Bist du schon peinlich - Podcast 103

Two hosts argue that parents should openly show affection and discuss sexuality with their kids rather than hide it, so children get realistic relationship models instead of turning to unreliable internet sources. They give practical examples like talking to your daughter about orgasms and emphasize that parents need to overcome their own discomfort first.
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Wenn die dich peinlich finden, dann musst du eigentlich eine Faust in der Hose machen und so: Yes, geschafft! Und in dem Moment, wo sie das Gefühl haben, dass man da nicht drüber redet zu Hause, fangen sie an, sich selber dazu zu informieren. Und dann hast du halt überhaupt keinen Einfluss mehr darauf, mit was für Ansätzen zum Thema Sexualität sich die Kids dann auseinandersetzen. Hallo und herzlich willkommen, herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und zu dir selbst. Schön, dass du wieder eingeschaltet hast, dass du hier bist. Und heute gibt es eine Folge, da geht es um Knutschen. Und zwar die Frage: Bist du schon peinlich? Bist du deinen Kindern schon peinlich?
Ich liebe diese Folge jetzt, bevor sie fertig ist, bevor sie angefangen hat. Sehr gut, gut, dass wir Video machen.
Genau, hast du auch gleich Lippenstift? Genau, also bist du schon peinlich? Bist du deinen Kindern schon peinlich?
Und die Ausgangsfrage dazu ist: Gehört Sexualität gelebt in der Familie, oder muss ich das vor den Kindern verstecken? Und also vielleicht kurz ein bisschen den Rahmen setzen. Habe ich tatsächlich schon Lippenstift.
Ja.
Der ist aber nicht kussfest.
Nein, ist er nicht. Zu bio.
Ah, okay. Dafür kann ich ihn essen.
Mm.
Aber er hat keinen Geschmack. Okay. Zurück zum Thema. Also, die Frage ist eigentlich, dürfen Eltern vor ihren Kindern mal so rumknutschen? Auch mal einen Spruch ablassen? Also auch mal so jetzt nicht nur sich küssen und umarmen, sondern auch mal richtig küssen, so wie sich halt so ein Paar küsst, so knutschen halt.
Also für uns ist immer so ein Indikator gewesen, dass das, also gerade wenn du schon bisschen ältere Kinder hast, also wenn die dich peinlich finden, dann musst du eigentlich eine Faust in der Hose machen und so: Yes, geschafft, wir haben es geschafft! Peinlich zu sein und einfach auch diesen Part ganz selbstverständlich mitzuleben, weil das ist ein Teil von Erwachsensein. Genauso wie du mit deinen Kindern darüber sprechen wirst, wenn die eben über, wann immer das ein Thema wird, wie Kinder entstehen, was ihr Intimität ist, wenn erste Doktorspiele gespielt werden, wenn die Kids in die Vorpubertät kommen, in die Pubertät kommen, dass sie das Thema Sexualität ist einfach immer noch erstaunlicherweise würden wir sagen, immer noch mit so viel einschränkenden Glaubenssätzen, mit so viel Hemmungen auch verbunden und Restriktionen. Ja, und auch so mit diesem keine Ahnung haben, selber, wie man da eigentlich drüber spricht. Ja, es gibt ja auch viele Paare, und das ist vielleicht, ist die Folge auch deshalb für dich wichtig, zu sagen, krass, wir sprechen ja noch nicht mal selber miteinander darüber, was uns gefällt, was uns nicht gefällt, wo wir gerne berührt werden, wo wir es nicht mögen, wann es uns zu schnell geht, zu langsam, zu oft, zu selten, zu, was uns erregt, was uns abtönt. Störend, ne.
Also vielleicht ist die Folge, wenn du da noch nicht bist, erstmal dafür gut, dass du sagst, ach so, ich darf eigentlich erstmal selber damit einen freien Umgang erlernen, ausprobieren, gemeinsam entwickeln, weil das ist ja wieder was Individuelles.
Dafür muss ich ja gemeinsam auf die Reise machen. Ja, und ich darf es erstmal fühlen. Also ich darf auch zu dem anderen sagen, du, ich weiß gar nicht, können wir mal das ausprobieren, ausprobieren oder jenes ausprobieren, oder erlaubst du dir immer zu sagen, wenn du dir zum Beispiel wünschen würdest, eingecremt zu werden, massiert zu werden, gestreichelt zu werden, erlaubst du dir das zu sagen? Erlaubst du darum zu bitten? Eher nicht. Zeigt dir das auch, ne? Darf das genussvoll sein, ne? Wenn du, was weiß ich, wenn angenommen, der Bernd steht jetzt in der Küche und ich komme von hinten und küsse ihn an Hals und fass ihn so an und, und so, und, und dir gefällt es gerade, ne? Dann dürfen das auch alle mitbekommen, dass dir das gefällt, ne? Dann ist das einfach auch Teil von: So leben wir als Paar Beziehung, weil damit lebt ihr es vor. Ist ja auch immer, ne? Je unverkrampfter ihr als Paar mit dem Thema Sexualität umgeht, umso unverkrampfter werden eure Kinder damit sein und umso weniger müssen sie irgendwelche Pornos gucken, weil das ja kein Tabuthema mehr ist.
Genau, weil es eben nicht dieses Anrüchige hat, sondern weil es einfach stinknormal ist. Ja, auch wenn du einfach nur ein Kompliment machst über die, dass irgendwas sexy aussieht oder toll aussieht oder was weiß ich, da sieht dein Po gut aus oder deine Brüste gefallen mir so oder was wirklich auch solche Komplimente sich zu geben.
Und das total da überhaupt nicht peinlich berührt dabei zu sein. Und vielleicht ist es am Anfang so, dass du sagst, es fühlt sich jetzt irgendwie Hört sich komisch an oder fühlt sich komisch an oder wie so ein Mmhm. Aber auch so dieses, das einfach zu eurem Normalwerden zu lassen. Genauso wie manchmal sich das, wenn man sich lange Zeit nicht beieinander bedankt, immer wieder fühlt sich das auch komisch und ungewohnt an, weil man die Dankbarkeit halt verstärkt. Und genauso kann sich das an der Stelle komisch anfühlen. Und da wollen wir euch einfach ermutigen und inspirieren, Ja, alle Hemmungen fallen nicht zur Last. Ja, um da einfach einen lockeren Umgang damit zu führen, ne. Und dann eben auch euren Kindern das vorzuleben, dass über Sexualität ganz normal gesprochen wird.
Weil das Coole ist, dass dadurch ja dann immer auch mal Fragen entstehen von den Kindern oder so, und es wird ein Gesprächsthema. Und dann, das sind die entspanntesten und die offensten und die leichtesten Gespräche, die du dazu führst. Weil die sind nicht so, so, wir setzen uns jetzt mal hin, wir müssen jetzt mal über die Bienen und die Blumen und so sprechen. Kleiner anachronistischer Witz, aber weil das ist ja, da ist ja die, die Verkrampfung und die Schwierigkeit vielleicht, vielleicht für dich auch nicht, aber ist ja dann oft schon vorprogrammiert. Also für uns war es schon so, und dann aber halt sagen, okay, das ist ganz normal, dass du hast das ganz normal, bist es, lebst es ganz normal im Alltag, und dann ist es halt einfach auch mal Thema.
Ja, so wie jetzt unsere Tochter neulich irgendwann zu mir kam und so irgendwie sagte, so, sag mal, hast du eigentlich, also wie war das eigentlich bei dir, hattest du schon immer Orgasmen, wenn ihr Sex hattet? So, ne? Und das sind so Gespräche, also die hätte ich jetzt mit meiner Mama nicht geführt. Und ich finde es total cool, wenn die Anja da kommt und darüber mit uns spricht, oder mal ganz normal auch über so Themen wie Selbst- Befriedigung spricht, oder wenn diese Themen nicht mehr schambehaftet sind. Weil die ganze Internetwelt macht natürlich, dass den Kindern unfassbar viel Information zur Verfügung steht. Und in dem Moment, wo die das Gefühl haben, dass man da nicht drüber redet zu Hause, fangen sie an, sich selber dazu zu informieren. Und dann hast du halt überhaupt hast du keinen Einfluss mehr darauf und kriegst es auch nicht mehr mit. Also es geht noch nicht mal mehr um den Einfluss, sondern du bemerkst es ja oft gar nicht, mit was für Ansätzen zum Thema Sexualität sich die Kids dann auseinandersetzen und welche Frauenbilder, welche Männerbilder werden dann da vermittelt. Also es ist uns auch passiert, dass wir dann irgendwann gemerkt haben, Also wo ich dann so im Gespräch auch mit unserer Tochter war, wo einfach klar war, die hat da ein total veraltetes Männer-Frauen-Bild irgendwie aufgeschnappt, von wegen die Frau müsste dafür sorgen, dass es dem Mann gefällt oder irgendwie so ein Quatsch, was ja totaler Unfug ist. Und hätten wir aber nicht diese damals schon relativ offene Kultur gehabt, aber noch nicht so wie heute, aber dann wäre das vielleicht gar nicht Thema geworden. Gewesen, geworden, gewesen worden, und dann hätte ich das vielleicht gar nie mit, oder hätten wir das vielleicht gar nie mitbekommen. Und wie sollen die Kids auch wissen? Also das ist ja nichts, ne, also die sind ja nicht dabei, glücklicherweise. Also ja, so, und du stehst jetzt ja auch nicht morgens auf und erzählst irgendwie von deinem Orgasmen letzte Nacht oder sowas, ja, das würden wir jetzt auch nicht empfehlen. Aber einfach zu sagen, okay, das ist Das findet ein Stück weit im Verborgenen statt, und da geht es einfach darum, wie kannst du es ans Licht bringen, sodass die Kids sich da auch an dir orientieren können, dass sie auch entscheiden können, oh, das will ich auch, das will ich nicht, das gefällt mir, wie die das machen, das gefällt mir nicht so gut, und dadurch aber eine Gesprächskultur auch möglich machst, die den Kids die Möglichkeit gibt, auch über diese Themen mit dir ins Gespräch zu kommen. Ja, und das ist total wertvoll.
Ja, absolut. Absolut. Weil sonst passiert das, was ja früher mit allen passiert ist. Es ist so eine passive Entwicklung. Das heißt, es passiert halt alles, was man sich so denkt, jetzt heutzutage eben noch, was dann alles von außen dazu kommt an Information. Und die ist halt zum größten Teil einfach Unsinn, ja, da kommt halt viel Mist einfach rüber und dem wirkst du halt entgegen, indem es halt einfach euer Thema ist, weil du das Thema, weil ihr als Paar dieses Thema besetzt und ihr seid das Paar, das eure Kinder als Erstes erleben als Paar und ihr seid erstmal die Referenz.
Ja, genau.
Und euch tut es auch gut, egal wie oft ihr schon miteinander darüber redet oder Dings. Auch das nochmal offen vor den Kindern zu leben, ist einfach auch wieder ein Schritt, wo du sagst: Ach ja, stimmt, ist eigentlich cool.
Ja, macht Spaß.
Tut allen gut. Und dieses, das mit dem peinlich und so, das wird ja nach Kürze, also gerade bei den Tieren, denn natürlich, die finden das manchmal dann auch wirklich peinlich, aber das ist halt total cool, weil das in Kürze dann auch schon wieder ein Spiel wird.
Ja, genau.
Oh, wie peinlich und so. Jetzt sollen wir aufhören. Ach, lass mich doch in Ruhe. Mach ruhig weiter.
Ja, ist witzig, ne? Also genießt einfach dieses Spiel, macht's spielerisch, genießt das Spiel dahinter und habt Freude daran. Und hab einfach klar, dass alle Themen, die du nicht offen spielst— und das ist also sowas wie Sexualität, das ist auch, wie treffen wir als Paar zum Beispiel Entscheidungen, wer kümmert sich wie ums Geld, wie geht überhaupt das ganze Thema Geld— also all diese Themen, die du nicht offen spielst, haben die Kinder keine Chance, das von dir zu lernen. Weil ich sage jetzt mal, Kochen von dir zu lernen ist relativ leicht, weil die dich halt die ganze Zeit erleben, wie du irgendwie Essen machst. Einkaufen von dir zu lernen geht nur dann zum Beispiel, wenn die auch als Teenager immer noch mal mitfahren, weil sonst wissen die nicht, wie sieht eine reife Avocado aus oder wann ist eine Paprika schon gematscht, oder welche Äpfel kaufen wir besser nicht. Also das lernen sie nur, all diese Dinge lernen sie nur, wenn du sie mit einbeziehst. Und das ist die Kunst und die Herausforderung, gerade wenn die Kinder älter werden, zu gucken, wie kann ich sie wirklich in alle Themen mit einbeziehen, um ihnen zu zeigen, vorzuleben, guck her, so machen wir das. Und nimm unser Vorbild als Referenz und entwickle daraus dein eigenes. Weil natürlich dürfen die Kinder an jeder Stelle immer über dich hinauswachsen.
Ja, und die Dinge anders machen, ja, und das für sich entscheiden. Ja, okay, das fand ich cool, das mache ich so, das mache ich anders.
Gleichzeitig zum Thema Sexualität zum Beispiel ist es ja auch wieder so, wenn Wir merken ja eigentlich selber, wo die Stellen sind, wo wir vielleicht noch ein bisschen verklemmt sind. Und wenn wir es dann die Karten auf den Tisch legen und offen spielen, sozusagen, dann ist das natürlich auch immer, also für mich zumindest, weiß nicht, ob es für dich auch so ist, der Ansporn, auch die Themen noch mal weiterzuentwickeln. Weil ich will ja nicht was weitergeben, wo ich selber noch der Meinung bin, oh, das würde aber noch ein bisschen besser gehen. Na, also die Blöße will ich mir dann irgendwie auch nicht geben, sozusagen. Und dadurch gehen wir dann immer auch wieder noch einen Schritt weiter und einen Schritt weiter und einen Schritt weiter. Und da ist einfach, ist einfach nur großartig, ja, wenn man die Kinder da als Einladung sieht, sich selbst weiterzuentwickeln. Von dem her, auf ein fröhliches Rumgeknutsche vor euren Kindern. Wir wünschen euch einen wunderschönen Tag, eine wunderschöne Woche und freuen uns über eure Gedanken zu dieser Folge. Alles Liebe, tschüss!
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