Die Kunst des Vergebens - wie du (mit Distanz) Nähe schaffst - Podcast 014

Uli and Bernd Bott explain how couples get stuck in old hurts even when they understand them intellectually. Most conflicts stem from unprocessed childhood wounds, not the current situation. Creating distance between trigger and reaction lets you express regret and rebuild closeness through real forgiveness.
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Hallo hier bei Gemeckerfrei, dem Eltern-Podcast für dein liebevolles, entspanntes und glückliches Familienleben. Setz dich mit uns an den Tisch. Wir, Uli und Bernd Bott, heißen dich herzlich willkommen.
Hallo und herzlich willkommen.
Hi, schön, dich wieder am Lautsprecher sitzen zu haben oder am Kopfhörer.
Heute wollen wir gerne über Beziehung sprechen bzw. darüber. Ist auch lustig, über Beziehung bzw. Also wir wollen darüber sprechen und uns unterhalten, wie das eigentlich ist, dass man sich in der Beziehung verändert bzw. dass man liebevolleren Blick auf den Partner bekommt. Gerade wenn schon viel in der Vergangenheit passiert ist, was einfach wehgetan hat, was einfach Verletzungen hervorgerufen hat. Und da haben wir uns letztens mit einer Freundin unterhalten, die eben genau das gesagt hat, die gesagt hat, das ist, sie will ja so gerne mit ihm glücklich alt werden, und sie versteht ja auch vom Kopf, der Kopf versteht längst ganz viele Sachen, die wir auch so im Coaching erzählen, dass das in mir liegt, wenn ich mich verletzt fühle, zum Beispiel, oder dass er das ja gar nicht absichtlich macht, dass er so wie er ist, und dass sie sich ja verletzt fühlt. Und trotzdem hat sie gesagt, sind da so viele Wunden, die es ihr schwer machen, neu auf ihn zuzugehen und es neu, ja, noch mal wie so einen neuen Anfang zu machen.
Ja, und da kommen wir mal an dieses— ich mag das Wort immer gar nicht ganz ungern aussprechen, weil es so eine Schwere hat, aber es gehört so, es gehört halt da rein, es ist so wichtig, dass Dabei eine Vergebung.
Ja, ja, Vergebung. Wieso ist das eigentlich für dich so schwer?
Ja, ich finde, es ist ein sehr bedeutungsschweres Wort. So aus der Religion und so weiter. Es ist so ein ganz—
Ich finde, dass dir das ja total gut gelingt. Also du kannst ja auch total gut immer wieder sagen, oder es tut mir jetzt leid, oder das bedauere ich. Ja, vielleicht ist es auch ist auch das eigentlich, weiß ich gar nicht, geht es immer um Vergeben oder geht es eigentlich um Bedauern, dass wir es gerade nicht besser hinbekommen haben? Also so machen wir es zumindest.
Ja, Bedauern ist ja das, was ich tun kann von mir. Also Vergebung ist ja genau das, was der andere dann mir gegenüber tut oder ich gegenüber dem anderen natürlich. Das ist ja das, was eigentlich so miteinander korreliert. Und ich glaube schon, dass das eben bei vielen der Punkt ist, wenn sie so sagen, ich wie ja unsere Freundin das auch erzählt hat, ne, das sagt, okay, vom Kopf her weiß sie es schon, aber sie kriegt es halt vom, es geht emotional, von den Emotionen her nicht losgelassen. Und das Loslassen wäre ja der Anfang des Neubeginns.
Genau, des Vergebens und neu in die Zukunft schauen. Jack Kornfield hat mal gesagt, Vergebung heißt, dass man aufhört, sich eine bessere Vergangenheit zu wünschen. Also immer wenn ich so eine Verletzung mit mir rumtrage oder so einen inneren Groll habe, dann hänge ich eigentlich in der Vergangenheit fest und ärgere mich noch nachträglich, dass es damals nicht anders gelaufen ist. Und das ist natürlich ein Teufelskreis, weil da komme ich ja nie raus.
Nee, weil das wird sich ja auch nicht mehr ändern.
Nee, also das Einzige, was du an der Vergangenheit ja verändern kannst, ist die Deutung, die du dieser Vergangenheit gibst.
Genau. Und damit wie viel Steine du noch mit dir rumschleppst von damals. Ja, weil das ist ja, je negativer du diese Bewertung machst, umso schwerer wird die Last, die du mit dir herumträgst.
Und ich glaube gleichzeitig, dass gerade wenn wir in der Beziehung so aneinander knallen und da so Wunden entstehen, dass das gar nicht Die Ursache liegt gar nicht in der Beziehung, sondern ich glaube, die Ursache liegt darin, dass wir uns mit schweren Steinpäckchen beladen begegnen. Also dass wir eigentlich treffen da zwei verletzte innere Kinder aufeinander, und dann pointen wir diese Verletzung auf den Partner, obwohl das eigentlich gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat oder nur wenig. Muss man das konkret machen? Brauchen wir da ein Beispiel?
Ja, ich glaube, es wäre gut. Und ja, ich glaube.
Also wir hatten es ja letztens. Wir hatten ja letztens gerade so ein Beispiel dazu.
Sie muss wieder so ehrlich sein, aber es ist gut. Dafür hört ihr hier ja zu. Ich schwitze jetzt ein bisschen, aber ihr seht mich ja nicht.
Genau. Also es ging irgendwie darum, es ging um unser Haus und es ging irgendwie um Dinge, die man vielleicht besser pflegen könnte oder die man vom Handwerker machen lassen könnte oder wo halt so ein paar Sachen sind, wo mal was, wo was zu tun, so Ecken, die halt jeder kennt, der ein Haus hat, wo man sagt, da sollte ich eigentlich mal dran. Und du warst einfach richtig getriggert davon und hast mich das auch, also hast mir das auch irgendwie, hast mich das auch wissen lassen. Und gleichzeitig sind wir halt ganz schnell an den Punkt gekommen, dass das halt so ein alter Trigger ist, den du noch von deinen Eltern quasi mitgenommen hast.
Und wir haben eigentlich noch nie gemerkt, dass das ein alter Trigger ist, dass es überhaupt nichts mit der Gegenwart zu tun hat und überhaupt nichts mit uns und überhaupt nichts mit dem Haus oder mit sonst irgendwas oder mit dem Garten oder was auch immer.
Man sieht dann auch, also ich meine, du hast ja dann auch Dinge als, also du hast ja da super überdramatisiert, wenn ich das jetzt mal so sagen darf. Also das ist so ein bisschen, und das kennst du bestimmt auch von so, von Situationen, dass wenn das eine Wunde aus der Vergangenheit, wenn da eine Wunde aus der Vergangenheit getriggert wird, dann macht man aus einer Mücke einen Elefanten.
Ja, man sagt ja in so Situationen auch, ich kenne dich gar nicht mehr. Und das stimmt ja auch, weil ich zum Beispiel bin eigentlich überhaupt kein so ein detailverliebter Mensch.
Das stimmt.
Also das ist, ich bin mehr so, im NLP sagt man global. Und aber in so einem Moment, da Kann ich auf einmal Details rausziehen? Das ist ja unglaublich. Also da kenne ich mich ja selbst nicht mehr quasi so jetzt.
Ja, genau.
Und das sind immer, das sind Momente, wo du eigentlich sicher sein kannst, weil das sind so Indikatoren, wo du sicher sein kannst, das hat mit jetzt gerade eigentlich überhaupt nichts zu tun, mit dem anderen nichts zu tun. Also das hatte ja mit dir auch in dem Moment gar nichts zu tun, sondern eigentlich nur mit mir und irgendwelchem alten SCH***. Ja, genau.
Und trotzdem, wenn du dann so sagst, ja, nur weil du das willst, machen wir das so und so, dann darf ich auch aufpassen. Und das ist mir jetzt bei diesem Mal zum Beispiel auch passiert, dass ich eben kurz verletzt war. Also, und zwar noch nicht mal direkt in der Situation, sondern eigentlich ist erst am nächsten Tag hochgekommen, dass es mich verletzt hat. Weil in der Situation habe ich mir gedacht, na ja gut, jetzt hat er seine dollen 23 Sekunden und gleich ist es wieder gut, sozusagen. Also ich bin nicht drauf eingestiegen, aber ich habe dann am nächsten Tag gemerkt, es hat mich schon irgendwie verletzt. Und gleichzeitig ist auch dieses verletzt reagieren ist ein Muster, das ich von zu Hause übernommen habe. Ja, das war meine Mama, die halt das mir immer wieder vorgelebt hat, dass ich da übernommen habe. Und sich einfach klarzumachen, dass was was da zwischen uns dann passiert, wenn es nicht rund läuft, es hat überhaupt nichts mit uns heute zu tun. Das hat einfach nichts mit uns heute zu tun, sondern das ist einfach nur alter Ballast. Und dann in dem Moment einfach zu sagen: Ach so, kann ich vielleicht mein inneres Kind mal auf den Schoß nehmen? Kann ich einfach mich davon dissoziieren, also Distanz reinbringen, zu sagen: Okay, das hat ja gar nichts, das hat ja gar nichts damit zu tun, wie der Bernd jetzt reagiert. Das ist ja Das ist einfach nur was Altes und das, der nimmt und das was Altes bei ihm und das triggert was Altes bei mir. Und ja, und das ist genau dieses Schlafen haben, kann man voll entspannt damit sein. Das ist einfach wie mir ist ein Glas runtergefallen oder ich habe verschlafen oder ich habe die Milch vergessen einzukaufen. Also das ist halt so voll belanglos eigentlich, wenn es uns halt gelingt, eine Distanz da reinzubringen.
Und es ist total cool, weil dieses Wort Distanz würden ja viele gerade in Bezug, also das ist eine innere Distanz, aber die Distanz ja auch immer bei dem anderen zu so Dingen, die mich vielleicht normalerweise stören könnten. Also ich kann ja sowohl getriggert sein von der Situation, aber es könnte jetzt ja auch mal getriggert sein davon, wenn er immer die Milch vergisst oder so, oder halt immer irgendwas vergisst beim Einkaufen oder so was. Und ja, auch da eine Distanz reinzubringen. Das finde ich immer so spannend, weil der Begriff Distanz ja eigentlich in der Beziehung nichts verloren hat. Also ich will ja nicht eine Distanz zwischen uns bringen, aber ich bringe eine Distanz zwischen ein Geschehenes und meine Reaktion.
Genau, das ist ja eigentlich dieses, den Raum zwischen Reiz und Reaktion auszudehnen, zu weiten. Und das schafft Distanz zwischen Sich und Themen zu bringen schafft Nähe zwischen den Partnern. Und einfach die Dinge nicht so wichtig zu nehmen. Okay, meine Güte, ist halt der andere mal getriggert, hat vielleicht gerade Stress auf der Arbeit, vielleicht hat er ein Telefonat gehabt, vielleicht ist irgendein Thema, was ihn gerade stresst. Und dann einfach zu sagen, das muss ich ja überhaupt nicht persönlich nehmen. Und dann kann ich ja viel leichter auch ins Vergeben gehen, um jetzt den Bogen zum Vergeben wieder zu schließen. Weil ich habe jetzt gerade auch schon gedacht, ob wir zu weit abschweifen, aber ich glaube, es ist schon verständlich, was wir erzählen. Und dann einfach sagen, okay, du schließt den Bogen, oder es geht um Vergebung. Wenn du Distanz reinbringst und es nicht persönlich nimmst, kannst du viel leichter vergeben. Und was wir eben oft machen, ist, dass wir gemeinsam bedauern, Wenn wir mal, wenn es mal schiefgelaufen ist quasi, und uns dann aber auch mega dafür feiern, wenn es uns gelingt, wieder die Nähe wiederherzustellen. Weil das ist, glaube ich, das, was ganz viele Paare, was ganz vielen Paaren, jetzt fehlt mir das Wort, was ihnen nicht gelingt, ja, und zwar einfach Wenn Distanz entsteht, sofort wieder Nähe herzustellen.
Und zwar scheißegal, was war.
Genau, voll wurscht. Also das ist, also sag halt einfach mal, das tut dir leid und bedauere, dass es so ist, wie es ist, nur um wieder einen Schritt auf den anderen zuzugehen. Weil es gibt ja nichts Wichtigeres als die Beziehung zwischen euch und kein Thema, kein was weiß ich, kein gemähter Rasen, keine aufgeräumte Küche, kein Weihnachtsbaum. Kein was auch immer ist es wert, einen Keil zwischen euch zu treiben. Und deshalb immer zu sagen, lieber distanziere ich mich von den Themen, um die Nähe zwischen uns wieder größer zu machen. Und wenn die Nähe wieder groß ist und die verletzten inneren Kinder wieder besänftigt sind, lassen sich ja für die meisten Themen auch Lösungen finden, mit denen beide gut klarkommen können.
Ja, und das ist, weil du das gesagt hast, sag halt einfach mal, es tut mir leid oder so was. Ja, es ist ja, es reicht ja oft schon, wenn man manchmal in so einem inneren Groll den Schritt noch nicht schafft, kann man einfach sagen, es tut mir leid, dass jetzt diese Situation entstanden ist. Es tut mir leid, dass jetzt zwischen uns irgendwas gekommen ist. Ja, das ist so ein erster Schritt, der ja einfach nur das bedauert, dass du sagst, also keiner wollte ja, dass es jetzt schlechte Stimmung gibt.
Ja, kein Partner will Streit.
Genau. Keiner.
Also niemand, der sich gut fühlt, will Streit.
Ja.
Ja. Und deshalb immer auch dieses gemeinsame Bedauern. Das hast du ja damit quasi noch mal beschrieben. Zu sagen: Es ist Mist. Wieso kriegen wir es denn gerade nicht hin? Verflixt noch mal. Shit happens. Und dann entspannt sich die Situation schon wieder. Weil was ja oft passiert, das ist, ist ja so eine Dynamik zwischen Männern und Frauen. Und das ist, ich weiß schon, dass das ein bisschen Stereotypen sind. Ja, danke fürs Helfen. Und aber es ist schon, wir erleben es einfach immer wieder, dass Frauen neigen tendenziell eher dazu, alles auf sich zu beziehen. Der Bernd, wenn der Bernd irgendwie früher rumgemotzt hat oder auch jetzt, wenn er mal irgendwie seine dollen 30 Sekunden hat, dann beziehe ich das total schnell auf mich und denke, ich habe was falsch gemacht, der, ich, ich muss so, ich beziehe es auf mich. Und der Bernd oder Männer im Allgemeinen schimpfen ja eher über andere, die sagen, mein Gott, die pointen das nach außen, die fühlen sich genauso schlecht dabei, ja, aber die pointen es nicht auf sich selbst, sondern sie pointen oft nach außen, sagen: Das Kind, wieso macht das Kind immer? Und ich würde halt sagen, zum Beispiel: Wieso kriege ich nicht hin, dass das Kind XY macht? Ja, ich bin eine schlechte Mama oder was weiß ich. Ja, und da eben zu verstehen, dass in dem Moment, wo ihr es gemeinsam bedauert, hört dieser Mechanismus auf, und zwar sowohl bei ihm als auch bei ihr. Bei beiden hört dieser Mechanismus jemanden schlecht machen zu müssen, sich selbst oder andere, auf. Und ihr könnt schon wieder, es entspannt sich ein bisschen. Und eigentlich ist immer so, derjenige, der den Schritt ins Bedauern oder in die Vergebung als Erstes schafft, das ist eigentlich immer der, also der, der Stärkere von beiden schafft den Schritt ins Vergeben, weil es ist mit nicht so, dass Vergeben bedeutet, immer nachzugeben oder der Schwächere zu sein, sondern derjenige, der bereit ist zu vergeben, beweist die Größe, dass es ihm nicht ums Rechthaben geht.
Ja, und es ist ja, es geht ja nie. Also wenn man schon irgendwie auf so eine emotionale Ebene gekommen ist, also eine negativ emotionale Ebene an der Stelle, dann Dann geht es in dem Moment ja nicht erst mal überhaupt nicht mehr um die Sache. Also auch in dem Vergeben und dem Bedauern, da geht es überhaupt nicht mehr um die Sache. Lass die mal außen vor. Da gibt es Themen, da brauchen wir jetzt auch nicht vergeben und dann gleich wieder damit anfangen, sondern jetzt lass uns mal vergeben und lass uns mal wieder zusammenkommen, also wieder die persönliche Nähe herstellen. Und das Thema an sich lässt sich dann meistens eine halbe Stunde, eine Stunde, 2 Tage, 4 Wochen später auf einmal ganz entspannt lösen. Oder also löst sich von selbst, es löst sich von selbst dann. Oder das ist, weil man dann wieder, und jetzt komme ich auch wieder zum Sprichwort, aber halt einen klaren Kopf hat.
Ja, voll. Und weil eben klar ist, dass es meistens nicht um das, es geht nie, ein Problem ist, es geht nie um das Problem. Jetzt stottere ich hier rum. Aber es geht nie, also es geht nie um die Milch, die man vergessen hat. Es geht nie um den Tisch, den man vielleicht nicht abgewischt hat, sondern es geht eigentlich immer um Wertschätzung, um Gesehenwerden, um Respekt, um Anerkennung. Und das kriegst du halt, diese Ebene kriegst du halt geklärt durch Bedauern, durch Vergeben, durch Beziehungsarbeit, durch gemeinsam sich noch mal rückversichern und bestätigen, dass es uns darum geht, es zusammen hinzubekommen.
Gut hinzubekommen. Ja, genau.
Und so hoffen wir, dass wir dir ein bisschen was zum Thema Vergeben, Bedauern, einen Neustart machen, sozusagen themenbezogenen Neustart machen, ja, den Reset-Knopf drücken können, dass wir dir ein bisschen was dazu mitgeben wollten, konnten, und wünschen dir ein wunder-, wunderschönes, vergebungsvolles Weihnachtsfest.
Ja, falls du es jetzt vor Weihnachten hörst und wenn du es irgendwann anders hörst, dann nimm diesen Wunsch trotzdem mit.
Genau. Alles Liebe für dich.
Alles Liebe. Tschüss.
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