Angststörungen und Depression: jedes 4. Kind ist betroffen

Uli und Bernd Bott diskutieren, warum etwa jedes vierte Kind psychische Auffälligkeiten hat. Angststörungen bei Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren sind zwischen 2019 und 2024 um 53 Prozent gestiegen. Sie sehen Ursachen in intergenerationaler Traumavererbung, Leistungsdruck und überbehütender Erziehung.
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Es ist schon erschreckend, wenn man die Zahlen liest, wie viele Menschen und wie viele gerade explizit auch Kinder und Jugendliche an sich an wirklich diagnostizierten Angststörungen und Depressionen leiden.
Ja, oder psychischen Erkrankungen.
Ja, ja.
Und ja, auch sich so, dass also Ich sag jetzt mal so, dass zu uns mitunter mehr Menschen kommen, deren Kinder da irgendwelche Schwierigkeiten haben, ist ja erstmal relativ logisch. Und gleichzeitig, wenn ich einfach so mit Teilnehmern und Kunden spreche, zu sagen, okay, wie viele Kinder das eigentlich betrifft, die schon seit Monaten in der Klinik sind, die schon ewig auf dem Klinikplatz warten. Also, und das hat eigentlich dazu geführt, dass ich gedacht habe, komm, lass mal gucken, wie ist denn da eigentlich aktuell die, sozusagen die Faktenlage? Weil jetzt, wenn wir so an unsere Kindheit zurückdenken, kann ich mich jetzt eigentlich nicht erinnern, dass es damals ein Thema gewesen wäre, das mir zumindest aufgefallen wäre.
Da muss man natürlich aufpassen, weil natürlich damals ja auch das Ganze, da war natürlich Depression und so was überhaupt noch mit einem ganz anderen, wie nennt man das, Stigma behaftet.
Es wurde ja vieles auch nicht diagnostiziert, das muss man ja ganz, da muss man sich schon sehr im Klaren drüber sein.
Da muss man schon ein bisschen unterscheiden. Gleichzeitig gibt es ja auch Zahlen, wie stark das gestiegen ist in den letzten 20 Jahren oder so. Von dem her glaube ich schon, dass natürlich ein Teil der Zahlen auf die höhere Awareness zurückzuführen ist. Aber eben auch unabhängig davon sind es aus meiner Sicht zu viele, wo ja an sich Kinder und Jugendliche von Energie, voll Energie sprühen sollten und Spaß haben sollten und nicht schon solche, unter solchen Lasten leiden eigentlich. Hallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie als Paar.
Und mit dir selbst.
Wir sind Uli und Bernd Bott. Wir sind Eltern von 4 Kindern.
Wir sind Spiel-Bestseller-Autoren, die Gründer von Gemeckerfrei, und freuen uns, dass du anscheinend hier bist und dass du anscheinend zu den Eltern gehörst, die wissen wollen, wie heute Elternsein wirklich funktioniert. Und wenn du jetzt hier eingeschaltet hast, dann willst du eben auch wissen: Wie geht es eigentlich, dass du dein Kind davor bewahrst, psychisch zu erkranken, oder was du tun kannst, wenn das schon, wenn da schon Anzeichen zu erkennen sind, sagen wir mal so. Also da wollen wir heute einfach mal drüber sprechen.
Ja, wir haben sie schon im Intro, die Zahlen, erwähnt. Also das ist diese, das ist eigentlich genau, und ich würde jetzt die erste hier schon mal reinschmeißen. Sind quasi nach einer Studie 2024 gemacht, sind 23% aller Kinder und Jugendlichen haben also also psychische Auffälligkeiten oder Angststörungen.
Ja, genau. Und das muss man sich einfach mal bewusst machen. Das bedeutet, jedes vierte Kind hat eine diagnostizierte Angststörung, ne? Also das jedes vierte Kind. Das heißt einfach total viel. Wenn du zwei Kinder hast und dein jedes deiner Kinder hat einen Freund, ist statistisch gesehen, hat einer davon von den vier Kindern eine diagnostizierte Angststörung. Und was ja so total wichtig dabei ist zu sehen, dass ja, das ist das Wort diagnostiziert, weil es gibt ja ganz, ganz viele Kinder, das ist ja bei Kindern und Erwachsenen so, wir können auch nachher mal noch auf die Zahlen gucken, wie das bei den Erwachsenen aussieht, aber das wird ja ganz oft gar nicht diagnostiziert, weil wir gar nicht auf die Idee kommen oder weil das gar nicht so schlimm ist, dass wir das für Krankheit Kraft halten. Ja, das ist ja bis heute noch so, dass ein Kind halt hört: Jetzt hab dich nicht so, stell dich nicht so an. Oder man dann halt sagt, dass das auf die Pubertät schiebt.
Ja, also das gibt's ja, das ist ja, dass Jugendliche in der Pubertät anders drauf sind und träge werden, sich auch mal eine Zeit lang viel in ihrem Zimmer verbringen und solche Sachen.
Ja, kann es ja durchaus geben.
Ja, das kann normal sein oder das kann halt ein Symptom sein. Ja, die Frage, was kommt noch dazu? Also, und 23% ist halt einfach verdammt viel.
Ja, und jetzt haben wir halt so ein, haben wir ja so ein Konglomerat, wie das entsteht, ne? Zum einen gibt es eben Studien, zum Beispiel diese aktuelle Studie aus vom letzten Jahr über die syrischen Flüchtlingsfrauen, die, wo eben untersucht worden ist, wie sich Traumata genetisch übertragen, dass quasi, dass wir quasi alle schon die Traumata unserer Großmütter bekommen. Genau, da kann man bestimmte, also 14 verschiedene Genmarker haben die da gefunden, die man halt in unseren Genen findet, sozusagen. Und das ist der eine Aspekt. Der andere Aspekt ist halt soziales Lernen, dass wir halt das übernehmen.
Witzig, wenn man früher so in der Wissenschaft hat, gab es immer die Diskussion, was ist eigentlich Veranlagung, was jetzt Genetik wäre.
Als ich in der Pädagogik studiert habe, war das die Frage: Umwelt oder Erbe, also Anlage oder Umwelt.
Anlage oder Umwelt. Inzwischen weiß man halt, wie immer, es ist die goldene Mitte. Also es spielt halt beides mit rein. Aber jetzt haben wir da mit dieser, diese Traumaübertragung bringt ja, macht es auf zwei Ebenen schwer, weil jetzt ist die Gehen wir mal von der Großmutter aus. Betrachten wir mal 3 Generationen. Die Großmutter hat also Traumatisches erlebt in irgendeiner Form. Jetzt wird es auf die Mutter übertragen. Die Mutter überträgt es wieder auf die Kinder. Jetzt hat die Mutter aber ja auch noch das Problem, dass sie es von der Großmutter ja nicht nur genetisch übertragen bekommen hat, sondern sie hat es ja auch gelernt.
Ja, voll.
Durch soziales Lernen.
Und sie hat es ja von ihr, sie hat ja noch zusätzlich von ihrer eigenen Großmutter, also von der Urgroßmutter, als Rückmeldung.
Genau, so ist es ja auch schon da so. Also das kannst du jetzt ewig zurückspielen. Da kommt immer, bleibt immer noch ein bisschen was übrig. Quasi so gesehen. Und jetzt ist die Mutter aktuell, ja, wenn sie nicht jetzt wirklich aktiv was dagegen tut, hat sie wieder das gleiche Verhalten und gibt es an ihr Kind weiter.
Durch soziales Lernen.
Durch soziales Lernen an das Kind weiter plus die Genetik. Und da addiert sich das ja auf.
Ja, voll.
Und deswegen können jetzt die Gründe dafür, und es hilft einem ja auch immer nichts groß, die Gründe zu wissen, aber dieses ganze Ding ist schon was, was sich über Generationen ja auch aufbaut ein Stück weit. Plus wir leben halt in einer Zeit, die nicht gerade dafür geeignet ist, entspannte Menschen zu kreieren. Weil wir halt ein Dauerfeuer an Stressoren haben auf uns Erwachsene und auf uns, und nicht auf uns Kinder. Manchmal bin ich auch noch Kind, bin ich auch ziemlich kindisch. Aber ja, dieses Dauerfeuer haben und dadurch Stecken wir alle in einer großen, eine große Zahl Hamster, die ihre Räder antreiben.
Also das sind ja verschiedene Aspekte, dass wir zum einen halt erlernt haben, dass wir denken, wir sind nur wertvoll, wenn wir leisten, dass wir, dass wir dadurch in diesem Hamsterrad drinstecken. Zum anderen, dass unser ganzes System halt so krass auf Anpassung ausgelegt ist und so wenig Raum lässt für Individualität oder individuelle Bedürfnisse. Und dann führt es halt ja schon dazu, dass wir auch unter den Erwachsenen einfach schon eine echt hohe Zahl haben von Menschen, die jedes Jahr mit einer psychischen Erkrankung auch wieder diagnostiziert werden. Das sind irgendwie 41, 41%. Und das sind auch wieder nur die, diagnostiziert sind. Das heißt also, die Dunkelziffer ist gerade bei den psychischen Erkrankungen immens hoch.
Das sind aber schon 40% schon schlimm genug.
Als Kind vielleicht, also im Normalfall, also was heißt Normalfall, aber klassisch hast du eine Mama und einen Papa und einer von beiden hat eine psychische Störung, also psychische Erkrankung in irgendeiner Form, die diagnostiziert ist. Fast einer von beiden. Ja, so, und jetzt werden wir eben mal die Dunkelziffer noch dazu nehmen. Einer von beiden ist psychisch belastet.
Ja, genau.
Ja, und das ist das, was wir ja wieder vorleben, was wir unseren Kindern vorleben. Und mir ist das total wichtig in dieser Podcastfolge, dass das soll jetzt nicht so eine Depriefolge werden, so im Sinne von, es ist sofort, also die Welt geht unter und alles ist schrecklich, sondern es geht uns ja eigentlich darum, dass wir dafür bewusst Bewusstsein schaffen, weil wir gehen, ich glaube, wir gehen gesellschaftlich gesehen immer noch davon aus, dass das die anderen betrifft. Ja, genau.
Und im Endeffekt müssen wir jeder Einzelne diesen Cycle durchbrechen, der da stattfindet, oder Cycle, diese Kette des Weitergebens. Jeder Einzelne muss die noch mal, schau, wenn ihr ein Paar seid und jetzt seid ihr beide nicht in diesen 40%, aber jeder von euch hat vielleicht zu 25% eigentlich schon eine Angststörung, wenn man das jetzt in Prozent oder Oder zu 70%, dann ist es ja noch nicht diagnostiziert. Aber zweimal 70% geben das an ihre Kinder weiter schon wieder.
Ja, das ist halt voll krass.
Und wenn du gerade in einer stressigen Phase bist, und das ist man meistens, während Kinder klein sind, dann tritt so was ja noch stärker zutage. In der Zeit, in der Zeit, wo du gerade super relaxed bist, tritt es ja gar nicht so zutage. Das ist ja, Menschen sind ja nicht linear, das ist ja immer wieder unterschiedlich.
Ja, und die Schwierigkeit dabei ist halt, dass wir einfach mal hingucken müssen, wodurch eigentlich auch Angststörungen entstehen. Weil das ja jetzt nix, wo man sagt, okay, das sind ja nicht die traumatischen Erlebnisse. Es sind die wenigsten Menschen, die aufgrund von einschneidenden traumatischen Erlebnissen, also was weiß ich, also von einem Kind, wenn ein Kind miterlebt, wie ein Elternteil stirbt, oder wenn ein Kind einen Unfall hat, oder also irgendwie so diese krassen, das, was man als traumatisches Erlebnis so im als dramatisches Einzelerlebnis im Volksmund bezeichnet.
Die Fälle sind echt total leicht, weil das weißt du ja.
Ja, genau, damit kann man arbeiten.
Wenn du mal beobachtest, wenn du mal gesehen hast, du hast also allein, du hast gesehen, wie deine Katze überfahren worden ist vom Auto, was jetzt für ein Kind schon schlimm sein kann. Aber dann wissen das ja alle. Da kannst du dich dann auch normalerweise dran erinnern.
Ja, und dann kannst du damit arbeiten.
Und dann kannst du damit arbeiten. Also die Eltern wissen es zumindest und so weiter. Das ist eigentlich, so dumm sich das anhört, relativ easy, weil du was Greifbares hast. Das viel Schlimmere und das, was eigentlich bei so vielen Menschen schwillt, weil du es dann gar nicht bemerkst, sind ja diese Bindungstraumata.
Wenn Kinder, wenn ich stupsel schon rum, wenn Kinder erleben, dass ihr Umfeld nicht in der Form sicher ist, wie sie das bräuchten, um damit sie sich entspannen können. Und da geht es einfach ganz stark darum, wie präsent sind wir als Eltern, wenn, also wie reagieren wir auf die Kinder, wie oft sind wir wirklich da, wenn wir da sind, und wie oft sind wir eigentlich mit dem Kopf bei der Einkaufsliste, mit dem Kopf bei der Arbeit, mit den Augen im Handy, mit, also halt einfach, wie oft vertrösten wir das Kind und Und also das ist der eine Aspekt, der eben zu Bindungstraumata führt. Und der andere ist eben das mit dieser Anpassung, dass Kinder halt schon von klein auf— und da jetzt auch zu sehen, dass das schon auch noch mal verstärkt wurde durch die frühzeitige Außer-Haus-Betreuung und Ganztagsbetreuung. Wenn ich damals, als ich noch Erzieherfortbildungen gegeben habe, da gab es halt dann erste Krippenstudien, um rauszufinden, was das eigentlich mit den Kleinkindern macht. Macht, wenn die in der Krippe betreut werden. Und da haben die Forscher damals, es war Lieselotte Arnold und andere, die hatten damals herausgefunden, also es ist jetzt schon 20 Jahre her, ja, oder ja, passt schon, 15, 20 Jahre ist es her. Und da haben die damals rausgefunden, dass wenn ein Kind unter guten Bedingungen, guten Betreuungsbedingungen, also das hieß damals irgendwie ein Erwachsener für 3 Kinder, was ja oft schon mal nicht U3, was nicht einzuhalten ist. Aber dass, wenn die länger als 4 Stunden am Tag außer Haus betreut worden sind, ist, hat sich der Stresslevel des Kindes summiert. Also da hat, da ist der Stresslevel von Montag bis Freitag so sehr angestiegen, dass Samstag, Sonntag nicht mehr ausgereicht hat, um am nächsten Montag wieder auf dem Level des Vormontags zu sein. Das heißt Das Kind hat da schon, also das haben die da schon festgestellt, dass sich quasi der Stresslevel des Kindes peu à peu, peu à peu, und das ist nicht immer, das sind nicht immer 10% oder was, aber das ist halt steigend. Wenn du jede Woche ein bisschen gestresster bist als in der Woche davor, dann summiert sich das halt.
Ja, weil ich meine, so ein Kind geht dann, was weiß ich, 36, zwischen 36 und 40 Wochen im Jahr in die Kita. Wenn du so Schließzeiten und Urlaub bisschen betrachtest.
Mehr wahrscheinlich sogar, aber ist ja egal.
Ungefähr 36 bis 38 Wochen. Kita hat bisschen weniger zu, deswegen sind ja 40, vielleicht bis 45 Wochen. Und das, da sind die Pausen einfach zu gering oder die Dauer ist halt zu hoch, dass der Stress sich nicht mehr abbauen kann. Und so was schleppst du dann ja mit durch dein ganzes Leben. Der Körper stellt sich komplett auf ein Stresslevel ein. Ja, das wird dann auch wieder schwieriger, wenn du dann mal 15, 20 Jahre alt bist. Ist es schon, musst du schon, da reicht jetzt auch nicht mehr nur eine Woche Urlaub, weil du bist einfach schon ein Grundstresslevel gewöhnt. Und unser Körper, unser ganzes System ist ja anpassungsfähig, deswegen haben wir so lange überlebt als Tierart quasi, die zum Menschen geworden ist. Und aber da ist diese Anpassung halt total doof, weil es total schwierig ist, da wieder rauszukommen, oder immer schwieriger wird. Deswegen ist es halt so wichtig, dass man da anfängt, bei den Kindern und Jugendlichen um da halt schon zu gucken, dass die gar nicht da so stark hineinrutschen.
Ja, weil das ist die nächste Zahl, die wir gerne noch mit euch teilen wollen, ist, dass wir einfach auch im Verlauf der Kindheit sehen können, wie sich das verändert. Und jetzt gibt es zum Beispiel eine Studie, die besagt, dass sich in den letzten, also zwischen 2019 und 2024, also da war natürlich Corona auch mit dabei, aber eben nicht nur Corona und Dass das dazu geführt hat, dass die Anzahl der Angststörungen bei Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren um 53% gestiegen ist. Also 53%, also jedes zweite.
Nee, das stimmt nicht. Einfach nur der Anstieg.
Der Anstieg, genau. Ich wollte das irgendwie anders. Ja, genau. Ja, ja, ich weiß.
Es ist einfach, wenn es vorher 100 waren, sind sie jetzt 153. Ja, so, also das einfach hat sich von, ja, so eineinhalbfacht insgesamt die Zahl.
Ja, genau.
Und das ist halt sehr wichtig, sind ja immer Bewegungen. Ja, es ist ja nicht, man kann ja, dann kann man nicht sagen, was ist normal, sondern da sieht man einfach ganz klar, dass es da eine Veränderung gibt nach oben.
Ja, und jetzt ist sehr wichtig, jetzt ist ja wichtig zu sehen, na, und das ist eben, wir wollen mit dieser Folge einfach Bewusstsein dafür schaffen. Ja, weil jetzt Es ist wichtig zu sehen, so eine Angststörung, die entwickelt sich ja nicht über Nacht. Also du bist nicht irgendwie 10 Jahre alt oder jetzt 15 Jahre alt, gehst abends schlafen und wachst am nächsten Morgen auf und hast eine Angststörung, sondern das ist ja, wie wir gerade schon gezeigt haben, dass sich das Stresslevel bei diesen Kindern peu à peu erhöht. Und das führt halt dann dazu, dass zum Beispiel in der Pubertät mit den Veränderungen, die da noch drin sind, das halt noch mal anders zum Tragen kommt. Und jetzt haben wir gesagt, okay, das ist die, diese Anpassung ist ein Aspekt von, wie halt Angststörungen und psychische Erkrankungen entstehen, die, die viel zu frühe Anpassung, die wir von unseren Kindern erwarten, auch so dieses in der Schule still sitzen, oder, also ich meine, es gibt halt Kinder, für die funktioniert das Schulsystem, aber für die allermeisten funktioniert es halt nicht so richtig gut.
Die, für die es funktioniert, die haben sich meistens schon vorher angepasst. Das ist dann auch—
however, oder es funktioniert vielleicht für die tatsächlich besser als für andere, mag ja sein, aber es gibt halt, da ist halt viel Anpassung, wird halt viel Anpassung erwartet. Dann haben wir halt viel Leistungsdruck, also im Sinne von, du bist Du bist nur gut, wenn...
Und das, was mir da noch wichtig ist, ist Leistungsdruck von Eltern aus entsteht auch, ohne dass du sagst, du bist nur gut, wenn... Also einerseits gibt es natürlich die Eltern, die wollen gerne, dass ihr Kind Unternehmensberater, Rechtsanwalt, Steuerberater, naja, das will vielleicht nicht, weiß ich nicht, ist egal, irgend so einen klassischen Arzt oder sonst was, Leistungsberuf will. Das ist offener Leistungsdruck, ist auch nicht geil. Aber auch wenn du Angst hast, dein Kind könnte die Schule nicht schaffen, wenn du Angst hast um die Zukunft deines Kindes, weil es jetzt in der 2. Klasse oder in der 3. Klasse schlechte Noten hat. Wenn du solche Ängste hast, auch das ist Leistungsdruck.
Wenn du dein Haus putzt, wenn du dein Haus putzt, weil du dich, weil du dir denkst, wenn du es nicht tust, was die Nachbarn denken. Genau, das ist auch schon Leistungsdruck. Und das ist wieder das soziale Lernen, was Kinder von uns ja wieder übernehmen. Also das ist alles Leistungsdruck. Und dann kommt noch ein Aspekt dazu, zu, der halt Angststörungen bei Kindern befeuert. Und das ist was, was ich finde, was schon in den letzten Jahren einfach noch mal zugenommen hat. Und das sind so diese überbehütenden Eltern. Wenn wir, wir als Eltern, und da habe ich mich früher auch dazu gezählt, würde ich sagen, dass ich überbehütend war an der einen oder anderen Stelle, weil ich wollte halt so gut machen. Also ich war so unter Leistungsdruck quasi, das mit mit den Kindern gut zu machen, dass ich aufgrund dessen dann quasi so über die Kinder gehelikoptert bin und denen so wenig Freiraum gelassen habe, wo sie sich selber entfalten konnten. Und je mehr du die halt behütest, je ängstlicher man auch als Eltern ist, dass den Kindern was passieren könnte, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder Angststörungen entwickeln. Und das passiert ja heutzutage, also das finde ich, nimmt schon zu, dass Eltern auch sagen, ja, jetzt mein Kind kann jetzt nicht allein zur Schule oder allein, alleine in die Stadt oder alleine hier. Oder also wir haben auch jemand letztens erst, jemand getroffen, die gesagt hat, ja, hier ist ja voll sicher und so, hier kann der einfach alleine zu seinem Freund gehen. Jetzt in München wird sie das sich nicht sich nicht trauen und so, weil das wäre jetzt so unsicher. Na, also da, und ich will gar nichts über die allgemeine Gefährdungslage an der Stelle sagen, ich will nur sagen, dieses Verhalten von uns Eltern befeuert Angststörungen bei den Kindern. Na, und gerade oft sind es ja genau die Eltern, die eben auch schon sehr bewusst damit sind, dass sie ihre Kinder nicht unter Leistungsdruck setzen, die gleichzeitig dann immer wieder Sorge haben, dass den Kindern, dass die Kinder sich nicht geliebt liebfühlen könnten, dass die jedes Bedürfnis ihnen von den Lippen ablesen und die so in so einen Schutzkonkord packen, was halt dann wieder dazu führt, dass das Kind sich deshalb wenig zutraut.
Ja, weil das ja dann, wenn sich jemand nichts zutraut, hat er ja Angst davor, sich in eine unsichere Situation zu begeben. Was ja die Definition von Angst ist, klar. Wenn ich halt gewohnt bin, dass ich auch mal unsichere Situationen aushalte. Ja, also keine Ahnung, dass mir auf dem Schulweg mal ein Platten ins Fahrrad kommt und ich jetzt halt irgendwie lösen muss.
Oder die Kette rausspringt.
Die ist immer gut drauf. Morgens vor allen Dingen ist die immer sehr nett rausgesprungen. Nein, aber ja, solche Sachen, ja, das sind Erlebnisse, wo du als jüngeres Kind erstmal Stress kriegst auch. Das ist aber guter Stress, weil du musst es lösen, du kriegst es gelöst und du lernst dass es nicht so schlimm ist, auch wenn du im ersten Moment in Tränen ausbrechen könntest, weil du denkst, scheiße, jetzt komme ich, ich habe noch 2 Kilometer und wie bringe ich jetzt das Fahrrad nach Hause? Und es fängt an zu donnern oder was auch immer. Aber aus diesen Situationen lernen ja Kinder, dass es nicht schlimm ist, selbst wenn sie davor Angst haben. Die legen sich nicht in den Straßengraben und warten, dass irgendwas von selber passiert, sondern man tut dann was. Das ist ja die Fähigkeit, die man braucht, um eben keine Störung daraus zu entwickeln.
Um resilient zu werden.
Resilient zu werden.
Resilient zu werden, um zu lernen, da sind Herausforderungen, ich kann mit Herausforderungen umgehen. Das ist das, was man eigentlich, was Kinder dabei lernen. Und das lernen sie nicht, wenn wir eben alle Herausforderungen ihnen schon sozusagen aus dem Weg räumen. Ja, so, und Gleichzeitig, was auch wieder Angststörungen befeuert, ist halt so eine Verhaltensweise von uns Eltern, dass wir das, wenn ein Kind jetzt vor irgendwas Angst hat, das halt nicht ernst nehmen. Wenn wir halt sagen, jetzt stell dich nicht so an, oder natürlich gehst du jetzt in den Keller, weil du brauchst da keine Angst haben vor dem Dunkeln. Weil in dem Moment hat das Kind halt die Angst. Und das natürlich ist eine Angststörung was anderes wie Angst vorm Keller zu haben, ne. Also Angst vorm Dunkeln zu haben hat nichts nichts mit einer Angststörung zu tun. Aber wie wir versucht haben, dir das zu verdeutlichen, ist, dass eine Angststörung ja nicht von heute auf morgen aus der Hecke springt, sondern dass sich die entwickelt. Und wenn ich halt als Kind zum einen wenig Herausforderungen habe, denen ich überhaupt begegnen kann, weil ich so überbehütet werde, wenn ich gleichzeitig merke, meine Mama oder mein Papa haben ständig Angst um mich, wenn ich merke, meine Eltern setzen sich selber unter Druck, meine Eltern setzen mich unter Druck, wenn ich selber mich oft anpassen muss. Und wenn ich dann noch, wenn ich sage, ich habe vor irgendwas Angst, zu hören kriege, komm, ist nicht so schlimm, mach doch nichts, stell dich nicht so an, das schaffst du schon, dann lerne ich halt keinen Umgang. Also dann, das sind halt alles Einzelteile, die dazu führen, dass ich halt eine Angststörung entwickeln kann. Und dann wird es halt irgendwann, zeigt sich das dann halt in Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schulverweigerung, totaler Angst vor anderen zu sprechen. Ja, so Angst. Sozialphobie.
Rückzug, einfach auch so ein ganz massiver Rückzug.
Dass die Kinder halt wirklich ihre Zimmer gar nicht mehr verlassen, nicht mehr aus dem Bett aufstehen, bestimmte Dinge nicht mehr essen. Panisch reagieren, wenn du als Mama oder Papa das Haus verlässt, immer nur von einer Bezugsperson begleitet werden willst, wenn du dich selber immer abwertest. Also das ist jetzt gerade zum Beispiel unter diesen Teenager-Mädchen, ja, mit diesem ständigen Social-Media-Vergleich und, und, und in dem Wissen, dass halt über 70% aller erwachsenen Frauen, wenn die in den Spiegel schauen, dann kritisieren die sich selbst, oder sie schauen gar nicht in den Spiegel. Also das so, ne, das sind über 70% von uns Frauen, haben kein wirklich positives Körperbild. Und deswegen mache ich ja als Mama auch wieder soziales Lernen für meine Töchter. Dann habe ich diese ganzen super perfektionistischen Social-Media-Videos, und da dann Angst Angst zu bekommen, nicht zu genügen oder zu versagen, ist ja relativ einfach. Noch dazu, wenn ich eh schon ein Nervensystem habe, das eh aufgrund meiner Kindheitserlebnisse eh schon am Anschlag ist. Und da gilt es einfach was zu tun. Also das ist, diese Folge ist erstmal einfach dafür da, dass du sagst, okay, das sind nicht die anderen. Ich muss mal so ehrlich dahingucken, dass ich sage, die Wahrscheinlichkeit, dass mein Kind da auch in irgendeiner Form betroffen sein könnte, die ist relativ hoch. Also das wäre gelogen zu sagen, es sind nur die anderen. Und auch wenn es jetzt nicht so wäre, dass man deinem Kind eine Angststörung diagnostizieren würde, glaube ich, waren jetzt viele Dinge dabei, wo jeder sich einfach mal hinterfragen kann und sagen kann, okay, mache ich mache ich das eigentlich im Alltag? Wie mache ich das eigentlich? Wo, wo sind wir eigentlich an dem Punkt, dass wir sagen, wir haben als Familie Werte, die dem gesellschaftlichen, also dem Hamsterrad sozusagen entgegenstehen? Wie viel traue ich meinem Kind zu? Wie präsent bin ich im Alltag? Na, das sind ja alles so Fragen, die man sich einfach stellen kann, um zu sagen, okay, ich muss hingucken, damit ich was verändern kann. Ja. Ja, ich kann nichts verändern, was ich nicht wahrnehmen kann.
Ja, in diesem Sinne vielen Dank fürs Zuschauen und Zuhören.
Danke fürs Wachrütteln lassen.
Hoffentlich bis zum nächsten Mal.
Alles Liebe, alles Liebe, tschüss!
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