„Jetzt zieh das durch!“ – Der Denkfehler hinter dem Dranbleiben

Uli and Bernd Bott explain how phrases like "just get on with it" teach kids to ignore their own needs and push through joyless tasks. They argue that both children and adults should experiment with activities, quit without guilt if there's no spark, and cut unnecessary obligations to make room for what actually matters.
Chapters
Jetzt stell dich nicht so an.
Hab dich nicht so, mach doch einfach.
Komm jetzt, mach mal hin.
André könnte es doch auch.
Ja eben.
Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei Podcast.
Wir sind Uli und Bernd, Eltern von 4 Kindern und die Gründer von Gemeckerfrei.
Und bei uns lernst du, wie Elternsein heute wirklich geht.
Ja, wir haben dir ja schon so ein paar Sätze hier hingeknallt.
Ja, Und wir wollen uns heute mal angucken, was wir eigentlich in unseren Kindern anrichten, wenn wir solche Sätze sagen oder auch nur denken. Weil so oft erwarten wir von Kindern, dass sie funktionieren. Und da steckt ja dahinter, dass wir selber so unter Druck stehen als Eltern, dass wir denken, die Die Welt funktioniert, wenn wir funktionieren, oder die Welt funktioniert nur, wenn wir funktionieren. Und dabei geht uns ja was ganz Wichtiges verloren.
Ja, weil wir werden einfach tot. Also wir sind nicht mehr lebendig dann.
Ja, wir machen ständig Dinge, und das kannst du für dich mal überprüfen. Viele Menschen tun ständig Dinge, die ihnen eigentlich nicht entsprechen.
Tun die also gegen eine Wahrheit gegen sich selbst.
Ja, und die meisten merken es noch nicht mal.
Nee, weil sie eigentlich, weil sie genau durch diese Sätze gelernt haben, dass das keine Rolle spielt. Ja, oder dass das der richtige Weg ist, dass es richtig, dass es notwendig ist, über sich drüber zu gehen, über das, was man eigentlich fühlt oder denkt oder was der Körper vielleicht auch signalisiert oder so.
Weil das ist das, was man ja, was, wo wir glaube ich jetzt erstmal hin müssen, zu sagen, woran merkt man das denn eigentlich, dass man Dinge tut, die einem nicht entsprechen. Wie oft, also was weiß ich, bist du auf so einem Elternabend und sitzt auf so einem kleinen Stühlchen und denkst dir einfach von Minute 1, ich will hier weg, und bleibst aber trotzdem sitzen. Oder unterhält sich mit der Nachbarin und eigentlich sträubt sich alles in dir, weil du denkst, also behalte dein Drama doch für dich, oder wem soll das jetzt helfen, dass du jetzt hier über die Politik schimpfst, oder keine Ahnung. Und aus Höflichkeit hört man halt irgendwie trotzdem zu.
Ja, aus Höflichkeit, oder weil man halt gelernt hat, dass man das so tut.
Ja, genau, voll. Oder keine Ahnung, machst irgendwas im, also machst irgendwas im Haushalt und findest das halt eigentlich total, Entschuldigung für das Wort, zum Reiern, und machst es halt irgendwie trotzdem, weil du denkst du müsstest es tun. Also was, wenn man einfach mal, wenn wir mal anfangen würden, zumindest schon mal eine Strichliste zu machen mit allen Dingen, die wir so im Alltag tun, die wir eigentlich nicht gerne tun? Also das wäre was, was du dir schon mal mitnehmen könntest. So ein erstes Ding zu sagen, okay, wo im Alltag arbeite ich eigentlich gegen mich, weil ich Dinge tue, die mir keine Freude machen? Und ich höre schon den stummen Aufschrei von den Zuhörern, weil—
Aber man muss doch manche Dinge einfach machen.
Das Leben ist ja kein Ponyhof.
Wer bringt denn die Windeln in die Mülltonne? Wenn nicht ich.
Ja, und bei manchen Sachen stimmt es schon. Also ich würde jetzt mal sagen, wir haben in unserem Leben auch so vielleicht 3 bis 5% Dinge, die wir halt tun, weil die halt getan werden müssen. Ja, aber das sind halt 3 bis 5%, sollte halt nicht viel mehr sein, total wenig. Ja, und also was weiß ich, wenn ich— hatten wir es gerade beim Kaffeetrinken vorher davon, wo ich gesagt habe, ich einmal in der Woche so die Lebensmittelbestellung durch habe, dass das hierher geliefert wird, dann das dauert so eine Stunde oder so. Und wenn ich das dann gemacht habe, dann schlage ich gefühlt 3 Kreuze, dass der Quatsch wieder vorbei ist, weil das mir halt jetzt nicht so unfassbar viel Freude macht.
Eben, also nur um das, dass sich jetzt keiner aufregen muss, dass das ja nicht geht und so weiter. Also klar, ein paar Sachen Wird man wieder mal machen müssen. Ja, ich, wir bringen auch immer wieder mal selber Müll raus oder so, weil es halt voll ist. Es ist ja vollkommen egal. Nur die Frage ist ja, was für eine grundsätzliche Haltung hast du dazu und welche Haltung willst du ja dann auch deinen Kindern mitgeben. Und wir empfehlen halt da jetzt mal bei sich selber erstmal anzufangen, weil noch viel mehr als durch das, was du zu deinen Kindern sagst, lernen deine Kinder ja durch das, was du ihnen vormachst. Vorlebst. Und deswegen halt die Idee, okay, überleg doch mal oder schreib dir doch mal auf, was du so machst und was davon entspricht dir eigentlich nicht.
Ja, und weil es geht da, also unserer Meinung nach geht es darum, diese Sensibilität wiederzuentwickeln, dass man überhaupt merkt. Und eigentlich der Körper sagt einem das eigentlich total genau. Dass du zum Beispiel, bist du auf einmal, und da muss ich schon gähnen, wenn ich nur drüber rede, wenn du in Situationen bist, in denen du eigentlich gerade nicht unbedingt sein möchtest, dann wirst du auf einmal vielleicht total müde, musst dauernd gähnen, oder du bist einfach auch schon nur unkonzentriert, ganz oft unkonzentriert, oder was weiß ich, du bist hier, vielleicht triffst du eine Freundin, mit der du dich früher total gut verstanden hast, und nach dann verabschiedet ihr euch und du hast nur das, hast schon währenddessen das Gefühl, das ist irgendwie anstrengend und merkst so anschließend, dass also irgendwie ist die Zeit kaum rumgegangen und so. Es war irgendwie zäh, wo du halt einfach so im Körper merkst, wo du das, das matcht gerade nicht.
Genau, ich kenne es bei mir so, da geht mir die Fähigkeit zuzuhören vorbei.
Also dann schaltest du aus.
Ich bin noch mal so und dann nicht mehr, oh Scheiße, was hat er jetzt gesagt?
Wenn ich neben dem Bernd sitze, und das Situationen sind, in denen wir jetzt gerade nicht weg können, dann habe ich immer so das Ding, ich muss ihm in die Seite hauen, dass er wieder aufwacht.
Ich kann das nicht. Ich merke das oft dann erst sehr, sehr spät, dass das gerade wieder passiert ist, und dann muss man wieder so zurückholen und überlegen.
Ja, aber eigentlich signalisiert der Körper das ganz gut, und, und dass diese, diese Fähigkeit gilt es für uns Erwachsene wieder zu trainieren, also die wieder zu erlernen, weil das haben wir halt mit so Sätzen wie wenn unsere Eltern zu uns gesagt haben, jetzt ist doch nicht so tragisch, und jetzt stell dich nicht so an, und einmal in der Woche kannst du schon zu Tante Erna gehen und so, ja. Und so, da hast du halt selber gelernt, über dich hinwegzugehen und zu funktionieren. Nur, und jetzt geht es halt darum, das wieder zu verlernen, dass du aufhörst zu funktionieren. Funktionieren, weil das ist der erste Schritt, den es braucht, dass du von deinen Kindern nicht erwartest, dass sie anfangen zu funktionieren.
Ja, weil du musst ja erst in deinen Gedanken, in deinem System das so umstellen, dass du eben glaubst, dass die Welt funktioniert, ohne dass du funktionierst.
Weil, und Weil, und stotter, stotter, ich glaube, wir sind da gerade gesellschaftlich gesehen auch an einem Wendepunkt, weil diese ganzen Jobs, die wir machen, in denen wir nur funktionieren, die wird AI einfach besser können als wir.
Weil die kann noch besser funktionieren, weil die hat ja keinen schlechten Tag. Genau. Ja, so ein Roboter hat ja keinen schlechten Tag.
Der kann einfach 24/7 durchrotieren sozusagen. Und wir Menschen halt nicht. Aber was wir halt haben, ist Begeisterungsfähigkeit, Lebendigkeit und Kreativität. Aber das kommt nur zum Tragen, wenn wir aufhören zu funktionieren.
Weil das ist, weil nur noch zu funktionieren ist der Killer für jede Kreativität, für jede Lebendigkeit.
Ja, und Ich meine, ja, jetzt kannst du vielleicht sagen, weil der Bernd es gerade so anklingen hat lassen vorher, wir bringen auch mal manchmal selber den Müll raus. Ja, das ist natürlich, haben wir uns heute ein Leben kreiert, wo wir nur noch wenige Prozent, also ich habe ein, zwei Dinge in der Woche, also unter anderem Essen bestellen und noch vielleicht eine Sache in der Woche, die ich zu tun habe, die mich nicht mit Lebendigkeit erfüllen. Und also nicht per se. Also ich meine, es ist ja selbst so, dass wenn ich dann dieses Essen bestelle, dass ich dankbar dafür bin, dass ich das jetzt wieder bestellen kann, so, also dass ich das eigentlich auch schon wieder shifte. Aber natürlich haben wir heute ein Leben, wo wir, wo die Dinge, die uns wenig lebendig fühlen lassen oder weniger lebendig fühlen lassen als andere Dinge, wo wir die nicht mehr selber tun, sondern dafür Menschen bezahlen, weil wir wissen, wenn wir unsere Zeit dafür investieren, die Dinge zu tun, die uns maximal lebendig fühlen lassen, dass das ein Win-win für alle Beteiligten ist, ne. Allein, dass wir jetzt den Podcast aufnehmen können, bedeutet ja, dass wir, das ist jetzt eine halbe Stunde, während wir hier sitzen, was vorbereiten und so weiter, was da sonst alles dazugehört. Aber das ist die Zeit, die wir dafür investieren, und in der Zeit können wir nichts anderes machen, weil du Zeit halt immer nur einmal benutzen kannst. Ja, und du musst halt die Entscheidungen treffen, was Was macht dich, lässt dich lebendig fühlen? Und wie, was musst du abstoßen, damit du möglichst viel Zeit am Tag Dinge tun kannst, die dich lebendig fühlen lassen?
Weil diese Lebendigkeit ist auch der wahre Treiber für Effizienz. Wenn mich unsere Kinder oder wenn mich ein Mitarbeiter fragt, wie kann ich denn produktiver sein, wie kann ich denn Dinge, ist ganz einfach, lass den ganzen Scheiß weg. Ja, lass alles weg, was dich was dir nicht gefällt, überleg, wie du das outsourcen kannst, automatisieren kannst an KI. Aber jetzt bei Mitarbeitern gucken wir, dass wir es an KI abgeben, was an dummen Tätigkeiten quasi ist, um halt dahin zu kommen, dass jeder wirklich Dinge tun kann, die ihn ständig mit Begeisterung erfüllen oder mit Lebendigkeit. Da kommen wir auch zu einer bisschen anderen Folge dazu, weil dadurch natürlich auch die Anforderung immer wieder steigt. Das hatten wir in einer der letzten Folgen, dass du letztendlich Okay, auch die muss immer wieder steigen, nur dann macht es Spaß.
Ja, und was so einen zweiten Aspekt, auf den wir noch gerne in dieser Folge eingehen wollten, haben wir ja so in der Vorbereitung so drüber gesprochen, ist, dass wir ja oft zu unseren Kindern so Sätze sagen wie: Jetzt stell dich nicht so an, oder jetzt mach das doch einfach, oder was weiß ich. Ja, gerade wenn Kinder Dinge verändern wollen. Also jetzt, was weiß ich, das Kind hat angefangen, Gitarre zu spielen, und auf einmal hat es keine Lust mehr. Oder es fängt an mit irgendeinem Sport, Handball oder Schwimmen, und dann ein paar Wochen später hat es keine Lust mehr, will es da nicht mehr hin. Jetzt kann es natürlich mit Anforderungen und Fähigkeiten zu tun haben. Hör dir dazu die Folge, die passende dazu, an. Wir können die gerne verlinken. Aber gleichzeitig kann es eben auch sein, dass das Kind Oder sehen wir Kindheit halt als eine Phase, wo man Dinge ausprobiert?
Ja, genau. Also wo man experimentiert. Und dazu gehört halt auch mal 4 Wochen Handball spielen und halt merken, es gefällt mir nicht.
Ja, und du hast ja dann gesagt, eigentlich ist das ja das ganze Leben lang so, dass man immer Dinge ausprobiert. Und das Einzige, was sich, glaube ich, verändert, ist der Zeitraum, weil natürlich ein fünfjähriges für ein fünfjähriges Kind sind ja vier Wochen ein viel längerer Zeitraum als jetzt für uns und deshalb wenn wir halt jetzt zum Beispiel sagen okay was weiß ich wir probieren jetzt Paddel spielen haben wir neu angefangen vor einigen Wochen ja vor acht Wochen oder so haben wir angefangen Paddel zu spielen na also das ist halt was was dann wo Jetzt ist jetzt gerade schon ein schweres Beispiel für mich, weil uns das ja so viel Spaß macht, dass wir das einfach weitermachen.
Ja, natürlich macht es uns Spaß, aber wir wissen halt, es ist halt vollkommen egal, dass wir am Anfang immer nur einen Ball übers Netz kriegen und dann ist er wieder weiß Gott wo, weil der nächste nicht trifft oder so. So schlimm war es jetzt gar nicht, aber selbst wenn es so gewesen wäre, weil wir halt schon die Erfahrung gemacht haben, dass wir sagen, okay, im Prinzip finde ich das irgendwie cool, wenn ich einmal am Ball treffe, bin ich gleich hier, hier, hier, und dann kann ich halt, und dann weiß ich halt schon aus der Lebenserfahrung raus, Wenn ich das jetzt ein paar Mal mache, dann werde ich auch öfter einen Ball treffen.
Ja, das stimmt. Und ich wollte ja, das wissen ja Kinder oft noch nicht so, das ist für Kinder einfach schwer. Ja klar, weil sie die Erfahrung noch nicht haben. Und gleichzeitig, wo ich noch so ein bisschen drauf hinaus wollte, und ich hoffe, ich kriege den Punkt noch, ist, dass wenn ein Kind was 3 Wochen ausprobiert und dann sagt, macht mir keinen Spaß, ist halt vielleicht so, wie wenn wir 3 Monate oder ein halbes Jahr oder ein Jahr was ausprobieren ausprobieren. Und wir haben aber dann oft an Kinder die Erwartung, dass sie das jetzt mal mindestens— du hast jetzt gesagt, du willst Handball spielen und ich habe dich da angemeldet und es ist jetzt schon bezahlt und jetzt geh da auch hin. Anstatt zu sagen, ja klar, kein Problem, hast du ausprobiert, hat dir nicht so Freude gemacht, was magst du als Nächstes ausprobieren?
Ja, und ich weiß schon, jetzt schon wieder bei Musikinstrumenten und so weiter, dann hat man ein Musikinstrument gekauft, muss man heute alles nicht mehr kaufen, man kann es leihen und so weiter. Also würde ich auch immer empfehlen bei sowas. Ja, hatte ich auch schon früher dann immer versucht. Damals gab es das nicht, aber Musiklehrer war, das war jetzt noch nicht so unbedingt gleich damals. Ich habe dann selber schon Gitarren verliehen und so weiter, aber inzwischen gibt es ja auch wirklich fast überall Möglichkeiten, wo man sich alles auch ausleihen kann, einfach mal für ein paar Wochen oder so.
Und selbst sonst verkauft man es halt irgendwo wieder oder verschenkt es, oder also ich meine nur, dass wir mal da kurz drüber sprechen. Wenn du dein Kind dahintreibst und bennst und jede Woche da das Geschieß und das Geschrei hast, das kostet doch so viel Nerven, und das ist doch sowas Ekelhaftes. Also das ist doch mit keinem, kein Geld der Welt ist es wert, das in Kauf zu nehmen.
Vor allen Dingen die Zeit, die vergeudete Zeit, weil das ist ja eigentlich Lebendigkeit. Genau, weil das ja nicht nur bei deinem Kind dazu führt, dass es sich nicht lebendig fühlt, sondern bei dir ja auch. Jeden Ärger, den du hast, Ärger ist garantiert immer das Anti-Ding von Lebendigkeit. Ja, voll. Also Wut kann manchmal auch lebendig sein, das ist vielleicht noch mal was anderes, ja. Aber das ist jetzt auch wieder ein anderes Thema, eigene Folge. Aber Ärger mit deiner Familie ist immer eine Verschwendung von Zeit. Und eigentlich ist das Wichtige in dieser Folge eben auch, dass was Zeit für einen Wert hat, wie du ja vorhin auch gesagt hast. Du hast halt jede Sekunde nur einmal im Leben und deswegen solltest du die halt nicht vergeuden.
Ja, und wenn du dir halt die andere Folge von uns, die zur Fähigkeit und Anforderung, wenn du dir die auch anhörst und mit dieser Folge zusammen, glaube ich, kann schon so ein Bild entstehen, dass du rausfinden kannst, hat das Kind hier jetzt gerade wirklich keine Freude dran, weil das halt einfach nicht seins ist. Also ich weiß zum Beispiel, als ich, als wir relativ frisch zusammen waren, habe ich ja auch mal dann probiert, Gitarre zu lernen. Mein Gott, mein Gott, das war halt echt einfach, also das, also jetzt, ich würde jetzt einfach mal sagen, das ist einfach nicht für mich gemacht. Also es gibt einfach, und Millionen anderer Dinge, in denen werde ich schneller besser als beim Gitarrespielen. Das kann das, also das war ein, also da hätte ich echt richtig viel Einsatz gebraucht. Und es war natürlich auch wieder so, weil da hatte ich dich ja als Vorbild sozusagen und du konntest es einfach. Es hat mich halt super demotiviert. Aber also, weil die einen, die Eltern, manche von euch sagen ja dann, wie finde ich denn jetzt raus, ob das Kind wirklich keine Freude daran hat oder ob es halt einfach nur gerade schwer ist und durch muss. Und das kannst du, wenn du die andere Folge noch anhörst zusammen mit dieser Folge, kannst du glaube ich ein ganz gutes Gefühl dafür bekommen. Und ich würde halt grundsätzlich erstmal davon ausgehen, dass Kindheit eine Phase ist, in der man Dinge ausprobiert. Und wenn das Kind was für sich gefunden hat, was es wirklich begeistert, dann wird es da auch dranbleiben. Und du wirst es in dem Moment, in dem das Kind das erste Mal was findet, was es begeistert, wirst du merken, was der Unterschied ist.
Ja, und dann kann, also für viele ist ja der gute Gedanke hinter dem, na ja, jetzt hast du es angefangen, jetzt machst du es auch weiter, dem Kind Dranbleiben beizubringen. Aber Dranbleiben funktioniert in Wahrheit nur mit Begeisterung. Also richtiges Dranbleiben. Und das muss niemand lernen.
Nein.
Wenn ein Kind was richtig cool findet, dann macht es das die ganze Zeit.
Du hast ja auf allem getrommelt als Kind. Als Schlagzeuger. Du hast ja noch bevor du ein Schlagzeug hattest, auf allem schon welche gebaut aus allem Möglichen, was daheim zu finden war. Und ich habe ja als Kind oder als früher Teenager angefangen Badminton zu spielen. Und da war es ja zum Beispiel so, dass ich, also da hat der Trainer immer gesagt, dass ich das, ich hätte so einen wahnsinnigen Ehrgeiz, weil ich wäre eigentlich nicht besonders gut. Das hat er zu meiner Mama gesagt. Und da war das aber genauso, weil mir das so einen Spaß gemacht hat. Habe ich das, habe ich mich da wirklich durchgebissen. Und das, wenn dein Kind so was gefunden hat, wenn das Kind so was gefunden hat, was es begeistert, dann wirst du das bemerken. Und solange du das nicht bemerkt hast, ist es noch nicht das gewesen. Dann geht es halt einfach nur darum zu gucken, was willst du als Nächstes ausprobieren.
Genau. Und was dabei noch voll wichtig ist für Eltern, fällt mir jetzt gerade noch ein, da gibt es nämlich noch 2 sehr gute Beispiele dazu, ist, Es ist dann auch vollkommen egal, weil das gerade wieder ein Trainer gesagt hat, ist vollkommen egal, ob das Kind darin schon gut ist oder nicht. Ed Sheeran spielt selber immer wieder eine Aufnahme vor, wo er als Jugendlicher singt. Da zieht es dir alle Zähne raus. Furchtbar. Da trifft er keinen Ton, gar nichts. Und Oliver Kahn war ja genauso. Der war überhaupt nicht der beste Torwart. Das war richtig schwer, bis der überhaupt einmal in eine gescheite Mannschaft gekommen ist und so weiter. Aber der hat halt das so geil gefunden, dass er das dass er einfach immer besser werden wollte.
Ja, und dass der hat halt eine solche Passion da reingelegt.
Einfach nur die Passion reingelegt. Der sagt, ich bin garantiert der untalentierteste Torwart, der jemals in der Bundesliga gespielt hat, so ungefähr, wenn ich mich richtig erinnere. Aber wirklich so, dem haben sie eben damals bei was weiß ich, wo war das, Kaiserslautern, ich weiß nicht, keine Ahnung, ich bin überhaupt kein Fußballfan. Irgendwas mit K, nicht der 1. FC Köln, es war schon da unten irgendwo. Genau, war einfach nicht, hat keiner gesagt, der ist jetzt besonders talentiert oder so, aber der fand es halt geil, hat es halt immer gemacht, gemacht, gemacht.
Genau, und wie gesagt, also ich glaube, das Wichtige ist, wenn dein Kind für was begeistert ist, dann merkst du das, und solange du das nicht merkst, erlaub ihm doch, mach ihm doch, gib ihm doch die Möglichkeit, sich auszuprobieren, immer und immer wieder. Es sind ja eh so wenig Räume in der heutigen Kindheit, wo Kinder sich ausprobieren können und wo sie nicht funktionieren müssen. Und gleichzeitig wünschen wir uns für dich, dass du lernst, immer weniger zu funktionieren und immer mehr lebendig dein Leben zu leben.
In diesem Sinne, vielen Dank fürs Zuhören und Zuschauen. Alles Liebe dir, bis zum nächsten Mal.
Tschüss!
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Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









