Techniker-Krankenkasse-Chef Jens Baas (#754)
1 Dec 2024 · 62 min
Jens Baas, CEO of Techniker Krankenkasse, grew from transplant surgeon to leading Germany's largest statutory health insurer for 12 years. He doubled membership to over 11 million through cost optimization and strong service, and criticizes the current billing system that incentivizes overtreatment and fraud.
Chapters
Wenn man sich den idealen Chef für eine Krankenkasse malen könnte, dann müsste es der Jens sein. Denn erstens ist er selber Arzt, zweitens war er lange Berater und drittens hat er, um dann vom Berater zum TK-Chef zu wechseln, auf wirklich mehrere Millionen verzichtet. Er hat mir auch ziemlich genau erklärt, auf wie viele, um dann diesen Job machen zu können, von dem er denkt, dass er damit wirklich maßgeblich die Welt ein Stück weit ändern kann. Mir war lange gar nicht klar, wie das ganze System Krankenkassen und Ärzte überhaupt funktioniert. Der Jens hat mir das erklärt und auch beschrieben, wie er geschafft hat, die TK da zum Preisführer und zum wachstumsstärksten Player zu machen. Das Ganze ist am Ende nämlich auch ein Business. Wie man sich in diesem sehr, sehr kompetitiven Markt überhaupt differenzieren kann, wie er das gesamte System am liebsten verändern würde, welchen Gesundheitsminister er in den letzten Jahrzehnten am besten fand und welche Ärzte nach wie vor noch eine Menge Geld verdienen. All das jetzt im Gespräch mit dem Chef der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas.
Auf geht's! Let's go!
Go, go, go! Herzlich willkommen beim OMR.
Podcast mit Philipp Westermeyer.
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Hallo Jens.
Hallo Philipp. Ja, ich glaube auch, der ein oder andere wird erstmal einen Schock kriegen. Was macht hier eine Krankenkasse? Das klingt ja nun wirklich öde. Ging mir ehrlich gesagt, bevor ich dort gearbeitet habe, auch so. Von daher bin ich mal gespannt, ob es uns gelingt, das irgendwie so ein bisschen spannender zu machen.
Wobei du auf dem Papier schon mal jemand bist, der auf jeden Fall davon Ahnung hat, unabhängig von deinem Job. Du bist sowohl mal lange Berater gewesen bei BCG.
Ja.
Als auch Arzt.
So ist es, genau. Ich habe als Arzt mal angefangen in der Chirurgie, habe dort relativ viel, sage ich mal, universitäre Chirurgie halt gemacht, Transplantationschirurgie ziemlich viel, und habe dann irgendwann gesagt, na ja, also ich hatte meinen Facharztkatalog fertig, du musst also eine ganze Reihe Sachen operieren, so was heißt x Mageneingriffe und so was alles, und hatte ich das alles fertig, habe ich gesagt, ich will eigentlich mal Chefarzt einer Uniklinik werden. Das war so mein Plan. Also wollte nie jetzt eine Praxis machen, sondern ich wollte Chefarzt einer Uniklinik werden und habe dann da gesagt, okay, Ich habe aber null Ahnung von Betriebswirtschaft, weil da lernt man im Medizinstudium nichts drüber, in der Facharztausbildung auch nicht. Wie soll ich mal so eine Uniklinik leiten, wenn ich null Ahnung von BWL habe? Und dann habe ich gesagt, okay, mein Plan ist, ich gehe jetzt mal 1, 2 Jahre zu einer Beratung. Kannte nur BCG McKinsey, deswegen habe ich mich auch nur da beworben, weil es war das Einzige, was ich kannte, ziemlich blauäugig. Und dann gehst du da 1 bis 2 Jahre hin, dann lernst du BWL, dann kommst du zurück und kannst viel besser Chefarzt werden. Das war so ein bisschen der Plan.
Wie lange warst du dann da am Ende?
Dann war ich nachher 11, 12 Jahre da, war dann ja auch als Partner nachher zuständig für alles, was Krankenkassen, Krankenversicherungen gehabt hat. Also der Plan ist, krachend gescheitert, weil es mir einfach auch so viel Spaß gemacht hat. So nach 1, 2 Jahren war eben der Punkt, wo ich überlegt habe, gehst du zurück oder nicht? Habe zu dem Zeitpunkt viel Banken gemacht, weil ich wollte ja irgendwas lernen über BWL. Dann habe ich viel Auto gemacht, weil das interessiert mich, war so ein Hobbythema von mir. Und dann waren eben auf einmal 3 Jahre vorbei und dann war eben der Punkt, wo ich gesagt habe, entweder du gehst zurück, weil wenn du noch länger bleibst, dann kannst du nicht mehr in die Chirurgie zurück. Dann ist irgendwie alles veraltet, was du gelernt hast, und du bist auch zu alt langsam. Und so bin ich dann da geblieben. Also es war ein totaler Unfall, daraus zu rutschen.
Und wie bist du dann von da aus in die heutige Position gekommen?
Ja, das war auch wieder Zufall. Sieht im Nachhinein ja alles so geplant aus, war es null. Ich habe wie gesagt am Anfang ganz viel Finanzen gemacht, weil ich das einfach gedacht habe, da lerne ich viel. War aber, muss ich ehrlich sagen, ein bisschen eine Enttäuschung. Ich mochte die Mentalität der Leute nicht und es war auch, die Banker mögen es mir verzeihen, fast ein bisschen einfach. Ich meine, der eine gibt dir halt Geld, du versuchst es besser anzulegen, als du ihm Zinsen bezahlst. Das ganze Geschäftsmodell einer Bank. Dann habe ich Auto viel gemacht, weil Auto finde ich super spannend. Also eigentlich wollte ich auch im Autobereich bleiben, habe auch in Stuttgart da gewohnt, hast auch den Vorteil, mal zu Hause schlafen zu können. Gab es zumindest mal 2 Anbieter, wo du auch zu Hause schlafen konntest, und war eigentlich auf dem Weg, sozusagen Karriere bei BCG im Autobereich zu machen. Und dann hatten wir ein relativ großes Projekt bei BCG verkauft an die AOK, kann man sagen, ist es auch schon so lange her und veraltet. Da ging es um die Einführung von Disease-Management-Programmen, waren relativ großes Projekt, also Damals eine gesetzliche Änderung, die war für die AOK relativ wichtig, da konnten die durchaus viel Geld raus generieren und haben deswegen großes Beratungsprojekt gemacht. Das Problem war nur, das Projekt startete und der dafür vorgesehene Projektleiter kündigte bei BCG. Das heißt, er hat irgendwie sich selbstständig gemacht und dann war die AOK beleidigt und hat gesagt, ja, Sauerei, ihr habt uns dieses Projekt verkauft mit diesem Projektleiter, den wir haben wollten, und jetzt kündigt der, das ist doch Beschiss, ihr wusstet doch, dass der geht, habt uns trotzdem das Projekt verkauft, geht alles gar nicht. Also war große Aufruhr bei BCG, was machen wir jetzt? Und dann hieß es, ja, Ist nicht schlimm, wir haben ja noch diesen promovierten Arzt, der macht es jetzt. Ich hatte null Ahnung vom Gesundheitssystem, weil das haben Ärzte nämlich auch nicht, aber es klang halt erstmal toll. Wir haben da einen promovierten Arzt, der macht es jetzt. Also bin ich auf einmal ins Gesundheitssystem reingerutscht, hat also gar nichts eigentlich damit zu tun, dass ich es wollte. Und es hat mir aber auch so viel Spaß gemacht, weil es einfach, klingt blöd, aber so geil kompliziert ist. Es ist halt alles viel schwieriger als woanders. Diese klassischen Mechanismen, so einer kauft was, der andere verkauft was, gibt's halt nicht, sondern der eine verkauft was, aber ein Dritter bezahlt. Damit funktioniert natürlich alles, was eine normale Marktwirtschaft überall reguliert, überhaupt gar nicht. Und das fand ich super spannend. Und dann natürlich ist es ein Thema, was für alle Leute relevant ist. Also ich meine, du kannst dir ein Auto kaufen oder nicht, du kannst ein Konto haben vielleicht noch oder nicht, aber Gesundheitssystem kommst du nicht raus, da bist du auf jeden Fall von betroffen. Okay. Und so bin ich dann dahin geblieben, und dann hat sich das auch irgendwie gut entwickelt, bin relativ schnell Partner geworden und habe dann, was in Europa bei uns Payer-Provider heißt, also alles, was Krankenhäuser, Krankenversicherung hat, geleitet und Ja, so war ich dann bei BCG auf einmal für den Bereich Krankenhäuser zuständig.
Und dann bist du irgendwann, hast die Seiten gewechselt.
Und dann kam irgendwann mal ein relativ kleines Projekt sogar bei der TK, wo mich dann mein Vorgänger fragte, sag mal, willst du nicht eigentlich lieber direkt bei uns arbeiten als für uns arbeiten? Und das war so eine Phase, wie gesagt, ich habe immer gerne beraten. Was mich immer genervt hat, du warst nie echt verantwortlich. Du hast halt irgendwie beraten und wenn es gut gelaufen ist, hast du gesagt, total, habe ich total gut beraten, ist super geworden. Und wenn es nicht gut gelaufen ist, hast du gesagt, habe ich total super beraten, haben die halt schlecht umgesetzt. Also du warst nie echt verantwortlich für irgendwas und das fand ich Ätzend. Und zu dem Zeitpunkt war ich eben gerade am Überlegen, will ich jetzt für immer Berater bleiben, was natürlich finanziell eine ganz andere Dimension gewesen wäre als das.
Was verdient man so als Topberater?
Also ich kann nur sagen, was ich verdient habe. Bei mir waren das immer so in der Größenordnung ungefähr 2 Millionen, die du da verdienst. Du kannst natürlich als Seniorpartner dann noch mehr verdienen. Ich glaube, bei McKinsey kann man auch noch ein bisschen mehr verdienen als bei BCG, weil die ein bisschen anders verteilen zwischen Senior- und Juniorpartnern. Aber sehr ordentlich. Also ist jetzt kein Geheimnis, mein Wechsel zur TK hat mich sicher 80% meines Gehalts ungefähr gekostet.
Ach wirklich?
Ja, also überlegt man sich schon, ob man das macht oder nicht. Also es war jetzt keine finanzgetriebene Entscheidung, auch wenn jeder immer schimpft, wie viel Krankenkassenvorstände verdienen, aber relativ gesehen ist es deutlich weniger als bei BZgA. Also habe ich schon eine Woche schlecht geschlafen, überlegt, machst du das oder nicht? Aber es muss ja niemand Mitleid mit mir haben. Also erstens habe ich vorher ein bisschen was verdient, zweitens verhungere ich jetzt auch nicht. Also ich wollte jetzt bitte hier keine Tränen hervorrufen, aber ich glaube, jeder kann nachvollziehen, überlegen tust du es schon, ob du das machst oder nicht machst. Aber dann eben die Chance zu haben, und deswegen ist Krankenkassen schon ein geiles Geschäft, so ein Unternehmen zu leiten, was einen Umsatz hat, der größer ist als unser Verteidigungshaushalt.
Also genau, wollte ich gerade sagen, also 50 Milliarden, das ist mehr als die Bundeswehr.
Ja, absolut.
Also wir reden nur von der TK, ne?
Ja, nur die TK. Also unser Umsatz ist schon also wirklich groß, was wir als Bilanz haben.
Aber den zahlt ja nicht die Menschheit, den zahlt euch am Ende der Staat.
Der zahlt den Staat nicht, sondern das zahlt ja in der Tat, sage ich mal, der Beitragszahler. Also das Geld, was vom Beitragszahler kommt und den Arbeitgebern, ist ja theoretisch bei denen, die irgendwie angestellt sind, das ist das Geld, was wir dort haben und was wir dann auch natürlich logischerweise wieder an—
aber trotzdem, ein dritter zahlt, hast du gerade gesagt. Das heißt irgendwie, du hast gerade, es ist nicht nur die Kunde und—
nee, aber der Arzt, der Kunde, also der Kunde, der Patient geht zum Arzt, bekommt irgendwas, der Arzt bietet die Leistung an, aber bezahlen tut der Kunde sie ja nicht.
Bezahlen tun wir sie.
Das heißt, dass wenn ich jetzt zum Autohändler gehen würde und sagen würde, weil ihr jetzt nicht machen könnt, was ihr wollt, also ihr könnt ja schon— der Staat ist bei uns leider involviert. Weil wir an vielen Ecken eben ein regulierter Bereich sind. Das geht mir auch immer ziemlich auf die Nerven. Wir sind ja offiziell Körperschaften öffentlichen Rechts, also eben keine GmbH oder irgendwie so was. Wir gehören in Anführungszeichen den Versicherten, aber der Staat reguliert uns sehr stark.
Wer ist denn dein Chef?
Niemand. Es gibt keinen wirklichen Chef. Ich habe eine Selbstverwaltung. Das entspricht ungefähr dem, was ein Aufsichtsrat wäre. Die wählen mich. Also die sind am ehesten das, was man als Chef bezeichnen würde. Die können mich auch wieder abwählen.
Und wer ist denn das so bei euch im Aufsichtsrat?
Also es gibt Arbeitgeber- und Arbeitnehmervereinigungen, Versichertenvertretungen. Bei uns ist in der Arbeitgebervereinigung zum Beispiel die BDA mit drin. Bei den Versicherten gibt es eben Gruppen, die sich zusammentun und sich dort dann wählen zu lassen und damit so eine Art Aufsichtsrat zu machen. Also von daher ist die Struktur ähnlich. Die haben auch das Recht, grundlegende Entscheidungen zu treffen. Also wenn wir zum Beispiel fusionieren wollten, dann könnte ich das nicht alleine machen, sondern muss ich mit denen reden und die müssen die Entscheidung treffen, so eine Fusion zu machen. Also das ist das, was am ehesten einem Chef entsprechen würde.
Okay, aber das heißt, du kriegst dann immer so Zeitverträge über 3 oder 4 Jahre oder so was?
6 Jahre, genau. Also du kannst maximal 6 Jahre gewählt werden. Meine Verträge sind auch immer 6 Jahre. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Und dann wirst du neu gewählt von denen oder eben auch nicht.
Und was ist deine Performance? Also was musst du gut machen? Ich hätte am Anfang so gedacht, naja, es ist doch eigentlich relativ einfach, weil das Geld kommt ja. Also du hast ja irgendwie jetzt ein Abo-Modell. Also jetzt die Beiträge werden abgebucht, die Arbeitgeber sind gezwungen zu bezahlen. Also so richtig der Kampf um Umsatz ist ja da.
Und das ist eben, glaube ich, ein Irrtum, den relativ viele Leute haben, weil wir sind in einem Bereich, der eigentlich sogar extrem harten Wettbewerb hat, weil natürlich wollen wir alle erfolgreich sein. Und erfolgreich bei uns bedeutet wachsen. Das heißt, mein Key Performance Indicator ist Wachstum. Schaffe ich es, über einen gewissen Zeitraum zu wachsen?
Und wachsen heißt, neue Mitglieder zu bekommen.
Das heißt, als ich angefangen habe bei der TK, waren wir ungefähr halb so groß wie jetzt und waren die zweit-, drittgrößte Krankenkasse. Jetzt sind wir mit weitem Abstand die größte Krankenkasse. Über 11 Millionen haben wir jetzt Versicherte. Als ich angefangen hatte, hatten wir so 6.
Wann war das, sag mal?
Vor 12 Jahren, so was in der Größenordnung.
Wie hast du das gemacht?
Das ist genau der Punkt. Wo kann man unternehmerisch handeln? Es gibt ja Wettbewerb zwischen Krankenkassen. Wenn du dir überlegst, wo du hingehst, dann hast du ja mittlerweile 90 Krankenkassen zur Auswahl. Wonach entscheidest du? Nach 2 Themen: Was kostet die Krankenkasse und was bietet die dir an Leistungen und Service? Und in beiden, sorry für den Werbeblock, finde ich aber einfach so, sind wir extrem weit vorne. Und warum ist man das? Weil wir zum Beispiel unsere Verwaltungskosten, und da kommt genau die Frage, wo ist unternehmerisches Handeln da drin, es schaffen, deutlich günstiger zu sein als alle anderen Krankenkassen. Wenn wir durchschnittlich hohe Verwaltungskosten hätten, also nur Durchschnitt, nicht die teuersten, sondern durchschnittlich hoch, dann würde das uns 500 Millionen im Jahr mehr kosten, oder wir wären 0,2 oder 0,3 Barterpunkte teurer. Das heißt, allein dadurch, dass wir eben vernünftig aufgestellt sind, vernünftige Prozesse haben, dafür sorgen, dass bei uns wirklich alles industrialisiert läuft, sparen wir unseren Versicherten 500 Millionen Euro jedes Jahr ein gegenüber Durchschnitt, oder eine Milliarde gegenüber den teureren Krankenkassen, die wir dann auf den Beitrag umlegen können. Deswegen sind wir eine günstige Krankenkasse. Und haben gleichzeitig Prozesse, die einfach viel besser funktionieren. Das ist der zweite Erfolgsfaktor, glaube ich, der letzten 10 Jahre oder auch schon der TK vorher, wenn man ehrlich ist. Ich habe immer gesagt, wir sind nicht gewinnorientiert, weil wir eine Körperschaft sind, aber wir sind trotzdem ein Unternehmen. Und wir kommen aus einer Zeit, wo die gesagt haben, wir sind eigentlich wie so eine Behörde. Du musst gefälligst, wenn du uns anrufst, dann sei froh, wenn wir deinen Antrag bearbeiten. Da musst du gefälligst dankbar sein, dass wir es überhaupt machen. Und aus der Einstellung haben wir uns extrem schnell rausentwickelt, haben gesagt, das ist Unsinn, sondern Du kannst, wenn du nicht zufrieden bist mit der Krankenkasse, nicht so einfach wechseln wie deine Krankenkasse. Es gibt kein angespartes Vermögen, es gibt keine Risikoprüfung. Du kannst jetzt sagen, nee, die finde ich scheiße, ich gehe zu einer anderen. Also sind wir drauf angewiesen.
Das ist vielen, glaube ich, gar nicht bewusst.
Das ist in der Tat vielen gar nicht bewusst. Viele Menschen haben so ein unbewusstes Gefühl, ich bin ja lange irgendwo, dann werden die auch gut zu mir sein, wenn ich irgendwas brauche. Also das ist ja so was, wovon viele Versicherungen leben, dass die Menschen glauben, da ist so eine Art inherente Dankbarkeit einer langen Kundenbeziehung. So was sieht die Krankenversicherung aber nicht.
Also gibt es denn Check24 krankenversicherungsartig? Also das heißt, da gibt es schon Anbieter, die versuchen, da wie—
Klar, absolut. Also Check24 ist natürlich auch im Krankenkassenbereich relevant und geht dort irgendwie um. Es gibt jede Menge Krankenkassen-Ratings. Wir werden Ende des Jahres wieder Beitragserhöhungen sehen. Da werden wir deutlich sehen, sozusagen, was es an Krankenkassen-Rating gibt. Also da gibt es sehr viele Vergleiche und auch Viele Wechsel. Also wir haben, wir nennen das sogenannte mobile Segment, also Menschen, die wechseln im Jahr. Das sind jedes Jahr so 2 bis 3 Millionen Versicherte im gesamten GKV-System.
Also in Deutschland?
Die wechseln, ja, die von einer Krankenkasse zur anderen gehen. Ist auch der große Unterschied zu privaten Versicherungen, in der ich ja nun nicht wechseln kann. Wenn ich einmal drin bin, bin ich für alle Ewigkeit drin. Also da gibt es keinen Wettbewerb mehr. Deswegen finde ich immer so witzig, dass die Leute glauben, private Krankenversicherung Wettbewerb und gesetzliche keiner. Es ist genau umgekehrt. In der privaten gibt es einmal Wettbewerb, nämlich bis du drin bist. Und dann bist du gefangen.
Also ich muss sagen, ich bin tatsächlich kein Experte, habe mich jetzt ein bisschen vorbereitet, aber dieses, ich bin selber nicht privat versichert. Um sich privat versichern zu können, muss man ein gewisses Einkommen haben und dann auch noch bereit sein, was zu tun?
Nichts zu tun. Also ich zum Beispiel bin privat versichert, bin der Vorstand der größten gesetzlichen Krankenversicherung und privat versichert. Warum? Weil ich natürlich als junger Arzt, kommt dann so ein MLP-Mensch zu dir, hat irgendwie einen Atlas dabei und sagt, diesen schönen bunten Atlas kriegst du, wenn du hier unterschreibst, und außerdem ist es erstmal auch viel billiger. Und da auch ein Arzt, wie gesagt, gar keine Ahnung von Gesundheitssicherung, das ist ja super. Also ich zahle viel weniger und ich kriege diesen schönen bunten Atlas, wo muss ich unterschreiben? Also habe ich direkt unterschrieben und das ist genau der Punkt. Und seitdem kommst du nie wieder raus, weil wenn du einmal unterschrieben hast, war es das. Du kannst wieder raus, indem du dann für einen bestimmten Zeitraum, eigentlich ein Jahr, kann man ein bisschen verkürzen, unter die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze fällst, also unter 60.000 € verdienst. So wenig habe ich dann auch nicht mehr verdient. Das heißt, ich bin der Vorstand der größten gesetzlichen Krankenkasse und kann nicht in meine eigene Krankenkasse.
Im OMR-Podcast spreche ich ja bekanntlich jede Woche mit Menschen, die ganz offensichtlich etwas bewegen möchten. Und alle von denen treffen Entscheidungen, gehen Risiken ein und treiben ihr Business häufig mit sehr, sehr viel Herzblut voran. Und natürlich passieren dabei auch mal Fehler. Die entscheidende Frage ist deshalb gar nicht, wie man jedes Risiko vermeidet, sondern ob man einen Partner an seiner Seite hat, der das eigene Business wirklich versteht. Und genau dafür gibt's die Business-Versicherung von unserem Partner Hiscox. Hiscox ist seit 1901 als Spezialversicherer tätig. Entsprechend haben die extrem viel Expertise und die fließt heute in moderne Business-Versicherungen für Unternehmen, für Gründer oder für Freelancer. Bei Hiscox arbeiten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Branchen, die die jeweils individuellen Risiken sehr genau verstehen und deswegen auch gut herleiten können, worauf es bei eurem Geschäft ganz genau ankommt. Sollte euch mal ein Kunde einen Fehler vorwerfen, steht Hiscox an eurer Seite, verteidigt eure Interessen und begleitet euch im Zweifel auch vor Gericht. Ohne Mehrkosten, also quasi die Rechtsschutzversicherung ist schon inklusive. Also kein Wunder, dass der Schadensservice mit 4,7 von 5 Punkten bewertet wird. Mit der Hiscox Business-Versicherung kann man sich also rein auf sein eigenes Wachstum konzentrieren. Alle Infos und online abschließen kann man unter hiscox.de/business. .de/OMR. Natürlich auch unter dem Link bei uns in den Shownotes.
Was ist denn besser, wenn du privat bist? Also was hast du denn für Vorteile davon?
Man muss ehrlicherweise sagen, es gibt hauptsächlich 2 Vorteile und die kann man auch, glaube ich, gar nicht wegargumentieren. Der Vorteil Nummer 1 ist: Solange du jung und gesund bist, ist es günstiger. Das heißt, wenn du gut verdienst und bist relativ gesund, dann ist es oft günstiger, in jungen Jahren in der privaten Krankenversicherung versichert zu sein, weil die nicht nach deinem Einkommen geht, sondern nach deinem Gesundheitszustand. Während die GKV, also wir, die gesetzliche Krankenversicherung, ja nach Einkommen geht und nicht nach Gesundheitszustand. Das heißt, am Anfang ist es oft günstiger. Der zweite Vorteil ist, der aber auch gleich ein Nachteil ist, es ist manchmal leichter, gerade zum Beispiel Facharzttermine zu bekommen. Das kann bei uns manchmal schwieriger sein, weil die Fachärzte lieber Privatversicherte nehmen.
Klar, weil sie da mehr abrechnen können.
Genau, kann man auch verstehen, würde ich auch machen, wenn ich Arzt wäre.
Warum können die mehr abrechnen? Warum ist das?
Weil es unterschiedliche Abrechnungssysteme gibt. Also wir haben eine sogenannte Gebührenordnung für Ärzte und es gibt einen einheitlichen Bewertungsmaßstab, also zwei verschiedene Arten, nach denen abgerechnet wird. Und im privaten Bereich können die Ärzte mehr abrechnen. Jeder von den Zuhörern, der privat versichert ist, weiß es auch. Wenn der Arzt mehr abrechnet, ist es auch immer ein schwerer Fall. Also er muss ja dann angeben, ist es normal, also einfache Gebührenordnung oder zweifache oder dreieinhalbfache. Bis dreieinhalbfach kann er es meistens ohne Begründung machen, einfach sagt, ist ein schwerer Fall. Und deswegen sind alle Privatversicherten immer schwere Fälle. Es gibt eigentlich keinen Privatversicherten, der einfach abgerechnet wird, sondern die werden immer dreieinhalbfach abgerechnet, weil sie schwere Fälle sind. Und damit, also in Anführungszeichen schwere Fälle sind. Und damit verdient der Arzt natürlich mehr. Das Problem ist aber natürlich genau auf der anderen Seite für Privatversicherte auch, dass deswegen auch Sachen gemacht werden, die gar nicht nötig sind. Das heißt, der Arzt sagt eben auch noch, prima, kann ich abrechnen, mache ich. Und nicht alles ist schön, was in der Medizin gemacht wird. Nicht alles ist nebenwirkungsfrei, nicht alles ist gut. Und deswegen hat der Privatversicherte den Vorteil, er kriegt oft leichter einen Termin bei einem Facharzt, aber den Nachteil, dass er oft auch völlig überbehandelt wird. Und das ist, wie gesagt, ja nicht gut, sondern auch noch schlecht. Auf der gesetzlichen Versicherungsseite sieht es genau umgekehrt aus. Du musst am Anfang oft mehr bezahlen, du hast aber den großen Vorteil, wenn du Kinder hast, sind die mitversichert. Spätestens dann kippt oft der Preis. Und das Hauptproblem am Preis ist, wenn du älter wirst, richtet sich dein Beitrag weiterhin nach deinem Einkommen. Und da habe ich mittlerweile mindestens ein Dutzend Schreiben jede Woche von Versicherten, die sagen, ich bin in der privaten Krankenversicherung, ich kriege 2000 Euro Rente, was gar nicht mal so wenig ist für viele Leute, wenn du den Schnitt anschaust. Ich muss aber 1200 für meine Krankenversicherung bezahlen. Und wenn du 2000 bekommst, musst aber 1200 für deine Krankenversicherung bezahlen, dann ist das ein Problem.
Und wenn du das nicht kannst, was machst du dann?
Dann kannst du in den sogenannten Basistarif zurückgehen, dann musst du immer noch irgendwie 800 Euro bezahlen, wenn du ein Pärchen bist, also beide zusammen, und hast eine wirklich schlechte Versicherung. Drunter geht nicht mehr, bist du ein Sozialhilfefall. Und deswegen ist die private Krankenversicherung für viele Leute am Anfang attraktiv, später ein riesengroßes Problem. Dann kommst du aber nicht wieder raus. Ab 55 gibt es gar keine Möglichkeit mehr zu wechseln. Dann kommst du überhaupt nicht mehr aus der PKV raus. Und deswegen ist es eigentlich schlau, sich rechtzeitig zu überlegen: Nehme ich jetzt wirklich diesen Kostenvorteil am Anfang in Kauf oder überlege ich mir, wie sieht es über mein ganzes Leben aus? Wie gesagt, ich habe das nicht getan als junger Arzt. Von daher kann ich nur jedem raten, das zu tun. Meine Frau hat dann mal eine Zeit lang nicht gearbeitet, die konnte dann raus. Mein Mann ist jetzt TK-versichert. Ich selber, wie gesagt, größte Krankenkasse und bin nicht drin.
Aber das heißt am Ende, wie so häufig im Leben, ist es bei euch dann sozusagen das Mitgliederwachstum, was du da erzeugt hast, ist dann über den Preis. Also du hast gesagt, ihr habt irgendwie den Preis reduzieren können aufgrund der guten Prozesse intern. Dann kommen halt Leute, weil sie sagen, Mensch, TK kenne ich, klingt seriös und ist noch günstiger.
Ja, ich glaube, es ist eine Mischung aus beiden, wie überall. Und du hast schon den wichtigen Punkt gesagt. Wir sind ja erst mal ein undifferenziertes Produkt. Ich meine, Krankenkasse, da beschäftigt sich niemand gerne mit. Das ist irgendwie so unsexy. Also das hat man halt, aber eigentlich bezahlst du Geld rein, ärgert dich eigentlich? Gibt auch keine wirkliche, sage ich mal, Differenzierung, die die Menschen kennen. Deswegen haben wir, und das glaube ich der zweite Punkt, weswegen wir erfolgreich sind, gibt dann gleich noch einen dritten, aber der zweite, auch sehr früh auf Marke gesetzt. Weil ich glaube, gerade in so einem undifferenzierten Markt brauchst du eine Marke. Das heißt, du musst irgendwie den Leuten sagen, das ist nicht irgendeine komische Krankenkasse, sondern wir sind die Techniker. Das steht für was, das ist irgendwie, hat auch ein anderes Image. Wir sagen von vornherein zum Beispiel, ich möchte nicht ein Unternehmen sein und sagen, wir kümmern dich um dich, mach dir keine Sorgen, wir machen schon alles, sondern ich sag, nee, wir sind die Techniker. Das heißt, Du musst dich schon um dich kümmern, wir unterstützen dich aber dabei. Also mehr so ein prozessualer Ansatz, wo wir sagen, wir wollen, dass es gut für dich läuft, aber Verantwortung können wir nicht alle abnehmen. Das ist sehr bewusst in der Marke. Das sind Dinge, die wir wirklich ganz bewusst so ausspielen. Auch so ein bisschen in etwas, sage ich mal, vielleicht kühleres Image ist was, das wir ganz bewusst ausspielen, weil wir sagen, so wollen wir sein. Wir wollen nicht der, ach, alles wird gut und softe Farben und alles ist prima, sondern wir sagen, nee, wenn du ein Problem hast, wir wissen auch, wir behandeln es nicht, behandelt der Arzt. Aber alles, was wir machen können, unterstützen wir dich bestmöglich. Und das ist dann genau der dritte Punkt. Wir unterscheiden uns, glaube ich, extrem im Service von vielen anderen.
Wer ist denn euer wichtigster Wettbewerber?
Service. Wir haben unsere wichtigsten Wettbewerber, kann man gar nicht so sagen, aber natürlich gibt es im großen Bereich, die AOK sind große Wettbewerber, es gibt große andere Ersatzkassen, eine Barmer oder eine DAK oder so was, es gibt Betriebskrankenkassen, also es gibt wirklich viele Krankenkassen, ungefähr knapp über 90 gibt es im Moment noch.
Kann denn jeder eine Krankenkasse gründen?
Konnte man eine Zeit lang, also Betriebe konnten eine Zeit lang einfach eine Betriebskrankenkasse gründen, ist jetzt schwierig bis unmöglich, also wurde dann stark eingeschränkt. Es gab zu dem Zeitraum mal weit über 1000 Krankenkassen, die haben teilweise miteinander fusioniert, teilweise pleite gemacht, so dass es jetzt eben noch diese 90 gibt. Also heute ist es schwierig, eine zu gründen, aber es gibt Betriebe, auch ganz kleine Betriebe, die kleine Krankenkassen haben, in denen dann 10.000 Leute versichert sind oder sowas, gibt es noch. Ich glaube, die werden perspektivisch aussterben, weil sie im Zeitalter von Digitalisierung und so nicht mehr die Services bieten können.
Service hast du gerade noch sagen wollen als drittes Thema.
Ja genau, Service, das andere große wichtige Thema. Du erreichst bei uns zum Beispiel Wenn du 24 Stunden, 365 Tage anrufst, immer ein TK-Mitarbeiter. Also sie haben keine Callcenter oder so was, sondern immer ein TKler. Wir haben eine durchschnittliche Anrufannahmezeit von 20 Sekunden. Also wenn du anrufst, bist du in 20 Sekunden mit einem TKler, der dir auch direkt helfen kann, nicht in irgendeinem Callcenter. Wir sind, glaube ich, digital die führende Krankenkasse. Also ich glaube, all dieses Thema, wie gehst du mit dem Kunden um, ist der größte Unterschied. Weil eines stimmt, was die Versicherten ja auch oft sagen, in der eigentlichen Behandlung ist es letztendlich wurscht. Das ist sogar egal, ob ich privat oder krankenkassenversichert bin.
Was macht eh der Arzt?
Wenn ich beim Arzt bin, macht der Arzt das und der schaut nicht vorher drauf, ist der da oder da versichert, sondern der behandelt dich. Aber in dem, wie gut funktioniert der Umgang, wie gut funktioniert der Service mit der Krankenkasse, wie großzügig oder nicht großzügig sind die im Genehmigen, da unterscheiden sich Krankenkassen schon. Und da haben wir uns, glaube ich, im Lauf der Jahre das Image durchaus erarbeitet, dass wir da die führende Krankenkasse sind.
Aber macht ihr dann am Ende des Jahres immer sozusagen plus minus null? Das heißt, ihr macht dann aus den 50 Milliarden, die vernichtet ihr einmal komplett und dann—
Theoretisch ja. Jetzt kommt was, was du als BWLer überhaupt nicht wirst verstehen können. Habe ich auch lange dran knabbern müssen. Das ist so. Und natürlich, ein hanseatischer Kaufmann wie ich arbeitet dann auch mit Rücklagen. Das heißt, wir hatten bis vor einigen Jahren mehrere Milliarden Rücklagen, weil wir gesagt haben, kann ja was passieren, Corona zum Beispiel oder sowas. Jetzt hat allerdings vor einigen Jahren, war zur Zeit von Gesundheitsminister Spahn, Herr Spahn gesagt, okay, ich bin jetzt Gesundheitsminister. Mein Problem ist, ich muss über die Legislaturperiode kommen, ohne dass die Beiträge so stark steigen. Ist aber blöd, weil die Ausgaben steigen immer weiter. Was mache ich also? Und seine Idee war ja super: Ich mache einfach ein Gesetz, dass die Krankenkassen ihre Rücklagen abbauen müssen. Das heißt, wir mussten über mehrere Jahre unsere Rücklagen gesetzlich abbauen oder anders gesagt jedes Jahr ein Minus machen, damit die Rücklagen geringer werden, damit wir geringere Rücklagen haben. Und der politische Hintergrund war: Damit sah natürlich für 4 Jahre es so aus, als wenn die Beiträge relativ stabil bleiben würden. War aber Beschiss, weil einfach die Rücklagen abgebaut wurden. Jetzt sind wir in der Situation, dass die Rücklagen alle weg sind. Das heißt, die Krankenkassen haben Echt geringe Rücklagen. Wir sind von mehreren Milliarden auf jetzt nur noch ein paar hundert Millionen abgeschmolzen worden. Das bedeutet, im nächsten Jahr steigen die Beiträge ungebremst, weil man nichts mehr puffern kann aus den Rücklagen. Würden wir noch mal in eine Krise reinlaufen wie Corona, hätten wir überhaupt gar kein Geld mehr, um zum Beispiel Krankenhäuser frühzeitig zu stützen.
Also du bist kein Fan von Herrn Spahn?
Nicht an dem Aspekt. Es gibt durchaus Aspekte, bei denen ich ein Fan von Herrn Spahn bin. An dem Aspekt definitiv nicht. Er hat damals gesagt, Krankenkassen sind keine Sparkassen. Halte ich für einen der schlimmsten Sätze, die im Gesundheitssystem gesagt wurden.
Okay. Also was macht man? Da wollte ich eigentlich drauf hinaus. 50 Milliarden, wo fließen die hin? Also ich meine, das ist ja schon echt eine Menge Geld.
Was ist es? Der allergrößte Anteil fließt in die Krankenhäuser. Krankenhäuser ist der größte Block, deutlich mehr als ein Drittel der Ausgaben. Der zweitgrößte Block mittlerweile, hat es gerade überholt, ist das Thema Arzneimittel vor den niedergelassenen Ärzten. Danach kommen dann kleinere Blöcke wie Heil- und Hilfsmittel und solche Sachen. Aber der größte Block Krankenhäuser, zweitgrößter Arzneimittel, drittgrößter ambulante Versorgung und Ärzte.
Aber es ist doch alles auch ein bisschen normiert, ne? Also ihr könntet dann, also Krankenhäuser können ja auch nicht einfach Preise aufrufen oder Ärzte können ja auch nicht einfach Preise aufrufen, sondern ihr habt ja da auch überall so Stellschrauben.
Ja, genau so ist es. Also die Preise sind theoretisch normiert, aber die Abrechnung natürlich wird unterschiedlich kontrolliert. Das heißt, wir kriegen ja eine Abrechnung von einem Krankenhaus zum Beispiel, die wir dann prüfen. Und auch diese Prozesse funktionieren unterschiedlich gut. Es gibt welche, die nerven die Krankenhäuser ohne Ende und holen gar keine Ergebnisse raus. Es gibt welche, Die machen das hoffentlich wie wir effizienter und sagen, wir prüfen hauptsächlich das, was auch Erfolg verspricht, und das holen wir uns dann auch wieder. Abrechnungsoptimierung ist ein Thema, was wirklich alle betreiben. Also jeder versucht in dem System natürlich, sich zu optimieren. Kann ich verstehen, würde ich jetzt auch machen, wenn ich irgendwie niedergelassener Arzt wäre. Aber es gibt halt eine Grenze, wo es Optimierung ist und wo es anfängt, beschissen zu bleiben. Du kannst Diagnosen aufschreiben, die es zum Beispiel nicht gegeben hat. Du kannst Sachen abrechnen, die du nicht gemacht hast. Du kannst, wenn ich gerade das Thema ambulante private Krankenversicherung habe, Auch da kann jeder Zuhörer sich mal überlegen, als man das letzte Mal Abrechnung bekommen hat. Ausführliche telefonische Beratung wird unglaublich gerne abgerechnet. Das heißt, wenn der Arzt am Telefon mal gesagt hat, nehmen Sie mal dieses Medikament, dann ist es eine ausführliche telefonische Beratung.
Und was kann er abrechnen dann?
Dieses kurze Gespräch kann er abrechnen.
Also in direktem Geld, was bringt ihm das dann?
Das weiß ich jetzt gar nicht sagen, was es im privaten Bereich drin ist. Aber vielleicht kleine Anekdote, wie so was funktioniert. Wir haben für die privaten Krankenversicherungen zu BCG-Zeiten mal ein Projekt gemacht, wo es genau darum ging, sich mal anzuschauen, was rechnen Ärzte denn so ab? Und da war, wenn man so ein allgemeines Labor abnimmt, einfach mal so, wir schauen mal, was er so hat, bei ganz vielen Frauen, also bei wirklich vielen, Prozentsatz waren so 20, 30%, prostataspezifisches Antigen abgerechnet. Jetzt haben die meisten Frauen, wie man weiß, gar keine Prostata. Ist aber egal, ist mal abgerechnet worden. Kostet irgendwie 3,50 € oder so was und wurde beim signifikanten Teil der Frauen mal mit abgenommen und bestimmt. Aussage natürlich null. Das ist, wie wenn wir bei den Schwangerschaftstesten was abgerechnet bekommen würden. Also da kommt wirklich nichts mehr raus. Bringt aber Geld. Und das ist schon so was im System, wo man eben auch mal irgendwann wird gegen angehen müssen, weil ein System einfach so teuer wird, dass man das nicht mehr bezahlen kann auf Dauer natürlich.
Okay, aber das heißt, das System wird deswegen so teuer, weil halt Ärzte und Krankenhäuser einfach, sagen wir mal, versuchen zu wachsen und dann aus diesen normierten Sätzen mehr rausholen wollen, als sie über die Normierung eigentlich können?
Ja, das System wird schon aus anderen Gründen auch teurer. Ich meine, die Menschen werden älter, Medizin wird teurer und so was. Aber wenn man diese Art von Kostensteigerung abpuffern will, dann muss man diejenige, wo, sage ich mal, Abrechnungsoptimierung betrieben wird, natürlich in den Griff bekommen.
Aber ist es vielleicht so, dass auch Ärzte, sagen wir mal, ohne diese Abrechnungsoptimierung gar nicht, sagen wir mal, ihre ganzen Kosten in den Griff bekommen können? Weil Ärzte würden wahrscheinlich so argumentieren und sagen: Na ja, gut, also wenn ich das so nicht machen kann, dann kann ich die Praxis gleich zumachen.
Na ja, ich habe es ja vorhin schon gesagt, ich habe Verständnis für jeden Arzt, der seine Abrechnung optimiert, weil er ist ja ein kleiner Wirtschaftsbetrieb, muss natürlich gucken, dass er den möglichst optimiert. Da habe ich auch gar nichts dagegen.
Oder überhaupt am Laufen hält.
Genau. Habe ich auch gar nichts dagegen. Ich habe dann was dagegen, wenn es halt irgendwie kriminell wird, also wenn er irgendwas tut, was eben nicht mehr den Gesetzen entspricht. Was man aber machen muss, und deswegen mache ich auch gar nicht dem einzelnen Arzt den Vorwurf, sondern dem System: Wir müssen ein Abrechnungssystem haben, was einfach einfach ist. Das derzeit ist nämlich extrem kompliziert und was möglichst den Arzt nicht in eine Situation bringt, wo er sagen muss, muss mir aber genau überlegen, wie ich optimiere. Sondern wo man einfach sagt, okay, wenn du eine halbe Stunde ein Gespräch geführt hast, dann kriegst du auch eine halbe Stunde Kundengespräch bezahlt, was irgendwo drin gewesen ist. Das erfordert aber eine komplette Reform unseres Abrechnungssystems. Und da kämpfe ich dafür, dass wir die bekommen müssen. Weil heute ist es so, dass der Arzt gar nicht weiß, was seine Leistung wert ist. Also wenn du sagst, was hat es denn jetzt gebracht, dass du das gemacht hast, dann kann er es dir nicht sagen. Das kann er erst am Ende des Jahres sagen, weil er sogenannte Punktwerte hat, bei denen er nicht weiß, was die wert gewesen sind. Also er weiß, ich kriege 10 Punkte dafür, aber was ein Punkt wert ist, weiß er gar nicht. Das würde jeder Handwerker sagen, ich bin doch nicht bescheuert, ich kann doch nicht arbeiten, wenn ich gar nicht weiß, was ich dafür kriege. Ist aber in der Medizin so. Und deswegen müssen wir uns, glaube ich, mal grundlegend überlegen: Wie kann ein Abrechnungssystem aussehen, was die richtigen Anreize setzt? Wir haben heute zum Beispiel ein Pauschalsystem. Pauschalsystem bedeutet: Ich muss jeden Patienten einmal im Quartal sehen, weil dann kriege ich Geld für ihn. Also haben wir heute die Situation, dass, wenn ich am Ende des Quartals noch mal zum Arzt gehe, sagt er: Nee, das ist jetzt ganz doof. Da kannst du nicht. Komm bitte in 3 Wochen, weil dann ist das neue Quartal. Da kann ich ein neues Quartal abrechnen. Das hat überhaupt gar keine medizinische Indikation. Das ist einfach ein Abrechnungsthema. Und als Arzt richtig, würde ich als Arzt auch so machen, als System bescheuert. Warum machen wir so was? Und deswegen müssten wir eigentlich eine komplette Reform des Abrechnungssystems machen, die bedeutet: Wie wollen wir, dass Ärzte arbeiten? Und dann muss man sie so finanzieren, dass sie dann auch so arbeiten können.
These von mir oder Frage: Bist denn du nach dem Gesundheitsminister der mächtigste Mann im deutschen Gesundheitswesen?
Nee, das würde ich nicht sagen.
Aber einer der Top 5 Menschen im deutschen Gesundheitssystem?
Das müssen auch andere bestimmen. Ich würde sagen, aus meiner Sicht habe ich den Top-Job. Im Gesundheitssystem ist. Habe ich noch gemacht, weil ich finde, also es gibt eigentlich keinen—
Also die größte gesetzliche Krankenversicherung mit Abstand, 50 Milliarden irgendwas, wird von dir geführt. Du bist da relativ, sagen wir mal, lange schon drin. Du sitzt da sicher im Sattel. Du kennst alle Winkel. Du hast Vertrauen. Du hast schon viele Regierungen erlebt. Also wer hat jetzt mehr Kraft in dem System, was zu verändern, als du vielleicht?
Das ist eine schwierige Frage. Ich setze zumindest meine Kraft des verändernden Systems sehr deutlich ein, um das System System zu verändern. Weil Gesundheitsminister ist ja kein einfacher Job. Jeder argumentiert immer mit der Gesundheit. Jeder möchte für sich was haben, sagt aber, will es für die Patienten. Das heißt, ich sage als Arzt ja nicht, ich will mehr Geld, sondern ich sage, es muss meinen Patienten besser gehen. Die Krankenkassen sagen nicht, wir wollen irgendwas, sondern jeder argumentiert immer mit Patienten. Deswegen ist Gesundheitsminister gar nicht einfach. Und ich habe da auch großes Verständnis dafür. Aber mein Job—
die haben nur 4 Jahre Zeit, so ist es öffentlich. Das heißt, es dauert auch viel länger.
So ist es, es dauert auch länger was umzusetzen. Und deswegen ist der Vorteil meines Jobs schon, dass ich einen längerfristigen Horizont haben kann. Also ich kann länger an Themen arbeiten, als es ein Gesundheitsminister kann. Aber umsetzen muss der es natürlich. Das heißt, ich kann natürlich keine Gesetze machen. Also natürlich beeinflussen wir Gesetze und natürlich formulieren wir auch Gesetze und versuchen auch unsere Positionen umzusetzen. Aber machen muss sie letztendlich trotzdem ein Gesundheitsminister. Man muss natürlich schauen, wo kriege ich Allianzen hin? Wir müssen schauen, wo schaffen wir was auch mit den Ärzten zusammen, mit den Leistungserbringern zusammen. Und ich glaube aber, dass wir da, und deswegen ist der Zeitraum da schon hilfreich, zunehmend an einen Punkt kommen, wo man auch merkt, dass es gar keinen Sinn macht, wenn Ärzte und Krankenkassen immer gegeneinander irgendwie auftreten, sodass wir beide ein Interesse daran haben zu überlegen, wie kann denn eine bessere Versorgung aussehen? Weil auch der Arzt hat keinen Spaß dran an dem System, wie es heute ist.
Wie eng bist du mit Herrn Lauterbach?
Frage, was heißt eng? Heißt eng persönlich befreundet? Wir trinken jeden Abend einen zusammen? Dann nicht. Heißt es, wir tauschen uns regelmäßig aus? Dann natürlich, wie mit jedem Gesundheitsminister. Also ich bin immer in engem Kontakt mit den Gesundheitsministern.
Und auch mit dem, die Ärzte haben so einen Ärztebund, glaube ich, da ist auch, die darüber verständigt werden.
Ja, ja, logisch, klar.
Aber kann man da nicht sich mal zu dritt oder zu viert hinsetzen und sagen, okay, du bist der Ärztevertreter, du bist der Gesundheitsminister, ich bin der Krankenkassenchef, das und das macht doch für alle irgendwie Sinn und dann hacken wir das mal einen Abend aus.
Du würdest dich wundern, wie gut es sogar teilweise mit den Leuten geht, wenn man wirklich, sage ich mal, hinter den Kulissen spricht, wie einig sich da viele sind. Man darf aber auch nicht vergessen, im gesamten Gesundheitssystem stecken über 300 Milliarden Euro drin. Jede Verschwendung, die da drinsteckt, ist irgendjemandes Gewinn. Also es ist ja nicht so, dass dieses Geld verbrennt, sondern irgendjemand macht damit seinen Gewinn.
Wer zieht am meisten raus? Also wer ist denn der größte Profiteur des Systems?
Das kann man nicht sagen. Es gibt Ärzte, die extrem viel profitieren, es gibt Krankenhäuser, die extrem viel profitieren, es gibt aber auch welche, die eben gerade nicht davon profitieren.
Gibt es denn wirklich, also im Arztbereich früher so, als ich irgendwie Kind war, da hieß es immer so, ach Mensch, Arzt müsste man sein. Hier bei uns die Nachbarn, die ein teures Auto gefahren haben, da war der Vater Arzt ungefähr. Das ist jetzt ja gefühlt nicht mehr ganz so. Also ich habe jetzt im Freundeskreis ein, zwei Ärzte, Die erscheinen mir jetzt nicht überdimensional reich oder so. Also, oder gibt es bestimmte Arztfachgebiete oder Situationen, in denen man besonders viel verdienen kann?
Wir haben eine blöde Situation, muss man sagen. Wenn ich so als ganz grobe Regel sagen sollte, dann ist es, je weiter man vom Patienten heute weg ist, desto besser kann man verdienen. Also wenn ich eins zu eins Kinderarzt irgendwie reden muss mit dem Kind und seinen Eltern und so was, verdiene ich meist nicht so viel, wie wenn ich eine Röntgenpraxis habe und 10 Geräte gleichzeitig laufen lassen kann, wo 10 Leute geröntgt werden. Das ist eine Entwicklung, die wir als Gesellschaft vielleicht gar nicht so wollen. Vielleicht wollen wir lieber, dass die Leute bezahlt werden, die am Patienten sind und nicht unbedingt nur die Gerätemedizin. Und das meine ich mit Vergütungsänderung. Du musst also einen Vergütungsanreiz schaffen, bei dem ich als Arzt sagen kann: Okay, ich kann als Kinderarzt auch prima leben, wenn ich genug Kinder sehe. Muss auch nicht überlegen, sind es lauter privatversicherte Kinder oder kann ich wirklich dahingehen, wo kranke Kinder sind? Das ist heute genau falsch. Wir in Hamburg sitzen ja gerade in Hamburg. Wenn hier ein Kinderarzt in einem der Problembezirke ausschaltet, Wilhelmsburg oder so irgendwas, Dann lässt der neue Kinderarzt sich dann lieber irgendwie in Blankenese nieder, weil er sagt, nee, da gehe ich doch nicht hin. Blankenese, viel mehr Privatversicherte, Eppendorf, was weiß ich, da verdiene ich ja viel mehr. Warum soll ich da hingehen, wo ich viel kranke Kinder habe, die aber fast nichts verdienen?
Aber das ist das System, das sie sitzen und sowas, wo man nur—
Aber es kommt darauf an, wie der Planungsbezirk ist. In Hamburg bedeutet das, ich kann mich da niederlassen, obwohl da einer ausgeschieden ist. Und deswegen muss man ein Vergütungssystem einführen, was dazu führt, dass der Arzt dann viel verdient, wenn er viele kranke Patienten behandelt und nicht dazu führt, wenn er viele privatversicherte Patienten behandelt.
Ich hatte letztens eine Situation, die ihr wahrscheinlich alle kennt. Ein bestelltes Geschenk kam einfach nicht an. Status im Tracking? In Zustellung? Was macht man, wenn es langsam eng wird? Wahrscheinlich verbringt man viel Zeit in Service-Hotlines, aber mit unserem heutigen Partner ElevenLabs könnte das auch so laufen: Hi Philipp, hier ist dein ElevenLabs Agent.
Geht es um deine Bestellung?
Ja, die ist immer noch nicht da.
Hmm, lass mich das kurz checken. Ah, dein Paket hängt wegen einer falschen Hausnummer wohl im Verteilerzentrum. Ich habe die Adresse korrigiert und deine Zustellung auf Express geändert. Soll ich dir die Bestätigung direkt aufs Handy schicken?
Das klingt gut, aber kannst du kurz erklären, wie das möglich ist?
Ich bin einfach kein isolierter Chatbot. Ich bin mit der Warenwirtschaft, dem CRM und den Logistikpartnern vernetzt. Ich muss dir keine Rückfragen stellen, Ich schaue einfach selbst in die Daten. ElevenLabs Agents lösen so über 80% der Anfragen im Erstkontakt. Wir sind 24/7 erreichbar und sprechen dazu noch über 70 Sprachen fließend.
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Die höchste Orthopädendichte in Deutschland ist am Starnberger See. Nicht weil man da so gefährlich lebt, sich dauernd die Knochen bricht, sondern weil da halt viele Menschen sind, die gerne zum Privatorthopäden gehen. Und das ist ein Thema, da müssen wir, glaube ich, einfach irgendwie in der Vergütung rangehen. Weil noch mal, der individuelle Arzt, dem kann ich doch keinen Vorwurf machen. Wenn ich eine orthopädische Praxis aufmache, dann muss ich überlegen, wie kann ich die ökologisch absichern. Und dann gehe ich natürlich dahin, wo viele Privatversicherten sind. Das heißt, der Arzt hat da gar keine Schuld dran, aber das System hat Schuld dran.
Das System muss dafür sorgen, aber das Gleiche ist es nicht revolutionierbar oder nicht veränderbar.
Doch, es ist revolutionierbar, aber es muss auch revolutionär evolutioniert werden und kann nicht mehr weiter evolutionär verändert werden. Wir machen eins im Gesundheitssystem, machen wir in Deutschland glaube ich an anderen Stellen auch, aber bin jetzt fürs Gesundheitssystem da. Es ist kompliziert, dann funktioniert es nicht gut, dann ist unsere Lösung, machen wir es noch komplizierter. Das heißt, wir versuchen es immer noch, noch eine Regelung draufsetzen, noch eine, noch eine draufzusetzen, bis überhaupt keine mehr stehen.
Da müsste doch irgendwie, sagen wir, der Kreis an Personen ist jetzt nicht so groß, es sind alles auch jetzt irgendwie gefühlt Strukturen, wo man sich kennt. Es sind nationale Strukturen und nicht jetzt irgendwelche internationalen Kräfte, die da wirken. Warum kann man da nicht dann doch was machen?
Ja, ich sag's immer und es ist ein bisschen provokativ, aber ich meine es so, weil zu viele Leute zu gut in dem System leben.
Wer lebt denn am besten in dem System?
Die gibt's in jedem Bereich. Schau dir die Krankenhäuser an. Einer der reichsten Deutschen ist Herr Große-Brömermann, den ich persönlich geschätzt habe, ist vor einiger Zeit gestorben. Der ist mit seinen Krankenhäusern Multimilliardär geworden. Also zu dem Thema, man kann kein Geld verdienen in Krankenhäusern. Einer der reichsten Europäer.
War das Asklepios oder so was?
Ja, genau. Otto Bock, Milliardär mit Prothesen geworden. Ich habe als Arzt, als Berater mal für einen Arzt seine Laborpraxis verkauft. Laborpraxis bedeutete auch über eine Milliarde Verkaufserlös, weil das natürlich ein Riesenunternehmen ist, was die verkaufen und keine Praxis, die irgendwo mit drin ist. Also es gibt in jedem der Bereiche Pharmaindustrie. Die Pharmaindustrie ist mit Abstand über den längeren Zeitraum kumuliert die bestverdienende Industrie. Erst jetzt von Tech-Industrie eingeholt worden. Aber wenn ich über einen langen Zeitraum reinschaue, gibt es niemanden, der mehr verdient als Pharma oder irgendwelche Sachen. Also es gibt in jedem Sektor Leute, die unglaublich gut verdienen im Gesundheitssystem. Und deren Freude, was zu verändern, ist jetzt nicht so beliebig hoch. Und du kommst halt immer nicht mit dem Argument an, es müsste doch besser sein, weil dir sofort das Gegenargument kommt: Ja, es geht ja nur um die Patienten. Davor hat die Politik extrem große Angst. Wir sind ja hier in Norddeutschland. Es gab lange eine Diskussion, zum Beispiel auf Sylt, keine Geburtshilfe mehr auf Sylt. Hat die Politik abgeschafft, weil sie gesagt hat, die machen 2, 3 Geburten im Jahr, das ist ein Risiko. Wenn du da als Frau hingehst und hast einen Arzt, der macht das zweimal im Jahr, das ist echt gefährlich. Hast aber dann die Diskussion, Sauerei, wir können keine Kinder mehr auf Sylt bekommen und es gibt keine Sylter mehr und unsere Versorgung bricht zusammen. Machst du das als Politiker? Frau Wittmann-Mauz hat mir erzählt, ein anderes Beispiel.
Wer ist das?
Gesundheitspolitikerin der CDU. War mal Staatssekretärin, der ihr Wahlkreis ist in Tübingen. Und da wurden einige Krankenhausbetten geschlossen in einer Kinderklinik. Da hatte sie Demonstrationen auf der Straße mit Schildern von toten Babys. Frau Widmann-Mauz tötet unsere Babys. Das überlegst du dir als Politiker dreimal, ob du da Spaß dran hast. Das heißt, Veränderung im Gesundheitssystem ist extrem schwierig durchzusetzen, weil sofort emotionalisiert wird und sofort gesagt wird, es soll gegen die Patienten gehen, selbst wenn es für die Patienten ist. Und deswegen hat Politik so extrem große Angst, da irgendwas dran zu ändern.
Okay, und das heißt auch, wenn jetzt irgendwie in der nächsten Regierung dann, weiß nicht, die CDU wieder jemand stellt, das wird nicht viel ändern, meinst du?
Ja, man muss eins Herrn Lauterbach lassen, so schwierig er an vielen Ecken ist, er ist ja durchaus veränderungsbereiter als viele andere. Er hat gerade eine Krankenhausreform angeschoben, die eine wirklich relativ grundlegende Reform ist fürs Gesundheitssystem, die auch dazu führen wird, dass es deutlich weniger Krankenhäuser geben wird. Das ist schon mal sehr mutig, aber selbst Für einen Politiker, der sich sozusagen traut, das zu tun, wie er das tut, ist das keine einfache Sache. Und es ist nach wie vor nicht sicher, ob die gelingen wird oder nicht. Könnte trotz Scheitern der Regierung jetzt gerade noch durchkommen, ist aber nicht sicher. Das heißt—
Was hat er denn gemacht?
Der hat letztendlich dafür gesorgt, und das ist ein richtig guter Ansatz, dass er sagt, wenn Krankenhaus was machen möchte, dann muss es eine bestimmte Anzahl an Fällen haben und eine bestimmte Qualifikation vorhalten. Sollte man meinen, ist ja selbstverständlich. Aber heute ist es zum Beispiel so, dass die Hälfte aller Tumorpatienten in Nicht-Tumorzentren behandelt wird in Deutschland. Also die Menschen haben schwere Krebserkrankungen und gehen zu irgendeinem Arzt, der das einmal im Jahr macht. Das soll in Zukunft verboten sein. Das heißt, in Zukunft soll es so sein, dass wenn ich eine bestimmte Erkrankung habe, dann muss das Krankenhaus bestimmte Qualifikationen vorhalten und es muss sagen, ich mache es auch eine bestimmte Anzahl, je nach Eingriff unterschiedlich definiert, eine bestimmte Anzahl oft im Jahr. Weil es in der Medizin ist wie überall anders auch, man ist nur gut, wenn man was oft macht. Wenn ich was manchmal mache, bin ich auch nicht gut drin. Das fest einzuführen und zu sagen, wenn du es nicht machst, kriegst du es auch nicht mehr bezahlt. Wenn du irgendwie einfach sagst, ich mache jetzt mal auch wieder Tumor, weil ich da Spaß dran habe als Arzt, dann kriegst du es in Zukunft nicht mehr bezahlt, ist schon eine relative Revolution und wird eben dazu führen, dass die Menschen dann hoffentlich in Krankenhäuser gehen, die mehr Erfahrung mit den Dingen haben, die sie machen, dann auch besser behandelt werden, was dann dazu führt, dass andere Krankenhäuser nicht mehr werden überleben können, weil sie nämlich Dinge machen, die sie eigentlich nicht hätten machen sollen, was aber eine gute Entwicklung ist. Denn wir haben heute das Problem, dass wir viel zu viele Krankenhäuser in Deutschland haben. Wir haben viel mehr Krankenhäuserbetten, also wenn ich einfach schaue, Betten pro Bevölkerung, als fast jedes andere europäische Land.
Und das kostet aber natürlich Geld.
Das kostet Geld und führt dazu, dass wir dieses Personal gar nicht haben. Jeder gelesen Pflegenotstand und solche Sachen. Wir haben mehr Pflegekräfte pro Kopf als fast jedes andere Land der Welt. Aber da wir so viele Betten haben, reicht es trotzdem nicht aus. Das heißt, auch für die Arbeitssituation der Pflegenden, für die Arbeitssituation der Ärzte ist es viel besser, wenn es weniger Krankenhäuser gäbe, weil dann hast du sozusagen die möglichen Ressourcen eben auf weniger Betten konzentriert. Und deswegen ist das eine durchaus Revolution, würde ich sagen, wo ich finde, hat Herr Lauterbach sicher nicht alles perfekt, würde ich mir noch viele Sachen besser wünschen, aber in der Realität hätte er da einen relativ großen Schritt mit erreicht. Und hätte man—
Was wäre das Nächste, was du anpacken würdest? Also wenn du jetzt könntest und sagst, ich habe jetzt hier einen Wunsch frei im Gesundheitssystem, was würdest du dann noch machen?
Ich würde eins anpacken, was wir gerade schon diskutiert haben. Ich würde das Thema PKV, PKV angehen, also gesetzliche und private Krankenversicherung, und würde mir mal überlegen: Warum haben wir zwei Systeme und wie kann man ein gutes System draus machen? Da gab es aber zu mal Diskussionen. Stichwort Bürgerversicherung. Total dämlich. Bürgerversicherung bedeutet nämlich das Schlechteste der gesetzlichen Krankenversicherung für alle. Also letztendlich Abschaffen der PKV, was wir nicht gut machen, das dann für alle. Das wäre dämlich. Ich glaube, was wir machen müssen, wir müssen mal schauen, was kann die PKV gut und was können wir gut? Was die PKV gut kann, ist, sie darf ihr Geld sicher anlegen. Also denen kann man nicht das Geld abnehmen, wie man mir mehrere Milliarden abgenommen hat. Das ist gesetzlich viel besser geschützt als bei uns. Das müsste im neuen System auch so sein. Und die PKV hat mehr vertragliche Möglichkeiten. Das heißt, die können mehr sagen: Dein Versicherungsvertrag sieht so aus, dem anderen biete ich aber einen anderen an, weil der was anderes haben möchte. Also mehr Möglichkeiten, auch im Vertrag zu gestalten, Wettbewerb auch im Vertrag zu machen. Finde ich beides gut. Was bei uns gut ist in der gesetzlichen Krankenversicherung: Wir versichern jeden. Das heißt, auch wenn du krank bist, kannst du bei uns versichert werden. Wenn du krank bist, kommst du in die PKV nicht mehr rein. Das heißt, bei uns darf niemand diskriminiert werden, sondern jeder wird versichert, auch zum gleichen Preis. Du wirst nicht irgendwie diskriminiert, weil du krank bist. Und der zweite Vorteil, den wir haben: Wir sind nicht gewinnorientiert. Das finde ich für eine Krankenversicherung ehrlich gesagt auch richtig, weil man daraus keinen Gewinn schließen sollte, aus einer Versicherung, die ja jeder haben muss für seine Gesundheit. Kann ich ja nicht aussuchen. Das heißt, man sollte ein System erzeugen, bei dem man sich überlegt: Wie kann man diese beiden positiven Aspekte zusammenbringen? Und da glaube ich, wenn wir das hinbekommen, können wir viele andere Probleme dann auch viel leichter angehen. Nämlich zum Beispiel: Wie vergütet man Ärzte? Denn wenn wir uns überlegen, wie ändern wir unsere Vergütung? Es gibt auch noch eine PKV, dann gibt es ja immer Ausweichmöglichkeiten.
Wie viel Prozent sind von 18?
10 Prozent sind in der privaten Krankenversicherung, von denen aber die Hälfte Beamte sind. Und das heißt, das ist auch so ein bisschen Beschiss. Also echt sind nur 5 Prozent der Leute in der privaten Krankenversicherung. Warum sind die in den privaten Krankenversicherungen, die Beamten? Das ist der auch, wird oft nicht so deutlich gesagt, der gleiche Beschiss macht der Staat, den die Leute individuell auch machen. Weil es in ihrer Arbeitszeit oft günstiger ist. Das heißt, wenn ich jetzt einen Beamten einstelle und der ist in der PKV, dann zahle ich auch als Arbeitgeber für den weniger Beitrag, weil es ja günstiger ist zu dem Zeitpunkt. Später im Alter wird es viel teurer. Das ist mir aber als Politiker wurscht, weil da bin ich ja nicht mehr im Amt. Das heißt, all die Beamten, die jetzt in der PKV sind, sind letztendlich ein Kredit darauf, dass die viel, viel teurer werden, wenn sie im Alter sind. Und jeder Politiker beim Einstellen sagt, ist auch nicht mehr mein Problem dann. Das heißt, auch hier haben wir so ein Verschiebungsproblem, was die meisten Menschen, glaube ich, gar nicht so sehen, was denen gar nicht so bewusst ist. Deswegen haben wir sozusagen so einen hohen Anteil von Versicherten in der privaten Versicherung bei Beamten. Und deswegen brauchen wir eine grundlegende Reform des Versicherungssystems. Und die muss beinhalten, dass eine Versicherung sich selber tragen muss, keine Staatszuschüsse, sondern die muss sich von alleine tragen. Sie muss diskriminierungsfrei sein. Es muss Wettbewerb geben. Das heißt, Leute müssen wechseln können von einem zum anderen. Wenn die Versicherungen Rücklagen anlegen, dann müssen die auch geschützt sein. Dann kann man denen nicht einfach wegnehmen können. Und du musst die Möglichkeit haben, individuelle Verträge zu machen mit den Versicherten, aber auch mit Leistungserbringern. Warum soll ich nicht mit bestimmten Ärztegruppen Verträge machen und sagen, wenn jemand in der TK versichert ist, dann machst du folgende Sachen? Das ist Wettbewerb, finde ich.
Es muss also mehr Wettbewerb in den ganzen Markt rein.
Absolut, mehr Wettbewerb in den Markt reinzubekommen, fände ich, wäre absolut wichtig.
Aber die PKVs sind ja normale Firmen, oder?
Genau, das sind normale Firmen.
Wer ist da so groß?
Eine Allianz zum Beispiel, oder die DBK ist die größte private Krankenversicherung. Zum Beispiel. Also da gibt es eigentlich alle Versicherungsunternehmen, die du so kennst, haben auch ihre Krankenversicherung. Und deswegen glaube ich auch, dass das Thema, man darf dann keinen Gewinn machen, gar kein Gamechanger oder gar kein Killer wäre für das ganze Spiel. Weil wenn ich die Allianz bin, nur mal als Beispiel, warum sollte die in einem Markt auftreten, wo sie keine Gewinne machen kann? Und der Grund ist, weil sie ihren Versicherten ja trotzdem ein ganzes Portfolio anbieten möchte. Wenn ich die Allianz bin, möchte ich ja nicht, dass mein Versicherter wegen der GKV dann zur AXA geht, sondern ich möchte ja, dass der bei mir bleibt, weil ich ihm ja auch viele andere Produkte anbieten möchte. Ich möchte ihn in meinem Gesamtportfolio sozusagen halten. Und deswegen glaube ich, wäre es auch für eine Allianz, jetzt nur wie gesagt Beispiel, für jeden anderen auch, auch in einem Markt, wo man sagen könnte, die GKV selber oder der Kernversicherungsteil ist aber nicht gewinnorientiert, trotzdem interessant, daran teilzunehmen. Ich kann auch weiterhin Zusatzversicherungen verkaufen, ich kann ihm ja andere Produkte noch dazu verkaufen.
Sag mal, gibt es denn nicht irgendwie, oder wo in eurem ganzen System war denn zuletzt eine größere Innovation? Wurde denn nie mal was Neues erfunden, eine neue Firma vielleicht auch etabliert? Also eine Krankenhauskette habe ich jetzt mitbekommen. Dann gibt es irgendwie ab und zu Medikamente, die neu erfunden werden von Firmen. Was gibt es noch so an Innovationen?
Innovationen gibt es schon, aber da muss man jetzt fairerweise sagen, wo kommen die her? Und wir reden jetzt ja, oder du redest jetzt ja gerade von medizinischen Innovationen und da gibt es wirklich richtig viel in jedem Bereich. Also es gibt sehr viel technische Innovationen in der reinen Technik. Wenn man sich anschaut, wie sich Bildgebung weiterentwickelt hat in der letzten Zeit. So als ich Arzt gewesen bin, da war noch ein CT irgendwie Tolle Sache, dass man CT machen können. Mittlerweile haben die CT für Fachleute viele, viele feinere Schichtungen und kannst viel genauer die Sachen anschauen. Es gibt MRTs, mit denen du noch ganz andere Sachen anschauen kannst. Es gibt Bildgebung, die mittlerweile von KI ausgewertet wird, also gar nicht mehr der Arzt irgendwie macht. In den Medikamenten haben wir wirklich große Fortschritte an vielen Ecken getan. Also die Medizin entwickelt sich schon vor, aber die Frage ist, wo entwickelt sich unser System vorwärts? Und da geht es halt immer weiter auseinander. Die Medizin macht tolle Fortschritte, unser System ist in großen Teilen das Gleiche, wie es noch vor 30 Jahren war.
Aber es gibt zum Beispiel einen Deutschen, der irgendwie in den USA eine Krankenversicherung aufgebaut hat.
Ja, es gibt immer wieder Leute, die Krankenversicherungen aufbauen, aber in Deutschland geht es eben nicht, weil die Regeln so sind, wie sie sind. Und deswegen brauchst du in Deutschland erstmal eine Regelrevolution, und dann kannst du wieder anfangen, sozusagen Inhaltsrevolution machen. Wir versuchen als TK ja zum Beispiel das Thema elektronische Patientenakte stark voranzutreiben. Da bin ich auch damals sehr stark angegangen worden, weil wir auch Geld investiert haben zu einem Zeitpunkt, als andere gesagt haben, sowas wird nie kommen. Und gesagt, doch, das wird kommen, wir bringen es auch voran, weil ich der festen Überzeugung bin, eine Basis für viel Innovation ist erstmal vernünftige Daten zu haben. Also dafür zu sorgen, dass du eine Datenbasis hast, mit der du noch was tun kannst. Das ist eben eine elektronische Patientenakte in dem Fall. Das heißt, du kannst auch in Deutschland so eine Innovation voranbringen, die jetzt im nächsten Jahr übrigens verpflichtend für alle Deutsche wird. Also alle bekommen im nächsten Jahr eine elektronische Patientenakte.
Da steckt viel Arbeit von mir drin.
Ja, ich würde jetzt nicht so weit gehen zu sagen, nur meine Arbeit, aber zumindest steckt sehr viel Arbeit von mir drin, dass wir so weit gekommen sind. Ich bin auch vor vielen Jahren zu allen anderen Krankenkassen gegangen, habe gesagt: Leute, das ist kein Wettbewerbsthema, lasst uns das gemeinsam angehen, weil das ist ein— wir können nachher Wettbewerb mit den Daten machen, aber erstmal die Daten zu haben, ist erstmal kein Wettbewerbsthema, sondern dann machen wir nachher was mit. Da war die Begeisterung vieler Kollegen überschaubar. Mit der Politik natürlich sehr viel diskutiert, und da kann man eben dann auch schon was bewegen. Aber es ist eben immer alles in einem gesetzlichen Rahmen, und das macht es eben im Vergleich zu vielen anderen Industrien mühsamer, langsamer.
Welches Land hat ein gutes, vorbildliches Gesundheitssystem?
Das ist eine witzige Frage, weil ehrlicherweise heißt ja die Frage: Wenn du krank bist, wo würdest du hingehen erstmal? Und da ist die Antwort fast aller Menschen schon nach Deutschland, weil unser System ist schon nicht so schlecht, wenn wir ehrlich sind. Aber wenn ich mir Aspekte anschaue, dann gibt es Aspekte in vielen anderen Systemen, die viel besser sind. Digitalisierung sind die nordischen Länder viel besser als wir. Selbst Estland oder so was, wenn ich dahinschaue, ist viel besser in Digitalisierung. Im Bereich Finanzierung von wirklicher Spitzenmedizin ist USA oft besser, wenn du es dir leisten kannst. Wenn nicht, dann nicht. Aber für die, die es sich leisten können, ist es oft besser. In Bezug auf, was hat man an Möglichkeiten im Wettbewerb untereinander, sind selbst viele südeuropäische Länder gar nicht so schlecht. Das heißt, es gibt gar nicht das eine System, was man sich anschauen sollte, sondern wir müssen uns alle Systeme anschauen. Unser Problem ist fast so ein bisschen, so blöd wie es klingt, dass unser System gar nicht so schlecht ist. Weil Estland ist deswegen so gut in Digitalisierung, weil die ein beschissenes System vorher hatten. Da ging gar nichts. Die hatten ein dysfunktionales Gesundheitssystem und standen da: Okay, wir müssen jetzt ein Gesundheitssystem aufbauen. Wie machen wir das? Und denen blieb nichts anderes übrig.
Also die Gnade der späten Geburt, haben das direkt digital gemacht.
Genau, haben direkt digital gemacht. Und bei uns ist halt alles, ja, es ist mühsam, aber irgendwie funktioniert es ja. Ich meine, du kommst zu einem guten Arzt und irgendwie funktioniert es ja. Und das senkt halt den Druck, dass man was ändern muss. Und mein Kampf, den ich eigentlich wirklich seit langer Zeit führe, um das zu ändern, ist, Wir dürfen halt nicht warten, bis wir komplett abgehängt sind. Wir müssen doch eigentlich in der Situation, wo es uns noch relativ gut geht, die Veränderung machen. Und da bin ich mir nicht sicher, ob wir das schaffen. Beim Krankenhaus sind wir jetzt wirklich jetzt in der Veränderung, und der Punkt war eigentlich kurz bevor es bricht zusammen. Und ich hoffe, dass wir nicht in allen Bereichen warten müssen, bis es kurz vor Zusammenbrechen ist.
Und trotzdem ist sozusagen dann dein Job irgendwie auch noch ganz operativ Marketing zu beobachten und Leute zusammenzuholen, die Ja, bei euch, also das heißt, sag mal ein Beispiel, was macht ihr da so? Marketing ist ja auch bei euch recht limitiert, was ihr machen könnt, ne?
Ja, genau, wir sind limitiert in dem, was wir machen können, auch in dem, was wir an Geld ausgeben dürfen. Finde ich auch richtig, man sollte auch nicht beliebig viel Geld ausgeben dürfen aus Versichertengeldern, sondern es ist stark reglementiert. Bei uns sind es irgendwie 50 Millionen, sowas in Summe. Also bei 50 Milliarden ist es jetzt irgendwie nicht zu vergleichen mit Pharmaindustrie, die ein Drittel ihres Budgets für Marketing ausgibt, mehr als für Forschung übrigens. Wissen auch die meisten Leute nicht, dass die mehr für Marketing als für Forschung ausgeben. Bei uns ist wirklich der Marktanteil sehr klein. Aber das ist der Punkt, was wir uns da bemühen, ist, was ich vorhin gesagt habe: Wir müssen dafür sorgen, dass wir eine Marke werden, dass die Leute wissen, wenn sie die Techniker hören, dann steht da irgendwas dahinter. Und wir haben zum Beispiel Marketingmaßnahmen ganz bewusst— vor einigen Jahren war eben noch Techniker Krankenkasse, viele haben uns immer TKK genannt, was wir nie gehießen haben, aber es war irgendwie so TKKG, hatten die glaube ich im Kopf, TKK genannt. Ich will dieses Krankenkasse wegfallen lassen, weil Krankenkasse ist eigentlich unsexy. Die meisten Leute finden Krankenkasse auch irgendwie, habe ich halt. Da ist ja mal ganz bewusst gesagt, nee, wir lassen die Techniker nicht mehr Techniker Krankenkasse. Und wenn einer nicht weiß, dass die Techniker eine Krankenkasse ist, dann ist vielleicht auch gar nicht unser Zielversicherter. Vielleicht wollen wir den auch gar nicht. Und deswegen ist das zum Beispiel so ein klar einfacher Ansatz.
So wie N26, hast du das gesehen, dass die so spezielle Karten gemacht haben, wo dann sozusagen so Stahl EC-Karten oder Kreditkarten, die man dann bekam, als Ende, wenn man dort ein Konto hatte. Oder jetzt gibt es auch sowieso nachhaltige Banken, Tomorrow Bank, die haben glaube ich so aus Bambus sowieso Karten, wo man sagt, okay, so anfassbare Gimmicks. Ja, sowas. Also ich meine, das hat ja wirklich gut funktioniert offensichtlich.
Haben wir in der Tat auch schon überlegt, dürfen wir teilweise nicht.
Und dann musst du dich fragen, wie macht man eine Krankenkasse sexy?
Ja, und ich glaube, man kann sie, und deswegen bin ich auch so für Digitalisierung, eigentlich im Moment hauptsächlich über Bereich Digitalisierung sexy machen. Das heißt, das ist ja das Produkt, wo auch gesunde Menschen mit uns interagieren, nämlich unsere Digitalprodukte. Da kriege ich eine Unterstützung, da kann ich irgendwas tun, da kann ich irgendwas abrechnen, da kriege ich irgendwie Sportunterstützung. Und deswegen ist unser Fokus in dem, wo mache ich Krankenkassen sexy, der Digitalbereich. Ich glaube, im Analogbereich musste sie funktional machen, da muss ich das Gefühl haben, wenn ich sie brauche, ist sie da und funktioniert auch alles super. Aber das ist nicht sexy.
Ich glaube, wenn ich so eine schwarze Karte hätte, die so aus Stahl ist, wo ich dann beim Arzt, wenn ich das der Arzthelferin gebe, das Gefühl habe, boah, die denkt jetzt, was für ein geiler Typ.
Ich erzähle mal eine Anekdote aus meinem Leben. Das können, wie gesagt, Menschen, glaube ich, gar nicht verstehen, die nicht im Gesamt-Krankenkassen-System sind. Wir haben eine Mitgliederzeitung.
Ab und zu werde ich gefragt, wie denn unsere Homeoffice- oder Präsenz-Policy sei. Wir haben de facto bei OMR keine ganz einheitliche Policy für alle, aber jeder weiß, ich bin ganz großer Fan von Präsenzoffice. Und wir haben verschiedene Nespresso-Maschinen im Büro natürlich. Und ich bin wirklich überzeugt, Menschen kommen ins Büro, wenn es einem hier gut geht. Und dazu trägt Nespresso bei. Es gibt immer wieder Gesprächsstoff an der Kaffeemaschine, vielleicht auch demnächst über den Kaffee selber. Es wird nämlich eine B2B Limited Edition geben von Pumpkin Spice, also Nespresso und dann die Sorte Pumpkin Spice, passend zum Herbst, zu Halloween. Wer die ganzen Vorzüge von Nespresso erleben möchte, der muss gar nicht unbedingt extra zu uns ins Büro kommen, sondern kann das auch in seinem eigenen Unternehmen erleben. Einfach die Vielfalt von Nespresso, Milchkaffee, Flavoured Coffee, Eiskaffee, alles könnt ihr auch haben. Ihr könnt Nespresso-Kaffee unverbindlich in eurem Unternehmen testen. Ihr bekommt für 3 Monate eine Nespresso Pro Maschine kostenfrei ausgeliehen und müsst nur euren Wunschkaffee dazu kaufen. Zum Start gibt es außerdem kostenfrei eine Kaffee-Masterclass. Habe ich auch sehr genossen. Man kann da vor allen Dingen seine Lieblingscafés entdecken und direkt bestellen. Das Ganze kann man ganz einfach starten bei uns über den Link in unseren Shownotes und die Kollegen und Kolleginnen von Nespresso melden sich direkt bei euch.
Mitgliederzeitungen haben einen gewissen Marketingeffekt, wenn man sie den richtigen Leuten gibt. Kann man drüber diskutieren, aber jedenfalls gibt es durchaus, sage ich mal, diese Mitgliederzeitung, und das ist so eine klassische Zeitung, die liest man halt, wenn man irgendwie, was weiß ich, von mir aus auf dem Klo sitzt oder irgendwie, alte Zeitung. Wir waren also bei unserer Aufsicht, führen wir einmal im Jahr Gespräche, zweimal im Jahr, und unsere Aufsicht sagt, ja, Sie haben was überlegt, in unserer Mitgliederzeitung, da werden ja auch so Sachen drin wie irgendwie gesunde Ernährung und wie kann man Sport machen, und das wäre doch eigentlich gar nicht Aufgabe einer Krankenkasse. Sie hatten sich überlegt, also wenn wir schon so eine Zeitung rausschicken, dann sollten wir doch diese Rezepte und sowas nicht reinschreiben, sondern wir könnten doch unsere Schalter Öffnungszeiten reinschreiben. Also erstmal der Begriff Schalteröffnungszeiten ist ja schon großartig. Und dann stell dir also vor, ich schicke eine Zeitung raus, eine Werbezeitung, in der drinsteht Düsseldorf 9 Uhr bis 13 Uhr und dann 15 Uhr bis 18:30 Uhr.
Heißt dann Schalter in unserer Kundenberatung sozusagen, wann die offen sind.
Das heißt, die haben gesagt, wir sollen nicht irgendwie diese Sachen, diese Rezepte und diese bunten Sachen da reinschreiben, sondern wäre doch schön, wenn wir da einfach unsere Schalteröffnungszeiten kommunizieren würden. Und das kann ja wohl nicht euer Ernst sein, dass ihr irgendwie meint, dass das irgendwie Werbung ist. Das heißt, dieses Verständnis dafür, dass wir in einem Wettbewerb sind, dass ein Wettbewerb dazu führt, dass wir damit ja auch effektiver sind, dass wir dann die richtigen Versicherten haben, die dann wieder sozusagen bessere Beiträge erzeugen, mit denen ich dann die anderen wieder finanzieren kann. Das ist was, was relativ schwierig zu kommunizieren ist. Und deswegen so was wie eine Versichertenkarte in Gold zu machen oder in Platin oder in Ding würde mir sofort verboten werden. Darf ich nicht. Und deswegen ist Das ist ganz subtil, wie man das machen kann, was unsere Freiheitsgrade sind. Viele Leute nehmen mir immer noch übel, dass ich zum Beispiel den HSV gekündigt hatte. Als ich die TK übernommen hatte, waren wir Sponsor des HSV.
Okay.
Und ich habe den HSV gekündigt. Ich habe den HSV nicht etwa deswegen gekündigt, weil ich den HSV blöd finde, sondern ich bin so relativ fußballneutral. Sondern ich habe es gekündigt, weil wir da überhaupt gar keine Botschaften rüberbringen konnten. Das heißt, es war einfach irgendwo stand halt TK drauf. Punkt. Überhaupt gar keine Botschaften, die man rüberbringen konnte. Reines Markenthema. Das macht aber aus Markenführungssicht gar keinen Sinn, weil ich brauche gar keine allgemeine Bekanntschaft, sondern ich brauche eine Bekanntschaft, die mit irgendwas verbunden wird in der TK, weil eben Krankenkasse indifferenziert ist. Deswegen war es einfach eine falsche Kooperation, die wir dort gehabt haben. Und solche Aspekte überlegen wir halt, dass wir überlegen, wie können wir die Marke so aufstellen, dass was, was eigentlich uninteressant ist, im Zweifelsfall negativ belegt bei vielen Leuten, Krankenkasse ist bisschen blöd, wie schaffe ich das trotzdem so aufzustellen, dass ich dann sage, aber wenn schon ich Krankenkasse haben muss, dann aber die Techniker, weil die Ey, die digitalen Angebote waren super, und ich finde die auch irgendwie von den Typen, die da sind, sind klasse.
Was war denn die beste Aktion, die wurde zum ersten Mal durch eine Marketingmaßnahme relativ gut attribuierbar Mitgliederwachstum gesehen habt?
Ja, man kann ja immer nicht eins zu eins zurückführen auf eine bestimmte Markennamen sowas, aber diese Umstellung auf die Techniker haben wir schon gesehen. Also wir machen da auch logischerweise viel Marktuntersuchung und schauen uns an, wie ist unser Image, wie ist unser NPS, der übrigens in der Größenordnung von Apple liegt, also bei unseren Mitwirkern. Versicherten ist unser NPS extrem hoch.
Das heißt, die Leute schätzen euch extrem. Also unsere Empfehlungspartner, also sozusagen, das sind, machen wir.
Also gibt's aber nicht jetzt irgendwie, dass du da Geld bekommst oder sowas.
Warum nicht?
Nicht wirklich, auch wieder verboten. Auch da sind die Möglichkeiten relativ groß.
Also ich meine, du hast jetzt gerade so digitale Services, das heißt, man bekommt dann von euch in der App irgendwelche Leistungen und dann kann man da, du bekommst erstmal schon mal verschiedene Apps.
Das fängt an von wirklich so banalen Sachen wie irgendwelche die Pollenflugvorhersagen oder sowas, bis hin zu, wenn du mit einer Stelle interagieren musst, dann kannst du das eben online machen. Dann brauchst du eben nicht in die Kundenberatung gehen und uns anrufen.
Zum Beispiel, was für ein Hype so gerade Nahrungsergänzungsmittel hatten. Ich hatte jetzt hier zuletzt Orthomol, ich hatte Sunday Naturals, es gibt da noch eine ganze— wir hatten die Quality Group mit More und ESN. Also da ist ja richtig viel los. Das ist ja keine Medizin. Was hältst du von solchen Sachen? Vielleicht Farbgefahr?
Naja, also Sag mal so, und da bin ich wahrscheinlich jetzt, trete ich allen auf die Füße, ein Deutscher, der sich normal ausgewogen ernährt, braucht es nicht. Also wenn du einfach dich normal ernährst in Deutschland, bist du ausgewogen ernährt. Das Problem ist, viele Leute machen es aber nicht, sondern viele Leute ernähren sich eben nicht mehr vernünftig, kochen nicht zu Hause, machen keine ausgewogene Ernährung. Dann kann sowas durchaus einen Platz haben. Besser wäre es, Leute würden einfach sich wirklich wieder gut ernähren, kochen, vernünftige Sachen einkaufen. Meine Frau, wenn du abnehmen möchtest, fit werden möchtest, dann kannst du das alles nehmen, Meine Frau würde sagen, du bist wieder gute Ratschläge, die du selber nicht beinhaltest, weil ich—
Aber sag mal so, es gibt jetzt Millionen von Menschen, auch häufig junge Menschen, also nehme ich mal als Zielgruppe für euch, die das alles nutzen. Könnte man nicht sagen, Mensch, irgendwie, wenn du jetzt hier zur TK, da ist dann irgendwie im Paket auch noch irgendwie so und so viel, weiß ich nicht, Riegel von Sunday Naturals oder sowas mit drin?
Nein, auch das ist verboten. Es gibt so ein paar Sachen, die wir machen dürfen, also zum Beispiel, was bezahlen Krankenkassen manche ja, manche nein. Also wir bezahlen es manche nicht, so Themen wie Zahnreinigung. Reinigung, Osteopathie.
Und Check24 und so, welche Rolle spielen die? Kommen da die ganzen neuen Kunden her?
Nein, nein, die meisten kommen direkt. Das heißt, die gehen wirklich und suchen sich an und kommen dann bei uns eben über unsere meistens Digitalkanäle mittlerweile direkt.
Okay, genau, auf tk.de oder technikkrankenkasse.de.
Vielleicht schauen sie auch mal Check24 oder wohin auch immer, schauen sie was anderes an, aber gehen dann, gehen dann direkt zu uns und werden dann direkt bei uns Mitglied.
Und mittlerweile kommen auch ein paar über dein LinkedIn. Weiß ich nicht, aber du bist zumindest bei LinkedIn ja, sagen wir mal, spürbar aktiv.
Ja, wobei ich sehr unprofessionell aktiv bin. Also erstmal mache ich alles selber, was glaube ich schon mal total unprofessionell ist. Zweitens mal schreibe ich dann mal wieder eine Woche lang dreimal was und dann wieder 3 Wochen lang nichts. Also ich bin ein äußerst unprofessioneller LinkedIn-Nutzer, aber manchmal macht es mir Spaß und dann schreibe ich mal.
Aber es hat zumindest dazu geführt, dass du— ich habe mal geguckt, wie viel, oder ich habe es mir aufgeschrieben gehabt, es waren einige tausend, 18.000 Follower.
Okay, ja, ich habe es gar nicht genau aktuell geguckt, aber ja, kann ich mir vorstellen.
Aber es ist dann mehr so deine persönliche Lust und nicht so ein Kalkül?
Nö, das ist persönliche Lust. Ich bin eigentlich allgemein gar kein Freund von sozialen Medien überall. Sonst bin ich auch nur als Beobachter angemeldet. Also bei X und solchen Sachen bin ich natürlich drauf, aber nicht unter meinem Namen, sondern nur zum Gucken. Bei LinkedIn ist der einzige, wo ich wirklich aktiv bin, weil es da auch ein bisschen mehr Möglichkeiten gibt zu diskutieren und interagieren. Das ist ein bisschen mehr als in vielen anderen. In X ist oft alles zu verkürzt einfach.
Okay, aber das heißt, das ist irgendwie nicht so die Idee, da jetzt Influencer zu sein oder irgendwie. Also, ich meine, wäre nicht unmöglich da.
Ja, aber nö, also es ist wirklich eher, ist halt eine Plattform, wo ich manchmal unmittelbar schnell einen Gedanken irgendwie formulieren kann, muss jetzt nicht gleich ein Interview geben oder so, sondern kann das direkt da reingeben.
Viele CEOs sagen, das ist doch gar nicht so schlecht, um seine Leute zu erreichen. Wenn du hast 15.000 Leute, die du irgendwie auch erreichen musst, ne?
Ja, für intern ist es absolut gut, weil die Leute auch mal drauf schauen können und gucken, ist das irgendwie was, was ist da gerade unsere Position? Ist auch für extern ganz gut, weil ich meine, auch wir sind das Interview eingestiegen. Ich meine, für viele Leute ist Krankenkasse einfach was Ödes, Langweiliges, wo Beamte irgendwie rumsitzen. Und so sind wir echt überhaupt gar nicht. Und deswegen finde ich manchmal auch ganz gut, sowas auch auf LinkedIn zu zeigen, dass wir echt— wir sind kein Beamtenapparat, sondern wir sind— ich meine, ich kenne wirklich viele Unternehmen, habe in vielen Unternehmen gearbeitet, in vielen, vielen Industrien, und ich finde, wir sind eins der geilsten davon. Und das musst du den Leuten auch irgendwie zeigen. Musst du irgendwie sagen, ja, nee, das ist bei uns so.
Weil eure Mission so gut ist, also der Purpose stimmt.
Wir haben viele Mitarbeiter, die einfach begeistert sind, das, was sie machen. Die kommen nicht zum Geldverdienen, sondern die kommen, weil sie wirklich was Sinnvolles machen wollen. Wir können Innovation treiben, ohne jedes Mal aufs Geld schauen zu müssen. Wir sind in einem Bereich tätig, wo alle Leute irgendwie auch von betroffen sind. Wir stellen keine Zigaretten her, sondern Gesundheit. Das ist irgendwas anderes. Wir sind irgendwie in unserem Bereich jetzt natürlich auch, finde ich, sehr erfolgreich. Und das macht mehr Spaß, wenn du erfolgreich bist, als wenn du nicht erfolgreich bist. Also es gibt, finde ich, ganz viele Themen, wo es einfach viel mehr Spaß macht, bei uns zu arbeiten. Ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu arbeiten. Moment. Ich bin wirklich ganz glücklich bei uns und finde das super.
Wie viel Millionen kannst du noch drauflegen jetzt? Also ich habe das gerade, hast du anfangs gesagt, irgendwie glaube ich 11 bei der TK, ne?
Es gibt irgendwie 70 Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland.
Also du könntest davon 30 haben oder so was?
Wüsste jetzt nicht, was da prinzipiell dagegen sprechen würde.
Das wäre Revolution von innen, wenn auf einmal eine Krankenkasse den halben Markt sozusagen hat, weil sie so gut sind. Dann würde alle sagen, okay, der Barst Der muss jetzt spätestens Gesundheitsminister werden, der muss jetzt voran.
Das wäre gar kein Job für mich. Aber ich muss natürlich immer sagen, und natürlich als Vorstand der TK muss ich sagen, aber auch sonst, ich verstehe nicht, warum jemand woanders versichert ist. Das macht gar keinen Sinn eigentlich. Aber gut, das würden wahrscheinlich viele andere Vorstände auch so sagen.
Aber was, also jetzt mal objektiv versucht, also versuchen wir so, warum ist jetzt jemand vielleicht doch woanders? Also weil er da schon immer war?
Ja.
Oder weil—
Das ist der Hauptgrund. Ich glaube, der Hauptgrund ist, dass viele Menschen einfach zu bequem sind, sich dieses Thema nicht anschauen und auch gar nicht wissen, wie leicht man wechseln kann. Also das ist wirklich, glaube ich, der Hauptüberlebensgrund für viele Krankenkassen. Es gibt schon auch andere gute Krankenkassen, muss man fairerweise sagen. Also jetzt nicht so, dass nur die TK gut ist, aber es gibt auch viele echt schlechte Krankenkassen, die auch noch da sind. Und ich wundere mich, dass sie—
Sag mal eins.
Nee, das werde ich jetzt sicher nicht tun.
Aber woran erkennt man die?
Die erkennt man daran, dass sie relativ teuer sind oder sogar sehr teuer sind und dabei nicht mehr bessere Leistungen bieten als jemand anderes. In jedem anderen Bereich würde ich mich doch fragen, warum bin ich irgendwo bei jemand, der teuer ist und keine besseren Leistungen bietet? Also die Frage muss ich mir doch stellen.
Also ich bin jetzt gesetzlich versichert seit eh und je. Ich sage nicht wo, das wäre sonst— aber ich weiß gar nicht, auf welche Leistungen ich Anspruch habe. Also ich zahle das, ich weiß auch nicht mal, ob ich jetzt viel oder wenig bezahle im Vergleich. Ich habe das lange, lange nicht mehr verglichen und ich weiß es auch gar nicht so genau, was ich alles bekommen könnte.
Ja, das ist so.
Was ist, wenn du das nicht hast, bist du dumm?
Ja, ich glaube, dumm gibt es jetzt in dem Fall nicht.
Mir fehlt auch nichts in dem Sinne.
Mein Tipp ist immer, geh doch einfach mal zu einem Arzt und sage, welche Krankenkasse würdest du denn empfehlen? Weil der Arzt allein schon Erfahrung hat, wie ist der Umgang der Krankenkasse mit dem Arzt? Allein das ist schon mal ein ganz einfacher Tipp. Geh einfach mal hin und frag ihn, welche würdest du mir denn empfehlen? Ich habe keine Angst davor, wie hoch die Quote sein würde derjenigen, die TK empfehlen würden. Frag einfach mal oder ruf einfach mal an bei deiner Krankenkasse mit einer relativ komplizierten Frage am Samstagabend. Und guck mal, wie lange es dauert, ob einer drankommt und ob er dir die relativ komplizierte Frage beantworten kann. Relativ einfacher Test. Man kann, wie gesagt, sich auch in Vergleichstests anschauen, was bezahlen die oder nicht. Da gibt es übrigens jetzt auch eine Initiative des Staates, die ich auch unterstütze, dass die Krankenkassen bestimmte Parameter öffentlich machen müssen. Also zum Beispiel Genehmigungsquoten von irgendwas. Dann kann ich sogar anschauen, sind die besonders restriktiv oder sind die auch mal ein bisschen großzügiger im Genehmigen? Also es gibt die Möglichkeiten. Und selbst wenn du nur nach dem Preis gehst, was ich für falsch halte, weil man im ganzen Leben sonst auch nicht nur nach dem Preis geht, aber selbst dann, Warum bleibt jemand in einer Krankenkasse, wenn es günstigere Krankenkassen gibt, wenn er gar nicht weiß, was die Leistungen sind? Und der Grund ist, den du gerade gesagt hast: Man war schon immer drin, man will den Wechselaufwand nicht haben, der quasi gegen null geht, man hat Angst, dass wenn ich die wechsle, dann ist die neue vielleicht nicht so gut zu mir, weil ich ja neu bin. Bei der alten war ich ja schon immer.
Was ist mit Influencern? Wenn ich das so höre, dass es schwer ist, sich zu differenzieren, und da so rein theoretisch müsstest du doch sagen, Mensch, jetzt hier irgendwie Ich spreche jetzt mal mit Toni Kroos oder so, der hat 30 Millionen Follower, davon vielleicht 10 Millionen in Deutschland. Wenn der jetzt sagt, irgendwie ich verdiene zwar viel, aber ich bin gerne bei der TK und da freue ich mich, dass ich da ein bisschen Geld sparen kann oder keine Ahnung.
Also natürlich ist die Idee nicht ganz neu, wir machen natürlich Influencer-Werbung, klar. Mich hat neulich jemand aus meiner Selbstverwaltung, also die Herren, die mich beaufsichtigen, angesprochen und gesagt, sag mal Herr Baas, wir machen gar keine Werbung mehr, ich sehe gar keine Werbung mehr von uns. Sage ich, doch, wir machen die schon, aber du siehst sie nicht. Sie ist eben genau da, wo du nicht bist. Wir machen natürlich Werbung auf Instagram. Auf den einschlägigen Kanälen, wo du heute eben Werbung machst.
Aber auch mit Personen und so was?
Ja, mit Personen bin ich immer ein bisschen vorsichtiger. Wir benutzen Personen hauptsächlich nur für Themen, weil du bei Personen nie weißt, was passiert mit der Person irgendwann mal. Dann ist der heute Influencer, morgen bei der AfD und hat aber irgendwie noch ein TK-Label irgendwie drauf. Deswegen bin ich bei Personen immer sehr vorsichtig. Also nie so, dass wir eine Person mit der TK verbinden, sondern immer so, dass wir sagen, okay, dann machen wir mal wieder was mit jemand, dann auch wieder mit jemand anderem.
Bist du politisch?
Ja.
Parteipolitisch gebunden?
Ich glaube, von meiner Weltanschauung darf man heute auch gar nicht sagen, ist mir sag ich mal, die FDP schon relativ nah. Die real existierende FDP macht mir allerdings durchaus, glaube ich, auch manchmal Probleme. Also der Disconnect zwischen meiner Weltanschauung und der realen Partei macht mir da manchmal zu schaffen.
Wer war denn der beste Gesundheitsminister über die Jahre?
Das kann man gar nicht sagen. Die waren alle für sich irgendwie, hatten die Besonderheiten. Also ich habe jetzt wirklich schon einige erlebt. Daniel Bahr, Rösler, Gröhe, dann war Spahn, dann Lauterbach. Also schon eine ganze Menge. Die hatten alle ihre Stärken und Schwächen. Was für ein Paket kann man da— Das ist nicht der Stärkste gewesen. Ich würde sagen, ein Paket wäre vielleicht ganz gut aus allen, eine Mischung. Ich meine, mein Job ist, mit allen gut auszukommen, und ich finde, man konnte mit allen auch auf ihre Art irgendwie gut auskommen.
Aber muss man nicht auch mal mit irgendwem davon anrempeln? Also ich meine, gut auskommen klingt immer so—
Nein, nein, gut auskommen heißt nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Gut auskommen heißt durchaus, sich zu streiten. Also ich meine, mit jedem von denen habe ich mich, glaube ich, auch sehr intensiv gestritten. Intensiv gestritten. Aber auch Streiten ist ja eine Art von Miteinander auskommen. Ich finde, nicht auskommen heißt irgendwie, sich nur noch aufeinander zu schimpfen oder sowas. Miteinander sachlich zu streiten finde ich völlig okay. Also es gibt viele Themen, wo ich ganz andere Positionen habe als unsere Gesundheitsminister. Ich hatte gerade über Herrn Spahn, den ich wirklich schätze an vielen Ecken, über den ich mich tierisch ärgere mit den Krankenkassen, sind keine Sparkassen. Da habe ich mich mit ihm rauf und runter gezofft. Herr Lauterbach möchte gerne Gesundheitskioske einführen, wird jetzt nichts mehr werden dank der gescheiterten Regierung. Da habe ich mit ihm rauf und runter gezofft, weil ich das für totalen Unsinn finde. Aber es ist ein Unterschied, finde ich, sich zu schätzen und inhaltlich zu streiten oder zu sagen, was für ein Idiot, mit dem rede ich nicht. Den inhaltlichen Streit, den muss man führen.
Okay, interessant. Also für mich ein Ausflug, wie du gemerkt hast, in eine Welt, die ich nicht so gut kenne.
Wie viele Leute.
Aber umso besser vielleicht, das mal hier einmal aufzubereiten. Und das ist ja auch eine sehr wirtschaftliche Sache. Und ich meine, du bist ja nun auch ein sehr wirtschaftlicher Typ nach 10 Jahren BZB.
Ich bin auch Schwabe geborener, bleibt mir gar nichts übrig.
Ja, aber auch, du hast jetzt ja wirklich sehr professionell Business beraten und da auch auf hohem Niveau gearbeitet. Insofern, das hat ja durchaus, also ich meine, 50 Milliarden ist schon eine Nummer, ne?
Sogar 55, um genau zu sein.
Aber krass. Und ich meine, auch dann der Marketingetat, auch wenn der jetzt nur deutlich kleiner ist, es ist ja trotzdem noch mehr Marketingetat als in vielen anderen Firmen. Also das muss man auch mal sagen.
Und nochmal, es ist halt ein Produkt, was auch vielleicht schwieriger zu vermarkten ist als manch andere Produkte. Als ich noch für Auto gearbeitet habe, ich meine, da hast du halt ein geiles Produkt, wo die Leute sagen, wow, möchte ich haben. Krankenkasse ist ein notwendiges Produkt, da muss man dieses, diesen Wow-Faktor erst erzeugen.
Was ist euer größter Topf? Also wo gebt ihr denn das meiste Marketinggeld rein?
Du meinst, in welchen Kanal? Online mittlerweile, völlig klar.
Print und Fernsehen, sowas ist alles deutlich, deutlich Und dann aber dann irgendwie in Instagram oder verteilt, da sind wir relativ verteilt.
Suchanzeigen wahrscheinlich bei Google, also was selbstverständlich Search Engine Optimization, all die Sachen, was jeder heute macht, machen wir natürlich auch, klar.
Okay, okay, also vielen, vielen Dank für die große Lehrstunde hier.
Ich hoffe natürlich, dass ihr dann gleich die Mitglieder einfach dann da lassen könnt.
Also müsstest du eigentlich noch so einen Rabattcode, also für den ersten Monat umsonst oder sowas, der erste Monat umsonst, oder könnten mich dann alle im Gefängnis besuchen wegen einer Ratschläge, die ich nicht geben darf. Alles klar, ciao, ciao.
Jede Woche hören hier sehr, sehr viele Menschen zu und wir alle im Team, ich ganz besonders, sind dafür natürlich sehr dankbar. Und jetzt möchten wir euch mal wieder etwas besser kennenlernen. Wer sind eigentlich unsere Hörer? Was beschäftigt unsere Hörer? Welche Themen interessieren euch? Was können wir noch besser machen? Und deswegen kommen wir mal wieder mit einer Umfrage um die Ecke. Mit euren Antworten helft ihr logischerweise uns, diesen Podcast noch besser zu machen, oder zumindest zu versuchen, ihn noch besser zu machen. Wir wollen ja wirklich wissen, was sind Wünsche, Interessen, Bedürfnisse, was können wir tun? Die ganze Teilnahme an der Umfrage dauert etwa 5 Minuten, also im Vergleich zum Podcast hören extrem wenig. Und natürlich gibt es auch was zu gewinnen. Unter allen, die mitmachen, verlosen wir Preise wie zum Beispiel 2 Tickets fürs OMR Festival nächstes Jahr, einmal AirPods Pro oder ein OMR Report eurer Wahl. Und es gibt zusätzlich die Chance auf eine Übernachtung im Hotel Vier Jahreszeiten für 2 Personen hier in Hamburg. Also diese 5 Minuten könnten sich sehr lohnen und wie gesagt, vor allen Dingen für euch, wenn dann das Zuhören nach hinten raus noch besser wird. Deswegen sucht bitte den Link in unseren Shownotes im Linktree und gebt hier eure Meinung, eure Antworten ab. Vielen, vielen Dank vorab.
Dieser Podcast wird produziert von Podstars bei OMR.
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