Das stille Leiden hinter verschlossenen Türen - Podcast 186

In dieser Podcast‑Folge von Uli und Bernd Bott, den Gründern von Gemeckerfrei, wird das oft übersehene, stille Leiden von Eltern thematisiert, das durch einen überhöhten Perfektionsanspruch und den Druck sozialer Medien entsteht. Die beiden erklären, wie das ständige Vergleichen mit idealisierten Instagram‑Bildern Eltern dazu bringt, sich selbst als unzulänglich zu empfinden, was sich schließlich in lauten Ausbrüchen, Gereiztheit und innerer Erschöpfung äußert. Sie betonen, dass ein friedvolles Familienleben nicht durch Perfektion, sondern durch Authentizität, Ehrlichkeit und das Zulassen von eigenen Bedürfnissen erreicht wird. Praktische Hilfen werden vorgestellt: drei zentrale Selbst‑Affirmationen („Ich gebe mein Bestes“, „Es ist okay, dass ich überfordert bin“, „Ich darf lernen, wie es leichter geht“), das Führen eines persönlichen Tagebuchs, das bewusste Teilen von Überforderung mit anderen Eltern ohne in kollektives Jammern zu verfallen, und die Sichtweise, Elternschaft sei ein Lernprozess, bei dem kleine Fortschritte gefeiert werden sollten. Durch das Aufdecken der eigenen inneren „Schatztruhe“ aus unverarbeiteten Kindheitserfahrungen und das aktive Loslassen von altem Ballast sollen Eltern wieder zu sich selbst finden und ein liebevolles, gemeckerfreies Familienleben gestalten.
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Und wenn es noch so zufällig und noch so aus dem echten Leben wirkt— nein, das ist nicht aus dem echten Leben. Aber was kannst du tun? Also einfach um zu sagen, okay, wie kommst du denn dahin, dass du diesen Perfektionsanspruch ein Stückchen loslassen kannst? Hallihallo und herzlich willkommen hier beim Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst. Wir sind Uli und Bernd Bott, wir sind die Gründer von Gemeckerfrei, Eltern von 4 gemeinsamen Kindern und mehrfache Spiegel-Bestseller-Autoren und haben vor allen Dingen schon vielen, vielen tausend Menschen dabei geholfen, ihr liebevolles, gemeckerfreies Familienleben zu kreieren, und freuen uns deshalb, dass du heute hier bist. Weil wir glauben, in der Welt von heute zählt nichts mehr als Frieden zu Hause. Weil Frieden in der Welt beginnt mit Frieden in dir und Frieden zu Hause.
Genau. Und Unfrieden beginnt leider genauso zu Hause oder hat zu Hause so begonnen. Und deswegen sind wir hier. Deswegen machen wir bei Gemeckerfrei und wir beide alles, was wir den ganzen Tag tun, um dich und ganz viele andere damit zu inspirieren und mit auf den Weg zu nehmen.
Ja, dann ja, du heute. Ich könnte da so viel drüber reden, weil das ist schon so ein, das wäre schon ein Thema für sich. Heute soll es um eine Folge gehen, wo wir einfach mal die Taschenlampe anschalten wollen und auf, auf was richten wollen, auf eine, auf einen Fakt, die Tatsache auf einen Aspekt richten sollen— nicht die Tatsache, die Taschenlampe— auf einen Aspekt richten wollen, der oft so verdeckt wird, unter den Teppich gekehrt wird, nicht gezeigt wird, nicht gelebt wird. Und deshalb hat unsere Folge heute folgenden Titel: Das stille Leiden hinter verschlossenen Türen, Klammer auf, das oft zu großen Ausbrüchen führt, Klammer zu. Zu lauten, ja, zu lauten Ausbrüchen führen.
Ja, was meinen wir mit dem stillen Leiden?
Ja, genau, weil ich glaube, oder wir glauben, eine der großen Krankheiten unserer Zeit ist, dass wir einen wahnsinnigen Perfektionsanspruch haben, dass wir das etwas nicht zu können oder vielleicht sogar zu scheitern oder nicht hinzubekommen und seinen eigenen Ansprüchen nicht zu genügen oder eben nur durchzuhalten irgendwie, dass das, dass das kein Raum bekommt, dass wir immer so tun, als wären wir so, ne, so die super perfekten Mamis und Papis die so alles können, am besten noch jeden Tag irgendwelche Dinosaurier aus Möhren schnitzen für die Brotdose oder in einem schönen Wohnen zu Hause wohnen oder sonstige.
Ja, einfach ein totales Instagram-Leben leben. Also so total. Und das ist klar, das ist auch Ist natürlich auch das bisschen das Problem, warum das sicherlich in den letzten 10 oder 20 Jahren noch stärker geworden ist, weil der Vergleich ja viel größer geworden ist. Früher konntest du dich mit deinen Nachbarn vergleichen und mit denen, vielleicht noch mit den Eltern aus der Krabbelgruppe oder aus dem Kindergarten oder aus der Schule, aber der Bereich war relativ eingegrenzt. Heute zeigen irgendwelche, irgendwelche Menschen ein angeblich reelles Leben, das aber glatt gebügelt, perfektioniert ist, auf eine Art harmonisch, friedvoll, von selber laufend ist, ist einfach total unrealistisch. Und das führt natürlich dazu, dass sich alle anderen auf der anderen Seite des Bildschirms dann schlecht finden.
Ja, und da darf man einfach mal einen, einen Aspekt kurz noch beleuchten, bevor wir weiter in unser eigentliches Thema quasi reinhüpfen, oder in das, was wir uns vorher überlegt haben, sozusagen. Du darfst bei diesen ganzen Social-Media-Inhalten, die du so siehst, bedenken, dass sie nur im Internet sein können, weil jemand die Kamera da drauf gehalten hat. Und wenn es noch so zufällig und noch so aus dem echten Leben wirkt. Nein, das ist nicht aus dem echten Leben, weil das hat jemand geplant, genau jetzt das Handy in die Hand zu nehmen. Und aus meinem oder unserem Erleben können wir schon nur sagen, das macht dein Leben ja schon unecht, wenn du ständig überlegst, wo mache ich jetzt eine Story, was mache ich jetzt für ein Video und so weiter, ne. Aber das führt natürlich dazu, dass der Perfektionsdruck oder der Perfektionsanspruch immer noch größer wird. Und wir wollen einfach da mal die Taschenlampe drauf richten. Wie viele Eltern leiden still, weil sie sich die ganze Zeit mit irgendwelchen vermeintlichen Vorbildern oder mit vermeintlichen anderen Eltern, Mamas oder Papas, vergleichen und dabei aus ihrer eigenen Sicht schlecht abschneiden.
Und dann eben der Meinung sind und das noch dazu dann nicht nach außen zeigen wollen, weil ja alle anderen so perfekt sind.
Ja.
Und dann hinter verschlossenen Türen leiden, in sich hinein leiden, was es einfach noch viel viel schlimmer macht.
Und das führt ja irgendwann dazu, dass es aus uns rausbricht. Wir schreien, meckern, schimpfen dann mit unseren Kindern, mit unseren Liebsten. Wir werden zu Hause zu den Furien, von denen niemand glauben würde, dass das in uns steckt, sozusagen, weil wir das so lange in uns reinfressen oder so lange unterdrücken, bis es irgendwann nur noch rausprügelt, sozusagen. Und wir von Gemeckerfrei wollen einfach ja Wege aufzeigen, wie das anders geht. Und ja, es Es gibt Wege, wie du wirklich einen liebevollen, friedvollen Familienalltag leben kannst, aber das hat überhaupt nichts mit Perfektion zu tun, sondern das hat total viel mit Authentizität zu tun, mit Echtheit, mit Verbundenheit mit dir selbst und dass alle Bedürfnisse in so einer Familie einfach da sein dürfen. Und bis man da ist, dass das dieses Ergebnis hat sozusagen, das ist einfach eine Reise, das ist ein Weg, das haben wir auch gelernt über Jahre. Die Leute, die es bei uns lernen, sind schneller damit, weil wir es ja schon, weil wir es ja erst noch nicht haben.
Wir schon gemacht.
Ja, die Fehler haben wir schon gemacht. Wir mussten es ja erst entwickeln, sozusagen. Von dem her hast du es auf jeden Fall viel, viel leichter. Aber wir wollen dir einfach mal zurufen: Wenn es nicht perfekt ist, ist es vollkommen normal. Wir Menschen sind nicht perfekt. Eltern sein ist manchmal einfach fucking schwer.
Ja, und man kommt immer wieder an den Punkt, wo man nicht weiß, wie es geht, nicht weiß, was man gerade tun soll.
Ja, und wo du einfach, na, wo du total überfordert bist und wo du dich auf eine Art und Weise verhältst, wie du dich vielleicht nie verhalten wolltest. Und das hat nichts damit zu tun, dass du deine Kinder nicht liebst, ganz im Gegenteil. Das ist halt so eine Gemengelage, also das, was Elternsein so wahnsinnig anspruchsvoll und vielleicht auch anstrengend macht, ist einfach diese Gemengelage, aus der es entsteht. Weil auf der einen Seite glauben wir ja bis heute noch, und das lesen wir zum Beispiel unter unseren Anzeigen immer total oft, dass man doch nur auf sein Bauchgefühl hören müsste und dass man das auch nicht lernen bräuchte.
Wie Eltern.
Aber ich meine, wie soll denn bitte schön, wie sollst du denn instinktiv eine eine gute Mama oder ein guter Papa sein, wenn du schon selber nicht die Eltern hattest, von denen du heute sagen würdest, die haben nach heutigen Gesichtspunkten und dem, was Kinder heute brauchen, alles richtig gemacht, ne? Also ich kenne keine Eltern, die alles richtig machen.
Und insofern, ja, wir haben den Instinkt, unsere, unsere Familien zu beschützen und so weiter, das schon, das Das ist aber, mehr ist da nicht. Und 90% unseres Instinkts kommt aus einer Zeit, wo der ganz cool war. Nur heute ist er eigentlich so, dass er uns ja genau entgegenwirkt, dem, unserem Leben. Und das, da haben wir auch schon viel drüber gesprochen, müssen jetzt nicht weiter ausführen, sonst schweifen wieder, ja, ich schweife ja gerne ab, aber ich mache es jetzt extra nicht. Und deswegen ist es halt so, dass du das für dich schon erkennen darfst, okay, das habe ich halt nicht gelernt, ja, ich weiß halt nicht, wie es geht, ja. Und selbst wenn du schon bisschen was gelernt hast, kommen immer wieder Situationen, wo du sagst, okay, weiß ich jetzt trotzdem nicht, wie es geht, oder ich muss erstmal drüber nachfühlen, oder ich merke, da kommt eine spontane Reaktion, die ist eigentlich nicht die, die ich zeigen will, und es geht nicht anders, und dann ich muss aber reagieren, oder ich glaube, ich muss reagieren, und so weiter und so Sofort wird immer wieder was entstehen, wo es dir, wo du überfordert bist, wo du nicht die perfekte Lösung am Start hast sofort.
Und selbst wenn du sagst, ich habe schon eine Menge gelernt und schon viel gemacht, dann darfst du auch trotzdem so ehrlich zu dir sein und zu sagen, okay, Feedback von außen ist halt einfach eine coole Sache, weil wenn dein Familienleben halt noch nicht die meiste Zeit so cool ist, wie du es gerne hättest, dann darfst du halt einfach noch weiter üben, weiter lernen, weiter trainieren. Das ist, wenn du eine Sprache lernst, ist ja nicht anders. Wenn du kannst so viele Volkshochschulkurse oder App-Kurse gemacht haben, wie du willst, wenn du dann in das Land reist und du merkst einfach, du verstehst kein Wort oder du kannst dich nicht ausdrücken oder beides, dann ist das, was du halt schon gelernt hast, halt noch nicht so effektiv gewesen, dass es dich dabei unterstützt. Die, also das, dann hast du halt noch nicht die Fähigkeit erworben, die du brauchst, um in der Sprache sicher zu sein. Und genauso ist beim Elternsein. Na, und das ist das eine, warum Elternsein schwierig ist. Und das Zweite, was dazu kommt, ist eben, dass wir alle halt Menschen sind und dass wir alle Erfahrungen machen in jeder Minute unseres Lebens. Und es gibt gibt einfach Erfahrungen, die sind fluffig, leicht und schön, und es gibt Erfahrungen, die pieksen, die schmerzen, die tun weh, die sind alles andere als fluffig, leicht und schön. Und es gab eben auch in deiner Vergangenheit Situationen, in denen du Erfahrungen gemacht hast, die waren eben nicht schön, und mit denen konntest du nicht umgehen. Und deshalb konntest du die in dem Moment nicht bewältigen, nicht bearbeiten, und verarbeiten. Und in der Folge hast du die einfach in dir unterdrückt, dann eingeschlossen in so ein Inneres, in so eine innere, wie so eine Schatztruhe, damit du weiter überleben konntest. Weil als Kind warst du darauf angewiesen, dass du überlebst. Und deshalb haben viele von uns einfach, tragen da alten Ballast mit sich rum, und die Kinder fühlen das. Und dann nehmen die Salz und dann streuen die Salz da rein, weil die sagen, da ist was nicht in Ordnung, das soll noch heilen. Und ich bin dafür da, dass meine Mama oder mein Papa heilen kann.
Und das ist ein Geschenk für dich, ne? Nur das finden wir natürlich nicht immer so.
Ja, das macht halt diese zwei Punkte, dass du nicht weißt, wie es geht, aber den Anspruch hast, du müsstest wissen, wie es geht, und dass du nicht das nicht gelernt hast, wie du damit umgehst, wenn alter Scheiß getriggert wird. Das führt dazu, dass Elternsein mitunter manchmal einfach fucking schwer ist. Und das darfst du dir erstmal einfach eingestehen, dass du nicht weggelaufen bist, dass du immer noch da bist, dass du dich dem jeden Tag wieder stellst, dass du vielleicht abends weinend im Bett liegst und morgens trotzdem wieder aufstehst, oder sogar nachts trotzdem für deine Kinder da bist, dass du vielleicht zwar schon mal kurz den Gedanken gedacht hast, du gibst sie zur Adoption frei, aber es bisher ja nicht gemacht hast. Also das darfst du dir einfach mal anerkennen, dass du dich dem stellst, dass du dran bleibst. Und du hörst ja uns sogar hier zu, weil du es noch anders, besser lernen möchtest, und Dafür wollen wir dich auf jeden Fall feiern und gleichzeitig dich eben einladen: Lass uns doch eingestehen, dass es manchmal schwer ist. Lass uns doch ehrlich sein und mutig sein, unperfekt zu sein. Und das waren auch wir vor 10, 15 Jahren, waren wir lauter, als wir werden wollten, und garstiger, als wir werden wollten. Und das, was uns dazu gebracht hat, dass wir gemeckerfrei finden konnten, dass wir das, und dass wir heute dieses Familienleben leben können, war einfach das Aufgeben keine Option war, dass wir so lange drangeblieben sind, bis es so war, wie wir es haben wollten, und bis heute dranbleiben.
Ja, weil es natürlich ein Weg, der immer weitergeht.
Absolut. Und unsere Kids hatten gerade miteinander auch so eine Situation, wo wir dann einfach gesagt haben, komm, und wie Wie können wir die denn wieder aus der Welt schaffen? Weil das ist einfach einer der wichtigsten Aspekte, dass halt nichts gärt, ne? Weil ich merke halt, wenn die nicht grün miteinander sind, weil sie es gerade sich, ne, am Ende war es nur ein Missverständnis, aber wenn die nicht grün miteinander sind, dann habe ich keine Lust, hier zu sitzen und einen Podcast aufzunehmen, weil mir das, weil das ist nicht mein, das ist nicht das Umfeld, in dem Wir uns wohlfühlen und dann sagen, okay, wie kann man es wieder, was braucht es gerade, wer braucht gerade was. Und wenn man das immer schnell und frühzeitig macht, dann werden halt keine Elefanten daraus. Genau, aber was kannst du tun? Also einfach um zu sagen, okay, wie kommst du denn dahin, dass du diesen Perfektionsanspruch ein Stückchen loslassen kannst. Da haben wir mal 3 Sätze uns für dich überlegt, die du vielleicht für dich benutzen kannst.
Ja, zum Beispiel, den einen Satz ist, dass du dir einfach sagst: Ich gebe mein Bestes. Also wirklich, dass du es auch glaubst, ne? Das ist ja immer das mit diesen Sätzen, ist wie mit Affirmationen. Also es geht nicht darum, jetzt genau den Satz so zu wiederholen, sondern es geht darum, dass du das denken kannst und auch wirklich glauben kannst. Also, ich gebe mein Bestes, und ich gebe mein Bestes, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt, weil es ist ja mein Bestes. Da den Perfektionismus, dass es sich nicht so anfühlt, heißt, nimm den Perfektionismus raus, von dem wir am Anfang gesprochen haben, und sag, ich gebe mein Bestes. Und der zweite Satz ist einfach, es ist okay, dass ich gerade überfordert bin, weil du kannst mit der Überforderung immer nur umgehen, wenn du Wenn du dir erstmal eingestehst, dass es so ist, und sagst: Okay, das ist okay, das ist vollkommen okay. Wenn du noch eine Begründung dazu brauchst, sagst du: Naja, nur aus Überforderung kann Wachstum passieren. Weil Überforderung bedeutet, da ist eine Herausforderung, die du noch nicht sofort meistern kannst, und das heißt, da ist für dich ein Wachstumspunkt. Also es ist okay, dass ich gerade überfordert bin. Und der dritte Satz ist einfach: Ich darf lernen, wie es leichter geht. Ich darf lernen. Also ich erlaube mir auch zu lernen. Das passt ja zu dem zweiten Satz. Deswegen schließt sie auch daran an. Also ich sage, es ist okay, dass ich gerade überfordert bin und ich darf lernen, wie es leichter geht.
Und dieses Ich muss es nicht schon können.
Das ist beim Lernen. Das ist das, was wir in der Schule nicht gelernt haben, leider zu sagen. Lernen heißt, ich kann es jetzt noch nicht. Und Lernen heißt, ich kann es dann morgen vielleicht schon ein bisschen besser als gar nicht. Aber ich bin immer noch nicht perfekt. Ja, und nächsten Tag kann ich es halt wieder ein bisschen besser. Ja, aber immer noch nicht so, wie ich vielleicht gerne hätte. Macht aber nichts, das ist Lernen.
Absolut.
Genau, dann haben wir uns noch— oder?
Ja, genau. Nee, nee, finde ich, hast du ja alles.
Alles noch 3 Sachen, die du so tun kannst, die du so ganz aktiv tun kannst.
Ja, und zwar kannst du erst mal so ein Tagebuch für dich führen. Unsere Teilnehmer posten ihre Perlen bei uns im Mitgliederbereich. Du kannst es für dich machen, dass du sagst, ich habe heute, ich bin heute ruhig geblieben, als mein Kind das dritte Mal geschrien hat, nein, ich soll das, also erst geschrien hat, ich soll das Brot durchschneiden, dann habe ich das Brot durchgeschnitten, dann war es falsch, wie ich es durchgeschnitten habe, dann habe ich ein neues geschmiert, dann hat es sich beschwert, dass ich zu zu wenig Butter drauf gemacht habe. Dann habe ich noch mal neues geschmiert, dann hat es sich beschwert, dass das Brot zu dick ist, whatever, ne. Also so, ich, und dann zu sagen, ich habe das heute ausgehalten, ich bin da ruhig geblieben, ich bin ruhig geblieben, obwohl es was ist, wo ich eigentlich üblicherweise, was ich üblicherweise nicht so gut aushalten kann, oder Ich habe mir heute Zeit genommen, das Buch noch ein drittes Mal vorzulesen.
Oder ich habe auf irgendwas einfach nicht reagiert. Als die Kinder Essen vom Tisch geschmissen haben, habe ich einfach nicht darauf reagiert, sondern einfach weiter gegessen.
Genau.
Habe es einfach ignoriert, positiv ignoriert. So was, was mich sonst, wo ich sonst immer was gesagt habe und hat dazu geführt, dass es noch mehr durch die Gegend geflogen ist. Lauter solche Dinge, so Kleinigkeiten, also winzige Kleinigkeiten.
Bin heute Nacht wieder aufgestanden, als mein Kind geweint hat. Bin ich liegen geblieben und habe mir gedacht, rutscht mir die Buckel runter.
Oder ich bin schon ruhiger geblieben in einer Situation. Ich bin ein bisschen ruhiger geblieben als sonst. Ich merke, ich schaffe es ein bisschen entspannter zu bleiben dabei. Ja, also da wieder das Lernen und die kleinen Schritte sich feiern, weil nur wenn du die feierst und erkennst, kannst du dann weiterlernen, weil sonst sagt dein System Kannst du eh nicht. Flop, bist du wieder zurück bei null.
Ja, und der zweite Punkt, den wir auch so wichtig finden, und ich weiß, dass unsere Teilnehmer da jetzt gleich ganz aufhorchen werden, und ich ordne euch das gleich noch ein, weil der zweite Punkt ist: Sag doch jemand anderem, also einer anderen Mama oder einem anderen Papa, mal ehrlich, wie es geht. Sagt doch auch mal: Mann, heute, also heute war es echt voll kacke, oder es war tierisch anstrengend, oder ich bin gerade voll erschöpft, oder, oder was, wie kann man es noch formulieren? Ich kann heute, ich bin fix und alle. Ja, Sagen, wie es ist. Raus aus der Perfektion, die Maske fallen lassen. Und statt zu sagen, dass es dir gut geht, wenn es gerade nicht so ist, eben auch ehrlich zu sagen: Mir geht's gerade nicht gut, ich finde es gerade voll anstrengend, bin total genervt, ich würde am liebsten meine Kinder verkaufen, ich könnte sie an die Wand klatschen, whatever, ich kann einfach nicht mehr. Und das einfach mal aussprechen und damit jemand anderem auch den Mut machen, auch nicht perfekt sein zu müssen. Ein gutes Beispiel ist immer das mit dem Aufräumen. Wie viele Mütter und Väter glauben, es müsste immer perfekt bei ihnen zu Hause aussehen, und weil sie so den inneren Druck spüren, dass das so sein müsste. Und wenn sie sich dann mal erlauben, dass es aussehen darf wie bei Hempels unterm Bett, weil sie nun mal gerade kleine Kinder haben, und dann kommen andere Leute zu besuchen und sagen, boah, das ist so entlastend, dass es bei euch nicht so geleckt aussieht. Das gibt mir so— ich bin so froh, dass es bei euch so aussieht, wie es bei uns zu Hause auch aussieht, und dass ihr das zeigt. Und so eben auch das emotionale Zeigen.
Und was du ja für die Teilnehmer sagen wolltest, ist, dass du keine Misthaufen-Austauschbörse machen sollst.
Deshalb geht jetzt nicht, also nur zu sagen, boah, heute ist echt anstrengend, oder heute war es echt krass. Und auch vielleicht, wenn du weißt, das ist eine Mama oder ein Papa, die sich sehr unter Druck setzen, oder denen, den, wenn du dem einfach was Gutes tun willst, dann sag halt einfach mal, boah, heute war es echt anstrengend, selbst wenn du es für dich schon wieder gedreht und verändert hast. Es geht uns nicht darum, dass ihr euch trefft und sagt, boah, meine Kinder, und die sind voll blöd, und überhaupt, und der Mann und die Frau, und das ist alles total scheiße, und wieder die, ne. Das sind Misthaufen-Austauschbörsen. Das ist dieses kollektive Jammern, was halt niemandem was nützt. Aber es ist, also im Coaching nennt man das, es ist, sagen wie es ist. Einfach mal sagen, boah, heute war es echt anstrengend, oder heute bin ich so an meine Grenzen gekommen, oder da war ich so unsicher, wie ich da reagieren soll. All diese Sachen machen dich menschlich, und Menschlichkeit schlägt Perfektion. Das ist, um was es am Ende immer geht, dass wir aufhören, perfekt zu sein, und anfangen, menschlich zu sein. Und das ist einfach die Einladung hinter dieser Folge. Weil wir wissen, auch wenn wir dich nicht kennen, dass du die beste Mama oder der beste Papa für deine Kinder bist und dass du jeden Tag dein Bestes gibst und dass das genug ist. Wenn du gleichzeitig diese zwei Dinge, über die wir viel gesprochen haben, mit betrachtest, zu sagen, ich will halt lernen, wie Elternsein geht, und ich bin bereit, meinen eigenen Ballast loszulassen, und ich lerne auch das, dann kannst du einfach das schönste Familienleben gestalten. Und damit sind wir doch am guten Punkt, oder?
Vielen Dank dir fürs Zuschauen und Zuhören.
Bis ganz bald, alles Liebe, tschüss!
More from Uli

Wieso du machmal dein Kind an die Wand klatschen könntest (obwohl du es liebst)









