Du bist nicht der Ingenieur deiner Kinder - Podcast 190

In dieser Solo‑Folge des Gemeckerfrei‑Podcasts erklärt Bernd Bott, warum das verbreitete Bild des Elternteils als „Ingenieur“ der eigenen Kinder zu Überforderung, Schuldgefühlen und ständigem Druck führt. Er stellt das Gegenbild des „Schäfers“ vor: Eltern sollen ihre Kinder begleiten, schützen und Raum geben, anstatt sie zu formen oder zu optimieren. Bott untermauert das mit Forschung, die zeigt, dass Kinder bereits mit einem komplexen genetischen Mosaik von über 400 psychologischen Merkmalen geboren werden und nicht als leere Blätter gelten. Durch die Metapher des Samenkorns und des Schäfers verdeutlicht er, dass Eltern eher Rahmenbedingungen schaffen und als Vorbild dienen sollten. Abschließend gibt er fünf konkrete, sofort umsetzbare Schritte – Beobachten statt Bewerten, Raum halten, das Kind sein lassen, Vertrauen in das aktuelle Geschehen und das ständige Erinnern an die eigene Rolle als Schäfer und Vorbild – um den Perspektivwechsel praktisch zu leben und dadurch weniger zu meckern, Schuld zu empfinden und den Familienalltag zu entlasten.
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Doch der Gedanke ist nicht die Wahrheit. Er ist nur das Produkt eines uralten Denkfehlers, einer Vorstellung, die so tief in unserer Gesellschaft verankert ist, dass es sich wie ein Naturgesetz anfühlt. Und hier kommt jetzt das Bild, das ich so liebe, das für mich alles verändert hat. Stell dir vor, du bist kein Ingenieur, kein Konstrukteur, kein Architekt, sondern du bist ein Hallo und herzlich willkommen beim Gemeckerfrei-Podcast, dem Podcast für liebevolle Beziehungen in der Familie, als Paar und mit dir selbst. Ich bin Bernd Bott und zusammen mit meiner Frau Uli sind wir die Gründer von Gemeckerfrei. Wir sind Eltern von 4 Kindern, seit über 30 Jahren ein Paar. Wir haben 3 Spiele-Bestseller veröffentlicht, aber das Wichtigste, das sind die Tausende von Menschen, die mit Gemeckerfrei sich bereits ihr Traumfamilienleben erschaffen haben. Die allermeisten Podcastfolgen machen wir gemeinsam, aber weil es diese Woche gerade so besser passt, gibt es heute eine Solofolge mit mir. Und damit noch mal herzlich willkommen zu dieser ganz besonderen Folge. Vielleicht bist du gerade auf dem Weg zur Arbeit, vielleicht liegst du auf dem Sofa mit Kopfhörern und entspannst dich abends, vielleicht bist du gerade mitten im Familienalltag, vielleicht brauchst du auch gerade eine Pause. Oder einen neuen Gedanken, der dich wieder ein bisschen mehr bei dir ankommen lässt. Sei gespannt und freue dich auf die Inspiration. Heute geht es um ein Thema, das auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewohnt klingt, aber ich verspreche dir, es kann dein ganzes Erleben als Mama oder Papa verändern. Heute geht es um dich, um dein Kind und um die Beziehung zwischen euch oder natürlich deinen Kindern. Und es geht um ein Bild, das ich dir das dich möglicherweise aufatmen lässt. Ein Bild, das ich dir gern schenken möchte. Einen Perspektivwechsel. Wenn du uns schon kennst, weißt du, dass wir Perspektivwechsel sehr gerne mögen. Doch was dieser Perspektivwechsel genau ist, dazu kommen wir später. Du bist nicht der Ingenieur deiner Kinder. Was das eben bedeutet und warum das so wichtig ist und wie es dir hilft rauszukommen aus dem Gemecker, aus dem Druck und aus dem schlechten Gewissen, aus der Schuld, Das schauen wir uns jetzt mal genauer an und am Ende habe ich dann natürlich noch 5 ganz konkrete Schritte für dich, was du tun kannst, um diesen Perspektivwechsel zu vollziehen. Viele Eltern tragen ein Bild von Elternsein in sich, das sie immer wieder an ihre Grenzen bringt. Vielleicht kennst du das auch. Du denkst, du bist zu 100% verantwortlich für alles, was dein Kind tut oder sagt. Jedes Bitte, jedes Danke, die Hausaufgaben, ob es am Spielplatz mit Sand schmeißt, ob dein betrunkener Teenager irgendwas angestellt hat oder ob dein Säugling schreit. Es geht so verdammt schnell, dass wir als Eltern denken: Dafür bin ich verantwortlich, daran bin ich schuld. Du musst dein Kind im Blick haben, du musst alles sehen, du musst alles richtig machen, du musst Konsequenzen setzen, Grenzen klar machen, fördern, fordern, begleiten, lieben, ruhig bleiben, durchgreifen, empathisch sein, loslassen, halten und so weiter. Die Liste ist endlos. Und alles das musst du tun, damit dein Kind erfolgreich wird, glücklich, intelligent, beliebt, einen guten Job bekommt, nicht zum einsamen, seltsamen Sonderling wird, dass es viele Freunde hat. Und Achtung an dich, wenn du jetzt denkst, Mein Kind muss nicht erfolgreich werden, braucht auch keinen krassen Job. Es soll glücklich werden, es soll empathisch werden. Das kann dasselbe in Grün sein. Das bedeutet nämlich häufig nur, dass du das Leistungsmuster mit anderen Zielen füllst. Weil vielleicht ist es einer der möglichen und besten Wege für dein Kind, das bei dir ganz spirituell und erleuchtet aufwächst und von dir lernen soll, wie unwichtig materielle Dinge sind. Vielleicht ist es für dieses Kind das Richtige, dass es Aktientrader wird oder so was. Es geht in alle Richtungen, vollkommen egal, was dein Normal ist. Und ich habe sowieso keine Bewertung drauf, wie du lebst, was du da für Werte vertrittst und so weiter. Das ist hier auch vollkommen egal. Wenn du allerdings diesem Konzept folgst, wenn du glaubst, dass du dein Kind machst, dass du der Ingenieur bist, wenn du es vielleicht auch nur zum Teil und unterbewusst glaubst, dann passiert eines total schnell. Dann liegst du am Ende des Tages nämlich im Bett und fragst dich: Warum klappt es bei uns nicht so wie bei den anderen? Warum bin ich so oft so gereizt? Warum schreie ich rum? Warum meckere ich, obwohl ich das doch gar nicht will? Und dann kommt oft dieser eine Gedanke: Vielleicht bin ich einfach keine gute Mama, kein guter Papa. Doch der Gedanke ist nicht die Wahrheit. Er ist nur das Produkt eines uralten Denkfehlers, einer Vorstellung, die so tief in unserer Gesellschaft verankert ist, dass es sich wie ein Naturgesetz anfühlt. Die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder machen, dass sie die Ingenieure ihrer Kinder wären, dass du verantwortlich bist für alles, was dein Kind tut, kann und so weiter, dass du auch schuld dran bist, Dass du das Wesen deines Kindes durch deine Erziehung formen kannst wie ein Stück Ton. Aber was, wenn genau das nicht stimmt? Was, wenn das der Grund ist, warum du dich so oft hilflos, überfordert und schuldig fühlst? Und was, wenn du da rauskommen kannst? Nicht durch noch mehr Wissen, sondern durch eine andere, eine neue Perspektive. Weil es ist so: Die Forschung zeigt uns, Kinder sind keine leeren Blätter bei der Geburt. Sie kommen nicht als Blank Pages, als ungeschriebene Blätter zur Welt, die wir Eltern dann beschreiben können, wie wir wollen. Dein Kind ist eher eine Art genetisches Mosaik. Es bringt mehr als 400 psychologische Merkmale mit. Die hat es von dir, von deinem Partner, von den Omas, von den Opas, von den Uromas, von den Onkeln, von den Tanten und so weiter geerbt. Und dazu noch welche, die wie aus dem Nichts kommen. Es ist einfach eine einzigartige Kombination, ein Wesen, das es so noch nie gegeben hat und nie wieder geben wird. Und du, du darfst dieses Wesen begleiten. Nicht formen, nicht optimieren, nicht perfektionieren, sondern sehen, verstehen, hören, lieben. Stell dir das mal vor. Dein Kind ist wie ein Samenkorn. In dem Samenkorn steckt schon alles, was es braucht, um zu einem Baum zu werden. Und kein Apfelbaum wird zur Birke, nur weil du es willst. Aber was du machen kannst, ist den Boden bereiten. Du kannst gießen, du kannst düngen, du kannst schützen und dann beobachten, was da wachsen will. Manchmal wird es wild wachsen, in alle Richtungen, mit Dornen, mit Umwegen. Aber genau das macht es lebendig, echt und wahrhaftig. Vielleicht braucht dein Kind andere Bedingungen als du damals. Vielleicht braucht es mehr Ruhe oder mehr Action. Vielleicht liebt es Chaos oder es liebt Struktur. Vielleicht spricht es wenig oder andauernd. Vielleicht braucht es viel Nähe oder es braucht klare Rückzugsräume. Und das alles sind keine Probleme, die du lösen musst. Sondern das alles ist ein Teil von deinem Kind. Und hier kommt jetzt das Bild, das ich so liebe, das für mich alles verändert hat. Stell dir vor, du bist kein Ingenieur, kein Konstrukteur, kein Architekt, sondern du bist ein Schäfer oder eine Schäferin. Du bist nicht da, um aus deinem Kind was zu bauen. Du bist da, um es zu begleiten, um zu sehen, wie es sich entwickelt, was es braucht, wo es sich verläuft, was es schon kann und wo du einfach nur liebevoll daneben stehst, weil du weißt: Ah, das lernt es gerade. Ich muss gar nichts tun, außer da sein. Als Schäfer sorgst du für einen guten Rahmen. Du schützt, du lässt Raum, du gibst auch mal die Richtung vor, du sorgst für Sicherheit, du beobachtest, du gehst mit, aber du baust es nicht, du machst es nicht. Spürst du, wie entlastend der Gedanke ist? Das nimmt doch den Druck raus, oder? Denn es bedeutet, dein Kind darf sein. Und du darfst auch einfach sein. Es bedeutet auch, du darfst loslassen. Nicht gleichgültig, weil loslassen heißt nicht fallen lassen, sondern in tiefem Vertrauen. Und du darfst deine Erwartungen prüfen und deinen inneren Druck. Und du darfst ihn ersetzen durch Neugier, durch Sanftheit, durch echte Begleitung. Und ja klar, wie alle Metaphern hat auch diese ihre Grenzen, und zwar an der Stelle, wo du auch noch Vorbild sein darfst. Denn das ist der mit am allermeisten unterschätzte Einfluss auf unsere Kinder, der in Wahrheit der stärkste ist: du als Vorbild. Ganz einfach. Warum lernt ein Baby laufen? Weil die Eltern laufen. Warum lernt es sprechen? Weil die Eltern sprechen. Und so weiter und so fort. Also, du bist Schäfer und du bist Vorbild, aber niemals bist du Ingenieur. Dein Kind ist nicht dein Werkstück. Was heißt das für den Alltag, wenn du jetzt morgens aufstehst und dein Kind Mal wieder nicht aus dem Bett kommt, wenn es beim Anziehen trödelt, beim Frühstück motzt, beim Schuhe anziehen explodiert. Wenn du schon um 7:25 Uhr das Gefühl hast, du willst einfach nur raus, weg, Pause. Dann erinnere dich an dieses Bild. Du bist kein Ingenieur. Du musst nichts reparieren. Du bist ein Schäfer. Du bist einfach da. Und du bleibst in Verbindung. Dein Kind braucht keine Optimierung. Es braucht dein Sehen, dass es gesehen wird von dir. Es braucht deine liebevolle und klare Führung. Übrigens ist die liebevolle und klare Führung eines der wichtigsten Elemente in unseren Programmen, wo Mamas und Papas von Grund auf lernen, wie sich denn gemeckerfrei im Familienalltag einfach und nachhaltig umsetzen lässt. Also, es braucht liebevolle und klare Führung. Es braucht deinen Glauben an das Gute in ihm, auch wenn es gerade schimpft, lügt, schreit, Drogen nimmt, sich verweigert oder sonst irgendwas. Denn alles, was dein Kind tut, ist ein Versuch, sich zu regulieren, gehört zu werden, in Kontakt zu bleiben auf seine Art. Wenn du du deinen Blick änderst, verändert sich alles. Was tun Schäfer noch oder tun sie eben nicht? Schäfer überwachen nicht jede Bewegung. Sie bewerten nicht. Sie vergleichen nicht. Sie beobachten. Sie vertrauen. Sie greifen ein, wenn es wirklich nötig ist, und lassen laufen, wenn es mal gerade nur laut wird, wild oder unkoordiniert oder auch mal unbequem ist. Weil sie wissen, Entwicklung braucht Zeit, Verbindung braucht Geduld. Und das Leben ist kein Plan, sondern ein Prozess. Dein Kind wird Fehler machen, so wie du übrigens auch. Es wird Grenzen testen, es wird dir auf die Nerven gehen und du wirst Fehler machen. Du wirst meckern, du wirst zu viel wollen, zu laut sein, zu erschöpft. Und so weiter. Und trotzdem, ihr bleibt verbunden, wenn du dich daran erinnerst, dass du nicht funktionieren musst, sondern einfach da sein darfst. Du kannst dich fragen: Was ist heute wirklich wichtig? Nicht: Was ist richtig? Sondern: Was ist wichtig? Was verbindet? Was macht sicher? Was schafft Nähe? Und es soll keine Ausrede werden, weil ich sehe schon die Kommentare von wegen: Da kann ich ja einfach alles lassen, wie es ist, ist ja egal. Nein, nein. Wenn du als Schäfer und Vorbild nichts taugst, wenn du nicht das Wissen und vor allen Dingen die innere Größe hast, das zu sein, den Raum zu halten, dann geht es wirklich schief, weil dann fehlt deinem Kind die Guidance, die Führung. Und spätestens in der Pubertät sucht es sich diese Führung dann woanders. Und das kann gehörig schiefgehen. Deshalb, ja, ich finde, es ist wirklich die Aufgabe für uns als Eltern, an uns und unserer Persönlichkeit immer weiter zu arbeiten, immer bewusster zu werden, uns als Vorbild und Schäfer immer weiterzuentwickeln. Und genau das machen ja die Teilnehmer in unseren Programmen und Kursen. Sie lernen das und sie entwickeln sich weiter. Lass uns jetzt mal die Perspektive deiner Kinder einnehmen. Stell dir vor, dein Kind könnte in Worten ausdrücken, was es braucht. Vielleicht würde es Sätze sagen wie: Ich bin gekommen, wie ich bin, mit meiner Art, mit meiner Stimme, meinen Eigenheiten. Ich brauche dich nicht, um perfekt zu werden. Ich brauche dich, um mich selbst zu entdecken, in einem sicheren Rahmen. Ich brauche nicht deine Erziehung, ich brauche deine Verbindung. Ich brauche nicht deine Kontrolle, ich brauche dein Vertrauen. Ich brauche nicht, dass du mich machst, ich brauche, dass du da bist. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke und diese Sätze in Momenten, in denen du sonst schimpfen würdest, in denen du dich hilflos fühlst, Entschuldigung, oder allein. Dann atme, mach eine Pause und erinnere dich an das, was du bist: ein Schäfer, ein Vorbild, ein Mensch in Verbindung mit einem anderen Menschen. So, und wie ich versprochen habe, werden wir jetzt noch ganz konkret noch 5 Schritte, was du tun kannst ab heute. Was heißt es also, ein guter Schäfer oder eine gute Schäferin zu sein? Du brauchst keine neuen Tricks, du brauchst keine perfekte Strategie. Du brauchst eine neue Haltung und du darfst anfangen mit diesen 5 Schritten: Beobachte statt zu bewerten. Sag innerlich: Wie spannend, dass du gerade so reagierst. Halte Raum statt zu reagieren. Atme, mach eine Pause. Wer schon bei uns war, Glitzerstaub-Methode. Werd magisch, werd echt. Drittens: Lass dein Kind sein. Sag nicht: Warum bist du so? Sag: Erzähl mir, was du fühlst. Viertens: Vertrau auf das, was ist, auch wenn du es gerade nicht verstehst. Dein Vertrauen ist immer eine Entscheidung. Und last but not least, Nummer 5: Erinnere dich: Ich bin ein Schäfer. Und ich bin ein Vorbild. Ich begleite, ich muss nichts machen. Du musst dein Kind nicht machen, du musst es nicht verbessern, du musst es nicht beschleunigen, und du musst es nicht reparieren. Du darfst es lieben, du darfst es begleiten, du darfst da sein, echt, unperfekt, weich und wach. Und du darfst dir selbst verzeihen, weil du jeden Tag neu beginnst, weil du lernst, weil du den Mut hast hinzusehen. Danke, dass du dir unseren Podcast ansiehst, immer wieder ansiehst, oder vielleicht jetzt zum ersten Mal gesehen hast. Wenn es so ist, dann empfehle ich dir, scroll ein bisschen rum und such dir noch ein paar andere Folgen aus. Danke, dass du diesen Weg gehst. Danke, dass du dein Kind siehst und dich selbst auch. Du bist kein Ingenieur, du bist ein Schäfer und du bist ein Vorbild. Und du bist auf dem besten Weg. Vielen Dank fürs Zuhören, vielen Dank für deine Zeit, vielen Dank, dass du mit uns diese Welt zu einem schöneren Ort machst. Alles Liebe für dich.
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