198 Lauter Protest und stille Verweigerung

Uli Bott and Bernd explain why kids say yes but then don't do it: they're not rebelling loudly, they're quietly refusing because parents do too much for them. When you let kids pack their own lunch or tie their own shoes, they build confidence instead of passive resistance.
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Boah, es ist einfach so anstrengend.
Ja, wenn die Kids immer sich— die sagen, sie tun was, und dann—
Du bist voll kooperativ mit deinem Kind und ihr seid voll gut, du hast das Gefühl, ihr seid voll gut in der Kommunikation und ihr besprecht alles miteinander und da besprecht ihr, dass heute also das Zimmer aufgeräumt wird.
Ja, mach ich.
Und dann kommst du eine Stunde später wieder in das Zimmer, Kind liegt im Bett. Kommst 2 Stunden später ins Zimmer, Kind liegt im Bett.
Oder es liegt vielleicht woanders.
Kommst 3 Stunden später ins Zimmer, 4 Stunden, 5 Stunden, 6 Stunden, 7 Stunden, es ist Abend und nichts ist passiert. Und du sagst: Ey, hey, du wolltest doch, wir hatten doch ausgemacht. Und das Kind sagt: Ja, vielleicht. Oder: Habe ich heute nicht geschafft.
Ja, ich hatte so viel zu tun.
Morgen. Und das gleiche Spiel spielt ihr bei Medien. Ja, wir haben es, ihr habt 3 Stunden drüber geredet, wie viel Medien dem Kind gut tut. Du hast das Gefühl, ihr seid voll gut seid euch voll, oh, das war voll das schöne Gespräch mit meinem Kind, voll gut.
Ja, ihr habt total die intensive Beziehung zu deinem Teenager, zu deiner Teenagerin, und in Wahrheit hast du vielleicht schon eine gute Beziehung, aber die Kinder machen nicht das, was ihr ausmacht.
Genau.
Sie halten sich nicht dran und du ärgerst dich, weil du denkst, die können sich nicht, wieso können sich die nicht an Vereinbarungen halten? Ich halte mich doch auch an die Vereinbarungen.
Haben die Tomaten auf den Ohren? Ja, wer hat ihnen denn hat mir das beigebracht. Und wir machen es ein bisschen witzig, und ich weiß, dass es in der Situation, wenn du drinsteckst, zum Kübeln ist, weil du einfach— also ich kann mich da selber dran erinnern, das ist deshalb, können wir da so drüber sprechen, weil wir das erlebt haben. Und du stehst einfach vorm Rätsel und denkst dir, verflixt noch mal, warum geht das nicht? Warum? Also Macht es, und dann tut sich ja dieser Gedanke, kommt ja dann so reingeschlichen. Macht das Kind das absichtlich? Will es mich ärgern?
Ja, weil du ja gleichzeitig, wir reden jetzt, hast du vielleicht schon gemerkt, von älteren Kindern, die schon in der Pubertät sind, die ja gleichzeitig auch schon immer wieder einen sehr intelligenten, wachen und in Anführungsstrichen erwachsenen, reifen Eindruck machen. Und du denkst dir dann immer wieder so, hä? Aber was wäre jetzt an der Wäsche, an der Schmutzwäsche, zur Waschmaschine bringen so schwierig?
Oder warum landet die Unterhose 10 Zentimeter neben dem Wäschekorb, wenn man sie auszieht? Ist jetzt nicht so komplex.
Na ja, anscheinend doch.
Na jedenfalls gibt es einen Grund dafür, warum Kinder in diese stille Verweigerung gehen. Also wir nennen das stille Verweigerung, weil es sind nicht die Kinder, Die, wenn du zu denen sagst, kannst du bitte dein Zimmer aufräumen? Sind nicht die Kinder, sind auch nicht die Kinder, die sagen, wie wär's denn mal, Hausaufgaben zu machen? Ich mach keine Hausaufgaben, sondern es sind die Kinder, die erst mal sagen, ja klar, mache ich, wo du das Gefühl hast, passt voll zwischen uns. Und dann tun sie es nicht. Und weshalb das so ist, wieso die in diese stille Verweigerung gehen und wie du das verändern kannst, natürlich, darüber geht es in der heutigen Podcastfolge. Herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst.
Wir sind Uli und Bernd, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, Eltern von 4 Kindern, Spiegel-Bestseller-Autoren, haben schon Tausenden Eltern geholfen, sich einen liebevollen, entspannten und friedvollen Familienalltag zu erschaffen. Und das hier ist unser Podcast und es ist schön, dass du hier bist.
Genau, heute eben zum Thema stille Verweigerung und lauter Protest und was das miteinander zu tun hat und wie du das verändern kannst, weil das ist ja das Verändern oder schon präventiv vorbeugen kannst. Weil am Ende des Tages machen wir Eltern alle einen großen Fehler.
Wir halten unsere Kinder für zu, für kleiner als sie sind, für unfähiger tatsächlich auch so ein bisschen. Also böse meinen sie es nicht. Unfähig ist das falsche Wort. Für unselbstständiger vielleicht.
Also wir tun uns wahnsinnig schwer dabei, unsere Kinder loszulassen. Und es ist eigentlich auch total logisch und nachvollziehbar, weil unsere Kinder wachsen einfach. Die sind einfach schneller als wir, die wachsen schneller, die machen schneller Entwicklungsschritte, als wir merken, dass sie wieder einen Entwicklungsschritt gemacht haben. Du kannst es an der, am Größenwachstum feststellen, weil es dauert ein paar Tage, bis du merkst, dass alle Hosen zu kurz sind. Das merkst du nicht, bevor das Kind die Hose wieder anzieht.
Also jetzt ist es das Beispiel, ja, aber wir sind da, also Eltern sind in diesem, das Kind immer mehr machen zu lassen und loszulassen, einfach immer, da hinken wir immer hinterher.
Ja, wir sind tendenziell immer zu langsam.
Weil wir ja nur beobachten und in dem Moment, wo wir das beobachten, ist es ja schon, ist es dem Kind schon 100 Mal klar und ist schon 100 Mal passiert.
Bewusst oder unbewusst, das muss man mal sagen. Nur was du verstehen darfst, ist, dass dein Kind, wenn es als kleines Kind laut protestiert, dann ist es immer ein Anzeichen dafür, dass es gerne selbstständiger sein möchte, als es in eurem Umfeld aktuell selbstständig sein kann. Das können so Dinge sein wie ganz, also wenn die klein sind, darf es alleine die Schuhe anziehen, selbst wenn es dann mit Entenfüßen rumläuft. Darf es schon mal selber Zähneputzen? Darf es selber entscheiden, was es anzieht, was es isst und so weiter? Das sind so ganz viele Kleinigkeiten. Oder eben, was wir auch zum Thema Haushalt immer wieder schon gesagt haben: Lässt du dein Kind Dinge tun, die das Kind spannend findet, oder darf es nur die Hilfstätigkeiten tun? Das sind also die Dinge, wo schon das kleine Kind— Jeder Wutanfall von einem Kleinkind ist ein Anzeichen dafür, dass das Kind sagt: Ich bin schon größer, als du mich siehst. Lass mich selbstständig werden! Das sagt ein Kind, das einen Wutanfall hat.
So, und jetzt passiert Folgendes: Ja, wenn du da immer drüber hinweggehst, also das Kind durch seinen Wutanfall keinen Erfolg hat, oder selbstständiger werden kann, also wenn du es vielleicht nur beruhigst oder halt irgendwie schimpfst, ja, was auch immer. Also wenn es einfach das Ziel nicht erreicht, dass es selbstständig wird, dann können eigentlich zwei Sachen passieren. Das eine ist, wird weiterhin rebellisch, noch lauterer Protest, und wird einfach offensiv gegen dich. Und das ist dann, das sind dann die Kinder, wo es in der Pubertät unter anderem sehr, sehr, wie soll ich sagen, konfliktreibungsreich wird, ja, weil du halt wirklich dann Hast du halt ständig Kampf eigentlich, produzierst dir damit den späteren Kampf. Und das Zweite ist es, wo wir heute hauptsächlich drüber sprechen wollen, ist diese, dass die Kinder in diesen stillen Protest, in diese stille Verweigerung, in dieses so, ja Mama, mache ich, klar. Oh, soll ich das hier im Podcast oder auf YouTube bitte schon da lassen? Ja, dass du so den Stinkefinger, dass das Kind so den Stinkefinger raus Vorsicht, die meinen das jetzt nicht persönlich an der Stelle, das muss man wissen, sondern das ist einfach nur, das ist auch wieder unbewusst, und die Kinder natürlich nicht mit Absicht, dass sie sich das irgendwo aufgeschrieben hätten, weil die früher so waren, sondern das ist halt eine unbewusste Reaktion, die dadurch entsteht, oder auch eine Gewohnheit, mit so Dingen umzugehen. Und dadurch werden die eben so, so diese Antihaltung, die sich halt nicht äußert, weil die sagen ja immer, ja klar, okay, ja, mache ich.
Die versuchen sich quasi Freiräume zu erschleichen, ohne dass sie mit dir in den offenen Konflikt gehen müssen. So kann man das vielleicht beschreiben. Und wir Eltern sind— und ich, ja, ich kenne das also so gut von mir selbst, weil natürlich lieben wir unsere Kinder und wir sind immer bestrebt darin, ihnen gut zu machen und ihnen gut zu tun. Und dann, was weiß ich, zum Beispiel, dann tun wir Dinge für sie, die sie längst selbst tun könnten. Wie viele Eltern holen ihre Kinder von der Schule ab, obwohl die Kinder genauso gut zu Fuß laufen oder am Fahrrad fahren könnten? Oder wie viele Eltern packen immer den Schulranzen für die Kinder, obwohl die Kinder das längst selbst tun könnten? Und da geht es mir nicht darum, dass man überhaupt nicht mehr mehr liebevoll zu seinen Kindern ist. Also zum Beispiel, wenn du halt einfach sagst, okay, heute schmiere ich dir das Pausenbrot, und dann machst du eine extra tolle Brotbox, wie auch immer. Aber die anderen 4 Tage kann sich so ein 10-Jähriger, 11-Jähriger, 12-Jähriger, 13-Jähriger seine Brotbox halt auch selber richten und da reinmachen, was er selber in der Schule gern essen möchte. Also das sind so ganz viele Punkte, wo wir einfach Glauben, wir würden den Kindern was Gutes tun, wenn wir festhalten, wenn wir es für sie tun. Aber eigentlich halten wir dadurch fest und machen sie kleiner, als sie sind.
Genau.
Trauen ihnen weniger zu.
Genau. Und es kann ja sein, dass ein Kind dann auch irgendwann sagt, boah, ich würde mich voll freuen, wenn du das für mich machen kannst. Dann kannst du es ja tun. Es geht überhaupt nicht darum, dass du nichts mehr für deine Kinder tun sollst oder dass du auch nicht, was weiß ich, wenn jetzt gerade Gewitter ist und es hagelt und schneit und sonst was, dann holst du es halt steig mal vom Fußball ab, oder fährst es ja dann, ist ja kein Fußball, aber zum Sport halt, oder zum Musikstunde oder sowas. Aber du sagst, ansonsten können auch zu Fuß gehen, das ist, oder Fahrradfahren eben, ja, das ist eine super, es ist auch eine super Angewohnheit. Und sie haben halt dann ihre Freiheit. Und das ist dir dann halt auch egal, ist, das müsst ihr natürlich bisschen ausmachen, das ist dir auch egal, ist, wenn es länger dauert, weil was weiß ich, wir haben dann früher immer noch an dem Kaugummiautomaten angehalten und geschaut, ob nicht doch mal zufällig einer kostenlos rauskommt. Lauter so Zeug halt. Ja, und das kostet natürlich Zeit und dann ist man halt eine halbe Stunde länger unterwegs. Aber das ist eben Freiheit, die dann dazu führt, dass das Kind in anderen Bereichen, wo es notwendig ist oder wo du es auch brauchst, dann eher halt kooperiert, weil es lebt ja seine Freiheit in vielen Bereichen aus und ist nicht so schlimm.
heißt es ja nicht, dass ich nicht in der Lage bin, das selber zu tun. Und wenn es eben eine Sache gibt bei euch, wo dein, was weiß ich, wenn dein Kind das liebt, dass du ihm immer das Kissen aufschüttelst oder dich abends noch kurz zu ihm kuschelst, selbst wenn es schon viel zu alt ist, oder whatever, wenn es so Rituale gibt, wo ihr einfach euch gegenseitig damit auch eure Liebe zeigt, vollkommen gut. Nur Nicht alles, was du für dein Kind tust, kommt bei dem Kind als Anzeichen deiner Liebe an. Viele Dinge, die du für dein Kind tust, schränken dein Kind in seiner Freiheit und in seinem Wachsenwollen, Großwerdenwollen ein. Und dann ist es kein Liebesdienst, sondern dann ist es eine Einschränkung. Also wenn der Bernd jetzt jedes Mal, wenn ich einen Kaffee trinken will, zum Beispiel an die Kaffeemaschine rennen würde und sagen würde, ich mach das schon, ich mach das schon, ich mach das schon, dann würde ich sagen, hey, geh weg, lass mich in Ruhe, ich bin doch nicht unselbstständig. Ja, so, und von dem her, dann wäre das keine, das hätte keinen positiven Effekt auf mich, keinen Wert für mich.
Es ist eigentlich ja schon fast erniedrigend dann.
Ja, genau. Und natürlich gewöhnen sich Kinder daran, es ist ja auch bequem. Viele Dinge gemacht zu kriegen. Aber es führt eben dazu, dass das Kind nicht lernt zu wachsen und dass das normal ist, dass es seinen Radius immer weiter erweitern kann und hat damit auch keine Erfolgserlebnisse im Sinne von Juhu, ich wachse, ich darf mehr, ich werde größer. Und dann kommt halt diese stille Verweigerung, die euren Alltag kretzig anstrengend macht. Von dem her, schau einfach, wo du ab heute loslassen kannst, ne. Wo kannst du dem Kind, je nach Alter natürlich, anfangen, Verantwortung für seine Themen zu übertragen, ne. Wir sagen immer super gerne, Schule ist die Arbeit des Kindes. Es geht uns Eltern nichts an. Wir helfen, wenn wir gefragt werden, aber der Rest Das ist die Verantwortung vom Kind. Genauso sieht es mit Lernen aus. Genauso, dass das Zimmer des Kindes ist sein Reich, da darf seine Ordnung gelten. Inwieweit darf dein Kind entscheiden, was es essen möchte? Inwieweit darf dein Kind entscheiden, welches Hobby es hat? Inwieweit darf dein Kind entscheiden, was es anzieht? Immer natürlich unter dem Aspekt, dass es nicht gefährlich ist. Und da hilft ja immer unsere Zauberfrage: Was könnte schlimmstenfalls passieren. Und für alle, die noch kleinere Kinder haben: Ihr dürft natürlich lauten Protest als Anzeichen dafür nehmen, dass das Kind sich entwickeln will, dass es wachsen will. Und dann überlegt ihr, was, wo kann es jetzt, wie viel mehr Selbstständigkeit kannst du an dein Kind übertragen.
Und das ist was, wo du immer wieder Zeit einplanen darfst dann, weil das kostet, wenn ein Kind anfängt, sagt, ich will meine Schuhe selber anziehen, dann müsste es alles halt 10 Minuten früher starten, weil das halt länger dauert. Und das ist ganz wichtig, das ist immer wieder, da muss man sich immer wieder kurz reflektieren. Wenn du bemerkst, du hast diesen Protest, dann überleg, woher kommt der? Okay, es kann sein, es will da und da mehr Freiheit. Fragt das Kind ruhig auch mal, möchtest du deine Schuhe selber anziehen und so? Und dann sag, okay, dann musst du gucken. Das haben wir, wir sagen auch immer, Eltern sein kostet Zeit, ja. Und dann darfst du gucken, dass du anders planst dafür.
Ja, ich würde gern noch eins oben draufsetzen. Kriegt heute noch extra extra extra drauf. Weil es gibt einen riesengroßen Unterschied, weil es geht nicht darum, dass du zu deinem Kind so Sätze sagst wie: Das kannst du doch schon selber, mach das mal selber. Also das, was wir jetzt gerade gesagt haben, hat damit zu tun oder geht von so einer Grundhaltung aus, von, ich lass dich los und ich gebe dir die Möglichkeit, Dinge, die du für dich selbst tun möchtest, selber zu tun. Und ich fordere dich auch mal heraus, an Stellen, wo ich das Gefühl habe, du könntest das schon tun. Aber es geht nicht darum, dem Kind irgendwie so, wie sagt man da, das einfach mit Druck zu kommen und zu sagen, hier, das kannst du schon selber, das mache ich nicht für dich, das kannst du schon selber, das mache ich ich für dich, sondern da, das meinen wir nicht. Wir meinen diese innere, klare, liebevolle Haltung von: Ich lass dich los, weil ich weiß, dass das der größte Liebesdienst ist, den ich dir schenken kann.
In diesem Sinne, vielen Dank fürs Zuhören und Zuschauen. Wir freuen uns natürlich über deinen Kommentar und über deine Bewertung, deinen Daumen hoch auf YouTube und ein Abo hier und wünschen dir alles Gute.
Bis bald, alles Liebe, tschüss dann, ciao.
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Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









