Das grösste Missverständnis in Bezug auf Lernen - Podcast 117

In dieser Podcast‑Folge diskutieren die Gastgeber (SPEAKER A und Bernd) das zentrale Missverständnis beim Lernen: Viele verwechseln die Fähigkeit, etwas bereits zu können, mit dem eigentlichen Lernprozess, der vom Erkennen der eigenen Unfähigkeit bis zum Erreichen der Kompetenz führt. Sie zeigen, dass Kinder von Geburt an ununterbrochen lernen – sowohl offensichtliche Fähigkeiten wie Laufen, Sprechen oder Fahrradfahren als auch unsichtbare soziale und kognitive Kompetenzen. Erwachsene hingegen neigen dazu, neue Lerngelegenheiten zu vermeiden, weil sie sich mit ihrer Unfähigkeit konfrontiert fühlen. Die Hosts betonen, dass Eltern die Lernprozesse ihrer Kinder wertschätzen und aktiv reflektieren sollten, indem sie Fragen stellen wie „Was haben wir dieses Jahr geübt?“ und sich selbst fragen, ob sie selbst noch Neues lernen. Durch persönliche Anekdoten (Spinning, Yoga, Golf, Badminton) illustrieren sie, wie das Erkennen von Unfähigkeit und das konsequente Dranbleiben den Lernprozess ausmachen. Abschließend wird ein 21‑Tage‑Programm vorgestellt, das Eltern dabei unterstützen soll, ihre Kinder zu selbstbewussten Lernern zu machen.
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Sich dem auszuliefern, dass man etwas noch nicht kann. Und das, da kommen wir jetzt dahin, was das größte Missverständnis zum Thema Lernen ist. Hallihallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst. Schön, dass du wieder eingeschaltet hast, dass du hier bist und dass du von uns unsere Meinung hören willst zum Thema: Was ist das größte Missverständnis beim Lernen? Genau, und mit dieser Folge spannen wir dich ein bisschen auf die Folter.
Genau.
Weil wir werden natürlich dir erzählen, was aus unserer Sicht das größte Missverständnis beim Lernen ist.
Und sogar wie du es dann vermeiden kannst.
Ja, aber nicht gleich. Es dauert vielleicht noch ein paar Minuten. Also viel Spaß beim Zuhören und lass uns mal gemeinsam dem Thema Lernen annähern. Und der erste Punkt ist einfach mal zu sehen und auch für dich das mal wahrzunehmen und mal sozusagen die Taschenlampe darauf zu richten und zu sagen, wo überall lernt eigentlich mein Kind die ganze Zeit, die ganze Zeit, die ganze Zeit was Neues und wird die ganze Zeit in Dingen, verbessert sich darin, oder wie auch immer man das bezeichnen möchte.
Ja, genau, bin schon jetzt über das Wort selber verbessern gerade gestolpert, weil die Bewertung da eigentlich schon wieder drin steckt.
Aber gut, also wo lernt dein Kind eigentlich die ganze Zeit Weil, ne, sind ja total viele Kleinigkeiten, die du schon als unbewusste Kompetenz entwickelt hast, also die du automatisiert kannst, die ein Kind halt ständig lernt.
Eigentlich ist die gesamte Kindheit ja, besteht hauptsächlich aus Lernen. Ja, ich meine, die, die Werden geboren, dann lernen sie, dass sie jetzt auf einmal Bescheid sagen müssen, wenn sie Hunger haben. Ja, die lernen das Gefühl kennen, Hunger oder Durst. Dann lernen sie laufen. Ich lasse jetzt Personen ausprobieren, krabbeln, laufen, was auch immer. Ja, das ist ein— es ist eigentlich Wahnsinn, wenn man sich, wenn man sich überlegt, es ist immens, was die dafür eine, für einen, eine Lernkapazität die ganze Zeit jeden Tag aufbringen.
Wusste mal, wie schnell das Gehirn wächst, wie viel Gehirnzellen sich am Tag neu bilden bei einem Kind? Ich muss ehrlich gestehen, ich habe es vergessen. Und am Anfang sind es eben viel auch diese Skills, die du im Außen so siehst, wie Laufen, wie Sprechen, wie Fahrradfahren, Hüpfen, Fußball spielen, whatever. Aber dann gibt es ja auch die ganze Palette der nicht so sichtbaren Skills, ja, dass ich zum Beispiel lerne, andere ausreden zu lassen, dass ich lerne, mein Bedürfnis zu äußern, dass ich dass ich lerne, die Bedürfnisse der anderen wahrzunehmen, dass ich lerne, mich einzubringen, dass ich lerne zu kooperieren, dass ich lerne, Dinge, die ich schon gelernt habe, miteinander zu verknüpfen, dass ich lerne, mich alleine zu beschäftigen, dass ich lerne, mich zu trauen, meinen Freund anzurufen. Es sind ja 100.000 Dinge jeden Tag, wo das Kind immer wieder vor der Herausforderung steht, sich was Neues trauen zu müssen. Und dann ja auch als Teenager geht es ja weiter. Da muss ich lernen, mit meinem veränderten Körper klarzukommen. Ich darf lernen, mit dem anderen Geschlecht. Ich darf mit meiner aufkommenden Lust klarkommen. Ich darf überlegen, wählen, entscheiden, womit ich mich gerne beschäftigen möchte, was vielleicht auch mal später mein Beruf wird und so weiter. Also da lernen unsere Kinder während ihrer Kindheit und Jugend Die lernen einfach die ganze Zeit.
Und wir haben jetzt ja noch nicht die Sachen angesprochen, die sie ja dann noch lernen müssen, wenn sie in der Schule sind. Das kommt ja auch noch dazu.
Genau, also das sind ja nur die Dinge, die quasi halt so mitlaufen eigentlich die ganze Zeit. Und die erste Einladung in diesem Podcast ist einfach, dass du mal deinen Blick darauf richtest, wertzuschätzen und Hochachtung vor deinen Kids zu entwickeln, was die eigentlich die ganze Zeit leisten. Und so leicht passiert uns das, dass wir nur sehen, was nicht funktioniert, anstatt mal hinzugucken, was eigentlich alles funktioniert. Also nur weil das Kind vielleicht die Englischvokabeln nicht lernt oder sein Zimmer nicht aufräumt, ja, aber wenn es ums Lernen gerade geht, ja, stimmt natürlich auch. Also Nur weil das Kind vielleicht gerade nicht lernt, sein Zimmer aufzuräumen, oder nicht lernt, die Englischvokabeln zu lernen, heißt es mitnichten, dass es faul ist. Das heißt mitnichten, dass es nichts lernt. Das heißt einfach nur, dass es gerade die Dinge, die du für wichtig erachtest, vielleicht nicht lernt. So, und deshalb einfach mal die Einladung zu sagen, okay, ich entwickle da eine neue Hochachtung vor den Leistungen meiner Kinder.
Und sag ihnen das auch.
Natürlich.
Sag, wow, was du jetzt vielleicht auch immer mal so zwischen den Jahren oder so, wenn es jetzt, oder natürlich in jedem Moment, aber manchmal ist man ja so in Ferien oder in Urlaub oder eben auch vor Silvester oder so noch mal so in so einer Stimmung, darüber zu sprechen und sagen, boah, was du dieses Jahr, hast du das gelernt? Du kannst jetzt, das ist dir schon aufgefallen, dass du jetzt in der Lage bist, mir immer zu sagen, wenn ich Wenn du dich angemeckert fühlst, zum Beispiel solche Dinge auch mal groß zu machen.
Ja, auch zu sagen, worin sind wir, was haben wir geübt dieses Jahr und wo sind wir besser geworden? Das führt schon so ein bisschen zur Auflösung hin. Also nimm dir die Fragen unbedingt mit. Was haben wir dieses Jahr geübt? Was haben wir trainiert und wo sind wir besser geworden? Und ich meine jetzt das Wir natürlich nicht im pluralisierenden Gespräch mit dem Kind, also weil manche Eltern sagen, ja, wir müssen Wir müssen jetzt noch die Hausaufgaben machen, obwohl ja nur das Kind die Hausaufgaben machen kann, soll, muss. Also dieses Wir ist nicht gemeint, sondern da, das ist quasi dieses Wo. Was haben wir dieses Jahr trainiert? Worin sind wir besser geworden? Was haben wir gelernt? Ist quasi die Überleitung zu dem zweiten Aspekt, über den wir gerne sprechen wollen. Weil wenn du mal wieder anfängst, Hochachtung vor deinem Kind und seinen Lernprozessen dir zu verdeutlichen, dann darfst du nämlich als Nächstes die Frage stellen: Wie mache ich das eigentlich? Bin ich eine Person, die ständig was Neues lernt?
Und sogar mit Absicht vielleicht?
Oder bin ich eigentlich erwachsen und ein bisschen— also geht es mir so wie vielen Erwachsenen und bin ich eigentlich ein bisschen bequem geworden?
Und ganz froh mit dem, was ich schon kann, und setze halt das ein.
Genau, weil jetzt nur mal, ne, vergleicht es noch mal mit Kindern. Was, und jetzt da musst ein bisschen, also was musst, musst überhaupt nichts, aber da wollen wir dich einladen, dass du davon deinen Kindern mal ausgehst, weil das ist tatsächlich in jedem Lebensalter ja ein bisschen unterschiedlich. Aber wenn man mal davon ausgehen, ein Kind ist vielleicht gerade 5, und dann mal zu gucken, was lernt es denn eigentlich den ganzen Tag, ne? Es wird besser beim Fußballspielen, es wird besser beim Spülmaschine einräumen, es wird besser beim mit Besteck essen, es wird besser beim sich selber Anziehen, ne. Auf einmal funktionieren auch die Schnürsenkel richtig gut, auf einmal klappt auch der Reißverschluss, der immer mal klemmt, ne. So, also es geht immer schneller, es wird immer, es wird immer, ne. Das Kind kriegt ein besseres, lernt ein besseres Verständnis für Zeit, kann sich seine Zeit besser einteilen, kann besser sein Spielzeug teilen, kriegt besser mit, wie es seinem Geschwisterkind gerade geht und so weiter. Einfach mal zu gucken, wenn du mal wirklich mit einem wachen Blick da drauf guckst. Wie viel lernt dieses Kind den ganzen Tag? Und dann richtest du den Blick auf dich, mal ganz ehrlich, und überprüfst, wie oft, was alles an diesem Tag machst du eigentlich so wie immer, oder machst du nicht, und lässt du, oder umgehst du, oder steuerst du irgendwie drumrum? Damit du dich nicht damit auseinandersetzen musst, dass du was nicht kannst. Und da darf man ein bisschen eine Pause machen. Deshalb sind wir auch gerade so langsam, um dir ein bisschen die Möglichkeit zu geben, zu denken, zu fühlen. Weil im Gegensatz dazu, dass ein Kind zum Beispiel gerade noch lernt, wie man eine Spülmaschine einräumt, kannst du das Im Gegensatz dazu, dass dein Kind vielleicht gerade noch lernt, wie man was auffegt: Kannst du das schon? Im Gegensatz dazu, dass dein Kind gerade lernt, Schnürsenkel zu binden: Kannst du das schon? Und so weiter und so weiter. Und da einfach auch noch mal die eigenen Erwartungen abzuklären, zu sehen: Okay, so oft erwarte ich eigentlich vom Kind, dass es was Neues lernt, dass es bereit ist, ist, was Neues zu lernen, und ich selber mache es vielleicht gar nicht.
Ja, wie oft geht es dir eigentlich so, dass du sagst, ja, das muss ich jetzt nicht mehr lernen, das braucht, geht auch ohne, geht auch ohne, ne?
Ich zum Beispiel habe gerade so ein, also ich muss mal anders dazu sagen, ne, also der Bernd und ich haben da vor ein paar Wochen schon mal so drüber Die sind da so drüber gestolpert, haben so überlegt, okay, eigentlich könnten wir noch ein bisschen mehr neue Dinge lernen und machen das auch und sind da einfach sehr wach gerade damit. Also, und das war das, was ich von mir erzählen wollte, weil ich zum Beispiel, ich war früher, habe früher mal so Spinning gemacht. Das ist dieses im Fitnessstudio, dieses Fahrradfahren mit Musik und Geschwindigkeit und so, kennst du bestimmt. Und das Das hat mir früher total Spaß gemacht, aber ich habe das jetzt bestimmt 15 Jahre nicht gemacht. Und ich habe so eine Stimme in mir, die sagt, die will mir erzählen, dass ich dafür nicht sportlich genug bin. Und dann mache ich eine Vermeidungsstrategie. Also ich gehe halt zum Yoga und ich mache Pilates und bisschen Geräte und so, ist ja auch gut. Und dann erzähle ich mir noch, na, ich gehe sowieso ständig überall zum neuen Yoga, weil immer wenn wir woanders sind, muss ich ja wieder neues Studio finden und so und neue Lehrer finden. Dann erzähle denke ich mir noch, ja, ich mache jetzt schon wieder beim neuen Lehrer Yoga. Also so viel Neues braucht er jetzt auch wieder nicht. Aber genau genommen hätte ich halt total Lust, das zu können. Also werde ich halt jetzt übermorgen dahin gehen und das einfach machen. Und da, und da einmal sagen, okay, wo und wann setzt du dich dem aus, dass du neue Dinge angehst, neue Dinge lernst.
Ja, und nimmst dabei ja immer auch das Gefühl in Kauf, das, was ja das, warum wir ja es vermeiden, ist dann zu sagen, okay, ich gehe dahin und habe— ich kann es nicht, ich kann das nicht, ich bin der Anfänger, ja, ich gehe dahin zu einem, in eine Stunde zu einem Trainer, zu was auch immer, Und das kann passieren, ich stelle mich an wie jemand, der das halt noch nie gemacht hat, und muss noch nicht mal der sein, der das gleich am Anfang voll checkt, sondern es kann so richtig ein bisschen komisch sein.
Also der Bernd zum Beispiel hat jetzt vor eineinhalb Wochen oder so angefangen, Golf zu spielen, und geht jetzt jeden Tag da Bälle Also ich bin noch am Golf üben, ich bin halt da und schieße die Bälle auf die Wiese.
Aber ich habe diese erste Stunde genommen und da kenne ich auch beim Hinfahren so, und da schon so die Tage vorher, ja, denke ich dann so, naja, der Coach da, und dann stehe ich da und habe sowas noch nie gemacht. Ich habe noch nicht mal irgendwie Tennis gespielt in meinem Leben oder so, höchstens mal Tischtennis in meinem ganzen Leben, 4 Stunden lang oder so.
Also das 2 Stunden Tennis mit mir.
Ja, stimmt, wir haben auch mal 2 Tennisstunden gehabt, aber es war nicht so.
Also Profis sind wir da nicht geworden.
Mehr mit Schlägersportarten, also keine Ahnung. Ja, jetzt komme ich da hier in Australien, wo die 5-Jährigen stehen an der Driving Range und schlagen richtig gut, und ich mache da meine Anfängerstunde. So dieses Gefühl einfach auch mal wieder zu erleben, ist großartig, weil man dann wieder eine ganz neue Hochachtung bekommt vor den Kids. Und ich meine jetzt auch unsere schon jugendlichen Kids, ja, zu sagen, okay, wow, ne. Und das haben die mit Alltagsdingen irgendwie jeden Tag, also auch noch die Jugendlichen, ja, immer noch die ständig ja gucken müssen, wie gestalte ich jetzt mein Leben, wer bin ich, was habe ich für eine Identität und so. Das ist ja im Endeffekt immer genau die gleiche Situation.
Genau, sich dem auszuliefern, dass man etwas noch nicht kann. Und das, da kommen wir jetzt dahin, was das größte Missverständnis zum Thema Lernen ist. Und zwar, vielleicht kennst du das auch, dass es in deiner Klasse früher, als du Schüler warst, Schülerin warst, dass es die Kinder gab, denen gefühlt immer alles zugeflogen ist. Die immer alles sofort gekonnt haben. Und von denen hat man dann gesagt, die sind gescheit, die lernen voll leicht, und die waren so der Maßstab. Das ist ja auch für den Lehrer voll angenehm, wenn er da so Schüler sitzen hat, die sofort kapieren, um was es geht.
Weil die arbeiten natürlich mit auf einem Niveau, das für ihn dann auch vielleicht mehr Spaß macht, je nachdem.
Ja, oder halt auch, dass der Lehrer das Gefühl hat, oh, die Habe ich gut erklärt, die haben es verstanden, habe ich es wem beigebracht und so. Dabei ist genau genommen, und jetzt kommen wir eben zum größten Missverständnis, etwas sofort, also etwas Neues zu erfahren und das sofort zu können, das ist vielleicht Talent, das ist Glück, was auch immer, aber es ist nicht Lernen.
Nein, das ist ja Können, das ist nicht Lernen.
Lernen bedeutet, ich stehe an dem Punkt, wo ich weiß, dass ich etwas nicht kann, und ich gehe den Weg und durchlaufe den Prozess, bis ich etwas dann kann. Und das ist der Prozess des Lernens. Das ist kein Schnipp-Schnapp und ich bin am Ziel, sondern das ist genau dieses sich dem Aussetzen, dass ich mir klar mache, ich kann das nicht. Und erst wenn ich zum Beispiel jetzt zum Spinning gehe und merke, weil keine Ahnung, angenommen, ich merke nach 10 Minuten, ich habe einfach einen Puls von 720 und ich ich kriege überhaupt— ich kann nicht mehr. In dem Moment würde ja meine Befürchtung eintreten, dass ich es nicht kann. Und das ist eigentlich der Punkt, von dem aus dann Lernen losgeht. Weil jetzt kann ich sagen, okay, ich weiß, ich kann es nicht, und jetzt gehe ich den Weg, bis ich es kann. Ich gehe da ja nicht hin— also wenn ich anders— muss ich sagen, wenn ich dahin gehe, um mir zu beweisen, dass ich doch nicht so schlecht bin, wie ich dachte, dann gehe ich da nicht hin, um das zu lernen. Dann gehe ich dahin, um mir was zu beweisen. Aber wenn ich das mache, um etwas zu lernen, dann gehe ich dahin, um von dem Punkt, wo ich es nicht kann, an den Punkt zu kommen, an dem ich es kann.
Wenn du es schon kannst, dann ist es für dich zu leicht. Oder es ist halt nicht ein Bereich, in dem du Lernen erfahren kannst.
Ja, oder zumindest, also das ist total cool, dass du das gerade sagst, weil ich wollte eben auch gerade nämlich sagen, wenn du merkst, du kannst was nicht und du gehst bis zu dem Punkt, wo du es kannst, da hast du ja schon definiert, was bedeutet können. Und das ist immer dann in Abhängigkeit zu dem, wie du es beigebracht kriegst, also was derjenige dir geben kann, halt wichtig. Weil wenn du jetzt bei einem Lauftrainer oder bei einem Golf— bleiben wir mal beim Golf— wenn du jetzt bei einem Hobby-Golf-Coach bist, der halt so mittelgutes Handicap hat und du lernst halt von dem, dann wirst du— wird der dir halt zeigen können, wie du bis zu einem bestimmten Punkt kommst. Aber wenn du jetzt, angenommen, du würdest jetzt Profisportler werden wollen, dann müsstest du halt dann irgendwann auch jemand anderen als Trainer haben, der dich halt weiter herausfordert, damit du halt wieder diesen Schritt von hier stehe ich gerade, ich bin zwar, ich bin vielleicht schon ganz gut, und da gibt es noch ein Zenit weiter, den nächsten Hügel, wo ich hingehen kann sozusagen. Und jetzt brauche ich halt jemand, der mir hilft, den nächsten Berg zu erklimmen sozusagen.
Keine Ahnung. Da brauchst du aber dann eben was, wenn es um so lange Zeiträume geht, dann begeistert dich diese Sache ja auch extrem, dass du überhaupt so weit gehst. Manchmal kann es auch sein, was man mit der Zeit nämlich bekommen kann, ist schon den Spaß auch an immer wieder was Neues zu lernen. Und jetzt in unserem Alter darf man dann auch sagen, okay, ich kann jetzt Golf, sodass ich da zum Spaß mal ein bisschen über den Golfplatz rödeln kann. Aber jetzt da noch, weil es gibt ja dann so einen Punkt, da müsstest du dann 3, 4 Stunden am Tag dafür trainieren und so. Okay, so diese Höhen, ich will ja nicht mehr in irgendwelchen Meisterschaften mitspielen. Dann kann man wieder was anderes Neues lernen und sich bei dem halt gemächlich verbessern. Ja, das ist ja dann, das ist nicht verkehrt, bzw. es ist sogar gut, eben immer wieder an dem Punkt, entweder in einer Sache oder eben in verschiedenen Sachen, immer wieder mal an diesen Punkt zu kommen. Okay, das ist für mich jetzt völlig neu. Ja.
Genau, und um zu verstehen, lernen bedeutet nicht, ich erfahre von etwas, was ich noch nicht kann. Also so, das Kind, das sich aufs Fahrrad setzt und losfährt, das hat nicht Fahrradfahren gelernt, das kann Fahrradfahren. Und es kann sein, dass das daherkommt, dass es schon Laufrad gefahren ist oder was auch immer. Nur so, da kann ich natürlich, kann ich das Kind dafür feiern, wie cool das ist, dass es jetzt Fahrradfahren kann, und dass ich mich für das Kind freue und und dass ich mich freue, dass wir jetzt zusammen Radtouren machen können und so weiter. Also, das geht überhaupt nicht darum, das nicht zu würdigen. Nur verwechsle das nicht mit Lernen und formuliere das auch nicht so. Weil wenn du deinem Kind, das sich aufs Fahrrad setzt und losfährt, sagst: Boah, jetzt hast du aber schnell Fahrradfahren gelernt, dann kriegt das Kind mit der Zeit die Assoziation, das wäre Lernen gewesen.
Ja, und schaut, mit dem Fehler, das ist zum Beispiel bei mir passiert. Ich war als Kind, einige wissen es ja, ich war Musiker, früher sogar als Beruf, und ich war als Kind halt einfach, man hat gesagt, der hat Musik im Blut, der hat Rhythmus im Blut, der hat Musik im Blut. Und es war so, mir haben Instrumente so leicht gefallen, ja, die Blockflöte. Ich meine, ich fand das bisschen blöd, dass man sich das merken musste, aber wenn ich einfach meine Finger drauflegen durfte und spiele, gespielt habe, bevor ich es gelernt habe, sind schon Melodien rausgekommen, wo alle gesagt haben, oh, oh, oh, so toll. Und dann habe ich dafür so viel Lob bekommen. Dann habe ich Klavier gespielt, war auch relativ easy. Ich bin natürlich nicht besonders virtuos geworden, genau deswegen, weil ich immer gehört habe, das klingt so toll, ich kann das so gut und so weiter. Dann habe ich gesungen, das hat auch immer gepasst, das hat auch allen gefallen. Und ich habe viel zu viel Bestätigung, es war viel zu leicht am Anfang, ja, ja, es war viel zu leicht am Anfang, als dass ich dann noch weitergegangen wäre.
Ja, und dir ist halt nicht beigebracht, also keiner hat dir gezeigt, wie Lernen geht. Dass Lernen eben bedeutet, zu bemerken, dass ich was nicht kann, und den Prozess zu gehen, bis ich es kann.
Und sogar den Prozess zu mögen.
Genau, also ich habe einmal die Erfahrung gemacht, allerdings habe ich das nicht mit so positiven Gefühlen abgespeichert. Ich habe mal Badminton gespielt auf auch irgendwann dann auf Leistungsniveau und so. Und es gab einen Schlag, den konnte ich nicht. Das hat meine Schulter— ich habe den Bewegungsablauf nicht geschafft. Ich habe den Ball an der falschen Stelle getroffen. Die anderen haben den von einer Grundlinie zur nächsten Linie, also im Badminton von einer Grundlinie zur anderen gespielt. Und bei mir hat der halt, wenn überhaupt, ist er übers Netz gekommen und das hat nie diesen schönen Plopp gemacht, dieses Geräusch, das es machen sollte und so. Und ich habe das über Monate, habe ich diesen Schlag geübt, und über Monate habe ich diesen Schlag geübt. Und anstatt, aber anstatt dass die Trainer, die da waren, mich darin bestärkt hätten zu sagen, ja, bleib einfach dran, mach einfach weiter, irgendwann hat dein Körper das verstanden, wie der Ablauf geht, ne, das haben die nicht gemacht, sondern ich habe halt immer wieder gehört, dass ich halt irgendwie, ob mit mir was nicht stimmt, weil ich das halt nicht kann. Ja, so, was halt ein bisschen schwierig war an der Stelle, aber irgendwann hatte ich es irgendwann hatte ich es raus. Ich galt dann halt als super ehrgeizig. Ja, das würde ich auch nicht unbedingt— die Verknüpfung finde ich auch nicht passend, weil das eigentlich— habe ich nur an der Stelle etwas gelernt. Ich bin halt einfach von dem Punkt, wo ich es nicht konnte, an den Punkt gegangen, wo ich es konnte.
Und das ist eine wunderbare Erfahrung. Immer wenn deine Kinder das erfahren dürfen und vielleicht dann mit zunehmendem Alter auch ein Stück bewusst das schon erfahren, dann macht das groß. Es ist nicht das cool, was sofort funktioniert hat, sondern es ist oft eben das für die, so für diese Erfahrung, okay, ich kann was lernen, ich kann sogar was lernen von dem, was irgendwie so quasi überhaupt nicht funktioniert hat, und irgendwann kann ich Einfach nur, weil ich drangeblieben bin, weil ich es durchgezogen habe, weil ich weitergemacht habe. Und die Erfahrung ist halt mehr als Gold wert.
Ja, genau. Und das ist auch eigentlich die wichtigste, das Wichtigste, was du als, also eines der wichtigsten Dinge, die Kinder lernen, ich sag jetzt mal, müssten, sollten, dürften, könnten, setz für dich ein, was dir lieb ist, weil die Fähigkeit, lernen zu lernen zu wissen, wie mache ich das, wenn ich vor einer Herausforderung stehe, wenn ich was können soll, was ich gerade nicht kann? Wie stelle ich das an? Wie mache ich das? Wie komme ich dahin, dass ich das lernen kann? Und an der Stelle mag ich dich einfach einladen, dir mal unser 21-Tage-Programm anzuschauen zum Thema Kinder selbstbewusst und stark machen. Weil da geht es genau auch darum, wie lernen Kinder Dinge, die sie noch nicht können. Wie entwickeln sie Selbstbewusstsein? Indem sie sich Herausforderungen stellen. Schau dir das an, und wenn du da einfach tiefer eintauchen willst, dann melde dich dafür an. Sei da einfach dabei, lerne das, wie das geht. Setz dich damit auseinander, dass du das noch nicht kannst, und lerne es für dich. Und sei dadurch für deine Kinder eine noch bessere Begleitung beim Lernen lernen. Wir verlinken dir das natürlich in den Shownotes und wünschen dir noch einen wundervollen Tag. Alles Liebe, viel Freude beim Ausprobieren, fürs Zuschauen. Bis bald, ciao!
Danke fürs Zusehen. Was ist deine Meinung zu dem Thema? Was willst du uns vielleicht dazu fragen? Was willst du uns dazu sagen? Schreib's hier in die Kommentare. Wir freuen uns drauf, mit dir in Interaktion zu treten. Und wenn dir das Video gefallen hat und du ab sofort nichts mehr verpassen willst von uns, dann klick jetzt auf Abonnieren, hier oder hier, je nachdem wo du es gerade anguckst. Vielen Dank und alles Liebe bis zum nächsten Mal.
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