Auswandern mit Kindern und Jugendlichen - Podcast 031

In dieser Podcast‑Folge des Eltern‑Podcasts „Gemeckerfrei“ diskutieren Uli und Bernd Bott ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Auswandern und Reisen als Familie. Sie schildern, wie sie die Entscheidung, ihr Leben flexibel zu gestalten, getroffen haben – zunächst durch intensive Selbstreflexion, dann durch das Einbeziehen ihrer vier Kinder in den Entscheidungsprozess, ohne die Kinder als Vorwand zu benutzen. Ein zentrales Prinzip ist das „Ausprobieren“: Sie testeten zunächst einen acht‑wöchigen Aufenthalt auf Sansibar, um zu sehen, ob ein längerer Umzug sinnvoll ist. Dabei betonten sie die Bedeutung gemeinsamer, gleichberechtigter Entscheidungen, unabhängig vom Alter der Kinder, und warnten vor einer scheinbaren Beteiligung, bei der die eigentliche Entscheidung bereits getroffen ist. Praktische Beispiele zeigen, wie sie alltägliche Entscheidungen (Wohnungswahl, Internet, Zimmeraufteilung) gemeinsam mit den Kindern lösen und dadurch Verantwortung und Problemlösungsfähigkeiten fördern. Sie berichten, dass das Reisen die Geschwisterbindung stärkt, das Selbstvertrauen der Jugendlichen erhöht und sie unabhängiger, kommunikativer und mutiger macht (z. B. Spanisch im Restaurant bestellen). Weiterhin teilen sie vier Leitgedanken: (1) Kinder nicht zur Last machen, (2) Entscheidungen gemeinsam treffen, (3) den Fokus auf Chancen statt Probleme legen und (4) Entscheidungen jederzeit anpassen können. Abschließend fassen sie ihr Fazit zusammen: Das flexible, experimentelle Leben bereichert die ganze Familie, schafft neue Perspektiven und macht Freude, ohne dass sie bereits jetzt langfristige feste Pläne benötigen.
Chapters
Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch. Wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallo, herzlich willkommen.
Hallo, schön, dass du uns zuhörst.
Genau, heute bei einer neuen Folge hier im Gemeckerfrei-Podcast und wir wollen dich heute mal mitnehmen in unseren Alltag und Ja, wollen mal drüber sprechen. Wie geht es Auswandern mit Kindern und Jugendlichen?
Und wie haben wir es gemacht? Wie sind wir da zu der Entscheidung gekommen? Haben wir das entschieden? Also wir Eltern? Oder waren da unsere Kids mit beteiligt? Und so weiter und so fort.
Ja, weil es gibt eigentlich immer so zwei Fragen, die wir gestellt bekommen, wenn wir erzählen, dass wir auf Reisen sind. Und die eine Frage ist ja: Und wo wohnt ihr jetzt?
Oder wo geht's hin?
Genau, also in welches Land? Genau, weil das, also ich glaube, viele Menschen kennen schon Menschen, die mal ausgewandert sind, aber die wenigsten Menschen kennen Menschen, die quasi reisend sind, ja, die kein festes Zuhause an irgendeiner Stelle auf der Welt haben. Also das ist die eine Frage, mit der wir gerade oft konfrontiert werden. Vielleicht machen wir da mal noch eine extra Folge dazu. Und die Andere Frage, die eben auch super hier in den Eltern-Podcast passt, die wir immer gestellt bekommen, ist ja: Und wie geht es mit den Kindern?
Ja, wie ist es mit den Kindern? Wie macht ihr das? Wie machen die das? Wie ist es auch mit Schule?
Was lernen die jetzt noch?
Lernen die überhaupt noch was?
Ja, genau. Wie macht ihr das?
Ist das eine Online-Schule oder was?
Ja, genau. Weil es halt einfach die, weil es euch halt interessiert. Das kann ich total nachvollziehen. Ich kann mich erinnern, dass ich noch vor einem halben, dreiviertel Jahr oder vor einem Jahr andere Menschen, die den Schritt schon gegangen sind, genau diese Fragen auch gefragt habe, weil es natürlich, also du triffst ja so eine Entscheidung viel, viel leichter, wenn du die nur für dich triffst.
Ja klar, weil wir ja als Eltern immer noch, also einerseits haben wir das, hört sich immer so ein bisschen schwergewichtig an, aber wir haben ja die Verantwortung. Und vor allen Dingen wollen wir ja auch, dass es nicht nur uns gut geht.
Ja, wir wollen ja das Beste für die Kinder.
Und noch viel mehr den Kindern gut geht.
Ja, absolut. Und da eben auch immer abzuwägen, welches Bedürfnis ist jetzt irgendwie, hat welchen Stellenwert oder so. Ja, also das waren ganz viel, ganz lang. Also auch schon, da könnte man das eigentlich schon mit reinnehmen, schon bevor wir an den Bodensee gezogen waren, als wir noch in Rheinland-Pfalz gelebt haben und da eigentlich gemerkt haben, wir wollen da eigentlich nicht alt werden, da hatten wir das auch ganz stark, dass wir so überlegt haben, ja, aber können wir jetzt die Kinder da aus ihrem gewohnten Umfeld rausreißen sozusagen? Und die haben ihre Freunde und also das kann man doch nicht machen. Also das haben, also gerade ich habe das jahrelang quasi, war das für mich der Grund, dort zu bleiben. Und jetzt eben auch in Bezug auf Auswandern oder auf Reisen gehen mit Jugendlichen zu sagen, Ja, geht das? Und also eigentlich sind ja, wenn die Kids älter werden, werden ja eigentlich wir Eltern eher uninteressanter. Ist es jetzt angemessen, mit denen dann so viel Zeit zu verbringen, dass die eben nicht in ihrer Peergroup oder in ihrem Freundeskreis ihre Erfahrungen sammeln können, dass die nicht aus ihrem gewohnten Umfeld wieder sich verabschieden, dass die, ja, wie geht es, wenn die ihre ersten Freundinnen haben, whatever. Ja, wie kann das denn funktionieren? Und da haben wir auch ganz viel gesprochen, diskutiert, hatten Fragezeichen im Kopf und waren einfach unsicher. Wie treffen wir da eine gute, wie können wir da zu einer guten Lösung kommen? Auf der einen Seite zu fühlen, wir haben so diesen Impuls und dieses Bedürfnis, mehr von der Welt zu sehen, zu reisen. Und das ist bei uns eigentlich immer immer stärker geworden und gleichzeitig eben zu sagen, wie kann ein Weg aussehen, der für uns als Familie stimmig und passend ist?
Ja, weil für uns natürlich, das wirst du dir schon denken können, wenn du unseren Podcast hörst, egal ob zum ersten Mal oder auch uns schon länger kennst, weil natürlich für uns es ja auch nicht geht und eigentlich auch wir eben noch nie Entscheidungen so getroffen haben, dass wir sagen: Ja, wir entscheiden das und die Kids müssen da halt mit.
Ja, genau. Sondern aber erst mal mussten wir es in uns klären. Also das ist vielleicht schon mal so total wichtig, weil als wir damals umgezogen sind, habe ich nämlich auch gemerkt, dass ich habe eigentlich die Kinder nur vorgeschoben. Das waren ja nur meine Ängste. Das waren ja nur meine Ängste, weil die Kids waren, die sind ja easy peasy umgezogen. Die haben ihre Freundschaften am alten Wohnort behalten und haben bis heute da Kontakte und haben neue Freundschaften geknüpft. Und also, die Kids haben das easy gemacht. Das waren meine Sorgen und Ängste, die ich hatte, die ich auf die Kinder projiziert habe. Und das hatte ich dann zwischendurch schon gemerkt und wollte das natürlich vermeiden, dass mir das jetzt wieder passiert, dass ich am Schluss die Kinder vorschiebe und sage, ja, wir können ja nicht auswandern wegen der Kinder. Ja, das wäre ja, also das würden wir ja empfehlen, darf dir auf keinen Fall passieren, dass du die Kinder vorschiebst, weil egal ob du das bewusst oder unbewusst machst, lädst du ihnen damit ja eine riesige Last auf, weil sie ja dann quasi dafür verantwortlich gemacht werden, bewusst oder unbewusst, dass du dich nicht lebst.
Ja, und da geht es jetzt nicht immer um so ganz gravierende, nenne ich jetzt mal so ganz, ganz umwälzende Entscheidungen, wie wir sie da getroffen haben mit dem Auf-Reisen-Gehen, sondern durchaus auch um noch kleinere Dinge.
Ja, ich gehe mal ein Wochenende, ich erlaube mir ein Wochenende Me-Time und gehe mal ins Hotel oder in die Sauna und Wenn dann der Kopf dir erzählt, das kann ich nicht machen, meine armen Kinder, das kann ja nicht sein.
Die sind ja am Ende mit dem Papa alleine.
Whatever, was dein Kopf da für Geschichten erzählt. Das hatten wir jetzt letztens bei Coaching-Teilnehmern so als Thema. Deshalb habe ich es gerade mal aufgebracht. Aber auch so kleine Dinge können das schon sein, wo du einfach auch achtsam sein darfst, dass du nicht die Kinder vorschiebst, um selber dich nicht um dich selber nicht bewegen zu müssen, um nichts verändern zu müssen. Also das mal der eine Part. Also das war so das Erste, was wir für uns geklärt haben. Wir schieben nicht die Kinder vor. Dann haben wir gesagt, okay, wie können wir denn eigentlich eine Entscheidung treffen? Und dann haben wir so miteinander gesprochen und haben mit den Kindern gesprochen und sind zu dem Schluss gekommen, wir probieren es einfach mal aus.
Ja, und es war natürlich total wichtig, dass wir, also wir wussten zwar, was wir gerne wollen, auch noch mit dem Ding, okay, probieren wir es mal aus. Also auch das Ausprobieren war jetzt ja nicht nur für die Kinder und gleichzeitig aber tatsächlich so offen zu sein, zu sagen, okay, also wenn jetzt die Kinder beide entscheiden, also beide, weil jetzt nur noch zwei mit uns unterwegs sind, die anderen zwei sind ja schon erwachsen und Wenn beide entscheiden, nee, sie wollen das nicht.
Ja, selbst wenn nur einer entschieden hätte, er will das nicht, dann hätten wir halt Lösungen, dann hätten wir neu nach Lösungen gesucht. Und das hätte durchaus auch heißen können, dass wir eben nicht auswandern, wenn die Kids uns signalisieren, das geht für sie gar nicht. Also wirklich zu sagen, wir probieren das aus und ausprobieren mit offenem, wie der Bernd gerade schon angedeutet hat, mit offenem Ausgang zu sagen, okay, wir gehen, wir sind ja dann 8 Wochen nach Sansibar gegangen und wir wussten beide nicht, also wir wussten alle 4 nicht, ob wir dann am Ende nach den 8 Wochen einfach wieder zurückkehren und unser Leben am Bodensee weiterleben oder ob wir die Koffer packen und auswandern und auf Reisen gehen.
Oder eben eine dritte Variante: Ausruhen. Ob es noch was anderes gibt. Genau.
Die wir jetzt gerade gar nicht kennen, weil wir ja nicht gefordert waren, sie zu finden.
Genau.
Ja, und Und das war eben, das ist was, was wir dir mitgeben wollen. Also Punkt 1 war, also schieb deinen Kindern nicht die Verantwortung in die Schuhe. Punkt 2, was wir dir mitgeben können, ist, sei bereit, eine Entscheidung gemeinschaftlich zu treffen und sogar unabhängig vom Alter der Kinder. Also selbst wenn deine Kinder 5 sind, 6 sind, Grundschule, also ein bisschen jünger als jetzt unsere Kinder, selbst dann einfach zu sagen, wir treffen solche Entscheidungen gemeinsam und jeder darf seine Punkte vorbringen, darf seine Sorgen äußern, seine Wünsche äußern und wir treffen Entscheidungen gemeinsam.
Und wir haben sogar das tiefe Urvertrauen, dass diese Entscheidungen durch das Gemeinsame besser werden.
Absolut. Und eben auch zu sagen, ich habe zwar vielleicht eine Idee, also ich kann noch nicht mal sagen, dass ich entschieden war. Für mich war es wirklich auch so, es hätte jetzt auch sein können, dass ich nach 4 Wochen sage, nee, das geht für mich gar nicht. Es hätte, also auch ich war so offen. Also eben, und das ist uns total wichtig, das noch mal hier so deutlich zu sagen, weil wir erleben viele Eltern, die uns erzählen, sie lassen die Kinder mit entscheiden, aber im Endeffekt ist die Entscheidung schon gefallen, bevor die Kinder gefragt werden. Und das ist dann nur so eine Alibi-Frage oder so ein Schein mit entscheiden dürfen oder von einer großen Entscheidung. Also jetzt im Falle von Auswandern, wenn die Kids bei uns hätten jetzt entscheiden dürfen, in welches Land wir gehen, zum Beispiel. Also dass man nur so einen Furz an Entscheidung den Kindern überträgt, aber die große Entscheidung eigentlich schon getroffen ist, bevor man in die Kommunikation geht mit den Kindern. Und davon würden wir abraten. Also wirklich gerade, also und da kommt schon mit rein, je älter die Kinder sind, umso umfassender musst du sie, bewusstes Musst, musst du sie in so einen Entscheidungsprozess involvieren, damit sie die Entscheidung auch mittragen können. Weil hätten wir das jetzt alleine entschieden, der Bernd und ich, und den Kindern gesagt, wir machen das jetzt, was weiß ich, für ein Jahr und danach entscheiden wir, ob wir das weitermachen wollen oder nicht, dann Dann hätten die Kids uns in jeder Situation, wenn ihnen was nicht gefällt, vorgehalten, dass wir ja schuld sind, dass sie ein scheußliches Leben haben, weil wir sie ja aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen haben.
Ja, genau. Und das ist genau das, was du dann erzeugst. Und da ist es jetzt speziell dann bei Jugendlichen eben, die ja generell auch durchaus Zeiten haben, in denen sie auch was brauchen, wogegen sie sein können.
Genau.
Und das willst eigentlich am besten nicht unbedingt du sein als Mama oder Papa in dem Moment.
Ja, und vor allen Dingen willst du das nicht mit einem Thema sein, wo du vielleicht selber nicht 100% sattelfest bist.
Weil das gibt immer Ärger dann.
Ja, es gibt Ärger und es verunsichert so stark und es schürt einfach Unfrieden. Von dem her wirklich, also bezieh deine Kinder in Entscheidungsprozesse mit ein. Und das könnte jetzt für dich, wenn es jetzt bei dir nicht um Auswandern geht, könnte auch einfach nur sein zu sagen: Okay, Was ist denn unser Sommerurlaubsziel? Ja, ich habe so viele Freunde, Bekannte, die treffen diese Wahlen alleine. Die sagen, wir gehen jetzt in, wir machen eine Familienreise, betreute Familienreise, damit das Kind mal vom PC wegkommt. Ja, aber wenn das Kind das nicht mit entscheidet, wenn das 14-, 15-, 16-jährige Kind das nicht mit entscheiden kann, dann muss es das per se schon doof finden, weil es sich übergangen fühlt. Also da einfach zu sagen, Guck mal hin, wie viel auch klitzekleine Entscheidungen im Alltag könnt ihr viel mehr gemeinschaftlich treffen. Und das sind unsere Kids natürlich schon von klein auf gewohnt, dass wir die in sehr, sehr viele Entscheidungsprozesse, also in alle, die sie überblicken können, mit einbeziehen und sie da gleichwertig, ihre Meinung einfach gleichwertig neben unserer steht und wir da unser Leben gemeinsam gestalten. Also das war der zweite Punkt.
Ja, und ein wichtiges Ergebnis dabei möchte ich jetzt noch teilen aus unserem Alltag jetzt, ist, dass wenn jetzt mal was nicht so toll ist, also man kommt irgendwo an und keine Ahnung, das Internet funktioniert nicht gut.
Oder das Zimmer ist klein. Oder da ist eine Spinne.
Genau, Spinnenkäfer, was weiß ich, was wir alles hier erleben. Aber Internet brauchen wir jetzt alle vier, sonst könntest du jetzt auch den Podcast nicht hören. Und die Kids wollen das natürlich auch. Da wollen die mit Freunden chatten und so weiter und was spielen und so. Früher, oder ich sag mal, was einfach passieren kann, ist, dass Jugendliche dann sauer werden und gehen gegen dich, weil du hast ja entschieden. So, jetzt bei uns ist es so, Das Einzige, was passiert, ist, dass wir gemeinsam nach einer Lösung suchen.
Genau.
Und dann rumbasteln und irgendwie schauen, gibt es irgendwo einen Anschluss, können wir irgendwas hacken oder uns ein bisschen die Situation einfach verbessern.
Ja, weil es gibt auch keine Unterkunft, die zum Beispiel nur der Bernd und ich auswählen, sondern das machen wir alles zusammen. Wir sagen zu den Kids: Guck mal, wer trifft eine Vorauswahl? Guck mal hier, jetzt haben wir hier 3, 4 Möglichkeiten. Wollen wir da, da, da oder da? Wie hättet ihr es gerne? Und dann setzen wir uns zusammen und treffen dazu eine Entscheidung. Oder zum Beispiel jetzt gerade, wo wir jetzt hier sind, da haben wir hier so ein Apartment quasi.
Familienapartment.
Ja, genau. Familienapartment, Wohnzimmer und zwei Schlafzimmer. Und da waren die Jungs, die sind ja 13 und 17, und da waren die einfach so: Wollen wir wirklich irgendwie 6 Wochen in einem Zimmer schlafen und so? Und wir so: Ja, komm, wir fragen, ob wir noch ein Zimmer dazu buchen können. Dann könnt ihr euch, dann müsst ihr nicht miteinander euch ein Zimmer teilen. Und erst sah es so aus, als wäre es ausgebucht und nicht mehr möglich. Dann sind wir angekommen, haben gefragt und dann gab es doch die Möglichkeit, wir hätten jetzt noch ein zweites Zimmer oder ein zusätzliches Zimmer buchen können. Und dann bin ich hingekommen, habe gesagt, hier habt ihr die Zimmerkarte, hier ist das Zimmer, dort in diesem Haus ist es. Wollt ihr es euch angucken? Möchte einer umziehen? Bedenkt aber, dass ihr dann nicht so viel Zeit miteinander verbringt, weil so wie ich euch kenne, sitzt dann doch eher mal jeder in seinem Zimmer. Und diese zufälligen Begegnungen, die halt entstehen, dieses Gekabbel auf dem Bett oder das Plaudern oder was die so fachsimpeln, was die so machen, das passiert halt nicht, wenn die nicht im selben Zimmer sitzen. Und dann habe ich das zu ihnen gesagt und gesagt: „Du, ihr könnt's wählen." Haben wir zu ihnen so gesagt, weil ich halt das ausgemacht habe an der Rezeption. Aber so haben wir es gesprochen. Und dann haben sie erst so hin und her und sie wissen nicht genau. Und dann haben wir sie noch gefragt, ob sie Unterstützung bei der Entscheidung brauchen? Und dann haben wir gesagt, ja, eigentlich schon. Und dann haben wir miteinander halt gesagt, okay, also wenn ihr jetzt so ambivalent seid, was haltet ihr denn davon, wenn ihr es jetzt einfach mal zusammen in einem Zimmer ausprobiert? Und wenn ihr merkt, dass es euch nicht mehr taugt, dann können wir ja immer noch was verändern. Ja, tschakka. Und so haben wir es jetzt gemacht und bisher klappt es hervorragend.
Ja, absolut.
Genau. Also auch an der Stelle immer wieder so kleine Entscheidungen, die ihr einfach dann, wo ihr Wenn ihr das abgebt an die Kinder, können die Kids euch nicht dafür verantwortlich machen, dass ihr blöd seid, weil ihr das ja entschieden habt.
Ja, und Kinder jeden Alters, also ist unsere Erfahrung, Kinder jeden Alters sind so wie unsere jetzt vollkommen in der Lage, dann auch wieder Hilfe in Anspruch zu nehmen bei der Entscheidungsfindung. Meistens jetzt gerade bei kleineren Kindern siehst du es ihnen dann schon an, wenn sie sich nicht entscheiden können. Ist ja ein bisschen wie Nimm jetzt eine Kugel Eis, Schokolade oder Vanille. Und dann sagt sie: Pass auf, letztes Mal hat sie doch Schokolade. Und dann nimm doch jetzt Vanille. In dem Fall ist ja vollkommen egal. Hauptsache, du hast irgendeine Begründung, weil das ist ja, ob das Kind jetzt Schoko oder Vanille isst, ändert nichts in seinem Leben. Nur aber genauso funktioniert es. Manchmal siehst du es dem Kind an, dann kannst du es anbieten, die Unterstützung bei der Entscheidung. Oder manchmal sagen die Kinder das dann auch ganz Sagen es die Kinder einfach.
Ja, was gleichzeitig passiert ist, als wir entschieden haben, dass wir es ausprobieren wollen, das Reisen, dass schon in dem Moment sind Jakob und Johannes wieder viel enger zusammengerückt. Also die haben ihre Brüderbeziehung, ihre Geschwisterbeziehung auf ein ganz neues Level gehoben und haben auf einmal, sind die eigentlich wieder so eng miteinander, wie die als kleine Jungs waren. Ja, das war jetzt in der Zwischenzeit, da war das immer so ein bisschen mehr, hat jeder so sein Ding gemacht. Und jetzt sind die ein Kopf und ein Arsch, würde ich sagen. Ja, die sind wirklich total, ja, so wie der Bernd und ich. Also der Bernd und ich unterhalten uns, wenn wir durch die Stadt laufen und die zwei laufen vor uns oder hinter uns und sind genauso am Quatschen. Und mitunter sitzen wir zusammen am Esstisch und ich komme während dem ganzen Essen fast nicht zu Wort, weil die die ganze Zeit am Fachsimpeln sind.
Verstehe manchmal auch nur die Hälfte.
Ja, genau, voll. Also ich habe da mich echt mal gefühlt, wie man sich so als kleines Kind am Tisch fühlt, wenn die älteren Erwachsenen über irgendwas reden, wovon man keine Ahnung hat. Aber das ist noch mal ein ganz anderes Thema. Ja, also die sind, das tut denen in ihrer Geschwisterbeziehung total, total gut. Und das ist einfach auch total schön zu sehen, was die da für sich kreieren und gleichzeitig eben auch zu sehen, wie offen die geworden sind. Also in den wenigen Wochen, Wochen oder Monaten, die wir jetzt unterwegs sind, wie gut die für sich einstehen können, wie die überall neue Leute kennenlernen, wie die völlig freundlich mit allen Menschen sind, egal ob das im Flugzeug ist, im Hotel ist, mit anderen Gästen ist. Also mit dem, was die sich trauen, da alleine zur Tennisstunde gehen, alleine zum Kiten gehen, alleine alles für sich organisieren.
Was willst du sagen, Julia? Genau, die eine Geschichte aus Costa Rica möchte kann ich kurz erzählen. Da waren wir nämlich schon mal letztes Jahr in Urlaub und da waren wir in so einem Hotel und haben da immer gegessen und da war so ein super lustiger Kellner. Und der hat immer wieder mal gesagt, man soll auf Spanisch bestellen. Now in Español. Und damals weiß ich noch, waren die Jungs so, das ging gar nicht. Also auch so was mal nachsprechen oder so ging gar nicht. Und jetzt waren wir, also in dem Hotel war alles ausgebucht, deswegen waren wir woanders, aber wir sind dann mal zum Essen hingefahren. Gefahren und haben die wieder getroffen. Sie hat sich witzigerweise auch an uns erinnert. Und dann sagt er wieder zum Jakob, er soll das auf Spanisch bestellen. Und dann hat der Jakob es echt gemacht.
Während wir anderen noch bestellt haben, hat der es gegoogelt und hat dann sein Essen auf Spanisch bestellt. Ja, total geil.
Also das hätte er früher im Leben nicht gemacht. Kein Grashalz hat er versucht nachzusprechen. Der hat Thank you gesagt, also auf Englisch dann. Das hätte ihn voll verunsichert. Und jetzt probiert er einfach aus und sprechen jeden an, quatschen jeden an, fragen jeden. Haben auch kein Problem, wenn sie mal was mit Englisch nicht wissen und versuchen da irgendwie rumzukommen. So wie ich ja auch, wenn ich irgendwas nicht weiß, dann versuche ich es halt irgendwie zu erklären. Es ist Wahnsinn.
Vollkommen großartig. Und weißt du, Was wir uns so bewusst gemacht haben. Wir haben in der Sekunde 11 Millionen Sinneseindrücke, die unser System verarbeitet, und nur 40 davon nehmen wir bewusst wahr. Und wir können halt, das ist total krass, und wir entscheiden halt in jeder Sekunde bewusst oder unbewusst neu, welche 40 wir wahrnehmen wollen. Und du kannst halt immer wählen, ob, na, wir könnten jetzt sagen, was wir den Kindern antun, dass wir mit denen auf Reisen gegangen sind, oder wir können sagen, wir können dann halt gucken, was das für eine Chance für sie bietet, was sie dadurch lernen fürs Leben und wie sie wachsen können daran. Und gleichzeitig, das ist vielleicht Punkt Nummer 3, den ich, also das ist jetzt Punkt Nummer 3, zu sagen, du kannst immer das halbvolle oder das halbleere Glas sehen. Du kannst immer gucken, worauf richtest du deinen Fokus? Und wenn du Impulse also wenn du deinen Impulsen folgst und deiner inneren Stimme folgst und so ein Bedürfnis, das du hast, einfach ins Leben bringst, dann kannst du immer sicher sein, dass das was Gutes ist, was du da gerade tust. Weil deine innere Stimme, die ist ja für dich. Deine Herzensstimme, hatten wir ja vor ein paar Folgen, deine Herzensstimme, die führt dich ja, die ist ja für dich. Dein Leben ist ja für dich Die Idee, irgendwas zu verändern, käme dir ja nicht aus deiner Herzensstimme heraus, wenn das nicht genau für dich passend wäre. Und mir hilft dann auch immer der Gedanke, dass ich einfach denke, unsere Kinder haben sich ja uns ausgesucht. Und was, wenn die das ja eigentlich auch mit initiiert haben, dass wir jetzt ausgewandert sind? Weil die sich eine Veränderung gewünscht haben, weil die die Welt sehen wollen. Wie als es war ja mit dem Umzug nach Lindau, war das ja ganz offensichtlich, wo der Jakob ja immer kam und uns Schulen vorgeschlagen hat, auf die er gehen will. Also wo auch dazu kommt, was wir auch dir mitgeben wollen, so Entscheidungen, die werden nicht immer nur, die Idee zu einer Entscheidung kommt nicht immer nur von uns, sondern das kann auch von den Kindern kommen. Aber jetzt eben zu sagen, Fokus auf was ist die Chance dahinter, statt was könnte das Problem sein. Und der vierte Punkt, der ist auch total wichtig. Du kannst ja jede Entscheidung jederzeit wieder revidieren, verändern oder anpassen. Also wenn wir jetzt in einem Jahr oder in 3 Monaten oder wann auch immer, wenn einer von uns feststellt, boah, das mit dem Reisen geht irgendwie doch nicht, ja, dann suchen wir halt eine Lösung und gucken dann halt, wie wir es machen wollen. Aber wir haben keine Angst davor, dann wieder was anzupassen oder zu verändern.
Ja, wir haben jetzt am Bodensee Wir haben keine 3 Jahre da gewohnt. Ich habe jetzt letztens, als wir das, als eine Hausbesichtigung war, gesehen, dass in dem einen Zimmer immer noch, die hängen immer noch keine Lampen.
Ja, genau.
Die Fassung, diese schwarzen Baufassungen, die hingen noch an der Decke. Ich sage: Okay, das ist überhaupt nicht. Also Gott sei Dank haben die in dem Haus schon ein paar Lampen gehangen, als wir eingezogen sind.
Aber du kannst es jederzeit wieder verändern.
Du kannst es immer verändern und kannst sagen: Okay, das war jetzt gut. Cool, oder es war vielleicht auch nicht cool. Also das war ja auch cool, die Zeit da, das würde ich jetzt gar nicht sagen. Aber es könnte auch sein, du sagst, nee, das war nichts, jetzt mache ich es anders. Entweder gehe ich wieder zurück auf A oder zurück auf Los quasi, oder ich habe jetzt B ausprobiert, war naja, und jetzt gucke ich halt, was ist denn C, was kommt denn jetzt raus, was mache ich denn jetzt?
Ja, voll. Und da einfach diese Flexibilität. Also was, wenn Leben nicht— wenn du im Leben nicht diese Sicherheit brauchst, dass du heute schon weißt, wo du in 10 Jahren bist? Und was, wenn es auch deine Kinder nicht brauchen? Sondern was, wenn Leben bedeutet, im Heute, Hier und Jetzt zu leben und immer wieder neu zu entscheiden: Passt es gerade für mich oder passt es gerade nicht für mich? Und dann die Anpassung vorzunehmen. Und dann kommst du nämlich auch dahin, dass du nicht leidest und aushältst, hältst, weil, also okay, ja, eigentlich will ich hier weg, aber ich kann erst, wenn die Kinder groß sind, oder eigentlich haben wir zu wenig Platz, aber bald ziehen die Kinder ja aus, dann haben wir ja wieder mehr Platz oder whatever. Sondern einfach zu sagen, es geht um mein Heute, weil ich weiß ja gar nicht, wie viele Morgen ich noch erleben werde. Und natürlich, wir haben uns ja auch letztens mit unseren Kids unterhalten, die sagen natürlich ganz klar, keine Ahnung, vielleicht ziehe ich in einem Jahr, oder der Jakob wird ja 18, sagt ja dann, wenn ich 18 bin, wieder nach Deutschland oder ich arbeite irgendwo in einer Kiteschule oder keine Ahnung. Also das ist ja, die dürfen ja dann wieder mit den Erfahrungen, die sie mit uns sammeln konnten, dürfen sie ja wieder ihr eigenes, ihren eigenen Horizont und ihr eigenes Leben kreieren. Und wir Eltern geben den Kindern halt immer immer Erlebnisse, Erfahrungen, Werte, Aspekte mit, die sie dabei unterstützen, irgendwann Entscheidungen zu treffen, wie sie leben wollen. Und bis jetzt, also jetzt, wenn man jetzt mal die 2 Testmonate mitnimmt, sind wir jetzt quasi 4 Monate unterwegs. Und bis jetzt ist unser Fazit einfach, dass es uns allen extremst gut tut und dass es aus uns allen Seiten hervorzaubert, die wir bisher nicht kannten, und dass wir einfach eine Menge Spaß und Freude daran haben und bis jetzt auf jeden Fall auf gar keinen Fall auf die Idee kommen, das innerhalb der nächsten kürzeren Zeit wieder zu verändern.
Wir sind ja eher total gespannt, was da jetzt noch alles auf uns wartet, was da alles noch kommt.
Genau, heute waren wir zum Beispiel libanesisch essen. Essen und haben uns, haben dabei festgestellt, wie gerne wir arabische Küche mögen, weil das halt auch sehr vegetarisch ist. Und haben jetzt schon überlegt, ja, mal nach Israel, mal nach Marokko, nach Jordanien, wo auch immer, welche Länder, wo die uns da reizen und was wir da erleben wollen. Und was auch total spannend zu beobachten ist: Früher, wenn wir durch so Städte gelaufen sind und uns mal irgendwie schöne Gebäude, Altstädte oder so was angeguckt haben, dann waren die zwei Jungs eigentlich eher so, noch letztes Jahr war das so, dann waren die noch so: Können wir jetzt, sind wir jetzt fertig? Können wir wieder zurück? Ich will wieder ans Meer, in Pool, ins Zimmer. Ich habe keine Lust mehr. So, und jetzt sagen die: Oh, guck mal da ein Gebäude, schau mal hier. Ich glaube, jetzt sind wir aus der Touristenmeile hier raus. Oh, ich glaube, jetzt kommt hier die Altstadt und schau mal hier, das sieht ja schön aus und guck mal da und so. Also ist, als hätten wir neue Kinder bekommen. Also ja, sind immer noch die gleichen, aber ja, aber halt, ne, wie sich der Fokus verändert, wenn du einfach ein gemeinsames Projekt, wenn dein Leben ein gemeinsames Projekt ist. Und ich glaube, das ist ein schönes, schöner Abschluss. Macht euer Leben zu eurem gemeinsamen Projekt. Alles Liebe!
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