039 Nur wenn ich laut werde, hört mein Kind mir zu | Der #gemeckerfrei Podcast

Uli und Bernd Bott erklären, warum Schreien bei Kindern langfristig nicht funktioniert: Es erzeugt einen Schreckeffekt, führt aber dazu, dass Kinder sich emotional abschließen und immer weniger zuhören. Sie zeigen praktische Strategien wie zählen, ein Lied singen oder bewusst eine Pause zwischen Reiz und Reaktion schaffen.
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Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch. Wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallihallo, herzlich willkommen bei dieser Podcastfolge heute.
Und heute haben wir den Titel: Nur wenn ich laut werde, hört mein Kind mir zu.
Das kennt ja sicher keiner von euch.
Nee.
Also zumindest war das zum Beispiel auch jetzt in der Challenge, die wir vor kurzem gemacht haben, eines der großen Fragezeichen, die von oder das von vielen von euch benannt wurde, zu sagen: Ich muss ja laut werden, weil sonst hört mein Kind mir nicht zu. Und dann schreit ein Kind einen Erwachsenen an und ein Erwachsener schreit zurück und das Kind schreit zurück und der Erwachsene wird lauter und Ja, manchmal am Anfang, wenn du das erste Mal richtig laut geworden bist, mag das funktionieren.
Ja, das funktioniert, glaube ich, tatsächlich die ersten Male. Es hat ja auch einen Schreckeffekt, es unterbricht ein Pattern. Das ist keine Frage. Nur das Dumme ist halt die Langzeitfolge, die dabei entsteht.
Weil da gibt es halt zum Beispiel auch Studien dazu, die besagen, dass Kinder ihren Eltern nicht zuhören, nicht mehr zuhören, je öfter sie angeschrien werden. Und es ist ja auch vollkommen logisch. Also da brauche ich eigentlich keine Studie dazu, um das mit meinem bloßen Menschenverstand total logisch zu finden. Wenn mich dauernd jemand anschreit, habe ich doch keine Lust mehr, dem zuzuhören. Da mache ich doch wie meine Ohren zu. Und lass das an mir abprallen. Zum einen Ohr raus, zum anderen rein, zum anderen wieder raus. Also weil ich, das ist einfach ja auch ein Schutz vor diesem Schwall Negativität, der da in den Worten mitschwingt.
Ja, und das ist ja auch so jetzt gerade, weil die Eltern ja einfach in der Position des Erwachsenen sind. Kriegt das Kind ja sowieso Angst, wenn die Eltern laut werden.
Ja, das auch.
Und damit geht ja noch mehr, geht ja einfach noch mehr zu.
Ja, also eigentlich ist es mit dem Anschreien wie mit dem Belohnen. Vielleicht kennst du das schon, dass man das mal ja vielleicht selber schon erfahren oder kennst nur die Stories darüber. Bei einer 1 gibt es einen Euro. Im einen Jahr reicht der Euro, im nächsten Jahr will das Kind 2 Euro, im Nächsten Jahr sollen es 5 sein, dann 10, dann soll es irgendwie das Handy sein oder zum Abitur der Porsche. Also damit eine Belohnung ihre Wirkung behält, muss sie immer größer werden. Damit Anschreien seine Wirkung behält und das Kind dir dadurch folgt, wenn du es anschreist, musst du immer lauter werden, musst du immer fieser werden, musst du immer auch wütender werden, emotionaler werden. Und das ist doch eigentlich ein Teufelskreis, den keiner will. Und wenn du jetzt hier zuhörst und dich sozusagen ertappt fühlst, dann nimm doch einfach die Energie, statt jetzt in Ohnmacht, Hilflosigkeit, Verzweiflung oder Schuldgefühle zu fallen, zu sagen: Ja, stimmt, so ein Scheiß. Das verändere ich jetzt. Ab heute schreie ich meine Kinder nicht mehr an. Egal wie die rumzicken, egal was die anstellen, ich entscheide, ich schrei die nicht mehr an.
Ja, ich lass mich davon auch nicht mehr triggern. Oder wenn ich eben merke, es triggert mich, dann bleibe ich trotzdem aktiv ruhig. Und wenn ich gar nichts tue, ist immer noch besser.
Genau.
Aus meiner Erfahrung von früher her funktioniert es als erster Schritt auch wunderbar, sich einfach aufzuerlegen. Ich reagiere eben nicht.
Ja, weil du darfst auch wissen, es gibt Naturvölker, die sagen zum Beispiel, das ist kindisch, wenn wir als Erwachsene wütend werden, weil wir uns einfach auf die in Anführungszeichen Stufe der Kinder ziehen lassen. Weil Kinder lernen einfach, soziale Wesen zu sein. Sie lernen, Mensch zu sein. Sie lernen, wie dieser Planet funktioniert. Und es geht einfach durch Vorbild. Also sie gucken das uns ab und dann üben sie das und üben und üben und üben und brauchen von uns die Bestärkung, dass sie auch, also wenn sie auf dem in Anführungszeichen richtigen Weg sind, also brauchen Ermutigung von uns. Und wenn du als Mama, als Papa häufig oder immer wieder wütend wirst oder deine Kinder anschreist, dann machst du ihnen ja vor, dass Anschreien eine erwachsene Verhaltensweise ist. Und diese Naturvölker zum Beispiel sagen, das ist mitnichten eine erwachsene Verhaltensweise, das ist einfach kindisch. Wenn ich mich von einem Kind aus der Ruhe bringen lasse oder anfange, mit einem Kind zu streiten, dann ist das albern. Das entspricht nicht meinem Entwicklungsstand als erwachsener Mensch. Und bei diesen Völkern ist es so, dass die Kinder spätestens ab einem Alter von 9 oder 10 Jahren haben die das gelernt, ihre Emotionen zu regulieren. Und das ist ja auch das, was wir uns für unsere Kinder wünschen, dass die lernen, ja, ihre Emotionen zu regulieren und das nicht ungefragt im Supermarkt oder auf dem Spielplatz oder beim Schlafengehen aus sich rauszubrüllen. Nur wenn wir Eltern nicht in der Lage sind, unsere Emotionen zu regulieren und bereit sind, diese kleinen Wesen, die die wir zur Welt gebracht haben oder erzeugt haben, anzuschreien, dann lernen Kinder halt, dass es normal ist, rumzuwüten und rumzuschreien, weil sie haben ja kein Vorbild.
Ja doch, sie haben ja das Vorbild.
Ja, sie haben kein Vorbild in der Emotionsregulation. Sie haben uns als schreiende Eltern als Vorbild.
Genau, und wir versuchen ja im Endeffekt Feuer mit Feuer zu löschen dann. Ja, das ist ja das, und das bei Feuer weiß jeder, das hat nicht funktioniert.
Ja, und ich finde, es ist halt an der Zeit. Und deshalb ist es vielleicht auch für den einen oder anderen ein bisschen düstere Podcastfolge, weil es dir halt viel bewusst machen darf. Weil es ist einfach an der Zeit, dass wir verstehen, anfangen zu verstehen, dass Kämpfen niemals zum Ziel führt. Also dass Kämpfen niemals zu dem Ziel führt, liebevolle Beziehungen und kooperative Kinder zu kreieren. Also Kinder werden nicht kooperativ, wenn sie angeschrien Sie verschließen sich vor uns und sind froh, wenn sie irgendwann alt genug sind, dass sie mit uns nichts mehr zu tun haben müssen. Und vor allen Dingen tragen sie ja genau das Gleiche wieder weiter. Also sie werden ja dann auch wieder zu Eltern, die ihre Kinder anschreien, weil das ja das ist, was sie gelernt haben. Und wir finden, es ist an der Zeit, dass wir diesen Teufelskreis durchbrechen, dass du diesen Teufelskreis durchbrichst und dass du erkennst, dass dieses Ding, dass dein Kind nur zuhört, wenn du so laut wirst, dass das einfach nur ein erlerntes Muster ist, das du deinem Kind ab sofort anfangen kannst abzutrainieren.
Ja, und dass dieses erlernte Muster eben gleichzeitig dieser Teufelskreislauf ist, der dich ja nur, der euch ja nur immer weiter in die Misere treibt.
Ja, weil wie machst du es dann anders? Wie der Bernd schon gesagt hat, du reagierst einfach gar nicht. Kind schreit dich an. Du zählst auf 10 und singst dir innerlich ein Kinderlied vor. Also von mir aus gerne. Ich mache da immer ganz gerne wirklich so ganz schreckliche Ohrwürmer. So was wie: Da hat das rote Pferd sich einfach umgedreht. Ja, also falls du das kennst, oder such dir irgendwas anderes, was du im Schlaf, wenn ich dich nachts um 2 wecke und sag rotes Pferd und du fängst sofort an, diese Melodie zu summen und so was brauchst du. Und das ist einfach ein Anker, den du einfach benutzen kannst, wenn du merkst, du fängst innerlich fängt es an hochzukochen. Wenn du merkst, dein Kesselchen füllt sich und du fängst an zu dampfen, und jetzt einfach zu sagen, es ist nicht persönlich, dein Kind will dir nichts Böses. Es ist einfach, es hat noch nicht genug Vorbilder gehabt, wie es ohne Schreien geht, oder es hat noch nicht genug geübt, ohne Schreien durchs Leben zu gehen und seine Emotionen zu regulieren. Achtung, ich sage absichtlich nicht kontrollieren, sondern regulieren. Das ist ein Riesenunterschied, weil Emotionen kontrollieren heißt, ich schiebe es unter den Teppich, ich drücke es weg. Die dürfen nicht da sein, sozusagen. Emotionen regulieren bedeutet einfach, dass du selber in der Lage bist, eine Wut wieder in Neutralität zu verwandeln, oder dass du eben gar nicht aus der Neutralität in die Wut hineinstürzt. Weil das passiert ja nur, wenn wir Dinge persönlich nehmen, wenn wir glauben, das Kind wollte uns irgendwie veräppeln, verarschen, was Böses. Also kein Kind will dir schaden. Das haben wir ja schon oft hier im Podcast gehabt. Also wer wäre so blöd, die Hand, die es füttert, zu— wie sagt man da, Bernd, hilf mir mal—
zu beißen.
Ja, genau. Also wer wäre— das macht ja keiner. Und von dem her, dein Kind Will dir überhaupt nichts persönlich. Und deine Aufgabe ist einfach, einen Raum zwischen Reiz und Reaktion zu bringen.
Und den schaffst du halt im ersten Moment. Oder für viele gerade, wenn du jemand bist, der wird vielleicht von dir sagen, du bist schon ein bisschen impulsiv, dann hilft es einfach erst mal gar nicht zu reagieren, dir einfach nur vorzunehmen, ich reagiere überhaupt nicht. Und das bedeutet eben, wie Uli gerade gesagt hat, du zählst bis 10, du bleibst einfach stehen oder du singst dir ein Lied vor oder irgendwas.
Ja, oder du stellst dir vor, dass aus dem Mund von deinem Kind einfach rosarote Seifenblasen rauskommen, dass das gar kein Geschrei ist, sondern das sind einfach nur Seifenblasen. Da gibt es eine ganze Menge Strategien, die man da einfach benutzen kann. Und ich wollte gern zu dem Impulsivsein noch was sagen, weil also wenn jemand von sich sagt, er ist impulsiv, er wird schnell wütend, dann ist es ja auch nur erlernt. Also das ist Du hast Menschen, die impulsiv und schnell wütend werden, haben halt nie gelernt, ihre Emotionen zu regulieren, weil, und sie nehmen vieles persönlich, weil das ist das, in dem Moment, wo du was persönlich nimmst, bist du in Sekunden von 0 auf 180.
Ja, obwohl in Wahrheit zwischen 0 und 180 gehst du eine ganze Menge Schritte.
Genau.
Und das ist ja auch das, was du gesagt hast, man kommt eigentlich nicht von der Neutralität direkt in die Wut. Sondern das sind ein paar ganze Menge Schritte oder Ebenen oder Stufen, wie du es nennen willst, für dich dazwischen. Ja, und die kann man oft schon zum Ausdruck bringen. Und es ist noch überhaupt nichts, was irgendjemand anderen dann angreift oder so was. Und das lernst du aber, indem du eben diesen, diesen Break eintrainierst, quasi.
Genau, weil Wut ist, wenn man es mal ganz genau nimmt, eine Manifestation von Angst. Das bedeutet, ein Kind, das wütend ist, hat eigentlich Angst. Und da hilft es halt relativ wenig, wenn du als Erwachsener auch über die Angst in die Wut gehst und zurückbrüllst, weil dann steht ihr quasi beide da und schreit euch an, dass ihr gerade Angst habt. Ja, super. Ja, genau. Und dann wird es halt immer lauter und immer destruktiver. Aber ich glaube, das haben wir jetzt schon deutlich gesagt. Also da einfach zu sagen, okay, es ist mein Job, Emotionen, meine Emotionen zu regulieren. Und ich glaube an dieser Stelle nicht, dass es Menschen gibt, die das können und Menschen gibt, die das nicht können. Natürlich sind wir von der Persönlichkeit alle unterschiedlich, aber nichtsdestotrotz kann jeder Mensch lernen, seine Emotionen bei sich zu behalten und die Verantwortung für seine Emotionen selbst zu übernehmen. Und das ist zum Beispiel das, was die Inuit uns deutlich vormachen. Einfach zu sagen: Okay, da wird es einfach nicht laut. Es gilt als absolutes No-Go, dass Kinder angeschrien werden und schon seit Generationen. Also das ist, da wird einfach nicht geschrien. Und das ist einfach eine Wahl, die du treffen kannst, eine Entscheidung, die du treffen kannst, ein Weg, den du gehen kannst. Dabei begleiten wir dich von Gemecker Freier super gerne, weil äußeres Gemecker und äußeres Geschrei ist ja immer die Folge von innerem Gemecker und innerem Geschrei. Wir zeigen dir gerne, wie du das abstellst, wie du das veränderst. Also nicht abstellen im Sinne von unter den Teppich kehren, sondern wie du die Verantwortung für deine Emotionen zu dir zurückholst. Und einfach mit deinen Gefühlen anfängst zu arbeiten und zu spielen und einfach die ganze Palette der Emotionen für dich entdeckst, eben auch die positiven. Weil das würde ich gerne noch ergänzen: Menschen, die von sich behaupten, dass sie impulsiv sind, sagen das meistens nur im Hinblick auf wütend werden oder aus der Haut fahren, die sagen nicht: Boah, ich bin so begeisterungsfähig, ich finde halt alles so toll, ich flippe den ganzen Tag vor Freude aus, wenn ich durch die Welt laufe, weil die Welt ist einfach so bunt und ich bin so impulsiv und ich bin so emotional. Weil wenn sie das tun würden, hätten sie gar keine Energie mehr für impulsiv wütend werden. Der Weg wäre auch viel zu weit. Von großer Begeisterung ist der Weg zur Wut so weit. Dass das eigentlich selten passieren. Jetzt schauen wir uns gerade an, der Bernd und ich, fragen uns, ob wir jetzt schon am Ende sind. Aber ich glaube, wir sind am Ende.
Ist, glaube ich, alles gesagt.
Genau. Wenn du erste Schritte gehen willst, um da deine Emotionen regulieren zu können, dann komm super gerne in unseren Mitgliederbereich, in unseren Kursbereich, die Gemeckerfrei-Family. Und vielleicht heißt es gerade auch noch Academy. Ja, wir nennen es gerade um. Genau. Und bald heißt es Gemeckerfrei-Family, weil der Bernd ja auch immer sagt. Genau. Je nachdem, wann du den Podcast hörst, da findest du auch noch einen Kurs dazu, wie du mit Wutanfällen umgehst. Und du lernst ganz viel darüber, wie du dein inneres Gemecker verändern Kannst. Und da bist du ab 30 im Monat dabei. Und ja, wenn du da aussteigen willst aus dem: Ich muss erst laut werden, damit mein Kind hört, dann komm rum, sei dabei und lern's einfach. Alles Liebe.
Wir freuen uns auf dich. Genau. Tschüss. Tschüss.
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