Der Klügere gibt nach - Podcast 040

In dieser 40. Folge des Eltern‑Podcasts „Gemeckerfrei“ diskutieren Uli und Bernd Bott das Prinzip „Der Klügere gibt nach“ als Erziehungsstrategie. Sie zeigen anhand persönlicher Anekdoten (z. B. ein technisches Projekt, das zu Stress führte) und alltäglicher Familiensituationen (Hausaufgaben, Eis‑Wünsche) wie das bewusste Nachgeben – meist durch das simple Eingeständnis „Ja, du hast recht“ – Konflikte entschärft, Machtkämpfe vermeidet und das Kind in seiner Selbst‑Regulation stärkt. Der Podcast verknüpft das Prinzip mit kulturellen Beispielen, insbesondere den Inuit‑Erziehungsmustern, die Streit mit Kindern als sinnlos ansehen und stattdessen auf liebevolle Klarheit und Vertrauen setzen. Sie betonen, dass Eltern durch das Nicht‑Einstieg‑in‑Kämpfe mehr innere Ruhe gewinnen, Kindern mehr Autonomie ermöglichen und langfristig gesündere, weniger kontrollierende Familienbeziehungen fördern. Praktische Tipps umfassen das Erkennen von Situationen, in denen das Ergebnis nicht lebenswichtig ist, das Nutzen von Validierung statt Widerstand und das flexible Anpassen von Regeln (z. B. bei Süßigkeiten oder Fernsehkonsum), um den Reiz zu reduzieren und das Kind zu eigenständigem Entscheiden zu befähigen.
Chapters
Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch. Wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallo und herzlich willkommen zur nächsten Podcast-Folge.
Ja, und wir haben ein kleines Jubiläum, weil es die 40. Folge ist.
Cool, dass du das weißt. Heute zum Thema: Der Klügere gibt nach. Genau, der Klügere gibt nach.
Wir hatten ja gestern so eine Situation.
Ja, eine, nehmen wir mal als kleines Beispiel. Ja, so eine winzige.
Ja, genau.
Aber vielleicht trotzdem.
Aber ich glaube, es ist ein Beispiel, was ganz gut funktioniert.
Genau. Also wir haben ja ein— vielleicht weißt du das, vielleicht weißt du das nicht. Wir haben gerade ein richtig cooles Projekt am Start, weil wir haben unser eigenes Social Media entwickelt. Also wir haben quasi— jetzt gibt es ein gemeckerfrei Facebook, vollkommen intern und losgelöst von diesem blauen Facebook. Genau. Und da war das halt für unser Technikteam inklusive Bernd halt die letzte Zeit schon ein bisschen Gefrickel, bis das alles dann auch im Praxistest funktioniert. Hat. Und dann hat der Bernd gestern gesagt, und überhaupt, und jetzt müssen wir mehr testen, und das war blöd, und das war blöd, und das war blöd.
Und ich habe so ein bisschen, ich hatte so meine 3 Minuten, sage ich mal.
Ja, also eher 90 Sekunden. Also 3 Minuten wäre jetzt schon übertrieben gewesen. Aber du hast halt irgendwie, es war halt gerade mal, es kam halt auch zu viele Anfragen gleichzeitig und es war halt mal kurz, dass du gedacht hast, boah, jetzt ist mir so viel.
Eigentlich hätte ich mich auch in dem Moment gerade gerne in die Sonne gesetzt.
Ja, genau. Und Was ich dann gemacht habe, ist, ich habe gesagt: Ja, stimmt, du hast recht.
Genau. Sie hat mir immer recht gegeben und recht gegeben und recht gegeben.
Ich habe das auch total ernst gemeint, weil er hat einfach total recht gehabt mit allem, was er gesagt hat. Und gleichzeitig hat er dann anschließend gesagt: Ja, immer wenn ich so drauf bin, gibst du mir recht. Ja, stimmt.
Ich weiß natürlich nicht, ob du jetzt als Zuhörer den Cartoon kennst, wo einer so einen Tibeter einem tibetanischen Mönch, heißt es so, gegenübersitzt und ihn fragt, was sein Geheimrezept sei dafür, dass er immer so glücklich sei. Also fragt der Westler den Mönch und der Mönch sagt: Ich diskutiere nicht mit Idioten. Und dann sagt der Westler: Aber so einfach kann es doch nicht sein. Und dann sagt der Mönch: Ja, du hast recht. Und ich habe in dem Moment, und dann haben wir natürlich einen Witz draus gemacht, mich daran eben ein bisschen Der Inhalt gefühlt.
Ja, genau. Aber es geht uns jetzt heute in der Folge wirklich darum, dass du dieses: Ja, du hast recht. Also das Nachgeben kultivierst, gerade mit deinen Kindern. Weil wie viele unnütze Diskussionen führst du jeden einzelnen Tag mit deinem Kind? Dein Kind sagt zum Beispiel: Ich will jetzt keine Hausaufgaben machen. Hausaufgaben sind kacke. Ich habe da jetzt keine Lust. Und wie oft steigst du dann in den Kampf ein und fängst an und sagst: Aber du musst jetzt und es ist nicht mehr viel Zeit und jetzt mach endlich. Blablabla.
Du kannst ja nicht ohne Hausaufgaben in die Schule gehen.
Ja, whatever. Anstatt dass du in der Situation einfach sagen würdest: Ja, stimmt.
Ja, du hast recht.
Du hast recht, ist echt kacke, jetzt Hausaufgaben zu machen.
Das findest du gerade echt blöd.
Ja, genau. Kann ich voll nachvollziehen. Der Klügere gibt nach. Wenn das Kleinkind dich anschreit, weil es jetzt noch ein 17. Eis essen will und es ist kein 17. Eis mehr da. Oder du willst halt kein 17. Eis mehr rausgeben. Dann halt einfach zu sagen: Ja, du hast recht, ist echt voll blöd, dass es jetzt nicht noch ein Eis gibt. Anstatt dass du kämpfst. Weil was machst du üblicherweise? Sagst du: Hattest doch schon 17 Eis und nein, es gibt jetzt kein Eis mehr und jetzt ist aber auch Schluss und jetzt hör aber auf zu schreien. Und dann schreist du es selber an. Und das hatten wir in der letzten Woche, dass Anschreien halt einfach kritisch ist und deshalb einfach zu sagen: Gib doch einfach nach. Gib doch bei den Dingen, wo es um nichts Lebensbedrohliches geht, gib doch einfach nach. Und wir haben jetzt nicht gesagt: Ja, dann gib ihm halt das 17. Eis, sondern wir haben nur gesagt: Gib ihm halt recht darin, dass er das doof findet. Ja, und hör auf zu kämpfen. Entscheide dich, dass Kampf im Alltag mit Kindern nichts verloren hat, weil Wir sind doch nicht bei der Armee.
Und was halt passiert, auch schon mit dir selber, wenn du dir das als Konzept vornimmst oder das als Konzept umsetzt, ist, dass du überhaupt nicht mehr einsteigst in dem Moment.
Ja, voll.
Und das passt ja wieder zu der letzten Folge. Also falls du die noch nie gehört hast, hör jetzt ruhig zu Ende hier.
Aber die Inuit, die sagen, das ist albern, mit Kindern zu streiten. Ich begebe mich nur auf das Level von einem Kind, aber wann Kind, also nicht, dass Kinder unter den Inuit stehen, also die sind total zärtlich und liebevoll mit den Kindern, gar keine Frage, sondern es geht einfach nur darum zu sagen, Kinder lernen gerade, wie es geht, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Und ich als Erwachsener muss das eigentlich schon können. Und es ist einfach nur albern, wenn ich mich wie ein Kind verhalte, wenn ich mich als Erwachsener wie ein Kind verhalte. Und das ist das, was passiert, wenn du anfängst zu kämpfen. Das Kind versucht mit dir zu kämpfen, hat halt Hat einen Brass, kriegt es nicht anders hin, ist in großer Not womöglich auch. Und wenn du in den Kampf einsteigst, dann bringst du ihm nur bei, dass Kämpfen eine anerkannte, übliche Strategie im zwischenmenschlichen Zusammenleben ist. Das will doch mal keiner.
Nee, was wir einfach brauchen jetzt in unserer westlichen Welt, wo wir das nicht mehr, wir haben das nicht mehr wie die Inuit, dass wir sagen, wir haben noch eine Wir brauchen das einfach neu. Wir müssen das neu wieder erschaffen und als Vorbilder, als Angewohnheit wieder in die Familien bringen, weil nur dann können sie ja deine Kinder weitertragen.
Ja, genau. Also dieses Wissen ist uns eigentlich verloren gegangen. Das ist das, was du damit meinst, dass uns das Wissen verloren gegangen ist, dass Kinder anzuschreien albern ist, dass es mit Kindern zu kämpfen einfach sinnfrei ist, weil es Einfach zu sagen, bin ich halt der Klügere, gebe ich halt nach. Sage ich halt: Ja, du hast recht. Und selbst wenn das dann dazu führt, dass das Kind mal ein 17. Eis isst, ja, dann isst es halt mal ein 17. Eis. Wenn mich das darin bestärkt und unterstützt, entspannt zu bleiben und nachgeben zu können, dann kann ich das ja so machen. Und im nächsten Schritt lerne ich dann liebevolle Klarheit, lerne ich liebevoll Nein und klar Nein zu sagen, ohne dass mir das Kind dann auf der Nase rumtanzt. Kannst und ohne dass ich emotional werde, weil das ist das, was so gefährlich ist, was einfach passiert, wenn ich es persönlich nehme, wenn ich emotional werde, wenn ich in den Kampf einsteige, dann gehören wir beide, das Kind und ich, der Katz. Das ist dann immer nur beziehungsschädlich.
Ja, und Weil du das mit dem Eis gesagt hast, da steckt ja bei vielen so die Angst dahinter. Ja, dann will das das ja immer. Und nein, so sind wir Menschen nicht. Wir sind ja keine Hunde.
Genau.
Also einen Hund trainierst du ja mit Leckerlis, weil er ist halt auch so beschränkt, dass das halt auch funktioniert. Da funktioniert es auch immer nur mit einem. Beim Menschen haben wir auch letztes Mal ja schon erzählt, brauchst du dann immer 2, 3, 4, 5 und so weiter. Aber andersrum ist es halt eben auch so. Dein Kind kann das schon sehr, sehr schnell verstehen, dass es halt mal das 17. Eis gibt und mal überhaupt keins, weil du machst es ja auch so mit dir selbst. Und was weiß ich, du kommst nachts an eine Fußgängerampel, es ist kein Verkehr, du drückst ja da nicht drauf und wartest, bis es grün wird, sondern du gehst über die Straße. Aber untertags, wenn viel Verkehr ist, nutzt du den Drücker natürlich. Ja, und genauso lernen Kinder das auch, dass es einfach nicht immer, nicht jede Situation gleich ist und dass es deswegen du halt mal sagst, ja, es ist okay jetzt, und mal halt eben ist es ist nicht okay.
Ja, und also wir wollen natürlich nicht zu zivilem Ungehorsam hier aufrufen, über rote Ampeln zu gehen.
Die ist ja dann nicht rot.
Und gleichzeitig ist es auch so, das haben wir so erlebt und unsere Teilnehmer berichten das auch regelmäßig, sobald es keine strikte Regel gibt, also im Sinne von es gibt jeden Tag ein Eis oder es gibt jeden Tag ein Fernsehen oder was auch immer, Entspannen sich alle total, weil den einen Tag gibt es dann vielleicht 4 Eis und dann gibt, dann hat das Kind genug Eis und die nächsten 4 Tage will es überhaupt kein Eis essen. Oder von mir aus isst es mal 3 Wochen lang jeden Tag 4 Eis und danach ist aber gut, weil dann gar nicht mehr der Hype entsteht. Wenn du sagst, es gibt jeden Tag eine Fernsehsendung dann oder 30 Minuten oder was auch immer, dann ist das Kind total darauf gehypt, immer diese 30 Minuten zu bekommen und dann ist es womöglich im Superspiel, sitzt im planschbecken, hat Riesenspaß, und da auf einmal fällt ihm ein, oh, heute habe ich noch nicht Fernsehen geguckt, ich will jetzt mein Fernsehen gucken. Ja, also das ist eine total gute Idee, da entspannter zu werden und es nicht fix zu regulieren und einfach darauf zu vertrauen, dass sich das von selber einpegelt auf einem gesunden Level. Und je weniger das Kind darum kämpfen muss, umso leichter ist es. Also da fällt mir auch noch ein Beispiel von mir zu Hause eigentlich ein, weil dadurch, dass wir so knapp gehalten wurden mit Süßigkeiten auch und so, ich hatte immer das Gefühl, ich muss dieses Defizit ausgleichen, ich muss darum kämpfen sozusagen. Und wenn es einfach da ist, verliert es von selber seinen Reiz. Wenn du es einfach nutzen kannst, nehmen kannst, verliert es von selber seinen Reiz. Und da einfach auch wieder zu sagen, der Klügere gibt nach. Bevor ich mich wegen einem Eis oder einer Fernsehsendung mit meinem Kind streite, sage ich einfach: Ja, du hast recht. Nimm wahr, wie perplex das Kind ist und schau, wie sich das verändert in den nächsten Tagen, wenn ich immer wieder sage: Ja, du hast recht.
Weil ja das, egal ob es um Konsum wie Essen oder Fernsehen geht oder eben auch um die Emotionen. Wir wollen ja immer Oder also ich gehe davon aus, aber ich glaube, jeder, der unseren Podcast hört, will das auch. Wir wollen ja immer, dass die Kinder in der Lage sind, es zu regulieren. Ja, also was weiß ich, du bist im Urlaub, es gibt einen Nachtischbuffet mit diesen, jeder, der schon mal in so einem Hotel war, wo es dann so Buffets gibt, der kennt es, wo du sagst, wow, um Gottes Willen, ja, das ist ja Wahnsinn, will man das alles probieren und was weiß ich, ist natürlich viel zu viel und furchtbar süß und alles Mögliche. Und da wünschst du dir doch, dass dein Kind irgendwann hingehen kann, sagen kann, ich nehme heute diese zwei Sachen, das reicht mir, ich habe genug, beißt vielleicht sogar was rein, sagt, das schmeckt mir nicht, das ist mir zu süß oder was auch immer. Weil du auch da ja, es total wichtig ist, dass wir eben lernen, uns zu regulieren oder eben auch den Fernseher oder den Laptop auszumachen, wenn es genug ist. Und das ist genauso mit den Emotionen. Und das lernen Kinder halt auch, wenn sie eben merken, okay, es darf halt sein, es darf mal so sein und mal so sein.
Genau. Und wenn du einfach nicht einsteigst, wenn du einfach sagst, ja, ja, du hast recht, ja, ich gebe einfach nach, weil ich bin der Erwachsene, ich habe mehr Lebenserfahrung, ich, für mich ist es gerade, ich kann damit entspannt sein und ich bin auch voller Vertrauen, dass mein Kind seinen Weg gehen wird. Weil wenn es eine Sache gibt neben dem Kämpfen, die in der westlichen Erziehung Erziehungskultur wirklich fatal schiefläuft aus unserer Sicht, ist es diese ständige Kontrolle und dieses ständige Meinen als Eltern, dass wir als Eltern glauben zu meinen, oder wie auch immer man das sagt, wir müssten unsere Kinder ständig kontrollieren und wir müssten ihr Verhalten und ihr Leben ständig nach den besten Grundsätzen ausrichten. Und lass doch einfach mal dein Kind entscheiden und sag einfach: Ja, du hast recht. Ja, du hast recht, mach einfach. Der Klügere gibt nach, und zwar ohne— weil das ist ja das, was in diesem Satz oft drinsteckt: Der Klügere gibt nach im Sinne von, ich sitze auf dem hohen Thron, ich bin ja klüger etc. pp. Sondern einfach nur zu sagen: Nee, ich habe mehr Lebenserfahrung, ich kann gerade überblicken, dass mir bricht kein Zacken aus der Krone, jetzt einfach nachzugeben. Das Kind sagt, ich will noch spielen. Du sagst, ich will einkaufen fahren. Das Kind sagt, ich will noch spielen und ich will jetzt nicht gehen. Anstatt jetzt jetzt zu kämpfen und zu sagen, wir müssen jetzt aber einkaufen gehen. Meine Güte, fahrt ihr halt eine halbe Stunde später. Und du gibst nach und lässt dein Kind einfach weiterspielen, anstatt von ihm zu erwarten, dass es nachgibt. Weil das ist das, was wir ja in Wahrheit sonst, wenn wir kämpfen, die ganze Zeit wollen, dass das Kind dann nachgibt, Einsicht zeigt. Und da wollen wir, dass das Kind sich erwachsener verhält als wir Verhalten. Das ist doch abstrus.
Absolut.
Genau. Und ich finde, das ist jetzt auch schon wieder so ein cooles, kurze, knackige Podcast-Folge geworden. Ja, du hast recht, der Klügere gibt nach. Viel Spaß beim Ausprobieren.
Alles Liebe.
Genau. Tschüss.
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