das ist alles selber, ja, komplett selber. Und, und Fluch und Segen zugleich, ja, weil ich hin und wieder natürlich mehr Speed, mehr Geschwindigkeit haben möchte, oder, oder es dauert, es dauert halt so lange, wie es dauert, sagt Christian immer. Aber dafür haben wir auch selber alles in der Hand. Und ich würde es auch wieder so machen und so entscheiden.
Machst du denn den Laden jetzt, bist du 62 noch, wenn du 80 bist, machst du das dann auch noch hier so? Also ist das jetzt die nächsten 20 Jahre dein Leben?
Nein, ich glaube nicht, dass ich mit 80 das noch machen kann, weil ich meine, als ich viel jünger war, konnte ich viel, viel mehr noch arbeiten. Ja, dann waren es eher 16, 18 Stunden. Jetzt sind die Batterien schon mal leer nach 10 oder 12.
Okay.
Und irgendwann muss man es auch, weißt du, als ich mich mit meinem 45. Lebensjahr, habe ich mich mit Nachfolge beschäftigt, ja, und da hatte ich nur im Kopf, wo geht das ganze Kapital hin? Und dann hatte ich meine gemeinnützige Stiftung gegründet und irgendwann nach 4, 5 Jahren habe ich da mal den Prozess auch durchgespielt. Okay, was ist, wenn ich morgen tot bin? Ja, dann geht halt das Kapital zu einer gemeinnützigen Stiftung, aber wie ist es dann mit Management und so weiter? Und dann habe ich für mich lernen müssen oder gelernt, ich sehe 3 Säulen. Das eine, das bin ich, loslassen. Jetzt auch nach 3 Jahren, wo ich mein C-Level aufgebaut habe, ich weiß, ich bin Logistik in verschiedenen Themen sehr, sehr stark drin. Natürlich habe ich mit meinem C-Level regelmäßig Meetings, wir tauschen uns aus, ist sehr respektvoll, sehr offen. Ich würde sagen, passt auch kein Blatt Papier, ja. Wir gehen da sehr gut miteinander um, und da ist natürlich schon meine Meinung auch noch gefragt und meine Erfahrung. Aber ehrlich gesagt, mit 80 glaube ich nicht, dass ich noch die Power habe und den Wissen, Und aber die 3 Säulen waren selber dann loszulassen, ja, und auch mal Leute Erfahrungen machen zu lassen, auch wenn du weißt, die machen es jetzt falsch. Das Zweite ist Management aufzubauen, dass man dann auch raus kann. Es kann ja auch mal einen Faulfall geben, ja, Autounfall, Flugzeugabsturz oder sonst was. Oder hey, du hast einen Schlaganfall, du hast einen Herzinfarkt, du bist noch da oder bist nicht behandlungsfähig. Und wenn du so eine Firma hast oder so viele Firmen, dann kann ich jedem nur empfehlen, früh genug um die Nachfolge zu kümmern, weil das sind wirklich 4, 5, 6 Jahre, sind gar nichts. Ja, und, und ich habe auch den Wunsch, letztendlich so zu, zu einem, zu einem, wenn ich jetzt CEO habe, ja, den auch noch zu begleiten Ja, ich glaube, es gibt nichts Schlimmeres, wie auch für, für mich, ja, von heute auf morgen komplett aufhören zu müssen, sondern ich habe noch genügend Firmen und ich habe natürlich dann auch meine Stiftung. Im Moment bin ich ja Geschäftsführer der GmbH und einziger Vorstand der Stiftung, auch kann beides managen. Ja, und das Dritte war letztendlich natürlich zu schauen, wo geht denn das Kapital hin. Weil ich meine, leider haben wir natürlich jetzt auch nicht als Unternehmer mehr die Planungssicherheit, was Regierung angeht. Ja, ich meine, die Grünen denken nach über 25% Schenkung und Schenkungssteuer, 25%, ja, CDU/CSU über 10%. Und das natürlich für eine Kompanie oder für Mittelständler, wenn du dein Kapital fast nur firmengebunden hast, tödlich. Also ich meine, wir sind finanziell gut aufgestellt, ja, aber jetzt mal 160, 170 Millionen einfach mal so an Erbschaftssteuer aus der Kasse zu nehmen, das ist Wahnsinn, ja. Und ich glaube, das geht auch kleineren Mittelständlern so, wo Firmenwert vielleicht von 20, 30 Millionen da ist und dann vielleicht 6 oder 7 Millionen oder neue Pläne CDU/CSU, 2 oder 3 Millionen rauszunehmen. Es ist ja wirklich, vor allem im Mittelstand, meistens ist das Kapital gebunden in den Firmen, bei mir auch.
Wer hat dich denn eigentlich gecoacht oder inspiriert, oder hat dir da irgendjemand auf dem Weg massiv geholfen? Ich meine, das ist ja schon jetzt eine unfassbare Geschichte, wie man sie nicht so oft hat, selbst in Deutschland nicht. Und wo sonst, wenn nicht in Deutschland oder in USA, in den großen Wirtschaftsländern, dass jemand wie du, der hier anfängt mit 15 Leuten, jetzt auf einmal so ein Milliardending hingebaut hat.
Also ich muss ehrlich sagen, Wirtschaft hat mich immer super interessiert da, und ich bin auf Seminare gegangen, viel gelesen, gelernt Bilanzen zu lesen und so weiter.
Und es gab keine Person oder nicht irgendwie jemanden, wo du sagst, Mensch, aus auch jemand, dessen, weiß ich nicht, Biografie dich inspiriert hat oder irgendwie sowas in der Art, oder wo du sagst, da habe ich mir viel abgeguckt, oder Na, nicht so direkt, aber ich hatte schon in unserer Branche auch Heroes, ja, wie zum Beispiel Musik Produktiv.
Als ich so 15, 16 war, dachte ich, Wahnsinn, Casebau, Boxenbau, Importe aus Taiwan, das Handbuch, den dicken Katalog, ja, und, und Riesenladen und dann Niederlassung oder noch einen zusätzlichen Laden in England und USA und High-End-Abteilung für Rundfunk. Und so weiter. Und danach Franchise oder sehr oft nach New York geflogen und dort Gitarren gekauft und einfach immer gelernt von den Burschen.
Wie viele Instrumente kannst du spielen?
Viel zu wenig. Also wir Kinder haben alle Holz- und Blasinstrumente gelernt. Und als ich 6 Jahre alt war, wollte natürlich mein Vater auch, dass ich Trompete spiele. Aber irgendwie Trompete brauchst du viel Kraft und Ansatz, kleines Mundstück. Und dann habe ich Tenor und Bariton gespielt, auch lange im Musikverein. Wir haben dann auch Wedungsspiele gespielt, Höchststufe. Dann hat man ein Ensemble, das war so in die Richtung Canadian Brass, da habe ich dann Tuba gespielt. Und so mit 17, 18 habe ich dann Klavier angefangen und Schlagzeugunterricht habe ich morgen Abend wieder. Ist ein Instrument, was mich auch fasziniert, ja, wo ich relativ schnell aus dem Kopf rauskomme und auch mal ins Schwitzen komme und immer noch die versuche, meine Gehirnhälften zu entkoppeln, weil du natürlich zwei Füße hast und zwei Hände und mit denen kannst du natürlich komplett was anderes machen.
Aber wir reden jetzt schon, wenn ich so aufzähle, irgendwie weiß ich nicht, 10, 12 Instrumente kannst du locker spielen.
Wir haben viele Workshops hier und da haben wir auch viele Mega-Musiker hier. Und wenn du die Jungs so hörst oder wenn ich Stipendien vergebe, dann— Barinon habe ich sehr gut gespielt, der Rest ist echt Hobby. Und es ist immer die Frage, welchen Anspruch du hast.
An wen vergibst du denn Stipendien?
Stipendien vergebe ich immer an Hochschulen für Musik. Mittlerweile sind es 16, 17. Nürnberg, in Würzburg, in Hamburg, in Detmold, in Dresden, in Berlin, in Leipzig. Und da werden immer 2 bis 4 Stipendien vergeben, Deutschlandstipendien für Studentenhochschulen für Musik.
Das heißt, du bezahlst dann deren Studiengebühren und deren Unterricht?
Ja, genau. Also das ist ganz cool, das sind nur 1.800 Euro und der Staat gibt dann auch noch mal 1.800 100 € dazu, und das hilft natürlich viel. Und die spielen dann auch hin und wieder vor, und da sind natürlich alles Hochbegabte.
Auch Kirchen und so kaufen ja bei dir ein, habe ich mitbekommen, so Kirchenorgeln und so. Da bist du einer der größten.
Sakralorgeln, ja, wobei wir keine Pfeifenorgeln machen. Also Sakralorgeln ist eher der Markt für Leute, jetzt Kirchenorgel studieren, oder letztendlich für kleinere Kirchen, aber das kleine Segment. Ist vielleicht eine Million oder so, eineinhalb Millionen.
Gibt's denn nicht noch irgendwelche anderen prominenten Käufer oder Kunden? Also kenne ich Künstler, die bei dir, die hier kaufen?
Kennst bestimmt, ja, kennst bestimmt einige. Also ich würde mal sagen, dass wir DJs von den großen europäischen Bands 60, 70% betreuen.
Und, also eine Coldplay kauft ihr ein?
Vielleicht haben sie was hier gekauft.
Weiß nicht, aber Westernhagen, keine Ahnung, wer Westernhagen, sicherlich der ein oder andere Backgroundmusiker.
Und ja, ich meine, du siehst dann schon mal hier im Laden auch Tote Hosen oder Helge Schneider, oder die kommen hierher und gucken sich alle Sachen hier an. Ja, ich meine, die haben natürlich, die sind hier abgeschirmt, ja, die können einen Tag hier in Ruhe verbringen, ohne dass irgendwelche Fotografen sind, und wir behandeln die auch als normale Kunden, als normale Musiker. Ja, wir gehen denen auf den Sack, auf Deutsch gesagt. Ich glaube, die genießen es dann auch mal, hier ihre Ruhe zu haben und, und sich in Ruhe umschauen zu können.
Ich habe gelesen, ihr habt doch mal so diese— du hast gerade von den Preisen— ihr macht auch technisch schon sehr viel, ne? Also auch so Price Tracking und all solche Sachen, da seid ihr schon ziemlich advanced, ne? Also das muss man auch am Ende— ist, also wir haben jetzt ja viel über berühmte Kundenspanner.
Aber ich glaube, so eine Preissuchmaschine und so weiter haben wir natürlich schon seit, seit über 20 Jahren, ja. Aber was wir im Gegensatz zu anderen machen, ist, wir haben keine automatische Preisänderung, sondern wir schauen uns das schon mit Bedacht an. Was ist es für, für Kollege, für Mitbewerber? Hat er auch wirklich Verfügbarkeit? Hat er offiziell die Vertretung? Oder hat jetzt irgendwo mal vielleicht 2 oder 3 Martingale dann grau gekauft oder sich besorgt. Ja, ist es Ware, die vielleicht seit 5 Jahren im Laden rumhängt und man will sich davon trennen? Das machen wir schon sehr bedacht.
Aber also bei all dem, was du jetzt gerade besprochen hast, ist am Ende Preis, das will ich noch einmal verstehen, auch schon am Ende ein wichtiger Punkt. Also ohne eine Preis.
Gerade in der heutigen Zeit, so die letzten, letzte halbe Jahr, ja, und jetzt auch zur Cyber Week hat man gemerkt, dass der Preis schon wieder sehr wichtig ist und viel wichtiger ist wie vor einem Jahr oder 2 Jahren. Da gab es auch eher das Thema Verfügbarkeit und, und, aber im Moment schauen die Leute schon wieder verstärkt auf den Geldbeutel. Also Über Preis brauchen wir nicht diskutieren, der muss stimmen, überhaupt keine Frage, ja. Und wir wollen auch unsere Preisführerschaft beibehalten.
Und wenn jetzt aber das Wachstum, was du gerade beschrieben hast, die 5% dieses Jahr, die kommen dann eher aus international, ne?
Ja, Deutschland um die 3, und einige Länder performen extrem gut. Und ich muss dir aber ehrlich sagen, für 20, 30% mehr Lagerbestand, der hochgeblasen ist, für 20, 30% für 80% mega super coole Cyber Week Deals, auch für 20, 30% mehr Marketingaufwand, hätte man vor einigen Jahren auch 20, 30% mehr Umsatz generiert. Also was ich damit sagen will, ist, heute 5% mehr Umsatz zu generieren, ist ein irrer Aufwand, nicht mehr leicht.
Nächstes Jahr, was erwartet ihr da fürs nächste Jahr? Was würdest du sagen, noch mal wieder Wachstum?
Ja, aber dann auch, weil Wachstum ist, habe noch nie mir Gedanken gemacht, dass kein Wachstum gibt, sondern wir werden, wir werden im Januar wieder, wir morgen wieder unser Führungskreis-Meeting, das haben wir einmal im Monat, und bei dem Führungskreis-Meeting gebe ich immer für 2 Monate im aus die Zahlen raus, was ich glaube, wo wir hingehen. Und für November sind wir raus mit 156 Millionen, und meine Ansage war, glaube ich, 154 oder 155. Also so ein Angeworfen in KPIs ist immer hilfreich, ja. Irgendwie geht es dann so durch wie so Graffiti Fliegpulver.
Und das also auch fürs nächste Jahr sozusagen, da ist auch wieder 5 bis 10% Wachstum drin.
Ich meine, wenn man das glaube ich, können wir schaffen.
Man ist ja auch jetzt europazentrisch, ja, als Unternehmen, und da ist ja viel auch die Rede von Herausforderungen.
Und, und 11% machen wir wirklich außerhalb Europas, also Mittlerer Osten ist mit Sicherheit noch viel mehr zu holen, Dubai und, und der Bereich, und dann glaube ich, dass man auch in China noch mehr ausbauen kann von hier. Und Japan sind auch noch Möglichkeiten für all die Made-in-Germany-Instrumente. Also ich glaube, dass wir den Drittlandumsatz ausbauen können, schon noch mal um 4, 5 Millionen. Und Europa, klar, wird nicht einfacher. Aber es gibt Länder, wo noch einiges an Luft ist. Ich glaube, dass wir weiterhin in Polen wachsen, Italien, Spanien. Weißt du, wir haben viele, viele Mitarbeiter, die außerhalb Deutschlands kommen, außerhalb Europas auch.
Das wollte ich nachfragen: Ist das ein Problem, die herzubekommen? Also ich meine, das ist ja jetzt hier in Bamberg, ist schon ein bisschen größer, Treppendorf ist nur ganz klein. Man hört es ja auch überall, Personal ist schwierig und Fachkräftemangel und so.
Jetzt hast du so schwieriger geworden, auch das, das Finden von Mitarbeitern ist viel aufwendiger geworden. Vor einigen Jahren, wenn wir einen Gitarristen gesucht haben oder Gitarrenverkäufer, dann hatten wir bereits einen Stapel auf dem Tisch mit 30, 40 Bewerbungen, die man vorher noch hatte. Das hat sich verändert, schwieriger geworden. Vor allem auch bei den ganzen ITlern oder Dev-Leuten. Aber wir bekommen noch gut. Und ich muss ehrlich auch sagen, das Image mit Generation Z teile ich nicht immer. Wir haben jedes Jahr 25 bis 30 Auszubildende, die mit sehr hohem Aufwand ausgesucht werden. Wir betreiben aber auch sehr hohen Aufwand, die zu bekommen. Ein Großteil kommt aus, irgendwo aus Deutschland, sucht sich hier eine Wohnung, zieht um, nimmt es wirklich sehr ernst. Und da haben wir auch jedes Jahr mehrere Jungs und Mädels dabei, die beste IHK-Auszeichnung haben oder auch Berufsschulabschluss.
Und ihr packt die dann immer bei ihrer Musikleidenschaft am Ende?
Leidenschaft hilft total und vor allem, wir quälen die nicht. Wir quälen die in der Form nicht, die kommen dorthin muss er sich wohlfühlen. Ja, ein Gitarrist wird erstmal in der Gitarrenabteilung sein. Natürlich läuft er auch Buchhaltung, Einkauf und die einzelnen Stationen durch, aber er ist erstmal in dem Umfeld, wo er sich total wohlfühlt und wo man nicht drüber diskutieren muss, Holschuld oder Bringschuld, sondern die Jungs fragen einfach. Ja, und es gibt aber auch von mir klare Ansagen: Hey, Berufsschulschwänzen, sorry, können wir dich nicht behalten. Also Generation Z musst du ein bisschen mehr erklären und begründen, und dann ist es gut. Aber natürlich steht schon Work-Life-Balance auch, ist immer eine Diskussion.
Anders als bei dir früher?
Anders als bei mir früher, ja. Und 11 Millionen gehen jetzt bald in Rente, und 10 Millionen kommen nach, und am Ende des Tages müssen wir einfach mit dem arbeiten, was wir haben, und das Beste draus machen.
Aber wenn euer Firmenorchester auf Tournee gehen würde, dann wäre das auch schon irgendwie eintrittspreisfähig und wahrscheinlich schon heißes Öl.
Ja, wir können natürlich hier 50 Bands zusammenstellen, und es gibt unglaublich viele, die sich auch gefunden haben, Musik zu machen, aber irgendwann vor, glaube einem halben, dreiviertel Jahr sagte ich mal zum Markus, Mensch, wäre doch auch mal unabhängig von den ganzen Rock- und Popbands, die wir hier haben, auch schön, wenn wir im symphonischen Bereich was machen würden. Und dann hat man ja vor 2 Jahren einen Weihnachtsfilm gedreht, auch mit 60, 70 Musikern, wo ich auch mitgespielt habe. Und jetzt hat Markus eine Big Band ins Leben gerufen, die wirklich unglaubliches Niveau ist, besteht aus ausschließlich Thomann-Mitarbeitern, außer der Dirigent ist ein Externer. Und das Mega-Niveau, sind fast nur studierte Musiker drin, die Heidenspaß haben. Aber ich weiß natürlich auch, welchen irren Aufwand die betreiben mit Proben. Ja, und die hatten natürlich jetzt auch letzten Samstag an unserer Weihnachtsfeier spielt eineinhalb Stunden. Weihnachtsfeier, muss man wissen, ist bei uns immer legendär mit, mit 8 verschiedenen Weinen und, bestem Essen und DJ.
Und was hörst du denn selber für Musik?
Alles. Also wenn ich ins Auto einsteige, dann ist erstmal, geht schon sehr rockig zu. Und aber ich liebe auch Jazz, ich liebe Swing auch, wenn ich Schlagzeug spiele. Kann auch mal Top 40 sein, aber die letzten, letzten 1, 2 Jahre hat sich eher etwas in die härtere Nummer verschoben.
Wenn man hier so durch die Fertigung und durch die Logistiklager und die Quality-Check-Bereiche und so läuft, dann war ich ganz überrascht. Läuft dann da auch am Ende Schlager und, und Trompetti und so?
Können die frei auswählen, ja. Und irgendwann gab es auch mal, ist eine Regel entstanden, dass alle 2 Stunden man wählen darf, weil in der Logistik ist das Feld natürlich sehr breit, ja. Und wenn du, wenn du in die Blechblaswerkstatt gehst, dann hören die halt Egerländer Musik, ja. Und dann gibt es wieder Abteilungen, die hören Heavy Metal, ja. Und ist so breit wie unsere Kunden.
Ist der Laden am Ende auch, vielleicht letzte Frage noch, den ihr hier bauen wollt, das ist ja die Zukunft, ich habe da gerade die Baustelle gesehen, auch so eine Art Erlebnis und Event am Ende, dass man sagt, okay, Einkaufen bei uns ist ein Event. Das ist ja irgendwie nicht mehr normal, man geht was einkaufen.
Bauabschnitt 1 ist ja jetzt fertig und zieht schon viele neue Kunden aus ganz Deutschland. Es gibt ja auch bei uns in Deutschland keine Musikmesse mehr als Vollsortiment, sondern es gibt eine Spezialmesse für Gitarre und noch eine für Synthesizer. Und wenn es euer Laden, eine neue Messe fast schon, ja, mehr als eine Messe. Und ich meine, wir werden noch mehr Kunden ziehen, die noch weiterfahren werden, weil es ist einzigartig, dass du halt an einen Standort 30 Klassiker dann testen kannst, die über 10.000€ kosten.
Wer baut schon für 60 Millionen ein Musikinstrumente laden?
Ja, es ist komplett unvernünftig, weil der Laden macht auch nur 50 Millionen. Aber wir kommen vom Laden, wir bilden im Laden aus, ja, unsere Verkäufer haben Hands-on-Experience am Laden. Ich habe 80 verschiedene Flügel, davon will ich auch mal 60 zeigen und nicht nur 12 oder 13. So ein Flügel baust du auch nicht auf die Schnelle auf, ja, so wie eine Gitarre, die holst du aus dem Lager und dann kann die gespielt werden. Und Es ist unvernünftig, aber es ist geil und deshalb mache ich es.
Hans, vielen, vielen Dank. Also was ein Riesending hier. Was sehr, sehr beeindruckend, auch sehr inspirierend für mich so als kleiner Unternehmer, das hier so erlebt und denkt sich, okay, what the fuck, was kann man alles bauen, was kann man also machen mit dann doch einigen Lebensjahren. Ja, Glückwunsch und vielen Dank, dass ich hier mal vorbeikommen durfte.
Ja, hat mich sehr gefreut und vor allem du als kleiner Unternehmer stimmt ja auch nicht mehr. Er ist eine Riesen- ein bisschen mager geworden und Hochachtung. Und ich glaube, wir beide teilen die gleiche Leidenschaft.
Absolut, absolut. Zum Bauen, zum Firmenbauen. Dankeschön. Ciao, ciao. Überall reden Menschen von KI, auch gerne hier im Podcast. Damit ihr auch mitsprechen könnt, gibt es jetzt von meinen Kollegen von OMR Education einen KI-Intensivkurs. In 6 Wochen wird man vom KI-Anwender zum KI-Enabler. Insbesondere im Marketing. Man bekommt vermittelt, wie autonome Agentensysteme im Marketing eigenständig konzipiert, verknüpft und bei euch im Unternehmen verankert werden. Ihr seht, wie ihr die Effizienz eures Teams nachhaltig steigern könnt, und ihr könnt komplexe Marketing-Workflows anschließend automatisieren. Unser Kurs von OMR Education dauert ungefähr 6 Wochen und kombiniert Theorie und Praxis. Der zeitliche Aufwand liegt bei ungefähr 4 bis 5 Stunden pro Woche. Der Kurs richtet sich ganz konkret an Marketing-Leads, an Digitalstrateginnen und Strategen, an KI interessierte Menschen mit mehreren Jahren Berufserfahrung, die selber KI-fest werden wollen und vor allen Dingen auch KI fest in ihre Prozesse integrieren möchten. Nach Abschluss des Kurses gibt es außerdem ein Zertifikat von uns, von OMR Education. Alle Infos und Anmeldung dazu unter edu.omr.com/intensivkurs oder hier hinter dem Link bei uns in den Shownotes.
Dieser Podcast wird produziert von Podstars bei OMR.
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