Netze für die Energiewende: Eon-CEO Leonhard Birnbaum (#886)
8 Mar 2026 · 80 min
In this OMR podcast episode, host Philipp Westermeyer interviews Leonhard "Leo" Birnbaum, CEO of E.ON, covering a wide range of topics. Birnbaum argues that Germany needs a productivity boost to sustain its social model and the energy transition, suggesting longer work hours, reduced holidays, and digital efficiency. He explains why he is unusually active on LinkedIn, sharing book recommendations (about one book per week) and personal fitness routines (five training sessions per week). The conversation turns to E.ON’s financial performance: a 10 % annual total return to shareholders over the past decade, a recent 43 % share‑price jump, a dividend of €1.5 bn, €8.5 bn of capex, and a net debt increase of €2 bn. Birnbaum stresses that infrastructure investment, not dividend payout, drives the company’s value. He discusses regulatory friction in Germany and the EU, criticizing the EU taxonomy, sustainability and human‑rights reporting, and the heavy administrative burden of managing thousands of legal entities. The interview also covers E.ON’s workforce (≈77 000 employees, mainly network technicians and call‑center staff), operational challenges such as de‑commissioning nuclear plants (€700 m per year) and emergency response to a Berlin attack and an Irish storm. Competitors like Iberdrola and Octopus Energy are mentioned, and Birnbaum highlights the need for more trust‑based, less prescriptive regulation to enable faster digitalisation and grid expansion. The episode ends with a brief sponsor plug for OMR Executive Search.
Chapters
Ich war kürzlich mal wieder beruflich unterwegs in meiner Heimatstadt in Essen im Ruhrgebiet, und zwar als Gast bei einer Firma, die es noch gar nicht gab, als ich in Essen gelebt habe, so Ende der 90er Jahre oder in den 90er Jahren. Und auch keine kleine Firma, nämlich 80 Milliarden Euro Umsatz, 50 Millionen Kunden hat E.ON. Um die geht es nämlich. Ich habe bislang auch nie so ganz genau verstanden, was sie eigentlich machen, und bin jetzt tiefer eingestiegen, gemeinsam mit dem Leo Birnbaum, der seit 2021 CEO ist von E.ON und mir einmal die ganz große Energiewelt und die verschiedenen Geschäftsmodelle und Möglichkeiten erklärt hat, inklusive natürlich all der Verbundeffekte, die es gibt zwischen Energie in der klassischen Welt und Energie in der neuen Welt mit Namen wie Enpal, 1,5 Grad, die man ja auch hier aus dem Podcast vielleicht kennt. Dann bin ich bei der Recherche, Fun Fact, noch darüber gestolpert, dass zwei aktuelle deutsche Minister, die Frau Reiche, unsere Wirtschaftsministerin, und der Herr Wildberger, unser Digitalminister, bis vor einigen Jahren noch beide bei E.ON tätig waren. Ausgerechnet. Also es gab viel zu besprechen mit Leo Birnbaum. Auf geht's!
Let's go! Go, go, go!
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Ja, grüß dich Philipp.
Also du bist eigentlich Chemiker, ne?
Nein, ich bin Chemieingenieur.
Okay.
Also kleiner Unterschied. Ich bin praktisch ein Ingenieur, der viel Chemie gemacht hat und nicht ein Chemiker.
Okay, okay. Aber du bist denn auch dieser Branche nicht leid geworden?
Ich komme ja aus Ludwigshafen. Mein Vater hat an der BASF gearbeitet und auf dem Weg zur Schule bin ich immer an der BASF entlang gefahren. Und rein zufällig habe ich dann Chemieingenieurwesen studiert.
Aber es hat dich nicht so gepackt, denn danach warst du dann bei McKinsey.
Ja, aber also obwohl ich, also ich habe mich schwer damit getan, zu McKinsey zu gehen, weil ich eigentlich als Ingenieur arbeiten wollte. Aber dann habe ich es doch gemacht. Am Ende war es ja auch kein Fehler. Ich dachte dann, dass ich die Chemie beraten würde, aber ich bin dann im zweiten Jahr in der Energie gelandet und da bin ich irgendwie nie wieder weggekommen.
Und Energie beraten heißt, du Man hat dich direkt in so einen Braunkohletagebau gebracht.
Meine zweite Studie, in der Tat. Auf der zweiten Studie, die ich gemacht habe damals, landete ich 1997 im Braunkohletagebau Garzweiler. Und ich, also wenn man mich fragt, warum bin ich in Energie gekommen, gibt es zwei Gründe. Ich fand die Leute super. Diese Leute, die im Bergwerk, also diese Bergleute, das sind einfach offene, gerade Leute. Da konnte man sich anbrüllen und hinterher ein Bier trinken gehen. Die haben mir einfach richtig gut gefallen, die Leute. Mit so Leuten arbeite ich gerne zusammen. Das war eins. Und zwei, Damals stand ja die Deregulierung des Energiemarktes bevor. Es war ja ein komplett regulierter Markt. Die Europäische Union hat aber Regulierungen gemacht, dass der deregulieren soll. Und da habe ich mir damals gesagt, für junge Menschen ist das doch eigentlich eine geniale Branche, weil wenn sich alles verändert, dann haben junge Menschen vielleicht sogar einen Vorteil gegenüber alten Menschen, weil sie noch nicht so festgefahren sind. Und die Erfahrungen, die die Alten gesammelt haben, die ihnen sonst einen Vorteil geben, die werden dann plötzlich weniger wert. Da habe ich gesagt, das ist doch eine gute Branche für mich als jungen Menschen. Die Leute mag ich auch und so ein bisschen.
Und dann hat dich irgendwer angesprochen und gesagt, Mensch, hier willst du nicht von McKinsey jetzt auf die andere Seite wechseln?
Na ja, das war über 10 Jahre später. Also muss man sagen, ich habe schon 12 Jahre dann Beratung gemacht, immer Energiesektor, Energiesektor.
Du bist auch Partner gewesen, also schon da auch bei McKinsey beteiligt gewesen.
Ich war auch Partner dort und also hatte ein gutes Leben dort, war spannend und alles. Aber dann wurde ich angesprochen, willst du nicht lieber selber entscheiden? Und ich war 40 und eigentlich war ich bereit, angesprochen zu werden. Ich wollte selber entscheiden und nicht andere versuchen dazu zu bringen, das zu machen, was ich glaube, das richtig ist. Und da war dann, da hat es dann gepasst, mich Jürgen Grossmann damals, Vorstandsvorsitzender der RWE, angesprochen. Und dann bin ich dann bei RWE gelandet, RWE im Vorstand. Und dann 5 Jahre später hat mich Thyssen angesprochen, ob ich nicht zu E.ON in den Vorstand kommen will.
Das ist schon ein heftiger Wechsel, ist ja schon Wettbewerb, ist ja schon was, das Ja, das ist so, wie das Leben so spielt, ne.
Also sagen wir mal, meine Zeit bei RWE war vorbei und es war Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Das habe ich dann aufgeschlagen.
Und dann warst du hier aber nicht sofort Chef, sondern du warst noch hier—
Nein, hier war ich dann wie bei RWE Vorstand. Und dann wurde die E.ON ja aufgespalten und ich war immer Vorstand. Tyson war der Vorstandsvorsitzende. Dann haben wir die E.ON ja aufgespalten. Wir haben ja Wir machen ja, es gibt ja die, die Strom machen, die Erzeuger. Das war dann zum Beispiel heute RWE, die Kraftwerke. Und dann gibt es die, die den Strom verteilen. Das ist das, was heute E.ON macht über die Netze und dann verkaufen. Und damals haben wir die Company gespalten. Wir haben Uniper gegründet, kennt man vielleicht. Das war sozusagen alles mit Kraftwerken, Gasfeldern, Gastransporthandel und dann die Netze. Das haben wir gespalten. Ich bin dann auf der E.ON-Seite gelandet. Uniper ist abgespalten worden. Dann kam der große Deal wieder mit RWE. Dann haben wir ja einen ganz großen Deal mit RWE gemacht, kompliziert, aber am Ende war das eine 80-Milliarden-Euro-Transaktion, in der wir das ganze Geschäft neu gemischt haben. Und im Ergebnis hat die RWE alle Kraftwerke bekommen und wir haben alle Netze bekommen. Und so entstanden dann 2018 also zwei große neue Konzerne. Und da habe ich dann die Integration gemacht. Und als die Integration dann durch war, dann bin ich Chef geworden. Das war die Geschichte.
Ist das, also diese ganze Transaktion auch ein bisschen dann dein Lebenswerk, kann man fast schon sagen? Also das ist ja ein Riesending, 80 Milliarden, das ist für die deutsche Wirtschaft schon Ausnahmesituation. Und dann auch zwei so große Konzerne so fundamental umzukrempeln, da hast du schon so ein, warst du der maßgebliche Mann da, weil du auch beide Seiten kanntest?
Nein, es war extrem, nein, das würde ich nie sagen. Also ich glaube, so eine Transaktion gelingt, weil viele Menschen das Richtige tun. Und ich habe an meiner Stelle Stelle dann das Richtige getan. Aber es war natürlich schon so, für die Integration war ich zuständig zusammen mit dem Kollegen Bernhard Günther von der Innogy-Seite, also von der anderen Seite. Und wir konnten das natürlich gut, weil wir uns aus RWE-Zeiten sehr gut kannten. Und mir, und es hat natürlich geholfen bei der Transaktion, dass ich auf beiden Seiten die handelnden Personen kannte. Und es ist ja alles am Ende, am Ende wird Also am Ende ist es entscheidend, dass die Menschen gut zusammenarbeiten, und das habe ich dann halt hinbekommen. Aber da haben noch viele andere einen Beitrag geleistet. Also wenn es nur mich gegeben hätte, wäre die Transaktion gescheitert.
Wie, wir müssen mal kurz drüber sprechen, wie klein diese Wirtschaft dann manchmal doch auch wird, zumindest auf dem Spitzenlevel. Denn ich hatte vor kurzem den Tim Höttges zu Gast im Podcast, der heute seit langem Telekom-CEO ist, und der sagte unter anderem, er habe ja quasi die E.ON mit erfunden und mit gegründet, also lange vor deiner Zeit.
Ja, das stimmt. Also die E.ON ist entstanden aus zwei anderen Konzernen, damals FEBA und FIAC, zwei Konzerne. FEBA saß in Hannover und FIAC in München und dann musste es halt Düsseldorf sein und so entstand dann die E.ON in Düsseldorf. Und ist klar, es musste irgendwo in der Mitte sein. Und er war damals einer von denen Senior Vice Presidents, die das Ganze hätten danach leiten sollen. Aber er ist ja gegangen und hat nichts draus gemacht. Also was soll ich sagen? Tim, hast eine großartige Chance verpasst, hast an anderer Stelle ordentlich gearbeitet, aber was soll ich sagen?
Aber okay, also das ist der eine Aspekt. Also am Ende diesen gemeinsamen Konzern, diesen Zusammenschluss dann, die E.ON ist, da war noch irgendwie Höttges mit dran. Als du dann irgendwie hier schon Chef warst, glaube ich, gab es einen Vertriebsvorstand, den man heutzutage auch kennt. Und zwar den Herrn Wildberger, wenn ich richtig gelesen habe, unser heutiger Digitalminister.
Ja, so ist das. Ja, die Welt ist ja in der Tat, die Welt ist klein, aber ich würde es ja so, und Katharina Reiche war auch da.
Wollte ich gerade sagen, das wäre das Nächste gewesen. Die war ja bei einer Tochterfirma, ich glaube Westenergie.
Jawohl.
Da war sie Chefin, das ist also eine Tochter von E.ON.
Ist die größte Tochter von E.ON.
Aber eine Mitarbeiterin von dir.
Ja, so ist das, genau. Also Carsten war schon da. Bevor ich Vorstandsvorsitzender wurde. Er ist 2017 oder so was, irgendwo so in der Ecke ist er zu uns gekommen, war dann 3 oder 4 Jahre, glaube ich, bei uns und ist dann 2021 gegangen zu SUSEconomy, ist dort Vorstandsvorsitzender geworden und dann ist er Minister geworden. Aber wenn man so sagt, als wenn es den großen Masterplan gäbe, der Leute, also ich sage es mal, es entwickelt sich und man begegnet sich immer wieder. Aber immer anders, als man denkt.
Aber es ist schon Wahnsinn, dass jetzt 2 Kabinettsmitglieder hier mal für dich tätig waren, wenn man so möchte, und der Höttges hier auch seine Finger mit drin hat und so. Es ist also schon irgendwie eine kleine Welt.
Ja, aber ich sage jetzt mal einfach, bei E.ON arbeiten gute Leute. Was soll ich sagen?
Warst du überrascht, als der Carsten auf einmal Digitalminister wurde?
Ja, also ich fand das schon eine Überraschung. Er hat sich immer sehr stark politisch engagiert. Er war ja auch im Wirtschaftsrat der Union tätig, auch schon während seiner Vorstandszeit. Bei E.ON. Jetzt muss man natürlich, und dann habe ich ihn ein bisschen aus den Augen verloren, als er Vorstandsvorsitzender bei Sekonomy war. Sekonomy, für die, die es nicht wissen, Media Markt Saturn ist die Tochter, glaube ich. Ich weiß nicht genau, wie die organisiert sind, aber Media Markt Saturn, die Mutter ist Sekonomy. Da habe ich ihn ein bisschen aus den Augen verloren. Dann habe ich die Nachricht bekommen und ich muss natürlich sagen, das ist ein Riesenschritt. Also finanziell total unattraktiv, Der verdient jetzt bestimmt viel weniger als Minister, als er davor bekommen hat. Er hat dafür eine Öffentlichkeit und steht im Rampenlicht. Das muss man mögen. Es ist eigentlich sehr schön, weniger im Rampenlicht zu stehen, finde ich. Also ich finde, um sich auf die Politik einzulassen, und sie ist ja auch nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, die Politik. Also ich glaube ehrlich gesagt, also ich habe das bewundert, als er das gemacht hat. Ich finde das großartig. Ich finde, wir brauchen das mehr. Und das tut Deutschland gut. Und er macht auch einen guten Job nach dem, was ich bewerten kann. Und ich höre auch viele, die sagen, dass er wirklich das Thema Digital so gut vorantreibt, wie man sich das nur wünschen kann.
Und bei Frau Reich warst du da geschockt, als auf einmal da eine wichtige Führungskraft geht?
Ja gut, es wurde dann langsam ein bisschen viel, ne? Wir haben ja eine ganze Reihe von guten Kollegen verloren. Der CEO von Uniper ist ja heute ein Staatskonzern, gehört ja dem deutschen Staat. Das ist mein ehemaliger Chef aus England, Mike Lewis. Der Finanzvorstand von Uniper, Christian Bahr, ist ein ehemaliger Finanzvorstand von mir aus dem regionalen Geschäft. Der Egbert Läge, der jetzt heute SEFE macht als CEO, ist ein ehemaliger Mitarbeiter von E.ON. Der Christian Ohms, der CFO von SEFE, also ehemals Gazprom sozusagen Nachfolger, die auch verstaatlicht worden ist, ist ebenfalls ein Senior Vice President hier aus E.ON, also von meinem Finanzbereich. Also ich verliere regelmäßig Leute, ich finde es aber gut. Weil wenn du Leute verlierst, heißt es, dass deine Leute von irgendjemandem gesucht werden. Ich würde es viel schlimmer finden, wenn keiner meine Leute jemals haben wollte. Um Gottes Willen, man holt sich doch niemand von E.ON. Ich finde es eigentlich toll.
Wie ist eigentlich am Ende die E.ON in Essen gelandet? Also ich weiß, als ich hier noch gelebt habe, da gab es E.ON noch gar nicht, aber da war auch irgendwie, ist jetzt ziemlich modern hier, wenn man so hier reinläuft, irgendwie an der Gruga, sondern fühlt sich ein bisschen an hier wie so, weiß nicht, große weite Welt. Das hat es damals noch nicht gegeben.
Ja, also ich habe ja gerade erzählt, wir sind ja erst in Düsseldorf gelandet, ne, nach dem FEBER-4-Merger. Und dann haben wir 2016 die E.ON aufgelöst. Wir haben sie ja gespalten, haben die Kraftwerke abgetrennt von den Netzen. Und die Kraftwerke, also ich vereinfache ein bisschen, die Kraftwerke wurden dann Uniper. Und dann war klar, also Uniper und E.ON, wir müssen uns auch gebäudetechnisch aufteilen. Und wir hatten ein großes Gebäude in Düsseldorf und ein großes Gebäude in Essen. Dieses Gebäude hier nämlich, das war das Gebäude, das die RuhrGas sich mal gebaut hatte, und die RuhrGas haben wir irgendwann mal 2008 gekauft, ne. Und dann haben wir einfach überlegt, na gut, wer zieht jetzt nach Essen und wer bleibt in Düsseldorf? Und das war dann so, wenn E.ON in Düsseldorf geblieben wäre, hätten 3000 Leute umziehen müssen, und wenn E.ON nach Essen gegangen wäre, dann hätten 1000 Leute umziehen müssen. Dann ist E.ON halt in Essen gelandet. Das war alles.
Und was macht ihr jetzt? Also ich meine, man kennt die Marke, man sieht euch auch irgendwie in der Werbung und ich weiß, man kann bei euch Strom kaufen. Das hast du ja gerade schon erzählt. Aber es ist ja doch irgendwie mehr als das. Und jetzt sagst du, ihr habt nur noch die Netze. Aber es gibt ja zumindest mal, glaube ich, ein B2C-Geschäft. Es gibt ein B2B-Geschäft. Was gibt es noch so?
Ja, also es gibt im Wesentlichen 3 Geschäfte, die wir haben. Wir sind auch in 3 Segmente organisiert. Das Erste ist also, Strom wird erzeugt. Das machen wir nicht mehr. Wir haben praktisch keine Erneuerbaren und keine Kraftwerke. Die haben wir ja an RWE gegeben. Dann muss der Strom, der erzeugt worden ist, muss irgendwie gesammelt und verteilt werden. Und das ist das, was wir machen. Das ist das, was Netze eigentlich sind. Sie sammeln den Strom von den Erneuerbaren ein und verteilen ihn dann an die Kunden. Das ist ungefähr 75 bis 80% unseres Geschäftes. Und das ist vor allen Dingen das kapitalintensive Geschäft, weil diese ganzen Leitungen ja gebaut werden müssen. Dann haben wir noch zusätzlich natürlich die Kunden, die Endkunden, und an die verkaufen wir dann Strom und auch Gas. Und das ist ungefähr 20% unseres Geschäftes. Und dann haben wir, das ist also Segment 1, ist der Vertrieb an die Kunden. Segment 2 ist das ganze Netzgeschäft. Und wir haben dann noch ein drittes Segment, ich vereinfache ein bisschen, Das ist Wärmebereitstellung. Also Industrie braucht Wärme, dann brauchen die irgendwo Wärmeerzeuger, die ihnen Dampf produzieren und vielleicht auch ein bisschen Strom, irgendeinen Biomassekessel. Und da haben wir ein drittes Segment, das macht praktisch Wärmelösungen für Industrie, aber auch für Stadtviertel oder so was. Wenn du so ein kleines Blockheizkraftwerk irgendwo hast, an das 3 Hochhäuser angeschlossen werden, das ist unser drittes Segment. Also nennen wir mal Endkunden, Netze, Wärme.
Aber Netze ist der ganz große—
Mit weitem Abstand das Größte. Und auch das, wo wir am meisten Geld investieren.
Und wer, wie ist das Geschäftsmodell? Also wer zahlt euch da und wo kauft ihr das ein?
Und ja, also Netze, was du machst, ist, du baust Netze nach dem Bedarf, der entsteht. Und Netze sind ja ein Monopol. Du hast in deiner Straße, wo du wohnst, nur eine Stromleitung liegen. Es macht ja keinen Sinn, zwei Stromleitungen zu deinem Haus zu legen. Du hast auch nur einen Hausanschluss. Also es ist ein sogenanntes reguliertes Geschäft. Das heißt, es gibt bei uns in diesem Geschäft keine Konkurrenz. Weil es immer nur in einer Region einen geben kann, weil es eben keine parallelen Stromnetze gibt. Und deswegen sind wir reguliert und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesnetzagentur, damit wir unsere Monopolstellung im Netzgeschäft nicht, also unser natürliches Monopol im Netzgeschäft, nicht ausnutzen. Und was wir machen, ist, wir investieren. Um zum Beispiel dann ein neues Stadtviertel zu erschließen, die Kunden anzuschließen. Das Geld, das wir investieren, darauf kriegen wir eine regulierte Rendite. Das ist sozusagen auf das Kapital, das wir einsetzen. Und dann kriegen wir unsere Betriebskosten, ich vereinfache ein bisschen, die kriegen wir kompensiert. Also ich brauche eine bestimmte Anzahl an Ingenieuren, die kriege ich dann halt, meine Elektriker kriege ich bezahlt und ich kriege die Rendite auf die Investitionen, die ich mache. Das heißt aber, das ist ein sehr kapitalintensives Geschäft. Wir investieren im Moment 8,5 bis 9 Milliarden Euro pro Jahr. Das läuft hoch. Und auf diese Milliarden, die ich investiere, bekomme ich dann die Rendite, weil ich muss ja dieses Kapital auch irgendwo finanzieren können.
Okay, das heißt, das ist ein reines B2B-Geschäft dann. Also eure Kunden sind dann am Ende andere Stromkonzerne, die durch eure Leitung was durchschicken?
Nee, bezahlen tun es die Endkunden. Also es funktioniert in der Tat so: Netzbetreiber baut das Netz. Sammelt Strom ein, verteilt den Strom. Dann der Endkunde, also wenn du deine Rechnung bezahlst, dann bezahlst du— nimm mal an, du bezahlst an irgendeinen Wettbewerber von uns, bist bei irgendeinem Stadtwerk und bezahlst das Stadtwerk. Aber nehmen wir an, dieses Stadtwerk leitet in Wahrheit durch unser Netz durch, weil du gar nicht bei denen im Stadtgebiet wohnst, sondern du wohnst direkt vor dem Stadtgebiet im E.ON-Netz. Dann bezahlst du meinetwegen 35 Cent pro Kilowattstunde und dein Versorger, der dir diesen Strom für 35 Cent pro Kilowattstunde verkauft hat, der bezahlt aus diesen 35 Cent den E.ON-Netzbetreiber.
Okay.
Also, aber das siehst du nicht, das läuft dann hinter der Kulisse, ne? Aber am Ende werden wir natürlich von den Endkunden bezahlt, die über ihre Rechnung die Netzentgelte zahlen.
Aber nicht direkt bei mir am Konto abgebucht, sondern das ist dann—
Nein, du zahlst ja nur eine Rechnung an deinen Vertrieb. Und der Vertrieb, der bezahlt dann den Netzbetreiber. Ist übrigens, das ist ein Spezifika unserer Industrie, weil das Netz reguliert ist, der Vertrieb aber nicht. Im Vertrieb gibt es ja Wettbewerb, müssen wir sozusagen auch intern bei E.ON Vertrieb und Netz voneinander trennen. Also auch wenn du ein E.ON-Kunde in einem E.ON-Netz bist, bezahlst du den E.ON-Vertrieb und der E.ON-Vertrieb bezahlt dann das E.ON-Netz. Also unterschiedliche Gesellschaften. Okay, und um das, den Einkauf, also macht ihr dann halt gar nicht, sondern das kauft dann aber auch der, der den Strom für 35 Cent verkauft, kauft den irgendwo ein oder produziert ihn selber, ist egal, liefert ihn an dich, bezahlt für die Lieferung durch unser Netz an uns eine bestimmte Summe, regulierte Summe, und das ist das sozusagen, das ist dann, und muss dann irgendeine Marge an dir machen.
Aber ihr habt ja auch, sagen wir mal, sehr viel Sichtbarkeit im Endkundenmarkt, die bräuchtet ihr eigentlich gar nicht, die habt ihr dann aber deswegen, weil ihr auch Wir sind auch für Sie, wir haben auch 33, 34 Millionen Kunden hinter uns. Okay, das heißt, neben einem Lichtblick oder einem Vattenfall oder wen es alles so gibt, da seid ihr dann auch einer davon? Ja. Das ist dann quasi das andere Geschäftsmodell?
Genau, wir sind in der Tat, wir kaufen ein und leiten durch unser eigenes Netz und andere Netze durch. Wir verkaufen ja auch in Berlin an Kunden. In Berlin gibt es ja eine Berlin Energie, also gibt es ja einen anderen Stromnetzbetreiber, da verkaufen wir dann Strom. Und bezahlen den lokalen Netzbetreiber.
Im OMR Podcast spreche ich ja bekanntlich jede Woche mit Menschen, die ganz offensichtlich etwas bewegen möchten. Und alle von denen treffen Entscheidungen, gehen Risiken ein und treiben ihr Business häufig mit sehr, sehr viel Herzblut voran. Und natürlich passieren dabei auch mal Fehler. Die entscheidende Frage ist deshalb gar nicht, wie man jedes Risiko vermeidet, sondern ob man einen Partner an seiner Seite hat, der das eigene Business wirklich versteht. Und genau dafür gibt es die Business-Versicherung von unserem Partner Hiscox. Hiscox ist seit 1901 als Spezialversicherer tätig. Entsprechend haben die extrem viel Expertise und die fließt heute in moderne Business-Versicherungen für Unternehmen, für Gründer oder für Freelancer. Bei Hiscox arbeiten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Branchen, die die jeweils individuellen Risiken sehr genau verstehen und deswegen auch gut herleiten können, worauf es bei eurem Geschäft ganz genau ankommt. Sollte euch mal ein Kunde einen Fehler vorwerfen, steht Hiscox an eurer Seite, verteidigt eure Interessen und begleitet euch im Zweifel auch vor Gericht ohne Mehrkosten. Also quasi die Rechtsschutzversicherung ist schon inklusive. Also kein Wunder, dass der Schadensservice mit 4,7 von 5 Punkten bewertet wird. Mit der Hiscox Business Versicherung kann man sich also rein auf sein eigenes Wachstum konzentrieren. Alle Infos und online abschließen kann man unter hiscox.de/omr. Natürlich auch unter dem Link bei uns in den Shownotes. Jetzt mal aggressiv gefragt: Das ist jetzt ja wahrscheinlich sehr entspannend. Also ich rede ja häufig mit Leuten, die so auch Startups machen, die so gerade versuchen, ihr Geschäftsmodell irgendwie zu rechtfertigen und sich überhaupt einen Platz zu finden, wahrscheinlich schlaflose Nächte haben, ob jetzt irgendwie das Produkt gekauft wird oder nicht. Ihr könnt ja so viel jetzt nicht falsch machen. Ihr habt da sozusagen eine garantierte Rendite und dann macht ihr euren Job. Es ist ja, klingt jetzt erstmal vergleichsweise angenehm.
Ja, also wir können beliebig viel falsch machen. Also Jetzt nehmen wir dieses, jetzt, ich bleibe jetzt mal, damit es nicht zu kompliziert wird, nur beim Netzgeschäft. Also was machen wir im Netzgeschäft? Also erstens, das Netzgeschäft ist brutal kapitalintensiv. Als ich angefangen habe, ich bin das erste Mal Netzvorstand geworden, also verantwortlich für Netze in 2016, und damals haben wir in Deutschland pro Jahr anderthalb Milliarden Euro investiert. Ja, 1,5 Milliarden für die E.ON-Netze, die wir damals hatten. Wir marschieren jetzt auf 6 Milliarden, 7 Milliarden zu. Also wir haben uns jetzt in 10 Jahren, haben wir unsere Investitionen vervierfacht, ne. Wir investieren 250% der Abschreibungen, ja. Warum? Weil ein unglaublicher Bedarf an unseren Netzen existiert, ja. Alle, die einen Windpark bauen, wollen von uns einen Anschluss haben. Alle, die eine Batterie bauen, wollen von uns einen Anschluss haben. Alle, die ein Datacenter hier für den Digitalbereich bauen wollen, kommen zu uns und sagen, wo können wir ein Rechenzentrum bauen. Und das heißt, wir haben einen unglaublichen Bedarf, und jetzt müssen wir, jetzt müssen wir jedes, jetzt müssen wir diese Investition finanzieren. Jetzt nehmen wir mal an, das heißt, ich fing an als CEO, da hatten wir eine Investitionsplanung von 21 Milliarden, die mittlerweile, stehen wir 4 Jahre später bei 43 Milliarden. Und wir werden jetzt unsere demnächst ja verkünden, wie die neue Zahl dann lauschen wird. So was bedeutet das? Wie wie finanziere ich das? Ich fahre jedes Jahr. Die Rendite ist nicht so hoch. Ich fahre jedes Jahr negativen Cashflow. Also es wird ein bisschen technisch. Ich hoffe, alles okay. Das heißt, ich erhöhe meine Nettoverschuldung in jedem Jahr um zwei bis drei Milliarden Euro, weil ich mehr investiere, als ich an Cashflow einnehme. Das heißt, meine Verschuldung, meine Nettoverschuldung wird zwischen jetzt und 2028/29 von rund etwas unter 45 auf rund 55 Milliarden Euro nach oben gehen. Und wie mache ich das? Ich verdiene jedes Jahr ein bisschen mehr, weil ich ja immer schaue, dass ich profitabel wachse. Und alles, was ich mehr verdiene, leverage ich. Also wenn ich 100 Millionen Euro mehr verdiene, mache ich 500 Millionen Schulden und reinvestiere das Ganze. Das heißt, mein Leverage-Faktor ist 5, ne? Also knapp, weil wir im Moment sind sowas 4,5.
Da musst du schon vorsichtig sein, ne? Da musst du schon vorsichtig sein.
Also ich bin so aggressiv, Passiv wie jeder Hedgefonds. Kann ich jetzt machen, weil ich ein reguliertes Geschäft habe. Heißt aber, ich muss immer profitabel sein. In dem Moment, in dem ich nicht profitabel bin, kann ich diese Investition nicht halten. Und jetzt haben wir eine durchschnittliche Finanzierung. Du kennst ja, wie lange kannst du finanzieren? 7, 8 Jahre. Wir haben ja auch eine Regulierungsperiode. Jetzt heißt es aber umgekehrt, dass ich ungefähr alle 10 Wochen 1 Milliarde Euro refinanzieren muss. Also das ist das, was ich mache. Also kennst ja vom Startup.
Du bist ja zur Hälfte mindestens Investmentbanker. Der dann überlegt, okay, wie kriege ich jetzt eine Milliarde refinanziert? Da bist du ja wahrscheinlich dann ständig mit irgendwelchen—
Ich bin ständig auf Investor-Roadshow, um das Kapital anzulocken, damit das Kapital in das deutsche Netz investiert, damit die Infrastruktur steht. Also jetzt sagst du, kannst du jetzt viel falsch machen, dann sagst du, ja, das siehst du, das muss dir nur einmal sozusagen um die Ohren fliegen. Wir haben eine super Reputation im Markt, weil wir sehr zuverlässig operativ geliefert haben, aber das ist das, was wir machen, finanziell, also Riesenrisiko. Jetzt würdest du sagen, na ja, aber es ist ja reguliert. Dann sage ich dir, na gut, dann sagen wir mal, wie ist es denn reguliert? Alle 5 Jahre wird die Regulierung neu festgesetzt. Unsere Abschreibungsdauern sind, was schätzt du, was das dauert, wenn ich so eine Überlandleitung 110.000 Volt—
20 Jahre?
Deutlich über 30. Wir schreiben über 30 Jahre ab, 35 Jahre. Und das heißt, ich verdiene mein Geld erst in 35, vielleicht 40 Jahren zurück. Aber alle 5 Jahre wird die Regulierung neu festgesetzt, ja, und ich muss aber immer refinanzieren. Das heißt, das kannst jetzt vergleichen, kannst ja sagen, ja, ihr seid ja risikofreie Rendite, okay, kauf eine deutsche Staatsanleihe, die auf 40 Jahre läuft, bei der der deutsche Finanzminister das Recht hat, alle 5 Jahre den Zinssatz neu festzusetzen. Ja, das ist das, was wir machen. Das ist nicht risikofrei. Wir leben davon, dass wir fair behandelt werden. Aber wenn wir einmal nicht fair behandelt werden, dann wird es für uns gleich ganz schwer, weil wir ja diesen Riesen-Leverage-Faktor haben. Also das ist das Finanzielle. Und dann haben wir aber auch noch eine Welt, die sich komplett ändert. Also wir waren analog, es gab kein Digital im Netz vor 20 Jahren. Wir werden in 5 Jahren, eigentlich schon jetzt, nur noch unseren Job machen können, wenn wir alles und jedes digitalisieren. Was wir auch nur irgendwie digitalisieren können.
Okay, also verstanden. Ihr müsst da, ihr müsst was tun, ihr müsst euch entwickeln. Aber gibt es jemanden, der euch sozusagen den Druck macht? Also was euch Druck macht, ist natürlich die ganze Energiewende. Also ihr müsst irgendwie, um die Windparks da anzuschließen oder jetzt auch die KI-Wende, sage ich mal, die großen Strom-Factories, die es da geben soll, um die alle sozusagen abzubilden, müsst ihr investieren. Aber du guckst halt, was maximal geht und versuchst alles rauszuhauen. Und du kannst ja auch mit gebremster Handbremse eigentlich fahren.
Also wer gibt dir sozusagen vor, wie viel du da jetzt Die Kunden, die Kunden. Ja, schau mal, wir haben, wir schließen zum Beispiel, weil wir Netzbetreiber sind, du willst eine PV-Anlage auf dein Dach machen. Hast du eine PV-Anlage? Nee. Also wenn du demnächst eine bauen würdest, ja, dann würdest du die ja ans Netz anschließen müssen. Dann kommt unser Netzbetreiber vorbei, da kommt ins Spiel, PV-Anlage wird angeschlossen oder Windrad wird angeschlossen. Wir haben für die erste, wir haben ungefähr 15, vielleicht 20 Jahre für die erste Million Anschlüsse gebraucht. 2023 hatten wir eine Million erneuerbare Anschlüsse im E.ON-Netz in Deutschland. Nur das deutsche E.ON-Netz.
Erneuerbare Anschlüsse heißt PV-Anlagen und so was in der Art?
PV-Anlagen und Windräder. Das meiste werden PV-Anlagen gewesen sein. Eine Million in 2023 nach, sagen wir mal, 15 Jahren. Die zweite Million haben wir jetzt erreicht, nach zweieinhalb Jahren. Die dritte Million werden wir in unter 2 Jahren erreichen. Wir schätzen, dass wir bis 2030 nochmal 4 Millionen Anschlüsse produzieren.
Aber gebt ihr das Tempo vor?
Nein, das Tempo geben die Kunden vor.
Aber ihr könnt ja nicht sagen, sorry, geht nicht.
Nein, nein, es ist keine Option. Die Erwartungshaltung ist ja, unser Job ist es, wir schließen euch an. Jetzt, du baust dir eine PV-Anlage aufs Dach, kommst zu mir und ich sage dir, ja genau, schließe ich dir in 4 Jahren an. Ja, also ich meine, keine Option. Also deswegen.
Aber ist das so einfach möglich? Man braucht jetzt ja auch irgendwie Handwerker, braucht ja Leute, die das machen. Das kriegt man alles hin?
Also auf unserer Seite haben wir das. Wenn du den Handwerker für die Solaranlage hast, also wir haben die Handwerker bei uns organisiert. Wir kommen gleich dazu, dass wir nicht mehr allem hinterherkommen, ja, also zum Beispiel bei Rechenzentren, ne. Aber ich wollte nur sagen, der Kunde, eigentlich gibt der Kunde die Schlagzahl vor, ne. Also noch mal, also wir sind eigentlich auf einer exponentiellen Kurve, ne, ist das salopp von 15 Jahre auf zweieinhalb Jahre auf ein Jahr auf unter ein Jahr.
Wenn ich das so lese, ich habe geguckt, irgendwie 60% des Stroms in Deutschland ist schon erneuerbarer Strom. Das klingt jetzt ja eigentlich gar nicht so schlecht, also es klingt ja schon nach so nach dem Motto, wir sind da ganz gut unterwegs. Ist denn da schon ein Ende absehbar, dass wir es auch packen werden, dass wir dann bald 100% erneuerbar sind?
Ja, Strom und Energie sind zwei unterschiedliche Dinge. Die meiste Energie, bewusst Energie, die wir in Deutschland einsetzen, geht ja in den Transport, also Diesel und Benzin, sagen wir mal ein Viertel. Dann in die Wärmeproduktion, Heizöl, Erdgas und so weiter. Und dann Strom. Strom ist nur ungefähr, sagen wir mal, ein Viertel des Energiebedarfs. Also wenn wir 60% oder wenn wir 50% des Stromes erneuerbar haben, dann heißt es, dass wir von dem Energieeinsatz in Deutschland die Hälfte von einem Viertel, also nur ein Achtel erneuerbar haben. Das heißt, wenn, bis wir 100% dekarbonisiert sind, ne, müssen wir ja nicht nur das Viertel Strom zu 100% erneuerbar machen, sondern wir müssen den ganzen Verkehr auf E-Mobilität umstellen und die ganze Wärme auf Wärmepumpen umstellen. Das ist ja noch ein ganz weiter Weg.
Und da seid ihr aber am Ende mit entscheidend, dass ihr das sozusagen, die Infrastruktur dafür hinbekommt.
Ja, ohne E.ON wird es keine Energiewende geben, weil Energiewende heißt ja eigentlich, ich mache aus dem Dieselauto ein E-Auto, ich mache aus einer, ich nenne es mal, Gastherme eine elektrische Wärmepumpe, ne. Aber in jedem Fall brauche ich immer Stromnetz. Also wenn ich auf E-Mobilität gehe, brauche ich mehr Stromnetz. Wenn ich auf elektrische Heizung gebe, brauche ich mehr Stromnetz. Das heißt, unser Markt, der Bedarf nach unserem Produkt, der wächst massiv. Und das sehen wir ja auch an diesen Anschlusszahlen.
Wobei die ganzen Diskussionen um diese Rechenzentren, die jetzt in den USA, da, wo da, weiß ich nicht, für 10 Milliarden oder noch mehr Rechenzentren gebaut wurden, Projekt Stargate und was man da so alles lesen kann, derartige Ankündigungen gibt es hier ganz wenig. Ich habe jetzt gesehen, einmal Nvidia und Telekom bauen da was in Bayern. Ansonsten Ich habe dein LinkedIn durchgeguckt, da war jetzt nichts irgendwie, du standest nirgendwo mit irgendeinem Chiphersteller oder so, oder hast jetzt gedacht, okay, jetzt kommt hier die große Rechenzentrums-Power, bewusst nicht, oder?
Nee, also in der Tat, man muss ganz klar sagen, der Rechenzentrum-Boom ist in den USA viel stärker als in Europa. Also es hat gar nichts mit E.ON zu tun. Erstmal die künstliche Intelligenz, der Boom der künstlichen Intelligenz findet statt in den USA. In Europa findet, ich sage jetzt mal, die Anwendung der künstlichen Intelligenz statt, ja, aber die Trainingsrechenzentren und so weiter, die entstehen nicht in Deutschland. Und wenn wir dieses Interview in den USA führen würden und ich wäre sozusagen ein amerikanisches E.ON, dann würden wir die Hälfte der Zeit über Rechenzentren sprechen und würden gar nicht über Wärmepumpen und gar nicht über E-Mobilität sprechen, ne. Aber in der Tat ist das so, wir haben Rechenzentrumsthemen. Also warum? Wo haben wir tatsächlich noch Bedarf nach Rechenzentren in Deutschland? Also ganz viel um Frankfurt, weil ja riesige Internetknoten hängen, Internetbreakouts hängen. Und um Frankfurt herum, wer macht da das Stromnetz? Süwag und Avacon, also zwei E.ON-Töchter. Dann haben wir das um Berlin herum, auch einen großen Pool. Wer macht da das Stromnetz? Edis, eine andere Tochter der E.ON. Dann haben wir hier im Rheingebiet, also hier im Rheinland, da wollte ja Microsoft 2 Rechenzentren bauen, also 2 Large-Scale-Data-Center. Die würde die Westnetz machen, eine andere Tochter von E.ON. Das heißt, wir haben Rechenzentrumzuwachs, aber der ist sozusagen in Europa so ein bisschen regional fokussiert, dann aber schon relativ viel in unseren Netzen, auch zum Beispiel in Polen. In Polen ist der Rechenzentrumszubau praktisch komplett auf Warschau konzentriert. Stromversorger in Warschau, E.ON.
Und ist das dann wirklich so ein Rechenzentrum, also wenn die das dann anschließen, weil die KI das verlangt quasi, ist dann sofort, weiß nicht, braucht dann so ein halbes Atomkraftwerk oder so?
Ja, das kommt darauf an, wie groß das Rechenzentrum ist. Aber in der Tat, in den USA haben sie jetzt insbesondere für die sogenannten Trainingsrechenzentren, reden die über Rechenzentren im Gigawattbereich. Also Gigawatt, 1000 Megawatt. Das ist dann um so die ein großes Kraftwerk. Ein großes Kohlekraftwerk hatte 800 Megawatt. Ja, ein Kernkraftwerk hatte irgendwie, sag mal, 1200 Megawatt. Also reden wir schon in der Größenordnung 1200 Megawatt.
Wenn du das von außen aus der Ferne betrachtest, so ich meine, du bist ja nun offensichtlich Experte, wunderst du dich und denkst dir, what the fuck bauen denn die da? Und ist das jemals wieder aufzuholen für Europa oder? Denkst du dir, dass ich, also als Laie denkt man ja auch, ob das sich alles am Ende lohnt und ob da nicht doch irgendwie die KI viel schlauer wird und viel schneller lernen kann. Und dann sitzt man da auf diesen riesigen CapEx. Also wie guckst du drauf?
Ja, also ich glaube, im Moment ist in den USA ganz klar die Energie der Engpass für die Geschwindigkeit des Ausbaus auf der KI-Seite. Also wenn man, ich meine, so ein Meta, Facebook, also Microsoft, wenn die jetzt, oder hier Tesla, Elon Musk, also Ex, Entschuldigung, die denken ja über Kraftwerke nach, aber nicht, weil sie Kraftwerke bauen wollen, sondern weil Kraftwerke die einzige Möglichkeit sind, um schnell Rechenzentren zu bauen. Das haben wir in Deutschland nicht, in Europa viel weniger. Ich glaube, dieser Vorsprung ist auch nicht aufzuholen. Aber also wenn wir sagen, okay, wenn die 100 Gigawatt bauen, müssen wir in Europa mindestens 80 Gigawatt bauen, damit wir noch auf Augenhöhe sind. Das Rennen werden wir verlieren. Aber wir müssen dann halt schauen, dass wir wenigstens in der Anwendung von AI, in der Entwicklung von AI voranmarschieren. Da bin ich sehr kritisch, habe ich mich auch schon öfters geäußert. Zum Beispiel der AI Act ist für mich eine europäische Regulierung, die nur dazu führt, dass die Entwicklung von KI in den USA stattfindet. Ich war ja ganz erschüttert, als ich gelesen habe oder gehört habe, ich war ja dabei, ich habe es ja live gehört, dass der Roland Busch von Siemens erzählt hat, dass Siemens jetzt seine AI-Entwicklungsaktivitäten in Seattle macht. Und habe gesagt, ja, dann haben wir natürlich ein Problem, wenn Siemens das verkündet. Ich habe mit Ericsson gesprochen, Ericsson, Börje Ekholm, der CEO, die macht das ebenfalls dort. Warum? Weil der AI Act in Europa zu kompliziert ist und zu viele rechtliche Unwägbarkeiten hat.
Ich meine, die reden ja in den USA sogar darüber, so kleine Mini-Kernkraftwerke wieder einzuführen oder sogar größere. Wie blickst du auf sowas?
Das wird denen nicht helfen. Also nicht bei dem Thema KI. Die wollen ja, die ganzen AI-Technologiefirmen wollen ja jetzt ganz schnell ganz viel Kapazität bauen. Und Kernkraftwerke mögen viele Vorteile haben, aber sie werden auf jeden Fall nicht ganz schnell gebaut. Also wenn du ganz schnell etwas bauen willst, dann kannst du eigentlich nur entweder Erneuerbare oder Gaskraftwerke bauen. Und was die in den USA in der Tat jetzt sehr viel bauen, ist Gaskraftwerke. Deswegen ist ja zum Beispiel Siemens Energy so ausgelastet. Die haben ja ihre Produktion verkauft auf ich weiß nicht wie viele Jahre, weil alle Turbinen, die sie produzieren können, sind schon bestellt. Weil wenn ich eine Turbine besitze, weiß ich, dass ich ein Kraftwerk bauen kann, dann weiß ich, dass ich einen Rechenzentrum bauen kann.
Am Ende haben dann irgendwie Google und so dann auch wahrscheinlich eigene Kraftwerke. Das wird so kommen.
Das wird so kommen, ja, glaube ich schon. Oder sie haben Kraftwerke unter Vertrag. Also dass sie gesagt haben, also du gehörst mir zwar nicht, aber ich kaufe dir deine Produktion für die nächsten 10 Jahre ab.
Also um die nicht auf der Bilanz zu haben, aber irgendwie.
Ja, so irgendwie so. Also schon, also deswegen ist eine super spannende Industrie. Ich glaube, bei uns passiert im Moment genauso viel wie im digitalen Bereich. Auch das Digitale verändert alles bei uns.
Ihr habt jetzt irgendwie 50 Millionen Kunden, habe ich gelesen.
Ja, es kommt darauf an, wie du sie konsolidierst. Also ich sage mal 34 ohne die Türkei.
Und das sind dann aber Firmen, die bei euch konkret auch ihren Stromvertrag haben? Oder sind es dann alle die, die von euch irgendwie indirekt gechargt werden?
Das sind erst mal unsere Kunden, die bei uns dranhängen.
Okay, also wenn ich jetzt bei Lichtblick bin und dann zahlen die, dann werde ich gezählt oder nicht?
Dann wirst du als Netzkunde gezählt, aber nicht als Vertriebskunde. Wir haben 34 Millionen Vertriebskunden.
Also okay, wenn ihr direkt Abrechnung habt, dann ja. Okay, die sind ja alle mal eingeworben worden. Das ist ja schon dann schon noch wirklich ein Endkunden-Marketing-Game. Also sagen wir mal, Strom zu verkaufen ist jetzt erstmal nicht so einfach, weil Irgendwie ist Strom jetzt ja irgendwas, was aus der Steckdose kommt und sich außer durch den Preis eigentlich für mich jetzt gefühlt gar nicht unterscheidet.
Ja, aber Strom ist emotionalisiert worden. Ist ja ganz interessant, ne? Also als ich irgendwann mal in der Energiebranche begann, gab es keinen Vertrieb, ne? Du hast einfach von deinem regionalen Stromversorger den Strom bezogen und der Vertrieb bestand darin, dass du Rechnungen geschrieben hast, ne? Also es gab keinen Vertrieb.
Gutes Geschäft.
Ja. Also es war das Monopolgeschäft, normal. Das war das regulierte Geschäft. Ich bin ja dahin gegangen, weil das regulierte Geschäft zum Ende ging. Also das voll regulierte Geschäft. Und dann begann der Wettbewerb. Heute haben wir Kunden und jetzt sagst du, es ist völlig egal. Na ja, wir haben also jede Menge Churn im System. Allein schon 10% der Kunden, die umziehen, haben beim Umzug jedes Mal die Wahl, den Supplier zu wechseln. Ungefähr 10% der Leute wechseln jährlich ihren Wohnort. Und allein diese 10% muss man immer wieder akquirieren. Das heißt, das ist kein triviales Geschäft. Wir sind ein Massengeschäft. Bei uns geht es ja darum, einfach große Zahlen zu bekommen. Also ich muss ja immer Hunderttausende bewegen und Hunderttausende akquirieren. Ansonsten ist das Geschäft nicht profitabel.
Aber es ist halt irgendwie jetzt, wenn man so aus Marketing-, aus Produktsicht drauf schaut, ist es halt so, sagen wir mal, ich stelle es mir sehr schwer vor, denn bei allen Produkten, Autos kann man sagen, guck mal die Form, guck mal das Fahrgefühl, guck mal die Marke.
Ist so.
Bei euch ist halt so, man hat wenig in der Hand, um zu sagen, lieber Kunde, wir sind die Besten. Der Kunde denkt sich, na gut, Hauptsache ich mache irgendwie da meinen Fernseher oder irgendwas in die Steckdose und der geht an und der Rest ist mir eigentlich egal, solange ich da nicht zu viel Geld dafür bezahle.
Aber tatsächlich, also es gibt verschiedene, trotzdem verschiedene Dimensionen, in denen du dich differenzieren kannst. Die eine ist, welches Vertrauen haben die Kunden in dich? Also ich gebe dir ein Beispiel. Wir hatten 2022 ja die Ukraine-Krise. In der Ukraine-Krise haben sich sehr viele andere Vertriebe dann einfach verabschiedet und gesagt, nee, unter diesen hohen Preisen, die dann als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine geherrscht haben, können wir kein Geschäft mehr machen, und haben sich einfach in die Insolvenz verabschiedet, sind gegangen und haben ihre Kunden einfach fallen lassen. Und alle diese Kunden, das ist jetzt wieder regulierungstechnisch getrieben, aber am Ende haben wir die als E.ON eingesammelt, weil ihr die ja nehmen müsstest in der Grundversorgung. Wir mussten sie nehmen, wir mussten sie nehmen, und war ja niemand mehr da. Dann haben wir alle diese Kunden übernommen. Ich sag dir, alle diese Kunden, die einmal die Erfahrung gemacht haben, dass sie fallen gelassen worden sind und von uns eingesammelt worden sind, bei denen haben wir zumindest fairerweise einen echten Goodwill, ne. Und unsere Kunden haben wir nicht fallen lassen. Wir haben auch die Verträge honoriert, obwohl die Preise explodiert sind, haben wir die Verträge, die wir hatten, sozusagen gehalten. Wir haben da nicht gesagt, nee, können wir nicht, müssen wir nachverhandeln. Das heißt, Zuverlässigkeit ist ein Thema, was von Kunden honoriert wird, weil der Mangel an Strom— also wenn du einmal erfahren hast, wie es ist, wenn du keine Energieversorgung hast, dann weißt du das richtig zu schätzen. Das Zweite ist, was uns hoch angerechnet wird, ist immer einfach, wie ist der Service. Also ganz platt, ich möchte mir eine PV-Anlage bauen, ich möchte sie anschließen. Wenn wir das gut managen, und gut betreiben, dann gewinnen wir eine Reputation. Diese Reputation strahlt dann wieder aus. Das eine ist die Zuverlässigkeit, das andere, ich fühle mich gut versorgt. Das dritte ist der Preis. Das vierte ist das Emotionale. Bist ja Marketingmensch, noch mehr als ich. Du weißt ja, das Emotionale hat einen Wert. Und Energie war Anfang des Jahrtausends, war das ein— ich habe mal das Buch gelesen, Mega macht Marke, kam raus, hatte ein Freund von mir geschrieben, habe ich gelesen. Energie war dort ein Sektor, in dem Marken keine Rolle spielen, weil ist nicht emotionalisiert, wenige Differenzierungsmöglichkeiten. Vergiss das Thema Marketing und Branding in der Energie. Wenn du jetzt die letzte Auflage nimmst, ich keine Ahnung, 7. Auflage oder was auch immer, es hat sich geändert. Energie ist mega emotionalisiert, Marke spielt eine große Rolle.
Ihr macht ja auch große Sponsorings und habt, also das ist ja wahrscheinlich der Hintergrund, ist ja dann zu emotionalisieren und die Marke aufzuladen.
Ja.
Liquidität ist der Treibstoff für alles Wachstum, aber lange Zahlungszyklen binden häufig wertvolle Liquidität oder wertvolles Kapital. Und genau hier kommt unser heutiger Partner Sage ins Spiel. Sage beschleunigt mit Sage Intacct den gesamten Prozess von der Leistung bis zum Zahlungseingang. Die Fakten sprechen für sich: Die Zeit bis zum Zahlungseingang sinkt von etwa 120 auf unter 70 Tage. Eure Rechnungszyklen werden über 50% kürzer. Der Monatsabschluss ist bis zu 73% schneller fertig. Ihr trefft Entscheidungen endlich auf einer aktuellen Datenbasis. Das heißt weniger Kapitalbindung und mehr Liquidität für Investitionen. Und mit dem KI-gestützten Finanzmanagement habt ihr den ganzen Cashflow jederzeit im Blick. Über 2 Millionen Kunden weltweit vertrauen auf die Cloud-Lösung von Sage. Extra für OMR-Hörer gibt's außerdem jetzt ein exklusives Angebot. Ihr bekommt 20% Rabatt auf die ersten 12 Monate. Das Angebot gilt für Sage Intact inklusive dem Sage Copilot bis 31.12.2026.
Und das wirkt durchaus. Du hast ja vielleicht gesehen, dass wir vor 2 Jahren angefangen haben mit der Playmaker-Kampagne, dass wir gesagt haben, wir wollen, das war intern und extern gedacht, Wir sagen, wir sind eigentlich der Spielmacher der Energiewende. Ohne uns findet die Energiewende gar nicht statt. Und Teil dessen ist, das machen wir im Netz, aber das machen wir auch beim Vertrieb, beim Kunden, wir helfen dem Kunden, seine Dekarbonisierungsreise zu machen. Wenn seine E-Mobilität mit Flexibilität zu verknüpfen. Wenn du heute BMW-Kunde bist, hast die neue 3er-Klasse bestellt, einen neuen BMW, Du willst einen bidirektionalen Ladetarif? Den einzigen wirklich funktionierenden bidirektionalen Ladetarif, den es gibt, wo also praktisch die Batterie des Autos ein- und ausspeisen kann ins Netz und der Kunde damit Geld verdienen kann, kriegst du von uns.
Man denkt ja, die Energiebranche sei jetzt keine besonders unternehmerische Branche, so wo Leute mal eben mit eintreten könnten und uns was Eigenes gründen. Mittlerweile gibt es ja da schon ganz viel Bewegung, müssen wir noch mal drüber sprechen, aber vorher Noch eine Sache, die mir aufgefallen war, aus wirklich so Online-Marketing-Sicht. Ich weiß nicht, ob du das jemals mitbekommen hast, aber es gab ja auch so Möglichkeiten, einfach selber eine Firma zu gründen, Strom anzukaufen und selber in den frühen Zeiten des Online-Marketings günstig Kunden zu gewinnen. Auf einmal hattest du quasi ohne große Assets eine eigene Energiefirma da stehen und hast dann über Affiliate-Marketing oder so Provisionsmarketing irgendwelche zum Teil auch obskuren Energiemarken gehabt. Dann haben Leute gedacht, Mensch, das klingt aber günstig. Da gehe ich mal rein. Und dann haben Leute da irgendwie schon auch Geld verdient. Das ist auch schon gar nicht so, wie man denkt, dass man jetzt einen Riesenapparat haben muss, sondern man kann auch als Cowboy fast schon in der Energiebranche Geld verdienen.
Ja, stimmt. Aber diese Cowboys, das waren dann die, die zum Teil Vorkasse gemacht haben beim Kunden, damit sie kein Working Capital gebraucht haben und darauf spekuliert haben, dass die Preise immer fallen werden. Was sie ja auch lange Jahre getan haben, weil ja immer mehr Erneuerbare in den Markt gekommen sind. Dann sind die Preise plötzlich nach oben gegangen, als die Ukraine kam, und dann waren die plötzlich alle weg. Die Vorauskasse war auch weg. Und das ist in UK passiert, da waren die plötzlich alle weg, die Kleinen, mitsamt der Vorauskasse. Alle Kunden, die Vorauskasse bezahlt haben, hatten plötzlich ihr Geld verloren. Und dann zusätzlich noch haben sie den Markt destabilisiert in einem Moment, in dem der Markt sowieso schon instabil war. Und wir haben das dann eingesammelt. Und was bedeutet das, wenn ich dich— ich habe zum Beispiel dich, nehmen wir an, du hättest sowas gemacht, und nehmen wir an, du hättest auch keine Vorauskasse gemacht, aber plötzlich wäre dein Supplier weg gewesen und du landest dann bei E.ON. Dann muss ich für dich ja Energie einkaufen, die ich dir verkaufe, ja. Aber diese Energie, die ich für dich kaufe, die muss ich in der Krise kaufen, zu ganz hohen Preisen. Das heißt, für mich ist das plötzlich eine unglaubliche Belastung, dich in mein Portfolio reinzunehmen. Weil ich dir eigentlich einen unglaublich hohen Preis geben muss. Ich hatte ja dich gar nicht kommen sehen. Also du als Einzelperson wär's noch egal gewesen, aber wenn 100.000 Personen kommen plötzlich—
Das verstehe ich. Ich bin ja nur so unternehmerisch getrieben und finde es immer so interessant.
Ich wollte sagen, es gab viele Unternehmer, aber ehrlich gesagt, viele von denen haben dem Markt überhaupt nicht gut getan. Die haben Geld für sich rausgezogen, solange es für sie gut war. Und in dem Moment, in dem es gegen sie lief, haben sie die Firma fallen lassen. Haben sie die Firma fallen lassen und alle anderen Kunden haben es bezahlt. Weil es ist ja klar, diese Kosten, die dann anfallen, die werden umgelegt.
Weil ich finde, wenn man so in Deutschland die Gründerszene anguckt, dann liest man immer über die neue E-Commerce-Firma hier oder auch von mir aus das neue nachhaltige Energie-Startup dort. Aber dass es da wirklich so Unternehmer gab, die auch zum Teil große Gewinne gefahren haben, indem sie ganz, ganz effizient über Online-Marketing Kunden eingekauft haben, attraktive Preise, hatten kaum sozusagen Overheadkosten. Haben einfach dann scheinbar bei euch oder bei euren Partnern auch sehr günstig Energie eingekauft, bei euch ja nicht, aber bei RWE oder so, und haben dann quasi Arbitrage gemacht. Haben gesagt, okay, ich kriege das hier zu dem Preis irgendwie und dann kann ich es weiterverhandeln. Die Kundenakquise habe ich besser im Griff als alle anderen, bin ja auch ein bisschen vielleicht aggressiv unterwegs. Und dann wurden da teilweise wirklich Millionen verdient in den guten Jahren von Leuten, die man so in Deutschland gar nicht kennt.
Also das finde ich, ist auch total faszinierend. Es gibt Es gibt unheimlich viele Startups. Wir haben hier gerade in Essen, in deiner Heimatstadt, größte Energiemesse Deutschlands, die E-world. Und auf der E-world, ich finde das auch faszinierend, ich laufe da drüber und dann denke ich mir, ich kenne ja eigentlich, ich kenne den Energiemarkt, denke ich. Aber die Hälfte der Firmen, die da ausstellen, habe ich noch nie den Namen gehört. Da gehe ich manchmal hin und sage, könnt ihr mir erzählen, was ihr überhaupt genau macht? Dann fragen die mich gewöhnlich, also oft wissen die, wer ich bin, dann erzählen sie es mir sofort. Ansonsten fragen sie, wer ich bin, dann sage ich es denen und dann erzählen sie es mir auch. Also das finde ich total faszinierend. Und es gibt dann solche Spezialisten, die machen dann nur die Marktkommunikation, also die Kommunikation zwischen den verschiedenen Kundengruppen etc. Also es gibt Spezialisten für alles, ist unglaublich. Und in der Tat, also deswegen, da ist eine Riesenindustrie entstanden, ne, nicht nur im erneuerbaren Bereich, auch auf der Kundenseite, in der Kommunikationsseite. Und jetzt, wo wir alles digitalisieren, Smart Meter einbauen, ne, da entstehen wieder ganz neue Geschäftsmodelle, oder gibt's wieder jede Menge pfiffige neue Unternehmensbilder.
Auch krasse Sachen, wo Leute sozusagen so Energiebörsen bauen und auf Basis von diesen Smartmetern dann Strom handeln.
Und absolut, aber noch mal, das klingt immer so einfach, aber der Teufel steckt da im Detail.
Also eine gute Firma, was du sagst, Mensch, da habe ich jetzt ein Energieunternehmen, das hier in den letzten Jahren gegründet wurde, das—
also ich erzähle mal eine Firma, die mich total bei der letzten eWorld richtig überrascht hat. Ich komme auf die Messe und schauen, da steht ein Riesenstand von PSI. Kennt niemand, ne? PSI ist aber die Firma, die die Software für sämtliche Grid Control Center, also die Netzleitwarten in Deutschland, macht. Das heißt, alle deutschen Stromnetze laufen auf der Software von PSI. Ja, dann Riesenstand, war mir gar nicht groß, war mir gar nicht klar, wie groß die wirklich sind.
Und die gehören Unternehmern oder die sind irgendwie so VC-finanziert?
Also Teil gehört uns, ja, Teil gehört einem Investmentfonds. Also in der Tat, es gab auch einen Unternehmer, der hat aber verkauft an den Investmentfonds jetzt, ne. Okay. Und wir sind beteiligt als E.ON mit, keine Ahnung, 20 oder irgendwas Prozent, weil wir auch der größte Kunde sind im Strombereich, ne. Aber das ist, ich kannte PSI, ich wusste, dass wir PSI in den Netzleitwarten einsetzen, und ich komme auf diese Messe und sehe diesen gigantischen Stand und sage, also so groß ist PSI, ne. Dass die so einen Stand haben, der war größer als der E.ON-Stand.
Messestände sind immer wichtig.
Es ist eine gute Indikation dafür. Da lernst du viel über Firmen, wenn du die Größe eines Standes siehst.
Aber sag mal ganz konkret, also wir haben jetzt ja in der deutschen Unternehmer-Startup-Szene ein paar Namen schon häufiger gehört. Fangen wir mal an. Also ich glaube, da hast du auch so eine ambivalente Beziehung zu hier meinen Hamburger Kollegen von 1Komma5Grad. Was hast du denn zu denen zu sagen?
Ja gut, die sind im Retailgeschäft unterwegs. Ich sage jetzt mal so, also nichts Gutes Unternehmen. Ich meine, wir haben uns, ich mag den Kollegen Schröder auch, ja, aber er profiliert sich jetzt ein bisschen, indem er immer auf mich einschimpft.
Er hat glaube ich dich vorgeworfen, die GEZ zu sein für Strom. Also das war nach dem Motto, diese Netzentgelte.
Also es gibt einen entscheidenden Unterschied. Ob du einen Fernseher hast oder nicht, du bezahlst es auf jeden Fall, ne. Ich würde, und zwar auch wenn du keinen Nutzen davon hast, weil ehrlich gesagt das meiste Programm nichts taugt, ne. Ich würde ja gerne wissen, wie viele den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlen würden. Also wenn du sagst, ich schenke dir ein Netflix-Abo und GEZ-Abo, also ein öffentlich-rechtliches, was würden die Leute nehmen? Ich bin mir nicht sicher, ob sich alle, okay, also ein anderes Thema. Das heißt, du musst es bezahlen, ist wie eine Steuer. Bei uns ist es so, du kannst dich auch unabhängig machen. Du kannst versuchen, ohne Netz— stell dir ein Notstromaggregat in die Garage rein, mach dir eine PV-Anlage aufs Dach drauf, kein Problem, ne? Darfst du machen. Und dann bezahlst du auch nichts mehr fürs Netz. Aber du wirst feststellen, dass das eine ganz blöde Idee ist kommerziell, weil das richtig teuer ist, sich von unseren Netzen unabhängig zu machen. Das Netz gibt dir einen unglaublichen Mehrwert. Für relativ wenig Geld.
Aber er ist ja gerade dabei, auch sein Geschäft umzubauen. Das hat ja auch irgendwie die Hochphase gehabt, als erneuerbare Energien auch gefördert wurden. Jetzt ist das alles, glaube ich, da ein bisschen schwieriger. Glaubst du trotzdem, dass die Firma— war ja auch mal als Unicorn bewertet oder ist noch.
Also es müsste jedenfalls— ich glaube, PV hat eine Zukunft, Punkt. Und gute Firmen im PV-Bereich haben dann auch ihre Zukunft.
Aber ihr kooperiert ja noch einen Teil, oder?
Ja, natürlich. Also nochmal, wir arbeiten an vielen Stellen zusammen. Ja, aber noch mal, ich glaube, der eigentliche Punkt, den wir im Moment erreichen, ist, wir haben sozusagen die letzten 20 Jahre den Fokus darauf gehabt, dass wir möglichst viele Erneuerbare bauen wollen. Und dann, wir haben dann auch Erneuerbare ja gefördert. Ist ein bisschen, haben die Kunden vergessen, wie viel wir die fördern, weil das Geld jetzt nicht mehr über deine Stromrechnung bezahlt wird, sondern aus den Steuern. Und irgendwie sieht das niemand mehr, dass wir 20 Milliarden pro Jahr auch für Erneuerbare ausgeben. Das ist jetzt irgendwo im Steuertopf von Lars Klingbeil verschwunden, ne. Das würde sonst noch auf die Stromrechnung runden Top kommen. Jetzt ist das Problem, dass wir jetzt, also die Herausforderung, die wir heute haben, ist aber nicht, dass wir verzweifelt noch mehr Erneuerbare brauchen, sondern wir brauchen verzweifelt mehr Netz für die Rechenzentren, für die Batterien, für die Anschlüsse. Also die knappe Ressource in Anführungszeichen ist das Netz geworden. Und, und deswegen haben, und deswegen sage ich, ja, wenn die knappe Ressource, dann heißt das eigentlich, die Erneuerbaren können jetzt auch auf den eigenen Beinen stehen. Ich habe mich öffentlich geäußert und habe gesagt, naja, also die PV-Anlagen auf den Dächern der Privatkunden, die mussten, die müssen nicht mehr gefördert werden. Davon werden wir auch noch genug dazu kriegen, wenn wir die nicht fördern. Und das, das ist das, das hat ihn getriggert, weil das ist genau das, was er, davon lebt er ja. Was sage ich, aber das ist ja nicht meine Aufgabe, ist auch nicht die Aufgabe der Kunden Geld zu bezahlen, das nicht bezahlt werden muss, damit andere Investoren Geld— das ist einfach nicht mehr nötig. Und ich will es auch noch mal—
ich meine, wir haben ja gerade dabei geredet, wie viel von dem deutschen Strom jetzt erneuerbar ist, und da kamen wir doch bei ein Achtel raus.
Der deutschen Energie, also weißt ja, noch mal Energie.
Aber wäre es dann nicht besser, doch noch weiter auszubauen, damit man beim Strom auf 100% kommt? Dann ist zumindest bei der Energie dann ein Viertel schon mal nachhaltig. Oder sagst du, und deswegen ist es eine gute Idee, die Subventionen zu geben.
Aber die Antwort ist nein, ist es nicht. Ja, womit verdienst du Geld, wenn du auf deinem Dach eine PV-Anlage baust? Mit 2 Dingen. Erstens, du, also für den Strom, den du produzierst und direkt bei dir im Haus verbrauchst, ja, für den musst du ja keine Netzentgelte, keine Steuern, keine Mehrwertsteuer, keine Konzessionen zahlen. Du sparst Geld. Du produzierst, sagen wir mal, für 8 Cent pro Kilowattstunde, keine ist ja auch egal. Und anstatt 35, ich hatte ja vorher gesagt, du hast anstatt 35 bezahlst du 8 inklusive deiner Kapitalkosten, sparst also 27 Cent pro Kilowattstunde, die du nicht aus dem Netz ziehst. Dieser Nutzen, diese 27 Cent sozusagen pro Kilowattstunde, das macht in Deutschland beim normalen PV, bei einer normalen PV-Anlage 3/4 des Wertes aus.
Also für mich würde sich alleine schon lohnen, deswegen das zu machen.
Dann ein Viertel des Geldes kriegst du davon, dass du ein bisschen Strom, den du produzierst, nicht selber verbrauchst. Ja, Sonne scheint, du produzierst 7 Kilowatt, du hast nur 3 Kilowatt Verbrauch, 4 Kilowatt schiebst du dann wieder ins System rein, ins Netz rein. Das Netz bezahlt dir dafür eine fixe Vergütung. Das ist ja die heutige Regelung. Und dann verdienst du, sagen wir, dann bezahlt dir das Netz 5 Cent pro Kilowattstunde oder 6 Cent pro Kilowattstunde.
Also, wenn du sagst, eine PV-Anlage zu haben für jemanden wie mich in meinem Haus ist ohnehin so vorteilhaft, dass man keine noch weiteren Subventionen braucht.
Warum sollen die anderen Netzkunden, warum sollen die dir diese fixe Vergütung bezahlen? In Wahrheit könntest du ja einfach an den Markt verkaufen, dann würdest du aber nicht 7 Cent kriegen, du würdest wahrscheinlich 2 oder 3 Cent nur kriegen. Gut, dann verlierst du von dem Viertel sozusagen die Hälfte, sagen wir mal. Das heißt, in Summe verlierst du von deiner ganzen Profitabilität, wenn wir aufhören zu fördern, 15%. Da sage ich, ein Geschäftsmodell, das nicht in der Lage ist, 15% Effizienz rauszuholen, das ist kein Geschäftsmodell. Wir— und deswegen sage ich, jetzt ist der Moment, mit Subventionen aufzuhören. Die Menschen würden es eh machen. Und deswegen, und dann lass es doch jetzt passieren, weil wir können doch nicht sagen, wir machen das jetzt 50 Jahre lang weiter oder sowas. Und dann ist es ja noch einen Schritt schlimmer. Wer bezahlt denn? Wer kann denn? Also für dich macht es dann Sinn auf dein Haus. Du packst es drauf, du hast ein Haus, packst deine PV-Anlage drauf, profitierst. Wer kann es denn nicht machen?
Die ganzen Wohnungen, die zahlen das dann mit.
Die ganzen Mieter. Weil was passiert?
Eine Umschichtung von Geld von Arm auf Reich, sagst du so ein bisschen. Von Leuten, die in Wohnungen wohnen und dann mitbezahlen müssen, und damit die Häuschen—
der Mieter, der Mieter, der im Hochhaus wohnt, der zahlt, der muss alles aus dem Netz ziehen, weil er keine PV-Anlage hat, und der bezahlt dann das, was du nicht mitbezahlst, bezahlt er ja auch mit, weil die Kosten ja alle umgelegt werden. Das heißt, es ist eine Umverteilung. Da sage ich, jetzt ist der Moment, das zu beenden. Das ist alles, was ich gesagt habe. Das hat mir so viele böse Reaktionen eingebracht. Da sage ich immer, gut, Aber damit muss man leben. Ich rede für meine Kunden.
Wie siehst denn du, dass die Energiesituation, nehmen wir jetzt mal noch mal nicht nur Strom, Energiesituation in Deutschland in 10 Jahren wird denn aussehen?
Ja gut, also wir werden noch deutlich mehr Erneuerbare haben, ist ja klar, habe ich auch gerade gesagt. Wir bauen weiter. Die Frage, und diese, diese, diese Erneuerbaren heißt, wir werden wesentlich dezentraler sein. Wir werden trotzdem ein paar Backup-Kraftwerke uns gebaut haben müssen, denn ansonsten muss die Kohle weiterlaufen. Also ich nehme an, in 10 Jahren, wenn wir in 10 Jahren sind, werden wir eine Reihe von Gaskraftwerken gebaut haben, die es uns erlaubt haben, die Kohlekraftwerke rauszunehmen. Plus wir werden sie ergänzt haben um noch mehr Erneuerbare, und wir werden das Ganze dann vernetzt haben mit deutlich mehr flexibler Nachfrage und flexiblen Batterien. Das, ansonsten können wir das System nicht unter Kontrolle halten. Kannst du ja gedanklich direkt nachvollziehen. Ansonsten, immer wenn die Sonne scheint, kommt uns der Strom zu den Ohren raus, und wenn die Sonne weg ist oder nachts, dann haben wir plötzlich ein Problem, ne. Also deswegen, wir werden viel Batterien brauchen, um das Ganze, und flexible Nachfrage brauchen, um das Ganze abzudecken.
Das ist auf gutem Wege, sagen wir mal.
Das ist alles, ja, das ist alles auf gutem Wege. Also wir haben einen Boom bei Batterien, wir haben einen Boom bei PV, wir haben einen Boom beim Netzausbau, aber wir müssen das sinnvoll zusammenbringen. Und da sind wir noch nicht. Die ganzen Schlagzeilen, die man im Moment hört, die ganzen politischen Diskussionen, die sind alle davon getriggert, dass jetzt Diskussionsbeiträge in den Raum gestellt werden, die dann sofort zu heftigen Reaktionen führen. So wie meiner: Hört doch auf, Dachflächen-PV-Anlagen zu subventionieren! Heftige Reaktionen. Jetzt kommen Vorschläge aus Berlin: Es macht nicht mehr Sinn, bedingungslos überall alles ans Netz anzuschließen. Wir müssen über konditionierte Netzanschlüsse nachdenken. Heftige Reaktion. Warum? Weil wir so— wir sind zu einer richtigen Zeitenwende angekommen. Wir treten in eine neue Phase der Energiewende ein.
Aber es war ja immer die Rede davon, dass das deutsche Geschäftsmodell oder so, von dem wir lange Jahre gelebt haben, unter anderem einer wichtige Aspekt war halt, dass wir günstige Energie hatten, da aus Russland und so. Dann gab es noch ein paar andere Aspekte, dass wir jetzt auch nicht so viel Militärausgaben hatten und sowas, aber all das, was jetzt nicht mehr so ist. Aber ein wichtiger Aspekt, der immer genannt wird, ist irgendwie, wir haben jetzt unsere Industrie in Deutschland, die ist nicht mehr wettbewerbsfähig und die Energiekosten sind einfach so gestiegen aufgrund des Krieges, auch aufgrund der, dass wir jetzt nicht mehr da Gas aus Russland so günstig bekommen oder auch Erdöl und sowas. Glaubst denn du, dass das in ein paar Jahren wiederhergestellt ist, diese Wettbewerbsfähigkeit? Ist das dann wieder so aufgrund der Veränderungen und auch der Energiewende, dass dann Deutschland wieder günstiger produzieren kann? Zurückkehren in diese alten Zeiten, zumindest was die Energiekosten anbelangt?
Das glaube ich nicht. Energie wird nicht das sein, was uns am Ende in 10 Jahren Vorteile im Weltmarkt gibt. Jetzt muss man einen Schritt zurück machen. Dieses deutsche Geschäftsmodell, das du gerade genannt hast, Philipp, ist für einzelne Bereiche da war billige Energie wichtig, also billiges Gas vor allen Dingen wichtig. Chemie zum Beispiel, Chemiebereich. Und ehrlich gesagt, da gibt's keine richtige gute Lösung dafür, ne. Aber für die, für den größten Teil der deutschen Industrie haben wir davon gelebt, dass wir innovativ sind, dass wir produktiv sind. Energie war ein Kostenfaktor, aber ehrlich gesagt ein relativ kleiner, ne. Aber wir hatten eine hohe Personalproduktivität, eine hohe Innovationskraft und eine hohe Exportorientierung. Und jetzt haben wir natürlich das Problem, dass ehrlich gesagt unsere Produktivität in Deutschland seit Jahren zurückgeht. Unsere Produktivität steigt nicht mehr. Wir kriegen keinen Produktivitätsschub durch die neuen Technologien, während in den USA sich ein deutlicher Produktivitätsschub über die letzten 10 Jahre ergeben hat, wahrscheinlich getrieben durch die neuen Technologien. Und wenn wir jetzt wirklich in Deutschland in 10 Jahren wieder wettbewerbsfähig sein müssen, Also ehrlich gesagt Energie, also wir dürfen uns in der Energie nicht völlig rausschießen, aber Energie wird es nicht sein, was uns da jetzt—
Aber das ist doch eine ganz gute Nachricht, weil man kann ja aus meiner Sicht Produktivität vielleicht besser in den Griff bekommen als jetzt Energieversorgung, weil da sind ja teilweise Restriktionen, die kann man jetzt kaum verändern. Produktivität kann man ja sagen, wie wäre es, wir arbeiten alle ein bisschen mehr, oder das fängt jetzt schon damit an, dass man das sozusagen damit künstlich nach vorne schieben kann.
Ja, da rennst du bei mir ja offene Türen ein. Aber jetzt muss man natürlich schon sehen, auch hier gleiches Bild. Ich glaube, wir sind an so einer Zeitenwende angekommen.
Ab und zu werde ich gefragt, wie denn unsere Homeoffice- oder Präsenz-Policy sei. Wir haben de facto bei OMR keine ganz einheitliche Policy für alle. Aber jeder weiß, ich bin ganz großer Fan von Präsenzoffice und wir haben verschiedene Nespresso-Maschinen im Büro natürlich. Und ich bin wirklich überzeugt, Menschen kommen ins Büro, wenn es einem hier gut geht. Und dazu trägt Nespresso bei. Es gibt immer wieder Gesprächsstoff an der Kaffeemaschine, vielleicht auch demnächst über den Kaffee selber. Es wird nämlich eine B2B Limited Edition geben von Pumpkin Spice, also Nespresso und dann die Sorte Pumpkin Spice, passend zum Herbst, zu Halloween. Wer die ganzen Vorzüge von Nespresso erleben möchte, der muss gar nicht unbedingt extra zu uns ins Büro kommen, sondern kann das auch in seinem eigenen Unternehmen erleben. Einfach die Vielfalt von Nespresso Milchkaffee, Flavoured Coffee, Eiskaffee, alles könnt ihr auch haben. Ihr könnt Nespresso-Kaffee unverbindlich in eurem Unternehmen testen. Ihr bekommt für 3 Monate eine Nespresso Pro Maschine kostenfrei ausgeliehen und müsst nur euren Wunschkaffee dazu kaufen. Zum Start gibt's außerdem kostenfrei eine Kaffee-Masterclass. Habe ich auch sehr genossen. Man kann da vor allen Dingen seine Lieblingskaffees entdecken und direkt bestellen. Das Ganze kann man ganz einfach starten bei uns über den Link in unseren Shownotes und die Kollegen und Kolleginnen von Nespresso melden sich direkt bei euch.
Es kommt ein Vorschlag auf, wir müssen eine höhere Produktivität in Deutschland erreichen. Wütende Proteststürme, Ende des Sozialstaats. Es kommt eine Diskussion auf, wir müssen vielleicht darüber nachdenken, anders mit Erneuerbaren umzugehen. Wütender Protest, Ende der Energiewende. Also, wir haben ja im Moment so einen Reflex, dass jeder Reformvorschlag oder jeder Vorschlag, wieder irgendetwas zu machen, um uns voranzubringen, sofort natürlich von interessengeleiteten Gruppen massiv angegriffen wird. Und bei der Produktivität bin ich völlig bei dir, es ist glasklar, was gemacht werden muss. Ist auch glasklar, was gemacht werden muss, um die Sozialsysteme zu stabilisieren. Also Beispiel Rente: Jeder weiß, dass wenn wir jedes Jahr älter werden, wir auch irgendwann mal länger arbeiten müssen, sonst geht die Rechnung nicht auf. Wir haben Lohnnebenkosten in Deutschland, von den 40% redet ja niemand mehr. Wir reden jetzt darüber, ob wir es verhindern können, dass wir auf 50% zumarschieren. Und dann sagen wir gleichzeitig, ja, aber Schwarzarbeit darf nicht sein. Und Millionen von Deutschen beschäftigen schwarz ihre Haushaltshilfen. Ja, ich kann dir jetzt mal eine kleine Geschichte erzählen. Ich habe probiert, nicht schwarz einzustellen. Ja, ich habe es auch geschafft, kann ich übrigens sagen. Ja, aber ich kann dir sagen, wie viele bei mir gewesen sind, die nur schwarz gearbeitet hätten. Also das heißt, wir müssen an der Produktivität arbeiten, wir müssen an unseren Sozialsystemen arbeiten, wir müssen an der Energiewende arbeiten. Und da müssen wir an der ein oder anderen Stelle auch sagen, ja, wäre halt schön, wenn es bequem wäre. Nein, manchmal um seinen Wohlstand muss man auch ein bisschen kämpfen.
Also, aber es gäbe ja ein paar, also man könnte Feiertage, man könnte Arbeitszeiten, alles Mögliche.
Also ich finde, wir könnten digital viel effizienter und effektiver einsetzen, wir könnten länger arbeiten, wir könnten weniger Urlaub haben, wir könnten über Karenztage nachdenken, wir könnten alles möglich machen. Aber jeder dieser Vorschläge ist schon gemacht worden und jeder wird ja vehement und wütend bekämpft. Aber ehrlich gesagt, wir sind eines der reichsten Länder der Welt, wir leben besser als der Rest der Welt. Wir können nicht davon ausgehen, dass das einfach immer so bleibt, wenn wir nicht dafür Einsatz zeigen wollen. Ich glaube, wir müssen in Deutschland auch mehr Einsatz zeigen.
Du bist ja auch irgendwie relativ hörbar, du bist ja bei LinkedIn richtig aktiv, also für einen, sagen wir mal, CEO deiner Gewichtsklasse. Schon nach wie vor ungewöhnlich. Ich glaube, 60.000 Menschen folgen dir da. Da gibt es gar nicht so viele. Warum machst du das eigentlich?
Ja, gute Frage. Also eigentlich ist es für einen CEO geschäftlich am besten, möglichst wenig zu sagen, weil was hat die Firma davon? Im Zweifelsfall ächzt du ja nur an, wenn du irgendwelche Botschaften machst. Aber ich glaube, es ist wichtig, Wir als Wirtschaft, wir beschweren uns immer über die Politik als Gesellschaft und dann auch als Wirtschaft beschweren, die Politiker machen nichts. Aber wenn wir nie Stellung beziehen, uns nie sozusagen den Kopf raushalten, aber gleichzeitig sagen, aber du musst das machen, du musst jetzt eine schwierige Reform treiben, weil das erwarte ich jetzt von dir, aber auf mich kannst du nicht zählen, ich kann mich leider nicht exponieren. Warum sollte die Politik das tun? Und deswegen bin ich der Meinung, Es ist Aufgabe auch von Unternehmern, von Managern, von Leuten in exponierten Positionen, Stellung zu beziehen, auch wenn es nicht immer direkt nützlich ist, weil es das Richtige ist für Deutschland. Und dann ist es auch irgendwie das Richtige für meine Kunden. Und ganz banal, ich lebe ja davon, dass Deutschland ein reiches Land ist und diese ganzen Milliarden, die ich hier verbuddelt habe, über die nächsten 30 Jahre bezahlt. Ich habe ein Interesse daran, dass Deutschland ein reiches Land bleibt. Ich habe ein Interesse daran, dass meine Kunden wohlhabend bleiben. Und deswegen exponiere ich mich durchaus in der einen oder anderen Form, obwohl ich weiß, dass es kurzfristig mir eher schadet und mir solche Dispute einhandelt, wie wir sie vorher diskutiert haben.
Du machst ja auch Sachen, die sind ein bisschen unterhaltsamer. Buchtipps oder so. Da gibt es dann Hinweise, was man so lesen soll. Ich habe gesehen, ein Buch über den Forscher, der damals Anfang der—
Shackleton.
Shackleton, genau, der im ewigen Eis eingeschlossen war. Völlig irre. Genau, das sind ja Sachen, die dir scheinbar so schön—
Das ist ganz anders. Ich finde, man darf sich auch nicht immer zu ernst nehmen. Also ich habe mal irgendwann gedacht, ach, das waren doch schöne Bücher, habe ich die gepostet. Und dann habe ich gedacht, ach, das mache ich jetzt einfach regelmäßig. Ich bin aber auch der Meinung, die Welt wäre besser, wenn viele Menschen anstatt blödes Zeug zu machen, einfach ein gutes Buch lesen würden. Also gute Bücher eigentlich immer lesen.
Aber da empfindest du dich voller vor. Also du hast da, wer sich jetzt nach Buchtipps sehnt, bei dir irgendwie Im LinkedIn-Profil kann man runterscrollen, da gibt es einige.
Ja, ich lese ungefähr ein Buch die Woche.
Ach wirklich?
Ja, wirklich. Ich lese ein Buch die Woche.
Wir reden nicht von Sachbuch, Fantasy, Crime?
Schießt ja ungefähr, weiß ich, also alles kreuz und quer, aber schon eher weniger Belletristik. Belletristik ist nicht so meins, aber ich habe jetzt Dantes Inferno habe ich gelesen auf Italienisch oder Vergils Aeneid. Okay, wow, das ist ja nun wirklich. Also ich lese schon so kreuz und quer, aber dann halt auch mal so unterhaltsam. Wahnsinn, also völlig irrsinnig. Und das poste ich dann einfach und sage, ach, lies doch mal.
Machst du auch alles selber?
Die Posts mache ich selber, klar.
Und die, die das machen? Ich meine, viele CEOs haben ja Leute.
Ja, also fairerweise, ich schreibe die und schicke die an meine Kommunikationsabteilung und sage, sammelt die mal. Immer wenn ich ein Buch gelesen habe, Mache ich ein Foto, schreibe ein paar Zeilen dazu und schicke das an die. Und dann sammeln die das irgendwann und dann irgendwann posten wir das. Ich kann ja nicht jede Woche einen Buchtipp posten, das wäre ja Quatsch.
Aber du schaffst es wirklich, ein Buch zu lesen? Das ist ja brutal.
Jeder schafft es, ein Buch zu lesen.
Aber machst du das abends vorm Schlafengehen?
Ja, ich steige in den Flieger ein, ja, dann kannst du ja keine vertrauliche Unterlage lesen, wenn neben dir jemand sitzt. Ja, liest halt eine Stunde Shackleton, ne? Oder du bist abends im Hotel irgendwo Hast du einen Ordner gelesen? Kannst du den Fernseher anmachen? Kannst du dir irgendeine saublöde Sendung anschauen? Im Zweifelsfall lohnt die sich eh nicht. Oder liest du ein gutes Buch, an das du dich noch erinnerst? Also ich finde, es ist überhaupt kein Problem, ein Buch die Woche zu lesen. Es ist reine Frage der Priorität.
Es gibt ja häufig auch jetzt mittlerweile so Longevity, Fitness. Ich weiß, du bist jemand, der gerne wandern oder klettern geht. Machst du denn auch irgendwie dann auch noch jede Woche Sport oder jeden Tag Sport oder so was?
Ja, also ich versuche 5 Stunden die Woche Sport zu machen, also 5-mal die Woche eine Einheit zu trainieren. Was machst du dann? Ja, jetzt kommt drauf an. Also jetzt die letzten 3 Tage habe ich jeden Morgen so Kraft- und Cardiotraining gemacht halt.
Also auch so richtig Bankdrücken und Klimmzüge und so was?
Ja, Klimmzüge viel, ja. Klimmzüge, Krafttraining, Seilspringen, halt so eine Satzübungen. Wirklich?
Wie viele Klimmzüge kannst du zusammenstellen?
Kommt drauf an. Also unterstützt, nee, sage ich jetzt nicht.
Jetzt komm! Ich sag's auch, ich kann 16.
Nee, das schaffe ich nicht.
Unterstützt aber schon.
Unterstützt, ich mache viel mehr unterstützt.
Worüber wir noch nicht gesprochen haben, ich meine, dein Konzern ist glaube ich aktuell so Größenordnung 50 Milliarden wert, ne?
Ja, so zwischen 45, ja, 48 Milliarden glaube ich so roundabout.
Ist es ein gutes Investment? E.ON?
Also im letzten Jahr waren wir ein Kracher von einem Investment. Ich darf ja glaube ich nach vorne nichts sagen. Immer wenn ich zur Frau schaue und was sage, dann komme ich in ganz schwieriges Terrain rein. Börsenrecht und so. Ja, so Anlageempfehlungen darf ich als CEO nicht machen. Aber ich kann ja mal sagen, wir haben über die letzten 10 Jahre als E.ON einen Total Return to Shareholders von roundabout 10% pro Jahr gemacht. Ungefähr die Hälfte Dividende, Hälfte Wachstum. Manchmal ein bisschen mehr Wachstum, manchmal ein bisschen mehr Dividende, aber 10% per annum über 10 Jahre, schon solide. Und wir haben im letzten Jahr unseren Aktienkurs um 43% erhöht.
Was hat das getrieben?
Unser Wachstum. Also was der Bedarf, also was jetzt wirklich im Kapitalmarkt angekommen ist, ist, dass Infrastruktur die knappe Ressource ist. Und wir sitzen praktisch auf einer Welle, Wachstumswelle von Infrastrukturbedarf drauf, ne. Und das hat uns so stark wachsen lassen, kombiniert natürlich damit, dass wir uns im Kapitalmarkt eine Reputation erarbeitet haben, dass wir total zuverlässig liefern, ja.
Das heißt, man kriegt auch diese 5% Dividendenrendite, von denen du gerade sprachst, die Größenordnung zumindest, die kommen ja auch noch.
Also ich meine, das, oder die kommen ja dann irgendwie, die sind also 5% kommt aus dem Aktienwachstum und 5% kam aus der Dividende.
Aber 5% ist ja auch, wenn man weiß, die können ihr jedes Jahr—
Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe nur gesagt, was wir in den letzten 10 Jahren gemacht haben.
Ja gut, also man würde unterstellen, das ginge auch weiter so.
Hoffen wir es mal. Also wir haben ein Kapitalmarktversprechen darauf, dass wir unsere Dividende jedes Jahr um bis zu 5% steigern. Unsere Dividendenrendite ist mittlerweile geringer als 5%, weil unser Aktienkurs ja nach oben gegangen ist. Aber nein, wir waren ein sehr profitables Investment. Also wer Wer vor genau 10 Jahren eingestiegen ist, hat ein super Investment gemacht. Wer letztes Jahr, also wer vor 2 Jahren eingestiegen ist, hat ein super Investment gemacht. So kann man es, glaube ich, schon sagen.
Also das heißt, ohne dass du es jetzt gesagt hast, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das so bleibt aufgrund der Entwicklung, die wir sehen, ist jetzt nicht so klein.
Wir werden alles dafür tun, dass wir weiter ein profitables Investment sind. Müssen wir ja auch. Nochmal, wir machen nicht Profit um des Profits willen. Ich habe vorher gesagt, dass wir unsere Verschuldung jedes Jahr um 2 bis 3 Milliarden erhöhen. Unsere ganze Dividende, wie groß ist unsere Dividende? Was schätzt du denn?
Also offensichtlich einige Milliarden, aber ich weiß nicht wie viele.
Anderthalb Milliarden. Ist nur 1,5 Milliarden. Wir investieren, wir haben im letzten Jahr für das letzte Jahr 8,5 Milliarden investiert und 1,5 Milliarden Dividende und 2 Milliarden Nettoverschuldung gesteigert. Das heißt Dividende, was bei uns ganz klar die Bilanz treibt, ist die Investition. Wir investieren wie wild in deutsche Infrastruktur. Ja, das ist es. Die Dividende ist im Vergleich klein. Also wenn die Leute immer sagen, dann zahlt doch keine Dividende, dann kann die Rechnung nach unten fallen, sage ich, nee, nee, die Dividende ist ein kleiner Posten bei uns, 15% des Cashflows, der rausgeht. Die Investitionen sind es, die es treiben.
Aber gut, aber ich meine, ihr macht das ja auch, um die Aktionäre bei Laune zu halten, damit die euch weiter irgendwie unterstützen.
Also noch mal, wenn ich jede Woche, wenn ich alle 10 Wochen eine Milliarde refinanzieren muss, muss der Kapitalmarkt mir glauben, dass es eine gute Idee ist, mir Geld zu geben.
Ja, und dich mögen und dich irgendwie sehen.
Und deswegen ist das also, und deswegen Profit hat ja in Deutschland mittlerweile schon fast einen schlechten Ruf, aber wenn du Unternehmensgründer bist, weißt du, ohne Profit ist echt schlecht leben und schlecht zur Bank gehen. Meine Bank ist der Kapitalmarkt. Ich gehe nicht zur Sparkasse, ich gehe halt zum Kapitalmarkt in New York. Aber am Ende stellt er mir ähnliche Fragen wie die Sparkasse. Warum soll ich dir denn Geld geben? Und dann sage ich ja, weil ich profitabel bin und weil ich Geld verdiene und es dir zurückbezahlen kann.
Auf wen guckt ihr denn so als Wettbewerber?
Ja, das kommt drauf an, in welchem Bereich. Also wenn ich auf den Netzbetrieb— also es gibt, es gibt sehr eindrucksvolle Wettbewerber. Also ein eindrucksvoller Wettbewerber ist Iberdrola, ein spanischer, ein spanisches Unternehmen, ne, weltweit größtes Unternehmen im Energiesektor, vielleicht außerhalb China. Und auch einer, wenn nicht der größte Erneuerbarenproduzent. Die sind noch anders als wir, die haben Netze und Erneuerbare, die haben aber auch viel in den USA und viel in Südamerika.
Okay, also da guckst du mit.
Ich höre jetzt immer, gefallen mir, warum gefallen die mir? Weil die 20 Jahre lang, eigentlich 25 Jahre lang, super konsistent das Richtige gemacht haben. Die sind eigentlich immer gewachsen, 25 Jahre lang. Und das muss man honorieren. Wenn eine Firma es schafft, 25 Jahre lang immer was richtig zu machen, dann ist das top. Da würde ich mal sagen, da, also wir haben bei E.ON, wir machen jetzt seit etwas über, ist vielleicht seit 12 Jahren immer das Richtige, aber davor haben wir auch einiges falsch gemacht. Also wir haben zu viel investiert in Kraftwerke, in Großkraftwerke, wir haben zu spät investiert in Erneuerbare, gab es verschiedene Gründe dafür. Und dann hatten wir noch das Sonderthema deutsche Kernenergie. Das muss man ja erstmal zur Seite nehmen. Deswegen also, ich nehme an, du wärst lieber noch länger bis hin— ja klar, aber was den meisten Leuten nicht klar ist, ist natürlich, das hat bei uns intern das Eigenkapital rabiat gesenkt. Ist ja klar, wir mussten gewaltige Abschreibungen machen auf diese bestehenden Anlagen, und das versteht ja außerhalb niemand nach dem Motto, ihr wart ja immer noch profitabel. Das stimmt, aber mein Eigenkapital ist mir dadurch ja weggeschossen worden, dass ich diese Anlagen komplett abschreiben musste. Und dann aussteigen musste.
Verdient ihr eigentlich noch Geld mit dem Rückbau dieser Anlagen? Also ich meine, das war ja mal—
Nee, der Rückbau der Anlagen kostet nur Geld.
Ja, okay, das heißt, das müsst ihr aber noch machen. Was findet da statt?
Das sind 700 Millionen pro Jahr.
Und ist das irgendwann mal fertig? Hat man nicht mal so ein Atomkraftwerk dann irgendwann noch mal zu Ende abgebaut?
Ja, das dauert allerdings ziemlich lange und da hängt es halt davon ab, wie uns die Genehmigungsbehörden das Arbeiten erlauben. Das ist glaube ich noch mal ein Thema für sich.
Aber 700 Millionen im Jahr, um so ein Atomkraftwerk abzubauen?
Nee, alle Atomkraftwerke. Alle? Alle. An verschiedenen Standorten welche. Also wir haben im letzten Jahr rund 700 Millionen dafür ausgegeben, alle unsere Anlagen zurückzubauen. Dann gibt es einzelne Anlagen, da haben wir mit dem Geld viel zurückgebaut gekriegt, und andere Anlagen, da haben wir wenig geschafft, ne, weil Behörden das nicht so— weil die Behörden alle möglichen absurden Ideen haben. Aber das ist wirklich, das wäre ein Podcast für sich, lass den mal hier raus.
Es gibt ja das Thema Regulierung da und Bürokratie Wobei ich sagen muss, ich habe ein paar Gespräche von dir vorab gehört und es gibt ja viele, die fluchen so über die Bürokratie. Und wenn man dann sagt, okay, was denn genau und wo bist du jetzt von der Bürokratie wirklich genau betroffen, dann kommt da gar nicht so viel. Gerade so bei Digitalleuten, na klar, kann man jetzt über die KI-Regulierung sich beschweren. Aber bei dir fand ich interessant, du hast ja wirklich ein paar Punkte, die waren mir nicht so bewusst, wo du sagst, okay, da ist wirklich Bürokratie zum Anfassen. Also bei dem Tim Höckes war es auch schon so, dass der sehr genau sagen konnte, wenn er da irgendwas bauen möchte, dann wird ihm das nicht erlaubt oder wird ihm das sehr schwer gemacht und er würde lieber zum Beispiel erstmal Vertrauen genießen und dann bestraft werden, wenn es nicht klappt. Und das erlebt ihr glaube ich genauso.
Ja, absolut. Also wir haben Landesbehörden, ich nenne jetzt mal keine Länder, aber es gibt Bundesländer, da haben wir das Vertrauensprinzip. Ihr wisst, was ihr dürft und was ihr nicht macht. Macht's, ist eure Verantwortung. Wir prüfen, ob ihr euch an die Regeln gehalten habt, aber ihr dürft machen. Dann gibt es andere, die sagen, wir wollen erstmal jeden Schritt, den ihr macht, mit euch diskutieren. Im Übrigen bin ich jetzt erstmal 4 Wochen im Urlaub. Dann machen wir 4 Wochen nichts. Also das ist der Unterschied. Also ja, ich würde viel mehr eigenverantwortliches Handeln haben und dann nur kontrollierende Regulierung hinterher. Das wäre Punkt 1. Es gibt aus meiner Sicht aber auch ganze Regulierungspakete, da müssen wir darüber nachdenken, nicht einzelne Ausnahmen zu machen, sondern sie zu streichen. Zum Beispiel auf europäischer Ebene, weiß ich, kennst die Taxonomie, ne, also Finanzmarktregulierung, die de facto dafür sorgen soll, dass das Geld nur in politisch gewünschte Sektoren fließt. Ja, ist eine Riesenbürokratie, hat bei mir bei E.ON 0,0 Relevanz. Aus meiner Sicht streicht das Ganze, ne. Diese ganze Taxonomieregulierung ist ein Riesenpaket auf europäischer Ebene. Die führt nur dazu, dass der Kapitalmarkt weiter fragmentiert wird. Streichen. Also braucht kein Mensch, ne. Nachhaltigkeitsberichterstattung ist ein Albtraum. Menschenrechtsberichterstattung, ich muss sagen, ich habe Menschenrechtsbeauftragten, der dann jedes Unternehmen darauf untersucht, de facto wir Sklavenarbeit haben. Da kommt, also das ist für mich ein Riesenprozess, weil ich habe ja 1000 Unternehmen verteilt, also legal Beteiligung und sowas, Beteiligung, legale Einheiten, und Ich muss ja dann dokumentations- und gerichtsfest zeigen, dass ich einen Prozess gemacht habe, dass ich in allen diesen 1000 Einheiten keine Sklaven habe.
Hast du ja nicht.
Es kam in der Tat raus am Ende, ich habe keine Sklaven.
Tatsächlich?
Ja, sage ich immer zu mir, außer meinen Führungskräften, aber die werden dafür bezahlt. Also, aber es ist, also es gibt ganze Pakete, und was wir machen, ist, wir schnitzen dann immer so rum und sagen, okay, nur noch für Unternehmen größer X und größer Y. Alle Ausnahmen, die dann am Ende gelten, sind: Ich bin immer größer als irgendwas. Am Ende, die ganzen europäischen Omnibusse, die habe ich noch nicht gesehen, aber ich habe in der gleichen Zeit, also Omnibusse, diese Entbürokratisierungspakete in Brüssel, aber in der gleichen Zeit kriege ich neue Regulierung rein. Also Country-by-Country-Tax-Reporting, ne? Wir müssen jetzt unsere Steuererklärung nach Ländern runterbrechen, dass wir also warum wir in welchem Land wie viele Steuern bezahlt haben. Ja, also dann habe ich irgendwo einen Bond über eine Luxemburger Tochter begeben oder über eine niederländische Tochter. Versteht kein Mensch, ja. Dann, dann, aber für uns ist das eine Riesenarbeit, ja. Und dann kommen die Leute zu uns und sagen, ah, der Birnbaum zahlt ja da keine Steuern, aber da viel. Dann sage ich, ja, das liegt daran, wie wir die Derivate abgerechnet haben im Handelsgeschäft. Dann schauen mich alle mit großen Augen an. Was mache ich als Nächstes? Ich beschäftige 2 Leute, um diese überflüssige erste Regulierung in der Kommunikation zu verpacken, damit nicht vollkommener Blödsinn über mich berichtet wird. Am Ende des Tages machen dann 6 oder 7 Leute Bürokratie, die den Kunden 0,0 voranbringt und bei mir nur Kosten produziert.
Von deinen 77.000 Leuten sind auch eigentlich wirklich dann wirklich viele Handwerker dabei, die am Ende die Netze bauen, oder wie sind das alles so?
Die größten, die größten Gruppen, die wir haben, sind die Netztechniker, also die Leute, die überall im Netz unterwegs sind. Wir beschäftigen aber auch jede Menge Drittfirmen. Aber meine Leute machen de facto die Störung und den Betrieb, ne. Und die geplanten Projekte, das machen meistens Fremde. Aber auch wenn ein Fremder in meinem Netz arbeitet, muss einer von meinen Leuten hingehen. Warum? Ist ja klar, ich komme irgendwohin, in Umspannwerk, 10.000 Volt, 20.000 Volt, was auch immer, dann muss einer von meinen Leuten da sein und sagen, okay, ich habe es dir jetzt abgeschaltet, jetzt darfst du hier arbeiten und hier arbeiten, dort bitte nicht, weil dort ist es tödlich. Also es muss einer von meinen Leuten, muss die Anlage freischalten.
Aber das sind schon von den 77.000, sind schon dann auch viele Techniker, Handwerker.
Techniker und Callcenter habe ich viel, ne. Ich habe viele im Callcenter für den Kunden und ich habe viele im Netz, also die Techniker fürs Netz, das sind mit weitem Abstand die größten Truppen bei mir.
Und sag mal, als jetzt in Berlin da vor kurzem dieser Anschlag verübt worden ist, das war ja auch, weil der auch mit betroffen ist, weil da waren ja auch dann Kunden von euch zum Teil, die da betroffen waren, ne?
Ja, aber der, der das Problem hatte, war in dem Moment nicht der Vertrieb, sondern der Netzbetreiber, der lokale, also Netze Berlin, ne? Und aber was wir dann gemacht haben, ist von meinen Tochterunternehmen aus Schleswig-Holstein, aus Niedersachsen aus Sachsen, aus Mecklenburg-Vorpommern, aus Bayern, hier aus dem Ruhrgebiet. Also aus allen diesen Gesellschaften sind Truppen von mir nach Berlin gefahren mit Technikern und Notstromaggregaten, um möglichst Kunden schon wieder zu versorgen, bevor sozusagen die Reparatur gemacht worden war.
Hätte die Reparatur so lange dauern müssen unbedingt? Ich meine, ich frage das deswegen, weil ich habe einen Artikel gelesen als Laie, wo dann steht, in Kiew oder in der Ukraine, da fallen Bomben bewusst auf so ähnliche Anlagen offensichtlich, und dann sind die trotzdem irgendwie ein paar Stunden später wieder alle online, weil die das so schnell im Griff haben. Bei uns ist es so, da kommt ein Anschlag und dann dauert es 2 Wochen, bis es wieder live geht. Wie kann das sein? War so der Tenor. Und da habe ich als Laie, denkt man sich, oh stimmt, da bomben die bewusst die Energiekapazitäten kaputt, aber irgendwie geht es dann doch weiter. Und bei uns, hast du, also ist das eine naive Sicht drauf, oder?
Na, also es ist tatsächlich sehr schwer, sowas zu reparieren. Also du kannst 110.000-Volt-Kabel bei Minustemperaturen in einer schmutzigen Umgebung nicht reparieren. Du musst dann erst ausbuddeln, eine trockene Arbeitsumgebung schaffen, das Zelt aufheizen, und dann brauchst du Spezialisten, die das können. 110.000-Volt-Kabel, das sind richtige Trümmer, ne. Also das, also wir, wir, wenn wir sowas geplant machen, planen wir dafür 2 Wochen ein, vielleicht auch sogar 3 Wochen. Das in 4 Tagen oder 5 Tagen gemacht zu haben, ist schon in Ordnung, also kann man nichts sagen. Okay. Und wir haben ja mit der Unterstützung der ganzen Branche, aber halt E.ON, waren die Berliner Versorger in der Lage, viele Kunden schon vorher ans Netz zu bringen. Wir haben in Wahrheit viele Kunden ja schon zurück in die Stromversorgung gebracht, bevor die Reparatur erfolgt war, indem wir halt mit Notstromaggregaten gekommen sind. Da waren auch viele von meinen Truppen dabei, war ich auch sehr stolz drauf.
Okay, okay.
Ist ja eine meiner Lieblingsgeschichten. Im letzten Jahr gab es so diesen fürchterlichen Sturm in Irland, erinnerst dich vielleicht? Da gab es einen Sturm in Irland und da waren die ja zum Teil wochenlang ohne Strom, also noch viel länger als in Berlin. Hunderttausende von Kunden. Und der irische Netzbetreiber hat um Hilfe gerufen und ich habe dann hier nach Freiwilligen gefragt, also Freiwillige, die sich in einen Lastwagen setzen mit— die brauchten Laster mit Hubsteigern und, und Ersatzteilen. Und dann haben wir innerhalb von 3 oder 4 Tagen 50 Trupps nach Irland gebracht, die dann in die Dörfer gefahren sind und in den Dörfern die Stromversorgung wiederhergestellt haben. Die sind auch königlich behandelt worden vor Ort, aber wenn sie dann kamen, aber das fand ich, das war ganz toll, die Geschichte, weil da war ich so richtig stolz auf meine Leute. Die haben das nicht fürs Geld gemacht, die haben das gemacht, weil die irischen Kollegen um Hilfe gerufen haben.
Wo du jetzt gerade UK sagst, ich hatte noch in der Vorbereitung über eine Firma gelesen, die wohl im Strommarkt so das ganz große Ding ist, wo alle hingucken, so das Strom-Dekakorn, und zwar Octopus Energy. Die kommen nicht aus Irland, sondern kommen glaube ich aus England. Und da höre ich jetzt auch wieder so aus der Ferne, die müssen so diejenigen sein, die da gerade so den smartesten Ansatz haben.
Nö, also die haben das Gleiche, die haben die gleiche Technologieplattform wie wir. Sie sind in England tatsächlich die Größten, weil sie in England eine Reihe von anderen Vertrieben aufgekauft haben, also die Kundenbasis aufgekauft haben. Aber auch Octopus ist genau wie wir in dem Markt in ständiger Veränderung. Ich habe es ja vorher gesagt, der Markt ändert sich jetzt, und deswegen, da werden die Karten, die werden eigentlich jedes Jahr neu gemischt.
Also du hast sie im Blick, aber sagst du, da ist jetzt nichts, was ihr nicht auch könntet oder was nicht auch andere Firmen können?
Ich habe die im Blick und es ist eine der guten Firmen.
Okay, aber niemand ist besser als E.ON offensichtlich.
E.ON ist sensationell. Wir machen auch alles Mögliche falsch, aber ich glaube, wir machen halt sehr viel richtig. Was wir in der Infrastruktur leisten, auch was wir in der Krise geleistet haben, im Vertrieb geleistet haben, die Transformation, die wir jetzt machen, die innovativen Produkte, die wir anbieten. Ich glaube, wir müssen uns nicht verstecken.
Okay, okay, okay.
Vielen Dank. Hat Spaß gemacht.
Dankeschön. Alles klar. Ciao, ciao. In eigener Sache, und zwar werde ich doch seit Jahren wirklich häufig gefragt, ob mir für eine offene Stelle irgendwo jemand einfällt, und zwar als Arbeitnehmer, als Mitarbeiter an einem spannenden Projekt, in einem größeren Unternehmen, wie auch immer. Vom High-Profile-Job bis zum ganz normalen Profil ist alles dabei. Und häufig ist mir wirklich schon mal jemand eingefallen und ich habe Intros gemacht, Leute zusammengebracht. Dann kam häufig Monate später eine WhatsApp mit: Danke, heute ist mein erster Arbeitstag. Oder: Danke, passt perfekt. Wie auch immer, meistens hatte ich schon längst vergessen, dass ich da zwei Seiten zusammengebracht hatte. Und genau das möchte ich jetzt etwas professioneller aufziehen. Deshalb haben wir nach einiger Zeit des Testens jetzt ein eigenes Produkt erschaffen innerhalb von OMR, und zwar OMR Executive Search haben dafür extra einen neuen Kollegen an Bord geholt, und zwar den Sebastian Herrgott. Also ja, wirklich Herrgott. Er ist seit ganz vielen Jahren in der Branche und bringt genau solche Leute aus der Branche zusammen und hilft mir dabei. Wer also jetzt hier zuhört und gerade jemanden sucht auf Leadership-Ebene oder auch einen drunter im Marketing, in Digital, in Sales, in KI, dann schreibt uns bitte an ahead@omr.com. A-H-E-A-D ahead@omr.com. @omr.com. Das erste Gespräch mit Sebastian oder mit mir kostet gar nichts. Wir hören einfach zu, was oder wen ihr sucht, und dann wird der Sebastian oder auch ich für euch aktiv werden. Also meldet euch bitte. Auf geht's! Dieser Podcast wird produziert von Podstars bei OMR.
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