Authentisch. Ehrlich. Realitätsnah. - Podcast 075

Two podcast hosts critique parent influencers who constantly broadcast struggles and complaints, calling it "manure pile exchanges" that feel validating but block growth. They argue authenticity isn't endless negativity but includes joy, learning, and beautiful moments. They push listeners to stop complaining and actively shape their family life instead.
Chapters
Herzlich willkommen!
Schön, dass du uns zuhörst hier beim Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie und als Paar und mit dir selbst.
Genau.
Heute mal mit einem anderen Einstieg.
Und wie der Bert schon gesagt hat: Schön, dass du da bist. Schön, dass du zuhörst. Authentisch, ehrlich, realitätsnah.
Wer denkt bei dem Titel sofort daran, dass wir jetzt aus dem Nähkästchen plaudern und unsere Sätze immer vervollständigen gegenseitig?
aus dem Nähkästchen plaudern, was bei uns alles irgendwie schrecklich läuft.
Ja, genau.
Weil Authentizität, weil authentisch zu sein irgendwie immer damit gleichgesetzt wird, dass man jetzt endlich mal die Masken abwirft und sagt, wie es wirklich ist. Und wirklich kann es ja nicht dauernd schön sein.
Also eigentlich erwartet man ja immer, wenn jemand sagt, heute mache ich mal Real Talk, heute gebe ich mal wirklich, zeige ich euch mal, wie es so wirklich ist, was die Wahrheit ist. Dann denkt man eigentlich immer, dass jetzt was kommt, wo Geschichten erzählt werden, was— ich suche gerade ein höflicheres Wort außer das SCH-Wort. Was blöd gelaufen ist, was doof ist, was auch immer.
Wo man es auch schwer hatte, weil es ja so normal ist, dass es, wenn man ganz ehrlich hinschaut, dass es ja nicht immer toll sein kann. Und das ist auch so ein Trend, den wir so beobachten in der Social-Media-Welt, dass Dass es immer mehr Eltern oder Mama-Influencer gibt, die eben ihre Reichweite damit aufbauen, dass sie eben darstellen, wie anstrengend Elternsein ist, wie schwierig Elternsein ist, wie nervig das ist und so mit diesem gemeinsam sich einig, also sich gemeinsam einig zu sein, wie schwierig es ist. Und klar hat man seine Kinder lieb und so, keine Frage. Aber dass es halt einfach super anstrengend ist und super schwer ist und so weiter. Und wir betrachten das ein bisschen mit Sorge und wollen in dieser Podcastfolge darüber sprechen, warum das so ist.
Und es ist ja total spannend, wenn ich das mal mit einer anderen Branche vergleichen darf, weil zum Beispiel in der Fitness, bei den Fitness-Influencern passiert genau das nicht. Also es gibt jetzt keinen Fitness-Influencer, der irgendwie seinen Bauch in die Kamera hält.
Der sagt, das ist jetzt, wir müssen jetzt mal ehrlich sein.
Ich mache jetzt doch mal das T-Shirt hoch und das ist mein Bauch. Und das, was ihr sonst immer seht, ist ein anderer.
Ja, genau. Ja, oder ist es ja jetzt auch keiner da, der sagt: Lass uns doch jetzt mal ehrlich sein. Es ist doch viel besser, wenig Geld zu haben.
Ja, oder eine Kochsendung, wo alle beim Essen das Gesicht verziehen. Sagen, das schmeckt nicht.
Okay, also lass uns mal einfach schon mal die Taschenlampe darauf richten, dass das irgendwie nicht in allen Branchen stattfindet, aber beim Ältersein stattfindet. Und lass uns mal ehrlich sein und hingucken und einfach mal fühlen nach Wie schnell erwartest du auch, wenn jemand sagt, wie der Bernd schon gesagt hat eben, wenn jemand sagt, jetzt sind wir mal authentisch, jetzt sind wir mal ehrlich, dass der dann erzählt, was alles schwer und schiefläuft? Und wie sehr dient es dann dir selbst dabei, dass es dich erleichtert, weil Druck von dir abfällt, weil du dir denkst, oh ja, wenn der es auch nicht kann, dann ist ja nicht so schlimm, wenn ich es auch nicht hinkriege.
Ja, und genau das, was du jetzt ja gesagt hast, ist ja ein Grund, warum diese Influencer auch oft so leicht so eine große Reichweite bekommen.
Genau. Wir nennen das bei Gemeckerfrei Misthaufen-Austauschbörsen. Also dieses sich miteinander treffen, um gemeinsam mit so einer leichten Ironie oder Ernsthaftigkeit sich darüber auszutauschen, was alles schwierig und anstrengend ist. Einschränkend ist, führt halt dazu, dass man sich verstanden fühlt, dass man das Gefühl hat, man ist nicht allein mit seinen Schwierigkeiten. Der Druck fällt womöglich ab, aber man bleibt halt auch stehen.
Weil genau das ist, weil das alles, was du zuerst gesagt hast, das hört sich erst mal an, sagt man ja, ist ja ganz gut, dass wenn man mal den Druck von den Schultern bekommt, wenn man sich auch verstanden fühlt und so, das ist ja Das sind ja erst mal Gefühle, die wir gerne mögen, wir Menschen, die uns gut tun im ersten Moment und oft auch durchaus angebracht sind, dass wir mal in eine Situation kommen, wo wir das auch mal fühlen dürfen. Nur wie du ja sagst, die Gefahr ist, die ganz große Gefahr, und das beobachten wir halt auch, dass es dann eben geschieht, dass du sagst, na ja, dann ist es ja gut so, wie es ist.
Ja, dann ist es gut so, wie es ist. Und dann eben auch, dass Menschen dann glauben, wenn jemand anders, so wie wir halt, sagen, du kannst wirklich völlig glücklich und ohne Gemecker mit deinen Kindern und deiner Familie leben und knallverliebt sein, und es kann wirklich einfach total, total schön sein, dass uns das dann als Fake vorkommt. Also dass du Wenn jemand darüber redet, wie toll es ist, haben dann Menschen schnell das Gefühl, das kann ja nicht echt sein, weil so schön kann es ja gar nicht sein. Selbst bei dem und bei dem und bei dem ist es immer wieder schwer. Also das ist ja, da muss das ja gelogen sein, und in Wahrheit sieht es bestimmt ganz anders aus. Und das Problem dahinter ist, dass du damit die Chance vertust, von den Menschen dich inspirieren zu lassen und zu lernen, die Wege gefunden haben, wie es wirklich einfach total schön geht. Weil wenn wir jetzt mal authentisch, ehrlich, realitätsnah hinschauen, dann kann ich einfach nur sagen, es ist jetzt hier gerade Mittwochabend, wir nehmen gerade die Podcastfolge für Donnerstag auf, wir sind manchmal nicht nicht so früh damit dran.
Eigentlich muss man sagen, manchmal sind wir früh dran.
Und jedenfalls, also das ist ehrlich bei uns. Das kann schon mal sein, dass die Podcastfolge erst entsteht, kurz bevor wir sie veröffentlichen. Und gleichzeitig waren wir jetzt gerade, haben wir jetzt gerade Abend gegessen mit unseren Kindern, mit unseren drei Söhnen und der Freundin von unserem ältesten Sohn. Und es war halt wieder einfach nur schön. Es ist halt wieder einfach nur so, dass wir alle uns uns zusammen auf den morgigen Tag freuen, dass wir uns gegenseitig inspirieren, dass wir uns gegenseitig— der Älteste, unser ältester Sohn hat seinem mittleren Bruder einen Praktikumsplatz angeboten bei einem Bekannten von ihm und hat da so, denkt so für ihn mit. Und also es ist ständige gegenseitige Unterstützung, ist einfach nur schön. Und Das ist einfach die ganze Zeit so, ja, es ist einfach, ja, es ist einfach im Flow. Und das setzt einfach so viel Energie frei, die wir für andere Dinge nutzen können, dass wir keinen Streit und kein Gemecker und kein Genöle mit den Kids haben. Und das kann auch authentisch und ehrlich und echt sein und menschlich. Und Wenn du den Raum in dir aufmachst, dass authentisch, ehrlich, realitätsnah eben auch wunderschön sein kann, dann behältst du dir die Möglichkeit, von Menschen dich inspirieren zu lassen und von Menschen zu lernen, die das für sich gefunden haben, anstatt eben Misthaufen auszutauschen mit Menschen, die an einem ähnlichen Punkt stehen, an dem du gerade stehst, und euch da gemeinsam festzufahren, indem ihr eben glaubt, dass es ja normal wäre, wenn es so ist.
Und was halt das Fiese ist, dass es ja keine— es gibt ja keinen Stillstand in der Entwicklung, sondern es gibt eigentlich nur Du kannst nur nach vorne gehen, also weitergehen, also dich weiterentwickeln. Oder dieser vermeintliche Stillstand führt eigentlich immer, nicht nur eigentlich, sondern führt immer zu einem Rückschritt. Ja, also was dann eben passiert, ist nicht nur, dass es einfach so bleibt, wie es ist, sondern es geht eigentlich nach unten.
Ja, und dann passiert Folgendes, dass du quasi fürs gute Gefühl beim gemeinsamen Jammern verschenkst du die Möglichkeit, dich von anderen Menschen inspirieren zu lassen. Und was ich halt dabei so krass gemerkt habe, und das ist mir in den letzten Wochen mit meinem Yoga-Lernen noch mal so krass aufgefallen, dass ich früher halt einfach so, so Angst davor hatte, was noch nicht zu können, dass ich mich gar nicht getraut habe, mir das einzugestehen. Das hat mir so, also Das war so quasi wie gefährlich für mich. Ich war, und das habe ich erst vor noch gar nicht so langer Zeit gelernt, dass es damit zusammenhängt, dass man den eigenen Stolz loslassen können muss, um was Neues zu lernen, und die eigene Angst davor, was nicht zu können, um was Neues lernen zu können. Und wenn du das loslässt, wenn du deine Angst loslässt und den Stolz loslässt, dann kannst du dich eben inspirieren lassen. Dann ist es auch überhaupt nicht schlimm, wenn du was noch nicht kannst, weißt du. Und es ist so ein bisschen, erscheint uns dieser Trend von hinten durch die Brust ins Auge, so dieses, wir können nicht aushalten, dass wir was noch nicht können, und deshalb, und fühlen, und fühlen uns dann schlecht dabei. Und damit wir uns nicht schlecht fühlen müssen, tun wir so, als wäre das eigentlich total blöd, wenn wir das können könnten. Aber ich mache den noch mal andersrum. Wir bei Gemeckerfrei sind einfach felsenfest der Überzeugung, dass du alleine mit dem Wunsch, deine Kinder bestmöglich zu begleiten— und den hast du, sonst würdest du dir das hier nicht anhören— alleine deshalb bist du die beste Mama, der beste Papa für deine Kinder, und du machst einen großartigen Job. Und es gibt überhaupt nichts an dir zu kritisieren, überhaupt nichts. Weder, dass du dich selbst kritisieren brauchst, noch dass wir dich kritisieren würden. Das Einzige, was du tun kannst, ist einfach zu sagen: Okay, es gibt Es gibt einfach Situationen in meinem Alltag, die sind vielleicht noch nicht so schön, wie ich die gerne hätte. Und die, da lerne ich jetzt, wie ich die schöner kreieren kann, anstatt mich damit zufriedenzugeben, dass es halt wohl normal ist, dass man sich streitet, dass es nicht immer schön ist, whatever, dass es eben super anstrengend ist, sondern einfach zu sagen, okay, wie kann ich das denn verändern? Was kann ich denn für eine Energie sein? Was kann ich für ein Bewusstsein sein? Wie kann es gehen? Dass es einfach so schön wird, dass mein Herz dabei nur hüpft. Und wo kann ich mich dafür inspirieren lassen? Jetzt ist eine rhetorische Pause. Auch das ist authentisch, realitätsnah.
Die lassen wir auch drin, die schneiden wir nicht raus.
Genau, wir schneiden eigentlich nie was raus aus dem Podcast.
Ja, außer wenn irgendwelche Krankenwagen laut vorbeifahren oder so was passiert.
Genau. Also wir wollen dir einfach mitgeben. Wir wollen dir heute einfach mitgeben. Halt es für möglich, dass es auch authentisch sein kann, dass es wirklich einfach super schön ist. Und halte dir die Möglichkeit offen, dich inspirieren zu lassen und zu lernen. Und dass das nichts damit zu tun hat, perfekt sein zu wollen, sondern dass es auch in superschön total menschlich sein kann. Und je weniger du an dir zweifelst, je weniger du dich infrage stellst, je weniger du glaubst, du müsstest erst noch, um gut genug zu sein, desto besser kannst du aushalten, wenn du was noch nicht kannst. Und schau, da sind unsere Kinder halt auch so eine mega Wahnsinns-Inspiration jeden einzelnen Tag, weil die müssen dauernd damit klarkommen, dass sie irgendwas noch nicht können. Und wenn wir als Eltern mutiger wären, damit klarzukommen, dass wir Dinge noch nicht können, dann könnten wir uns gegenseitig noch viel mehr und viel besser inspirieren, anstatt uns gemeinsam beim Misthaufen austauschen zu treffen und die Chance zur Weiterentwicklung, die man nicht haben muss, aber die halt einfach gute Gefühle macht, die zu verschenken, nur um des guten Gefühls wegen beim gemeinsamen Jammern. Und das halten wir einfach nicht für ganz so schlau, diese Strategie, das gute Gefühl beim gemeinsamen Jammern in den Vordergrund zu stellen, sondern wir halten es einfach für schlauer zu sagen, da ist es, es fühlt sich in meinem Alltag gerade noch nicht so schön an, wie ich mir schon vorstellen kann, dass es sich anfühlen könnte. Und ich gehe jetzt einfach dahin, ich lerne einfach, wie das geht. Ich will das einfach erleben, weil Ich habe das auch als Mama irgendwann mal erlebt. Ich glaube, das muss jetzt so irgendwie 9 oder 10 Jahre her sein, wo unsere Kinder dann auch irgendwie, wo es einfach so anstrengend war, dass ich irgendwann mich bei dem Gedanken ertappt habe, dass ich gedacht habe, ja, vielleicht war das einfach eine blöde Idee zu glauben, dass so ein liebevolles Familienleben echt möglich ist. Vielleicht ist das einfach doch normal, dass es halt jeden Tag Geschrei gibt und Streit gibt. Und vielleicht muss ich mich damit einfach abfinden. Und ich bin mir sicher, wenn es damals das Internet schon in der Form gegeben hätte, wenn es damals Instagram schon so gegeben hätte und ich mich da wiedergefunden hätte in Influencern, in anderen Mamas, die mir da gut zugeredet hätten im Sinne von: Ja, das ist halt einfach so, es ist halt kacke, so schön ist es halt nicht. Dann wäre ich nicht so vehement dafür gegangen, dass es auch anders gehen kann. Und deshalb heute einfach die Einladung an dich, lass dich ein bisschen wachrütteln. Geh dafür, dass es so schön sein kann, wie du es fühlen kannst, wie du es dir vorstellen kannst. Weil alles, was du dir vorstellen kannst, kannst du auch erreichen. Und am Ende des Tages wird es dich nicht glücklich machen, sondern nur betäuben, wenn du diese Ziele aus den Augen verlierst.
In diesem Sinne.
Das war schon das Schlusswort. Habt eine wunderschöne Woche. Bis zum nächsten Mal.
Bis dann.
Tschüss.
Tschüss.
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