195 Entspannt ins Schuljahr

Uli und Bernd Bott zeigen Eltern, wie sie das Schuljahr entspannter gestalten: Schule bleibt Aufgabe des Kindes, Eltern treten zurück. Drei konkrete Tipps: täglich drei Lernperlen hervorheben, Schulstoff mit Interessen des Kindes verbinden, weniger über Schule sprechen.
Chapters
Schule ist der Verantwortungsbereich, die Tanzbühne von deinem Kind. Wir Mama und Kind müssen nicht lernen, das Kind kann lernen, wenn's mag.
Alles rund um Schule wird ein Dauerthema zu Hause.
Hallo und herzlich willkommen hier zum Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst.
Wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, Eltern von 4 Kindern, Großeltern von einem Enkel, und wir haben schon mehrere Spiele-Bestseller geschrieben, viele Zehntausend Eltern auf ihrem Weg in ihr liebevolles Familienleben begleitet.
Und wir freuen uns, dass du heute hier bist, weil du eben auch neue Wege suchst, wie Elternsein heute geht, und Und weil für viele von euch gerade schon wieder das Schuljahr gestartet ist oder es in den nächsten Wochen soweit sein wird— ich weiß, gleichzeitig gibt es manche, die sind noch so in Ferien, die denken jetzt gerade überhaupt nicht über Schulstart nach. Aber wir wollten trotzdem einfach mal so ein paar Goldnuggets teilen, wie euer Schuljahr entspannter werden kann, als es vielleicht im letzten Jahr war, und für alle, die neu in die Schule starten oder wo ein Schulwechsel ansteht, die noch gar nicht so genau wissen, was da auf sie zukommt. Und da wollen wir einfach 3 Tipps mit dir teilen und wollen drüber sprechen, wie du und dein Kind, wie ihr schulfrei werdet. Aber was nicht bedeutet, dass du deine Kinder aus der Schule abmeldest oder Freilerner wirst oder sonst irgendwas, sondern dein Kind kann ganz normal zur Schule gehen und ihr könnt trotzdem schulfrei werden. Und was sich dahinter verbirgt, das teilen wir in dieser Folge mit dir. Aber lass uns erst mal loslegen.
Yes. Hallo, ganz kurz zwischenrein. Wir haben festgestellt, bei diesem Podcast sind die meisten unserer Zuhörer und Zuseher, ganz genau gesagt sind es 74% der Zuschauer und Zuhörer, sind nicht Abonnenten unseres Kanals oder des Podcasts. Und deswegen will ich dich jetzt bitten, wir würden diese Zahl gern auf unter 50% senken und dafür brauchen wir deine Hilfe. Also Geh jetzt kurz, wenn du auf YouTube bist, musst du einfach nur unter dem Video auf Abonnieren klicken. Ansonsten in der Podcast-Plattform, wo du gerade bist, sei so nett und lass uns ein Abo da. Wenn du nach der Folge begeistert bist und sogar noch Zeit hast, freuen wir uns auch noch über eine Bewertung, am besten natürlich mit 5 Sternen. Damit hilfst du uns, dass wir diesen Podcast weitermachen können, dass wir euch weiter hier coole Themen bringen können und unterstützt damit Die Gemeckerfrei Mission, die Welt für Kinder schöner zu machen. Vielen herzlichen Dank und jetzt viel Spaß weiterhin mit dieser Folge. In vielen Familien passiert ja Folgendes: Sobald ein Kind in die Schule kommt, oder zumindest vielleicht noch nicht ganz am Anfang, aber dann so in der zweiten Klasse, dritten Klasse, wird alles rund um Schule, also auch Hausaufgaben, alles, was in der Schule passiert, Noten, und so weiter, wird ein Dauerthema zu Hause. Ja, wird sehr beherrschend.
Ja, absolut. Und ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wir kennen viele Eltern, die sich zum Beispiel am Ende des Schuljahres oder in den Sommerferien dann vornehmen, dass sie sich im nächsten Schuljahr nicht so stressen lassen. Und der Vorsatz, der hält dann so genau 7 bis 10 Tage an. Und sobald die ersten Male das Kind morgens nicht aus dem Bett kommt, oder du die ersten verschimmelten Brotdosen wieder im Ranzen findest, oder das Kind seine Sportsachen irgendwo hat, aber nicht da, wo sie selber findet, also sobald diese, der Hausaufgabenstress wieder losgeht, sobald diese Themen wieder hochploppen, ist es relativ schnell vorbei mit entspannter als letztes Jahr und ich nehme das alles nicht mehr persönlich und, und so weiter. Und dann seid ihr ganz schnell wieder in der gleichen Mühle drin. Und das Problem ist einfach, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind Schule zumindest in Teilen nicht mag, Die ist relativ groß. Und da gibt es ja verschiedene Dinge. Wenn man in der Schule ist, da ist es ja nicht nur das, was man da lernen muss, was man nicht mögen kann. Das können ja auch die anderen Kinder sein, die Lautstärke im Klassenzimmer, die Lehrer, die Tatsache, dass man da zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein muss. Also gibt es ja 100.000 Dinge, die man nicht mögen kann. Und die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind manches davon zumindest nicht besonders gerne mag, die ist relativ groß. Und jetzt hat dein Kind eh schon den Stress, dass es das nicht so gerne mag, und dann hat es noch den zusätzlichen Stress, dass du darüber meckerst als Mama oder Papa oder dich beschwerst, dass dein Kind das nicht so macht, wie du das vielleicht dir vorstellst oder gerne hättest, oder wie ihr das vielleicht auch besprochen habt. Und dadurch wird der Stress für das Kind natürlich immer noch größer, weil das will ja mit dir auch keinen Ärger haben. Also, was kannst du tun? Erster konkreter Tipp.
Ja, der erste Tipp sind quasi, ist quasi, dass du dir abends immer wieder Zeit nimmst mit deinem Kind und dass ihr euch gemeinsam, oder dass du dein Kind eigentlich dabei anleitest, kann man vielleicht so sagen.
Ja, finde ich auch.
Dabei anleitest, sich 3 Dinge zu überlegen, die es heute geübt hat, quasi. Aber es geht nicht drum, dass ihr jetzt was— das, es geht jetzt nicht um Flöte üben oder sowas, sondern es geht drum, deswegen ist Üben vielleicht auch nicht so ganz sicher, ja, schwieriger Begriff. Aber Lernen wollen wir eben auch nicht nehmen extra, ja.
Wir riffen mal bisschen, ja, genau, wir versuchen dich mal bisschen damit reinzunehmen.
Zum Beispiel, wenn es Fahrrad gefahren ist. Wenn es jetzt ein jüngeres Kind ist und es ist viel Fahrrad gefahren. Oder es hat Radschlagen probiert im Garten, Handstand, was auch immer. Ja, sowas in der Art.
Ja, oder auch es hat irgendwas aus Lego gebaut. Es hat Weg gefunden, mit seinem Geschwister irgendwas zusammen zu tun. Es hat mit Geduld die Haare gekämmt. Es war duschen, obwohl es das eigentlich nicht so leiden kann. Also wo drin hat sich das Kind ausprobiert? Das ist also diese Dinge sammeln, wo was highlighten, hoch hervorheben, die Dinge hervorheben, die das Kind einfach so gemacht hat. Also eigentlich Alltag hervorheben. Ein bisschen so, wenn wir in unseren Programmen die Teilnehmer dazu anleiten, immer Perlen zu sammeln, dann ist das für viele am Anfang, also so Nuggets, was den Tag über gut war. Das sind Perlen. Und da ist es für viele am Anfang immer total schwer, so ganz normale Alltäglichkeiten hervorzuheben und zu feiern. So was wie: Ich hatte heute eine Spülmaschine, die mein Geschirr gespült hat, oder ich konnte den Kühlschrank aufmachen und da waren lauter leckere Sachen drin. Und also nur dafür dankbar zu sein. Und jetzt eben auch für das Kind Dinge hochheben, hervorheben, groß machen, wo es einfach geübt hat, mit denen es sich ausprobiert hat, wo es natürlich alleine deshalb, weil es sich damit beschäftigt hat, wird das Kind besser. Ein Kind, das jeden Tag 3 Stunden Lego baut, wird im Legobauen besser. Das kannst du gar nicht verhindern.
Und es wird noch in vielem anderen besser, nämlich im Vorstellungsvermögen. Das lernt, Dinge zu planen, ja, das lernt, Dinge strategischer anzugehen und so weiter. Es lernt suchen, ja, es lernt vielleicht sogar irgendwann, dass es sich die Sachen selber sortiert.
Es lernt auch geduldig sein.
Absolut, ja.
Also ein Kind, das 13 Stunden am Tag Lego baut, lernt unfassbar viel.
Ja, aber auch andere Sachen, jetzt gar nicht so, ne, es geht nicht nur Geht jetzt nicht nur um Lego bauen, wirklich nur um das Beispiel. Ist ein sehr gutes Beispiel hier an der Stelle.
Und es geht halt darum, jetzt auch eben nicht zu sagen, abends im Bett mit dem Kind zu überlegen, du hast heute dein räumliches Vorstellungsvermögen nicht, oder so, sondern einfach nur bemerken, du hast heute voll lange Lego gebaut, du warst heute voll aktiv beim Kuchen backen. Du hast einfach Dinge highlighten, die das Kind, mit denen das Kind sich beschäftigt hat. Und das ist einfach zutiefst ermutigend, wenn du einfach nur das, was das Kind tut, oder auch zu sagen, du hast heute so entspannt auf dem Sofa gechillt. Auch das kann man highlighten, weil das ist eine Riesenfähigkeit, sich ausruhen zu können. Viele Erwachsene können überhaupt nicht mal nichts tun. Die haben dann sofort irgendwelche Pläne im Kopf, was sie jetzt noch erledigen müssen. Also, na, das, das einfach hervorzuheben, womit sich das Kind beschäftigt hat, und damit den Druck von den Ergebnissen wegzunehmen. Das ist nämlich das Ziel des Ganzen, weil Schule ist wahnsinnig ergebnisorientiert, und Kinder, die eben diese Ergebnisse nicht liefern können, die sind halt super schnell frustriert, und die müssen auf eine andere Art und Weise lernen, an sich zu glauben. Und das geht über Ermutigung, und das geht zum Beispiel, wenn du einfach nur, in Anführungszeichen, nur mit Achtsamkeit und Fokus die Dinge wertschätzt, mit denen das Kind sich beschäftigt.
Was dabei total wichtig ist für dich noch zu wissen, ist, dass Lernen, also Dinge, die, die Die wir wirklich lernen und wie wir leicht lernen, funktioniert durch Experimentieren, also durch Dinge tun, durch Trial and Error. Beispiel Lego: Ich versuche ein Auto zu bauen. Hoppla, wenn ich 4 verschiedene große Räder habe, wird es ein Kackauto oder ein besonders lustiges Auto, aber es fährt nicht geradeaus. Ja, was weiß ich. Und dann, und dabei, das ist es, wo das wahre Lernen, das und das total leichte Lernen läuft. Ja, und es ist auch, wenn Kinder versuchen, auf einem irgendwo zu balancieren Passieren lernen sie ganz viel über Physik zum Beispiel. Oder wenn sie irgendwas mit Holz im Garten spielen, da wissen die, was eine Hebelwirkung ist, bevor ihnen das irgendjemand jemals erklären muss. Und lauter solche Dinge. Und das passiert aber durch so dieses freie Spielen, dieses Experimentieren im Spiel und Dinge ausprobieren. Und das förderst du dadurch, weil du, weil normalerweise machen das ja Kinder, man ist ja dann meistens noch dazu, denkt sich, oh cool, sind wir mal eine Stunde beschäftigt. Und dann gibt man denen gar kein Feedback. Und wenn man das aber abends macht, förderst du das beim Kind auch und zeigst damit auch, schau mal, da passieren wirklich wichtige Dinge auch in deinem Leben. Und das ist ich. Und ihr auch. Du gibst dem ja auch als Mama oder als Papa dann die Wertschätzung.
Ja, und damit die Bedeutung und den Stellenwert. Genau. Und das sind oft Sachen, die wir so für selbstverständlich halten. Oder so Sachen, die wir, ne, also jetzt spielen die Kinder da im Garten rum zum Beispiel, und du regst dich leichter eher noch drüber auf, dass die jetzt irgendwie wieder den Sand im ganzen Garten verteilen oder irgendsonstwie, weil es matschig ist, das Gras kaputt trampeln oder was auch immer, anstatt zu sehen, was, womit die sich da gerade beschäftigen und wo drin die automatisch besser werden, weil sie tun. Du musst deinem Kind nicht sagen, dass es da drin besser wird, weil das passiert von selbst. Und was— probiert es mal aus, wenn du dein Kind ein paar Tage lang dafür feierst, dass es sich mit Legospielen beschäftigt, dann kannst du total sicher sein, dass dein Kind in den nächsten Tagen noch viel mehr Lego spielt und dann automatisch noch viel besser wird. Genau, und das einfach in eure Alltagsroutinen Routine zu integrieren, dass ihr über diese Dinge sprecht und absichtlich eben nicht über die Ergebnisse sprecht, sondern über die Prozesse, über das Tun, weil das den Druck rausnimmt. Dann gibt es einen zweiten Tipp. Der zweite Tipp hat damit zu tun, dass Lernen am besten funktioniert, wenn Menschen begeistert sind. Weil Begeisterung ist wie Dünger fürs Gehirn. Das hast du bei uns bestimmt schon mal gehört.
Ist auch ein Zitat von Gerald Hüther.
Genau, ich wollte es dem auch nicht wegnehmen an dieser Stelle. Genau, und Begeisterung ist also der Dünger fürs Gehirn. Und Schule ist für viele Kinder schwierig, weil sie Dinge lernen müssen, die sie nicht begeistern. Und ehrlicherweise funktioniert es auch nicht besonders gut. Das ist das, was der Bernd eben meinte mit dem echten Lernen, weil die Sachen, die du nur für eine Schulaufgabe lernst oder wegen einer Hausaufgabe Hausaufgabe machst oder so, die hast du ja sofort wieder vergessen. Denk doch an deine eigene Schulkarriere zurück. Was von den Dingen, die du da gelernt hast, weißt du denn heute wirklich noch? Ja, und ich kann mich zum Beispiel noch super gut dran erinnern, was ich alles auswendig gelernt habe und was ich für Lernzettel hatte. Aber meinst du, ich kann mich daran erinnern, was auf den Lernzetteln draufstand? Ja, keine Ahnung.
Ja, außer eben, es gibt eben einen Grund, warum wir uns manches, also Es gibt mehrere Gründe, warum wir uns manche Sachen gemerkt haben. Das eine war natürlich, wenn es dich schon selber interessiert hat. Was aber meistens erst im jugendlichen Alter ist, dass man dann sagt, okay, ich finde irgendwie Biologie spannend, weil da geht es um Tiere, oder ich finde Bakterien toll oder so. Ja, das kann natürlich mal passieren. Oder wenn halt der Lehrer eine Sache gemacht hat, auf die wir jetzt ja hinauswollen.
Die Spannung steigt.
Ja, die Spannung steigt. Wenn der Lehrer dir dazu eine Geschichte erzählt hat, die dem Ganzen einen Sinn für dich gegeben hat. Das kann manchmal sein, dass der Lehrer eine tolle Geschichte erzählt hat, aber die hat dich halt gerade nicht interessiert, weil der hätte darüber erzählen können, was er wollte. Das war nicht dein Thema. Aber wenn das was war, was dich persönlich interessiert hat, ja, dann war es cool und dann hast du dir das auch viel eher gemerkt oder warst auch viel eher bereit, dich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Ja, und wenn du jetzt also mitbekommen solltest, dein Kind hat in der Schule mit Themen zu tun, die es einfach stinklangweilig findet, dann finde mit deinem Kind zusammen einen Weg, was das Kind dabei interessiert. Also mach ihm deutlich, wozu man das brauchen kann, wofür man das findet. Und dafür ist auch wieder das, die erste Übung so wichtig, weil wenn du die erste Übung machst, dann weißt du, was die Themen sind, mit denen sich dein Kind von selbst beschäftigt. Und dann weißt du, woran es Interesse zeigt und wofür es begeistert ist. Und wenn du das weißt, dann kannst du im nächsten Schritt gucken, wie kannst du die Lerninhalte, was dein Kind ja vielleicht gerade in Mathe oder Physik oder wo auch immer lernen soll, wie kannst du die in das Thema, mit dem Thema in, wie sagt man, in Verbindung bringen. Also dass das Kind eine Idee hat, wofür soll es das denn bitte schön lernen. Also jetzt Irgendwas über rechte Winkel zu wissen kann stinklangweilig sein oder kann total spannend sein, weil du weißt, nur wenn es rechtwinklig ist, hat das Gebäude, das du da gerade aus Lego baust, überhaupt die Chance stehen zu bleiben.
Wenn man aus Lego schwierig nicht rechtwinklige Sachen bauen kann, aber nimm Bauklötze. Ja, ja, ja, aber es ist genau das. Es geht um solche, um solche Verknüpfungen. Die müssen auch oft gar nicht so komplex sein. Also das ist gar nicht so. Weil alleine, wenn du das, du siehst was und das Kind baut da was und du sagst kurz vielleicht was dazu. Ah, schau mal, ist jetzt die eine Seite länger oder die andere? Kannst mal zählen mit den Legosteinen. So, da kann man ja schon eine ganze Menge machen. Ja, und dann bekommt es schon so ein Stück, ach so, dafür ist es da.
Ja, oder auch, also ich kann mich erinnern, dass du mit unseren Kindern immer wieder so eine Brücke geschlagen hast, dass du denen erzählt hast, wozu du diese Sachen heute im Business nutzt.
Ja, genau.
Und dann ist es zwar noch nicht das Eigeninteresse des Kindes, aber das Kind versteht zumindest schon mal, was der Nutzen davon ist, und kann sich dann— dann ist der Nutzen halt vielleicht, ich beschäftige mich damit, weil ich will so werden wie mein Papa oder wie meine Mama und so. Und dann ist das halt eine Motivation. Aber so einfach nur irgendwelche Formeln oder irgendwelche Dinge auswendig lernen, ohne dafür, ohne dass das irgendwie greifbar wird, ohne dass das zu verstehen ist, was der Nutzen davon ist, wenn ich das jetzt gerade lerne. Das ist einfach total ineffektiv.
Das ist, ich mache ein Beispiel aus meinem, vor 100 Jahren, sage ich immer, ja, Kopfrechnen in der Schule, das war für mich so, weil ich bin noch dazu, war ich so dieser Anti-Wettbewerbstyp, also ich habe dann immer das War für mich eh so, wenn es dann so wäre, ist es da besser und so, da hatte ich eben keinen Bock dann. Und folglich war ich jetzt da, haben wir so Grundschule, so Kopfrechenwettbewerbe gemacht. Da habe ich immer nicht, was soll denn der Quatsch? Also mein Papa hat einen Taschenrechner daheim, der war auch Lehrer, aber der hat natürlich einen Taschenrechner, wer kommt jetzt hierhin und sagt, von dem her fand ich das doof. Und das stand dann, hat dann auch meine Eltern immer mitbekommen, weil die waren auch Lehrer, die haben ja damals alle gekannt auf dem Dorf. Und dann aber immer, wenn es um Geld ging, wenn ich irgendwas mit Geld ausrechnen sollte, wenn mein Papa gesagt hat, er hat mir 10 Mark gegeben, ich sollte irgendwas einkaufen, was irgendwie 7,50 Mark kostet, dann hat er mich gefragt, wie viel, weil er natürlich auch Lehrer war und einen Trick angewendet hat, wie viel Wechselgeld ich ihm dann zurückbringen muss. Das wusste ich aus der Pistole geschossen, mit Geld konnte ich Kopfrechnen wie Sau. Und das hat er immer dann so zum Witz gesagt, du musst nur um was gehen, dann kannst du auf einmal rechnen. Und das ist aber, das ist die ist die krasse Wahrheit dabei. Schick dein Kind einkaufen oder so was und lass ihn so was halt mal ausrechnen.
Lass es.
Ja, lass es, genau. Mit Sparbüchern, früher gab es ja noch die Sparbücher mit den Zinsen und dann sollte ich mal ausrechnen, wie viel ich dann wohl im nächsten Jahr da auf meine 20 Mark oder was Zinsen bekomme. Aber das ist, dann wird es irgendwie real.
Ja, und es wird sinnhaft, weil ganz ehrlich, das ist doch total clever von einem Kind, dass es Dinge, von denen es nicht kapiert, wofür es die lernen soll, nicht lernen möchte. Weil das ist doch auch schon menschheitsgeschichtlich totaler Unfug, wenn man seine Zeit mit Dingen verschwendet, die einem sinnlos erscheinen. Also das wäre ja so ein bisschen so, wie wenn unsere Vorvorvorfahren, statt dass sie Mammuts gejagt haben, wenn sie stattdessen irgendwie Gras gemäht hätten. Das wäre doch auch— es hätte halt nichts genutzt, weil wir können halt kein Gras verdauen.
Oder also haben wir auch kein Gras mehr erfunden.
Ja, also das, schau, dass, nimm die Idee weg, dass dein Kind sich da motivierter sein müsste oder sich mehr interessieren müsste, und verwandelt es dahin, dass du sagst, ach so, ist ja kein Wunder, wenn mein Kind was langweilig findet, wenn es keinen Sinn darin sieht, ich das zu können? Und dann fang an, Sinn zu verdeutlichen, weil das sind ja die allermeisten Dinge, haben ja schon irgendeinen Sinn. Und du musst halt, du bist als Mama oder als Papa halt gefordert, dann den Sinn rauszufinden, der, der ist da halt schnacken lässt. Ja, genau, danke. Ich hatte gerade Wortfindungsstörungen. Und dann komme ich abschließend, kommen wir zum dritten Aspekt. Aspekt, und jetzt geht's um schulfrei werden. Und da, zum schulfrei werden, da gehört ein ganz wichtiger Aspekt dazu, dass du verstehst, dass die Schule und alles, was mit Schule zu tun hat, von der Brotzeitdose bis zur Hausaufgabe bis zum Lernen, ist der Verantwortungsbereich von deinem Kind.
Und Verantwortungsbereich heißt Da hältst du dich raus, solange du nicht um Hilfe gebeten wirst.
Genau.
Und selbst dann bist du noch ein bisschen vorsichtig.
Genau. Also es gibt so viele Eltern, die sprechen von: Wir müssen noch Hausaufgaben machen, oder wir müssen jetzt noch lernen, oder wir haben jetzt dann Ferien. Also da meine ich jetzt nicht, dass die Mama oder der Papa frei haben und das Kind frei haben. Also dieses Wir meine ich nicht, sondern das Kind hat frei und die Mama Oder der Papa spricht dann von wir, die jetzt Ferien haben, oder wir haben jetzt alles für die Schule besorgt, oder wie auch immer. Ja, zu sehen, Schule ist der Verantwortungsbereich, die Tanzbühne von deinem Kind. Wir, Mama und Kind, müssen nicht lernen. Das Kind kann lernen, wenn es mag. Und manchmal kann es sein, dass das Kind für sich sagt, ich muss jetzt noch lernen, weil es will ein gutes Ergebnis, hat aber eigentlich keine Lust, das zu lernen. Dann kann es schon sein, dass das Kind sagt, ich muss jetzt noch lernen, aber das ist kein Wir. Du bist da raus, ganz egal wie gut die Noten sind, ganz egal ob der Schulabschluss in Gefahr ist, ganz egal was der Lehrer sagt. Ja, danke schön. Aber ich finde es total wichtig, weil ganz egal was der Lehrer sagt, na, auch wenn Lehrer euch da gerne mit in die Verantwortung nehmen, nein, Schule passiert in der Schule und zu Hause passiert zu Hause. Und Und macht schulfrei.
Also macht schulfrei, dass Schule zu Hause nicht Thema ist.
Wenn das mal eine Woche lang.
Probiert es mal aus.
Frag nicht: Hast du schon gelernt? Frag nicht: Hast du die Hausaufgaben schon gemacht? Frag nicht: Hast du schon die Brotzeitdose gebracht? Frag nicht: Wie war's heute in der Schule? Frag nicht: Was hat der Lehrer gesagt? Redet über andere Dinge. Deshalb haben wir mit Punkt 1 und 2 angefangen. Wir würden dir auch empfehlen, damit zu starten, dass du schon trainierst, über andere Sachen zu sprechen, nämlich über das, was dein Kind wirklich interessiert, dass es dir dann leichter fällt, immer noch mit deinem Kind im Gespräch zu bleiben, wenn du aufhörst, über Schule zu reden. Und dich wird es verwundern, wie viel Gesprächsfreiraum entsteht, wenn ihr schulfrei macht.
Was ihr auf einmal für tolle Gespräche auch habt, weil auf einmal andere Interessen deines Kindes zutage treten, weil du vielleicht auch mal, also da darf man auch ein bisschen lernen, Stille auszuhalten, also nicht immer gleich jetzt am Essenstisch dann gleich wieder eine Unterhaltung ankurbeln zu wollen, weil das ist gerade für Kinder oft so, dass die eigentlich so ein bisschen brauchen, da sitzt man erstmal so ein bisschen ruhiger. Und dann auf einmal fangen sie an, was zu erzählen. Zack, hat man ein Thema.
Und das bedeutet, ich möchte das noch mal hervorheben, was der Bernd gerade gesagt hat: Wenn dein Kind dich um Hilfe bittet und dein Kind zum Beispiel zu dir sagt, könntest du mir eigentlich ein Brotzeitbrot schmieren? Oder wenn du dich mit deinem Kind auch zusammensetzt und sagst, wie sieht das aus, was möchtest du gern zum Essen in die Schule mitnehmen? Darf ich dir das schmieren? Oder hättest du, ich würde das gerne für dich machen, weil ich, das fühlt sich irgendwie ich dich versorgen, das würde ich irgendwie gerne tun, ist das für dich in Ordnung, wenn ich das tue? Und wenn das Kind dann sagt ja, und dann, dann machst du das halt einfach so. Wenn dein Kind kommt und sagt, es braucht da Hilfe, weil es irgendwas nicht versteht, ob du ihm helfen kannst, natürlich. Wenn dein Kind sagt, muss was lernen und es schafft es alleine nicht, hat irgendwas nicht verstanden, natürlich. Wir sind immer da, wenn unser Kind uns braucht, aber eben nur dann. Und die ganzen Gespräche über Schule, die du üblicherweise initiierst— hast du schon deine Hausaufgaben gemacht? Hast du schon fürs Diktat gelernt? Hast du schon dein Sportzeug gepackt?— die lässt du einfach mal weg. Gehst mal davon aus, ja klar, bei einem Erstklässler, der seinen Stundenplan noch nicht kennt, musst du morgens halt einfach dem den Sportbeutel in die Hand drücken und sagen: Hier, bitteschön, du hast heute Sport. Nimm's mit, ne? Aber da musst du auch nicht mittags du der sein, der sagt: Und wie war's in der Schule? Und was hast du heute gelernt? Und wie war's? Was hat die Frau XY zu deinen Hausaufgaben gesagt? Oder der Herr ZB und so weiter. Sondern auch da kannst du das Thema Schule viel— dem Thema Schule viel, viel weniger Raum in eurem Alltag einräumen. Und du wirst, wie der Bernd schon gesagt hat, es kommen andere Gespräche zustande und eure Beziehung wird eine bessere sein. Weil schau mal, gerade wenn deine Kinder schon länger in der Schule sind, dann reflektier das mal für dich: Wie oft habt ihr wegen Schulthemen oder Sachen, die irgendwie mit Schule zusammenhängen, am Ende Ärger oder Stress? Und all dieser Ärger und all dieser Stress belastet eure Beziehung, und das ist es am Ende des Tages einfach nicht wert. Keine gute Note, kein guter Schulabschluss ist es wert, dass ihr als Familie miteinander nicht liebevoll umgehen könnt. Ja, also viel Freude beim Schulfreimachen.
Freuen uns, wenn du einen Kommentar hast oder wenn du uns irgendwann berichtest, was dadurch sich bei euch vielleicht verändert hat.
Wünschen dir eine schöne Woche, bis ganz bald und tschüss, alles Liebe.
More from Uli

Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









